Auf gute Nachbarschaft
Seishirou stieg gerade aus der Dusche und schlüpfte in seinen hellblauen Bademantel, als es an der Tür klingelte. Direkt genervt verdrehte er die Augen und griff zum Föhn ohne darauf zu reagieren. Doch kurz darauf klingelte es erneut und er legte ihn fluchend zurück. Es war Samstag und gerade mal 10 Uhr, wer konnte das denn sein? Bestimmt irgendjemand der ihm ein Zeitschriften – Abonnement andrehen wollte oder jemand der ihm seinen Glauben aufzwingen und ihm irgendwelche religiösen Heftchen schenken wollte, für die Seishirou keine andere Verwendung einfiel, als sie gleich als Wurfgeschoss gegen den Störenfried zu verwenden. Wieder klingelte es... Laut seufzend verließ Seishirou das Badezimmer und bei jedem Schritt tropfte mehr Wasser von seinen langen, pechschwarzen Haaren auf den Parkettboden, der fast überall in seinem kleinen Haus verlegt war.
Er öffnete grimmig die Haustür und sah sich einer jungen Frau mit langen blond gefärbten Haaren gegenüber, die ihn überrascht musterte und leicht errötete. Seishirou sah nicht schlecht aus und war bei den Frauen stets gefragt. Er war solche Reaktionen durchaus gewohnt. Ihn dagegen schien ihr hübsches Aussehen erstaunlich kalt zu lassen. Im Grunde war es eher so, dass er eine gewisse Abneigung gegen Frauen hatte, die wohl auf seine bisherigen Erfahrungen zurückzuführen war. Seishirou blickte sie ungeduldig an und versuchte seine Genervtheit gar nicht zu überspielen.
„Was ist?“ , fragte er drängend.
Die blonde Frau die einen Kopf kleiner war als Seishirou, schien nun wieder zu sich zu kommen.
„Oh ja, Entschuldigung. Ich bin heute nebenan eingezogen. Mein Name ist Yoko Fujishima. Es freut mich sehr Sie kennen zu lernen.“
Seishirou sah unbeeindruckt mit an, wie sie sich höflich verbeugte.
„Nun, Sie sind also meine neue Nachbarin, habe ich doch richtig verstanden?“ – „Ja....“ , antwortete Yoko verwundert.
„Soweit ich weiß, wohnen Nachbarn im Haus nebenan?“
Yoko sah ihn zunehmend irritierter an.
„Das ist richtig...“ – „Super. Dann hätten wir das ja geklärt.“ , lächelte er gespielt freundlich und warf die Tür zu.
Yoko stand noch einige Sekunden fassungslos da, bis sie sich empört umdrehte und irgendetwas vor sich hin murmelnd, zurück zu ihrem Haus begab.
Seishirou ging zurück ins Badezimmer und föhnte sich seine langen Haare. Anschließend machte er sich einen Pferdeschwanz und ging die Treppe hinauf in den ersten Stock des Hauses, wo sich unter anderem sein Schlafzimmer befand. Er ging zu seinem Kleiderschrank und zog eine blaue Jeans und ein schwarz-graues Hemd heraus. Dann beugte er sich hinunter zu einer kleinen Schublade aus der er noch eine Boxershorts herauskramte. Wie immer zog er sich direkt um. Aber kurz nachdem er den Bademantel fallen ließ, hörte er erst einen Aufprall und dann einen lauten Schrei und zuckte überrascht zusammen. Als er sich zum Fenster drehte erkannte er im Haus gegenüber Yoko, die zu ihm hinüberstarrte, mit Händen vor dem Mund.
Seishirou seufzte, er hatte nicht daran gedacht.... das Haus hatte eine ganze Weile leer gestanden und somit konnte er sich ohne Bedenken dort umziehen. Doch jetzt hatte er ja eine Nachbarin.
Unbeschämt ging er zu seinem Fenster und machte es ganz auf.
„Geben Sie es zu! Sie hatten doch die ganze Zeit darauf gehofft mich nackt zu sehen!“ , rief er ihr zu und grinste frech.
Yoko sah ihn immer noch verlegen an, ohne ein Wort.
„Aber für heute ist die Show vorbei. Beim nächsten Mal verlang ich Geld. Seien Sie vorsichtig.“
Daraufhin schloss er das Fenster und zog die Vorhänge zu.
Yoko stand immer noch in ihrem Zimmer, den Blick zum Fenster gewandt. Langsam kam sie wieder aus ihrer Starre zurück und wurde sich bewusst darüber, was er zu ihr gesagt hatte.
„Verdammt! Was denkt er eigentlich wer er ist!?“ , immer noch verlegen, aber ebenso erzürnt sah sie auf den Karton hinunter, den sie vor Schreck fallen gelassen hatte.
„Wenn irgendwas kaputt gegangen ist.... kann der was erleben...“ , murmelte sie verärgert vor sich hin.
Seishirou zog sich unbeeindruckt an, griff seinen Rucksack der neben seinem Nachttisch lag und verließ das Haus. Er hatte sich mit seinem besten und zu gleich einzigem Freund verabredet und freute sich schon auf die Überraschung die er ihm versprochen hatte.
