Interviews: AnimaniA im Interview [Kompletter Artikel]
Die Animania, Deutschlands bekanntestes Anime und Manga Fachmagazin dürfte wohl jedem ein Begriff sein. Doch wie hat sich die AnimaniA Entwickelt?.. Von wo bezieht sie ihre Informationen ?.. Und wie wird man AnimaniA Redakteur?
AnimePRO hat für euch diese Fragen (und auf noch einige mehr) Antworten! Mehr dazu, in unserem Gespräch mit dem AnimaniA Chefredakteur Thomas Webler.
| AnimePRO: Guten Tag, Herr Webler! Bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor. Thomas Webler: Hallo und guten Tag! Mein Name ist Thomas Webler und ich zähle seid knapp sechs Jahren zur AnimaniA-Crew. Seit nunmehr 2 ½ Jahren habe ich die Ehre, das Vergnügen und die Verantwortung, als AnimaniA-Chefredakteur gemeinsam mit meinem fünfköpfigen Redaktions- und Layout-Team unsere treuen Leser Monat für Monat mit einer druckfrischen Ausgabe zu versorgen. AnimePRO: Wann wurde die erste AnimaniA veröffentlicht?
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Thomas Webler: AnimaniA hat als erstes Magazin in diesem Bereich die Entwicklung der Anime- und Manga-Branche in Deutschland von Beginn an begleitet und auch entscheidend mitgeprägt. Wie bereits erwähnt startete AnimaniA 1994 als schwarzweiß gedrucktes „Fanzine" und bediente die damals logischerweise noch sehr kleine Anime-Anhängerschaft mit Infos rund um das Thema. Damals war der deutsche Anime- und Manga-Markt noch sehr übersichtlich. Die Fans konnten sich auf die wenigen Releases mit Vorfreude und Finanzplanung einstellen. Außerdem wurden Animes seinerzeit ausschließlich im japanischen Originalsoundtrack mit deutschen Untertiteln veröffentlicht. Mittlerweile ist der einstige „Special-Interest-Markt" für die Verlage und Publisher aber sehr lukrativ geworden, sodass bei einer Anime-Veröffentlichung eine deutsche Synchronisation im wahrsten Sinne des Wortes zum guten Ton gehört.
Auch die Marktpräsenz hat sich der Kundennachfrage entsprechend vergrößert: So buhlen mittlerweile neben Carlsen Comics, Panini und EMA auch Verlage wie Tokyopop und Heyne um die Gunst der Manga-Leser. Auf dem Anime-Sektor kamen zu Branchen-Veteranen wie OVA Films, Panini Video und Anime Virtual im Laufe der Zeit auch ADV Films, Red Planet und große Majors wie ufa Anime, Warner Home Entertainment und Sony Pictures Home Entertainment dazu. In den Jahren 2005/2006 konnten sich die Fans hierzulande über so viele Anime- und Manga-Neuerscheinungen freuen (und teilweise auch ärgern :-) ) wie nie zuvor. Dementsprechend hat sich AnimaniA im Laufe der Jahre vom zweimonatlich erscheinenden „Fanzine" zum monatlich erscheinenden „Fachmagazin" für dieses Segment auf dem Markt etabliert.
Um neben diesen Exklusiv-Features allen Neuveröffentlichungen in Deutschland redaktionell gerecht zu werden, die Leser über die Qualität einer Anime-DVD oder eines Mangas ausführlich informieren zu können und dennoch weiterhin über die gesamte multimediale Bandbreite des Themas auch in den Bereichen Realfilm, J-Pop/-Rock, Games und Lifestyle (J-Culture) zu berichten, haben wir den Heftumfang in der Vergangenheit konsequent auf mittlerweile stolze 100 Seiten gesteigert.
AnimePRO: Wie bezieht die AnimaniA ihre Informationen rund um die Anime & Manga-Branche?
