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Les Catacombes de Paris

Die Katakomben von Paris
von

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I.

Les Catacombes de Paris
 

Angewidert rümpfte Bellatrix Black die Nase, als ihr der Geruch von Moder und Tod aus der Dunkelheit entgegen wehte.

„M-Müssen wir wirklich da hinein?“ erklang ängstlich die Stimme ihrer jüngsten Schwester. Narcissa war blasser, als sie es sonst zu sein pflegte und in ihren blauen Augen glitzerten Tränen. Es war ihr erster Einsatz und das Vertrauen des dunklen Lords hing für sie alleine von dem Ausgang dieser Mission ab.

„Der Lord wünscht dieses Buch und wenn Miss Rigot der Ansicht ist, dass sie sich dort unten verstecken will, wird uns kaum eine andere Wahl bleiben als auch hinabzusteigen.“

Bellatrix seufzte. So ungern sie es zugeben wollte, aber Malfoy hatte Recht und sie war nicht ganz undankbar, dass er es übernommen hatte dafür zu sorgen, dass Narcissa wirklich dort hinabstieg und nicht einfach weinend zurück in ihr Luxushotel auf dem Place de la Concorde apparierte. Dabei hätte sie - wäre es nach ihr gegangen – Lucius Malfoy um nichts in der Welt mit auf ihren ersten Auslandseinsatz genommen. Aber der dunkle Lord hatte ihr keine Wahl gelassen. Er hatte sie alle vier dazu abgestellt ein altes und vermutlich sehr wertvolles Buch zu stehlen, das sich im Moment im Besitz einer etwas exzentrischen Hexe namens Julie Rigot befand, die rein zufällig mitten in Paris lebte.

Leider hatte Miss Rigot sich nicht bestehlen lassen wollen, was zur Folge hatte, dass Bellatrix nun in einem fremden Land vor einem Loch stand, das anscheinend tiefer war, als es ihr lieb sein sollte und durch welches ihr Opfer samt der Beute geflohen war.

Alleine der Gedanke daran brachte sie zur beinahe zur Weißglut.

„Alles klar!“

Rodolphus Stimme drang aus dem stickigen Eingang hinauf und unterbrach Bellatrix Überlegungen.

„Kommt runter, aber passt auf eure Füße auf!“
 

Die Hexe trat vorsichtig durch das Loch in der Kellerwand des rigot'schen Hauses. Augenblicklich wurde sie von der absoluten Dunkelheit erfasst. Wieso musste Madame Rigot auch einen Eingang zur Pariser Unterwelt im Keller haben? Viel lieber wäre Bellatrix einfach in das Haus gestürmt, hätte die Hexe getötet und wäre mit dem Buch in ihr Hotelzimmer zurückgekehrt, anstatt hier in einer ihr völlig unbekannten Stadt Katz und Maus zu spielen.

„Lumos!“ In der Dunkelheit klang ihre Stimme lauter, als sie es eigentlich beabsichtigt hatte. Gleißend hell leuchtete ihr Zauberstab auf. Das Licht schmerzte in ihren Augen, aber sie glaubte Rodolphus ausmachen zu können.

„Wie groß ist dieser Tunnel?“ fragte sie; unter anderem um das Geschrei von Narcissa zu überbrücken, die offensichtlich so eben mit sanfter Gewalt in den dunklen Schacht geschoben wurde.

„Groß“, Rodolphus lächelte amüsiert, „Hier waren früher anscheinend die unterirdischen Steinbrüche der Stadt. Ich schätze wir könnten ein paar Wochen herum wandern, ohne Madame Rigot auch nur aus den Augenwinkeln zu sehen.“

Bellatrix stöhnte: „Ich hasse diesen Auftrag jetzt schon.“

„Vielleicht sollten wir in Erwägung ziehen uns zu trennen.“ Lucius hatte zu ihnen aufgeschlossen. Im ersten Moment wollte Bellatrix ihn nach ihrer Schwester fragen, doch als sie hinter ihm ein leises Schluchzen vernahm, war ihr klar, dass er das Unmögliche geschafft haben musste.

