Zum Inhalt der Seite

Interviews: Interview mit Edgar Höfler aka Gatsu (Produzent der AnimeNation)   [Kompletter Artikel]



Auf der Buchmesse Leipzig trafen wir Edgar Höfler, vielen besser bekannt als Gatsu!, den Produzenten der Anime Nation. Er erzählte uns nicht nur Interessantes über sein „I Love You Projekt", sondern hatte auch einiges über die Raubkopie-Situation in Deutschland zu sagen und warum die momentane Situation dazu beiträgt, dass keine japanischen Bands nach Deutschland kommen wollen...
AnimePRO: Was kann man tun, damit sich die CDs besser verkaufen? Mehr TV-Werbung vielleicht?
Edgar Höfler: Nein, überhaupt nicht. Uns geht es so wie dem ganzen Manga-Markt – man versucht einfach nach und nach, größer zu werden. Wenn man bedenkt, was vor fünf Jahren war und jetzt sitzen wir auf einer Messe in einer ganzen Halle voll mit Manga. Und auch wir werden uns weiterentwickeln. Was wir im speziellen machen ist, dass wir
einzelne Sänger und Songs aus dem „ILY! Projekt" nehmen und extra herausbringen – die bleiben dann nicht bei unserem Label, sondern werden dann ganz traditionell an größere Plattenfirmen „verkauft". Im Herbst kommt z.B. das erste Soloprojekt „Love Jay" heraus.

AnimePRO: Erzähl uns mal mehr darüber!
Edgar Höfler: (lacht) Nein, aus mir bekommt ihr nichts mehr heraus – ich hab schon zuviel erzählt. Lass dich überraschen, wir haben da eine superschöne Idee, die wir im Sommer produzieren und im Herbst herausbringen werden. Auch größere Firmen haben da schon Interesse dran.

AnimePRO: Dann lassen wir uns überraschen
^_^! Wieviele Leute wirken mittlerweile beim „ILY! Project" mit?
Edgar Höfler: Momo-chan ist die Chefin der Sängerinnen, sie hält alles zusammen und plant alles; dann gibt es noch Gina, die früher bei den Lollipops war und bei uns jetzt die Dance-Projekte macht, weiters machen noch Johanna-chan und unsre kleine Lisa-chan mit – diese Gruppe bildet sozusagen den „Stamm". Dann beteiligen sich natürlich noch ein paar Musiker und Produzenten, die die ganze Arbeit machen (lacht), an dem Projekt.

AnimePRO: Einige Produzenten? Dann bist du nicht alleine am Werk?
Edgar Höfler: Nein, das wäre ja viel zu viel. Da gibt es Botaku, der mich in den 80ern überhaupt zu Anime gebracht hat; ein großer Akira-Fan, der auch gerne Zeichnet und mit mir Anfang der 90er unseren ersten AMV gemacht hat – unbeachtet von der Welt, aber ich glaube unser AMV war einer von den ersten. Als weitere Produzent arbeiten es noch Peter Hofmann und Nenat mit. Wir sind eine Gruppe von Leuten, die auch die unterschiedlichsten Sachen produzieren – so macht Botaku mehr die Dance-Geschichten, ich hingegen mehr die J-Pop Geschichten, Nenat die klassischen Geschichten und Peter Hofmann mischt alles zusammen. Die ganze Arbeit muss ja aufgeteilt werden, wenn man soviel produziert.

AnimePRO: Welche CD erwartet uns als nächstes vom „ILY! Project"? Letztens kam ja die „Anipara Club Nr.1" auf den Markt und nach dem, was du uns da ge
rade erzählt hast, kommen ja noch einige CDs heraus...?
Edgar Höfler: Wir werden auf jedenfall die nächste ParaPara CD aufnehmen, denn die „Anipara Club Nr.1" lief sehr gut, obwohl man bei uns dazu immer noch „Dancemusik" sagt, obwohl ParaPara ein eigener Tanzstil ist. Bei uns gibt es leider noch keine ParaPara-Gruppen, aber in Amerika ist dieser Stil schon weit verbreitet. Unser momentanes Projekt ist ja bekanntlich die Pummeldex Hits Vol.1, die ja wieder mehr in Richtung J-Pop geht, aber noch Anime-Songs gesungen werden.

