Interviews: Interview mit Holger Ehling, stellvertretender Direktor der Frankfurter Buchmesse [Kompletter Artikel]
animepro: Dann möchte ich Sie mal bitten, sich und ihre Tätigkeit hier bei der Frankfurter Buchmesse einmal kurz vorzustellen.
H.
Ehling: Ja, mein Name ist Holger Ehling, ich bin der Pressesprecher der
Frankfurter Buchmesse und auch deren stellvertretender Direktor.
animepro: Und worin besteht da so Ihre Tätigkeit?
H.
Ehling: Ja, meine Tätigkeit besteht darin, dass ich mich ... natürlich
in erster Linie um die Pressearbeit kümmere, das heißt, um die
Kommunikation gegenüber den Medien und dass ich zum Anderen natürlich
sehr stark eingebunden bin, was die Orientierung der Buchmesse – in
meinem Fall, vor allen Dingen im internationalen Bereich – angeht. Also
ich halte zum Beispiel Kontakte zu unseren Gastländern der nächsten
Jahre; der Arabischen Welt und Korea.
animepro:
Gut; Also im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse gab es ja schon diverse
Debatten wegen dem eventuellen Umzug nach München; gerade die Münchener
Verlage haben die Debatte ja ins Rollen gebracht... dabei ging es ja
bekanntlich in erster Linie ums Geld, aber was war denn sonst noch der
Stein des Anstoßes?
H. Ehling: Es ging darum, die
Frankfurter Buchmesse ist im 55. Jahr hier in Frankfurt, nach einer
langen, langen Pause, die zurück ging bis ins 18. Jahrhundert. In
diesen 200 Jahren war Leipzig die absolut dominierende Messe in Europa,
für das Buch, das änderte sich dann mit dem Ende des 2. Weltkrieges und
der deutschen Teilung. Es war halt kein freies Verlegen im Osten
Deutschlands mehr möglich und deshalb kam es zu einer Neugründung der
Frankfurter Buchmesse, das Anknüpfen an die alte Tradition, die zurück
geht, bis in das 14. Jahrhundert.
Ich habe heute gerade einen
Artikel gelesen, in dem der Verleger eines Schweizer Traditionsverlags,
aus Zürich auf die Frage, ob er sich denn überlege eventuell von der
Frankfurter Buchmesse weg zu bleiben, sagte: „Wissen sie, wir stellen
auf der Frankfurter Buchmesse seit 1519 aus, wir bleiben da."
Ja,
die Überlegung, die dazu führte, dass wir sagten, wir müssen eventuell
den Standort wechseln war, es gab einen sehr ungünstigen Vertrag, den
wir, die die Frankfurter Buchmesse organisieren, hatten mit der
Frankfurter Messe GmbH. Die Frankfurter Messe GmbH betreibt das Gelände
und wir sind Mieter, wir sind eine Gastmesse. Wir gehören nicht zur
Organisation der Frankfurter Messe, sondern wir sind eine eigene Firma;
so ähnlich wie der Verband der Automobilindustrie mit seiner IAA alle 2
Jahre zu Gast ist, oder der Deutsche Chemieverband alle 3 Jahre mit der
Achema, so sind wir halt jedes Jahr hier.
Es ist uns gelungen, in
sehr harten Verhandlungen diese Bedingungen des Vertrages zu verändern,
so dass wir in der Lage waren, zu sagen, wir bleiben bis 2010 auf jeden
Fall in Frankfurt.
animepro: Trotz der Verlage, die dann Streiken?
H.
Ehling: Es ist natürlich so, dass, wenn man so eine Veranstaltung wie
die Frankfurter Buchmesse von einem Standort in den nächsten verlegen
will, dann bleibt eine sehr lautstarke öffentliche Diskussion nicht
aus. Wir hätten uns schon gewünscht, dass das Ganze nicht ganz so laut
passiert, wie es passiert ist, aber dann kommen natürlich auch die
Verlage und heben ihre Hand und sagen: „Jawohl, das ist eine gute
Idee!" oder „Es ist keine gute Idee!"; da gab es innerhalb der
deutschen Verlagsbranche sehr produktive Auseinandersetzungen. Aus dem
Ausland haben wir eigentlich vor allem positive Stimmen erfahren dafür,
dass man sagte: „Jawohl, da ist jemand, der sich nicht abfindet mit der
Situation, sondern tatsächlich etwas tun will." Und wir haben einiges
erreicht, wir werden in der Lage sein, unseren Ausstellern die neue
Stabilität, die wir gewonnen haben, in Frankfurt, sehr nachhaltig zu
demonstrieren.
animepro: Also werden diese Verlage trotzdem auf der Frankfurter Buchmesse ausstellen?
H.
Ehling: Ja, ja, ja, wir haben sogar Verlage dazu gewonnen, wir haben
mehr Fläche vermietet. Vor Begin der Buchmesse können wir zwar noch
nicht ganz durchatmen, obwohl wir sicher sind, dass die Messe sehr
positiv verlaufen wird. Dennoch soll man den Tag nicht vor dem Abend
loben. Aber die Zwischenbilanz vor Beginn der Messe ist deutlich
Positiv.
animepro: Wurden auch größere Verlage dazu gewonnen?
H.
Ehling: Das ging im Wesentlichen um kleinere Verlage, die ihre
Messepräsens überprüft haben. Wir haben bei den deutschen Verlagen fast
350 dazu gewonnen, da gab es im vergangenen Jahr einen deutlichen
Einbruch. Wir haben bei den internationalen Verlagen nominell verloren,
allerdings ist das eine Besonderheit unserer Statistik, es gibt fast 70
„Kollektivaussteller" von, meinetwegen Italienischen, Französischen,
Spanischen Verlagen, auf denen zum Teil auf denen zum teil über hundert
Verlage sind. Wie zum Beispiel die Französische Kollektivausstellung,
dort sind fast 120 französische Verlage. Das zählen wir in unserer
Statistik als eins, denn wir zählen nur den Standanmelder. So haben wir
zwar in der Statistik weniger Verlage aus dem Ausland, die sind aber
alle noch da, als Kollektivaussteller. Wenn man das mit berechnet,
haben wir sogar noch einen deutlichen Zuwachs in diesem Jahr, einen
erstaunlich großen Zuwachs.
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