Thomas Webler: Wir
sind nicht nur Ansprechpartner Nr. 1 für die hiesigen Verlage und
Anime-Publisher – auch unseren engen Kontakt zu den japanischen
Verlagen, Animationsstudios und Lizenzhändlern konnten wir vor allem in
den vergangenen fünf Jahren stark forcieren. Anstatt uns auf Hörensagen
oder Internetgerüchte zu beziehen, glüht bei uns der heiße Telefondraht
nach Japan und wir fliegen selbst mehrmals im Jahr nach Tokio, um
unseren Lesern exklusive Infos, Themen und Features aus erster Hand
bieten zu können. Dazu zählen Blicke hinter die Kulissen wie in unseren
beliebten Studiobesuchen und Interviews mit Branchengrößen wie
beispielsweise GitS-SAC-Regisseur Kenji Kamiyama und viele, viele mehr,
die wir in ihren Studios und Ateliers in Tokio treffen. Außerdem
berichten wir direkt vor Ort von Events wie der Tokyo Animation Fair,
der Tokyo Game Show und weiteren, in Japan stattfindenden, für unsere
Leserschaft interessanten Events.
AnimePRO: Wie würden sie die Entwicklung des deutschen Marktes im internationalen Vergleich einschätzen?
Thomas Webler: Hier
einen direkten Vergleich anzustellen ist nicht ganz einfach, da die
Ausgangssituation in anderen Ländern eine komplett andere ist. Nehmen
wir als Beispiel Frankreich: Hier haben die Themen Anime & Manga
eine viel längere Geschichte und eine viel größere Infrastruktur als in
Deutschland. Viele Menschen sind hier mit der „Ware aus Fernost" groß
geworden und Anime & Manga zählen dort seit jeher zum festen
(Comic-)Kulturgut. In den USA ist die Nachfrage nach Anime & Manga
derweil bevölkerungsbedingt logischerweise wesentlich größer als im
direkten Vergleich zu Deutschland. Betrachtet man die Entwicklung
hierzulande aber als solches, so finde ich, dass das Thema in den
vergangenen drei Jahren, vor allem aufgrund der wachsenden Präsenz von
Animes im TV (seinerzeit VIVA, jetzt MTV und RTL II), natürlich auch
durch den Vormarsch im Kino (Stichwort Ghibli-Movies) und letztendlich
durch die zielgerichtete und breitere Positionierung in den
Massenmärkten (wie Media Markt, Saturn, etc.) und Buchmärkten rasant an
Bedeutung gewonnen und somit eine schnelle Weiterentwicklung erfahren
hat.
AnimePRO: Wie wird sich dieser Trend
Ihrer Meinung nach fortsetzen? Sehen Sie in dem Boom nur eine temporäre
Erscheinung?
Thomas Webler:
Wir beobachten die derzeitige Entwicklung natürlich sehr gespannt. Wie
zuvor bereits erwähnt, sind monatlich noch nie so viele neue Mangas und
Animes erschienen. Der Fan hat also auf der einen Seite eine so große
Auswahl wie nie zuvor – muss sich aber auf der anderen Seite ganz genau
überlegen, wofür er sein Geld ausgibt. Mit der Flut an
Neuveröffentlichungen kommen natürlich nicht nur qualitativ hochwertige
Produkte, sondern auch viel Durchschnittsware auf den Markt. Der Fan,
respektive der Kunde wird selektieren und somit wird sich automatisch
auch die Spreu vom Weizen trennen. Das bedeutet für die Verlage und
Publisher, dass längst nicht mehr alle Titel lukrativ laufen.
Langfristig muss also verstärkt auf Einkäufe attraktiver und
hochwertiger Lizenzen geachtet werden. Es könnte also eine Gesundung
stattfinden, die das Titelaufkommen auf ein vernünftiges und qualitativ
hochwertiges Maß schrumpfen lässt. Um darüber hinaus den nun schon
länger anhaltenden Boom als feste Marktgröße zu etablieren, müssen neue
Zielgruppen angesprochen und erschlossen werden. Der Frage, wie das
funktionieren kann, muss sich die gesamte Branche stellen – und da
schließe ich natürlich auch AnimaniA mit ein.
