...zum Denken - es ist die Quelle der Kraft
Völlig erschöpft kam ich vor meiner Haustür an. Der Job war doch anstrengender geworden wie gedacht. Die Eisentür wurde zügig aufgeschlossen und ich schlüpfte hindurch ins innere des Hauses. Die Sonne würde bald aufgehen und ich wollte nur eins: schlafen. Meine hohen Hacken schmiss ich in den Flur und machte mich an der Schnürung meines Kleides zu schaffen. Wieso hatte ich mich noch mal dazu bereit erklärt diesen Job in der Renaissance zu übernehmen? Ach ja, ich war die einzigste Frau im Team. „Diese dämliche Schnürung!“, fluchte ich, da ich sie einfach nicht so schnell heraus kam wie ich es gewollt hätte. Der Sieg war allerdings meiner. Achtlos ließ ich das Kleid im Flur liegen und schlurfte ins Bad. Nun hieß es diese ganze Schminke abzubekommen und meine Haare zu befreien. Die Haare waren schnell gemacht, da ich eine Perücke getragen hatte. Bei der Schminke sah das schon ganz anders aus.
Nachdem auch dies erledigt war, schmiss ich mich in eine Shorts und ein blaues Shirt. Das Ziel: mein Bett. Wie von selbst trugen mich meine Füße aus dem Bad direkt in mein gemütliches Schlafzimmer. Ich konnte mein Bett schon meinen Namen rufen hören. „Luna… Ich warte auf dich, komm zu mir…“, sagte es und folgte bereitwillig der imaginären Stimme. Das hatte ich mir nun wirklich verdient. Zudem hatte ich ein paar Stunden schlaf nachzuholen. Zufrieden kuschelte ich mich in meine Decke ein und war auch schon im nächsten Augenblick eingeschlafen. So bekam ich auch nicht mehr mit, wie eine mir bekannte Person mein Zimmer betrat und fies grinste.
Murrend rollte ich mich ein wenig mehr ein. Um mich herum vernahm ich Stimmen, die ich allerdings weites gehend ignorierte. Ich wollte schlafen! Seltsam fand ich nur, dass mein Bett auf einmal so hart war. Das irritierte mich dann doch ein wenig. Schlaftrunken richtete ich mich auf und rieb mir den Schlaf aus den Augen. „Was soll dieser Krach?“, brummte ich und gähnte herzhaft. „Misch dich da nicht ein“, blaffte man mich an. In einer fließenden Bewegung stand ich auf und fixierte den Kerl, der mich meinte anblaffen zu müssen. „Und was, wenn doch?“, fragte ich provozierend nach. Der Typ war einbandagiert wie eine Mumie und trug quer über sein Gesicht ein Stirnband. Darauf war das Zeichen einer Note. Neben ihm standen ein schwarzhaariger Junge und ein ebenfalls schwarzhaariges Mädchen. Auch sie trugen das Zeichen einer Note. „Wenn doch? Dann ergeht es dir genauso wie ihm“, meinte die Mumie und nickte zu einem Jungen mit silbernem Haar, welcher am Boden saß. Um ihm herum standen mehrere Kinder.
Daraufhin fing ich nur an zu lachen. „Glaubst du das wirklich?“, fragte ich nach. Der Typ hatte ja keine Ahnung wer da eigentlich vor ihm stand. Meiner Einladung folgend griff er mich an. Zu seinem Pech erwischte ich seinen Arm, wirbelte ihn zu Boden und fixierte ihn dort. Meine Ohren klingelten zwar ein wenig, doch davon ließ ich mich nicht irritieren. „So, was veranlasst dich hier so große Töne spucken zu lassen?“, wollte ich wissen. „Los, befrei dich“, forderte das Mädchen die Mumie auf. Dieser konnte sich allerdings keinen Millimeter bewegen. Ich hatte all seine Nervenbahnen blockiert. „Ruhe ihr Rotzlöffel!“, brüllte plötzlich eine Männerstimme. Alle wandten sich nach vorn zur Tafel. So wie es aussah, befand ich mich in einem Klassenraum. Aus einer Rauchwolke traten an die zwanzig Personen. „Entschuldigt, das ihr warten musstet. Ich bin Ibiki Morino. Zuständig für den schriftlichen Teil der Chunin- Auswahlprüfung“, erzählte ein vernarbter Mann. Er trug ein Kopftuch mit dem Symbol eines Blattes, soweit ich das erkennen konnte. Prüfend sah er sich im Raum um und blieb mit seinem Blick bei der Mumie und mir hängen. „Die Otogakure Ninja da! Keine Spielchen vor der Prüfung“, wies er die drei mit der Note zurecht. „Bist du Luna?“, wurde ich anschließend gefragt.
Ich ließ die Mumie los und wandte mich Ibiki zu. „Ja“, war meine schlichte Antwort. „Willkommen bei der Chunin- Auswahlprüfung“, grinste er mich schief an. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der Kerl mehr Ahnung davon hatte wieso ich hier war wie ich selbst. Missmutig ging ich zu meiner Decke und setzte mich auf den Boden. Warum sollte ich an dieser Prüfung teilnehmen? Außerdem hatte ich Frei. Urlaub, um genau zu sein. Da hatte ich besseres zu tun. Schlafen, zum Beispiel. Während Ibiki alles bezüglich der schriftlichen Prüfung erklärte, döste ich ein wenig weg. Erst als mich jemand anstupste, machte ich meine Augen wieder auf. „Deine Nummer. Setz dich bitte an den Platz“, bat mich ein junger Mann. Er hatte schwarzes Haar und trug über seiner Nase einen Verband. „Nein“, meinte ich schlicht. „Luna, Luna, Luna“, tadelte mich eine mir bekannte Stimme. „Jack“, brummte ich und fixierte ihn mit meinem Blick. „Das hab ich dir zu verdanken oder?“, zischte ich. „Dir selbst, um genau zu sein. Wenn du wieder nach Hause möchtest, musst du erfolgreich an dieser Prüfung teilnehmen. Alles weitere steht in dem Brief“, erklärte mir Jack und hielt einen Brief hoch. In der Nächsten Sekunde steckte in der Wand, vor der Jack gerade eben noch gestanden hatte, mein silbernes Messer. Der Brief fiel lautlos zu Boden. Dafür standen da nun Colin und Jon. Sie würden also mein Team bei dieser Prüfung sein. Großartig. Noch schlimmer hätte es mich echt nicht treffen können. Die beiden Brüder waren Chaoten hoch zehn.
„Whoa, wo hat die auf einmal das Messer her?!“, fragte ein blonder Junge nicht gerade leise. „Regel Nr.2: Gehe niemals ohne ein silbernes Messer aus dem Haus“, sagte ich ihm und ging zur Wand. Dort zog ich das Messer heraus und nahm den Brief an mich. Anschließend begab ich mich zu meinem Platz und musterte mit finsterer Mine jede einzelne Person. Die Prüfungsbögen wurden verteilt und meine Laune wurde, wenn möglich, noch schlechter. Die kleine Schrift konnte ich kaum lesen. Seit dem Vetala- Angriff hatten sich meine Augen immer weiter verschlechtert. Ich sah so gut wie nichts mehr. Es gab zwar einen Weg dies zu ändern, doch würde ich mich so selbst verraten. Da ich noch nicht wusste was für einen Auftrag ich hier hatte, wollte ich mein wahres Wesen erst einmal bedeckt halten. Na toll. Und meine Brille hatte ich auch nicht dabei. „Fangt…“, wollte Ibiki gerade sagen, als er meine Meldung sah. „Gibt es den Test auch in einer größeren Schrift oder in Blindenschrift? Meine Augen sind nicht mehr das, was sie einmal waren“, meinte ich. „Es gibt hier keine Sonderwünsche“, grummelte Ibiki und verkündete, dass man nun beginnen konnte. Na dann eben nicht. Mit dem Gesicht über dem Blatt las ich mir die Aufgaben durch und entschied mich, mir daraus einen Spaß zu machen.
Sinn dieser Prüfung war, an Informationen zu kommen. Das hatte ich innerhalb der ersten paar Minuten begriffen. Meine beiden Teammitglieder lehnten sich gemütlich zurück und schienen darauf zu warten, was ich nun tun würde. Ich ließ meine rechte Hand auf den Tisch nieder und klopfte dabei einzeln mit den Fingern ab. Daraufhin finden die beiden an den Test zu lösen, gedanklich. Die Informationen fing ich per Telepartie ab und notierte die Ergebnisse. In der Sprache meiner Familie. Wir wollen doch nicht, dass jemand von mir abschrieb. Als ich alles aufgeschrieben hatte, diktierte ich den beiden was sie zu schreiben hatten. Sie gehörten nicht der Familie an und kannten so auch nicht meine Muttersprache. Der gesamte Test war innerhalb von fünfzehn Minuten erledigt. Meinen Test faltete ich fein säuberlich zu einem Papierflieger zusammen und ließ ihn fliegen. Direkt auf Ibiki zu. Seinen fragenden Blick ignorierend musterte ich meinen Sitznachbarn ein wenig genauer. Es handelte sich dabei um einen rothaarigen Jungen, mit einem roten Tattoo auf der Stirn. Er war ein wenig klein und von ihm ging eine seltsame Aura aus. Sie hatte etwas dunkles an sich und irgendwie auch nicht. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, in ihm wäre ein dunkles Wesen. Aber was für eins? Mir war keins bekannt, welches eine solche Aura hatte. Und ich war mich ziemlich sicher, dass ich nur einen Bruchteil der Aura spürte. Ich sollte den Jungen auf jeden Fall im Auge behalten.