Seishirou war vor wenigen Tagen 25 geworden und da sein Freund leider zu dem Zeitpunkt auf einem Lehrgang war, konnte er leider nicht zu Besuch kommen. Er wollte es aber wieder gutmachen und hatte ihm am Telefon was von einer Überraschung erzählt. Seishirou mochte Überraschungen denn sie waren eine gelungene Abwechslung zu dem eintönigen, langweiligem Leben das er sonst führte.
Das Café in dem sie sich treffen wollten war nur wenige Straßen weiter und so war er schnell da. Er blickte kurz auf seine Armbanduhr und stellte fest, dass er tatsächlich zu früh war, doch als er wieder aufsah fiel sein Blick durch die Scheibe des Cafés auf seinen Freund Kiyoshi, der scheinbar bereits wartete. Neben ihm befand sich allerdings eine junge Frau mit der er sich zu unterhalten schien.
Plötzlich wurde Seishirou klar worum es sich bei dieser Überraschung handelte. In dem Moment wurde er von Kiyoshi bemerkt, der ihn mit einer Handbewegung hineinwinkte. Seishirou funkelte ihn böse an und wandte sich um. Das konnte doch wohl nicht sein Ernst sein? Er war noch nicht weit gekommen, da hörte er eine Stimme.
„Hey Seishirou, warte mal.“ , rief Kiyoshi der aus dem Café gestürzt war. Seishirou drehte sich um und wartete auf die Erklärung seines Freundes.
„Ich weiß genau, du wärst nicht gekommen wenn ich dir von ihr erzählt hätte... Aber es ist nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst... Ich will euch sicher nicht zusammenbringen. Es ist nämlich meine Freundin....“ , beichtete er.
Seishirou sah ihn einen Moment verwundert an und wurde dann wieder ernst.
„So ist das also.... Na dann, viel Spaß euch beiden.“ – „Na, wart doch mal. Ich wusste dir würde das nicht gefallen. Aber ich will wirklich das du sie mal kennen lernst. Du bist immerhin mein bester Freund – auch wenn ich mich verdammt oft frage wieso.“ , fügte er hinzu und verschränkte leicht grinsend die Arme. Seishirou runzelte die Stirn.
„Ich hoffe ja stark, dass das nicht die versprochene Überraschung gewesen sein soll...“ , murmelte er und sah noch mal zum Café hinüber.
„Nein, wenn du mitkommst kriegst du sie aber noch.“ , erklärte Kiyoshi, wissend wie er seinen Freund ködern konnte.
Seishirou zuckte die Schultern.
"Meinetwegen.“ , murmelte er und folgte Kiyoshi ins Café wo die junge Frau wartete.
Sie hatte kurze, wilde pink gefärbte Haare und trug einige Piercings. Ihr ebenfalls pinkes Oberteil, wirkte als hätte eine Katze sich daran vergriffen, denn es war überall total zerrissen und durchlöchert.
Was hatte er sich da denn für eine angelacht? Sie passten überhaupt nicht zusammen. Kiyoshi der zurückhaltende Krawattenträger und eine ausgeflippte Punkerin?
„Also darf ich vorstellen? Seishirou...das ist Miu.“ , erklärte Kiyoshi kurz und setzte sich ihr gegenüber auf einen Hocker.
„Hy.“ , meinte Seishirou und winkte lässig mit der Hand. Miu packte diese und schüttelte sie.
„Hy Seishirou-kun“ , grinste sie breit.
Seishirou zog seine Hand zurück und sah zu Kiyoshi hinüber.
„Pfötchen geben kann sie also schon. Gratuliere.“
Kiyoshi antwortete ihm mit einem leichten Tritt vors Bein.
In dem Moment kam eine Kellnerin und stellte vier Tassen Cappuccino auf den Tisch. Mit einer kurzen Verbeugung war sie auch wieder verschwunden.
„Wir hatten uns erlaubt schon einmal zu bestellen.“ , erklärte Kiyoshi.
„In Ordnung. Und wen erwarten wir noch?“ , fragte Seishirou langsam genervt und deutete auf die vierte Tasse.
„Oh eine Freundin von mir wollte noch vorbeikommen, sie ist mit ihrer älteren Schwester gerade in die Stadt gezogen... Ich dachte es könnte nicht schaden, wenn sie gleich ein paar Leute kennen lernt. Bisher hat sie ja hier niemanden außer ihrer Schwester und mich.
Hat dir Kiyoshi denn nichts gesagt?“
Seishirou zog die Augenbrauen hoch.
„Nein, hat er nicht.“
Wieder trat er seinem Freund leicht vors Bein. Kiyoshi unterdrückte einen Fluch.
„Ah, da ist sie ja.“ , rief Miu erfreut und winkte wie verrückt.
„Ruriko-san. Hier sind wiiir!“
Seishirou schaute gar nicht erst wer sich dem Tisch näherte. Erst als er die fremde, herzliche Stimme hörte sah er auf. Die Freundin Mius trug ein schlichtes schwarzes Kleid mit einer roten Schleife, die um die Taille gebunden war. Auch ihre Haare waren mit einer großen roten Schleife zu einem Zopf zusammengebunden. Nur zwei Strähnen hingen ihr ins Gesicht. Ihre strahlend grünen Augen, bildeten einen perfekten Kontrast zu ihren schwarzen Haaren.
