Allein
Kommentar des Autors: Sachen in Klammern sind eine innere Stimme des jeweiligen Charas, keine Eigenkommentare!
-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-
[style type=„bold“]Matt:[/style]
Du hast mich verlassen. Es ist schon so lange her, dass ich dich das letzte Mal gesehen habe, du bist einfach gegangen. Ohne ein Wort zu sagen. Du hast einfach deine Sachen gepackt und warst dann plötzlich fort.
Du hast mir nicht eine Erinnerung gelassen an uns, an dich, an das was war.
Ich habe versucht, die letzten Spuren deiner Existenz zu vernichten. Ein Foto, das ich heimlich im Tagebuch hatte, habe ich verbrannt. Ich habe gehofft, es würde aufhören, doch ich empfinde einfach zuviel für dich.
Ich habe dich auf dem Handy angerufen, mit unterdrückter Nummer, nur um deine Stimme zu hören, habe dann sofort aufgelegt.
Doch immer noch hoffe ich. Nachts, wenn ich allein in meinem Bett liege, in unserem Zimmer, hoffe ich, dass du zurückkommst. Oder anrufst. Du kannst mich jederzeit anrufen, ich komme jederzeit vorbei, ich bin einfach der Trottel, der alles für dich tun würde.
Es wäre egal, von wo aus du anrufst. Du kannst dir sicher sein, dass ich bald da sein würde.
Dass ich bald bei dir wäre.
Ich vermisse dich, Mello. Ich liebe dich und du hast mich hier allein gelassen, ohne jegliches Erinnerungsstück. Kein Shirt, an dem noch dein Geruch hinge, keine Tafel Schokolade, keine Schuhe, keine Cds, nichts.
Doch ich werde warten.
[style type=„bold“]Mello:[/style]
Da bin ich hier in der großen Stadt. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber es ist einfach geil. Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach wird (Lügner… einfach, dass ich nicht lache…), auch wenn ich immer davon überzeugt war, dass ich alles schaffen könnte. Ich bin halt so. Verrückt, mutig, vielleicht eher leichtsinnig. Nur eine Sache macht mir Gedanken: Dass ich dich so einfach alleine gelassen habe (weil du andere Gedanken einfach nicht zulässt, Mello…). Ich weiß noch nicht, was ich wegen dir mache, aber sicher kriege ich das auch irgendwie hin.
Aber eines kannst du vergessen: Dass ich mich bei dir entschuldige. (Nein, der große Mello entschuldigt sich natürlich nicht… Du bist so ein Arschloch, Mello weißt du das? Der Junge hat dich geliebt!) Du wusstest, dass es jederzeit soweit sein konnte. Jederzeit, dass ich die Schnauze voll habe vom Waisenhaus und allem. Du hast mich packen gesehen, oder etwa nicht? Also, wenn du nicht cool genug warst, um deine Sachen ebenfalls zu packen, selbst dran schuld. Ich gehe jetzt weiter.
Ich muss einfach meinen eigenen Weg gehen, Matt. Das hat nichts mit dir zu tun. (Nein, dass du ihn dabei betrogen hast, auch nicht, oder?)
Ich weiß, dass du es bist, der mich ständig anruft. Dennoch rufe ich nicht zurück. Ich will jetzt leben, Matt, frei sein, und letzten Endes meinem Ziel wesentlich näher kommen, als ich es im Wammy’s jemals gekonnt hätte.
Ich glaub, ich mach jetzt erstmal Party. Arbeiten kann ich auch morgen noch. Oh Mann, Matt wenn du wüsstest… Wahrscheinlich würdest du dir vor Angst in die Hosen machen. Aber ich hab immer gesagt, wenn ich meinen eigenen weg gehen könnte, ich könnte machen was ich wollte.