„Ich stelle euch nun die zehnte Frage. Doch zuvor müsst ihr euch entscheiden, ob ich sie machen oder nicht machen wollt“, stellte Ibiki uns vor die Wahl. Ich klopfte einmal mit den Knöcheln und der Kante meiner Hand auf den Tisch. Damit signalisierte ich den beiden, dass wir auf jeden Fall dabei sein würden. Die Kinder hier schienen allerdings mit dieser einfachen Fragestellung überfordert. So einige verließen den Raum, da die Selbstzweifel doch zu groß waren. Merkten sie eigentlich gar nicht, dass man hier am aussortieren war? Da erhob sich auch der blonde Junge, dem ich meine Regel genannt hatte. Es sah ganz danach aus, als ob auch er aufgeben wollte. Plötzlich knallte er seine Hand auf den Tisch. „Verarsch mich nicht! Ich geb niemals auf!“, rief er aus. „Ich mach das. Auch wenn das bedeutet, dass ich mein ganzes Leben Genin bleiben muss!“ Also entweder ist der Junge ziemlich doof oder sehr von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt. Den sollte ich nach Möglichkeit auch im Auge behalten. Seine Worte zeigten allerdings Wirkung. Es verließ kein einziges Team mehr den Raum. Sie alle hatten ihren letzten Mut zusammengekratzt. „So ein Kindergarten hier“, hörte ich Jon sagen. „Ja“, stimmte ihm Colin zu. „Was habt ihr gesagt?!“, fragte der Blonde nach und wandte sich den Stimmen zu. „Die beiden haben nichts gesagt. Stimmt doch Jungs oder?“, warf ich ein. Im nächsten Augenblick zuckten beide schmerzlich zusammen und meinten, sie hätten nichts gesagt, sondern nur geseufzt. Heimlich warfen sie mir dann danach Blicke zu. Ganz nach dem Motto: Was sollte das denn? °Das wisst ihr genau. Haltet euer vorlautes Mundwerk, wenn wir nicht wissen in was für einer Welt wir sind. Wir wissen rein gar nichts über die Menschen hier und deren Fähigkeiten. Solltet ihr noch mal so unüberlegt handeln, wird es nicht dabei bleiben°, stauchte ich die beiden per Telepartie zusammen. „Ja, Chef“, murrten beide unisono.
„Herzlichen Glückwunsch, ihr habt den ersten Teil der Prüfung bestanden“, gratulierte uns Ibiki. Den ersten Teil der Prüfung? Wie viele gab es überhaupt? Die allgemeine Freude hielt sich allerdings in Grenzen. „Wie kann man nur so dämlich sein. Der Sinn dahinter war, ob man unerkannt an Informationen kommen konnte“, brummte ich vor mich her. „Ach Luna, was soll eigentlich dieser Buchstabensalat?“, fragte mich Ibiki und hielt meinen entfalteten Papierflieger in die Luft. „Das sind all die Informationen, die es zu beschaffen galt. In meiner Muttersprache geschrieben, damit sie nicht jeder Depp lesen kann“, grinste ich ihn schief an. Colin und Jon fingen an zu pusten und taten sich schwer, ihr Lachen zu unterdrücken. Ibiki sah mich allerdings nur stink sauer an. Nicht weiter auf mich eingehend fuhr er mit seinen Erklärungen fort. „Eine Information bedeutet manchmal mehr als das Leben. Und manchmal muss man sein Leben aufs Spiel setzen, um an die Information zu kommen“, sagte der Prüfer und präsentierte den Prüflingen seinen kahlen Kopf, der mit verschiedenen Narben überseht war. Wir waren hier also in einer Welt gelandet, in der man munter foltern durfte, ohne großartig dafür bestraft zu werden. Klasse… Solche liebte ich am meisten! Plötzlich schoss eine Person durch eines der Fenster. Diese stellte sich als Anko Mitarashi vor. Unser zweiter Prüfer. „Freut euch nicht zu früh! Der Spaß fängt erst noch an!“, warnte sie uns vor. Dann wandte sie sich Ibiki zu. „81 Kandidaten? Wirst du etwa weich? Die erste Prüfung muss ja ziemlich einfach gewesen sein dieses Jahr“, nörgelte die Frau herum. Irgendwie konnte ich sie nicht leiden.
Colin und Jon hatten sich in der Zwischenzeit zu mir begeben. Ich hatte mir in meiner freien Zeit den Brief durchgelesen und wusste nun, was unser Auftrag hier war. Wir sollten an dieser Auswahlprüfung teilnehmen und dabei den Kandidaten Gaara Sabakuno im Auge behalten. In einem günstigen Augenblick sollten wir ihn dann unschädlich machen. Allerdings stand kein Grund dafür angegeben. Das machte mich dann doch ein wenig stutzig. Bis jetzt gab es immer einen Grund für eine Tötung. Warum diesmal nicht? Den beiden Brüdern erzählte ich lediglich, dass wir den jungen beobachteten sollten. Wenn wichtigen Teil des Auftrags verschwieg ich. Ich war nicht gewillt einen Jungen zu töten ohne einen triftigen Grund. °Haltet euch im zweiten Teil der Prüfung zurück. Ich will keine Toten sehen. Auch niemanden, der Aufgrund eines Kampfes mit euch an seinen Verletzungen starb. Hab ich mich klar genug ausgedrückt?°, fragte ich die jüngeren. „Ay, Chef“, grinsten mich beide an. Ich würde sie dennoch im Auge behalten. Sicher war sicher.
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Lasst mir doch ein Komi da damit ich weiß, ob es euch gefallen hat oder nicht :)
...zum spielen - das ist das Geheimnis der ewigen Jugend
In der Zwischenzeit hatte ich mich umgezogen. Ich trug nun eine graue Trainingshose, ein schwarzes Top und darüber einen gemütlichen Pullover. Auf die Schuhe verzichtete ich. Genauso wie auf eine weitere Bewaffnung. Ich hatte mein Messer. Mehr brauchte ich nicht. Ich gestattete es den anderen beiden auch nicht, sich selbst mit mehr zu bewaffnen. Die beiden Brüder standen noch am Anfang ihrer Ausbildung zum Jäger. Wahrscheinlich waren sie auch aus diesem Grund bei diesem Auftrag dabei. Für sie hieß es tatsächlich diese Prüfung zu bestehen, damit sie in unserer Welt weiter machen konnten. Der Boss wollte also überprüfen, ob die beiden Chaoten es auch Wert waren. Alles schön und gut, aber warum musste ausgerechnet ich dabei sein? Ok, die Frage konnte ich schnell beantworten. Weil ich zu den wenigen Personen gehörte, die sie respektierten. Alle Teilnehmer dackelten nun dieser Anko hinterher. Die Umgebung war sehr schön. Wären diese Zäune nicht, hätte ich das glatt für einen normalen Wald halten können. Doch wie sie uns erzählte, waren dass alles Übungsgelände. Vor dem 44sten hielten wir inne. „Dieses Gelände ist besser bekannt unter dem Namen >Todeswald<“, teilte sie uns mit. Der blonde Junge, Naruto war sein Name, musste auch gleich wieder große Töne spucken. Das hatte zur Folge, dass Anko ein Wurfmesser nach ihm warf, ihn an der Wange verletzte und das Blut davon ableckte. Was mich viel mehr interessierte war der Junge mit der Schlangenzunge.
Bevor wir mit der Prüfung beginnen durften, musste jeder von uns eine schriftliche Zusage unterschreiben. Im Falle eines Toten wollte niemand die Verantwortung übernehmen. Ohne mir den ganzen Papierkram durchzulesen unterschrieb ich. Colin und Jon taten es mir gleich. Während Anko nun die Prüfung erklärte, gaben wir unsere Zusagen ab. Es handelte sich bei dem zweiten Teil also um ein extremes Überlebenstraining. Jedes Team würde eine Schriftrolle bekommen. Hierzu musste man das Gegenpaar finden und innerhalb der Frist von fünf Tagen am Turm sein. Ein paar der Kinder schien damit überfordert. Ich fragte mich allerdings, was ich in der ganzen Zeit anstellen sollte? Fünf Tage für so etwas… leichtes. Ok, ich darf auch nicht vergessen, dass das hier eine Prüfung zum nächst höheren Rang eines Anfängers ist. Bei meiner Ausbildung gab es so etwas allerdings nicht. Mich schmiss man ins kalte Wasser. Es hieß: Fressen oder gefressen werden. Brutale Methoden, ich weiß. Aber ohne dieses Training wäre ich bestimmt das ein oder andere Mal draufgegangen. Da war ich mir ziemlich sicher.
Mein Team bekam eine Himmelsschriftrolle. Demnach mussten wir ein Team mit der Erdrolle ausschalten. Ich ließ meine Sinne treiben und suchte die einzelnen Teams mit der benötigten Schriftrolle heraus. Als ich das schwächste von ihnen gefunden hatte, teilte ich Jon und Colin den Plan mit. Sie würden sich im Wald umsehen und die Rolle sicher zum Turm bringen. Dort würden die beiden auf mich warten. Zum Sonnenuntergang würde ich bei ihnen sein. Mit der Schriftrolle. Ausdrücklich verlangte ich von beiden, dass es unterwegs keine Kämpfe geben sollte. Falls sie zuerst angegriffen wurden, sollten sie sich zurückziehen. Ich hatte keine Lust auf unnötigen Papierkram. Zwar hatte jeder hier erklärt, er würde auf eigene Gefahr das Gelände betreten, doch wenn die Brüder jemanden umnieteten, musste ich das Verantworten. Sie waren immerhin meine Auszubildenden und ich hatte die Verantwortung zu tragen für ihr Handeln. Noch einen Grund mehr Jack in den Arsch zu treten. Er hatte mir nicht nur meinen Urlaub versaut, sondern auch noch dafür gesorgt, dass ich ordentlich Papierkram zu erledigen hatte. Denn bis jetzt haben die Brüder immer irgendeinen Befehl missachtet, der reichlich Schreiberei erforderte.
Schließlich gestattete man uns den Einlass in das Übungsgelände. Nach wenigen Metern hatten wir uns getrennt. Gemütlich lief ich auf die Aura des von mir ausgesuchten Teams zu. Sie waren sogar so freundlich und kamen mir entgegen. Sie liefen ihrem eigenen Ende direkt in die Arme. Auf diesen Gedanken hin musste ich einfach grinsen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach werden würde. Allerdings nährte sich meiner Position ein weiteres Team. Stärker wie das ausgesuchte. Im nächsten Augenblick stand ich auch schon umzingelt. „Rück die Schriftrolle raus und wir lassen dich am Leben!“, brüllte mich ein Jugendlicher an. „Wo hat man euch das denn beigebracht?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue. „Hä?“, machte er danach und seine zuvor sichere Haltung wechselte in eine unsichere. „Wir sind hier nicht bei „Wünsch dir was“. Habt ihr Anko etwa nicht zugehört? Das hier ist ein Überlebenskampf! Da stellt man einen nicht vor die Wahl. Man nimmt sich das, was man haben will. Was lernt ihr überhaupt in der Schule?“, fragte ich und musterte das Team ein wenig genauer. 0/8/15 Typen, die nicht sonderlich viel auf den Kasten hatten. Fassungslos sahen sie mich an.