„Hallo, freut mich sehr. Mein Name ist Ruriko Fujishima.“
Seishirou kam es vor als hätte er diesen Nachnamen vor kurzem erst gehört, doch ihm wollte nicht einfallen wo. Er schob den Gedanken bei Seite.
„Das ist ein Freund von mir, Seishirou Ishira und mein Name ist Koyoshi Yamatashi. Freut uns dich kennen zu lernen.“
Daraufhin setzte sich Ruriko neben ihre Freundin, die sie gleich stürmisch umarmte. Seishirou rollte mit den Augen. Weiber...
Stirnrunzelnd trank er einen Schluck von seinem Cappuccino.
Den Rest der Zeit verbrachte Seishirou verblüffend ruhig. Während Kiyoshi von seinem Lehrgang erzählte, schien er gar nicht anwesend. Nachdem alle ausgetrunken hatten, zahlte Kiyoshi für alle und sie verließen das Café.
Draußen verabschiedeten Miu und Ruriko sich, so dass Kiyoshi und Seishirou allein zurück blieben.
„Mein Gott..., dich hat es tatsächlich erwischt oder?“ , lachte Kiyoshi überwältigt. Seishirou sah ihn irritiert an. „Wovon sprichst du bitte?“ – „Na, tu nicht so. Du warst total still seit Ruriko aufgetaucht ist. Außerdem hast du sie die ganze Zeit auffällig angestarrt... Also gib es zu.“ – „Ach so ein Schwachsinn. Sie hat doch ausgesehen wie ein übergroßes Geschenkpaket für mich. Ich hat schon einen Moment lang überlegt, ob du sie mit meiner Geburtstagsüberraschung gemeint hast und ich sie auspacken sollte.“
Kiyoshi lachte.
„Also das du sie gern auspacken würdest, hat man dir angesehen.“
Seishirou schwieg einen Moment.
„Eigentlich... hätte ich schon nichts dagegen mich mal etwas zu vergnügen...“ , meinte er dann. Kiyoshi wurde ernst.
„Bitte was? Doch nicht mit der Freundin von Miu. Das kannst du gleich vergessen.“
Seishirou verzog sein Gesicht zu einem fiesen Grinsen.
„Nun, wer spricht denn schon seit einer Ewigkeit davon, dass ich mich endlich wieder auf eine Frau einlassen sollte, anstatt dir ständig deine Zeit zu stehlen?“ , erwiderte er.
Kiyoshi schüttelte ungläubig den Kopf.
„Du bluffst doch...“
Seishirou zuckte mit den Schultern.
„Wer weiß, wer weiß.“ , murmelte er und ging die Einkaufsstraße lang.
Kiyoshi folgte ihm leicht besorgt. Wusste Seishirou etwa das Ruriko in das Haus neben ihm eingezogen ist?
Als Miu Kiyoshi von Ruriko erzählt hatte und wo sie hinziehen wollte, fiel ihm gleich auf, dass es das Haus neben dem seines Freundes war und Miu dachte sofort, dass es super wäre, wenn Ruriko direkt jemanden aus ihrer unmittelbaren Nähe kennen lernen würde, da sie eher Probleme hatte Kontakte zu knüpfen. Kiyoshi sagte gleich es wäre vielleicht nicht die beste Idee da Seishirou Frauen eher mied und verachtete, doch wenn Miu einmal von etwas überzeugt war, konnte man sie kaum umstimmen.
„Ach pass auf, dass wird super! Nachdem was du mir schon so erzählt hast, hat dein Freund sehr schlechte Erfahrungen mit Frauen gemacht... bei Ruriko ist es dasselbe! Sie werden super miteinander auskommen! Sie werden sich gegenseitig wieder beibringen dem andern Geschlecht zu vertrauen! Yay! Ein Miu-Plan geht nie schief!“
Kiyoshi hatte das Glitzern und den Wahnsinn in ihren Augen gesehen und entschied sie besser nicht davon abzubringen.
So nahm das Unheil also seinen Lauf. Aber es passte alles irgendwie nicht zusammen...
Seishirou hatte Frauen immer gemieden oder beleidigt. Würde er wirklich mit Ruriko....?
Kiyoshi schüttelte den Gedanken schnell ab. Nein... das war nur seine übliche Art ihn zu ärgern. Vielleicht eine Art Rache für die ganze Café-Aktion.
Eine Weile liefen die Freunde noch durch die Stadt und aßen schließlich noch zusammen zu Mittag, ehe sie sich schließlich verabschiedeten.
„Ach und hier.“ , meinte Kiyoshi auf einmal und zog einen Umschlag aus seiner Hosentasche. „Das ist dein Geschenk.“
Seishirou sah ihn skeptisch an.
„Etwas das in einen Umschlag passt will ich nicht. Es sei denn es ist Bares.“ Kiyoshi schüttelte den Kopf. „Öffne.“
Seishirou ließ sich das nicht zweimal sagen und riss den Umschlag auf. Darin befanden sich zwei Konzertkarten für seine Lieblingsrockband: Black Chaos.
„Nicht schlecht.“ , gab Seishirou zu und verbarg seine eigentlich riesige Freude hinter einer Fassade. Kiyoshi kannte ihn ohnehin gut genug um zu wissen, dass er sich mehr freute als er zugab. So war er eben.