Wenn du wüsstest, wie einfach es war, sich in die Mafia einzuschleichen! Das war echt lustig. (Etwas in mir sagt, dass es alles andere als lustig war, doch ich ignoriere das) Und dieser Typ, Rod (Dieses verdammte Arschloch…), hat mich auch gleich für heute Abend zu dieser Party eingeladen…
Später:
[style type=„bold“]Mello:[/style]
Doch jetzt liege ich hier allein in meinem Bett. Ich schließe die Augen und es fühlt sich an, als würden tausende Finger über meine Haut streichen. Ich sehe dein Gesicht vor dir, als du mich das erste Mal so berührt hast. Als ich dich berührt habe.
Ich erinnere mich, wie es war, als du und ich zusammen waren. Ich denke an dich, Matt. Auch wenn mir diese Gefühle nur im Wege stehen.
Ist schon komisch, die Party eben… Ich hab da echt das Haus gerockt (ja, klar, Mello…), doch sobald ich die Tür hinter mir geschlossen habe, als ich nach Hause gekommen bin, da habe ich deine Zigarettenschachtel auf dem Tisch gesehen, die ich dir gemopst habe, als ich gegangen bin.
Und ich musste an dich denken, und da war kein Platz mehr für die Gedanken an Party und Freiheit mehr in meinem Kopf.
Ich wünschte wirklich, du wärst hier, Matt.
Auf einmal macht mir das alles Angst.
Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, du warst immer bei mir.
Immer. Und jetzt soll das ganze vorbei sein? Warum bist du mir nicht gefolgt? Warum hast du mich nicht aufgehalten? Ich erinnere mich an jeden Kuss von dir, jede Bewegung, die du nachts im Schlaf neben mir gemacht hast.
Oh Fuck, ich glaube, ich werde dich anrufen. Nein, ich kann das nicht…
Ich bin so weit weg von dir, Matt… Nicht mal mehr auf dem gleichen Kontinent.
Oh verdammt…
Wieder vereint?
3 Wochen später:
[style type=„bold“]Matt:[/style]
Ich packe meine Koffer. Ich weiß, es ist zu spät, doch ich halte es hier nicht mehr alleine aus, ohne dich. Ich werde wohl nie wissen, warum ich dir damals nicht gleich hinterher bin…
Vielleicht werd ich dich noch finden. Laut meiner Handyrechnung bist du in Amerika, Amerika ist groß, doch mit ein bisschen Hilfe von den Engeln werde ich es schon schaffen. Ich muss positiv denken. Doch was, wenn die Engel gegen uns sind?
Alles was ich will, ist doch, dass du mich genauso liebst, wie ich dich. Aber dagegen waren wohl die Engel, zu denen du betest. Deine heiligen, dein Gott.
Irgendetwas zieht mich hinaus, hat mich heute Morgen aus dem Bett geworfen, hat mir gesagt, dass du mir vergeben wirst, dass ich nicht mit dir gekommen bin. Wollen sie es nun doch?
Oh, wenn ich dich nur finde, ich werde nie wieder über deine Engel lachen, ich verspreche es. Wenn es nur klappt. Wenn ich dich finde und du mich noch immer bei dir haben willst.
[style type=„bold“]Matt:[/style] Jetzt sitze ich im Auto. Ich will nicht mehr allein sein. Ich sehe auf die Uhr. Es ist bereits nach 11, wo auch immer du steckst. Baby, du kannst schlafen, während ich fahre. Endlose Strecken fahre, um dich zu finden. Ich hab das Geld dazu benutzt das du mir da gelassen hast, um den Flug und das Auto zu kaufen. Und morgen, wenn ich dich hoffentlich erreicht habe, kannst du mir sagen, wie es weiter gehen soll. Ich werde mich ganz nach dir richten. Oh Mello, bitte lass mich dich finden. Ich werde dich anrufen, sobald ich in Kalifornien bin. Dort, wo meine Anrufe mich hingeführt haben, laut der Verbindungsüberprüfung. Wenn du jetzt hier wärst, ich würde überall mit dir hin fahren. Du kannst mir vertrauen.