Ein paar Sekunden der Stille herrschte zwischen uns, bis sie zum Angriff übergingen. Problemlos wich ich ihnen aus. „Arbeitet an eurer Schnelligkeit“, meinte ich und schlug den langsamsten zu Boden. Daraufhin attackierte man mich mit Messern. „Lasst euch nicht von euren Gefühlen leiten. Konzentriert euch!“, forderte ich und schlug den am wenigsten konzentrierten bewusstlos. „Was soll das? Wieso gibst du uns Ratschläge?!“, brüllte mich der Junge an, der mich zuvor vor die Wahl gestellt hatte. „Damit ihr es nächstes Jahr besser macht“, lächelte ich schief und schlug auch ihn KO. Ich hatte dieses Team zwar nicht auf dem Schirm gehabt, doch hatten auch sie die Gesuchte Schriftrolle. Demnach konnte ich jetzt schon zum Turm. Oder aber ich sah einmal bei Gaara vorbei. Konnte nicht schaden ihn einmal kämpfen zu sehen. Das andere Team ignorierend machte ich mich auf die Suche nach dem rothaarigen Jungen. Um weniger Aufsehen zu erregen, wandelte ich mich in meine Zweitgestalt. Einen goldfarbenen Wolf. Meine volle Sehstärke kehrte nun zurück. Allgemein schärften sich meine Sinne und es war mir ein leichtes die Witterung aufzunehmen.
Es dauerte nicht lang und ich hatte das Team um Gaara erreicht. Allerdings war ich nicht allein. Ich wandelte mich zurück in meine menschliche Gestalt und unterdrückte meine Aura. Lautlos näherte ich mich dem Kampf und staunte nicht schlecht. Der kleine Gaara nahm es ganz allein mit einem Team auf. Ohne einen Kratzer davon zu tragen oder sich großartig zu bewegen. Das Kämpfen übernahm dieser sonderbare Sand. So wie es aussah, war ich in einer Welt gelandet in der abnormale Dinge zum Alltag gehörten. Auch nicht schlecht. Demnach musste ich um meine Person kein großes Geheimnis machen.
Der ungleiche Kampf hatte nicht lang gedauert. Das unentdeckte Team hatte sich wieder aus dem Staub gemacht. War auch besser so. Ich spielte mit dem Gedanken mich ihnen zu zeigen und Gaara auf meinen Auftrag anzusprechen. Vielleicht konnte er mir sagen, weshalb ich ihn töten sollte. Schließlich entschied ich mich dafür, dass ich mich ihnen zeigen würde und den Auftrag verschwieg. „Einen schönen guten Tag“, wünschte ich und trat aus dem Gebüsch hervor, in dem ich mich zuvor versteckt hatte. Umgehend gingen das Mädchen und der bemalte Junge in Angriffsstellung. Gaara hingegen musterte mich von Kopf bis Fuß. „Ich bin nicht auf einen Kampf aus“, meinte ich und erwiderte den kalten Blick des Jungen. „Wie kommt es, dass ich deine Gegenwart nicht spüren konnte?“, fragte Gaara und ließ mich nicht aus den Augen. „Weil ich es nicht wollte“, war meine schlichte Antwort. Seine Teammitglieder hatten ihre Haltung aufgegeben und warfen sich unauffällig unsichere Blicke zu.
So wie es den Anschein hatte, fürchteten sie sich vor dem Jüngsten der Runde. „Wie heißt du?“, wollte der Rothaarige wissen. „Luna de Lycana“, stellte ich mich vor und deutete einen Knicks an. Ja, in meiner Familie legte man enormen Wert auf die Richtigen Höflichkeitsfloskeln. Ich war gerade dabei, mir das eine oder andere abzugewöhnen. Bisher ohne großen Erfolg. „Darf ich dir eine Frage stellen?“, wollte ich wissen und sah Gaara aufmerksam an. Mein Gegenüber sagte zwar nichts, doch sah er mich auffordernd an. „Darf ich dir einmal tief in die Augen sehen?“, fragte ich schließlich. Fassungslos sahen mich die Blonde und der Bemalte an. Die beiden hielten mich bestimmt für Lebensmüde. Immerhin hatte der Kleine eben drei Menschen kalt gemacht. „Warum willst du das?“, stellte er eine Gegenfrage und blickte mich nun misstrauisch an. „Warum denn nicht? Du scheinst eine interessante Augenfarbe zu haben. Ich würde sie gern mal sehen“, meinte ich nur. „Aber wenn du Angst vor mir hast, dann…“Ich war gespannt, ob er darauf eingehen würde. Zu meinem Erstaunen tat er das. Mit langsamen Schritten kam er auf mich zu und blieb wenige Zentimeter vor mir stehen. „Ich habe keine Angst“, sagte er mit einem kalten Unterton. Vorsichtig legte ich meine Rechte auf seinen Hinterkopf. Danach ließ ich meine Wolfsaugen ausblitzen und sah auf den Grund seiner Seele.
Für den Bruchteil einer Sekunde sah ich das Wesen in seinem Inneren. Es war der Grund für diese eigenartige Aura. Als Gaara meine Augen aufblitzen sah, zuckte er kaum merklich nach hinten weg. Meine Hand verhinderte, dass er den Blickkontakt abbrechen konnte. Nach einem Blinzeln meinerseits ließ ich ihn wieder los und machte einen Schritt zurück. „Wenn wir im Turm sind, möchte ich gern mit dir sprechen. Unter vier Augen“, meinte ich und wandte mich um. „Ach ja… du hast sehr schöne und interessante Augen“, lachte ich leise und verschwand in den Büschen. Eigentlich hatte ich nun mit einem Angriff gerechnet, doch er kam nicht. Gaara ließ mich meiner Wege ziehen.
Als ich außer Hör- und Sehweite war, wandelte ich mich wieder. Ein Blick in den Himmel verriet mir, dass die Sonne in gut zwei Stunden untergehen würde. Wer weiß, was die Chaoten anstellen würden, wenn ich nicht rechtzeitig da wäre. Daran wollte ich lieber nicht denken. Im Laufschritt trottete ich los in Richtung Turm. Immer wieder tauchte das Bild von Gaara vor meinem geistigen Auge auf. War vielleicht dieses Wesen in ihm der Grund meiner Anwesendheit? Wäre zumindest ein plausibler Grund für eine Tötung, sofern er das Ding nicht unter Kontrolle hatte und Amok lief. Jedoch hatte er auf mich nicht den Eindruck gemacht. Das Gegenteil war eher der Fall.
Den gesamten Weg hatte ich mir darüber den Kopf zerbrochen. Pünktlich zum Untergang kam ich am Turm an. Mein Team war das erste, weit und breit. „Auch mal hier? Haben dir die Kinder etwa Schwierigkeiten gemacht?“, fragte Colin. Jon sah mich nur schief grinsend an. „Ich hatte noch ein wenig mit Gaara geplaudert“, meinte ich und betrat den Turm. Ich wollte nun endlich mal in Ruhe schlafen gehen. In einem Vorraum öffneten wir die Schriftrollen und eine entsprungene Person erklärte uns das weitere Vorgehen der Prüfung. Wir würden von nun an also nicht mehr als Team agieren, sondern im KO- System kämpfen. Dabei hatte ich ein wenig bedenken. Die Fähigkeiten von Colin und Jon lagen über denen der Kinder hier. Es wäre ein unfaires Spiel. Das wussten auch die beiden. Plötzlich stahl sich ein fieses Grinsen auf meine Lippe. „Was grinst du so unheimlich?“, fragte Jon und sah mich mit hochgezogener Augenbraue an. „Damit der Kampf für euch auch einen Effekt hat, werdet ihr ihn Blind absolvieren“, sagte ich mit einem frechen grinsen auf den Lippen. Den beiden entgleisten ein wenig die Gesichtszüge. Das konnte ich auch mit meinen schlechten Augen deutlich sehen. „Was?! Wieso?“, wollte Jon wissen. „Regel Nr8: Habe immer einen Plan B. Stell dir folgende Situation vor: Du bist auf der Jagd, das Wesen und du geraten in einen dichten Nebel und man sieht die Hand vor Augen nicht. Was nun?“, fragte ich. Colin schien verstanden zu haben. „Man muss völlig Blind agieren.“
Nachdem dies also geklärt war, brachte man uns zu den Schlafräumen. Wir hatten die Qual der Wahl. Ohne groß darüber nachzudenken, steuerte ich das erstbeste Zimmer an. Dort richtete ich mir meinen kleinen Bereich ein und schmiss mich anschließend auf das Bett. Colin und Jon zogen es vor, sich auf den folgenden Kampf vorzubereiten. Zwar würde dieser erst in vier Tagen stattfinden, doch waren sie was ihre Sinne anging nicht sonderlich gut. Sie wollten sich bestimmt nicht vor mir blamieren. Zufrieden kuschelte ich mich in die Decke ein und es dauerte auch nicht lange, da war ich auch schon im Land der Träume versunken.
...zu arbeiten- das ist der Preis des Erfolges
Die vier Tage vergingen wie im Flug. Die meiste Zeit verbrachte ich schlafend. Immerhin hatte ich auch einige Stunden nachzuholen. Das Gespräch mit Gaara hatte ich nicht führen können. Andauernd war jemand bei ihm gewesen oder zu viele der hochrangigen Ninja. Oder aber er selbst ging mir aus dem Weg. Den Grund dafür kannte ich nicht, aber ich erahnte ihn. Dafür hatte ich mich darüber erkundigt, wo wir hier überhaupt waren. Wir waren in Konoha- Gakure. Neben diesem Dorf waren auch noch Suna und Oto im rennen. Die Mumie und Freunde kamen von dort. Schließlich war es nun an der Zeit sich für den nächsten Teil vorzubereiten. Nebenbei hatte ich mitbekommen, dass Colin und Jon trainiert hatten. Sie gaben sich wirklich alle Mühe.
Der heutige Tag würde zeigen, ob sie Erfolg hatten. Ich freute mich schon darauf zu sehen wie sie kämpften. Wir waren gerade mit einem Team aus Konoha auf den Weg zur Arena. Gelangweilt musterte ich meine Mitmenschen. Der Junge mit den blassen Augen fiel mir sofort auf. Auf den ersten Blick schien er nicht besonders. Der zweite zeigte einem allerdings, dass er einiges auf den Kasten zu haben schien. Ich war mir ziemlich sicher, dass diese Augen etwas damit zu tun hatten. Auch der Junge im grünen Trainingsanzug weckte mein Interesse. Er hatte etwas besonderes an sich. Seine Aura unterschied sich von denen der anderen anwesenden Ninja. Hier traf man wirklich auf viele interessante Menschen. Schade eigentlich, dass der Auftrag weniger erfreulich war.
