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Songfic - Ertrinken

jede Antwort fällt so schwer...
von

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Kann man Liebe lernen?

Annie

Da stand er vor mir. Niedergeschlagen. Am Boden zerstört. Er konnte mich nicht mehr ansehen. Betrübt sah er auf den Fußboden, während ich verzweifelt nach irgendeiner Lösung suchte. Gab es eine? Er war wundervoll. Sensibel, liebevoll, ehrlich – nun – zumindest meistens. Er hatte mich einmal belogen, doch er hatte es nur aus der Angst heraus getan mich zu verlieren. Ich schätze von den meisten Motiven die Menschen vorzuweisen haben wenn sie lügen, ist dies noch das, was man am ehesten verstehen und auch verzeihen kann.

Ich holte tief Luft.

Wieso konnte er nicht damit aufhören? Warum konnte er denn nicht aufhören mich zu lieben?

Es war bereits zwei Jahre her, seit wir getrennte Wege gingen, doch seine Gefühle mir gegenüber blieben nach wie vor dieselben und machten eine Freundschaft nahezu unmöglich. Bisher konnten wir dennoch nicht so einfach den Kontakt abbrechen, immer hielt einer von uns es nicht aus und kam wieder an. Wir waren schon zu sehr miteinander verbunden...

Und doch. Er litt. Auch jetzt litt er wieder.

Ich war sicher er weinte, darum hatte er bestimmt den Blick auf den Boden gerichtet. Er wollte vermeiden, dass ich es sah. Was sollte ich nur tun? Ich wollte ihn in den Arm nehmen. Aber würde ich dadurch nicht alles noch schlimmer machen? Mein Hals begann schmerzhaft zu brennen und ich spürte wie langsam auch mir Tränen in die Augen stiegen. Es war unerträglich, diese Hilflosigkeit. Klar, ich hatte ihn verlassen... Ich hatte mich neu verliebt..., doch das bedeutete nicht, dass er mir gleichgültig war. Noch immer empfand ich eine ganze Menge für ihn. In seinen Augen würde es nie genug sein, dass wusste ich. Ich verstand es sehr gut... und ich hasste mich dafür. Ja, ich hasste mich abgrundtief dafür, dass er nur wegen mir durch die Hölle ging und er sich selbst so verändert hatte. Er war mal so ein fröhlicher Mensch. Wie oft hatten wir zusammen gelacht? Er zog mich auf, ärgerte mich, machte Scherzchen. Ich hatte ihn zerstört. Wie sollte ich diesen Schaden jemals wieder gut machen? War es mir möglich?

Ich wünschte... ich könnte lernen ihn zu lieben.

Dieser Wunsch, war unfassbar stark und doch – ich hatte es versucht – es war einfach nicht möglich. Ich hatte ihn lieb – aber es war nicht dasselbe. Meine Gefühle wuchsen nicht. Wie oft hatte ich es noch mal mit ihm versucht nur um festzustellen, dass es mein Wunschdenken war? Das ich mir nur vormachte, einredete ich würde ihn lieben, in der Hoffnung es ginge ihm besser? Natürlich konnte das nicht funktionieren. Es machte alles nur schlimmer... und doch kam der Wunsch immer wieder hoch. Versuchte ich es nicht genug? Oder vielleicht nicht lang genug? Gab es irgendeinen Trick? Es musste doch irgendetwas geben, was mir half... – nein – was ihm half. Ich bemerkte das ich begann zu schluchzen und unregelmäßiger zu atmen. Konnte ich denn nur mit ansehen, wie er langsam dabei war unterzugehen?
 

Ben

Ich versuchte mich zusammenzureißen, doch die Tränen ließen sich nicht mehr aufhalten. Schnell hatte ich den Kopf gesenkt. Ich wollte doch so gern stark wirken. Es schnell erledigen. Nein, es war unmöglich. Ich liebte sie. Ich würde sie wohl immer lieben. Aber nein – ich musste einen Weg finden sie aus meinem Leben zu verbannen, diesmal endgültig. Wenn ich so weitermachte wie bisher, würde ich atmen, aber nicht leben. Es musste sich etwas verändern. Ich sah jetzt keinen anderen Weg mehr. Natürlich war mir klar, dass ich auch ihr damit weh tun würde. Doch vielleicht würde sie böse auf mich sein. Könnte ich dann damit besser umgehen? In meinem Kopf waren Tausende von Gedanken... Verzweifelt versuchte ich sie zu sortieren. Dann wusch ich mir eilig die Tränen aus dem Gesicht und blickte auf. Sie weinte. Ich hasste es sie so zu sehen. Zu sehr liebte ich sie. Sie sollte nicht leiden und doch..., ich musste mein Vorhaben zu Ende führen, ansonsten wäre es das meine.

