Ankunft
Ein ruhiger Wind wehte über das Deck der Thousand Sunny. Ruffys Crew war endlich nach zwei langen Jahren wieder vereint. Der Strohhutjunge saß auf dem großen Löwenkopf des Schiffes. Lächelnd hielt er seinen Hut fest, damit er durch den aufkommenden Wind nicht weg flog und blickte auf die weiten des Meeres hinaus. Die restliche Crew ging ihren eigenen Beschäftigungen nach. Alles schien normal zu sein, nichts ließ darauf schließen, dass bald etwas passieren würde.
Im Frauenzimmer saß die orangehaarige Frau konzentriert am Schreibtisch und zeichnete an ihrer Seekarte, als sie plötzlich zusammen zuckte und reflexartig aus dem Fenster schaute. Eine kleine Welle jagte durch ihren Körper und ihr Blick veränderte sich schlagartig.
»Ein Sturm kommt auf«, flüsterte sie und rannte aus dem Zimmer. An Deck angekommen, stieß sie ihre Hände mit einem lauten Knall auf die Reling.
»Alle auf Position! Wir bekommen einen Sturm!«, schrie die junge Frau. Sofort sprangen alle auf ihre Positionen, denn sie wussten, dass sie der Navigatorin der Strohhutpiratenbande vertrauen konnten. Bisher hatte sie immer richtig gelegen mit ihren Vorhersagen eines Sturms.
Die Thousand Sunny änderte seinen Kurs gerade noch richtig, denn einige Sekunden später entstand ein gewaltiger Zyklon über der Stelle, an denen die Strohhutpiraten gerade noch ruhig vor sich her segelten.
»Wow! Wie cool!«, riefen Ruffy und Lysop begeistert.
Nami hielt sich genervt eine Hand an ihren Kopf.
‚Immer noch die Kinder wie damals‘, dachte die Orangehaarige. Sie verstand die beiden immer weniger. In den letzten zwei Jahren hatte sie gehofft, dass die beiden erwachsen geworden waren, doch durch solche Aktionen wurde ihre Hoffnung jedes Mal aufs Neue zunichte gemacht. Seufzend schloss sie kurz ihre Augen.
»Alles okay, Frau Navigatorin?«, hörte sie Robins Stimme.
Ihr Blick glitt nach unten an Deck, auf dem Robin nun auf der Liege saß und zu ihr nach oben schaute.
»Ja, alles in Ordnung. Danke, Robin«, sagte sie und begab sich in die Küche. Die Orangehaarige setzte sich auf ihren Platz, als auch schon Sanji mit einem leckeren Cocktail zu ihr kam und diesen vor ihr abstellte.
»Für meine Nami-Maus nur das Beste«, sagte er mit Herzchenaugen.
Die junge Frau schenkte ihm ein sanftes Lächeln, woraufhin der Koch wieder zu seinem Herd verschwand.
Im nächsten Moment betrat die schwarzhaarige die Küche und setzte sich zu Nami. Lächelnd blickte sie zur Orangehaarigen.
»Wann erreichen wir die nächste Insel?«, fragte Robin.
»Die nächste Insel werden wir in den nächsten zwei Stunden erreichen. Es wird wohl eine Sommerinsel sein, denn draußen wird es langsam immer heißer«, erwiderte die Navigatorin.
»Das ist doch super.«
Zwei Stunden waren wie im Flug vergangen. Nami hatte sich wieder in ihrem Zimmer begeben und an ihrer Seekarte weiter gezeichnet, als sie Lsyops laute Stimme hörte: »Land in Sicht!«
Die junge Frau streckte sich kurz und legte ihre Karte ordentlich weg, damit ihr nichts passierte und trat an Deck.
Die Temperaturen waren um einiges gestiegen, doch das störte die Orangehaarige nicht im Geringsten.
»Macht euch fertig, Jungs! Wir legen an!«, sagte Nami und stieg die Treppen hinab, um auf das Deck zu gelangen. Bereits vom Schiff aus, schaute sich die junge Frau die Insel etwas genauer an.
‚Die Insel scheint unbewohnt zu sein‘, dachte sie und drehte sich zu ihren Freunden um.
»Ich schlage vor, wir teilen uns in Gruppen auf«, kam es von ihr. Die anderen stimmten ihr zu. Robin bereitete Streichhölzer vor.
Nachdem jeder ein Streichholz gezogen hatte, stand die Gruppierung fest.
»Super! Franky, Zorro und Lysop, ihr schaut euch nach Materialien um, die wir fürs Schiff benötigen können. Robin, Chopper und Sanji schauen sich nach etwas Essbaren um, Brook bewacht das Schiff und Ruffy wird mit mir die Insel ausmessen gehen«, sagte die junge Frau.
Schmollend stand Ruffy neben ihr. »Aber ich will mit den anderen mit!«
Kurzerhand verpasste sie ihm eine Kopfnuss. Zufrieden verließ sie mit dem Strohhutträger das Schiff und hielt auf den Waldeingang zu.
»Dir wird schon nicht langweilig werden, Ruffy«, kam es von Nami.
Ruffy lief lachend an ihr vorbei und rannte tiefer in den Wald. Seufzend hielt sich die Navigatorin die Hand an den Kopf.
‚Er wird sich nie ändern‘, dachte sie und folgte ihm in den dichten Wald.
Trennung
Die junge Frau beschleunigte ihre Schritte, um den Vorsprung um einiges zu verringern, den der Strohhutträger bereits vorgelegt hatte. Sie kämpfte sich durch zahlreiche Äste, die ihr den Weg erschwerten. Immer wieder trafen sie einige Äste an Armen oder Beinen und hinterließen kleine Schnittwunden auf ihrer Haut. Die Orangehaarige stöhnte genervt auf und lief nun nochmal schneller, da sie das Ende des Waldes bereits sah. Ruffy war allerdings seit einigen Minuten weder zu sehen, noch zu hören gewesen.
Als die Navigatorin sich durch das Gebüsch gekämpft hatte, sah sie den Schwarzhaarigen an einer Klippe stehen. Dieser hielt mit der rechten Hand seinen geliebten Strohhut fest und schaute auf die weiten des Meeres hinaus. Nami musste bei dem Anblick leicht lächeln und trat neben den jungen Mann. Eine leichte Brise wehte ihr durchs Haar, woraufhin die Orangehaarige sich eine ihrer langen Strähnen hinters Ohr strich und ihren Blick ebenfalls auf das Meer richtete. Eine Weile lang standen die beiden einfach so da, ohne ein Wort zu sagen. Die beiden verstanden sich auch ohne Worte.
»Ich bin froh, dass du wieder bei mir bist«, begann der Schwarzhaarige aus heiterem Himmel zu sprechen. Nami blickte ihn fragend an, doch seine Aussage traf sie mitten ins Herz. Eine wohlige Wärme hatte sich in ihrem Körper breit gemacht.
»Ich dachte wirklich, ich sehe dich und die anderen nie mehr wieder. Damals ist für mich eine Welt zusammen gebrochen, als wir plötzlich alle voneinander getrennt waren«, flüsterte er und ballte unbewusst seine Hände zu Fäusten. Sein Blick wurde ernster. Die Navigatorin beschloss, erst einmal nichts zu sagen und ihrem Kapitän aufmerksam zuzuhören.