[style type=„bold“]Mello:[/style]
Ich schlüpfe in die Lederjeans, die Rod mir besorgt hat. Mein Kaffee ist kalt, der Morgen ist es ebenso. Irgendwie scheint nicht so, wie es soll. Nur wenn ich meine Augen schließe und den Kopf so stolz zurück werfe, wie ich es immer getan habe, dann sehe ich deine Augen vor mir. Oh mein Gott, ich würde es dir so gerne zeigen. Ich würde dir so gerne zeigen, wie sehr ich dich liebe.
Ich werde mich nicht bei dir entschuldigen. Auch wenn ich weiß, dass ich dich verletzt habe, ich kann es nicht. Ich weiß, dass die Entscheidung zu gehen, richtig war.
Gut, ich hätte dich fragen könnten, ob du mit mir kommst. Oh Mann, ich kann nur noch an dich denken. Der Gedanke an dich hat mich nicht schlafen lassen. Schließlich greife ich doch zu meinem Handy, wähle deine Nummer. Ich muss es dir sagen, ich muss dir sagen, dass ich dich liebe. Auch wenn ich nicht weiß, ob du mir noch glauben wirst, nach dem ich dich so allein gelassen habe. Bevor es zu spät ist- ich muss dir sagen, wie ich dich liebe.
[style type=„bold“]Matt:[/style]
Nach dem du angerufen hast, hab ich mich sofort auf den Weg zu dem Club gemacht, den du mir beschrieben hast und kam auch pünktlich zur Öffnung dort an. Ich betrat den Raum und traute meinen Augen nicht. Am Telefon noch hast du gesagt, dass ich dir viel bedeute.
Doch nun…
Du siehst aus, als würdest du dich an jeden Kerl im Umkreis ranmachen und du sagst nichts zu mir, tanzt mich nur auffordernd an.
Was willst du von mir Mello? Ist es nur der Sex, den du vermisst?
Oder bin ich doch, wie du gesagt hast, der Zucker in deinem Tee?
Ich glaube nicht, dass du weißt, was du mir damit antust, dass du jetzt nicht mit mir redest. Verdammt, sieh mir in die Augen, Mello und streife nicht mit deinen Händen meinen Körper entlang als wäre das alles, woran dir etwas liegt.
Für einen Moment hatte ich gehofft, dass die Engel noch ein Einsehen hatten.
Verdammt, Mello, wenn du mich nicht liebst, sondern es nur mein Körper war, den du vermisst hast, dann schau mir in die Augen und lass mich gehen. Halt mich nicht hier fest, du tust mir weh. Sag etwas zu mir, Mello.
Sag etwas, das mir meine Zweifel nimmt. Oder lass mich gehen…
[style type=„bold“]Mello:[/style] Ich verstehe nicht, was mit dir los ist. Ich freue mich darüber, dass du endlich bei mir bist, warum freust du dich nicht? Ich dachte, du kämst zu mir, damit wir weitermachen können, wo wir aufgehört haben? Was erwartest du von mir Matt?
Als ich noch klein war, habe ich mir immer die Sterne angesehen und gedacht, dass es der Ort ist, wo all das Gute herkommt.
Dann habe ich dich getroffen und die Sterne lagen in deinen Augen. Doch jetzt sehe ich hinein, verwirrt darüber, dass du mich nicht umarmst, dass du so distanziert wirkst.
Es ist, als wären die Sterne verschwunden.
Fuck, Matt, sag mir doch, was ich tun soll… Mach dass die Sterne wieder kommen. Ich kann es nicht fühlen, was du denkst, was du fühlst, was…
Warum? Willst du mich nicht mehr? Aber am Telefon klangst du noch so aufgedreht, als ich dich angerufen habe. Ich habe dir gesagt, dass ich stolz auf dich bin, weil du mich auch fast ohne meinen Anruf gefunden hast. Oh Matt… Ich dachte, du hättest mir bereits verziehen… Doch wenn ich in deine Augen sehe, dann sehen mich die Sterne nicht mehr an, nur noch dunkle Finsternis. Sag mir, wo ist das alles hin?
Bitte, bitte Matt, lass mich jetzt nicht im Stich, ich brauche dich doch. Hilf mir, Matt, du bist doch meine ganze Hoffnung. Was habe ich denn noch ohne dich?