„Ich wollte dir eigentlich ein Gewissen schenken, aber dafür war der Umschlag nicht groß genug.“ , scherzte Kiyoshi. „Na ja, mach’s gut. Wir sehen uns.“ , grinste er und ging davon.
Somit machte sich auch Seishirou auf den Weg nach Hause, nicht ahnend was ihn dort erwarten würde.
Er erkannte schon von weitem die rote Schleife. Konnte das möglich sein? Umso näher er kam desto klarer war es. Ruriko stand im Nachbargarten und unterhielt sich mit dieser neuen Nachbarin.... Genau, Yoko hieß sie. Schließlich kombinierte er.... Ruriko war mit ihrer Schwester neu in die Stadt gezogen... war die Blonde etwa ihre Schwester? War Ruriko tatsächlich ins Haus nebenan gezogen?
„Was glotzen Sie denn so?“ , schrie Yoko nun, die Seishirou bemerkte.
Ohne seine gewohnte Schlagfertigkeit ging Seishirou wortlos ins Haus.
„Der Typ ist dreist, ungehobelt und frech. Um den solltest du einen Bogen machen.“ , erklärte Yoko ihrer kleineren Schwester Ruriko.
„Seishirou? Verrückt das er unser Nachbar ist... Miu hat mir gar nichts gesagt... Jedenfalls... Ich kenne ihn. Er wirkte heute allerdings eher still.“ – „Bist du sicher wir reden von derselben Person?“
Yoko nickte.
„Na komm, lass uns im Haus weiterreden...“ , meinte Yoko und ging mit ihrer Schwester hinein.
Es kommt immer anders als man denkt...
Seishirou ging unruhig in seiner Wohnung hin und her. Wieso zog dieses Mädchen denn ausgerechnet direkt neben ihm ein? Plötzlich blitzte ein Name in seinen Gedanken auf.
Kiyoshi. Er griff sein Handy aus seiner Hosentasche und wählte direkt die Nummer seines Freundes.
„Du hast es nun also bemerkt?“ , fragte Kiyoshi, der sofort wusste wieso die Nummer Seishirous auf seinem Handy aufgeleuchtet hatte.
„Ja sag mal, was soll der Mist? Du hast es gewusst und keinen Ton verraten?“
Kiyoshi lachte. „Na ja, ich dachte es ist lustiger wenn du dich aus der Ferne aufregst, na ja und sicherer. Aber mal ehrlich, was ist denn so schlimm daran?“
Seishirou verdrehte die Augen.
„Wenn du denkst ich treffe mich nun regelmäßig mit ihr oder sonst irgendetwas hast du dich aber gewaltig getäuscht!“ , gab er zurück ohne die eigentliche Frage zu beantworten.
„Das hat doch niemand gesagt... und jetzt komm mal wieder runter. Das dir die Sache nicht passt dachte ich mir schon, aber du machst ja ein richtiges Drama daraus! Ignorier sie doch einfach. Sei ganz du selbst. Niemand zwingt dich ein guter Nachbar zu sein.“
In dem Moment klingelte es an der Tür.
„Sei mal ehrlich dieses ganze Treffen hatte doch damit zu tun, dass sie neben mir einzieht?“ Kiyoshi stockte. Sein Freund war nicht auf den Kopf gefallen soviel stand fest...
„Nun... Miu dachte es wäre schön wenn Ruriko schon direkt wen in ihrem neuen Umfeld kennen würde... Glaub mir ich hab ihr versucht klarzumachen was für ein frauenhassender, zynischer Scheißkerl du bist... Aber neben dir eingezogen wäre sie ohnehin, also find dich damit ab.“
Seishirou verzog grimmig das Gesicht.
„Du verstehst überhaupt nichts, du hast sie mir vorgestellt. Es ist einfacher jemanden zu ignorieren, den man nicht offiziell kennen gelernt hat!“ , entgegnete er und machte mit einem Ruck die Haustür auf. Seine Augen weiteten sich als er Yoko mit ihrer Schwester Ruriko vor sich stehen sah.
„Meine Schwester ist der Meinung ich hätte ein falsches Bild von Ihnen bekommen..., also hier.“
Sie überreichte Seishirou eine Einladungskarte, doch ihr Gesichtsausdruck verriet ihm, dass sie nicht sonderlich erpicht darauf war, dass er dieser Einladung auch folgte.
„Morgen kommen Freunde und Familienmitglieder zu unserer Einweihungsparty, nachdem die letzten Möbel geliefert worden sind. Wir laden auch alle Nachbarn ein. Es gibt Sekt, Wein und reichlich zu Essen... Nun ja, dass wars. Kommen Sie oder lassen Sie es bleiben.“ Daraufhin verschwanden die beiden Schwestern wieder ohne eine Antwort abzuwarten.
Während Yoko unglaublich entnervt gewirkt hatte, hatte Ruriko nur dagestanden und Seishirou schüchtern angelächelt. Was für ein Lächeln das war... Ihre Lippen waren so rot, wie die Schleifen die sie trug... Gedankenverloren schloss Seishirou die Tür.
