1. Die Begegnung
Es war ein regnerischer Tag. Ich saß in meinem Zimmer und sah gelangweilt aus dem Fenster. Mit einem Seufzer stand ich auf und legte mich ins Bett. Nach wenigen Minuten wurden meine Lider schwer und ich schlief ein. Nach ein paar Stunden wachte ich wieder auf und blickte erneut aus dem Fenster. Ich bemerkte das es nicht mehr regnete und dass es bereits dämmerte. Schnell rannte ich aus meinem Zimmer, schnappte mir meine Jacke, zog mir meine Schuhe an und ging aus dem Haus. Wie fast jeden Tag wollte ich auch heute den Sonnenuntergang an der Meeresklippe sehen. Ich weiß nicht genau warum, aber seit ich ganz alleine bin, schaue ich mir immer den Sonnenuntergang an. Zuerst musst ich durch das kleine Wäldchen laufen, bevor ich an die Klippe kam. Ich erreicht schon nach kurzer Zeit die ersten Bäume und folgte dann dort einem kleinen Pfad. >Nur noch wenige Schritte.<, dachte ich. Als die Klippe in Sichtweite kam, wurde ich langsamer. Dort stand jemand, jemand der mir fremd war. Er stand mit dem Rücken zu mir und blickte hinaus aufs Meer. Sein schwarzes Haar wehte leicht mit der Meeresbrise mit. Er war groß, schlank und seine Kleidung war einheitlich schwarz.
Leise näherte ich mich ihm und anscheinend hatte er mich bemerkt, denn er drehte sich zu mir um mit einem leichten lächeln auf den Lippen. Starr blieb ich stehen. Wie war so etwas möglich? Der Fremde der vor mir stand, hatte rote Augen. Ob das nur eine Täuschung war von der roten untergehenden Sonne? Sein Blick war so sanft. Ich versank regelrecht in seinen Augen, wie gebannt rührte ich mich keinen Millimeter. Nach einem kurzen Augenblick verschloss mein Gegenüber die Augen. Mir kam es so vor als würde er sich mit dieser Geste von mir verabschieden. Mich riss es aus meiner Starre, als ich sah das der Fremde einige Schritte zurück machte, auf den Rand der Klippe zu.
Ich eilte zu ihm, doch es war schon zu spät. Er öffnete noch mal seine Augen und winkte mir noch leicht zu, als er über den Klippenrand fiel. Wenige Sekunden später kam ich an die Steinkante. Entsetzt kniete ich mich an den Rand und blickte hinab in die Tiefe. Das Meer tobte und schlug gegen die großen Felsen am Fuße der Klippe, doch sonst war nichts weiter zu sehen. „Wo ist er nur hin? Er müsste doch hier sein.... Er kann doch schlecht einfach verschwinden?“, doch es machte sehr den Anschein danach, als wäre genau dies passiert. Ich setzte mich auf und blickte der untergehenden Sonne entgegen. Die letzten Strahlen versanken im Meer und Sterne ließen sich am Himmel blicken. Ich blieb noch für einige Minuten sitzen. Total verwirrt über das gerade Geschehene. „Wer war nur dieser Mann und vor allem wo ist er geblieben?“
Ich schüttelte den Kopf, um diese Gedanken aus meinem Kopf zu kriegen, stand dann auf und machte mich auf den Heimweg. »Er hat rote Augen und ist einfach verschwunden.«, ging es mir weiter durch die Gedanken. Als ich Zuhause ankam, setzte ich mich aufs Sofa und machte den Fernseher an, doch wirklich mitbekommen was gerade so lief, habe ich nicht, denn die Szene an der Klippe ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Irgendwann schlief ich dann doch ein, aber selbst in meinen Träumen träumte ich immer und immer wieder von meiner Begegnung an der Klippe.
2. Das Wiedersehen
Der Wecker klingelte pünktlich, wie immer in jeder Früh. Total verschlafen öffnete ich die Augen und rappelte mich vom Sofa hoch. Ich tapste in mein Schlafzimmer um dieses nervtötende Ringen abzustellen, da ich aber noch nicht richtig saß und die Augen noch mehr zu als offen hatte, gelang es mir erst nach einigen erfolglosen Versuchen, den Wecker endlich auszuschalten. Müde schleppte ich mich ins Bad, um mich für die Uni fertig zu machen. Langsam lies ich in mein Waschbecken eiskaltes Wasser laufen, tauchte dann meine Hände hinein und benetze damit mein Gesicht, um meinen Geist wieder zu wecken. Dies machte ich mehrmals hintereinander. Ich bekam Gänsehaut als ein kalter Wassertropfen mir den Hals herunter lief. Schnell schnappte ich mir ein Handtuch und trocknete mich ab. Nachdem ich mich noch gekämmt und die Zähne geputzt hatte, ging ich zurück in mein Zimmer an den Kleiderschrank und suchte mir etwas passendes für die Uni. Ich war sehr froh darüber, dass wir keine Kleidungsvorschrift hatten, den solche komischen Uniformen mochte ich überhaupt nicht.
