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Licht und Schatten

Atemu x Yugi
von

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Urteilsverkündung

~~Atemu~~
 

Oh Mann, heute Morgen muss ich schon wieder zum Gericht.

Heute geht es um einen Jugendlichen, der alten Damen die Handtaschen geklaut und seine Klassenkameraden regelmäßig verprügelt hat.

Warum können sich die Jugendliche keine anderen Möglichkeiten überlegen ihre Langeweile zu vertreiben. Müssen es denn immer Straftaten sein?

Als ich den Gerichtssaal betrete erwarte ich einen großen, kräftigen Schlägertyp auf der Anklagebank, aber als der Angeklagte herein kommt, bin ich total überrascht.

Er ist ein kleiner, dünner Junge von vielleicht 15 Jahren, der so aussieht als würde er keiner Fliege etwas zu leide tun können.

Irgendwie ähnelt er mir sogar ziemlich im Aussehen. Besonders die Frisur trägt er wie ich. Dabei liegt sie nicht gerade in Mode.

Die Kleidung eines Schlägers trägt er. Doch irgendwie passt er gar nicht da rein.

Dieses dunkle Leder und die Nieten sieht einfach falsch an ihm aus. Er wirkt so zart.
 

Doch schnell lerne ich seine andere Seite kennen und erfahre, dass er schon volljährig ist.

Ungläubig ziehe ich eine Augenbraue nach oben. Unglaublich!

Als der Richter den jungen Mann auffordert in den Zeugenstand zu treten, braucht er eine zweite Aufforderung und dann gibt er nicht einmal ordentliche Antworten.

„Was sollen diese dummen Fragen wegen der Handtasche einer alten Schachtel? Es war doch eh nichts Brauchbares darin. Und was kann ich dafür, wenn eine das nicht verkraftet?“

Der Anwalt des Jungen schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.

Scheiß Job, Kamerad! Mit solchen Klienten wirst du leider kein Staranwalt.

Ich glaube kaum, dass der Junge weiß, was er da gerade getan hat. Er hat gerade ein Geständnis abgelegt und sein Schicksal besiegelt. Oder war es Absicht?

Schlussendlich wird er trotz Geständnis zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden. Und sein Auftritt trägt maßgeblich dazu bei.

Ich bin mir sicher, dass er im Knast gebrochen werden wird. Eigentlich passt er nicht in das Profil für meine Gruppe, aber irgendwie hat dieser junge Mann mein Interesse geweckt. Was versteckt er hinter dieser Maske wohl?

Sein Verhalten lässt zwar auf eine enorme Unreife schließen, aber er ist volljährig und war zu jeder Zeit Herr seiner Sinne.

Ich muss schmunzeln. Mit dem werden mein Team und ich noch unseren Spaß haben.

Leise Vorfreude steigt in mir auf.

Ich mag herausfordernde Jugendliche.
 

Der Staatsanwalt und der Richter teilen meine Einschätzung nach dem ersten Eindruck. Das Urteil wird nach wenigen Minuten Beratungszeit durch den Richter gesprochen.

Zwölf Monate Gefängnis!

Keine Bewährungsstrafe und sonstige Auflagen. Mein Gott, der Richter war sehr streng.

Die Begründung für das Urteil ist der Tod eines Opfers, die Uneinsichtigkeit und sein Benehmen im Gerichtssaal.

Ich beobachte den jungen Mann nach der Urteilsverkündung noch eine Weile. Erst jetzt realisiert er die Folgen seines Auftretens. Er wirkt gerade sehr zart und zerbrechlich. Das darf nicht zerstört werden. Zumindest nicht durch andere Häftlinge!

Er muss definitiv noch reifen. Auch wenn er vom Alter her, soweit schon sein sollte.

Bakura hatte Recht. Wieder einmal!

Der offene Vollzug bei uns würde dem Angeklagten mehr bringen als ein Jahr im Gefängnis. Und das muss ich dem Richter jetzt auch verkaufen.
 

Während der Angeklagte abgeführt und sofort im Streifenwagen zur Vollzugsanstalt, auch Knast genannt, gebracht wird, suche ich das Büro des Richters auf. Beim Wachpersonal bin ich bereits bekannt, sodass sie mich ohne Kontrolle zu Judge Ishter vorlassen.