„Annie..., es tut mir Leid. Ich muss mein Leben ohne dich führen. Dieses Mal gibt es kein zurück. Pass auf dich auf, lass es dir immer gut gehen. Leb wohl.“

Daraufhin drehte ich mich um und rannte los. Ich durfte nicht zurücksehen. Immer wieder befahl ich mir einfach weiterzurennen. Natürlich kam ich mir vor wie ein Idiot, doch ich wusste es war das Richtige. Das einzig Richtige. Leider war das Richtige oft nicht weniger schmerzhaft... Würde sie mir folgen? Wie sehr wünschte ich mir sie würde mir folgen...

Nein – sie liebte mich nicht. Sie würde mir nicht folgen... Ich war allein und wie zu vermuten war, waren hinter mir keine Schritte zu hören.
 

Annie

Während ich verzweifelt versuchte die Bedeutung seiner Worte zu begreifen... wandte er sich schon um und lief weg. Weg von mir. Weg von uns. Weg von dem was von uns übrig war. Es war unser Ende. Ich wusste nicht, ob ich hinterher schreien, oder laufen sollte. Wieso ließ er mich allein? Und doch..., was hatte ich für ein Recht so etwas egoistisches zu denken? Ich durfte ihn nicht aufhalten..., es ging ihm meinetwegen schlecht. Alles was mir nun zu tun blieb war... – ja – ihn ziehen zu lassen. Das größte Opfer überhaupt zu bringen. Er war immer einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Und doch... ich hatte es zu oft schon versucht. Versucht ihn lieben zu lernen. Erneut zu lieben. Es reichte nicht. Nie würde es reichen. Es war an der Zeit ihn gehen zu lassen. In dem Moment wo mein Herz sich für einen anderen entflammte, hätte es mir bewusst sein müssen, dass ich ihn verlieren würde...

Ich wünschte..., ich hätte es gelernt.

Ich wünschte ich könnte ihn so lieben wie er es verdiente.

Ich wünschte ich hätte ihn noch einmal glücklich sehen können.

Ich wünschte ich hätte ihn niemals getroffen, dann hätte ich ihn nicht so zerstören können.

Und doch – wenn ich ganz ehrlich bin – er ist einer der großartigsten, reinsten Menschen die ich in meinem Leben je traf und ich bin dankbar, stolz und froh ihn getroffen zu haben, egal wie weh es tun würde, wie sehr ich ihn vermissen würde, ich konnte nicht aufrichtig sagen, dass ich es bereute ihn getroffen zu haben.

Ich wünschte es wäre alles anders.

Ich wünsche ihm alles Glück der Welt.

Ich wünsche ihm Liebe.

Ich wünsche ihm, dass er jemanden findet der diese auch verdient.

Ich wünsche ihm, dass er jemanden findet der nicht versuchen muss sie zu erlernen, sondern der sie einfach empfindet, bedingungslos und stark.

Ich wünsche ihm, dass er sein Lächeln zurückerhält welches er durch mich verlor.

Ich wünsche ihm, dass er mich vergisst, wenn es ihm hilft – doch ich würde ihn niemals vergessen.

Meine Beine zitterten, noch immer starrte ich in die Richtung in die er fortrannte.

Wie gern wollte ich ihm folgen. Doch ich wusste – es war vorbei. Jetzt und hier.

Ich war ihm schuldig, ihn gehen zu lassen.

Meine Sicht war von den massigen Tränen total verschwommen. Oder war es der Regen?

Ich verlor jegliche Kraft und sank auf den nassen, asphaltierten Boden.

Ich musste daran glauben. Daran glauben, dass es die richtige Entscheidung war und er sein Glück wiederfinden würde, ansonsten könnte ich niemals mit diesem Verlust umgehen, dass wusste ich. Ich atmete tief durch.