»Ich will nicht noch eine wichtige Person in meinem Leben verlieren«, hauchte er und schloss kurz seine Augen.
Die Orangehaarige weitete ihre Augen. Wusste sie doch sofort, von wem er sprach. Sie biss sich kurz auf ihre Unterlippe und griff nach der geballten Faust. Der Schwarzhaarige zuckte kurz zusammen, als er ihre Berührung auf seiner Haut wahrnahm. Fragend blickte er in braune Augen.
»Wir werden nie wieder voneinander getrennt sein, Ruffy. Das verspreche ich dir…«, flüsterte die junge Frau und legte ihre Hand auf seine Wange. Ihre andere umklammerte noch etwas stärker seine Faust, die sich Sekunde um Sekunde mehr lockerte. Schließlich umfasste der junge Mann ihre Finger und lehnte seine Stirn gegen die der Orangehaarigen. Sein typisches Grinsen schlich sich auf seine Lippen, ehe er ihr mit einem Ruck seinen geliebten Strohhut auf den Kopf setzte und sich etwas von ihr löste.
»Danke, Nami. Das bedeutet mir wirklich sehr viel«, sagte er.
Das Herz der jungen Frau schlug ungewohnt schnell gegen ihre Brust. Die Hand, die vorher auf Ruffys Wange ihren Platz gefunden hatte, legte sie vorsichtig auf den Strohhut, da ein weiterer Windstoß kam und drohte, den Strohhut hinfort zu wehen. Sie wusste genau, wie wertvoll ihm dieser war. Umso mehr ehrte sie es, dass sie bisher die einzige war, die ihn bei sich haben durfte. Sei es während Kämpfen oder wenn sie ihn wieder reparieren musste. In den letzten Jahren hatte der alte Hut schon sehr viel mitgemacht. Der vertraute Moment der Beiden endete jedoch abrupt, als sie einen lauten Knall hörten und ruckartig auseinander sprangen. Nami blickte sich in der näheren Umgebung um, doch konnte sie nicht feststellen, von wo aus das Geräusch gekommen war.
»Was war das?«, fragte die Orangehaarige.
»Ich habe keine Ahnung. Lass uns am besten nachsehen!«, antwortete er.
Nickend wollte sich die junge Frau in Bewegung setzen, wurde jedoch von dem Schwarzhaarigen aufgehalten, als er sie an sich drückte und einen seiner Arme dehnte, der sich an einem der Äste festhielt und die beiden an den höchsten Punkt des Baumes katapultierten.
Der erschrockene Schrei der Navigatorin hallte durch den Wald. Ängstlich hatte die junge Frau sich an ihren Kapitän geklammert und ihre Augen geschlossen. Grinsend blickte der Schwarzhaarige auf seine Navigatorin hinab.
»Du brauchst keine Angst zu haben. Ich beschütze dich, das weißt du doch«, kam es leise lachend von diesem.
Nami öffnete langsam ihre Augen, hielt sich jedoch noch immer etwas krampfhaft an ihm fest, damit sie nicht nach unten stürzte. Nun suchten ihre Augen die komplette Insel ab, doch sie konnte noch immer nicht herausfinden, um was für ein Geräusch es sich gehandelt haben könnte. Plötzlich weiteten sich ihre braunen Augen entsetzt.
»R-Ruffy…«
Besorgt blickte der Schwarzhaarige seine Navigatorin an.
»Was ist denn, Nami?«
»Die Thousand Sunny… Sie ist weg!«
*
Währenddessen hatte sich die restliche Crew bereits wieder am Schiff versammelt. Sie hatten ihre aufgetragenen Aufgaben bereits erledigt und warteten nur noch auf den Kapitän und die Navigatorin. Sanji hatte das Essen bereits in der Vorratskammer verstaut und bereitete nun das Abendessen für die Crew vor.
Lysop saß im Krähennest und beobachtete die Umgebung, als er plötzlich laut los schrie. Fragend blickte der Schwertkämpfer zu seinem Freund.
»Was ist los, Lysop?«
»Die Marine!!«
Im nächsten Moment hörte man einen lauten Knall, ein darauffolgendes Zischen und plötzlich kamen drei Kanonenkugeln auf die Thousand Sunny zu geflogen.
»Verdammter Mist!«, fluchte Zorro, der sofort seine Schwerter zückte und zwei der Kugeln in jeweils zwei Hälften teilte, die hinter der Sunny ins Meer fielen und explodierten. Die dritte Kugel hatte Franky abgewehrt und war im nächsten Moment zum Steuer gerannt.
»Wir müssen hier weg, bevor wir noch getroffen werden!«, schrie er.
»Aber Ruffy und Nami sind noch nicht da!«, kam es von Chopper. Robin legte dem kleinen Elch eine Hand auf die Schulter.
»Die Beiden kommen gut alleine zu recht. Wir müssen erst einmal die Marine hier weglocken und dann kommen wir zurück. Sie dürfen nicht merken, dass noch zwei von uns auf der Insel sind«, kam es beruhigend von der Archäologin.
Also setzten die Strohhüte die Segel und versuchten die Marine vorerst abzuhängen…
*
Ruffys Grinsen verschwand schlagartig. Panisch drehte er sich um seine eigene Achse und suchte mit seinen Augen die Insel ab, doch Nami hatte Recht: Die Thousand Sunny war weg.
»Wir müssen nachsehen, wo die anderen sind!«, sagte er aufgeregt, nahm die junge Frau auf seine Arme und sprang ohne Vorwarnung den Baum hinunter.
Als er am Boden angekommen war, rannte er durch den Wald zu der Stelle, an der die Sunny vor Anker gegangen war, doch von dem Schiff war keine Spur mehr zu sehen. Außer Atem setzte er die Orangehaarige ab und rannte ans Meer. Die junge Frau blieb wie angewurzelt an Ort und Stelle stehen. Sie konnte sich einfach keinen Reim daraus machen, wo die Sunny und ihre Freunde geblieben waren. Als sie durch den Wald gelaufen waren, hatten sie keinen ihrer Freunde ausfindig machen können und sie bezweifelte, dass sich noch einer von ihnen auf der Insel befand. Höchstens Zorro, der sich mal wieder verlaufen hätte.
‚Zorro!‘, schoss es ihr durch den Kopf.
»Ruffy, komm mit! Vielleicht finden wir Zorro noch irgendwo!«, rief die Navigatorin dem Schwarzhaarigen zu.
Die Aussage von ihr ließ ihn neue Hoffnung schöpfen. Vielleicht hatte sie Recht! Sofort rannte Ruffy wieder auf seine Navigatorin zu, packte sie sich auf seinen Rücken und suchte die komplette Insel nach Zorro ab. Als sie einige Zeit später wieder an dem Punkt ankamen, an dem die Sunny das letzte Mal gesichtet wurde, lag pure Verzweiflung in den Gesichtern der beiden Crewmitglieder.
Nami rutschte von seinem Rücken runter und kämpfte mit den Tränen. Krampfhaft hielt sie sich an dem Strohhut fest und ließ nun ihren Tränen freien Laufen. Voller Wut war der Schwarzhaarige auf den Strand gestürmt und schlug auf einen großen Felsen ein, der mehr und mehr in tausende Teile zersplitterte.