Sieh mich nicht so traurig an…
[style type=„bold“]Matt:[/style]
Ich wende mich ab und will gehen doch du greifst nach meiner Hand. Öffnest den Mund, sagst das erste Mal etwas.
„Bleib hier…“, flüsterst du leise. „Es… es… tu…t… mir… l…leid…“
Ich reiße die Augen auf. Ich weiß, dass du nie zu geben würdest, einen Fehler begangen zu haben, niemals, auch wenn es dir früher sicher viel erspart hätte, wenn du wenigstens ab und zu Reue gezeigt hättest.
„Matty…“ Du siehst mich an… Fast flehend. „Bitte… Zwing mich nicht dazu, es noch einmal zu sagen… Ich…“
Ich küsse dich. Einfach so, ohne jede Vorwarnung. Dennoch erwiderst du den Kuss.
Dann löse ich mich von dir. „Das ist nicht das, was ich will, Mello… Und das weißt du auch. Ich… Ich bin nicht her gekommen, um dich wie eine Hure zu benutzen und wieder ab zu hauen…“
Wahrheit
[style type=„bold“]Mello:[/style]
Ich starre dich an. Was… Was sagst du da? Ich…
“Bitte, Mello. Ich weiß nicht, was du in den letzten Wochen getrieben hast und was dich so verändert hat, aber das ist nicht, was ich will… Ich will nicht einfach so mit dir schlafen, ich wollte bei dir sein! Aber du… Ich komme hier her und du… Du verhältst dich wie eine Straßenhure, die jeden einfach nur ins Bett kriegen will! Ich will das nicht, hast du verstanden?!“, herrschst du mich plötzlich an.
Ich reiße die Augen auf. Es tut weh, von dir als Hure bezeichnet zu werden. Gleichzeitig senke ich den Kopf und sehe an mir herunter. Ja, es tut weh… Aber irgendwie… Hast du auch Recht. Ich bin eine Hure… Ich habe meinen Körper verkauft. Und mich, als ich dich gesehen habe, automatisch so verhalten, wie in der Gegenwart der anderen Männer.
Mit trockener Kehle antworte ich: „Können wir rausgehen? Bitte…“
[style type=„bold“]Matt:[/style]
Ich sehe dich an. Mindestens genauso erschrocken, wie du mich eben, als ich dich beleidigt habe. Es sollte nur das sein- eine Beleidigung- ich wollte dir wehtun, ich wollte, dass du dich provoziert fühlst, dass du sagst, dass du mich liebst oder, dass ich mich verpissen soll. Aber jetzt…
Ich folge dir nach draußen. Wohl ahnend, was nun kommen würde. Und tatsächlich. Du brichst in Tränen aus (was ich übrigens nicht erwartet hätte), du sinkst auf die Knie, versuchst, deine Tränen vor mir zu verbergen.
Wieder stammelst du nur, dass es dir Leid tut. Es war mehr als nur eine Beleidigung, ich habe direkt ins Schwarze getroffen. Es tut weh. Es tut weh, dich so zu sehen, es tut weh, zu wissen, dass du mich betrogen hast, dass du tatsächlich mit irgendwem ins Bett gegangen bist.
Ich lasse mich neben dir fallen, sehe dich nicht an, und meine Stimme klingt kalt, kälter, als ich es eigentlich will, als ich frage: „Warum, Mello?“
Du antwortest nicht sofort.
Jetzt ist es sicher.
[style type=„bold“]Mello:[/style]
Alles kommt wieder in mir hoch. Ich habe gelogen, als ich sagte, es sei einfach gewesen. Ich habe mich selbst belogen. Habe versucht, es zu verdrängen, es auch fast geschafft.
Es war nicht einfach so, dass ich diesen Job bei der Mafia bekommen habe.