AnimePRO: Warum ist es eigentlich so schwer, mit den Japanern zu kooperieren? Liegt das nur an der Situation mit den Raubkopierern, oder gibt es noch andere Gründe dafür? In unserem letzten Interview hast du erzählt, dass du zwei Tage nach Japan musstest, obwohl du kein japanisch und dein Geschäftspartner kein englisch konnte. Aber es kam zustande. Warum?
Edgar Höfler: Die Japaner machen etwas anders Geschäfte als wir. Sie haben ein sehr klares Rechts und Unrechtsbewusstsein und bestehen darauf, dass sie dich persönlich kennen. Das heißt, die wollen wissen, wenn sie jemandem 10.000 km entfernt die Rechte für ihr Produkt geben, ob sie sich darauf verlassen können, dass hier kein Unfug damit gemacht wird. Die können ja nicht wissen, wer ich bin bzw. wer wir sind und was wir machen – daher wollen sie uns kennen lernen und die Geschäftsbeziehungen müssen sich erst einmal entwickeln. Die Japaner sind übrigens sehr davon überrascht, wie groß die Anime und Manga Szene in Europa mittlerweile geworden ist.

AnimePRO: Warum überrascht? Haben die japanischen Firmen hier nicht ihre Leute, die ihnen Bericht erstatten und sie über die Lage informieren? Das Interesse an Manga und Anime hat sich doch mittlerweile in Europa - und nicht zu vergessen in Amerika - zu einem wahren Hype entwickelt.
Edgar Höfler: Du darfst Europa nicht mit Amerika verwechseln, weil in Amerika grundsätzlich fast alles geht. Nach Amerika werden alle Anime und Soundtracks etc. lizenziert, weil der Markt größer ist und der Hype in den USA ebenfalls noch etwas größer als hier ist. In Deutschland entwickelte sich das ganze erst in den letzten paar Jahren und das braucht einfach Zeit. Und hier, das darfst du nicht vergessen, gibt es auch das Raubkopie-Problem. Ich verweise immer wieder drauf, denn die Verlage und Firmen sind ja hier - auch auf der Buchmesse, um zu kontrollieren, ob ihre Rechte missbraucht werden oder nicht, und das ist ein ganz wichtiges Kriterium.

AnimePRO: Stellen die Raubkopien aus Taiwan wirklich einen so starken Hinderungsgrund für die Japaner da? Ich habe gehört dass einige Künstler deswegen nicht nach Deutschland kommen.
Edgar Höfler: Ja, das ist vollkommen richtig. Was wir hier in Deutschland einen „Hype" nennen, ist was Anime und Manga angeht in Japan eine Art Tradition und die Japaner haben ein anderes Verständnis bzw. Bewusstsein dafür; das heißt dass die Kids dort ihre Idole unterstützen, indem sie z.B. ihre CDs und Artbooks kaufen. Wenn Mana ein Konzert gibt, dann signiert er dort nur sein Artbook und nicht irgendeinen weißen Zettel. - das ist eine dieser „Traditionen" und das finde ich auch in Ordnung. Das lauft nun mal so ab und man muss immer bedenken, weshalb die hier rüber kommen sollen: sie müssen auch aus ökonomischer Sicht einen Anreiz haben. Sie können schlecht zweimal Minus machen, denn dann gibt es sie nicht mehr.
Das ist jetzt alles zwar sehr ökonomisch, ich spreche das nur deswegen an, weil das für die Japaner aber sehr wichtig ist. Wenn man aber auf der anderen Seite mit einem Japaner einmal Geschäfte gemacht hat, dann halten sie für den Rest seines Lebens, es gibt dann schon eine gewisse Treue und Vertrauen, das eigentlich schwer zu brechen ist.



[Weiter...]


Zurück zu den AnimePRO-Artikeln