Die Arena war riesig. Der Boden war aus Stein und an den Seiten gab es erhöhte Plattformen. Der Hokage begrüßte uns alle ganz freundlich und hielt eine kurze Rede. Man erzählte etwas von Frieden und gerechten Kämpfen. Das man diese Kämpfe anstatt der Kriege durchführen würde. Abfällig schnalzte ich und rollte mir den Augen. Als ob man dadurch Kriege oder anderweitige Konflikte beheben könnte. Danach wurde uns von einem kränklich wirkenden Mann erklärt, was nun geschehen würde. Da er sagte, dass der Kampf erst zu Ende war, wenn jemand fiel oder Kampfunfähig war, musste ich den Brüdern noch einmal eintrichtern, dass ich hier keinen Toten sehen wollte. Ich wollte auch niemanden sehen, der kurz davor war abzuschmieren oder es in den nächsten Stunden tat.
Eine Tafel würde uns sagen, wer gegen wen antreten würde. Es galt das Zufallsprinzip. Da fragte ich mich dann, wie das mit den gleichen Kämpfen von statten gehen sollte. So wie ich die Kinder hier einschätzte, waren sie auf unterschiedlichen Level. Auch wenn sie offiziell alle den gleichen Rang hatten. Als erstes kämpfte ein gewisser Sasuke Uchia gegen Yoroi Akado. Der Rest von uns wurde gebeten nach oben zu gehen. Doch irgendetwas schien mit diesem Sasuke nicht zu stimmen. Er hatte eine Aura an sich, die nicht zu ihm gehörte und sich doch in ihm hinein fraß.
„Spürst du das auch?“, flüsterte Colin und deutete mit einem Kopfnicken in Richtung des ersten Kampfes. „Ja. Das kann nichts gutes bedeuten“, meinte ich und sah mir die Trainer noch einmal genau an. Einer von ihnen kam mir doch sehr bekannt vor. Diesen Geruch hatte ich auch in der Nase gehabt, als uns Anko alles über die zweite Prüfung erklärt hatte. War dieser Mann nicht der Junge, der ihr damals das Wurfmesser wiedergebracht hatte? „Luna? Ist alles in Ordnung?“, wurde ich von Jon gefragt. „Hier gibt es eine falsche Schlange“, meinte ich und beschloss, den vermeintlichen Ninja aus Oto zur Rede zu stellen, sobald sich ein geeigneter Moment dafür finden würde. „Luna, was ist das?“, fragte mich plötzlich Colin und holte mich aus meinen Gedanken.
Da er etwas lauter geredet hatte, wandte Gaara, der gut drei Meter entfernt stand, seinen Blick in unsere Richtung. Er mustere meine Männer und mich gründlich. „Ein Fluchmal?“, sagte ich leise fragend, da ich ein solches noch nie gesehen hatte. Ich selbst besaß auch eins, doch handelte es sich dabei um eine kleine Tätowierung, die sich nicht wandeln konnte. Auch dies erweckte mein Interesse. Diese Welt wurde von Minute zu Minute interessanter. Bei Gelegenheit sollte ich anfragen, ob ich ein wenig länger hier verweilen könnte. Mir die Welt ansehen, neue Kampftechniken lernen… Vielleicht könnte man auch etwas gegen meine Erblindung machen?
Der Kampf war kurz und schnell entschieden. Sasuke hatte gewonnen. Als nächstes würde Colin gegen Shin antreten. Schien um die fünfzehn Jahre alt zu sein, von schlanker Statur und ein dunklerer Hauttyp. Auf mich machte er einen ungeduldigen Eindruck. „Hast du nicht etwas vergessen?“, fragte ich, als Colin einfach losgehen wollte. „Du wirst Blind antreten. So war die Voraussetzung.“ Murrend verband er sich die Augen und sprang über das Geländer in die Arena herunter. „Was soll der Scheiß?“, fuhr Shin ihn an. „Befehl vom Chef“, grummelte er nur. Der Prüfer sagte da nichts weiter zu und gab das Signal. Dieser Shin griff sofort frontal an. Colin benötigte ein paar Sekunden, um sich wieder neu zu orientieren. „Zu langsam“, murmelte ich und tastete nebenbei mit meinem Geist die Umgebung ab. Der Typ hatte sich zwar von der Gruppe entfernt, doch steuerte er nun eine andere an. Ich musste ihm wohl oder übel ein andermal auflauern und zur Rede stellen. Doch jetzt wollte ich erst einmal sehen, wie Colin sich so anstellte.
Mittlerweile hatte Colin seinen Rhythmus gefunden, doch hatte er noch keinen Angriff gestartet. Er bevorzugte es auszuweichen oder die Angriffe seines Gegners abzublocken. So langsam wurde ich ungeduldig. Das dauerte mir alles zu lang. „Hey Colin! Im Ernstfall wärst du jetzt Tod!“, rief ich zu ihm herunter und hoffte, dass nun endlich mal was geschah. Jon hingegen schien nicht wirklich verstanden zu haben. „Warum das denn? Er hält seinen Gegner doch auf Abstand“, warf er ein. „Regel Nr.5. Arbeiten Wölfe etwa allein? Oder Djinn?“, fragte ich in einem strengen Ton nach. „Nein!“, sagte ich mit Nachdruck. „Colin ist so auf diesen einen Angreifer fixiert, dass er einen weiteren erst bemerken würde wenn es zu spät ist.“ „Erinnere dich immer an alles und jeden“, murmelte Jon die fünfte Regel und beobachtete Colin. Dieser griff nun zum ersten Mal an und kassierte ordentlich Schläge. Womit Shin allerdings nicht gerechnet hat war, dass sein Gegner dies beabsichtigt hatte. Colin war nun in der Position seinem Gegner auf innerem Wege zu schaden.
Sprich, er blockierte sämtliche Nervenbahnen durch einen gezielten Schlag. Diese Art des Kämpfens lernte man bei uns als erstes. Jeder angehende Jäger musste über dieses Wissen verfügen, da es mitunter auch Gegner gab, die gegen herkömmliche Waffen immun waren. Immerhin kannte er diese auswendig und war auch schnell genug. Wie ein Kartenhaus klappte Shin in sich zusammen. Der Kampf wurde für beendet erklärt und Colin ging als Sieger hervor. Auch wenn ich einiges an seinem Kampf auszusetzen hatte. Aber das würden wir später ausführlich besprechen.
Aus den Augenwinkeln erkannte ich, dass Gaara hin und wieder zu uns herüber sah. So wie es aussah, hatten wir wohl sein Interesse geweckt. Gut so. Vielleicht würde ich dann noch heute die Gelegenheit bekommen mit ihm allein zu sprechen. Oder ich wusste es wagen mit ihm per Telepartie zu kommunizieren. „Und? Wie war ich?“, fragte mich Colin und holte mich aus meinen Gedanken. „Zu langsam, zu unkoordiniert, zu unsicher. Im Ernstfall hättest du keine fünf Sekunden überlebt“, warf ich ihm an den Kopf. Fassungslos sah mich der angehende Jäger an, während Jon sich ein Lachen verkneifen musste. Ein kurzer Seitenblick genügte und er schwieg. „Jon, an deiner Stelle würde ich mich nicht zu früh freuen“, meinte ich und deutete auf die Tafel. Er war der nächste. Siegessicher machte er sich auf den Weg nach unten. Sein Gegner war eine junge Frau namens Lay. Sie könnte ihm Probleme bereiten. Lay war klein, wendig und schnell. Das konnte ich wohl noch erkennen. Der Prüfer gab die Erlaubnis und der Kampf begann.
Zu meinem erstaunen ging Jon gleich in den Angriff über und drängte sie in die Defensive. Sein Pech war allerdings, dass sie ihre Gestalt vervielfältigen konnte. Nun war es an ihr anzugreifen. Jon kam ziemlich ins schwitzen, doch war er schnell genug. Immer mehr kämpfte er sich die Oberhand zurück. Diese Vervielfältigungen bereiteten ihm einige Probleme. Einer nach dem anderen wurde von ihm erledigt, doch kamen immer wieder neue hinzu. Während Jon allmählich zu schwächeln begann, machte Lay noch einen relativ frischen Eindruck. Bis zu dem Zeitpunkt, als er sie an der Schulter traf. Auf einem Schlag verschwanden alle Doppelgänger. Ein guter Treffer.
Allerdings dauerte mir auch dieser Kampf zu lange. Nach fünf Minuten wurde es mir zu viel. „Jon, die Zeit ist abgelaufen!“, rief ich in die Arena. „Hier gibt es kein Zeitlimit“, entgegnete Gaara, der neben mich getreten war. „Mag sein, aber in unserem Beruf. Da hat man keine fünf Minuten. In den meisten Fällen gerade mal ein paar Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden“, meinte ich und sah ihn an. „Ihr seid keine Ninja. Hab ich Recht?“, fragte Gaara und sah zu mir hoch. „Nein. Nicht wirklich. Es gibt welche in der Organisation, doch wir gehörten nicht dazu“, sagte ich und beobachtete wieder meinen Auszubildenden. Mittlerweile hatte er es geschafft Lay kampfunfähig zu machen. Auch er hatte ihre Nerven blockiert. Anscheint schafften sie es tatsächlich sich an meine Befehle zu halten. Es könnte aber auch daran liegen, dass sie von dem Schicksal des letzten Azubi erfahren hatten der unter meiner Aufsicht stand. Wer weiß?