„Sie können gleich hereinkommen, Atemu. Ich habe Sie schon erwartet, nachdem Sie an der Verhandlung teilgenommen haben.“

Judge Isther hängt seine Robe gerade auf den Kleiderbügel und in seinen Schrank. Auf seinem Schreibtisch liegt noch die Akte.

„Was halten Sie von diesem jungen Mann, Atemu?“

„Er scheint, eine ziemlich harte Schale zu haben, Odeon, und spielt die Rolle des Schlägers wirklich gut.“

„Harte Schale, weicher Kern, also?“

Atemu lächelt.

„Man könnte es auch so ausdrücken. Sie wissen sicherlich, weshalb ich hier bin.“

Odeon nickt. Er nimmt die Akte in die Hand und blättert sie durch.

„Yugi Muto ist bereits volljährig. Bei seinem Überfall ist eine Frau an den Folgen verstorben. Ihn hat dies überhaupt nicht interessiert. Er ist bereits mit kleineren Vorkommnissen aktenkundig gewesen, hat seine Schulausbildung ohne Abschluss beendet. Dieser junge Mann entspricht ganz und gar nicht ihrem Profil.“

Der Richter legt die Akte zurück auf seinen Schreibtisch.

„Warum wollen Sie ihm diese Chance anbieten?“

„Wie ich schon sagte, scheint dieser junge Mann eine Rolle zu spielen. Beim Abführen hat er einen Augenblick seine Maske fallen lassen und hatte Angst. Yugi scheint auf dem Papier bereits volljährig zu sein. Seine Reife entspricht diesem Alter noch nicht. Das wissen Sie ebenfalls, Odeon. Sie haben ihn nach Jugendstrafrecht verurteilt. Eine Resozialisierung kann in unserer Einrichtung sehr viel besser erfolgen als im Gefängnis. Dies zeigen unsere Zahlen. Es gibt einen Grund für sein Verhalten. Wenn wir diesen finden, kann er ein mündiges Mitglied der Gesellschaft werden.“

Odeon folgt aufmerksam Atemus Ausführungen.

„In Ordnung! Ich werde den Vorschlag durchdenken und Ihnen wie gewohnt meine Entscheidung mitteilen.“

Atemu verabschiedet sich mit einem festen Händedruck. Ein siegessicheres Lächeln liegt auf seinen Lippen. Yugi wird in den nächsten Tagen bei ihm eintreffen.
 

~
 

Und ich behält Recht. Eine Woche nach der Verhandlung fährt ein Wagen der JVA vor und Yugi Muto betritt unser Gelände. Mittlerweile kenne ich seine Akte auswendig. Nach dem Verschwinden der Eltern hat sich sein Großvater seiner angenommen und ihn aufgezogen.

Im Team bin ich zu seinem Betreuer bestimmt worden, weshalb ich ihn am Eingang von einem Beamten und seinem Großvater abhole.

Der Großvater wirkt sehr traurig. Yugi beachtet ihn mit keinem Blick.

„Vielleicht können Sie noch einen Sinneswandel bewirken! Auf Wiedersehen, Yugi!“

„Mmh...“

Yugi wirkt stattdessen desinteressiert, unmotiviert und trotzig. Teenie pur! Von einem Volljährigen erwarte ich eigentlich ein anderes Auftreten. Das wird noch sehr lustig! Ich muss mich bemühen, meine Vorfreude nicht ganz so deutlich zu zeigen.

Von seinem Großvater verabschiedet er sich gar nicht, als er durchs Tor geht.

„Wir werden sehen, was wir für ihren Enkel tun können. Sie können ihren Enkel nach sechs Wochen zum ersten Mal besuchen. Ab diesem Zeitpunkt ist ein Besuch alle zwei Wochen möglich. Bitte melden Sie sich im Vorhinein bei einem Betreuer telefonisch an.“

„Ich brauche keine Besuche, Opa!“

Yugis respektloser Einwurf beendet unser kurzes Gespräch abrupt. Mister Muto steigt in sein Auto ein und fährt mit einem kurzen Abschiedsnicken zu mir davon. Ich wende mich mit steinerner Miene zu ihm um.