»Ruffy…«, flüsterte die junge Frau verzweifelt und sackte auf den Boden. Ihre Tränen brannten in ihren Augen, den Strohhut hielt sie fest an ihre Brust gedrückt.
‚Was sollen wir denn jetzt tun?!‘, dachte sie und blickte zu dem jungen Mann, der inzwischen am Boden kniete und seinen Blick aufs Meer gerichtet hatte.
»WO SEID IHR, LEUTE?!«, schrie er völlig verzweifelt und lehnte seinen Kopf gegen den Boden.
Zusammenhalt
Nachdenklich stand die Schwarzhaarige an der Reling der Thousand Sunny. Die Marine hatten sie ohne Probleme abhängen können, doch nun befanden sie sich zu weit von der Insel weg. Franky hatte sich bereits daran gemacht, den Kurs wieder auf die Insel zu legen, doch das war leichter gesagt, als getan. Ohne einen Logport, der auf diese Insel zeigte, würde es schwer werden, diese wieder zu finden.
Seufzend schloss sie ihre Augen, als sie eine starke Hand auf ihrer Schulter spürte. Erschrocken öffnete sie diese wieder, als sie Zorro neben sich erblickte.
»Machst du dir Sorgen?«, fragte er nach.
Nickend blickte die Archäologin wieder auf das Meer hinaus. Zorro lehnte sich gegen die Reling und blickte sie an.
»Mach dir keine Sorgen. Wir finden die zwei wieder.«
Der Schwertkämpfer hatte großes Vertrauen in seinen Kapitän. Er wusste, dass dieser im Notfall auch alleine klar kommen würde. Das hatte er ihnen allen vor zwei Jahren bewiesen.
*
Ihre Tränen versiegten allmählich, ihr Körper zitterte und ihre geröteten Augen brannten höllisch. Noch immer lag ihr Blick auf dem jungen Mann, der noch immer auf dem Boden kauerte. Sie wusste nicht, wie viel Zeit inzwischen vergangen war, aber es kam ihr vor, wie eine halbe Ewigkeit. Gänsehaut hatte sich auf ihrem Körper breit gemacht, als sie sich langsam erhob und auf ihren Kapitän zu lief. Ihre Beine fühlten sich schwer an, jeder weitere Schritt verstärkte nur das Gefühl. Je näher sie Ruffy kam, umso mehr stiegen ihr wieder Tränen in die Augen. Wie sollte das alles nur weiter gehen?
Als sie bei dem Schwarzhaarigen angekommen war, legte sie ihm vorsichtig seinen Strohhut auf den Kopf, woraufhin dieser ruckartig aus seiner Starre gerissen wurde und seine Augen auf ihre trafen.
»Nami…«
Die junge Navigatorin schmiss sich einfach in die Arme des Schwarzhaarigen. Ihre Hände klammerten sich in sein Hemd, ihre Tränen rollten unaufhörlich ihre Wangen hinunter. Im ersten Moment riss Ruffy seine schwarzen Augen geschockt auf, doch diese schloss er einige Sekunden später, legte seine linke Hand an den Hinterkopf der Orangehaarigen und drückte diese näher an sich.
»Was sollen wir denn jetzt tun?«, hörte er ihre Stimme, die immer wieder durch einige Schluchzer unterbrochen wurde. Der junge Mann atmete einmal hörbar aus, öffnete seine Augen und legte seine Arme um den zierlichen Körper der jungen Frau. Er spürte, dass ihr Körper eiskalt war, obwohl es auf dieser Insel ziemlich warm war.
»Es wird alles gut werden, Nami. Wir schaffen alles, wenn wir nur zusammen halten«, sagte er entschlossen, schob sie etwas von sich, um ihr in die Augen sehen zu können. »Wir dürfen uns jetzt nicht aufgeben!«
Nami schluckte hart. Sie hätte niemals gedacht, dass Ruffy in solch einer Situation einen solch kühlen Kopf bewahren würde. In den letzten zwei Jahren hatte er sich wirklich weiter entwickelt und das brachte die junge Frau leicht zum Lächeln.
»Danke, Ruffy.«
Sie wischte sich ihre Tränen weg und schaute ihm entschlossen in die Augen. Ein sanftes Lächeln lag auf ihren Lippen.
»Du hast Recht. Solange wir zusammen halten, können wir alles schaffen«, sagte sie.
Nickend setzte der Schwarzhaarige wieder sein Grinsen auf. »Genau so will ich das hören!«
Am späten Nachmittag hatte Nami damit begonnen die Insel auszumessen. Ruffy hatte sie darum gebeten, etwas zu Essen aufzutreiben. Sie konnte sich allerdings kaum auf ihre Arbeit konzentrieren, da ihre Gedanken immer wieder zu ihrem Kapitän schweiften. Schon lange hegte sie heimliche Gefühle für diesen. Als sie damals davon erfuhr, dass Ace hingerichtet werden sollte, hatte sie alles daran gesetzt, Ruffy zu helfen. Doch es war damals besser gewesen, auf der Wetterinsel zu bleiben und stärker zu werden. Sie wusste, dass der Schwarzhaarige genug Mut und Kraft besaß, dass er das alleine überstehen konnte.
Nachdenklich fuhr sie sich durch ihre Haare. Sie war froh darüber, dass die Crew wieder vereint war. Ihr erstes aufeinandertreffen nach zwei Jahren war verrückt gewesen. Als sie ihren Kapitän wieder vor sich hatte, schlug ihr Herz bis ins unermessliche. Seine strahlenden Augen hatten ihr damals die Augen geöffnet.
Seufzend schüttelte sie ihren Kopf, um wieder klare Gedanken zu bekommen. Sie machte sich wieder an die Arbeit, um genug Daten zu sammeln, damit sie ihre Karte zeichnen konnte.
Als die Orangehaarige am Abend fertig war und sich zu dem Anlegeplatz der Thousand Sunny begab, sah sie von weitem Ruffy im Sand sitzen. Neben sich hatte er reichlich Obst und Fisch liegen. Außerdem hatte er noch Holz gesucht, um den Fisch braten zu können. Mit einem Lächeln auf ihren Lippen ging sie langsam auf den jungen Mann zu.
»Du hast ja ziemlich viel Essen gefunden«, sagte Nami und deutete dabei auf den Haufen neben sich.
Grinsend blickte Ruffy sie an. »Ja, aber leider habe ich kein Lagerfeuer hinbekommen, sonst hätte ich schon etwas fertig haben können.«
Verblüfft über seine Worte musste sie leicht grinsen. »Mit dem Feuer ist dann wohl mein Part«, grinste sie weiterhin und zückte ihren Klimataktstock.
»Fireball!« Eine kleine, rote Kugel entstand und flog direkt auf das bereitgelegte Holz zu, woraufhin dieses immer größer wurde. Noch immer grinsend steckte sie ihre Waffe wieder weg und setzte sich an das warme Feuer. Seitdem die Sonne untergegangen war, wurde es auf der Insel stetig kälter. Eine leichte Gänsehaut hatte sich auf ihrer Haut gebildet und sie genoss die wohlige Wärme, die von dem Feuer ausging.