Als Jon wieder Oben war, setzte ich mich mit dem Rücken an die Wand und bat beide sich ebenfalls zu setzen. Ich erklärte ihnen ihre Fehler und wie sie diese beheben konnten. Aufmerksam hörten sie mir zu. Doch nicht nur die beiden. Auch das Team aus Suna lauschte meinen Worten. „Ihr seid zu langsam. Außerdem vertraut ihr zu sehr auf eure Augen. Nutzt auch eure anderen Sinne und euren Instinkt. Doch seid mit diesem Vorsichtig. Seid ihr nicht vertraut mit ihm umzugehen, kann er auch schnell euer Ende besiegeln. Colin, du musst sicherer in deinem Auftreten werden. Lass dich nicht herumscheuchen. Arbeite an deiner Koordination, wenn dir einer deiner Sinne verwehrt wird. Jon, du musst deine Kräfte besser einteilen können. Es nützt dir nichts deinen Gegner in Bewegung zu halten, wenn du selbst dabei außer Atem kommst. Ein gezielter Schlag bewirkt meist mehr wie dutzende kleine Wunden“, erklärte ich ihnen. Aufmerksam hatten sie mir gelauscht und sich sogar etwas notiert.
„In den nächsten Tagen arbeitet ihr an euren Schwachstellen. Bei unserem nächsten Training möchte ich Fortschritte sehen“, meinte ich. „Weckt mich, wenn es etwas interessantes gib oder ich kämpfen muss“, endete ich meine Erklärung und legte mich seitlich hin. Meinen Arm benutzte ich als Kissen und schloss meine Augen. Der unbekannte Mann war wieder in der Arena und konnte demnach nicht zur Rede gestellt werden. Sasuke schien irgendetwas mit dem Mal angestellt zu haben, denn seine Aura wurde unterdrückt. Colin und Jon hatten nun genug Anweisungen bekommen die es in nächster Zeit umzusetzen gab und demnach konnte ich mir ruhig eine kleine Mütze Schlaf gönnen. Ich war immer noch so verdammt müde. Wenn es hier schon keinen Tee gab…
...freundlich zu sein- das ist der Weg zum Glück
…freundlich zu sein- das ist der Weg zum Glück.
Sonderlich lange schlafen konnte ich nicht. Irgendjemand rüttelte an meiner Schulter, um mich aus meinem Schlaf zu holen. „Luna… Luna, wach auf. Du bist die nächste, die kämpfen wird“, sagte Jon und ich rappelte mich wieder auf. „Wieso hast du das denn nicht gleich gesagt!“, meinte ich hoch motiviert. Als mein Blick jedoch auf meinen Gegner fiel, verschwand sie wieder. Das Mädchen zitterte ja schon vor Angst. Sie war nicht sonderlich groß und sah auch nicht wirklich kämpferisch aus. Plötzlich flatterte vor meinen Augen ein Tuch herum. „Was soll ich damit? Ich bin doch schon so gut wie Blind!“, blaffte ich Colin an und machte mich auf den Weg.
„Seid ihr bereit?“, fragte uns der Prüfer. „Fangt an!“ Obwohl wir die Erlaubnis zum Kämpfen hatten, bewegte sich keine von uns beiden auch nur einen Zentimeter. Lainy, meine Gegnerin und wohl auch die Schwester von Lay, stand wie versteinert da und taxierte mich mit ihren Augen. Das konnte ich spüren. Da ich keine Lust mehr auf diesen Kampf hatte, legte ich mich einfach wieder hin. „Hey Chef! Was ist los mit dir?“, riefen die Brüder zu mir herunter. „Ich warte… Ich warte darauf, dass mein Gegner den Mut findet gegen mich anzutreten“, meinte ich und starrte gähnend die Decke an. „Was soll der Scheiß! Ich hab keine Angst vor dir!“, brüllte mich plötzlich das Mädchen an. Wenige Sekunden später steckte ein Wurfmesser im Boden wenige Zentimeter neben meinem Kopf entfernt. „Oh doch. Du hast Angst. Ich kann sie riechen, deine Angst. Dein vermeintlicher Angriff bestätigt es. Wenn du mich hättest verletzen wollen, so hättest du nicht so weit daneben geworfen“, warf ich ihr an den Kopf und setzte mich auf. „Ist der Weg eines Soldaten wirklich der richtige für dich?“, fragte ich sie und musterte sie noch einmal.
Mit offenem Mund sah Lainy mich an. In ihren Augen spiegelten sich Emotionen wie Hass, Trauer und Selbstzweifel wieder. „Du hast doch keine Ahnung!“, schrie sie mich an und begann den Kampf. Mühelos wich ich ihren Angriffen aus. Hauptsächlich schlug sie nach mir. Manchmal gab es auch Tritte, die allerdings jedes Mal ihr Ziel verfehlten. Sie war nicht schlecht, aber ihre Gefühle standen ihr im Weg. „Sei kontrollierter und habe deine Gefühle im Griff“, meinte ich und brachte ein wenig Abstand zwischen uns. „Mache dir klar, was du willst. Glaube an dich und an deine Fähigkeiten. Spiel deine Stärken aus und vermeide es in deine Schwächen getrieben zu werden“, erklärte ich dem braunhaarigen Mädchen, welche mir aufmerksam zugehört hatte.
„Etwa so?“, fragte sie plötzlich. Jegliche Unsicherheit und Zweifel waren aus ihrer Stimme verschwunden. Auch ihre Aura zeigte keinen verunsicherten Menschen mehr. Lainy nahm ihre Haltung auf und stand mir nun siegessicher gegenüber. Sie formte ein paar Fingerzeichen und im nächsten Augenblick war ich wie gelähmt. Meine Umgebung hatte sich verändert. Ich nahm andere Gerüche wahr. Ich stand in einem Wald. Regungslos. „Ich gebe dir nun auch einen Rat Luna… Der erste Eindruck täuscht viele“, lachte Lainy auf und kam völlig von sich selbst überzeugt auf mich zu. In ihrer linken Hand hielt sie ein Messer, soweit ich das erkennen konnte. Was sie allerdings stutzig machte war, dass ich in ihr Lachen mit einstimmte. „Wie witzig! Du erteilst mir einen Ratschlag, an den du dich selbst nicht hälst?“, fragte ich sie lachend. „Diese Situation passt zu Regel Nr23“, meinte ich und brach ihren Einfluss auf mich.
Um mir nun doch noch ein wenig Spaß zu gönnen, ließ ich einen kleinen Teil des Wolfes in mir frei. Meine Sinne wurden schärfer, meine Reaktionen besser und meine Bewegungen schneller. „Wenn jemand denkt, er hat die Oberhand…“, sagte ich und schritt langsam auf sie los. „…dann brich sie ihm.“ Und da flog das arme kleine Ding auch schon durch die halbe Arena. Überrumpelt landete sie wenig elegant und starrte mich entgeistert an. „Na los! Bewegung! Das hier ist ein Kampf auf Leben und Tod, wenn ich das Richtig verstanden habe. Oder willst du etwa aufgeben?“, fragte ich provozierend und lief gemütlich auf sie zu. Lainy zückte ein weiteres Messer und raste damit auf mich zu. Ich machte keinerlei anstallten ihrem Angriff auszuweichen. Im letzten Augenblick machte mein Gegner einen Rückzieher und sah mich entgeistert an. „Ich hätte dich gerade töten können!“, brüllte sie mich an. „Und warum hast du es nicht getan?“, warf ich ihr nun an den Kopf.
Fassungslos blickte sie mich mit großen Augen an. „Aber-“ „Nichts aber. Das hier mag ein Prüfungskampf sein… Doch was wäre, wenn es nicht so wäre? Hättest du dann auch gezögert?“, fuhr ich ihr dazwischen. Das Mädchen hatte potenzial, doch stand sie sich selbst im Weg. „Es gibt zwei Wege einen Gegner auszuschalten: Man macht ihn kampfunfähig oder man tötet ihn“, sagte ich ihr und startete einen Angriff. Lediglich mit dem Zeigefinger taxierte ich sie und doch hatte Lainy alle mühe mir auszuweichen. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie instinktiv handelte und mir das Messer zwischen die Rippen rammte.
Von sich selbst angewidert ließ sie das Messer los und taumelte zurück. „Oh nein… ich habe… eine unschuldige getötet!“, jammerte Lainy, während ich nur das Messer anstarrte. „Der Kampf ist noch nicht vorbei…“, meinte ich und zog langsam das Messer aus meinen Rippen. Angsterfüllt blickte Lainy mich an. „D- du…“, stotterte sie. „Ich…“, sagte ich und ließ das Messer zu Boden fallen. Panisch formte sie weitere Fingerzeichen, doch brachte es ihr nichts. Schritt um Schritt kam ich ihr näher, bis ich schließlich vor ihr stand. „Träum süß“, lächelte ich sie an und schlug sie bewusstlos. Meine Sinne ließ ich wieder stumpf werden. Der Kampf war beendet. Mit gemütlichen Schritten ging ich nach Oben. Als ich an den Suna- Nin vorbei kam, fühlte ich die Blicke von Gaara auf mir. Die Chancen auf ein Gespräch unter vier Augen wurde immer größer.
„Wie unfair! Warum darfst du es so einfach haben?“, maulte Jon. „Weil ich in der Rangordnung weit über euch stehe“, meinte ich und setzte mich an das Geländer. Meine Beine ließ ich baumeln und betrachtete das nächste Paar. Es stammte aus der gleichen Familie. Das konnte interessant werden. °Du bist nicht bei der Sache Luna. Dein Auftrag lautet suchen, finden und töten. Weshalb verweigerst du dich?°, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf sagen. °Verschwinde aus meinen Gedanken Jack. Du weist genau wieso!°, zischte ich ihn an und verschloss meinen Geist. Ich handle nicht, ohne vorher zu hinterfragen. Das müsste er eigentlich wissen. Wütend schnaubend verfolgte ich den Kampf weiter, der meiner Meinung nach eindeutig war. Der Junge würde siegen. Sie war Mental noch nicht auf dem Level. Und dennoch wollte sie nicht aufgeben. Ob ihr der Ehrgeiz hier bekam?
Nein, er bekam ihr überhaupt nicht. Das arme Ding konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. An sich war der Kampf gelaufen. Warum wurde er nicht beendet? Sollte sie erst tot umfallen? Anscheint ja. Neji erwischte sie. Hinata sackte hustend zu Boden und der Prüfer äußerte sich nun endlich mal. Doch womit niemand gerechnet hatte war, dass sie sich wider aufrappelte. Ebenso stand ich auf. Bereit dazu, im Notfall einzugreifen. Ich weiß zwar nicht was da zwischen ihnen vorgefallen war, aber es rechtfertigte keine Tötung. Denn dies hatte er vor. Er wollte Hinata vernichten. „Bruder Neji. Unter dem Schicksal und den Fesseln der Familie leidest du viel mehr als ich“, sprach sie und brachte das Fass zum überlaufen.