„Fein, ich werde hier entlang gehen und ihr-“

„Nein!“ Das erste Mal seit dem Verlassen des Hotelzimmers hatte Narcissa aufgehört zu weinen. „I-Ich bleibe hier nicht alleine. Es ist dunkel und unheimlich und gefährlich. Ihr könnt mich nicht zurücklassen!“ Bittend blickte die Blonde die beiden Männer an, die unter ihrem Blick förmlich zu schmelzen schienen.

„Na schön“, gab Rodolphus nach und fing sich augenblicklich einen bösen Blick seiner Bellatrix ein, „Geh mit deiner Schwester. Bella wird schon auf dich aufpassen.“
 

Bellatrix wollte protestieren, doch Narcissas dankbarer Blick hielt sie zurück.

„Na gut. Dann komm!“ knurrte sie, als sie in der Dunkelheit verschwand.

II.

Lucius war bereits eine ganze Weile durch die Dunkelheit geschlichen, als er plötzlich vor einer Wand aus Knochen zu stehen kam. Auf eine bizarre Art und Weise meinte er Muster in der Art der Aufschichtung zu erkennen. Beinahe anklagend starrten ihm die leeren Augenhöhlen der Schädel entgegen. Zum Glück war Narcissa nicht bei ihm. Sie war zwar eine durchaus fähige Magierin, doch in ihrem Zustand hätte ihr der Anblick eines menschlichen Schädels wahrscheinlich nicht sehr gut getan. Er wollte es sich nicht eingestehen, doch auch ihm gefiel nicht, was er sah.

Ungewöhnlich verunsichert ging er an den auf getürmten Gebeinen vorüber, als ihn ein leises Klappern zusammen zucken lies. Ohne groß darüber nachzudenken wirbelte er herum.

„Expulso!“

Die Wand aus Knochen sträubte sich für den Bruchteil einer Sekunde gegen die Fremdeinwirkung, dann zerfiel sie in ihre Einzelteile. Einzelne Knochen flogen durch die Luft und Lucius hatte Mühe nicht von den ungewöhnlichen Geschossen getroffen zu werden. Aus den Augenwinkeln erkannte er das bläuliche Schimmern eines Schutzzaubers.

„Spinnst du Malfoy? Sehe ich aus wie Madame Rigot?“ keifte es. Mit einem skeptischen Blick konnte er den Schatten von Lestrange ausmachen, der anscheinend zu Boden gegangen war, als die Wand explodierte.

„Wenn ich es mir überlege, hast du Recht. Du ähnelst mehr Miss Lecombe als unserem Opfer.“ 

Grinsend erinnerte er sich an die geschwätzige Stadtführerin, die sie für einige Franc zu dem Haus der Rigots geführt hatte. Er wusste ganz genau, dass Rodolphus ihre Art überhaupt nicht gefallen hatte.

„Ha ha...“ Ausnahmsweise lag kein Lächeln in den Zügen des Dunkelhaarigen, während er sich einem weiteren Knochenberg näherte. Um den möglichen Streit gleich im Keim zu ersticken, beschloss Lucius das Thema zu wechseln:

„Was glaubst du, was das hier ist?“

„Du meinst diese Knochen? Ich habe doch vorhin erzählt, dass das hier die alten Steinbrüche sind. Ende des 18. Jahrhunderts waren die Friedhöfe der Stadt derart überfüllt, dass man Unmengen von Toten in die Katakomben umlagerte. Ansteckungsgefahr und so. Überwiegend Muggel hier unten.“

Rodolphus rollte mit den Augen und griff nach einem der Schädel.

Obwohl er sich nie für die menschliche Anatomie interessiert hatte, glaubte Lucius den fehlenden Unterkiefer zu bemerken und schauderte ein weiteres Mal. Er würde eine Klausel in sein Testament aufnehmen, die beinhalten würde seine Knochen zu verbrennen. Alleine der Gedanke, dass in hundert Jahren Jemand derart respektlos mit seinem Schädel umgehen könnte, missfiel ihm.

„Ich wette der wird Bellatrix gefallen. Ich werde ihn für sie versilbern lassen. Als Souvenir.“

Der Blonde warf seinem Freund einen skeptischen Blick zu.

