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Artikel: Vortrag von Yuji Nunokawa an der Uni Wien   [Kompletter Artikel]



Yuji Nunokawa, der Direktor eines der wichtigsten Produktionsstudios Japans, des Studio Pierrots, war am 13. November 2003 am Wiener Uni-Campus, um einen Vortrag über Anime und sein Produktionsstudio Pierrot zu halten. Dabei war der Arme total müde, weil er die Zeitumstellung noch nicht gewöhnt war… bei ihm zu Hause in Japan wäre es schon drei Uhr früh, als er mit dem Vortrag begann.

Yuji Nunokawa
war selbst zehn Jahre lang nur ein kleiner Zeichner, bevor er das Studio Pierott 1977 gründete. Er arbeitet also schon seit ca. 30 Jahren in der Anime-Branche und hat schon eine Menge Erfahrung und Wissen in dem Gebiet. Studio Pierrot produzierte bislang 62 Filme und Serien (wenn man alle Folgen aller Serien und Filme zusammenzählen würde, sind das über 3000 Episoden!); die erste und uns wohl bekannteste ist „Nils Holgersson" (Yuji Nunokawa war total erstaunt, wie er das Publikum fragte, ob es vielleicht „Nils Holgersson" kenne und alle bejahten), aber auch „Biene Maya" wurde von Pierrot produziert und weltweit verkauft. Durch die weltweite Vermarktung der Animationsfilme kam es natürlich auch zu kleineren kulturellen Problemen; so wurden die Zeichner von Pierrot zum Beispiel gebeten, die Äpfel in „Nils Holgersson" nicht mehr so groß zu zeichnen, da das die europäischen Produzenten verwirrte – denn in Europa sind die Äpfel weitaus kleiner als die gezeichneten japanischen Äpfel.

Wie entstand eigentlich Anime?
Vor den ersten Animefilmen gab es natürlich schon lange Mangas. Einer der berühmtestenb Manga-kas, Osamo Tezuka (eines seiner berühmtesten Werke war „Astro Boy"), baute in seine Mangas Elemente und Techniken des Filmes ein; seine Comics waren einem Storyboard sehr ähnlich. Vor 40 Jahren gründete er die erste Anime-Produktionsfirma, „Mushi Production" und produzierte mit „Astro Boy" die erste Animeserie. Alle Nachfolger von Osamo Tezuka wurden sehr von ihm beeinflusst (vor allem was den Stil anging: Osamo Tezuka war derjenige, der den „typischen" Animestil einführte, d.h. die großen Augen, etc.), so auch Yuji Nunokawa, der sogar anfangs bei Mushi Production arbeitete.

In den Sechzigern geriet die japanische Filmproduktion in eine Krise; es wurden viel weniger Spielfilme gedreht wie früher. Plötzlich verloren viele Filmschaffende ihre Jobs, was einige dazu brachte, von der Realfilmbranche in die Animationsfilmbranche zu wechseln. Dieses Phänomen gab es allerdings nur in Japan; in allen übrigen Ländern gab es nie so einen extremen Boom in der Trickfilmbranche. Die Animefilme wurden mit der Zeit immer realistischer, es wurde auch auf Geschichte etc. mehr wert gelegt was dazu führte, das Anime auch für ein erwachsenes Publikum interessant wurde.

Heute hat der japanische Animationsfilm schon überall, auch in der westlichen Welt, Fuß gefasst. Daher gibt es auch viele amerikanische Realfilme, bei denen der Einfluss von Anime sichtbar wird, wie bei „Matrix" oder „Kill Bill". In Japan werden 70 (!) Folgen von Animeserien pro Woche gezeigt; vier davon sind von Pierrot. Es gibt ca. 440 Animeproduktionsstudios; 12 davon sind so groß wie Pierrot. All diese Studios produzieren jährlich ca. 30 Anime-Kinofilme und 3000 Folgen pro Jahr.



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