„Hey, bist du noch dran?“ , meldete sich Kiyoshi der die ganze Zeit keine Antwort mehr von seinem Freund erhielt.
„War gerade jemand an der Tür...“ , murmelte Seishirou.
„So? Du wirkst irgendwie komisch, wer war es denn?“ – „Ruriko und ihre Schwester. Sie haben mich zu ihrer Einweihungsfeier eingeladen.“ – „Und du hast ihnen natürlich gleich gesagt, dass du solche Feierlichkeiten hasst und ganz sicher nicht erscheinen wirst?“
Seishirou knurrte leicht.
„Nein.., ich werde hingehen.“
Kiyoshis Überraschung war nicht zu überhören.
„Was sagst du da?“ – „Diese Ruriko... Sie lässt mich dastehen wie einen Vollidioten. Wenn sie da ist verlier ich nahezu die Sprache, meine ganze Schlagfertigkeit bleibt auf der Strecke. Irgendwie muss ich dieses Problem in den Griff kriegen.“ – „Mein Gott, ich hab es doch gewusst. Du bist verknallt!“ – „Schwachsinn! Ich muss sie wohl einfach mal flach legen damit ich sie aus dem Kopf kriege.“ – „WAS? Seishirou, mach keine Scheiße! Sie ist Mius Freundin und wohnt nebenan, hältst du das in echt für eine gute Idee? Außerdem, wenn das deine Art Probleme zu lösen ist, hast du eine ziemlich verkehrte Sicht der Dinge...“ Ehe Kiyoshi seine Rede beenden konnte, hatte sein Freund bereits aufgelegt.
Seufzend wählte Kiyoshi nun die Nummer seiner Freundin.
„Schatz?“ – „Ja. Hör mal Miu, ich fürchte die Sache mit Seishirou und Ruriko läuft ein wenig aus der Bahn...“ – „Wieso? Ich fand dein Freund hat sich zumindest nachdem sie auftauchte auffällig ruhig verhalten.“ – „Mag ja sein...“
Kiyoshi hielt inne, wie sollte er Miu nur erklären, wie weit sein Freund gehen wollte...? „Nun..., hat Ruriko dich auch zu der Einweihungsfeier eingeladen?“
Miu schien erstaunt.
„Ja, aber woher weißt du davon?“ – „Na, Seishirou wurde eben eingeladen...“ – „Nicht wahr? Das ist ja großartig! Ich hätte nicht gedacht, dass Ruriko sich wirklich traut ihn zu fragen, ob er kommen will.“ – „Hm..., kann ich morgen mitkommen oder ist das unhöflich?“
Miu lachte kurz auf.
„Schatz, ich hab bereits gefragt, ob du mit darfst und Ruriko fand dich sehr sympathisch. Sie hat nichts dagegen.“ – „Gut...“ – „Du willst doch nur dahin um den Anstandswauwau zu spielen oder?“ , fragte Miu nun missbilligend. Sie kannte ihren Freund und er war nicht unbedingt der Partygänger. Sie hatte sich eigentlich sogar Sorgen gemacht, sie würde ihn nicht dazu überreden können mit ihr zu der Feier zu gehen.
„Ganz so würde ich das nicht bezeichnen, aber es schadet nicht ein wenig aufzupassen...“ , entgegnete Kiyoshi. Er verzog sein Gesicht, als er sich vorstellte wie Seishirou vermutlich schon irgendeinen Verführungsplan ausheckte.
Tatsächlich lag Seishirou in seinem Bett und grübelte. Was war an diesem Mädchen nur so anders als an den unzähligen anderen denen er so über den Weg lief?
Nun gut, sie hatte eine ansehnliche Figur, war zierlich, hatte eine wunderschöne Stimme und Augen die eine zauberhafte grüne Farbe hatten die er so noch nie sah..
Er schüttelte den Kopf, als wollte er seine Gedanken so loswerden.
Was war nur mit ihm los? Sonst konnte ein Mädchen noch so gut aussehen, er ignorierte es und es kümmerte ihn überhaupt nicht. Irgendwas musste dieses Mal doch anders sein.
Er runzelte die Stirn und dachte weiter angestrengt nach.
Sie hatte fast kein Wort gesagt als sie in dem Café waren, was wusste er denn schon von ihr? Gar nichts. Oder war es gerade das? Normalerweise war er es gewohnt, dass jedes weibliche Wesen dem er begegnete wie irre drauf los brabbelte und in kurzer Zeit kannte man die gesamte Lebensgeschichte. Bei Ruriko war das nicht der Fall. Sie schien geheimnisvoll. Vielleicht war das der Reiz.
Er griff sich die Einladung vom Nachttisch.
19 Uhr am nächsten Tag, sollte es also losgehen...
Pünktlich ging er am Sonntag nach nebenan und klingelte.
Rurikos Schwester machte auf und sah ihn hoch erstaunt an.