„Meinst du das Ernst? Das ist ein altersschwacher, hässlicher Muggelschäd- Oh, ich vergaß.“

Augenblicklich winkte er ab. Bellatrix morbiden Geschmack hatte er noch nie nachvollziehen können und eigentlich hatte er auch kein Interesse daran. 

So weit konnte die französische Hexe eigentlich noch nicht gekommen sein. Wenn sie sich beeilen würden, könnten sie zum Abendessen zurück im Hotel sein. Weit weg von diesen widerlichen Knochen.
 

Ein ungewöhnlich kühler Lufthauch wehte um ihn herum.

„Gibt es hier einen Ausgang?“

Suchend sahen sich beide Männer in dem dunklen Gang um, konnten aber nichts entdecken.

Misstrauisch musterten sie jede Ecke, bis plötzlich ein leises Klappern erklang. Instinktiv duckten sich Beide, doch bereits nach einigen Sekunden konnten sie einige düstere Gestalten erkennen.

„Das ist aber nicht die Rigot“, hauchte Lucius, als die größte Gestalt plötzlich zum stehen kam.

„Vielleicht sind es Auroren.“ Rodolphus musterte die drei potenziellen Feinde mit unverhohlenem Hass.

„Sei endlich still!“ Das letzte Zischen verklang zum Glück ungehört.

Die Gestalten sahen sich unschlüssig um. Offensichtlich suchten sie nach etwas, oder nach Jemandem. Die Zauberstäbe in ihren Händen strahlten ein blasses Licht auf die Knochen und ließen die beiden Todesser hinter ihrer Knochenwand noch weiter in die Schatten rutschen.

„Julie! Julie? Tu es là ?“

Keiner der Beiden sprach genug Französisch um den Satz zu verstehen, doch der Name Julie war ihnen sehr vertraut. Unsicher starrten sie auf die düsteren Gestalten, die langsam in einem anderen Raum zu verschwinden schienen.

„Denkst du sie suchen-“

„Julie Rigot“, bestätigte Lucius Rodolphus Gedanken, während er langsam hinter dem Knochenhaufen hervorkroch.

„Das ist schlecht. Sie werden unseren Apparierschutz zu brechen versuchen, um mit dem Buch zu entkommen und wenn sie erstmal weg sind, wird es uns Monate kosten das Buch wieder ausfindig zu machen. Der Lord wird toben vor Wut und Narcissas Kopf wird rollen.“

Lucius nickte nur und starrte in den Gang, in den die Auroren verschwunden waren.

„Wir müssen sie uns schnappen! Wir bringen sie um, schnappen uns ihre Umhänge und warten darauf, dass die Rigot zu uns kommt. Wenn wir auch „Julie? Tu es là?“ rufen, hält das Miststück uns sicher für ihre Freunde, die sie retten wollen und wenn nicht kommen wir so wenigstens an weiteren Auroren vorbei. Eine Leiche mehr oder weniger fällt doch hier unten gar nicht auf.“

„Aber sie sind zu dritt und wenn sie wirklich Auroren sind, sind sie gut. Wie wollen wir sie besiegen?“ Wie immer reagierte Rodolphus skeptisch auf die Vorschläge seines Freundes. Er war es gewohnt Bellatrix auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen und konnte diese Eigenschaft nicht immer ablegen.
 

Lucius lächelte böse: „Keine Sorge mein Lieber, ich habe schon einen Plan.“

III.

III.
 

„Ahh!“ völlig geschockt starrte Narcissa auf den menschlichen Schädel, der direkt auf ihrer Augenhöhe aus der Wand ragte.

„Bella, das ist unheimlich! Wir werden sie nie finden!“

Nur mit großer Mühe schaffte sie es ein weiteres Schluchzen zu unterdrücken. Ihre Augen waren immer noch von den vielen Tränen der letzten Stunden gerötet. Zwar hatte sie ihrem Vater versprochen, die ihr zugeteilte Aufgabe ehrenvoll zu erfüllen, doch nun hatte sie in erster Linie Angst. Fronteinsätze gehörten, dessen war sie sich sicher, nicht zu ihren persönlichen Stärken.

