Zum Inhalt der Seite

Interviews: Interview mit Dr. Joachim Kaps, Verlagsleiter von Tokyopop Deutschland   [Kompletter Artikel]



nterview mit Dr. Joachim Kaps, Verlagsleiter von Tokyopop DeutschlandSeit Oktober 2004 hat Deutschland einen neuen Mangaverlag: Tokyopop hat sich jetzt auch in Deutschland niedergelassen. Der neue Verlagsleiter ist schon ein alter Hase im Manga-Buisness: Dr. Joachim Kaps war früher der Leiter des Comic-Bereiches von Carlsen. Im Interview mit AnimePRO verriet er so einiges über seinen Abgang von Carlsen, seine Pläne mit Tokyopop und deutsche Nachwuchs-Mangaka. Das Interview führte Evelyn Waclawiczek für AnimePRO.

Animepro: Danke, dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben, Herr Dr. Kaps! Könnten Sie sich bitte unseren Lesern einmal kurz vorstellen?
Joachim Kaps: Gern. Mein Name ist Joachim Kaps, Jahrgang 1964, ich habe lange Zeit den Comic-Bereich bei Carlsen geleitet und bin nun sehr froh und stolz, dass mir die Chance gegeben wurde, mit meinem Team TOKYOPOP Deutschland aufzubauen.

Animepro: Sie waren früher bei Carlsen. Wieso haben Sie Tokyopop Germany gegründet?
Joachim Kaps: Ich habe mich im vergangenen Jahr nach einem langen und teils schmerzvollen Prozess dazu entschlossen Carlsen den Rücken zu kehren, weil ich und die beiden Geschäftsführer bei Carlsen nicht mehr die gleichen Vorstellungen darüber hatten, wie man Manga in eine sichere Zukunft führt. Ich habe es vorgezogen zu gehen statt einen schleichenden Niedergang verantworten zu müssen, der auf einer meiner Meinung nach falschen strategischen Ausrichtung beruht.
Nachdem ich gegangen war, bin ich von verschiedenen ausländischen Verlagen angesprochen worden und haben mehrere Angebote bekommen, in Deutschland ein neues Label aufzubauen. Das von TOKYOPOP erschien mit am attraktivsten, und so habe ich zugeschlagen.

Animepro: Welche strategischen Fehler begeht denn in Ihren Augen Carlsen?
Joachim Kaps: Vor allem sieht man Carlsen als einen traditionellen Buchverlag an, der möglichst nichts produzieren sollte, was nicht aus Papier ist oder nicht ausschließlich über den Buchhandel vertrieben wird. So gab es immer wieder Diskussionen über den Fortbestand der beiden Magazine und die geplante Einführung eines DVD-Programms. Man kann meines Erachtens auf Dauer aber Manga nicht auf eine breitere Basis stellen, wenn man nicht medienübergreifend denkt.
Die großen Erfolge des japanischen Marktes sind ohne Ausnahme durch die Umsetzung starker Themen in allen erdenklichen Formen entstanden. Will man den hiesigen Markt wirklich auf eine neue Stufe stellen, so muss man daraus lernen. Die Leitung von Carlsen stellte aber selbst die bereits beschrittenen Wege (z.B. die beiden Magazine) immer wieder in Frage. So hat sich einfach immer mehr gezeigt, dass wir den weiteren Weg nicht werden zusammen gehen können. Dies hat vielleicht aber auch damit zu tun, dass sich die Geschäftsführung von Carlsen in all den Jahren kaum mit dem Manga-Programm beschäftigt hat und in ihrem Denken eben sehr stark vom Kinderbuch geprägt ist, wo man mit den klassischen Konzepten vielleicht wirklich besser fährt.