Fertig umgezogen, richtete ich mir in der Küche noch schnell ein belegtes Brot und machte mich dann schnell auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle. Inständig hoffte ich das der Bus heute nicht kommen würde, denn meine Lust auf Unterricht ging gegen Null. Leider kam der Bus sogar mal pünktlich auf die Minute.
Die Fahrt dauerte immer ganz schön lang, da ich außerhalb der Stadt wohnte. Ich lehnte mich gegen die Scheibe und dachte immer noch an das Geschehene von Gestern, obwohl es mir nun mehr als ein Traum vorkam, als wirklich passiert.
Endlich bei der Uni angekommen, stieg ich aus und machte mich auf den Weg zum Klassenraum. Es war noch kaum einer da, das lag daran, dass ich immer einen Bus früher zu Uni nahm, damit ich einen ruhigen Start in den Tag hatte.
Die Zeit verging, der Unterricht begann und ich fing an mich zu langweilen. Der Tag verging so langsam und nichts interessierte mich. Ich träumte vor mich hin, was nicht unbemerkt blieb und das in keinem Fach was ich den heutigen Tag hatte. Von jedem Lehrer wurde ich ermahnt und bei zweien durfte ich nun auch noch eine Strafarbeit schreiben. Als endlich diese öden Unterrichtsstunden vergangen waren, ging ich gleich zu meiner nächsten Tätigkeit über. Ich jobbte in einer kleinen Cafeteria in der Nähe des Stadtparks. Wie schon den ganzen Tag über, war ich auch hier nicht wirklich bei der Sache. Ich lies alles mögliche fallen oder brachte den Gästen etwas was sie gar nicht bestellt hatten.
Nach der Arbeit wollte ich eigentlich noch einkaufen, doch mein Kopf war genauso leer, wie der Einkaufszettel, den ich noch nicht einmal mitgenommen hatte. Ich lief in Gedanken versunken Richtung Park. »Was ist heute nur mit mir los? Warum geht mir dieser Kerl nicht mehr aus dem Kopf?«
Seufzend lies ich den Kopf hängen und wechselte die Straßenseite. Besser gesagt ich wollte die Seite wechseln, übersah aber das genau in dem Moment ein Auto kam. Als ich dies merkte, blieb ich starr vor Schreck. So plötzlich aus den Gedanken gerissen, wusste ich nicht was ich jetzt machen sollte. »Ich werde jetzt sterben!«, schoss es mir durch den Kopf. Ich schloss die Augen und erwartete jeden Moment, dass mich das Auto erfassen würde. Doch jemand packte mich von hinten an meiner Hüfte und zog mich rasch zurück auf den Gehweg. Ich war gerettet! Als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich nur noch das Auto von hinten. Ich wandte mich zu meinem Retter um und wollte ihm meinen Dank aussprechen, doch meine Worte blieben mir im Halse stecken als ich sah, dass es der Fremde mit den roten Augen von der Klippe war. Ich konnte es nicht glauben. Wo kam er den so plötzlich her? Ich fasste mich wieder und blickte meinen Gegenüber an. Er strich mir sanft mit einer Hand über die Wange und sagte ganz leise: „Misa“. Jetzt war ich baff und ich konnte meine Fragen nicht mehr halten. Es sprudelte förmlich aus mir heraus:
„Wer bist du? Woher kennst du meinen Namen und wie bist du....“, doch zu mehr kam ich nicht, denn der Fremde zog mich zu sich her und küsste mich. Ich begriff zuerst gar nicht so recht was grad geschah, doch automatisch schloss ich die Augen und währenddessen lief ich knallrot an. Als sich nach einiger Zeit unsere Lippen wieder voneinander trennten, öffnete ich meine Augen. »Mein erster Kuss«, ging es mir durch den Kopf. Jetzt wollte ich erst recht mehr von diesem mysteriösen Kerl wissen. Erneut wollte ich ihm Fragen stellen, doch er legte mir nur einen Finger auf die Lippen und hauchte mir ins Ohr: „Ich heiße Yuriy“.
Ein kalter Schauer lief mir am Rücken und an den Armen hinunter, zudem wurde ich knallrot. Es verschlug mir die Sprache und auch wenn ich nur so platze vor Fragen, doch ich war grad nicht mehr in der Lage eine zustellen.
