Artikel: Prinzessin Mononoke - Symbolik, historische Hintergründe und mythologische Vorbilder [Kompletter Artikel]
Vorwort
Der Weg, den „Prinzessin Mononoke" bis nach Europa zurücklegen musste, dauerte 4 Jahre: erst 2001 kam der zu dieser Zeit
erfolgreichste Animationsfilm aus Japan in Deutschland in wenige Kinos,
und das, wo er doch in Japan über 13 Millionen Zuseher in die Kinos
lockte. Woran lag das?
Zeichentrickfilme werden in der westlichen Welt immer noch als reines Medium für Kinder angesehen, woran „die Produkte der Walt Disney Cooperation, die seit Jahrzehnten das Medium Zeichentrick als Vehikel für süßliche Märchenmusicals verwenden, nicht eben unschuldig sind". (Zitat: Daniel Möltner: „Filmrezession: Prinzessin Mononoke")
In Japan jedoch sind Animationsfilme in keinster Weise den Kindern vorbehalten, sie sind ein allgemein akzeptiertes und vielfältiges Ausdruckmittel. Hayao Miyazaki, der sowohl für das Drehbuch von „Prinzessin Mononoke" zuständig war als auch Regie führte, ist mittlerweile der erfolgreichste Animations-Regisseur Japans. Nach „Prinzessin Mononoke" drehte er „Chihiros Reise ins Zauberland" (2001), welcher auch bei uns sehr erfolgreich lief; 2004 lief sein neuester Film „Das wandelnde Schloss" in Japan an und erzielte den erfolgreichsten Start eines japanischen Films in seinem Heimatland (Quelle: Animexx e.V.).
Das sich die Zeiten geändert haben, beweißt das Medieninteresse, welches dem neuen Ghibli Film auch bei uns entgegen gebracht wird – mittlerweile sind auch im deutschen Sprachraum die Begriffe Anime und Manga kein Fremdwort mehr. „Prinzessin Mononoke" ist also kein „gewöhnlicher" Zeichentrickfilm im westlichen Sinne, sondern eine märchenhafte Erzählung aus dem alten Japan, die tiefgründiger, komplexer und schöner ist, als die meisten Realfilme von sich behaupten können.
Ich gehe in meinem Artikel von der These aus, dass der Film eine Fabel ist und jede Figur etwas symbolisch darstellen soll. Auf den folgenden Seiten möchte ich auf die Symbolik der einzelnen Figuren, Orte und Gottheiten näher eingehen und historische und mythologische Vorbilder des Films näher beleuchten.
Die Symbolik in „Prinzessin Mononoke"
Wie bereits erwähnt kann man „Prinzessin Mononoke" als eine Fabel bezeichnen, denn die Geschichte soll uns lehren, dass es ein Leben in Einklang mit der Natur geben muss und nicht nur die Industrie vorherrschen kann und darf. Jede einzelne Figur des Filmes, jeder Ort und jede Gottheit hat eine bestimmte Bedeutung, die uns diese Aussage verdeutlichen soll.
Die Hauptfiguren
Im Gegensatz zu westlichen Animationsfilmen gibt es in „Prinzessin Mononoke" weder „strahlende Helden" noch „finstere Bösewichte", alle Charaktere sind komplex und deshalb glaubwürdige Charaktere; sie spiegeln die asiatische Überzeugung von der Zusammen-gehörigkeit des Ying und Yang, des Hellen und Dunklen wieder.
Das beste Beispiel dafür ist Prinzessin Mononokes Gegenspielerin Lady Eboshi:
einerseits ist sie eine knallharte Geschäftsfrau, die auf den ersten
Blick ausschließlich Profit und Macht im Sinn hat und den Wald und
dessen Bewohner durch ihr Eisenwerk ohne mit der Wimper zu Zucken
zerstört; andererseits kauft sie mit ihrem Geld die Prostituierten aus
allen Bordellen frei, damit diese Frauen in ihrer Fabrik arbeiten
können und lässt die „Aussätzigen" bei sich leben. So sehr sie von
ihren Arbeitern geliebt und verehrt wird, desto mehr wird sie von den
Bewohnern und Göttern des Waldes gehasst. Eboshi symbolisiert die korrupte Menschheit, welche die Natur außer Acht lässt und nur an das Wohl der Menschen, nicht aber an das Wohl der Natur denkt. Für sie zählt nur der Gewinn von Profit und die Herrschaft über die Konkurrenz. Sie macht nicht einmal vor der skrupellosen Tat halt, den Gott des Waldes zu töten, da durch seinen Tod ihrer Meinung nach der Wald vollends besiegt ist. Diese Tat kann man als die wachsende Respektlosigkeit der profitorientierten Menschheit gegenüber der Religion und der Seele der Welt interpretieren.
„Eboshi" sind in Japan von Männern getragene Hüte (Quelle: Anonym: „Meaning of names in MH"), welche aber des Öfteren auch von Prostituierten getragen wurden, wenn sie einen Striptease hinlegten. Die Verbindung von Lady Eboshi zu Prostituierten und Außenseitern ist offensichtlich, da sie im Grunde selbst – als mächtige, reiche und allein stehende Frau – eine Außenseiterin der Gesellschaft ist.
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