Und es war auch nicht der allerbeste Job gewesen, den jemand mit meiner Intelligenz hätte machen können. Ich bin- drei Tage, nachdem ich aus Wammy’s abgehauen war- Rod begegnet, und er hat mich mitgenommen. Hat gesagt, er hätte einen Job für mich. Jetzt, wo ich seit 2 Wochen nicht mehr diesem Scheißjob nach ging, sondern tatsächlich einen Rang aufgestiegen war, war es ein Leichtes gewesen, mir unter Alkohol und Drogeneinfluss einzureden, dass es nie so gewesen war, doch du hattest recht. Ich bin nicht mehr als eine Hure… Ich habe meinen Körper an den Mafiaboss verkauft, der zum Glück schnell gemerkt hat, dass ich ihm auch anders von Nutzen sein kann und deshalb aufgehört hat, darauf zu bestehen.
Ich habe dich in Gedanken belogen, wann immer ich an dich gedacht habe… Doch nun weißt du es. Und ich muss mich den Tatsachen stellen.
„Matt… Ich…“
Gewalt
Matt:
Ich weiß nicht, ob ich anfangen soll, zu heulen, oder ob ich dir eine runter hauen soll.
Schließlich schreie ich dich an: „Was hast du dir dabei gedacht, Mel?! Was?!“
Jetzt kommen auch mir die Tränen. „Wolltest du dich deshalb mit mir treffen? Um es mir direkt zu zeigen- sieh her, ich brauche dich nicht, ich krieg Sex genug, und ich werd dafür auch noch bezahlt?! Fuck, Mel, du weißt, dass ich dich liebe, verdammt noch mal! Warum tust du mir das an?!“
Du erwiderst leise: „Ich wollte nicht, dass du es weißt… Ich… Ich wollte selbst nicht mehr daran denken… Ich hab ziemliche Scheiße gebaut… Ich… Aber… Ich liebe dich ebenfalls, Matt, das musst du mir glauben, ich… Bitte…. Bitte, bleib bei mir…“
Da sitzt du nun, direkt vor mir, in hautengen Ledersachen, die „fick mich“ schreien, und flehst mich an, dich nicht zu verlassen… Ich weiß nicht, was ich denken soll, Mello, verstehst du das nicht? Du hast innerhalb so weniger Minuten jedes Bild zerstört, was ich von dir hatte! Du warst immer so stolz und aufrecht, niemand konnte dir etwas anhaben…. Nun sitzt du hier vor mir und erwartest, dass ich verstehe, dass du dich selbst erniedrigt hast, dass du deinen Körper verkauft hast, dass du zugelassen hast, wie dir alles genommen wurde, was dich ausmacht? Verdammt, Mello, sag etwas, Sag etwas, das mir zeigt, wer du bist… Du weißt, ich bin nicht gut im trösten, kuscheln und wirklich nett sein, das war nie unser Ding… Was soll ich tun, Mello? Was?
Mello:
Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht und schlucke. Ich weiß, dass du mit dieser schwachen Seite von mir nicht klar kommst, genauso wenig wie ich selbst.
„Jetzt weiß du es.“, stelle ich nur fest.
Du siehst mich fragend an und ich weiß, dass du immer noch auf eine Antwort wartest.
Ich atme tief durch. „Matt, ich hab das getan, was ich tun musste. Anders wäre es mir nicht gelungen, hier zu überleben, verstehst du? Ich… Ich hab mir selbst vorher keine Gedanken darüber gemacht, also erwarte ich nicht, dass du das verstehst, aber… Was glaubst du denn, hätte ich machen sollen? Ich hab Geld gebraucht, was zu essen und…“
Matt:
Ich haue dir eine runter. Richtig fest, ich kann sogar die Abdrücke meiner Hand auf deiner Wange sehen. Schreie dich an, während ich dich schüttle:
„Du hättest zuhause bleiben können, verdammt noch mal! Du hättest nach Hause zurückkommen können, du hättest… Fuck!“
Du stößt mich weg, ich kann sehen, dass du Angst hast, doch dann steigt wohl Wut in dir hoch und du sagst etwas, was mir einen weiteren Hieb versetzt.