Nach einigen Minuten des Zögerns hatte sich auch Ruffy ans Feuer gesetzt. Die Orangehaarige hatte in der Zeit einige Äste genommen und das Obst und den Fisch damit aufgespießt. Diese hatte sie vor das Feuer in den Sand gesteckt, sodass diese in Ruhe braten konnten, ohne zu verbrennen.
Der Blick des Schwarzhaarigen galt der Flamme des Feuers, denn diese erinnerte ihn immer wieder aufs Neue an seinen großen Bruder.
‚Ich hoffe, du hast Spaß im Himmel, Ace…‘, dachte er und musste leicht Grinsen bei dem Gedanken. Er stellte sich vor, dass Ace kleine Flügel auf seinem Rücken besaß und er mit hoher Geschwindigkeit durch den Himmel flog. Mit seinen Teufelskräften konnte er sogar dem Herrn der Unterwelt Konkurrenz machen. Ruffy konnte ein leises Lachen nicht mehr unterdrücken. Fragend blickte die junge Frau ihren Kapitän an. »Was ist so lustig?«
»Ich habe gerade daran gedacht, wie Ace durch die Luft fliegt und dem Teufel mit seinen Kräften den Hintern verbrennt«, kam es ehrlich von diesem.
Die Orangehaarige musste leicht lachen und schlug ihm gegen den Rücken. »Du bist wirklich unverbesserlich, Ruffy!«
»Man, bin ich satt«, kam es von dem Schwarzhaarigen, der sich über seinen runden Bauch strich. Grinsend beobachtete dies die Navigatorin. Das Essen war wirklich lecker gewesen. Zwar kam es bei weitem nicht an das köstliche Essen von Sanji ran, aber es hatte ihre hungrigen Mägen durchaus befriedigt. Nami unterdrückte ein müdes Gähnen. Im nächsten Moment spürte sie einen starken Arm, der sie an ihren Kapitän drückte. Fragend blickte sie in sein Gesicht.
»Ruffy?«
Der Schwarzhaarige legte seine rechte Hand auf den Hinterkopf der jungen Frau und legte so ihren Kopf auf seine Brust. »Ruh dich was aus. Ich sehe dir an, dass du müde bist«, sagte er.
Die Augen der Orangehaarigen weiteten sich, als sie den beruhigenden Herzschlag von ihm wahrnahm. Sein Geruch benebelte ihre Sinne und sie schlief kurze Zeit später, mit geröteten Wangen, ein.
Ruffys Blick lag auf seiner Navigatorin. Das Feuer war schon fast erloschen, trotzdem spendete es noch genügend Wärme, sodass es Nami auf keinen Fall kalt werden würde. Vorsichtig legte er sich auf den Rücken, zog die junge Frau mit sich mit und blickte nachdenklich in den Himmel.
»Wo bleibt ihr nur, Leute?«, flüsterte er leise.
Nach wenigen Minuten wurde auch er von der Müdigkeit überrannt und fiel in einen ruhigen Schlaf.
Gefahr
Am nächsten Morgen wachte Nami als erste auf. Müde rieb sie sich über ihre Augen und streckte sich kurz, als sie bemerkte, dass ein Arm um sie geschlungen war. Sie folgte dem Arm mit ihrem Blick und sah Ruffy neben sich liegen. Er hatte seinen freien Arm unter seinem Kopf liegen, seinen Strohhut tief ins Gesicht gezogen, sodass man seine Augen nicht sehen konnte. Sein Mund jedoch war ein kleines bisschen geöffnet.
Plötzlich kam ihr eine peinliche Erkenntnis: Sie hatte auf Ruffys Brust geschlafen. Mit geröteten Wangen schaute sie sich die große Narbe auf seiner Brust an. Sie hatte ihn nie gefragt, woher er diese hatte, aber sie vermutete, dass es von dem Kampf auf Marineford war, als der tragische Vorfall mit seinem Bruder passierte. Sie unterdrückte den Drang, die Narbe mit ihrem Finger zu berühren.
Reiß dich zusammen, Nami! Das ist immer noch dein Kapitän!
Genau in diesem Moment öffnete der schwarzhaarige seine Augen und blickte Nami an. Sofort hatte er sein typisches Grinsen auf den Lippen. »Guten Morgen, Nami!«
»Morgen«, kam es nur knapp von Nami und sie entfernte sich aus seinem Arm, da es ihr doch etwas peinlich war. Ihr Blick richtete sich auf das Meer. Noch immer war nirgendswo die Thousand Sunny zu sehen.
»Wie soll es weiter gehen, Ruffy?«, fragte die Navigatorin und drehte sich zu ihm um.
Der schwarzhaarige setzte sich auf und beobachtete eine Weile ebenfalls das Meer. Der Wind wehte ihm durchs Gesicht, sodass auch sein Strohhut etwas im Wind wehte.
»Wir bleiben hier«, kam es von ihm, als wäre es das Normalste auf der Welt, dass sie allein auf einer fremden Insel festsaßen - ohne ihre Crew.
»Was?!« Nami schaute ihren Kapitän verblüfft an. Sie wusste ja, dass er verrückte Ideen hatte, aber mit so etwas hatte sie nicht gerechnet.
»Wir warten, bis sie wieder zurückgekommen sind. Sie haben uns vor der Marine gerettet. Sie wissen vermutlich gar nicht, dass wir noch hier sind. Das heißt, wir sind erstmal in Sicherheit. Und bis die anderen wieder bei uns sind, bleiben wir hier«, fügte Ruffy hinzu.
Ruffy hat Recht, aber seit wann denkt er so mit?
Nami seufzte kurz. »Vermutlich hast du Recht. Gut! Dann lass uns hier ein Lager aufschlagen und wir besorgen uns Essen und etwas zu Trinken. Als ich gestern die Insel ausgemessen habe, habe ich eine Süßwasserquelle entdeckt«, kam es nun etwas motivierter von der Navigatorin.
Ruffy setzte sein typisches Grinsen auf. »Cool! Uns erwarten hier bestimmt Abenteuer!«, freute er sich.
In diesem Moment hörten sie unheimliche Geräusche aus dem Wald. Nami fing direkt panisch an zu zittern, da sie Angst hatte. »W-w-was war das, Ruffy?!«
Ruffy sprang freudestrahlend auf. »Das riecht nach Abenteuer!« Im nächsten Augenblick war er auch schon in den Wald hineingerannt.
In Namis Augen sammelten sich Tränen. Vor Angst und auch ein bisschen vor Wut, da Ruffy sie nun einfach allein gelassen hatte. Sie blinzelte ihre Tränen fort und stand ebenfalls auf, damit sie ihm hinterherrennen konnte.
Dieser verdammte Idiot!
*
Inzwischen war die restliche Crew auf einer anderen bewohnten Insel angekommen. Sie legten gerade an einem abgelegenen Hafen an. Immerhin konnte man nie wissen, wie die Bewohner auf Piraten reagierten.
»Ich schlage vor, wir fragen in dem Dorf da oben mal nach, ob es eine Möglichkeit gibt, einen Logport auf die letzte Insel zu bekommen«, sagte Robin.
Alle anderen nickten und stimmten ihr zu. Eine andere Möglichkeit hatten sie sowieso nicht.