3. Der Angriff
Nachdem ich mich wieder etwas beruhigt hatte, viel mir auf wie merkwürdig ruhig alles um uns herum wurde, aber nicht nur das war seltsam, sondern der Himmel über uns wurde dunkel, fast schon schwarz. Mit ernstem Blick sah Yuriy hinauf zu den finsteren Wolken und dann zu mir. Wortlos ergriff er meine Hand und zog mich mit sich mit in den Park. „Was ist den aufeinmal los?“, fragte ich ihn. Ich hatte so ein ungutes Gefühl. Irgendetwas stimmte hier nicht. Dieses Gefühl wurde nur noch stärker als schwarze Blitze über den Himmel zuckten. Weiter rannte er mit mir durch den Park. „Ich muss dich schnell hier wegbringen. Für dich wird es hier nun zu gefährlich.“, antwortete er mir. „Gefährlich?“, sah ich ihn mit bedrücktem Blick an. „Ja, denn meine Verfolger machen sich einen Spaß draus, die zu quälen die mir am Herzen liegen und wenn sie dich finden, werden sie hundertprozentig genau dies tun.“
Diese Aussage beunruhigte mich nur noch mehr. „Wer sind den die und warum wirst du von ihnen verfolgt?“, nach dieser Frage sah Yuriy mich ernst an. „Ich erkläre dir das später. Ich muss dich jetzt erstmal nach Hause bringen, denn dort bist du sicher, aber wir müssen uns beeilen. Sie sind schon sehr nah.“ Der Ausgang des Parks kam schon in Sichtweite, doch näher kamen wir ihm nicht mehr. Direkt vor uns schlug ein schwarzer Blitz im Boden ein. Vor Schreck wandte ich meinen Blick kurz ab und als ich wieder aufschaute, erblickte ich genau auf dieser Stelle zwei Gestalten. Beide waren schwarz gekleidet, dunkelgraue Schwingen zierten ihren Rücken und auch sie hatten, wie Yuriy, rote Augen. Ängstlich klammerte ich mich an Yuriys Arm und flüsterte: „Wer oder was sind das für Leute?“. Kurz und knapp meinte er: „Das sind Dämonen Misa genau wie ich auch einer bin.“
Mir merkte man förmlich an, dass mich grad die Situation etwas überforderte. Ich verstand das mir gerade gesagte, noch nicht so ganz. Besser gesagt ich konnte es nicht glauben, obwohl meine Augen ja die Wahrheit sahen.
Nun fing der kleiner von den Zweien finster zu lachen an, zog er ein langes mit Zacken versehenes Schwert und sprach: „Haben wir dich endlich gefunden, Yuriy!“. Yuriy hob leicht seine Hand an und vor ihm erschien ebenfalls ein Schwert, aber mit dunkelblauer Klinge. Schützend stellte er sich vor mich und hielt seine Waffe seinem Feind entgegen. Der Größere Dämon breitete seine schwingen aus, flog über uns hinweg und landete auf der anderen Seite, somit war der Weg zurück abgeschnitten. Wir saßen in der Falle!
Ich drehte mich um und sah den Großen an. Yuriy und ich standen nun Rücken an Rücken beisammen. Wie auf ein Kommando kamen beide gleichzeitig auf uns zu, als aufeinmal der mit dem Schwert angriff. Mein Dämon parierte den Schlag, doch genau in dem Moment ergriff mich der zweite Dämon und zog mich zu sich. Sein Griff tat weh und kurzerhand biss ich ihm in die Hand, woraufhin er mich mit einem Faustschlag zu Boden schlug und hämisch lachte. Yuriy wandte kurz seine Blick besorgt zurück. „Misa!“
Der Kleiner von beiden meinte nur eiskalt: „Wie kann man nur so dumm sein und sich auch noch in einen mickrigen Menschen verlieben. Du hast schon genug Probleme.“ Voller Wut darüber was der Eine sagte, schlug Yuriy seinem Gegner die Waffe aus der Hand. Bevor sein Kontrahent reagieren konnte, war schon Yuriys Schwertklinge an seinem Hals. Das blieb nicht unbeobachtet. Der Größere sah dies und machte sich aus dem Staub. Ich rappelte mich wieder hoch und sogleich ich auf den Beinen wieder stand, rief mir Yuriy zu: „Misa schnell geh nach Hause!“. Mit einem leisen „okay..“, ging ich an den zweien vorbei in Richtung Ausgang, da Yuriy aber gerade seine Aufmerksamkeit auf mich richtete, bekam er nicht mit, was sein Gefangener hervorholte. Leise fing er böse zu lachen an. „Wie schmerzhaft wird es wohl sein, wenn seine große Liebe vor seinen Augen zu Grunde geht?“, frage der Dämon leise. „Gleich werde ich es wissen!“, grinste er böse.