„Glaub daran.“ , flüsterte ich mir selbst zu.

„Es ist zu seinem Besten... Er hat so entschieden. Ich tue... das Richtige.“

Plötzlich erkannte ich eine Hand vor mir. Hoffnungsvoll riss ich die Augen auf und starrte hinauf um zu sehen wessen es war. War er... zurück?

Doch es war nicht er der vor mir stand und mir mitleidig die Hand hinhielt.

Es war meine beste Freundin Nicole. Dankbar ergriff ich ihre Hand die mich kräftig auf die Beine zog. Anschließend legte sie die Arme um mich und hielt mich tröstend fest bis ich mich endlich beruhigt hatte.

Ich wusste schon da, es würde nicht das letzte Mal sein, dass ich heulte.

Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass ich mir wünschte man könnte Liebe lernen – mir wünschte, ich hätte ihn lieben lernen können.
 

Ben

Ich spürte wie die Kraft langsam aus meinen Beinen wich, doch es hinderte mich nicht daran einfach blindlings weiterzurennen, bis ich schließlich entkräftet hinfiel.

Ich schlug wütend auf den Boden. Wütend, traurig – es war schwer zu sagen welche Emotion gerade die stärkere war. Es war alles unfair. Das ganze Leben. War ich es denn nicht wert geliebt zu werden? Was hatte ich falsch gemacht? Sie hatte mich doch mal geliebt...?

Was spielte es für eine Rolle. Ich wusste – ich liebte sie.

Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass ich mir wünschte man könnte Liebe verlernen – mir wünschte, ich hätte die Liebe zu ihr einfach abstellen können, mit der Zeit mindern können...

Doch höchstwahrscheinlich war es genauso wenig möglich wie jemanden wie mich zu lieben.

Wie lange dauert überhaupt das Glück?

Nicole

Nachdenklich lag ich in meinem Bett und dachte über meine Beziehung nach...

Wir waren nun seit einem Monat glücklich zusammen.

Manche würden dies schon als lange Zeit ansehen, doch die meisten würden wohl wie ich behaupten, dass es das nicht ist.

Ich kannte ihn schon solange, ich hatte ihn schon solange Zeit geliebt... und endlich – endlich hatte auch er Gefühle für mich entwickelt...

Ich konnte mein Glück kaum fassen...

Doch es war schrecklich. Nahezu gefährlich...

Noch nie hatte ich jemanden so sehr geliebt wie ihn.

Und anstatt, dass die Liebe mit der Zeit weniger stark wurde, wurde sie nur immer stärker und mit ihr auch die Angst ihn zu verlieren.

Er war so perfekt – doch für mich war auch klar, dass andere ebenfalls sehen würden wie toll er war, versuchen würden ihn mir wegzunehmen.

Was wenn er sich mit der Zeit für eine andere entschied?

So etwas geschah so oft...

Auch meine beste Freundin Annie hatte ihren Freund Ben verlassen, weil jemand auftauchte für den sie stärkere Gefühle entwickelte.

So etwas konnte jedem passieren. Gegen Gefühle war man machtlos.

Niemand trug dafür eine Schuld...

Meine Eifersucht zerrte an mir.

Er war jetzt gerade in der Disco...

Er war aus mit seinen Freunden.

Mir war klar solche Situationen würden auftreten, schließlich führten wir eine Fernbeziehung. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass es ein derartiges Problem für mich darstellen würde. Schließlich vertraute ich ihm. Ich wusste er würde mir niemals weh tun. Aber es hatte nichts mit mangelndem Vertrauen zu tun.

Gefühle hatten nichts mit Vernunft oder Logik zu tun...

Die Eifersucht, diese immense Angst er könnte eine andere kennen lernen..., schien mich nun von innen aufzufressen.

Wie lange würde mein Glück dauern?

Gab es Glück welches ewig währte oder gehörte es einfach zum Leben, dass es einem irgendwann zwischen den Händen zerrann?

Ich seufzte und drehte mich auf die andere Seite.

Mein Bett war nicht gerade riesig und doch kam es mir viel zu groß vor, wenn er nicht neben mir lag.

Plötzlich bekam ich eine SMS.

Eilig stand ich auf und ging zum Schreibtisch auf dem mein Handy lag.

Nur Sekunden später begann ich zu lächeln.