„ich will mit diesem Haus nichts mehr zu tun haben, hörst du? Gar nichts! Ich hasse Wammy’s und alles was damit zu tun hat!“
Mir wird kalt. Du weißt, dass mich das verletzt. Du weißt, dass Wammy’s das einzige zuhause war, dass ich je gekannt habe. Du weißt, dass ich ein Teil von Wammy’s bin oder mich zumindest so fühle. Ich stehe auf und sehe auf dich herab. Und ich klinge noch kälter als je zuvor, als ich sage: „Dann war’s das wohl. Was erwartest du nun von mir Mello? Dass ich dich flach lege? Ist es das? Hast du kein Geld mehr und dachtest, och ich probier’s mal mit meinem alten Lover? Oder hast du einfach so sehr Spaß daran gefunden, es mit jedem zu treiben, dass du mich deswegen angerufen hast?!“
Mello:
Die Ohrfeige hat nicht so wehgetan, wie das, was du gerade gesagt hast…
Ich halte dich am Hosenbein fest, als du gehen willst, ich ziehe mich an dir hoch.
Etwas in mir weiß, dass ich mich bei dir entschuldigen sollte, dass ich froh sein sollte, wenn du mir überhaupt noch zu hörst, doch mein jähzorniges Ich schreit dir ins Gesicht: „Du verdammtes Arschloch!“ und stößt dich zu Boden.
„Glaubst du etwa, dass mir das Spaß gemacht hat?!“, sage ich, und trete dir in die Seite.
„Macht dir das Spaß?!“, sage ich und trete noch mal zu. Und noch einmal. Vollkommen außer mir vor Wut. Doch plötzlich lässt die Wut nach.
Dann sehe ich dich an. Du liegst auf dem Boden, blutest aus der Nase, krümmst dich zusammen, nachdem ich dich in den Bauch getreten habe.
Mir wird klar, was ich da eben getan habe.
Ich falle auf die Knie. „Matt… Ich… Es tut mir leid Matt… Ich…“
Du siehst mich an. Verletzt, wütend. Ich zucke zusammen. Es ist nicht so, dass ich dich noch nie geschlagen habe, aber… Ich weiß, dass ich hier, diesmal, viel zu weit gegangen bin.
Du sagst nichts.
„Matt… Ich… Ich weiß, dass ich ein Vollidiot bin… Ich… Ich wollte dir nicht wehtun, ich wollte… Bitte sprich mit mir…“
Doch du schweigst mich an.
Liebe
Matt:
Es tut weh… Doch bevor ich noch etwas sagen konnte, hast du noch mal zugetreten. Jetzt sagst du schon wieder, dass es dir Leid tut. Verdammt, Mello… Was willst du von mir? Willst du, dass ich mich umbringe? Du wolltest mir nicht wehtun, ja, klar. Ich trete auch jedem in den Bauch und will ihm damit nicht wehtun.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Mel. Soll ich etwa Mitleid mit dir haben, weil die Kerle, die du an dich ran gelassen hast, dich nicht mit Samthandschuhen angefasst haben? Du hast mich betrogen, du hast mich belogen, du hast mir auf mehr als eine Weise wehgetan und jetzt soll ich dir glauben dass du das alles nicht wolltest?
Ich bin nicht aus Stein, Mello, ich habe Gefühle. Du kannst mich nicht brechen und erwarten, dass alles einfach so ok ist. Mein Magen zieht sich zusammen, ich glaube, ich muss mich übergeben. Es tut weh, Mello. Es tut so weh… Mich kann man nicht einfach kleben wie irgendein Spielzeug, weißt du das? Ich gehe kaputt, wenn du mir so wehtust.
Ich kann nicht mehr. Mello, ich liebe dich doch… Und ich habe so gehofft, dass du genauso für mich empfindest, ich habe wirklich fest daran gegalubt. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher…
Ohne es zu wollen, fange ich an zu weinen.
Ich rappele mich auf.
Wische mir das Blut aus dem Gesicht.