„Wenn du weiter so schreist sicher nicht“, grollte ihre ältere Schwester ungehalten und wieder einmal schämte sich Narcissa nicht den Mut aufbringen zu können, mit dem Bellatrix durch dieses unterirdische Labyrinth zu gehen schien. Sie hatte ihre Schwester noch nie aus Angst weinen sehen. Aus Wut, ja aber nie aus Angst. Narcissa dagegen hätte am liebsten sofort wieder umgedreht.

„Aber Bella! Der Apparierschutz hält nicht ewig und wenn wir uns verlaufen?“

Die Dunkelhaarige rollte mit den Augen und warf ihr einen bösen Blick zu:

„Dann warten wir bis der Schutz weg ist und apparieren ins Hotel und jetzt sei endlich still!“

Wütend stiefelte Bellatrix in die Dunkelheit, so dass Narcissa sich beeilen musste, wenn sie ihre Schwester nicht aus den Augen verlieren wollte.

Alleine in der Dunkelheit, diese Vorstellung ließ die junge Frau schaudern.

Plötzlich ging alles ganz schnell:
 

Bellatrix hatte gerade einen Fuß in den nächsten Raum gesetzt, als ein grüner Lichtstrahl auf sie zuraste. Im letzten Moment schaffte es die Hexe sich zu Boden zu werfen und den Zauber über sich hinwegfegen zu lassen.

Narcissa hatte weniger Glück. Wie gelähmt hatte sie die Ausweichaktion verfolgt, doch nun wo Bellatrix aus der Bahn war, befand sie sich plötzlich im Ziel des Zaubers. Mit einem Schrei der Verzweiflung presste sie sich gegen einen Haufen Knochen, während der Lichtstrahl Millimeter genau an ihr vorüberglitt. Einige Haarsträhnen fielen ihr ins Gesicht, als sie sich auf die Knie sinken ließ und das Bewusstsein verlor.
 

„Narcissa!“

Wie durch Watte hörte sie ihren Namen. Jemand rief nach ihr. Doch wer?

In Trance begann die junge Frau zu rennen.

Narcissa!“

Da! Wieder diese Stimme. Sie klang näher.

Vor ihren Augen erschien ein Schatten. Undeutlich; Verschwommen.

„Lucius?“

Sie wusste nicht wie sie gerade auf Malfoy kam, doch der Name gab ihr das Gefühl von Sicherheit. Ein Ruhepol in der Welt, die sich um sie herum zu drehen begann.
 

Ein stechender Schmerz holte sie in die Dunkelheit der Katakomben von Paris zurück. Erst jetzt erkannte sie, dass der Schatten, den sie für Lucius gehalten hatte, Bellatrix gewesen sein musste, die sich mit wütendem Blick über sie beugte.

„Nenn mich nie wieder Malfoy!“ zischte sie ungehalten und in ihren dunklen Augen flackerte die pure Abscheu. Narcissa wusste nicht wieso, doch Bellatrix hatte den Malfoyerben von der ersten Sekunde an gehasst. Genauer gesagt verabscheute Bellatrix aus Prinzip erst einmal jeden. Die einen waren in der Lage ihr Ansehen in der Welt der Dunkelhaarigen zu steigern, so wie der Lord, den Bellatrix über alles hob, andere jedoch blieben für immer auf dieser untersten Stufe eines komplexen Systems zurück, welches selbst Narcissa nicht komplett verstand. Anscheinend gehörte Lucius zu der zweiten Gruppe und hatte nicht vor, etwas an seiner Stellung zu verändern.

„W-Was ist passiert?“

Ihre eigene Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Irrte sie sich, oder lag ein Brandgeruch in der Luft?

Irritiert blickte die junge Frau zu der Älteren:

„Was riecht hier so?“

„Nichts wichtiges. Du bist ohnmächtig geworden, wie ein kleines Kind“, begann Bellatrix ihre Erklärung, „Im ersten Moment dachte ich du wärst tot und die Rigot anscheinend auch. Die folgenden Flüche waren nicht sehr gut gezielt. Hat geheult wie ein kleines Kind. Sie liegt da drüben.“

Kein Ausdruck von Trauer oder Mitgefühl erschien in den Augen der Hexe, während sie auf einen rauchenden Haufen einige Meter entfernt zeigte. Narcissa unterdrückte ein Würgen als sie den entstellten Leichnam entdeckte.