Michael: „Hey Nic, ich wünschte du wärst auch hier.

Die Musik die hier gespielt wird würde dir sicher gefallen.

Ich denke an dich. Mach dir einen schönen Abend.“

Ein Glücksgefühl breitete sich in mir aus.

Es war alles in Ordnung. Er dachte an mich!

Noch besser, er wünschte ich wäre bei ihm!

Vielleicht würde mein Glück ja doch noch eine Weile andauern.
 

Michael

„Hey Michael, bist du endlich fertig damit auf deinem Handy rumzutippen?“ , rief Rick entnervt.

Schnell klickte ich auf „Send“, ließ mein Handy in meine Hosentasche sinken und ging zurück auf die Tanzfläche.

„Du hast echt keine Ahnung, Beziehungen muss man pflegen sonst wird die Freundin zur Furie!“ , erklärte ich ihm scherzhaft und er verdrehte die Augen.

„Beziehungen sind was für Idioten.“ , erwiderte er.

Es war typisch für ihn... Er hatte jeden Tag eine Andere. Ich konnte an diesem Verhalten nicht viel finden, doch es war seine Sache – nicht meine – und er schien es so gern zu haben.

„Hey Sandra, komm mal rüber!“ , rief er plötzlich in die Menge und ein attraktives dunkelblondes Mädchen kam auf uns zu. Nein – es war nicht irgendein attraktives Mädchen. Ich kannte sie, aber ich hätte nicht gedacht sie hier anzutreffen. Wir gingen mal gemeinsam in eine Klasse... damals hatte ich sie wirklich geliebt... Ich hatte sie umworben und mich für sie zum Idioten gemacht, letztlich umsonst. Sie hatte zu der Zeit eine Beziehung und behandelte mich eher wie Dreck... Schließlich krachte es zwischen uns und es herrschte Funkstille.

Nun stand sie auf einmal wie aus dem Nichts wieder vor mir. Ich werde diesen Moment niemals vergessen..., ihr strahlendes Lächeln. Als ihre blaugrauen Augen mich erblickten, verschwand es schlagartig und sie wirkte peinlich berührt. Unsicher und überfordert wären wohl ebenso gute Ausdrücke für ihre Mimik gewesen.

Es war nun ein Jahr her... Ich hatte jetzt Nic. Aber warum schlug mein Herz auf einmal wie verrückt? Wieso fand ich plötzlich keine Worte? Stumm sah ich sie an.

„Eh, kennt ihr euch oder so?“ , fragte Rick sichtlich irritiert über unser Verhalten.

„Wir gingen zusammen in eine Klasse.“ , antwortete Sandra ausdruckslos.

Klar, sie war noch immer dieselbe, kühl und emotionslos... Das waren meine Gedanken in diesem Augenblick, doch dann geschah etwas völlig überraschendes.

„Entschuldige bitte wegen damals Michael. Ich... war nicht sehr nett zu dir.“

Verblüfft sah ich sie an. Hatte sie sich gerade wahrhaftig entschuldigt!?

„Schon... okay.“ , murmelte ich zögerlich und sie schenkte mir ein zaghaftes Lächeln.

Der Rest des abends hielt noch viele Überraschungen bereit. Sie bestellte sich einen Cocktail und ich mir ein Bier, während sie mir erzählte was sie die letzte Zeit so getrieben hatte.

Ich erfuhr, dass sie oft an mich dachte... und sie sich wünschte, sie könnte Dinge die sie mir mal an den Kopf warf ungeschehen machen. Als sie dann zu dem Punkt kam, dass sie sich von ihrem Freund getrennt hatte..., weil sie so unter unserem Kontaktabbruch litt und merkte, dass sie mehr Gefühle für mich hatte, als sie sich eingestehen wollte... - bekam ich den Mund nicht mehr zu. Es war verrückt. Wieso sollte ich ihr nur ein Wort von all dem glauben?

„Ich war so fies zu dir..., weil ich Angst vor meinen Gefühlen hatte. Angst, ich würde meine Beziehung zerstören... Bill ist wirklich ein lieber Kerl. Er hat soviel für mich getan und mich so sehr geliebt... Ich konnte einfach nicht mit allem umgehen... Doch nachdem du, nach einer unserer Streitigkeiten den Kontakt abgebrochen hast, merkte ich wie weh es mir tat. Erst versuchte ich es zu ignorieren, aber ich konnte nicht so tun als wäre nichts... Ich habe Bill schließlich verlassen.“ – „Und das alles soll ich dir glauben?“ , stellte ich nun endlich die Frage, die mir keine Ruhe ließ.