Sage es laut. „Du machst mich kaputt, Mello, merkst du das nicht?“
Mello:
Ich versuche dich in den Arm zu nehmen, aber du weißt mich ab, in dem du dich vollkommen versteifst. Als ich sehe, dass du weinst, treten auch mir Tränen in die Augen. „Ich will das nicht, Matty… Ich will dir nicht wehtun… Alles was ich wollte, war doch nur… Ich wollte bei dir sein, Matt… Ich hab dich vermisst, du… Du bist doch das einzige, was ich… Der einzige, den ich wirklich brauche…“
Dein Gesicht ist nah bei meinem. Du siehst mich so zweifelnd an… Es zerreißt mir das Herz, auch wenn ich weiß, dass du jedes Recht hast, an mir zu zweifeln. Oh mein Gott, Matt, wie weit ist es mit mir gekommen? Ich bin wirklich das allerletzte. Ich habe dir so wehgetan, mal absichtlich, mal unabsichtlich.
Ich lasse dich los. Senke den Kopf. „Ich… Ich verstehe es, wenn du… Wenn du… Wenn du jetzt gehst. Ich… Ich werde dich nicht wieder aufhalten. Ich… Ich will dir nicht wehtun. Vielleicht ist es besser, wenn du jetzt gehst. Wenn du… Wenn du mich verlassen würdest.“
In dem Moment hebst du mein Gesicht am Kinn an.
„Ich… Ich will dich nicht verlassen, Mello. Ich…“
Matt:
Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wieder einmal. Es hat nicht aufgehört, weh zu tun, wie sollte es das auch. In der kurzen Zeit.
Ich schlucke. „Mello, ich liebe dich, das hab ich dir schon gesagt. Ich brauche dich. Ich würde für dich sterben. Aber ich muss es wissen… Warum? Warum tust du mir das an? Ich meine,…“
Du fängst wieder an zu weinen.
Ich schließe meine Augen, ich will das nicht sehen, ich will, dass du stark bist, mich vor allem beschützt, wie du es früher getan hast.
„Ich weiß es nicht…“, sagst du heiser. „Ich…“
Jetzt springst du auf einmal auf, ich öffne meine Augen, du versuchst weg zu rennen, doch ich komme ebenfalls schnell auf die Beine und nach ein paar Metern habe ich dich eingeholt und halte dich fest.
„Ich lass dich nicht einfach gehen, Mello. Nicht noch einmal.“
Du antwortest nicht. Es fängt an zu regnen.
Der Regen ist kalt und durchnässt uns beide innerhalb weniger Minuten.
Schli3eßlich nicke ich.
„Also gut… Ich glaube nicht, dass dies der passende Ort für einen Zusammenbruch ist, also…
Fahren wir zu dir? Ich hab mein Auto vorne stehen, aber ich hab mich vorhin nicht noch um ein Hotel gekümmert. Oder willst du, dass ich nach Hause fahre? Willst du allein sein? Ich kann…“
Du schüttelst den Kopf.
„Bitte… Bleib bei mir…“, sagst du, so leise, dass ich es fast nicht hören kann. Ich weiß nicht, das wievielte Mal es jetzt ist, aber ich nehme dich diesmal in den Arm. Du zitterst, ob vor Kälte oder aus einem anderen Grund, weiß ich nicht.
Als ich merke, dass du dich selbst keinen Schritt weiter bewegst, nehme ich dich auf den Arm und trage dich zum Auto. Du wehrst dich nicht, hältst dich nicht an mir fest und sagst auch nichts.
Langsam lasse ich dich auf den Beifahrersitz sinken.
„Mel, du musst mir sagen, wo ich hin fahren soll, ja?“
Du nickst.
Ich hoffe das klappt, du siehst ziemlich fertig aus… Verdammt, Mello, was ist nur los?
Mello:
Dein Liebesgeständnis… Ich weiß erst nicht, wie ich darauf reagieren soll… Auf der einen Seite will ich schreien, ich liebe dich doch auch, auf der anderen Seite nagt die Schuld an meinem Gewissen. Matt, du darfst mich nicht so sehr lieben, ich verletze dich so sehr…
Und wenn du bei mir bleibst, ist nur die Gefahr größer, dass du tatsächlich irgendwann wegen mir stirbst.