Julie Rigot, eine ursprünglich durchaus ansehnliche, französische Hexe, lag über und über mit widerlichen, schwarzen Brandblasen bedeckt auf dem kalten Steinboden. Was auch immer sie getroffen hatte, es hatte sie umgebracht. Nur der typische Geruch von verbranntem Fleisch erinnerte noch daran, was vor einigen Minuten in diesem Gang geschehen sein musste.

Narcissas Stimme zitterte, als sie die Sprache wieder fand: „Und das Buch? Wo ist es?“

Wenn es mit der Hexe verbrannt war, würde der dunkle Lord schlimmeres mit ihr anstellen als sie sich überhaupt vorzustellen konnte. Vermutlich würde sie sogar die Rigot um ihr sicher sehr schmerzhaftes Ableben beneiden.

„Keine Angst. Das habe ich hier.“

Der Reiseumhang der Hexe raschelte, als Bellatrix den schwarzen Stoff zur Seite schob um ihrer Schwester einen Blick auf die kostbare Beute zu gewähren. Stark zerknicktes, schwarzes Leder erschien über einer weiteren Bahn aus dunklem Stoff.

„Sie dachte, sie könnte es zwischen den Knochen verstecken, doch da hat sie sich geirrt. Ein häufiger Fehler von Menschen, die etwas verstecken ist, das Versteck nicht aus den Augen zu lassen. Wenn man das weiß, ist es nicht schwer ihre kleinen Geheimnisse auszuspio-“

Eine plötzliche Umarmung unterbrach die Erklärung. Narcissa war ihrer Schwester um den Hals gefallen.

„Das ist toll. Jetzt müssen wir nur noch die anderen suchen und wir können hier endlich weg. Oh Bella-“

Schon wieder glänzten Tränen in den blauen Augen der jüngsten Blacktochter, doch dieses Mal waren es Freudentränen, die sie zurückzuhalten versuchte.

IV.

IV.
 

Jacques de Lothart befand sich in der Hölle. Zwar hatte Mademoiselle Rigot ihn bereits vor Monaten vor der drohenden Gefahr aus England gewarnt, die sie trotz der räumlichen Distanz genau im Auge behalten hatte, doch hatte er bis zuletzt nicht damit gerechnet, dass die Hexe ihm wirklich die ausgemachte Notfallnachricht zukommen lassen würde.

Er hatte zwar zugestimmt, als sie ihn um einen Notfallplan gebeten hatte, doch der Auror hatte den Krieg in England immer als weit entfernt betrachtet. Um so mehr hatte es ihn entsetzt, als der Steinkauz der jungen Frau ihn kurz nach Mitternacht förmlich aus dem Bett gepickt hatte. Wie ausgemacht, hatte nur ein einziges Wort auf dem Pergament gestanden: „mort“- Tod.
 

Nun schlich er bereits seit geraumer Zeit durch die unterirdischen Gänge der Katakomben, die eigentlich für die Öffentlichkeit gesperrt waren. Hier konnte man sich leicht verlaufen um dann in der Dunkelheit ohne jede Orientierung umherzuirren und vielleicht nie wieder das Tageslicht zu sehen. Doch Jacques wusste wohin er zu gehen hatte. Sie hatten den Treffpunkt im Rahmen der Planung genau abgesprochen und waren die Gänge mehrfach abgegangen.

Innerlich verfluchte er, dass er davon abgesehen hatte, Fallen für die potentiellen Verfolger aufzustellen. Hätte er Mademoiselle Rigot ernst genommen, würde die junge Hexe jetzt vielleicht nicht alleine und hilflos durch das unterirdische Labyrinth irren und versuchen lebendig den abgesprochenen, und vor allem ungesicherten, Treffpunkt zu erreichen.