Doch bevor Neji zum Angriff ansetzen konnte, stand ich schon schützend vor Hinata. „Hast du was an den Ohren? Der Kampf ist beendet“, sagte ich an Neji gewandt. „Wie bitte?“, fragte er nach. „Du hast mich schon verstanden“, meinte ich nur und wandte mich Hinata zu. „Wie schlimm ist es?“, fragte ich freundlich und winkte die Sanitäter herbei. „Es geht schon“, sagte sie kleinlaut. „Neji, der Kampf ist vorbei!“, rief der Prüfer plötzlich. Im Bruchteil einer Sekunde hatte ich den Jungen am Kragen gepackt, ihn zu Boden geworfen und meine Faust nur wenige Millimeter neben seinen Kopf in den Boden gerammt. „Anscheint hast du doch was an den Ohren“, sagte ich mit unterdrückter Wut. „Wie dumm bist du eigentlich? Denk gefälligst vorher nach, bevor du handelst oder jemanden verurteilst.“ Wütend sah er mir entgegen und versuchte sich aus meinem Griff zu befreien.
Doch er schaffte es nicht. Hinter mir vernahm ich drei weitere Personen, die sich einmischen wollten. „Wer von euch ist sein Lehrer?“, wollte ich wissen. „Das bin ich, Gai. Ich-“ „Hast du alle deine Schüler so schlecht im Griff?“, unterbrach ich ihn. „Dieser Dummkopf hätte es beinahe geschafft Hinata zu töten… und vielleicht wird er es doch geschafft haben“, meinte ich. Im nächsten Augenblick bekam Hinata einen fürchterlichen Hustenanfall und spuckte einiges an Blut. Eine Frau begab sich umgehend zu ihr und die Sanitäter kamen auch endlich mal über. „Sie ist doch privilegiert“, zischte Neji unter mir. „Das hat mit Privilegien nichts zu tun. Würdest du Herzkrämpfe haben, würde man sich auch umgehend um dich kümmern“, motzte ich den Jungen an.
Endlich waren die Sanitäter da. „In diesem Zustand hat sie nur etwa zehn Minuten!“, rief einer der Ärzte aus. Von wegen. Ich würde die kleine nicht sterben lassen. Denk an meine Worte… Ansonsten wirst du erfahren, was es heißt privilegiert zu sein“, meinte ich an Neji gewandt und ließ ihn los. „Haltet sie fest. Sie muss ruhig liegen“, wies ich die Sanitäter an. „Halt dich-“ „Ich weiß genau, was ich tue“, fiel ich der schwarzhaarigen Frau ins Wort. Neben Hinata ließ ich mich nieder. Ich drückte einige Akupunkturpunkte, doch es geschah nicht sonderlich viel. Da half wohl nur noch Blut. Ich zückte einen Dolch hervor und schnitt mir damit in die Handfläche. „Was tust du denn da?!“, wurde ich von der Frau gefragt, die anscheint ihre Lehrerin war. „Sie mithilfe meines Blutes retten“, sagte ich ganz gelassen und drückte dem Mädchen meine Handfläche auf den Mund.
Es dauerte ein paar Sekunden, bis sich ihre Krämpfe endlich zu lösen begannen. Sie war nun transportfähig und ich überließ sie in die Obhut der Sanitäter. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie dieser Naruto sich mit Neji anlegen wollte. Er schwor ihm, dass er ihn besiegen würde. Wegen Hinata. Neji schien sich mit diesem Kampf äußerst unbeliebt gemacht zu haben. Schlurfend ging ich wieder nach oben und leckte mir das Blut von der Handfläche. Die Wunde begann bereits zu Heilen. „Hattest du dir nicht vorgenommen dich nicht in die Angelegenheiten anderer einzumischen?“, stichelte mich Jon, der neben mich getreten war und einen Arm um meine Schulter gelegt hatte. „Willst du deinen Arm behalten?“, fragte ich und schielte zu ihm hoch. Umgehend war er wieder verschwunden. „Ich dachte mir, es sei mal wieder an der Zeit gewesen freundlich zu sein“, beantwortete ich seine Frage und ging weiter
„Witzig, er kennt einfach kein Mass. Er ignoriert das Niveaugefälle komplett“, meine Kankuro. „Welches Gefälle?“, wollte ich wissen und blieb neben ihm stehen. Diese Frage ließ ihn nachdenklich werden. Doch schwirrte ihm auch noch etwas anderes im Kopf herum. Und dies betraf mit Sicherheit Gaara. Er wirkte innerlich angespannt. Das Blut ließ wohl den Dämon in seinem inneren aktiver werden. „Zügel dich Gaara. Gerät dein Kampf außer Kontrolle, geschieht mit dir das gleiche wie mit Neji“ , flüsterte ich Gaara zu, als ich an ihm vorbei kam. „Glaub mir, dass schaff ich schon“, fügte ich hinzu, als ich seinen abschätzenden Blick sah.
dich umzusehen- der Tag ist zu kurz selbstsüchtig zu sein.
…dich umzusehen- der Tag ist zu kurz selbstsüchtig zu sein.
Der nächste Kampf ließ nicht lange auf sich warten. Nun würden Gaara und Lee aus Konoha gegeneinander antreten. Ich war gespannt darauf, wie Gaara nun kämpfen würde. Ob er seinen Sand die Arbeit überließ oder ob er sich selbst bewegte. Vor allem war ich aber gespannt darauf, was Lee ihm entgegen zu setzen hatte. So wie ich es mitbekommen hatte, hatten die anderen Kinder hier eine ziemliche Angst vor Gaara. Selbst einige der Trainer trauten ihm nicht über den Weg. Was auch immer in ihm sein musste, es musste viel Schaden angerichtet haben.
„Möge der Kampf beginnen!“, sagte der Prüfer und brachte sich in Sicherheit. Gaara stand dort wie aus Stein, während der grüne Kampfanzug zum Angriff ansetzte. „Konoha senpu!“, sagte Lee und holte zu einem starken Tritt aus. Er traf allerdings nur eine Wand aus Sand. Er ließ also den Sand für sich die Arbeit machen. Anscheint nahm er seinen Gegner nicht ernst. Lee prallte am Sand ab und wurde einige Meter zurückgeschleudert. Wenige Sekunden später startete er einen weiteren Angriff. Immer so weiter, bis er sich auf die steinernen Hände zurückgezogen hatte.
„Lee, nimm das ab!“, rief Gai plötzlich. Ungläubig sah Lee ihn an. Ich war bestimmt eine der wenigen, die wussten was gemeint war. Kurz darauf hielt der Junge auch schon seine Gewichtsmanschetten in die Luft. Seine Schritte hatten ihn verraten. Sie klangen um einiges dunkler als die der anderen. „Pah, für Gaaras Sand… bleibt er immer noch zu langsam“, hörte ich Temari murmeln. „Abwarten meine Liebe“, meinte ich und gesellte mich zu ihr und ihrem Trainer. Lee ließ die Manschetten fallen und es gab einen riesigen Wums. Aus der gewaltigen Staubwolke sprang ein Schatten hervor und attackierte den Ninja aus Suna. Der Sand hatte alle Mühe das Tempo zu halten. Gaara wandte sich überrascht um. Mit solch einer Wendung hatte er wohl nicht gerechnet. Und erstrecht nicht damit, dass sein Gegner es tatsächlich schaffte an ihn heran zukommen.
„So, jetzt geht’s los“, meinte Lee und fixierte seinen Gegner. Wenige Augenblicke später griff er erneut an. Der kleine war tatsächlich schneller wie der Sand. Der Schutz von Gaara kam den Angriffen nicht hinterher, sodass Gaara einen Volltreffer einstecken musste. Doch ob es wirklich so klug war Gaara so zuzusetzen wusste ich nicht. Seine Aura veränderte sich. Der Sand hatte nun eine andere Form des Schutzes angenommen. Er hatte nun viel mehr Ähnlichkeit mit einer Rüstung. Um sein Geicht herum bröckelte diese und Gaara hatte einen leicht irren Blick. Seine Aura wollte mir immer weniger gefallen. „Das sieht gar nicht gut aus“, flüsterte Temari und selbst ihr Trainier wurde immer unruhiger. „Was geschieht mit Gaara?“, fragte ich, doch keiner der beiden wollte mir wirklich eine Antwort geben. „Was verbirgt sich in seinem inneren?“
Geschockt sahen mich die beiden an. „Woher…?“, wollte Temari wissen, sprach ihre Frage aber nicht aus. „Als ich ihm in die Augen gesehen hatte“, meinte ich und sah wieder zu dem Jungen herunter. Es hatte mir immer mehr den Anschein, als würde das Ding in seinem Inneren die Kontrolle übernehmen wollen. Sollte es ihm gelingen, so stand es ziemlich schlecht um Gaara. Gegenüber von uns konnte ich Kankuro und Naruto ausmachen, die sich zu unterhalten schienen. Ich ließ mein Gehör verbessern und lauschte unbemerkt deren Worte. „…bringt er jeden gnadenlos um“, hörte ich Kankuro sagen. Naruto schien entsetzt, ich hatte es bereits mit angesehen.
Gaara verlor sich immer mehr im Rausch des Kampfes. „Hey Chef… wirst du eingreifen, wenn die Sache aus dem Ruder läuft?“, fragte mich Colin leise und doch hatten es die beiden Suna Nin gehört. „Ja, ich hatte ihn gewarnt. Sollte er vorhaben zu töten, würde ich eingreifen“, antwortete ich und ignorierte die entsetzten Blicke um mich herum. „Das wäre dein Tod!“, mahnte Termarie und unterdrückte ihre Furcht. „Nein, so leicht sterbe ich schon nicht“, sagte ich lächelnd und schärfte meine Sinne. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis Gaara die Kontrolle verlieren würde.
Lee hatte den Verband um seine Hände gelockert und startete einen weiteren Angriff. Er erwischte Gaara und donnerte ihn in den Boden. Dort entstand ein kleiner Krater in dem Gaara leblos lag. Viele hielten den Kampf damit für beendet. Aber wenn man genau hinsah, sah man das es nur eine Hülle war, die zu bröseln begann. Der echte Gaara tauchte wenig später hinter Lee auf. Dieser hatte keine Zeit mehr zu reagieren und wurde mit einer riesigen Ladung Sand in die nächst beste Wand gepresst. „Lee! Der bringt dich um!“, rief das pinkhaarige Mädchen voller Angst. Schwerfällig rappelte sich der grüne Kampfanzug wieder auf. Er dachte wohl gar nicht daran aufzugeben.