„Sie sind tatsächlich gekommen?“ – „Wenn Sie nicht wollen, dass Gäste kommen sollten Sie vielleicht keine Einladungen verteilen.“ , entgegnete er. „Ach, ich habe heute keine Lust zu streiten, kommen Sie rein und machen Sie einfach keinen Ärger.“ , grummelte sie und Seishirou betrat das Haus. Yoko schloss die Tür hinter ihm und verschwand ohne ihm weiter Beachtung zu schenken. Es schienen noch nicht allzu viele da zu sein, der Lautstärkepegel war eher leise. Als er in den ersten Raum sah erkannte er die hübsche Ruriko in einem traumhaften weißen Kleid neben einem jungen Mann mit dunkelbraunen Haaren. Er schien ihr irgendetwas zu erzählen und sie war so damit beschäftigt ihm zuzuhören, dass sie Seishirous Ankunft nicht einmal bemerkte.
Wer war dieser Kerl? Yoko kam mit einer Schüssel in den Raum und stellte sie auf einen Tisch auf dem zahlreiche Leckereien angerichtet waren, daraufhin verschwand sie wieder, wahrscheinlich um weiteren Kram aus der Küche zu holen.
Es klingelte wieder an der Tür und Seishirou nahm sich einfach mal heraus die Tür zu öffnen.
Erfreut erkannte er seinen Freund Kiyoshi und seine etwas flippige Freundin Miu.
„Kommt herein.“ , grinste Seishirou.
„Man öffnet nicht in einem fremden Haus die Tür. Aber hey, warum erzähl ich dir das? Du tust so Dinge ja gerade weil sie sich nicht gehören.“ , meinte Kiyoshi kopfschüttelnd und betrat mit Miu das Haus, die geradewegs zu Ruriko eilte.
„Sie scheint es eilig zu haben von dir wegzukommen.“ , neckte Seishirou seinen Freund. Der zuckte die Schultern. „Manchmal hab ich auch das Gefühl sie liebt Ruriko mehr als mich.“ , gestand er leicht grinsend ein. Yoko erschien aus der Küche.
„Oh, willkommen. Ein Freund von Ruriko nehme ich an? Machen Sie es sich bequem. Eh, ich hoffe der Herr neben Ihnen hat Sie nicht irgendwie... beleidigt. Er ist nicht sehr höflich, aber meine Schwester wollte...“
Kiyoshi winkte breit grinsend ab.
„Schon in Ordnung. Ich kenne ihn. Ich werde versuchen ein Auge auf ihn zu werfen, damit er Ihnen und Ihren Gästen nicht den Abend ruiniert.“
Seishirou legte einen Arm um seinen Freund.
„Sind wir nicht ein Herz und eine Seele?“ , scherzte er mit ironischem Unterton.
„Ehrlich gesagt verbinde ich beide Begriffe nicht mit dir.“ , stichelte Kiyoshi und erkannte wie ein Lächeln auf Yokos Gesicht aufzuckte.
Daraufhin folgten die Freunde Yoko in den Wohnraum. Noch immer unterhielt der fremde Typ sich mit Ruriko, nur das auch Miu inzwischen seinen Worten zu lauschen schien.
„Wer ist der Kerl, der holt ja nicht mal Luft bei seinen endlosen Erzählungen...“ , fragte Seishirou seinen Freund flüsternd.
„Woher soll ich denn das wissen? Geh und frag ihn wer er ist, du bist doch sonst nicht so schüchtern.“
Da hatte Kiyoshi wohl ausnahmsweise Recht. Was zum Teufel war denn nur los mit ihm? Es war wie verhext! Dieses Mädchen verhexte ihn! Es reichte schon wenn sie nur in demselben Raum war wie er. Kiyoshi setzte sich zu Miu auf das große braune Sofa und legte einen Arm um sie, während Seishirou sich direkt vor Ruriko und diesem Fremden aufstellte und seine Hand ausstreckte. „Freut mich Sie kennen zu lernen Mr.....?“ – „Nennen Sie mich einfach Tsutomu.“ , meinte der Fremde höflich.
„Schön das du auch gekommen bist Seishirou.“ , erklang die wunderschöne Stimme Rurikos und sie lächelte ihn zauberhaft an. Im Hintergrund klingelte es wieder an der Tür und Yoko ging um die neuen Gäste willkommen zu heißen.
„Darf ich fragen woher ihr euch kennt?“ , fragte Seishirou ohne nachzudenken und deutete auf Tsutomu der ihn irritiert ansah.
„Tsutomu ist mein älterer Bruder.“ , erklärte Ruriko und Seishirou wurde schlagartig bewusst wie blöd er nun dastand.
„Darf ich nun auch erfahren wer Sie eigentlich sind? Der eifersüchtige Freund der gerade in ein Fettnäpfchen getreten ist?“ – „Tsutomu! Ich hab dir doch gesagt, das ich keinen Freund habe! Das ist Seishirou, unser neuer Nachbar.“
Der braunhaarige lachte.
„Ach, na dann war die Aktion ja noch peinlicher.“ -„Ich finde es viel peinlicher, dass du die Damen so unheimlich mit deinen Geschichten langweilst! Du bist wohl einer von denen die sich selbst gerne reden hören? Lass deine Schwester doch einfach auch mal was erzählen!“ , versuchte Seishirou zu kontern.
„Meine Schwester ist nicht die große Rednerin, außerdem hat sie mich darum gebeten, dass ich ihr erzähle was ich so getrieben habe die letzten Tage. Und wenn sich hier jemand gerne reden hört, bist das wohl du.“ , gab Tsutomu zurück und verwarf nun wie sein Gegenüber die Höflichkeitsform.