»Okay! Lysop, bist du so lieb und passt auf das Schiff auf?«, fragte Robin an ihn gewandt.
Dieser nickte und zeigte seinen Daumen nach oben. »Na klar, du kannst dich auf mich verlassen!«
Robin lächelte. »Dann lasst uns los gehen.«
Robin hatte kurzerhand das Kommando übernommen. Gemeinsam gingen sie in Richtung des Dorfes. Der Wald, den sie durchquerten, war klein, aber dicht genug, um das Dorf dahinter vollständig zu verschlucken. Hohe, schlanke Bäume mit hellen Stämmen ragten in den Himmel, ihre Kronen verflochten sich zu einem grünen Dach, durch das nur vereinzelte Sonnenstrahlen fielen. Das Licht brach sich in tanzenden Mustern auf dem moosigen Boden, während der Geruch von feuchter Erde und Harz in der Luft lag.
Der Wind ließ die Blätter leise flüstern, als würden sie die Crew mustern. Es war kein gefährlicher Wald, aber einer dieser Orte, die wachsam machten.
Zorro legte die Hand locker an den Griff seiner Schwerter und lief neben Robin.
»Meinst du, wir werden hier fündig?«, fragte der grünhaarige.
Die Archäologin überlegte kurz. »Ich hoffe es.« Sie ließ sich ihre unterbewusste Angst nicht anmerken, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Hinter ihnen liefen die anderen. Sanji war noch immer ganz aufgelöst, da er Nami vermisste. »Wir müssen einen Weg finden! Meine Nami-Maus ist ganz allein auf dieser schrecklichen Insel!« Er hatte Tränen in den Augen und biss sich auf sein Taschentuch, welches er in den Händen hielt.
Chopper sprach ihm Mut zu: »Mach dir keine Sorgen! Ruffy ist doch bei ihr!«
Sanji überkam die Wut. »Das ist es ja! Der Knallkopf hat nichts als Ärger im Kopf!« Nun suchten sich die Tränen unaufhörlich ihren Weg über seine Wangen.
Zorro verdrehte genervt seine Augen und knurrte. »Weichei.«
»Yhohoho! Da vorne ist das Dorf!«
Nachdem die Crew sich in dem Dorf umgeschaut hatte, fand Robin einen kleinen Laden, indem es alle möglichen Utensilien für Seeleute gab.
Vielleicht haben wir Glück und es gibt dort auch Logports, dachte Robin und näherte sich dem Laden.
Der Laden lag etwas abseits der Hauptstraße, eingeklemmt zwischen einer schiefen Sake-Bar und einem baufälligen Haus, dessen Balkon gefährlich über die Straße ragte. Schon von außen wirkte er wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Über der Tür hing ein verwittertes Holzschild, auf dem mit krakeliger, verblasster Schrift stand: »Alles für Seeleute - von Ankern bis Zahnlücken«. Das Schild quietschte bei jedem Windstoß und schwang bedrohlich hin und her, als würde es jeden Moment abstürzen.
Robin blieb stehen und musterte den Laden mit ruhigem, forschendem Blick.
Als sie die Tür öffnete, ertönte ein lautes Klingeling, gefolgt von einem rasselnden Geräusch, als würde irgendwo im Inneren eine Kette bewegt. Der Geruch schlug ihr sofort entgegen: eine Mischung aus Salz, altem Holz, Teer, feuchtem Seil und einem Hauch von Gewürzen.
Der Laden selbst war überraschend tief. Die Decke war niedrig, durchzogen von dicken Holzbalken, an denen unzählige Gegenstände hingen. Zusammengerollte Netze, rostige Haken, Kompasse in allen Größen, zerbeulte Laternen, Schiffsglocken, Flaschen mit unbekannten Flüssigkeiten und sogar ein paar getrocknete Seesterne, die wie grimmige Gesichter dreinblickten.
Die Regale bogen sich unter der Last ihres Inhalts. Dort lagen Seekarten, deren Ränder zerfetzt waren, Logbücher mit vergilbten Seiten, alte Fernrohre, Steuerräder in Miniaturform und Messer mit kunstvoll verzierten Griffen. Manche Gegenstände wirkten neu und gepflegt, andere sahen aus, als hätten sie schon mehrere Schiffbrüche überlebt.
Das Licht im Laden kam von ein paar schummrigen Öllampen, deren Flammen unruhig flackerten und die Schatten der Gegenstände an die Wände warfen. Es wirkte fast so, als würden sich die Schatten bewegen, als hätten sie ein Eigenleben.
Robin ging langsam durch den Laden, ihre Finger glitten über den Einband eines alten Buches, dessen Titel kaum noch zu lesen war. Ihre Augen funkelten interessiert. Solche Läden waren nie zufällig. Sie waren Sammelstellen für Geschichten, Geheimnisse und manchmal sogar für Hinweise, die man nur fand, wenn man genau hinsah.
Irgendwo im hinteren Teil des Ladens knackte es im Holz, als würde jemand ihre Anwesenheit bemerken.
Robin lächelte leicht, als ein älterer Herr nach vorne trat. Der ältere Herr war von schmaler Statur, sein Rücken leicht gekrümmt, als hätte das Leben ihn langsam nach vorn gedrückt. Tief eingegrabene Falten zogen sich über sein wettergegerbtes Gesicht, jede von ihnen schien eine eigene Geschichte zu erzählen. Sein graues Haar war dünn geworden und nach hinten gekämmt, während ein kurzer Bart sein Kinn umrahmte.
»Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?«, fragte er.
»Guten Tag. Ich bin auf der Suche nach einem Logport, der auf die vorherige Insel zeigt. Haben Sie so etwas hier? Ich habe mich kurz umgeschaut und leider nichts entdecken können«, antwortete Robin.
Der Mann runzelte kurz seine Stirn, dachte angestrengt nach. »Hm.. mal sehen, einen kleinen Moment bitte.«
Er verschwand kurz nach hinten. Robin hörte, dass er angestrengt eine Kiste suchte, die er nach ein paar Minuten gefunden hatte. Als er diese öffnete, kamen ihm ein paar Motten entgegengeflogen, was Robin schmunzeln ließ.
Ein lustiger alter Kauz.
Nachdem er gefunden hatte, was er suchte, trat er wieder nach vorne. »Hier. Sie haben Glück, das ist mein letzter. Allerdings lag er schon lange in der alten Kiste, weshalb er sich erst noch aufladen muss. Das dauert aber mindestens 5 Tage«, erklärte er.
Robin musste kurz schlucken, fasste sich aber schnell wieder und nahm den Logport an sich.
»Das macht nichts, ich danke Ihnen! Was macht das für Sie?«, fragte sie höflich.
»Ach, mein Mädchen, den schenke ich dir. Den braucht sowieso niemand mehr. Die Insel ist schon lange unbewohnt, da will keiner mehr hin«, erwiderte er schulterzuckend.
Robin lächelte den Mann an. »Vielen lieben Dank! Das ist sehr nett von Ihnen!«
Mit einem mulmigen Gefühl verließ Robin den interessanten Laden wieder. Draußen warteten die anderen bereits - alle, außer Zorro. Der war verschwunden…
*
Nami bahnte sich ihren Weg durch den Wald mit schnellen, entschlossenen Schritten. Der schmale Pfad war kaum mehr als eine Aneinanderreihung ausgetretener Erde und zerbrochener Zweige, der sich zwischen den Bäumen hindurchwand wie eine Schlange. Mit jedem Schritt knirschte Laub unter ihr, während Äste ihr gelegentlich gegen die Arme strichen.