„Du bist gleich fertig“, sagte Gaara. „Auf jeden Fall ist es gleich zu Ende“, meinte Lee und konzentrierte sich. Was hatte er denn nun vor? Auch seine Aura änderte sich. Sie wurde stärker. Erneut griff er an, was mich sehr wunderte. Sein Körper musste an sich höllisch schmerzen. Gaara erwischte es richtig, doch auch Lee erlitt durch was auch immer er da gerade getan hatte Schaden. Als er Gaara erneut ungespitzt in den Boden rammte, verließ ihn seine Kraft. Nun war ich in Alarmbereitschaft. Das Dunkle in Gaaras innerem wurde immer mächtiger. „Sab-“ Noch bevor Gaara das Wort zu Ende aussprechen konnte, stand ich schützend vor Lee und ließ meiner Wolfsaura freien Platz. Dies bewirkte, dass der Sand sich zurückzog. „Der Kampf ist beendet“, verkündete ich und fixierte Gaara mit meinem Blick. Dieser lag bewegungsunfähig am Boden. Gai tauchte aus dem nichts auf und kümmerte sich um seinen Schüler.
„Sanitäter!“, rief er, doch es würde ihn mit Sicherheit nicht gefallen, was sie zu sagen hatten. Lee hatte es ganz schön mitgenommen. Seine linke Hand und das Bein würde man kaum noch retten können. Es war zu viel auf muskulärer und nervlicher Ebene kaputt gegangen. Lee wurde auf einer Trage nach draußen getragen und ich lief auf Gaara zu. Sein Sand zog sich immer weiter vor mir zurück in seinen Behälter. Auch die Rüstung verschwand. „Ich sagte dir doch, dass ich fähig sei dich aufzuhalten“, sagte ich kühl und ging vor ihm in die Hocke. Der rothaarige wollte schon vor mir zurückweichen, doch packte ich ihm im Genick und hinderte ihn so daran von mir weg zu kommen. „Sieh mich an“, forderte ich ihn auf, aber er schloss lieber seine Augen. „Sieh. Mich. An!“, knurrte ich nun. Tatsächlich öffnete er wieder seine Augen und sah direkt in meine. Doch nicht nur er. Auch das Ding in seinem inneren sah mich an.
°Was hat man dir nur angetan, dass du so voller Hass bist und alles und jeden vernichten möchtest?°, fragte ich ihn per Telepartie. °Ich bin ein Monster. Abschaum. Ein Mörder°, antwortete er mir. °Ich verdiene es nicht geliebt zu werden.° Wer hatte ihm denn diesen Schwachsinn erzählt? Verständnislos sah ich ihn an. Er sah mich ebenfalls so an. °Wieso rettest du diesen Jungen?°, wollte er wissen und begann damit sich zu beruhigen. °Weil er den Tod nicht verdient hat und… weil ich dich davor gewarnt hatte so wie Neji zu handeln. Du kannst dir nicht alles Erlauben, auch wenn du die Mittel dazu hast°, erklärte ich ihm und ließ sein Genick los. Stattdessen nahm ich seine Hände und half ihm auf. „Lass uns nach Oben gehen Gaara. Der Kampf ist beendet“, sagte ich freundlich, nahm ihn an die Hand und ging mit ihm hinauf.
Mit großen Augen musterten uns die Suna Nin. Sie konnten es wohl nicht glauben, dass ich das Ding in seinem Inneren bändigen konnte oder aber, dass ich ihren gefürchteten Gaara bei der Hand nehmen konnte ohne Attackiert zu werden. In seinem Leben musste einiges schief gelaufen sein, wenn er so realitätsfern war. Warum sollte er es nicht verdient haben geliebt zu werden? Ein Gespräch unter vier Augen war bitter nötig. Auch würde ich noch einmal mit seinen Geschwistern und seinem Trainer sprechen müssen. Denn nun wusste ich, weshalb wir diesen Auftrag bekommen hatten: Gaara galt als Gefahr für die Allgemeinheit und sollte eliminiert werden. Aber ohne mich. Er war ein Kind, welches nie gewollt und akzeptiert wurde. Kein Wunder also, dass er irgendwann abgedreht war und seine Gefühle verkümmern ließ.
Die Aufruhr in der Arena legte sich. °Kann ich dich hier lassen, ohne das du etwas anstellst?°, fragte ich ihn. Er nickte lediglich. Ich ließ seine Hand los und gesellte mich zu den Brüdern. „Krisensitzung“, meinte ich nur und setzte mich. Die beiden taten es mir gleich. In einem ovalen Kreis saßen wir uns nun gegenüber. „Um was geht es?“, fragte Jon leise. °Um Gaara°, meinte ich und verlegte die Sitzung auf gedankliche Ebene. So gab es weniger Zuhörer. °Wenn dieser Prüfungsteil zu Ende ist, sucht ihr mir alle Informationen über Gaara heraus. Aber unauffällig! Ich will nicht, dass einer der außen stehenden davon etwas mitbekommt. Hab ich mich verständlich ausgedrückt?°, wollte ich wissen. Sie nickten als Zeichen dafür, dass sie verstanden hatten. °Der Auftrag ist von nun an ein anderer. Die Organisation wird bestimmt ein anderes Team schicken, um Gaara unschädlich zu machen. Wir werden ihn schützen. Eine Tötung Gaaras ist nicht von Nöten. Ich werde mich um ihn kümmern. Eure Aufgabe besteht einzig und allein darin Informationen zu sammeln und diese auszuwerten°, sagte ich und wieder nickten sie.
Ich wusste zwar genau, dass es den beiden ein wenig suspekt vorkam gegen den eindeutigen Befehl zu handeln. Doch schienen sie mehr Respekt vor mir zu haben, als vor der Organisation selbst. Sie wussten genau, dass ich sie überall auf der Welt ausfindig machen konnte. Ich war immerhin nicht umsonst so lange als Jägerin tätig. Neben mir gab es nur wenige, die es geschafft hatten mehr als fünf Jahre aktiv zu sein. Die meisten waren nur für wenige Monate im aktiven Dienst und verzogen sich dann für ein paar Jahre an den Schreibtisch, bevor sie, wenn überhaupt, wieder aktiv wurden. Der Job als Jäger war alles andere als einfach. Die Sterberate bei uns war ziemlich hoch.
Der letzte Kampf hatte nun auch begonnen und ich war mir ziemlich sicher, dass die Mumie gewinnen würde. Es dauerte auch nicht lange und der Sieger stand fest: die Mumie. „Der Ausscheidungskampf für die dritte Prüfung ist damit beendet!“, teilte uns der Richter mit. Der Hokage erklärte uns das weitere vorgehen. Wir hatten also einen ganzen Monat Zeit uns auf den nächsten Kampf vorzubereiten. Jeder durfte ein Los ziehen auf dem eine Zahl stand. Anschließend wurde der Tunierplan präsentiert. Colin würde also gegen die Mumie antreten und Jon hatte das große Los gezogen. Er durfte gegen mich antreten. Er zog ein langes Gesicht und war sich seiner Niederlage wohl bewusst. Wir wurden nach kurzer Erklärung entlassen und machten uns auf den Weg zurück zum Dorf.
...zu lesen- das ist die Grundlage der Weisheit.
… zu lesen - das ist die Grundlage der Weisheit.
Der Hokage war so freundlich gewesen, uns drei eine Wohnung zur Verfügung zu stellen. Die Wohnung war zwar nicht sonderlich groß, doch war es gemütlich und wir waren schließlich nicht hier, um Urlaub zu machen. Wir waren hier zum kämpfen. „Und zum töten“, fügte ich hinzu, „so zumindest die Theorie…“ Seit einer Woche lag ich nun faul auf dem Sofa herum. Colin und Jon hatte ich gleich nach der Prüfung losgeschickt, um Informationen zu sammeln. Die beiden ließen sich ordentlich Zeit. Wenn sie wieder hier sind, werd ich wohl noch einmal mit ihnen reden müssen.
Bevor ich hier noch Wurzeln schlug, ging ich endlich mal wieder trainieren. Nachdem ich mich fertig umgezogen hatte, machte ich mich auf zu einem Trainingsplatz. Ich könnte mal wieder etwas für meine Ausdauer machen. Somit suchte ich eine schöne Bahn und setzte mich in Bewegung. Es dauerte nicht lange, ich hatte kaum drei Runden hinter mir, da war ich nicht mehr allein. Kankuro trabte neben mir her. „Kann ich kurz mit dir sprechen?“, fragte er mich. Etwas in seiner Stimme und seiner Ausstrahlung verriet mir, dass es wichtig war. Demnach lief ich und setzte mich auf eine Bank. Kankuro nahm neben mir platz, allerdings schwieg er. Er schien nicht genau zu wissen, wie er das Gespräch beginnen sollte.
„Es geht um Gaara, stimmt’ s?“, fragte ich deswegen. „Ja… und um dich. Wir haben noch nie gesehen, wie Gaara…“, sprach er und suchte nach den richtigen Worten, „wie Gaara sich zurück zog. Wie er es zuließ, dass jemand ihn berührte. Wie hast du das geschafft? Wie hast du das Monster… den Dämon in ihm bändigen können?“ Berechtigte Fragen. „Die meisten deiner Fragen lassen sich mit einem Satz beantworten: Ich bin das größere Monster“, grinste ich ihn an. Fragend blickte mich der Bemalte an. Jedoch ging ich nicht weiter darauf ein. „Durch Vertrauen, Offenheit und Freundlichkeit. Ich gab ihm nie das Gefühl, dass seine Gegenwart, seine bloße Existenz, etwas schlechtes oder gar falsches sei. Ich habe keine Angst vor ihm. Geschweige denn fühle ich mich in seiner Gegenwart unwohl. Daran könnte es liegen“, versuchte ich auch seine zweite Frage zu beantworten.