„Ich verlange nicht, dass du es mir sofort glaubst, wie auch? Aber es wäre schön wenn wir wieder anfangen würden mehr miteinander zu unternehmen... uns wieder etwas näher kommen.“

Ich schluckte...

Da war sie wieder..., das Mädchen welches mir mein Herz brach. Und mit ihr kamen die Gefühle wieder hoch... vielleicht waren sie auch nie wirklich weg gewesen. Sie hatten nur geschlafen... Ich hatte sie nur betäubt.

War ich denn gar nicht glücklich mit Nic? Liebte ich denn nicht SIE?

Ich hätte es sagen müssen. Sagen müssen: Stop ich habe eine Freundin!

Doch ich brachte es nicht fertig.
 

Sandra

Da saß er mir nun gegenüber... Ich hätte nicht gedacht ihn wiederzusehen... Wir hatten kurz vor Abschluss unserer Schule den Kontakt abgebrochen und gingen dann getrennte Wege. Jetzt saß er da... mit seinen dunkelbraunen Augen, seinen chaotisch wirkenden dunkelblonden Haaren und ich hörte wie eine Stimme in mir schrie: Das ist deine Chance! Lass ihn nie mehr gehen!

Ich hatte ihn nicht angelogen und doch konnte ich die Zweifel deutlich von seinem Gesicht ablesen. Das verstand ich gut... Mein Verhalten ihm gegenüber war oft unmöglich, doch es war reiner Schutz. Ich hatte immer sehr viel für ihn empfunden, mehr als gut für mich war. Mehr als gut für meine Beziehung gewesen war... Ich hätte damals schon einsehen müssen, dass meine Beziehung mit Bill zum scheitern verurteilt war.

Doch nun gab es diese Beziehung nicht mehr und Michael war bei mir... Was würde ich nicht darum tun ihn dazu zu bewegen nie mehr fortzugehen...

Ich hatte schon lange kein Glück mehr empfunden. Zuletzt in der Anfangszeit mit Bill...

Würde ich es nun endlich finden? Und wenn – könnte ich es diesmal festhalten?
 

Nicole

Es war eine Woche vergangen... seit diesem Discobesuch. Mein Freund meldete sich nicht..., er ging nicht ans Handy und schien unerreichbar. Auch in unseren Chat kam er nicht.

Ich machte mir höllische Sorgen.. und dann – dann kam die SMS.

Michael: „Nic... es tut mir Leid. Ich kann dir nicht mehr in die Augen sehen. Es gibt da eine Andere.“

Es war kurz und knapp... Nur drei Sätze...

Drei Sätze die mein gesamtes Glück zum Einsturz brachten und mich in die Knie zwangen...

Zittrig saß ich auf dem Boden... und spürte wie die Tränen wie ganze Meere über meine Wangen liefen. Wie konnte das passieren...? So schnell. So plötzlich. So... zerstörerisch.

Mein Herz schlug viel zu schnell. Panisch... und ich spürte wie ich immer mehr nach Luft schnappte, da ich das Gefühl hatte nicht genügend Sauerstoff zu bekommen. Ich hörte mich wimmern, es klang nicht nach mir – mehr nach einem winselndem Hund. Ich war mir fremd. Aber wie könnte es auch anders sein? Ich hatte einen Teil von mir soeben verloren. Auf eine Art und Weise die mir das Herz in kleine Splitter zerbrochen hatte...

Eine SMS... Mehr war ich ihm nicht wert? Er war meine Welt. Er war alles für mich und ich war nichts weiter wert als eine SMS..., als drei Sätze? Schuldete er mir nicht eine Erklärung?

Wollte ich überhaupt eine hören?

Mir wurde schlecht und ich versuchte den Drang mich zu übergeben so gut es ging zu unterdrücken.

Mein Glück war zerstört. Und das unfairste daran war – das er glücklich war und mich dazu nicht brauchte...

Als ich mich zumindest etwas beruhigt hatte, griff ich zum Telefon und rief Annie an...
 