Das Licht fiel nur spärlich durch das dichte Blätterdach und tauchte den Wald in ein gedämpftes Grün. Nami folgte ihrem Instinkt und der leisen Hoffnung, Ruffys Stimme irgendwo zwischen den Bäumen zu hören. Der Duft von feuchtem Moos und Holz lag schwer in der Luft, vermischt mit einer salzigen Brise des Meers.
Sie wich freiliegenden Wurzeln aus, schob herunterhängende Äste zur Seite und überquerte einen kleinen Bach, dessen Wasser leise murmelte. Der Wald wirkte stiller, je tiefer sie ging. Nami spannte die Schultern, ihr Blick suchte jede Bewegung zwischen den Stämmen.
Wie schnell ist der Kerl eigentlich? Verdammt, Ruffy!
Im nächsten Moment hörte sie sein typisches Lachen und erneut ein tiefes Grollen. Ihre Schritte beschleunigten sich, bis sie an eine Lichtung kam und da sah sie ihn: Ruffy und … ein riesiger Tiger?!
Gewissensbisse
Nami stand außer Atem einige Meter von der Lichtung entfernt. Ruffy und auch der riesige Tiger hatten sie noch nicht bemerkt. Die junge Frau griff instinktiv an ihr Bein, doch griff ins Leere.
Scheiße, ich habe meine Waffe nicht dabei!
Das war ihr noch nie passiert. Warum musste Ruffy auch direkt losstürmen und sie lief ihm blindlings hinterher ins Verderben. Blindes Vertrauen konnte man das auch nennen.
Nami versuchte, sich im Gebüsch zu verstecken, in der Hoffnung, dass der Tiger sie nicht bemerken würde. Wenn sie ohne Schutz da stand, wäre sie verloren. Sie schaute sich aus der Ferne den Tiger etwas genauer an.
Er war riesig, deutlich größer als jedes normale Raubtier. Seine Muskeln wölbten sich unter dem dichten, orangefarbenen Fell, das von tiefschwarzen Streifen durchzogen war. Sein Kopf war gewaltig, das Maul breit genug, um einen Menschen mit Leichtigkeit zu verschlingen. Lange, gebogene Reißzähne blitzten im gedämpften Licht, feucht vom Speichel, der tropfend auf den Boden fiel. Die gelben Augen funkelten wild und unberechenbar, fest auf Ruffy gerichtet. Eine lange Narbe zog sich quer über seine Schnauze, als Zeichen unzähliger Kämpfe, die er überlebt hatte.
Der Schwanz peitschte unruhig durch die Luft und fegte Blätter und Staub auf. Als der Tiger brüllte, war es kein gewöhnliches Gebrüll. Es hallte durch den gesamten Wald, ließ Vögel panisch auffliegen und das Unterholz erzittern. Vor Ruffy wirkte das Tier wie eine lebendige Naturgewalt.
Und genau deshalb grinste Ruffy breit. Er freute sich auf seinen Gegner, das konnte Nami an seinem Blick sehen.
Im nächsten Moment sprang der Tiger blitzschnell auf Ruffy zu. Nami hielt den Atem kurz an, da sie nicht damit gerechnet hatte, dass Ruffys Gegner so schnell sein würde.
Ruffy hingegen wich gekonnt dem Angriff des Tieres aus und lachte fröhlich vor sich hin. Immer wieder versuchte der Tiger, ihn zu erwischen, doch schaffte es einfach nicht. Ruffy sprang lachend auf den Rücken des Tieres und hielt sich an seinem Nackenfell fest, als das Tier losstürmte und im nächsten Moment gegen eine kleine Mauer prallte, um Ruffy von sich stoßen zu können. Doch Ruffy blieb weiterhin auf dem Tiger sitzen und spielte Rodeo mit ihm.
Nami beobachtete das Schauspiel fassungslos. Unglaublich. Er hat überhaupt keine Angst.
»So, genug gespielt!«, hörte Nami Ruffy lachen und sprang von dem Tiger herunter. Er stellte sich in Kampfposition, bereit für den ultimativen Schlag. Der Tiger stand brüllend vor Ruffy, als Nami sich kurz bewegte und ein Ast unter ihrem Fuß zerbrach.
Der Tiger schaute abgelenkt in ihre Richtung, schaute kurz erneut zu seinem Gegner und stürmte dann auf Nami zu. Ruffy, der Nami noch nicht bemerkt hatte, schaute in die Richtung, in die der Tiger lief.
Oh verdammt!
Nami riss ihre Augen auf, stand schnell auf und wollte sich in Sicherheit bringen, doch sie knickte mit ihrem linken Fuß um und fiel auf den harten Boden. Der Tiger sprang in die Luft und wollte sich auf Nami stürzen.
»NAMI!«, schrie Ruffy.
Seine Augen hatten sich erschrocken geweitet und er stürmte los. Im letzten Moment, bevor der Tiger Nami erreichen konnte, warf Ruffy sich auf sie und schützte sie so vor dem Angriff des Tigers. Dieser biss sich mit seinen scharfen Zähnen in Ruffys Schulter fest.
Nami hatte ihre Augen geschlossen, als sie Ruffys Körper auf sich spürte. Kurz darauf hörte sie ein Geräusch, welches ihr eine Gänsehaut über den Körper jagte. Zähne, die sich in Fleisch bohrten. Warmes Blut tropfte auf Namis Gesicht.
»R-Ruffy?!«
»Alles gut«, kam es direkt von dem schwarzhaarigen.
Mit einem gewaltigen Schrei drehte er sich um und trat dem Tiger gegen die Brust, sodass dieser einige Meter weit entfernt auf dem Boden landete.
»Alles okay bei dir, Nami?«, fragte Ruffy.
Nami hatte Tränen in den Augen. Sie schüttelte langsam den Kopf. »Mein Fuß tut weh.«
Ruffys Blick verdunkelte sich. Im nächsten Augenblick hatte der schwarzhaarige die junge Frau auf seine Arme genommen und sie ein paar Meter weiter an einen Baum getragen. »Rühr dich nicht vom Fleck.«
Er drehte sich um und ließ seine Fingerknöchel knacken. Der Tiger hatte sich mittlerweile wieder aufgerappelt und stand wieder kampfbereit auf der Lichtung.
»Du hast meiner Navigatorin weh getan. Das wirst du büßen!«, kam es von Ruffy, der nun seinerseits blitzschnell einen Angriff startete. Mit mehreren Schlägen brachte er den Tiger zu Boden. Immer wieder schlug Ruffy hart zu, bis der Boden unter dem Tiger nachgab und er sich Stück für Stück mehr in den Boden eingrub.
»Ruffy, es reicht. Du hast gewonnen«, kam es von Nami, doch Ruffy hörte sie gar nicht wirklich.