Ich springe auf und renne weg. Matt, ich darf nicht bei dir bleiben, du hast es selbst gesagt, ich mache dich kaputt.
Doch du hälst mich fest.
Glaube
Drei Stunden später:
Matt:
Irgendwie hast du es tatsächlich geschafft, mich zu deiner Wohnung zu lotsen. Irgendwie- denn obwohl sie eigentlich nur zwei Straßen von dem Club entfernt ist, haben wir fast drei Stunden für den Weg gebraucht.
Du sitzt jetzt auf der Couch und ich stehe in der Küche und mache dir heiße Schokolade. Ein Teil von mir kommt sich gerade wahnsinnig dämlich vor.
Du hast mich betrogen, belogen und getreten. Und was mache ich? Ich mache dir eine heiße Schokolade, weil ich denke, dass es DIR dreckig geht…
Ich glaub, ich bin einfach nicht mehr zu retten… Meine Seele gehört dir, ob ich es nun will oder nicht.
Verrückt, oder?
Mit der heißen Tasse in der Hand laufe ich zurück ins Wohnzimmer und setze mich neben dich. Ich stelle die Tasse auf den Tisch.
Mello:
Ich komme mir wahnsinnig blöde vor. Den Weg nach Hause nicht zu finden ist schon eine Kunst für sich. Aber nach dem ich so gemein zu dir war, nachdem ich dir so wehgetan habe… Kümmerst du dich um mich, als ob mich jemand zusammen geschlagen hätte. Du hast mir eine Decke umgewickelt, als du gesehen hast, dass mir kalt war und jetzt bringst du mir noch warme Schokolade. Ich muss es dir erzählen, Matt, ich weiß es.
…
„Matt?“, sage ich leise.
Du siehst mich an. Nickst. Du weißt wohl, dass jetzt die große Beichte kommt.
„Ich…“
Stockend fange ich an zu erzählen. Wie ich nach Amerika bin. Wie ich gemerkt hab, dass man mit den paar Kröten die ich dabei hatte, nicht weit kommt. Wie ich Rod kennen gelernt habe, und er mir einen Job angeboten hat.
Wie ich am Anfang nicht wusste, was er meint, wie ich schließlich in diesem billigen Motel gestanden habe und er gesagt hat, ich soll mich ausziehen.
Ich es getan habe, ohne Fragen zu stellen oder es erst zu verweigern. Ich habe mich nicht gewehrt, als er es ‚mir besorgt hat’.
Ich habe nicht geschrieen, als er mir wehgetan hat- und das hat er, mit voller Absicht. Ich habe nichts dagegen gesagt, dass er mich ‚verliehen’ hat. Ich habe einfach alles gemacht, was er wollte, damit er nett zu mir war. Damit irgendwer nett zu mir war.
Und habe dennoch die Nacht darauf wach gelegen und nur an dich gedacht.
Jedes Mal.
Schließlich höre ich auf, zu erzählen. Ich will dir nicht mit Details wehtun, denn ich habe es wesentlich mehr als einmal getan. Nicht nur mit Rod, auch mit jedem anderen Mitglied der Mafia, das gerade Lust dazu hatte, weil Rod es so wollte.
Du nimmst mich in den Arm.
Matt:
Ich muss dich in den Arm nehmen. Du klingst so bedrückt, als hätte dich das tatsächlich die ganze Zeit wahnsinnig belastet. Und ich will dir auch glauben, dass du das nicht wolltest. Dass du es einfach getan hast, weil du keinen anderen Weg gesehen hast.
Auch wenn es weh tut, das alles so zu hören, ich glaube dir, als du versprichst, dass du es nicht wieder tun wirst. Dass du damit aufgehört hast, noch ehe du mich angerufen hast.
Du zitterst immer noch. Beide haben wir immer noch nasse Haare, und ich schicke dich erstmal unter die Dusche, bevor ich gehe, damit du dich aufwärmst. Ich will nicht, dass du krank wirst.