Ich war nur noch wenige Schritte vom Ausgang weg, als ich aufeinmal einen stark stechenden Schmerz verspürte. Ich fühlte wie an meinem Rücken etwas warmes herunter floss und wenige Sekunden später wurde alles schwarz um mich herum. Das letzte was ich noch mitbekam, war der besorgte Aufschrei von Yuriy, als ich zu Boden sank.
4. Annäherungen
Mit starken Schmerzen erwachte ich in meinem Zimmer wieder. Jede Bewegung tat mir weh. »Was ist passiert?«. Qualvoll richtete ich mich in meinem Bett auf und bemerkte, dass Yuriy mit seinem Oberkörper auf meinem Bett lag und schlief. Ich lächelte auf als ich das sah. »Wie süß er aussieht wenn er schläft«, dachte ich mir und strich ihm dabei über den Kopf.
Ich zog mich leise aus dem Bett und unterdrückte dabei jeden Schmerzensaufschrei, damit ich Yuriy nicht weckte. Langsam schleppt ich mich ins Bad und vor dem Spiegel hielt ich inne. Ich betrachtete mein Spiegelbild. Der ganze Brustkorb war mit Verband umwickelt. Um zusehen was diesen Schmerz verursachte, wandte ich mich um, sodass ich mit dem Rücken zum Spiegel stand. Ich löste den Verband und sah wie eine schmale Wunde meinen Rücken zierte. Diese fing leicht wieder zu bluten an, als ich mich etwas ungeschickt bewegte. Im Spiegel sah ich wie jemand im Türrahmen vom Bad stand. Yuriy war auf gewacht und kam zu mir. „Es tut mir leid. Ich habe nicht gut genug aufgepasst. Ich merkte nicht wie der Dämon einen Dolch zog und diesen auf dich warf. Der Dolch durchborgte einen Rücken bis zur Lunge.“
Ich drehte mich zu ihm um und sah ihm in die Augen. „Aber wie kann es dann sein das ich noch lebe?“. „Du musst wissen Misa, auch ein Dämon besitzt die Fähigkeit der Heilung nur nicht so stark, wie Engel es können. Ich habe deine Lunge geheilt, dass war aber das Einzigste was ich machen konnte. Nun komm, lass uns dir einen neuen Verband anlegen.“
Ich ging mit Yuriy wieder aus dem Bad heraus und setzte mich aufs Bett, während er mich neu verband, erzählte er mir einwenig über die Welten die es noch so auf Erden gab. Gebannt hörte ich ihm zu. Er erzählte mir ,was nachdem ich bewusstlos geworden bin noch so passiert ist. Der Dämon haute ab und Yuriy trug mich auf Händen nach Hause. „So ein Mistkerl!“, protestierte ich über das Verhalten des kleinen Dämons. „Ach ja Yuriy, da fällt mir ein. Woher kennst du eigentlich meinen Namen. Ich habe mich dir nie vorgestellt.“, blickte ich ihn neugierig an. Yuriy sah mich kurz erstaunt an und fing dann plötzlich zum lachen an.
Er drückte mich auf die Matratze nieder, beugte sich dicht über mich, sah mit tief mit verführerischem Blick in die Augen und sagte: „Als ich dich das erste Mal sah, war es um mich geschehen. Ich verlor mein Herz an dich. Ich wollte wissen wer du warst und habe einwenig herumgeforscht. Misa...“, hauchte er mir ins Ohr.
Ich konnte seinen Atem an meinem Hals spüren, daraufhin wurde ich ganz rot und zuckt leicht zusammen als seine Lippen meine Haut berührten.
Leise stöhnte ich als ich mich wieder ungünstig bewegte und der Schmerz meinen Rücken durchfuhr. Yuriy entschuldigte sich, setzte sich wieder auf und meinte ich sollte doch lieber wieder schlafen. Ich widersprach ihm nicht und legte mich in. Er deckte mich zu, legte sich auf dem Bett neben mich und küsste mich noch zärtlich auf die Stirn. „Jetzt ruh dich schön aus, damit du schnell wieder Top fit wirst.“ Er legte einen Arm über mich und schenkte mir seine Wärme. Wenig Minuten später wurden meine Augen schwer und ich schlief wieder ein. Ich fühlte mich so wohl und auch wenn ich Yuriy eigentlich noch überhaupt nicht kannte, so merkte ich ,dass auch ich mein Herz an ihn verloren hatte, schon im ersten Moment als ich ihn sah. Nach kurzer Zeit waren wir beide aneinander gekuschelt eingeschlafen.