AnimePRO: In welche Ressorts ist die AnimaniA gegliedert, wie viele Redakteure arbeiten für die AnimaniA?
Thomas Webler: AnimaniA
besteht derzeit aus vier Redakteuren, einem Volontär und unserem
Layouter, der auch gleichzeitig für die Produktion verantwortlich
zeichnet. Ressorts in diesem Sinne gliedern sich natürlich automatisch
anhand der Vielfalt an Rubriken, die wir dem Leser in der AnimaniA
bieten. So haben wir neben „Anime & Manga: Deutschland, Japan, USA"
die japanischen Realfilme („Screenshot"), japanische Rock- und
Pop-Musik („Soundcheck"), Videospiele („Virtual Area"), sämtliche
Events von der AnimagiC bis zur Tokyo Game Show („Conventions"), nicht
zu vergessen die Leserbriefe & Fanarts („Fan Corner"), die
Gewinnspiele („Der Preis ist heiß") und natürlich unsere
News-Doppelseiten für die Anime-, Manga- und J-Culture-Themen. Es ist
so, dass jeder unserer Redakteure sein spezielles (Genre-)Faible und
Fachwissen hat und so für spezielle Artikel, Rubriken und darüber
hinaus auch für die DVD-Produktion verantwortlich ist. Dennoch sind
alle Redakteure flexibel einsetzbar und thematisch aufgeschlossen, so
dass jeder einzelne mit Begeisterung einen Artikel für die einzelnen
Rubriken beisteuern kann.
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| Die AnimaniA Redaktion: Jens, Christian, Mario, Thomas, Sabine und Chris (v.l.n.r.), wird auch 2007 wieder auf der Leipziger Buchmesse, mit Stand präsent sein. |
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AnimePRO:
Seit knapp zwei Jahren ist die AnimaniA auch mit einer DVD als Beilage
käuflich zu erwerben. Wie konnte sich diese Variante etablieren? Welche
Inhalte beherbergt die DVD?
Thomas Webler:
Wenn man ein Produkt wie unsere DVD-Edition etablieren und das
Vertrauen der Leser in dieses Medium gewinnen will, muss man
schrittweise vorgehen und das langfristige Ziel vor Augen haben. Im
Gegensatz zu manchen Mitbewerbern haben wir absolut kein Interesse
daran, schnell etwas aus dem Boden zu stampfen, was faktische,
inhaltliche und qualitative Mängel aufweist und darüber hinaus dann
entweder in unregelmäßigen Abständen erscheint oder womöglich nach nur
drei Ausgaben schon wieder eingestellt wird, bzw. klammheimlich vom
Markt verschwindet.
Wie das AnimaniA-Magazin selbst steht auch die AnimaniA-DVD für exklusive Inhalte und eine gleich bleibend hohe Qualität. Neben drei kompletten Anime-Episoden bietet jeder Silberling auch exklusive Live-Reports. Das heißt: Leser, die die DVD-Edition ihr Eigen nennen, können sich beispielsweise nicht nur an den Artikeln zur Tokyo Animation Fair, der Tokyo Game Show, der Leipziger Buchmesse und der AnimagiC im Heft erfreuen – sondern all diese Events live, in Farbe und in Motion auch in unseren exklusiven Video-Reports erleben.
Außerdem
wartet die AnimaniA-DVD mit aktuellen Anime-Trailern, Musikvideos
japanischer J-Rock und –Pop-Künstler auf und bietet zudem unter anderem
mit AnimaniA-Artikeln, Fanart- und Foto-Galerien, Screensavern und
vielem mehr auch einen unfangreichen DVD-ROM-Teil. Unsere Leser sollen
selbst entscheiden, ob dieser exklusive und den redaktionellen Inhalt
der jeweiligen Ausgabe komplettierende Silberling seinen Preis wert
ist. Jedenfalls werden wir unseren Lesern trotz der stetig steigenden
Beliebtheit der DVD-Edition auch weiterhin die Möglichkeit offen
lassen, AnimaniA MIT und OHNE DVD kaufen zu können. (...)
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