„Nimm dein Gepäck und komm mit!“

Mein Ton lässt keinen Widerspruch zu. Yugi verschränkt die Arme vor seiner Brust und wirft mir einen abschätzigen Blick zu. Ich reagiere mit einem Schulterzucken darauf.

„Es sind deine Sachen. Ab heute kümmerst du dich selbst darum. Es soll gleich regnen. Wenn sie nass werden oder verschwunden sind, ist das dein Problem. Hier gibt es sehr viele Langfinger, die sich über neue Sachen freuen.“

Es beginnt...

~~Yugi~~
 

„Nimm dein Gepäck und komm mit!“

Der Ton meines neuen Aufpassers lässt keinen Widerspruch zu. Wie gewohnt reagiere ich mit nonverbalem Widerspruch. Ich verschränke die Arme vor meiner Brust und ziehe eine Augenbraue nach oben. Der Kollege reagiert mit einem Schulterzucken.

„Es sind deine Sachen. Ab heute kümmerst du dich selbst darum. Es soll gleich regnen. Wenn sie nass werden oder verschwunden sind, ist das dein Problem. Hier gibt es sehr viele Langfinger, die sich über neue Sachen freuen.“

Okay, eins zu null für ihn. Meine Sachen sind mir heilig.

Anstandslos hänge ich mir meine Sporttasche über die Schulter und folge wortlos.

Erst einmal einen guten Eindruck machen! Mal sehen, wann ich die Chance bekomme, hier so schnell wie möglich abzuhauen. Freiwillig bleibe ich ganz sicher nicht! Schließlich habe ich einen Job... und nichts falsch gemacht!

Schweigend bringt er mich tief in das … Gelände. Weit und breit nur Bäume, Wiese und Berge!

Eigentlich ist es ganz schön hier. Die Landschaft ist weitläufig. Verschiedene Häusergruppen stehen mal hier und mal dort zwischen Wald und Wiesen. Nach japanischer Tradition gibt es einen großen Steingarten. Sogar ein Labyrinth?!

Hinter dem Wald geht es noch weiter in die Berge. Vielleicht ein Fluchtweg…
 

Mein Aufpasser bleibt vor einer kleinen Holzhütte stehen.

„Für die nächsten zwölf Monate wirst du hier mit Marik wohnen. Marik ist genau wie du ein straffällig gewordener Teenager. Gerade ist er noch beim Sport. Du hast also etwas Zeit für dich. In 30 Minuten hole ich dich zum Essen ab. Pack aus und mach dich frisch!“

Ich bin kein Teenager! Vollidiot, ich bin volljährig!

Damit lässt der andere mich alleine. Überraschend für mich ist, dass er mich nicht einschließt.

Sollte das jetzt schon meine Gelegenheit sein?

Auf meinem Gesicht macht sich ein Grinsen breit. Wenn der so fahrlässig ist, ...

Falls er allerdings noch irgendwo steht und mich beobachtet, befolge ich zum Schein erstmal seine Anweisung.

Meine Tasche wird auf das noch freie Bett abgelegt und ausgepackt. Die Hütte ist einfach möbliert. Für jeden von uns gibt es ein Bett, einen Schreibtisch, einen Schrank und ein paar Regalbretter. Marik hat noch einen Nachtkasten neben dem Bett stehen. An verschiedenen Wänden befinden sich ausreichend Steckdosen, um Handys aufzuladen bzw. einen Laptop zu verwenden. Licht fällt durch zwei große Fenster in den Wohnraum.

Ich find's irgendwie gemütlich!
 

Das Bad erinnert an ein Sentō. Großzügig bemessen befinden sich eine Dusche und eine Badewanne darin. Bambusstangen schmücken den Raum. Eine milchige Fensterfront sorgt für die Belüftung. Eigentlich wie in einem Spa!

Ich muss ziemlich über die Ausstattung staunen...

Und ändere trotzdem nicht meinen Plan! Dafür bin ich hergekommen. Die halbe Stunde müsste fast vorbei sein.