Es wirkte so, als wäre er wie in einem Trancezustand. Immer wieder schlug der Kapitän auf das Tier ein. Dieser Tiger bewegte sich nach wenigen Schlägen nicht mehr. Ruffy war außer Atem und stand gebeugt über den Tiger. Sein Blick war noch immer wutentbrannt.
Warum habe ich verdammt nochmal zugelassen, dass Nami verletzt wird? Warum habe ich ihn nicht direkt besiegt? Stattdessen wollte ich meinen Spaß haben…
Ruffy zog seinen Strohhut tiefer ins Gesicht und ballte seine Hände zu Fäusten. Gewissensbisse nagten an ihm. Er konnte damit nicht umgehen. Nie hätte er gewollt, dass einem seiner Freunde etwas passiert. Es war seine Schuld.
Nach einigen Atemzügen wurde ihm bewusst, dass er Nami noch ungeschützt zurückgelassen hatte. Er drehte sich um und rannte zu ihr. Ohne zu zögern, nahm er die junge Frau auf seine Arme. Den Schmerz in seiner Schulter bemerkte er gar nicht.
»Was machst du, Ruffy?«, fragte Nami verdutzt.
»Ich bringe dich zu unserem Lager«, antwortete er. »Du bist verletzt.«
Ruffy drückte sie näher an seine Brust. Sie bemerkte, dass er leicht zitterte.
»Ruffy, deine Schulter blutet. Du bist auch verletzt!«
»Das spielt keine Rolle. Nami, du zählst. Ohne dich wüsste ich nicht, was ich tun sollte.«
Nami war verblüfft über Ruffys Ehrlichkeit. Sofort stieg ihr Hitze in den Kopf und sie wurde rot um die Nase herum. Für einen kurzen Moment vergaß sie sogar ihre Schmerzen in ihrem Fuß.
Ruffy ist nicht nur mein Kapitän... er ist mein Beschützer.
Nami kuschelte sich mehr in seine starken Arme und ließ es zu, dass der schwarzhaarige sie zurück zu ihrem Lager trug. Der Duft von ihm vernebelte ihre Sinne und sie schloss ihre Augen.
Nachdem Ruffy die orangehaarige Frau am Strand in den Sand abgesetzt hatte, begutachtete er vorsichtig ihren Fuß. Er hatte keine Ahnung von Medizin, dafür war Chopper immer zuständig gewesen, aber er konnte ahnen, dass sie Schmerzen hatte, da der Fuß samt Knöchel stark angeschwollen war.
»Das ist nur halb so wild, Ruffy. Das wird wieder vorbei gehen«, kam es tapfer von Nami. Sie lächelte ihn an.
»Das ist alles nur meinetwegen passiert«, knurrte er und ballte erneut seine Hände zu Fäusten.
Sanft legte Nami ihre Hände um seine Faust. »Mach dir keine Vorwürfe, Ruffy. Ich hatte meine Waffe nicht dabei, es war meine Schuld… Ich habe nicht aufgepasst.«
»Nein, Nami! Es ist allein meine Schuld! Ich habe dafür zu sorgen, dass es meiner Crew gut geht, und ich habe versagt…«
Die Schuldgefühle nagten an dem Kapitän.
»Du hast mich gerettet. Das ist das Einzige, was zählt, Ruffy.«
Er blickte seiner Navigatorin in die Augen. Diese lächelte ihn sanft an. Im nächsten Moment spürte die junge Frau, wie Ruffy seine Stirn an ihre legte. Kurz war sie verwirrt über seine Handlung, aber dann genoss sie diesen Moment.
»Du bist einfach zu gut für diese Welt, Nami…«
Am Abend saßen die Beiden am Lagerfeuer. Ruffy hatte sich um alles gekümmert, allerdings so, dass Nami auch mit dabei sein konnte. Er hatte sie sich kurzerhand mit einem Seil, welches an den Strand gespült wurde, auf den Rücken gebunden und sie mit in den Wald genommen. Er hatte Holz gesammelt und machte sich dann an die Arbeit, ein paar Fische zu fangen.
Nami hatte ihn vom Strand aus beobachtet. Die Wunde an Ruffys Schulter hatte bereits aufgehört zu bluten. Man sah nur noch die Bissstellen der Zähne, die sich in seine Haut gebohrt hatten. Bei dem Anblick bekam Nami noch immer eine leichte Gänsehaut.
Ruffy freute sich gerade wie ein kleines Kind, da er einen riesigen Fisch aus dem Meer gefangen hatte. Stolz rannte dieser auf die orangehaarige zu.
»Schau mal, Nami«, kam es grinsend von ihm.
Nami musste lachen. Er war wieder ganz der Alte. »Ist der nicht ein bisschen zu groß?«
»Ich habe einen Bärenhunger!«
Das war Nami Antwort genug. Sie wies ihren Kapitän dazu an, das Feuerholz bereit zu legen. Als dies erledigt war, konnte Nami mit ihrer Waffe ein kleines Feuer entzünden. Ruffy steckte den großen Fisch auf einen langen, breiten Stock und hielt ihn über das Feuer.
»Du kannst ihn auch neben das Feuer stecken, Ruffy«, kam es von Nami.
Ruffy schaute sie verblüfft an, tat aber, was sie sagte. »Stimmt, so muss ich es nicht die ganze Zeit halten!«
Nami stöhnte kurz genervt auf, konnte sich dann aber kein Lachen verkneifen. Typisch für ihn. Manchmal dachte sie, er wäre viel erwachsener geworden, aber dann kamen solche Momente, in denen er einfach so naiv war.
»Was ist so lustig?«, fragte der schwarzhaarige schmollend, grinste kurz darauf aber wieder wie ein kleines Kind.
»Es ist nichts… ich bin einfach froh, dass du da bist«, antwortete die Navigatorin und Ruffys Blick wurde erneut etwas dunkler. Er schaute lange ins Feuer, bis er antwortete: »Nami, ich weiß nicht warum, aber ich hätte es mir nie verziehen, wenn dir da draußen noch Schlimmeres passiert wäre. Wenn du weg wärst, wäre ich nicht mehr ich…«
Die Navigatorin hielt den Atem an. Wieder war Ruffy so ehrlich zu ihr, dass es ihr den Atem raubte. Was war nur los mit ihrem Kapitän? Wusste er denn nicht, was er ihr damit antat?
»Es ist ja alles gut gegangen«, kam die Antwort von Nami. Sie war zu verwirrt und wusste nicht, was sie sonst darauf antworten sollte.
Nachdem die Beiden mit dem Abendessen fertig waren und es langsam dunkel wurde, fing Nami unbewusst an zu zittern. Es war zwar eine Sommerinsel und am Tag angenehm warm, jedoch wurde es nachts sehr kalt. Hätte sie mal daran gedacht, sich andere Klamotten mitzunehmen, aber wer hätte auch damit rechnen können, dass sie mit ihrem Kapitän hier stranden würde.
Ruffy bemerkte ihr Zittern. »Ist dir kalt?«
»Ist schon okay, Ruffy, das halte ich aus«, kam es direkt von der orangehaarigen.
Im nächsten Moment wurde sie von zwei starken Armen an die Brust des schwarzhaarigen gezogen. Sie spürte Ruffys Atem in ihrem Nacken und fühlte seinen Herzschlag, der angenehm ruhig gegen seine Brust schlug. Ihre Wangen wurden heiß und auch ihr Puls beschleunigte sich.