„Eh, ich finde wir sollten einfach vergessen was gerade geschehen ist und vielleicht noch mal auf Reset drücken und neu anfangen?“ , versuchte Kiyoshi beschwichtigend einzulenken.
„Ja, dass soll eine Feier werden und nicht in eine Prügelei ausarten.“ , fügte Miu hinzu. Seishirou warf Tsutomu noch einen finsteren Blick zu und ließ sich dann in einen schwarzen Sessel fallen. Wären in diesem Moment nicht eine Horde weiterer Gäste in den Raum gestürmt, wäre es wohl so leise gewesen, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Schon bald war das Zimmer mit fremden und lauten Menschen nur so überfüllt. Entnervt ging Seishirou sich einen Schluck Bowle genehmigen und erschrak fast als zu seiner Überraschung Ruriko neben ihm auftauchte.
„Mach dir keine Gedanken...“ , begann sie und Seishirou sah sie stirnrunzelnd an. „Worüber?“ , fragte er. „Na ja über die Sache mit meinem Bruder...“
Seishirou kam sich vor als würde er spinnen. Er war sich sicher Ruriko fand sein Auftreten unmöglich und würde sich nun nicht mehr weiter um ihn scheren. Aber mit so einer Reaktion hätte er ganz gewiss nicht gerechnet.
„Ehrlich gesagt war ich wirklich von seiner Rederei genervt. Er findet nie ein Ende wenn er einmal angefangen hat.“ , fügte sie seufzend hinzu.
„Magst du mit auf mein Zimmer kommen?“ , fragte sie plötzlich und Seishirous Herz machte einen Sprung. Hatte sie das wirklich gerade gefragt oder hatte ihm irgendwer was in die Bowle getan? Skeptisch sah er die Bowle an und dann wieder Ruriko.
„Bitte was?“ , fragte er vorsichtshalber nach und Rurikos Wangen färbten sich rot.
„Nicht für... also... Ich meine... einfach nur weg von den ganzen Leuten. Ich fühle mich hier nicht wohl.“ , versuchte sie beschämt zu erklären. Er nickte und folgte ihr die Treppe hinauf in ihr Zimmer.
Kiyoshi hatte die Beiden heimlich beobachtet und wollte gerade aufstehen um ihnen zu folgen, als er von Miu am Arm gepackt und zurück aufs Sofa gezogen wurde.
„Nix da! Die Beiden sind schon groß und können auf sich aufpassen. Kümmere dich lieber um deine Freundin.“ , grinste sie. Kiyoshi gab sich geschlagen. Sein Freund würde schon nicht so eine absolute Dummheit machen. Blieb ihm nichts anderes übrig als ihm zu vertrauen.
Es war noch nicht fertig eingerichtet, überall standen noch Kisten und Kartons herum. „Entschuldige, noch sehr chaotisch hier.“ , meinte Ruriko verlegen und stieg über eine Kiste um zum Bett zu gelangen. Dort setzte sie sich schließlich. Seishirou folgte ihrem Beispiel und setzte sich neben sie.
„Sag mal, wieso hast du gerade mich hierhin entführt?“ , fragte er verwundert.
Sie wurde wieder rot.
„Miu saß kuschelnd bei ihrem Freund... Ich mag meine Familie größtenteils nicht sonderlich und die meisten hier kenne ich nicht einmal.“ Seishirou nickte.
„Warst du eigentlich echt eifersüchtig?“ , fragte Ruriko aus heiterem Himmel und Seishirou sah sie überrascht an. Sein Herz raste. Er konnte sich nicht erinnern wann zuletzt irgendein weibliches Wesen solche Gefühle bei ihm ausgelöst hatte. Was hatte das nur zu bedeuten? Er kannte sie doch kaum. Abgesehen davon, wieso war sie plötzlich, nun wo sie allein waren so unheimlich direkt, wo sie sonst eher schüchtern wirkte? Wieso machte sie ihn so unsicher?
Ruriko schien sein Schweigen zu belustigen. Ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem Lächeln. „Vergiss die Frage wenn sie dir unangenehm ist. Ich weiß auch nicht, normalerweise bin ich nicht so. Irgendwie interessierst du mich..., irgendwie... bist du anders. In deiner Gegenwart fühle ich mich... wohl.“ , fügte sie hinzu. Als Seishirou sie verblüfft ansah musste Ruriko laut lachen. „Schau doch nicht so.“ – „Es ist nur... Ich hab auch das Gefühl nicht ich selbst zu sein wenn ich in deiner Nähe bin.“ , erklärte er nun. Ruriko sah ihn mit großen Augen an. „Was meinst du woran das liegt?“ , fragte sie neugierig. „Keine Ahnung, aber ich würde es gern herausfinden.“ , entgegnete Seishirou schulternzuckend. „Ja, würde ich auch gerne.“ , stimmte sie ihm zu. „Irgendeine Idee wie wir das anstellen?“
Seishirous Herz klopfte schneller als ihm einfiel mit welchem Ziel er eigentlich zur Feier gekommen war. „Stimmt was nicht?“ , fragte Ruriko besorgt. „Eh..., alles okay.“
Er hätte sich ohrfeigen können. Wieso fiel ihm bei ihr alles so unglaublich schwer? Jedes andere Mädchen hätte er abgefüllt, ins Bett geschleppt und flach gelegt. Jetzt war es sogar fast wie eine Einladung zum Sex, denn sie saßen bereits auf Rurikos Bett und er hatte sie nicht überreden oder abfüllen müssen um dort zu landen.