Vorsichtig öffne ich die Tür, spähe nach draußen und suche mit den Augen nach einem Fluchtweg. Der Weg zum Wald ist kurz und dort sollte es irgendwo in die Freiheit gehen.

Gedacht, getan!
 

Ohne Schwierigkeiten verschwinde ich im Dickicht des Waldes. Ich wurde noch nicht einmal von jemandem gesehen.

Langsamer bahne ich mir einen Weg durch die Äste, Blätter und Sträucher. Eingetretene Pfade gibt es hier nicht.

Bald höre ich von irgendwo den Lärm einer Straße und lächle siegessicher.

Das war doch einfach!

Geübt gehe ich auf das Geräusch zu. Selbst der Geruch nach Metall und Benzin dringt zu mir.

Plötzlich kann ich mein Ziel sogar sehen.

Innerlich jubelnd beschleunige ich meine Schritte und renne bald nur noch dorthin.

Doch … was ist das??

Kurz bevor ich mein Ziel erreiche, bekomme ich auf einmal keine Luft mehr. Ich kann nicht mehr ausatmen! Ein Asthmaanfall, den hatte ich seit Jahren nicht mehr…

Scheiße, wo kommt das her?

Ich lasse mich auf meine Knie sinken und ringe um Atem. Panisch kralle ich meine Hände in den Waldboden, senke sogar den Kopf, um mich zu entspannen. Krampfhaft versuche ich mich an die Übungen zu erinnern.

Und die Ablenkung hilft schon.
 

Nach ein paar Minuten ist die Luftnot auch schon wieder vorbei, als wäre nichts gewesen.

Doch ich habe wertvolle Zeit verloren. Hoffentlich hat noch niemand bemerkt, dass ich weg bin.

Vorsichtig schaue ich mich um und lausche nach möglichen Verfolgern. Es bleibt hinter mir alles still.

Also setze ich meinen Weg fort. Dieses Mal bin ich vorsichtiger. Ich muss bis zur Straße durchhalten. Dann bin ich frei.

Doch bevor ich auch nur einen Fuß auf den Asphalt setzen kann, werde ich gepackt. Mir werden die Augen verbunden.

Ich versuche mich so gut es geht zu wehren. Doch, es hilft nichts! Der Angreifer nimmt mich einfach in den Schwitzkasten. Mir wird schwarz vor Augen.

Ferne Worte berühren noch mein Ohr.

„Du hast es nicht anders gewollt, Kleiner!“

Super! Das war ja ein toller Fluchtversuch.
 

~~Atemu~~
 

Bakura erwartet mich breit grinsend im Büro. Er deutet auf den Bildschirm einer unserer Überwachungskameras, die Yugi zeigt. Er späht aus der Haustür heraus und wartet.

„Dein kleiner Satansbraten wagt seinen ersten Fluchtversuch. Hast du ihm nicht erklärt, dass eine Polizeistreife an der Straße auf ihn warten wird.“

Auch ich muss nun grinsen.

„Nein, es ist doch viel lustiger, wenn sie es selbst herausfinden dürfen, oder?“

„Da hast du auch irgendwie Recht. Er will es aber ganz schön früh wissen.“

Bakura öffnet eine Tüte Chips und macht es sich vorm Bildschirm gemütlich. Ähnlich wie vor einer Kinovorstellung. Ich schiebe mir einen Stuhl neben meinen Kollegen und lege das Telefon in Reichweite.

„Vielleicht benimmt er sich dann ja endlich wie ein Erwachsener und arbeitet mit uns zusammen.“

Okay, es ist schon gemein, dass wir uns so über unsere Insassen amüsieren.

Mit der Zeit haben wir die Erfahrung gemacht, dass alle Neulinge irgendwann einen Fluchtversuch wagen. Egal ob wir sie gewarnt haben oder nicht! Also lassen wir sie diese Lernerfahrung selbst machen. Danach können wir meistens mit ihnen arbeiten.

Mal sehen, ob Yugi seine Maske danach schon ablegt.
 

„Ein Fluchtversuch wird diesem Kerlchen nicht reichen. Lässt du ihn in meinen Kickboxkurs?“

Ich verschlucke mein aufkommendes Lachen schnell.