Michael

So Leid es mir auch für Nic tat... Ich hatte meine Entscheidung getroffen. Es war vorbei.

Ich hatte erkannt, dass sie eine Art Lückenfüllerin war..., auch wenn ich es ihr nie so hätte sagen können... Ich hatte mir die Liebe zu ihr einfach eingeredet...

Doch es tat mir weh. Ich hatte sie wirklich gern, wie sollte ich ihr je wieder in die Augen sehen? Wie hätte ich es ihr sagen sollen? Ich war feige... Aber mehr als eine SMS brachte ich nicht fertig.

Vielleicht würde sie mich hassen...

Vielleicht wäre es am Besten so.

Doch ich wünschte mir wirklich das es nicht so wäre..

„Ist alles okay?“ , fragte Sandra mich und legte den Arm um mich.

„Ja... bei mir ist alles total okay.“ , antwortete ich wahrheitsgemäß und lächelte.

So schuldig ich mich auch wegen Nic fühlte... - ich war wirklich glücklich...

Glücklicher als ich es mit ihr je hätte sein können.

Wie klingt ein Lied, wenn es niemand hört?

Rick

Ich blinzelte als die ersten Sonnenstrahlen durch die Jalousien strahlten.

Wie immer wurde ich wach sobald die Nacht zu Ende ging.

Verschlafen rieb ich mir die Augen und blickte neben mich.

Eine hübsche rothaarige lag neben mir und schlief noch tief und fest.

Seufzend erhob ich mich aus dem großen Bett.

Verschlafen sammelte ich meine Klamotten vom Fußboden ein und verschwand damit im Badezimmer.

Als ich in den Spiegel sah bemerkte ich das ich sogar so mies aussah wie ich mich fühlte. Mein Kopf hämmerte.

Man sollte meinen mit der Zeit gewöhnt man sich an den ständigen Alkohol, doch so war es nicht, der Kater folgte stets auf dem Fuße.

Meine Augenränder waren auch nicht zu verachten, wenn man aber bedachte das ich jede Nacht nur so drei Stunden schlief, wenn überhaupt, waren sie wohl ganz natürlich.

Ich gähnte.

Hoffentlich würde Cat nicht wach. Wie war überhaupt ihr voller Name? Catherine? War ja auch egal...

Nachdem ich mir durchs Gesicht gewaschen hatte zog ich mich schließlich an und machte mich auf den Heimweg. Ich war sehr dankbar das Cat nicht aufgewacht war... Eine Szene konnte ich nun nicht gebrauchen, mir gings beschissen genug.

Nicht, dass der Sex nicht fantastisch war... Aber letztlich halfen mir diese Momente nur für einen sehr kurzen Zeitraum meinen eigentlichen Kummer zu vergessen.

Zuhause angekommen setzte ich mich direkt an mein Klavier und begann zu spielen.

Ich spielte für sie. Obwohl sie es niemals hören würde...

Sie trug den Namen Melanie, aber für mich war sie einfach Mel und würde es auch bleiben.

Meine Hände spielten das Lied mit einer solchen Leichtigkeit, dass ich das Gefühl hatte sie würden es von alleine tun.

Mel fehlte mir.

Aber sie war tot.

Seither quälten mich Albträume und Schuldgefühle, denn ich denke bis heute ich hätte es vielleicht verhindern können.

Wir hatten uns gestritten ehe sie per Mitfahrgelegenheit eine Freundin in München besuchen wollte. Es war bereits ein Jahr her...

Die Mitfahrgelegenheit kam nie an ihrem Ziel an. Es gab einen Unfall... den Mel nicht überlebte. Nicht einmal entschuldigen konnte ich mich bei ihr, geschweige denn mich verabschieden. Hätten wir uns nicht gestritten, wäre sie nicht hals über Kopf nach München gefahren. Hätten wir uns nicht gestritten wäre sie noch bei mir.

Mein Leben änderte sich dramatisch.

Ich versuchte meinen Schmerz zu übertünchen und meiner Einsamkeit durch puren Sex zu entrinnen. Zwar hielten meine Freunde noch zu mir, doch ich wusste wie sie über mich dachten. Sie dachten ich wäre ein Arsch, der Mädchen flachlegte und dann sitzen ließ. Aber hey, sie hatten Recht. Viel mehr war ich auch nicht. Doch ich hatte noch keinen besseren Schmerzdämpfer gefunden und ich war zu gefühlskalt in mancher Hinsicht um mir einen Kopf um die Gefühle anderer zu machen. Ich kam mit meinen eigenen schon nicht zu recht.