Das Gehörte musste der Suna Nin erst einmal verarbeiten. „Wie kam es dazu, dass Gaara so geworden ist?“, wollte ich wissen und brach das entstandene Schweigen. „Das musst du ihn selbst fragen“, wich Kankuro mir aus und erhob sich. „Danke für das Gespräch“, verabschiedete er sich und verschwand einfach. Leicht irritiert über dieses Verhalten sah ich ihm nach. Kopfschüttelnd stand ich auf und setzte mein begonnenes Training fort. Runde um Runde lief ich gemütlich herum. Doch nach einer Weile wurde es mir zu langweilig. Somit verlagerte ich mein Lauftraining in den angrenzenden Wald des Dorfes. Dazu musste ich durch die Stadt laufen. Die Menschen ignorierend trabte ich munter weiter, bis mich die nächste Person ansprach. Es war Gai, der Trainier von Neji und Lee. „Luna, darf ich mich anschließen?“, fragte er und lief schon neben mir her. „Was gibt es?“, fragte ich und achtete weiter auf den Weg. „Ich möchte mich bei dir bedanken. Die Ärzte sagten mir, dass es noch schlimmer um meinen Schüler gestanden hätte, wenn er einem weiteren Angriff ausgesetzt wäre. Wenn ich…“, brach er ab und schien wütend auf sich selbst zu sein. Er gab sich wohl die Schuld daran, dass Lee nun im Krankenhaus lag und so schwer Verletzt war. „Du kannst nichts dafür. Es geschah jetzt. Es hätte auch in einem Monat oder einem halben Jahr geschehen können. Das bringt der Beruf eines Soldaten nun mal mit sich“, meinte ich und blickte zur Seite. „In welchem Zimmer lieg Lee?“
Verwundert erwiderte Gai meinen Blick. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. „Im Zimmer 264“, teilte er mir mit. Bis zum Waldrand begleitete er mich noch. Danach trennten sich unsere Wege wieder. Gai hatte mir währenddessen etwas über Lee erzählt. Er schien wohl nichts anderes zu haben, als das Leben eines Ninja. Auch wenn ihm hier zwei der drei Künste verwehrt waren. Ich würde dem Jungen auf jeden Fall einen Besuch abstatten. Womöglich noch heute am späten Nachmittag. Colin und Jon waren noch nicht in der Gegend. Da konnte ich auch einen Tag mal Besuche abstatten.
Nachdem ich mein Training beendet hatte, verschwand ich im Bad und machte mich dort fertig für den Krankenhausbesuch. Bevor es schließlich los ging, aß ich noch eine Kleinigkeit und hinterließ einen Zettel auf dem Küchentisch. Falls die Brüder doch noch heut zurück kommen sollten, wollte ich das sie wissen wo ich war. Somit machte ich mich auf dem Weg ins Krankenhaus. Unterwegs vermied ich es mit Menschen in Kontakt zu treten. Viele gingen mir glücklicher Weise aus dem Weg. Es schien mir so, als hätte man von meiner Person und dem aus der Prüfung gehört…
Ich wollte gerade das Gebäude betreten, als ich einen aufgebrachten Ruf hörte. Er schien aus dem Garten des Hauses zu kommen. „Lee, hör sofort auf damit!“, ertönte die Stimme erneut. In wenigen Sekunden war ich dort und wollte meinen Augen nicht so recht trauen. Da machte dieser Junge doch tatsächlich Liegestützen, obwohl er das Bett hüten sollte. „Lassen sie mich in Ruhe!“, flaumte er nur. Er sah gar nicht gut aus. Sein Körper war noch lange nicht so weit. „Hey Ninja“, sagte ich und machte auf mich aufmerksam. „Ich bin nicht dazwischen gesprungen, damit du dich jetzt umbringen kannst.“ Schwach richtete er seinen Blick auf mich und bekam große Augen. Dann wurde er wider ernst. „Ich muss trainieren… Ich muss stärker werden“, murmelte er und machte weiter. „Falsch. Du musst genesen, sonst wirst du nie mehr so arbeiten können, wie du es bisher getan hast Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung“, meinte ich und setzte mich neben Lee.
Der junge Ninja stoppte in seinem Tun und sah mich wieder an. „Du bist dazwischen gegangen?“, fragte er mich mit müdem Blick. Ich nickte bloß als Antwort. Man sah ihm an, dass er gleich wegkippen würde. „Ruh dich aus“, meinte ich und fing den Jungen auf, als er ohnmächtig wurde. „Passen sie auf ihn auf, ich hol eine Trage“, meinte die Krankenschwester, doch ich winkte ab. „Ich trag den Jungen“, sagte ich ihr und legte Lee auf meine Arme. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie mich ein pinkhaariges und blondes Mädchen beobachtete. Die zwei standen schon länger dort, hatten allerdings geschwiegen. Sie waren auch bei der Prüfung, wenn ich mich richtig erinnerte. „Seid ihr Freunde von Lee?“, fragte ich und ging auf sie zu. Schüchtern nickten beide. „Dann folgt mir bitte“, forderte ich beide auf und sie folgten.
Im Zimmer des grünen Kampfanzuges legte ich den Jungen vorsichtig ins Bett. Sakura und Ino, so hießen die zwei, standen unschlüssig neben dem Bett. „Ich möchte euch darum bitten, Lee des öffteren zu besuchen und ihn davon zu überzeugen, dass er nicht trainieren darf, solange es ihm die Ärzte untersagen“, bat ich die beiden. Ich weiß nicht wieso, aber das Schicksal des Jungen hing mir irgendwie am Herzen. „N-natürlich“, antworteten mir beide und sahen betroffen zu Lee, der nun schlief. Sakura organisierte sich eine Vase und stellte diese mit Blume auf den Nachttisch. Ich wollte das Zimmer schon verlassen, als mich eine Stimme aufhielt. „Luna… warum interessierst du dich für Lee?“, fragte Sakura. Ich wandte mich wieder um. „Er hat eine interessante Persönlichkeit“, meinte ich und ging nun endgültig aus dem Zimmer.
Gegen Abend kam ich wieder bei der Wohnung an. Dem Lärm nach zu Urteilen, waren die beiden Chaoten wieder im Lande. Lautlos betrat ich die Wohnung und konnte nur mit dem Kopf schütteln. Sie hatten es geschafft ein riesiges Chaos anzurichten und den Kühlschrank komplett zu lehren. „Ihr habt euch aber Zeit gelassen. Was war da los? Habt ihr euch verlaufen?“, fragte ich urplötzlich. Vor lauter Schreck fielen die beiden vom Sofa und sahen mich entgeistert an. „Luna! Erschreck uns doch nicht so!“, sagte Colin, der einem Herzinfarkt nahe war. Ich konnte nur breit grinsen. „Habt ihr das, was ihr organisieren solltet?“, fragte ich nun. Die beiden nickten und richteten sich wieder auf. Jon holte eine einzige Akte hervor und überreichte sie mir.
Mit hochgezogener Augenbraue betrachtete ich die schmale Akte. „Das soll alles sein? Mehr habt ihr nicht herausgefunden?“, wollte ich wissen und öffnete skeptisch die Akte. Sie bestand aus ganzen drei Seiten, die nicht ganz beschriftet waren und Lücken aufwiesen. Neugierig begann ich zu lesen. In Gaara war also Shukaku gefangen, ein einschwänziger Maderhund. Man verbannte ihn in Gaaras Körper, als dieser geboren wurde. Der kleine Junge konnte allerdings nicht mit der Kraft des Bijuu umgehen und tötete unabsichtlich immer wieder. Als er schließlich sechs Jahre alt war, wurde er als Bedrohung des Dorfes angesehen. Man setzte Attentäter auf ihn an, die allerdings jedes mal versagten.
Gaara wusch abgeschnitten von jeder Bindung auf. Kannte keine Liebe, Freundschaft geschweige denn das Gefühl erwünscht zu sein. Er war isoliert, von allen gehasst und verstand den Grund dafür nicht. Kein Wunder also, dass er sich emotional immer weiter abschottete. Nachdem ich mir diese drei Seiten nun des öffteren durchgelesen hatte, legte ich die Akte beiseite. „Wie seid ihr an die Informationen gelangt?“, fragte ich nun. „Zuerst haben wir im Dorf ein paar Fragen gestellt. Doch sind die meisten Menschen gleich geflohen, als wir auch nur den Namen Gaara erwähnten. Somit haben wir uns in eines der Lager geschlichen und Akten durchkämt“, meinte Jon. Man hatte also selbst vor seinem Namen Angst. Gut zu wissen. „Hat man euch beschatten lassen?“, war meine nächste Frage. Ich hatte wenig Lust darauf, mich hier mit irgend jemanden in die Wolle zu bekommen. „Nein, wir sind unentdeckt geblieben“, versicherte mir Colin.
Den Rest des Abends plauderten wir noch ein wenig. Die beiden würden sich in den nächsten Tagen nun auf die Prüfung vorbereiten, während ich Gaara im Auge behielt und noch einmal das Gespräch mit Lee suchen würde. Erneut nahm ich mir die Akte zur Hand. Sie gab zwar wenig Text wieder, doch konnte man sehr viel zwischen den Zeilen lesen. Eines wollte mir aber nicht in den Kopf gehen. Wie konnte man seinem eigenen Kind, eher gesagt allgemein einem Kind, so etwas zumuten? Und ihn dann auch noch wie Abschaum behandeln, da das Experiment angeblich gescheitert war? Ich verstand es nicht. Ich war der Meinung, dass man die ganzen Toten hätte vermeiden können, wenn man dem Jungen geholfen hätte mit dem Dämon in seinem Inneren umzugehen.
Da musste ich an meine Kindheit denken. Damals hatte ich mich vor jedem Vollmond gefürchtet. Jedes mal lag ich ängstlich tief im Wald, da ich es einfach nicht verstanden hatte. Ich wurde als Wolf geboren und hatte meine erste Wandlung mit fünf. Meine Eltern hatten keine Ahnung, da ihre Generation anscheint übersprungen wurde. Per Zufall fand mich ein Rudel, welches mir half damit umzugehen. Wenige Jahre später war ich nicht mehr an den Mond gebunden und hatte mein zweites Ich völlig unter Kontrolle. Ich trat der Organisation bei und bekämpfte nun all das Übel, welches Offiziell gar nicht existierte. Seufzend legte ich die Akte wieder beiseite und schleppte mich in mein Zimmer. Es war an der Zeit schlafen zu gehen. In knapp drei Wochen würde die Prüfung beginnen. Bis dahin wollte ich die Brüder voran bringen und Kontakt zur Organisation aufnehmen. Es war an der Zeit, dass sie von der kleinen Planänderung erfuhren. Ebenso würde ich ihnen mitteilen, dass sie kein anderes Team zu schicken hatten. Es sei denn, sie wollten deren Tod…