„Ich glaube ich habe eine Idee.“ , meldete sich Ruriko zu Wort. Seishirou sah sie abwartend an und verlor sich dabei in ihren blauen Augen. Nur am Rande nahm er wahr, wie sie die Träger ihres weißen Kleides hinunterschob. Als sie aufstand und das Kleid komplett von ihr abfiel, konnte Seishirou es kaum glauben. „Was.... was..?“ , er stammelte. Er war sich sicher in seinem ganzen Leben hat ihn kein Mädchen so verblüfft. Abgesehen davon konnte er sich nicht daran erinnern jemals unsicher vor sich hin gestammelt zu haben. Er fühlte sich wie der letzte Idiot und konnte nicht fassen das er scheinbar für sein lächerliches Verhalten auch noch belohnt wurde.
Lächelnd stieg Ruriko ins Bett, nur mit einem BH und einem Slip bekleidet.
„Ich möchte wissen ob es reines Verlangen ist was ich empfinde, oder mehr. Vielleicht finden wir es heraus wenn wir..., nun ja, uns näher kommen.“ – „Bin ich bei versteckte Kamera oder so was?“ , brachte Seishirou nur verwundert heraus. Ruriko schüttelte den Kopf und ihre schönen, schwarzen Haare flogen dabei wild umher. Sie war bildschön. Lächelnd griff sie seine Hand und hielt sie gegen ihre Wange.
Jetzt war es an der Zeit aufzuwachen! Er durfte so einen Moment nicht einfach so verstreichen lassen! Es war doch von Anfang an sein Ziel. Jetzt galt es wieder zu Verstand zu kommen!
Mit diesem Gedanken näherte er sich Ruriko und legte seine Lippen auf ihre. Mit dieser Berührung schienen all seine Hemmungen und die Unsicherheit endlich von ihm abzufallen.
Beide verloren sich in einem Kuss, der voller Leidenschaft und Feuer war und schließlich drückte Seishirou sie stürmisch hinunter aufs Bett.
In dem Moment erschienen Yoko und Kiyoshi in der Tür.
„Miu! Mein Gott!“ , schrie Yoko entsetzt während Kiyoshi sich fassungslos an den Kopf fasste. Er konnte nicht glauben, dass sein Freund nun tatsächlich so weit gegangen war. Seishirou hatte sich erschrocken von Ruriko gelöst und sah irritiert von Kiyoshi zu Yoko. Ruriko hatte sich die Bettdecke genommen und hielt sie sich schützend vor den Körper. Sie schien verlegen und sagte kein Wort. Yoko begann sich etwas zu fangen und stellte sich mit zornigem Gesicht vor Seishirou auf.
„Raus aus unserem Haus! Auf der Stelle!“
Seishirou sah sie ebenfalls verärgert an.
„Klar, mir die Schuld zu geben ist wohl das sinnigste. Schon mal daran gedacht, dass das Ganze von Ruriko ausgegangen sein könnte?“
Yoko schien noch wütender zu werden.
„Raus jetzt!“
Seishirou stand mürrisch auf. Er hatte gehofft Ruriko würde die Sache vielleicht aufklären, aber sie blieb komplett ruhig. Es kam ihm so vor als wäre er doch ein Opfer der versteckten Kamera geworden, oder auf jeden Fall tüchtig an der Nase herumgeführt worden. Verärgert verließ er den Raum und machte sich auf den Weg heim. Kiyoshi folgte ihm.
„Was hast du dir zum Teufel dabei gedacht!? Ich habe dir doch gestern gesagt du sollst...“ – „Halt einfach die Klappe Kiyoshi. Du hast keine Ahnung was eigentlich passiert ist.“ – „Ja genau, ich vergaß, dass ganze ging ja von Ruriko aus.“ , zitierte er seinen Freund ungläubig. Sauer blieb Seishirou stehen und drehte sich zu Kiyoshi um.
„Ganz genau so war es!“ , schrie er ihn an. Kiyoshi schien nun verunsichert.
Den Rest des Weges marschierten sie wortlos nebeneinander her. Als sie die Haustür erreichten kam Miu auf ihren Freund zugestürmt.
„Du hast den Ausreißer also gefunden! Wo ist denn Ruriko?“ , suchend sah sie sich um. „Oben bei Yoko. Geh mal die Treppe rauf in ihr Zimmer. Vielleicht braucht sie nun eine Freundin. Ich kümmere mich um das andere Problemkind.“ , erklärte er seufzend und deutete auf die Tür durch die Seishirou bereits geflüchtet war.
„Hm... Irgendwie habe ich das Gefühl, ich hätte dich nicht so sehr von deinem Posten als Anstandswauwau ablenken dürfen...“ , murmelte sie. Kiyoshi lächelte gezwungen.
„Na, unsere Schuld wird es wohl kaum sein.“ , tröstete er sie und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn ehe er sich auf den Weg zu Seishirou machte.