„Yugi wird von deinen Schlägern doch nur verprügelt.“

„Dann weiß er aber, wie man sich richtig als Gangster benimmt. Und meine Jungs würden sich über etwas Frischfleisch sicherlich freuen.“

„Als Straßmaßnahme hätte eine Stunde sicherlich etwas. So kann er legal Prügel beziehen. Sein Image soll nicht gefestigt, sondern aufgebrochen werden. Er soll resozialisiert werden.“

Bakura mustert mich mit gespielter Entrüstung.

„Meine schweren Jungs kehren in den seltensten Fällen in ihre Laufbahn zurück!“
 

Wir richten unsere Aufmerksamkeit wieder auf den Flüchtigen. Er hat es bis tief in den Wald geschafft. Plötzlich bricht er zusammen.

„Was ist mit ihm los?“

Ich zucke ratlos mit den Schultern. Es sieht ernst aus. Er ringt angestrengt nach Atem. In der Akte steht nichts von irgendwelchen Erkrankungen. Gespannt beobachten wir das Geschehen. Hilfe wird er jetzt von mir nicht annehmen. Anscheinend weiß er, was mit ihm los ist und kann sich wieder beruhigen. Er setzt seinen Weg fort.

Bakuras Vorfreude auf die kommende Szene spiegelt sich sehr breit in seinem Gesicht.

Ich grinse über meinen Kollegen. Er ist manchmal schon ein Sadist. Doch die schweren Jungs mögen ihn sehr. Wahrscheinlich genau deshalb!

Yugis Gefangennahme ist ein kleines Spektakel. Er ergibt sich nämlich dem Polizisten nicht einfach so, sondern legt es tatsächlich auf einen Kampf an. Der Polizist gewinnt und verfrachtet ihn in sein Auto.

Unser Telefon klingelt keine zwei Minuten später.

„Ich bin schon unterwegs, Officer. Bringen Sie ihn vorerst in einer Zelle unter und lassen Sie ihn zu sich kommen.“

Bakura hält mir die Autoschlüssel entgegen.

„Viel Spaß mit dem kleinen Satansbraten! Ich bereite mal die Einzelzelle für ihn vor.“

Dann mal los!

Ich drehe mich noch einmal auf dem Absatz um.

„Ach, Bakura! Falls ich den Kleinen in deinen Sportkurs stecke, erwarte ich ein paar blaue Flecke bei ihm. Ich denke, das hält er aus.“

„Das lässt sich einrichten. Die Neulinge stecken in den ersten Tagen doch sowieso am meisten an.“
 

~~Yugi~~
 

Mit Schmerzen im Nacken erwache ich aus meiner Ohnmacht. Dieser Schlägertyp von einem Beamten hat mir einen kräftigen Schlag in den Nacken versetzt. Danach erinnere ich mich an nichts mehr.

Ich zeige ihn an!

Jetzt liege ich auf einer Pritsche und es riecht etwas muffig. Irgendwie nach Keller!

Ich kann mir schon denken, wie es hier weiter aussieht. Es gibt eine silberne Toilette und Gitterstäbe vor der Maueröffnung. Welcome back im Knast! Blöder hätte es nicht laufen können...

Ich schaue nach links zu den Gitterstäben. Statt einem Gang und einer gegenüberliegenden Zelle sehe ich dort eine lange Holzbank und … meinen Betreuer?

Was macht der denn hier?

Im Moment sitzt er mit übereinander geschlagenen Beinen auf der Bank. Er tippt irgendetwas in sein Handy und lächelt liebevoll den Bildschirm an. Verliebter Schnösel!

Halte ich ihn etwa von einem freien Abend ab? Das nutze ich gerne noch etwas aus und stelle mich ohnmächtig. Es macht so viel Spaß, andere zu ärgern?

„Versuche es erst gar nicht, Yugi! Ich weiß, dass du wach bist.“

Ich rühre mich nicht.

„Na schön, Kleiner… Zuhören wirst du wohl noch können. Es wird Zeit, dir unser Programm und die Regeln zu erklären. Schon komisch, dass du gar nicht fragst, wo du bist…“

Vollidiot!
 