Wenn er nicht so nachlässig gewesen wäre und nur an den Feierabend und die langen Beine seiner neuesten Freundin gedacht hätte, wären er und seine Kollegen nicht in dieser Situation. Er hätte sich hundert weitere Vorwürfe machen können, doch sein bester Freund Claude hatte ihm diese Aufgabe längst abgenommen. Mit seiner ruhigen, ernsten Stimme lies er Vorwurf auf Vorwurf erklingen; mahnte, tadelte und spottete, genau wie Jacques es im Augenblick hören wollte. Fehler wie dieser durften einfach nicht passieren.
 

Während sie sich langsam aber sicher voran arbeiteten, den Zauberstab stets zum Angriff erhoben und den Blick möglichst gleichzeitig in drei Gängen, sicherte Pierre, ein großer, dunkelhaariger Auror, der nie viel redete und mehr durch seine Kraft als durch sein Gehirn glänzte, ihren Rücken. Der Nachteil an diesem Labyrinth war, dass der Feind jederzeit unbemerkt von hinten nahen konnte.
 

Scheppernd fiel der Knochenhaufen rechts von Jacques in sich zusammen und riss diesen aus seinen Gedanken. Alle drei Männer waren für den Bruchteil einer Sekunde vor Überraschung wie gelähmt. Ein Fehler den sie teuer bezahlen sollten.
 

Der Deprimo war sorgfältig platziert und traf den Auror mitten in den Rücken.

Blut spritzte gegen die sorgsam aufgeschichteten Gebeine. Unförmige Brocken, die eben noch ein Kollege gewesen waren, fielen mit einem dumpfen Laut zu Boden und färbten diesen tief rot.“

„Pierre!“

Claudes Stimme riss Jacques aus seiner Starre.

Der Feind hatte sie gefunden.
 

Den Zauberstab erhoben, ging er hinter einem Knochenhaufen in Deckung. Er musste die Engländer entdecken. Von wo war der Angriff gekommen?

Bei der Erinnerung an Pierres letzte Sekunden und den Schock in seinen Augen, wurde Jacques übel. Keine Ausbildung der Welt hatte ihn hierauf vorbereitet.

Zögernd riskierte er einen Blick in die Dunkelheit. Erfolglos.

Jacques Atem rasselte, als er zu Lauschen begann. War das ein Schritt gewesen, oder nur ein Wassertropfen, der von der Decke herabgefallen war?

Da!

Ein Gurgeln.

Hilflos; kurz.

In Jacques baute sich eine Befürchtung auf, wuchs immer weiter und entlud sich in einem verzweifelten Ausruf:

„Claude?!“

Stille.

„Claude?!“

Dieses Mal lauter.

Doch die Gewissheit traf ihn mit unvorstellbarer Härte, trieb ihm die Tränen in die Augen.

Er wusste es einfach.

Diese Mission war ein absoluter Fehlschlag.

Er würde sterben. Hier, in den Katakomben von Paris, wo er Tod allgegenwärtig war, würde er sterben, aber er würde den Feind mit sich nehmen. Ein Funken Wahnsinn glomm in seinen Augen auf, als er sich aufrichtete und begann Zauber um Zauber in die Dunkelheit vor sich zu feuern.
 

Er wusste nicht wie lange er schon blind ins Nichts feuerte oder ob der Feind überhaupt noch anwesend war, denn die Tränen hatten seinen Blick verschleiert. Trotzdem erkannte er das bläuliche Schimmern eines eilig erzeugten Schutzzaubers in der Dunkelheit. Er hatte die Todesser gefunden. Die folgenden Zauber waren genauer. Sie orientierten sich an dem flackernden Schutz. Ein paar Minuten noch; vielleicht zwei oder drei Zauber und er würde zusammenbrechen.

Rache!

Dieses Wort beherrschte seine Gedanken. Er würde seine Kollegen und Freunde rächen.

Der Wahnsinn glomm noch stärker in ihm als er den Stab ein weiteres Mal hob.

Jetzt würde er es zu Ende bringen: „Expu-

Crucio!“

Unbändiger Schmerz ergriff Besitz von Jacques. Er fühlte sich, als würde ihm jeder Knochen im Leib gebrochen, wollte schreien doch konnte er es nicht. Wortlos fiel sein Zauberstab zu Boden, landete direkt vor seinen vor Schmerz geweiteten Augen.