Meine Freunde dachten wohl ich wäre herzlos, da ich nicht weinte und meinen Kummer lieber überspielte. Ich sprach auch nie von ihr. Denn ich hatte Angst der Schmerz würde mich sonst in einen Abgrund stürzen. Es reichten mir die Albträume... ich wollte wenigstens versuchen den Tag über meinen Schmerz zu vergessen...

Mein Lied schallte durch das kleine verlassene Haus, welches mir meine Eltern vermacht hatten. Ich hatte alles, ein Haus, einen guten Job in einem Verlag und viel Geld. Doch all das schien wertlos. Mel fehlte mir in diesem Haus. Niemand würde je das Lied hören welches ich jeden Morgen, wenn die Sonne aufging für sie spielte.

Doch das war auch richtig so.

Denn dieser Song war nur für sie, und wo immer sie auch sein mochte, vielleicht konnte wenigstens sie ihn hören. Vielleicht wäre sie bei mir während ich ihn spielte... ich konnte sie nur nicht sehen.

Aber ich wusste, das Lied hätte ihr gefallen...

Vielleicht hätte sie geweint, vielleicht hätte sie auch einfach nur gelächelt.

Vielleicht wäre es ein trauriges Lächeln gewesen.

Ich versuchte mir ihr Gesicht vorzustellen, wenn das Lied zu ihr drang, doch wie es wirklich ausgesehen hätte, würde ich niemals erfahren,

denn sie war an einem Ort an den ich ihr nicht folgen konnte...

Traurig starrte ich auf die Klaviertasten.

Selbst meine besten Freunde ahnten nichts von der Melodie die in meinem Herzen spielte, doch ich war noch nicht bereit darüber zu reden, vielleicht würde ich es nie sein. Denn darüber zu reden machte alles so fürchterlich real.

Ich stellte mir so oft noch vor sie wäre irgendwo da draußen...

Und dann würde sie irgendwann wieder heimkommen und ich würde ihr das Lied vorspielen was ich für sie schrieb...

„Ich liebe dich Mel. Ich werde dich immer lieben.“ , murmelte ich wie immer nach meinem Klavierspiel in den Raum und verschwand unter der Dusche, denn ich musste bald zur Arbeit.

Das Leben ging weiter.

Die Zeit lief weiter. Auch wenn es mir nicht richtig erschien...

Ist unsere Seele wirklich jemals wieder leicht?

Cat
 

Ich war schon wach als ich hörte wie Rick, mein One-Night-Stand aufstand um sich anzuziehen und zu verschwinden. Mir war klar, dass es so enden würde. Er war mächtig betrunken als ich ihn angesprochen hatte und ich bin mir sicher seine Seele war genauso tief verwundet worden wie meine eigene. Vielleicht hatte ich ihn deswegen gefragt, ob er mit zu mir käme. Ich wollte unter keinen Umständen die Nacht alleine verbringen und er wirkte so, als ginge es ihm genauso. Obwohl mir klar war, dass er am nächsten Morgen wohl kaum noch

meinen Namen wissen würde. Es war okay so und ich hatte nicht vor ihm eine Szene zu machen. Zwar hatte ich inzwischen seit drei Monaten keinen Kontakt mehr zu meinem Ex und ihn seit sogar einem halben Jahr nicht mehr gesehen, doch liebte ich ihn ungebrochen. Ich war noch nicht bereit dazu etwas neues zu beginnen. Ich überlegte einen Moment Rick Entwarnung zu geben und ihm zu sagen, dass ich nicht sauer war. Doch ich entschloss mich dazu einfach liegen zu bleiben. Das Gefühl der Einsamkeit schien mich zu lähmen.

Es war verrückt, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass wir trotz der gemeinsamen Nacht beide mit diesem Gefühl des „allein-seins“ zurückbleiben würden, mit Wunden die niemand vermochte zu heilen.
 

„Warum ist man auch zu zweit meistens allein?“
 

Die Nacht mit ihm zu verbringen hatte mir überhaupt nichts gebracht. Es schien viel mehr so, als wäre die innere Leere noch viel größer geworden als zuvor.