Ungerührt von meiner Ablehnung beginnt Atemu einen Monolog über den Verhaltenskodex im Camp – wie er es nennt.

„Die drei Mahlzeiten sind im Gemeinschaftsraum mit den anderen Mitbewohnern und den Betreuern einzunehmen. Du wirst vormittags und nachmittags ein auf dich zugeschnittenes Programm absolvieren, Yugi. An fünf Abenden in der Woche hast du an einer Arbeitsgemeinschaft teilzunehmen. Du wirst im ersten Monat jede Arbeitsgruppe einmal besuchen, um dir ein Bild zu machen. Danach kannst du wählen. Bei altersangemessenem Verhalten, respektvollem Umgang und motivierter Mitarbeit kannst du dir Freiheiten verdienen. Aktuell wirst du beaufsichtigt oder bist in deinem Zimmer eingesperrt. Dort findest du ein Bett, eine Toilette, ein Waschbecken, einen Tisch mit Stuhl, Papier und Stifte. Es stehen dir keine Medien oder Strom zur Verfügung. Durch deinen Fluchtversuch hast du dir sämtliche Privilegien für eine Woche verwirkt.“

Boah, da hätte ich auch gleich im Knast bleiben können. Dort wurde ich zumindest in Ruhe gelassen.

Atemu macht eine Pause. Anscheinend mustert er mich und erwartet eine Reaktion. Doch den Gefallen tue ich ihm nicht. Ich bleibe reglos liegen.

„Ich nehme an, du hast alles verstanden. Bei uns gibt es zwei Prinzipien. Das Prinzip der Gemeinschaft bedeutet, dass der Alltag gemeinsam bewältigt wird. Wir haben keine Reinigungskräfte oder Köche. Jeder hat an einem Tag eine Aufgabe zu erledigen. Im ersten Monat begleitest du deinen Zimmernachbarn Marik. Danach bekommst du deine Aufgaben und musst sie eigenverantwortlich erledigen. Und das Prinzip der Enthaltsamkeit. Drogen, Alkohol, Zigaretten und Nutten sind auf unserem Gelände verboten. Konsumierst du oder verkaufst dich an die Mitbewohner, fliegst du und wirst deine komplette Zeit im Knast absitzen. Hast du das verstanden?“

Keine Drogen, keinen Alkohol, noch nicht einmal Zigaretten sind erlaubt?! Die setzen mich auf kalten Entzug!
 

„Ihr spinnt doch!“

„So, der Herr hat Einwände… Wofür brauchst du Ersatzstoffe, um aus einer Abhängigkeit loszukommen?“

Für alles?! Wütend springe ich von der Pritsche auf und tigere unruhig an den Gitterstäben entlang. Doch plötzlich traue ich mich nicht, das zuzugeben.

So früh wollte ich meine Scharade doch nicht fallen lassen. Ich kann doch dort nur als taffer Macho bestehen, nicht als … der Nichtsnutz.

Mit Atemu liefere ich mir ein Duell über unsere Blicke. Irgendwann schaut er weg und tippt wieder auf seinem Handy herum.

„Anscheinend ist der Verzicht wohl doch kein Problem. Gibt es sonst noch Fragen?“

Ich schüttel fast automatisch den Kopf, obwohl in meinem Kopf gerade tausend Fragen umherfiegen. Sie drehen sich um meine Vergangenheit und wie ich mein Leben mit dieser Struktur weiter aufrechterhalten soll. Sonst habe ich doch nichts…

„Gut! Dann noch kurz zum Programm. Unser Resozialisierungsprogramm umfasst sieben Schritte. Du sollst dein altes Leben hinter dir lassen und neu anfangen. In den ersten drei Schritten wird das bearbeitet, was gewesen ist: die Straftat und es wird nach der Ursache gesucht. In Schritt vier und fünf lernst du deine Gefühle wieder wahrzunehmen und Beziehungen neu aufzubauen. In Schritt sechs geht es um eine Wiedergutmachung beim Opfer. Da die alte Dame verstorben ist, wirst du mit ihren Angehörigen sprechen und ihr Grab besuchen. Im siebten Schritt entwickeln wir eine Zukunftsperspektive außerhalb der Kriminalität. Dafür haben wir zwölf Monate Zeit.“

Jetzt muss mir das Entsetzen im Gesicht stehen. Atemu lächelt nur wissend und ich spüre, wie meine Maskerade die ersten Risse bekommt.