Aus den Augenwinkeln erkannte er eine blonde Frau, die seinen Stab ergriff. Weinte sie?

Der Schmerz trübte seinen Blick und er brauchte alle seine Kraft um nicht bewusstlos zu werden.
 

„Bella, er ist besiegt. Bitte, hör auf“, bat eine weibliche Stimme nicht weit von ihm. Vielleicht die Blondine von eben? Der Schmerz ließ nicht nach.

„Halt den Mund!“

Der Befehl klang hart, bestimmend. War das diese Bella?

Jacques hatte das Gefühl vor Schmerz wahnsinnig zu werden.

„Bella? Cissy?“

Eine dritte Stimme kam hinzu und der Zauber wurde abgebrochen

„Ich habe das Buch“, verkündete die Frau, die ihn bis eben gefoltert hatte. Obwohl er Mühe hatte zu denken, wusste Jacques was das bedeutete. Julie Rigot hatte es nicht geschafft. Sie waren gescheitert, alle drei. Wegen seiner Unfähigkeit.

„Dann gehen wir“, ein weiterer Mann war dazu gekommen Obwohl Jacques Englisch nicht besonders gut war, versuchte er in seinem Dämmerzustand zu verstehen, worum es ging.

Von der folgenden Unterhaltung bekam er trotzdem kaum etwas mit. Die fremden Worte schlugen über seinem Kopf zusammen, wichen jedem Versuch aus übersetzt zu werden und ließen ihn in absoluter Unkenntnis zurück.

Einzig der Tonfall gab ihm einen Hinweis.

Die Todesser stritten.

Vielleicht um ihn?

„Er kann uns nichts mehr tun. Lassen wir ihn.“ forderte eine leise, weibliche Stimme.

„Er könnte uns verraten! Du wirst ihn umbringen“ Wieder das Keifen der anderen Frau, gefolgt von einem Schluchzen. Zu gerne hätte er verstanden worum es gerade ging.

„Sie muss das nicht tun“, mischte sich wieder ein Mann ein. Seine Stimme klang aggressiv, vermutlich angestachelt durch das leise Weinen der Frau.

„Dann klärt es doch selbst!“ keifte die Stimme, die er Bella zugeordnet zu haben glaubte zurück.

Ein leises Ploppen ertönte und verriet Jacques, dass der Apparierschutz nicht mehr wirkte und das wenigstens einer der Todesser fort war. Vermutlich Bella. Vielleicht war das seine Chance.

Mit all seiner Kraft versuchte er sich aufzurichten, zitterte und brach ein weiteres Mal zusammen.

Schmerz durchströmte seinen Körper. Es dauerte einige Minuten bis er den Schatten wahrnahm, der sich über ihn beugte. Aus den getrübten Augen glaubte er blonde Haare zu erkennen.

War er gestorben?

Nein, der Schmerz zuckte immer noch durch seinen Körper.

Noch lebte er.

„Ein netter Versuch“, raunte der Blonde ihm ins Ohr, doch Jacques verstand auch diese Bemerkung nicht.

Plötzlich spürte er den Zauberstab an seinem Hals, spürte wie er wieder zu Zittern begann und hörte ein leises: „Au revoir“, bevor ein grüner Lichtblitz ihm das letzte Leben aussaugte.

V.

V.
 

Die Morgensonne färbte den Himmel über Paris blutrot und für einige Sekunden schien die Stadt still zu stehen um den Moment zu genießen. Eine einzelne Taube flatterte über den erstaunlich leeren Parc du Champ de Mars hinweg, bereit für einen neuen Tag in der Stadt der Liebe. Das Wasser der Seine glitzerte geheimnisvoll. Nichts erinnerte noch an das Grauen der vergangenen Nacht.
 

Vier Augenpaare starrten von dem 276 m hohen Wahrzeichen von Paris, dem Eiffelturm, auf die erwachende Metropole hinab.

„Wir haben es tatsächlich geschafft. Wir haben das Buch“, hauchte Bellatrix und strich ein weiteres Mal über das weiche, dunkle Leder in ihren Händen. Für einige Sekunden umspielte ein zufriedenes Lächeln ihre Mundwinkel; Ein Ausdruck, den man bei Bellatrix nur selten zu sehen bekam.