Nachdem die Tür hinter Rick ins Schloss fiel schien sie sogar unerträglich.

Ich sehnte mich nach Jimmy und konnte es zu gleich einfach nicht verstehen. Wie konnte ich ihn nur so vermissen? Er sagte mir gerade erst er würde mich nicht mehr lieben und das seine Gefühle für mich mit der Zeit immer weniger geworden sind. Wenn ich an diese Worte dachte taten sie nach wie vor weh. Ich war ihm unwichtig geworden. Wie konnte das passieren? In all der Zeit wo ich versuchte ihm alles zu geben was ich hatte, entfernte er sich immer mehr von mir. Während meine Liebe stetig wuchs, schien seine immer mehr abzunehmen und obwohl ich spürte, dass er nicht das empfand, was ich für ihn fühlte..., konnte ich mich nicht von ihm trennen oder darüber sprechen. Ich begann immer mehr für ihn zu tun, überschüttete ihn mit meiner Liebe geradezu. Heute frage ich mich oft, ob genau das der falsche Weg war.

Er sagte zu mir:

„Es ist komisch, aber man scheint immer das am meisten auf der Welt zu wollen, was man einfach nicht bekommen kann.“

Eine Träne lief an meiner Wange herunter. Schon lange hatte ich nicht mehr geweint, da es die meiste Zeit eher ein Taubheitsgefühl war. Ich mied es an ihn zu denken und wenn ich es tat, versuchte ich möglichst wütend auf ihn zu sein.

Aber hin und wieder bekam ich große Angst ich würde ihn wirklich vergessen. Ich wusste nicht einmal mehr die genaue Farbe seiner Augen und es erschreckte mich. Natürlich war es falsch sich zu viele Gedanken um ihn zu machen. Es war vorbei. Doch wollte ich ihn nicht vergessen. Ich fragte mich, ob ich auf diese Weise dazu verdammt wäre ihn ewig weiterzulieben. Es war einfach unfair. Egal welcher Mensch in mein Leben trat, fühlte ich mich dennoch immer einsam, weil es Jimmy war, den ich wirklich gern bei mir haben wollte.

Obwohl ich es selten so klar formulierte, es war einfach so. Egal wer bei mir war, es machte mir nur umso mehr klar, wen ich in meiner Nähe wissen wollte.

Verrückt daran ist, selbst als Jimmy bei mir war, mit der Zeit fühlte ich mich selbst mit ihm allein, wohl weil seine Gefühle für mich so stark zurückgingen.

Würde ich dieses schreckliche Gefühl der Einsamkeit nie los?

Plötzlich musste ich an meine Mutter denken, die sich ihr Leben genommen hatte als ich gerade mal dreizehn Jahre alt war. Was auch immer sie dazu bewegt hatte, der Tod musste verlockender für sie gewesen sein als das Leben. Niemand weiß was passiert wenn man stirbt. Ich fragte mich, ob die Einsamkeit sich dann auflösen würde und konnte meine Mutter nach all der Zeit plötzlich wirklich verstehen. Manche Gefühle drücken einen so sehr nieder und wiegen so schwer, dass man alles dafür geben würde um einfach gar nichts mehr zu spüren.

Meine Gedanken drehten sich um den Tod und ich überlegte wirklich dem Beispiel meiner Mutter zu folgen. Doch ich wollte einfach nicht daran glauben, dass der Tod der einzige Weg war der mir blieb. Ich stand auf und sah in den Spiegel, während ich die Frage laut in den Raum stellte:
 

“Ist meine Seele wirklich jemals wieder leicht?“
 

Und in mir hörte ich eine leise Antwort.
 

Du darfst nie aufhören daran zu glauben.



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Kommentare zu dieser Fanfic (2)

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Von:  dea_
2010-06-25T16:28:24+00:00 25.06.2010 18:28
deine worte gehen einem richtig nahe.
in die personen kann man sich sogut hinein veretzen.
du hast wirklich talent <3
Von:  venezia
2010-02-08T15:14:51+00:00 08.02.2010 16:14
wow das geht richtig ans herz
kann mich richtig in die beiden hineinversetzen wie schmerzhaft das für beide ist
hast toll hinbekomm die emotionen rüber zu bring


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