Animepro: Sie werden diese Fehler bei "Ihrem" Verlag vermutlich nicht begehen, da ja neben Mangas auch Manhwas und Anime publiziert werden. Wie schaut es aus mit Computergames und Soundtracks zu Anime? Ist da etwas geplant?
Joachim Kaps: Aktuell nicht. Entscheidend ist für mich auch gar nicht, dass man zwingend alles selbst macht, sondern dass man keine irrationale Angst vor anderen Medienbereichen hat. Ob man dann selbst produziert oder zum Teil auch als Vermittler von Themen aktiv wird, hängt von dem jeweiligen Fall ab. Auch Kooperationen mit anderen Firmen können durchaus Sinn machen.

Animepro: Apropos Kooperationen... sind Kooperationen mit der "Mutterfirma" von Tokyopop Deutschland, also mit Tokyopop Japan oder Tokyopop USA geplant?
Joachim Kaps: Ja, natürlich. Es wäre unsinnig, die phantastischen Strukturen dieser Firma nicht zu nutzen. Wir alle sehen es als ein großes Geschenk an, nun über drei Kontinente hinweg verknüpft zu sein und dadurch international arbeiten zu können, wo es Sinn macht. Zwei konkrete Beispiele: PRINCESS AI, eine 100%ige TOKYOPOP US-Entwicklung, ist für uns gerade einer unser ersten Erfolge.
Ein Beispiel aus dem Bereich der strukturellen Vernetzung: TOKYOPOP Deutschland wird ab 1. Januar die internationale Verwertung aller Themen übernehmen, gleich, ob sie in Japan, den USA oder Deutschland entstanden sind. Das eröffnet spannende Perspektiven, weil das deutsche Unternehmen dadurch eine sehr aktive Rolle im gesamten europäischen Markt spielen wird.

Animepro: Werden eventuell auch deutsche Produktionen bei Tokyopop Japan oder USA erscheinen?
Joachim Kaps: Ja, es ist z.B. jetzt schon sicher, dass YONEN BUZZ auch in den USA bei TOKYOPOP erscheinen wird.

Animepro: Warum nicht auch bei Tokyopop Japan?
Joachim Kaps: Das habe ich ja gar nicht gesagt. ;-) TOKYOPOP Japan bereitet sich nur gerade erst darauf vor, auch publizistisch tätig zu werden. Und da sich die Pläne noch in der Entwicklung befinden, ist es derzeit noch nicht endgültig entschieden.

Animepro: Tokyopop publiziert auch sehr viele Manhwa; "Demon Diary" war auf Platz 1 der deutschen Manga-Verkaufscharts.
Joachim Kaps: Offen gestanden: Dazu braucht es momentan gar nicht so viel. Meines Erachtens haben EMA und Planet Manga sich zu wenig um ihre bislang veröffentlichten Manhwa bemüht. Und das hat sich in einem eher schwachen Verkauf niedergeschlagen. Mit DEMON DIARY und I.N.V.U. sind wir gerade auf einem sehr guten Weg, der dazu beitragen kann, den Beweis anzutreten, dass Manhwa sich nicht hinter Manga verstecken müssen.
Ob Manga, Manhwa oder Comic: Am Ende zählt eben doch vor allem, ob eine interessante Geschichte erzählt und sie mit Liebe zu dem Titel vermarktet wird. Wir haben in Sachen Korea noch einiges in Planung! Und auch einen ganz neuen Markt werden wir bald eröffnen, der bislang in Europa und den Staaten noch keine Bedeutung spielt.

Animepro: Das klingt sehr interessant. Können Sie uns vielleicht ein wenig mehr über diesen "ganz neuen Markt" erzählen? :-)
Joachim Kaps: Es geht um Taiwan. Wir haben da eine ausgesprochen großartige Zeichnerin entdeckt, die wir ab 2005 verlegen werden. Auf dieses Projekt freue ich mich sehr. Es zeigt, dass auch TOKYOPOP Deutschland neues für die Gruppe entdecken kann.

Animepro: Um welches Projekt handelt es sich genau? Und wann können wir damit rechnen?
Joachim Kaps: Noch genauer möchte ich an dieser Stelle nicht werden, aber man kann sich im dritten Programm auf diese Überraschung freuen.(...)


[Weiter...]


Zurück zu den AnimePRO-Artikeln