Das wird ein anstrengendes Jahr für mich werden…

„Ich sehe schon, du erkennst die Tragweite. Ach und noch eine Warnung, der nächste Fluchtversuch hat weitreichendere Konsequenzen. Eine Streife fährt Tag und Nacht die Straße entlang. Niemand schafft es zu entkommen.“

Das ist fies. Wieso hat er mir das nicht eher gesagt?

„Du hättest diese Warnung sowieso in den Wind geschlagen… Nachdem du jetzt weißt, was auf dich zukommt. Traust du dich wieder zurück oder soll ich dich gleich in die JVA bringen?“



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Kommentare zu dieser Fanfic (6)

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Von:  Mia11
2017-11-03T10:38:37+00:00 03.11.2017 11:38
Mir hat das Kapitel gut gefallen bin schon gespannt wie es weiter geht.
LG mia11
Von:  YuuShindo22
2017-08-08T20:35:19+00:00 08.08.2017 22:35
richtig schöne FF die Einleitung fand ich genial mal was anderes, wie es wohl weiter geht ???
bin schon sehr gespannt :3
Von:  Glamorous91
2017-06-10T18:02:21+00:00 10.06.2017 20:02
Wow das nenne ich mal eine tolle Kombi *.* Yugi als Straffälliger. Bin mal gespannt was du daraus machst ♡
Von:  -Miaka-
2013-08-09T01:14:27+00:00 09.08.2013 03:14
Ohhh, noch eine wirklich vielversprechende Puzzleshipping-FF von dir! Bis jetzt finde ich es wirklich super, ein sehr interessanter Einstieg. Ich kann mir einen Yugi, der Handtaschen klaut, zwar nur schwer vorstellen, aber es soll ja alles möglich sein und zum Glück lassen unsere zwei Lieblinge so viele verschiedene Rollen zu. Ich liebe es ja so, wenn sie ganz verschiedene Berufe etc. haben. Auch hier finde ich sie wieder brilliant, ist ja auch etwas ganz Neues. Man möchte die Beiden geradezu in Aktion erleben. Ich bin wirklich sehr gespannt. Scheint mir, als wird auch sonst noch viel Gutes von dir kommen. Du hast einen sehr angenehmen, lockeren Schreibstil. Das, was ich bisher von dir gelesen habe, habe ich wirklich, wirklich gerne gelesen und ich freue mich schon sehr aufs neue Kapitel! :) 
Lg Miaka
Von:  Nanbi
2013-07-09T20:58:38+00:00 09.07.2013 22:58
Tolles Kapitel. *_*
Gefällt mir sehr sehr gut. Das ist mal endlich was neues.
Die Idee finde ich super, dass Yami sich um den sträffling Yugi kümmert.
Bin schon total auf das nächste Kapitel gespannt.
Ich habe wirklich gerade riesen Freude, dass ich diese Ff gefunden habe.
Ohhhh bitte schreib bald weiter.
Ich bin sooooooo meeeegggaaaa gespannt wie es weiter geht.
Es kommt nicht oft vor, dass mich eine Ff so spannend vorkommt.
Ich hoffe du bekommst noch mehr Kommis dazu. Nicht nur so wie ich und Rubinkarfunkel95.
Alsooooo, bitte schreib weiter. Wenigstens für uns zwei ^.^
<3
LG YamixYugi_Lightning
Antwort von:  Shijin
10.07.2013 20:04
Keine Sorge, auch wenn es mal etwas länger dauert, weil die Realität gerade meine volle Aufmerksamkeit braucht, bringe ich meine FFs zu Ende, wenn ich sie angefangen habe.
Vielen Dank für die beiden Kommentare!
Von:  Rubinkarfunkel95
2013-07-05T17:28:55+00:00 05.07.2013 19:28
*umseh*
Kein Kommi?
Gut, dann mache ich den Anfang xD
Also die Story an sich ist echt gut *-*
Hoffe, du hast bald mehr dazu ;)
LG


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