„Er wird sehr zufrieden mit uns sein“, stimmte ihr Rodolphus mit seinem üblichen Grinsen im Gesicht zu. In seiner Hand drehte er ein weiteres Mal die Münze, die ihnen als Portschlüssel dienen würde. Zwar fragte er sich was an diesem Buch so besonders sein sollte, doch wusste er, dass der Inhalt nicht für seine Augen bestimmt war. Der Lord hatte seine Gründe und vielleicht würde er so gnädig sein ihnen die Bedeutung dieser Mission zu erklären, wenn sie ihm das verlangte Buch präsentieren würden.
 

„Wie lange sollen wir eigentlich noch warten?“

Bellatrix verdrehte genervt die Augen. Am liebsten wäre sie sofort aufgebrochen, um ihrem Lord das Buch zu übergeben. Rodolphus musste sich zwingen seinen Gesichtsausdruck weiterhin so zufrieden wirken zu lassen. Jedes Mal wenn er Bellatrix so voller Eifer sah, ging es um den dunklen Lord. Egal wie sehr er sie liebte, er hatte schnell lernen müssen, dass er - falls überhaupt - nur die zweite Geige in ihrem Leben spielen konnte. Eine frustrierende Rolle, doch die Beste die er besetzen konnte. Seine Bellatrix lebte schon längst nur noch für den Lord, einen Herren, der nie mehr in ihr sehen würde, als eine treue Dienerin unter vielen treuen Dienern. Doch sie war ihm mindestens so hoffnungslos verfallen, wie Rodolphus ihr.

„Lass ihnen noch einen Moment. Die vergangene Nacht hat deine Schwester wirklich verängstigt. Vielleicht hilft ihr die Aussicht es zu vergessen.“

Bellatrix knirschte mit den Zähnen: „Ich bezweifle das es die Aussicht ist, die Cissy aufhält.“
 

Kopfschüttelnd riss Rodolphus seine Augen von der Stadt unter ihm um einen Blick in die Richtung zu riskieren, in die Bellatrix schon seit geraumer Zeit giftige Blicke schickte. Sein bester - und einziger – Freund Lucius hatte sich offensichtlich selbst zum Stadtführer erklärt und erzählte einer strahlenden Narcissa aller Hand Geschichten über die Stadt, von denen vermutlich die Meisten erstunken und erlogen waren.
 

Während er die Beiden lachen sah, spürte er zum ersten Mal seit langem so etwas wie Trauer.
 

Ende


Nachwort zu diesem Kapitel:
Hallo,

schön das du dich hierher verlaufen hast. Ich hoffe du hattest Spaß beim lesen.
Solltest du jetzt darüber nachdenken, die Geschichte zu kommentieren, bitte ich dich dabei zu berücksichtigen, dass das gute Stück hier aus dem Jahr 2008 stammt und folglich schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat.

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Kommentare zu dieser Fanfic (3)

Von: abgemeldet
2011-07-13T19:28:42+00:00 13.07.2011 21:28
uuuuuuuuuh! Ich liebe es wie du zeigst, dass selbst die Todesser nur ganz normale Menschen mit ganz normalen Gefühlen und Problemen sind. Die Beziehung zwischen Lucius und Narcissa gefällt mir total. Und Rodolphus tut mir sogar richtig Leid.
LG Chiyo
Von: abgemeldet
2008-11-04T21:29:50+00:00 04.11.2008 22:29
Ich mag das Ende...
Cissa lässt sich zwar schnell ablenken, aber ich kanns verstehen...
Und Lucius hat bei dir Gefühle für sie, sehr schön.
Und auch die Sichtweise des Aurors fand ich gut, genau wie deine Bella.
Hübsche Story, wirklich.
Von: abgemeldet
2008-10-23T20:35:46+00:00 23.10.2008 22:35
Allein die Tatsache, dass es KEIN OS ist, macht es zu etwas Besonderem^^
Dann noch die Charakonstellation...
Ich bin echt gespannt, was du da noch draus machst^^



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