»Versuch zu schlafen, Nami«, sagte er. »Ich pass auf dich auf. Solange ich da bin, wird dir nichts mehr passieren und wenn ich die ganze Nacht hier Wache halten werde.«
Nami musste lächeln. Sie kuschelte sich etwas enger an den Schwarzhaarigen und schloss ihre Augen. Ruffy hatte seine Arme um seine Navigatorin geschlossen und drückte sie fest an sich. Kurze Zeit später war die junge Frau eingeschlafen.
Nie wieder werde ich zulassen, dass dir etwas passiert, Nami…
Verantwortung
Die Thousand Sunny lag ruhig vor der Küste in dem abgelegenen Hafen. Die Crew hatte sich zum Schiff aufgemacht, da sie vermuteten, dass Zorro sich dort aufhielt. Doch als sie Lysop nach ihm befragten, wusste dieser auch nicht, wo der Schwertkämpfer abgeblieben war.
Sanji stand am Geländer und zog an seiner Zigarette. »Typisch Moosschädel.«
Robin trat neben ihn, legte ihre Hände sanft auf das Geländer.
»Wir kennen ihn doch. Er verläuft sich immer«, kam es von ihr.
»Er verläuft sich sogar auf geraden Strecken. Einfach unfassbar…«, erwiderte der Koch und blies den Rauch seiner Zigarette aus.
»Es bringt nichts - wir müssen ihn suchen«, sagte er und trat seine Zigarette aus. »Wer weiß, was er gerade anstellt.«
Gemeinsam machte sich die Crew erneut auf den Weg durch den Wald, um nach ihrem Kameraden zu suchen. Dieses Mal war Franky an Bord geblieben, um aufpassen zu können.
»Zorro!«, rief Lysop immer wieder laut durch den Wald, doch niemand reagierte.
Chopper versuchte, eine Spur aufzunehmen, doch im Wald waren einfach zu viele Gerüche, sodass er im Moment nichts tun konnte.
»Es tut mir leid, hier ist einfach zu viel an Gerüchen«, kam es traurig von dem kleinen Elch.
»Ist schon in Ordnung, Chopper. Wir werden ihn auch so finden. Sehr groß ist die Insel nicht, er kann ja nicht ertrunken sein«, kam es von Sanji.
Panisch wurde er von Lysop angeschaut. »DENKST DU ER IST ERTRUNKEN?!«
Robin musste bei dem Gedanken den Kopf schütteln. »Macht euch keine Sorgen, ihm wird es gut gehen.«
Im nächsten Moment hörten sie Geräusche. Ein metallisches Geräusch.
»Yhohoho, sind das Zorros Schwerter?!«, fragte das Skelett und verschwand in die Richtung der Geräusche.
»Dann schauen wir mal nach«, sagte die Archäologin und so machten sie sich auf den Weg, um Brook zu folgen.
*
Der Himmel über der Insel hatte sich längst verdunkelt, doch Ruffy hatte sich keinen Zentimeter bewegt. Er saß aufrecht, den Rücken gegen einen Baum gelehnt und Nami eng an seine Brust gezogen. Ihr Atem war ruhig. Sie schlief tief und fest.
Ruffy hingegen hatte kein Auge zugemacht. Jedes Rascheln ließ ihn die Muskeln anspannen. Jeder Windstoß ließ seine Finger fester um sie schließen. Sein Blick wanderte durch die Dunkelheit.
Ich hätte schneller sein müssen.
Seine Hand ballte sich unwillkürlich zur Faust.
Ein Kapitän darf Spaß haben, wenn es nur ihn betrifft. Aber nicht, wenn seine Crew da ist.
Er hatte gelacht. Er hatte den Kampf genossen und fast hätte er sie dafür bezahlen lassen.
Ruffy senkte den Blick auf ihr Gesicht. Selbst im Schlaf wirkte sie erschöpft und verletzlich. Der noch immer geschwollene Fuß erinnerte ihn daran, dass seine Stärke allein nicht gereicht hatte, um sie unversehrt zu lassen.
»Tut mir leid«, murmelte er leise vor sich hin.
Nami rührte sich leicht im Schlaf und rückte automatisch näher an ihn heran. Instinktiv schloss er die Arme fester um sie.
Nie wieder.
Dieser Gedanke war kein Versprechen. Er war ein Schwur. Wenn die Nacht bedeutete, wach zu bleiben, dann würde er wach bleiben. Ruffy hob den Blick wieder zum dunklen Wald. Seine Augen funkelten entschlossen.
»Solange ich atme«, flüsterte er, »kommt dir nichts mehr zu nahe.«
Und so blieb er sitzen, bis sich langsam Sonnenstrahlen ihren Weg auf die Insel suchten. Ein weiterer, neuer Tag würde anbrechen.
*
Das metallische Klingen hallte erneut durch den Wald.
»Da!«, zischte Lysop und blieb abrupt stehen. »Habt ihr das gehört?!«
Sanji hatte bereits eine Zigarette zwischen den Lippen und zog daran. Sein Blick war scharf. »Ja, und wenn der Marimo schon seine Schwerter gezogen hat, dann ist er entweder betrunken… oder sauer.«
»Beides schließt sich nicht aus«, murmelte Chopper nachdenklich.
Je näher sie dem Geräusch kamen, desto dichter wurde der Wald. Umgestürzte Bäume lagen kreuz und quer, der Boden war aufgewühlt, als hätte etwas Gewaltiges hier gewütet. Tiefe Kerben zogen sich durch Baumstämme. Sauber und präzise.
Robin betrachtete eine davon. »Hm… das ist ein sauberer Schnitt.«
»Hey!«, beschwerte sich Lysop. »Ich dachte, wir wollten Zorro finden und nicht sein Ego pushen!«
Plötzlich erklang ein lautes Brüllen. Ein Schatten bewegte sich zwischen den Bäumen. Ein Tier. Groß, bullig, mit Hörnern, die selbst durch das Dickicht ragten.
»…bitte sag mir, dass das nicht lebt«, flüsterte Lysop panisch und fing an zu zittern.
Sanji grinste schief. »Zu spät.«
Ein dumpfer Aufprall ließ den Boden erzittern. Das Tier stürzte nach vorne und blieb liegen. Dann trat jemand aus dem Schatten.
»Tss.«
Zorro.
Er stand mitten auf der Lichtung, die Schwerter noch gezogen, sein Mantel zerrissen, eine frische Schramme über der Stirn. Blut tropfte langsam von der Klinge Wado Ichimonji.
»Ihr habt euch ganz schön Zeit gelassen«, knurrte er.
Lysop riss die Augen auf. »ZEIT GELASSEN?! WIR HABEN DICH GESUCHT, DU SPINNER!«
Sanji trat nach vorne. »Du bist einfach verschwunden, du Idiot!«
Zorro steckte eines seiner Schwerter weg. Sein Blick war ernst. Er zeigte wortlos auf das bewusstlose Tier hinter sich. »Die Insel ist kein Zuckerschlecken. Das Mistvieh war nicht das Einzige da draußen.«
Lysop schluckte. »D-das war nicht das Einzige?«
»Nein.«
Zorro drehte sich halb um, als würde er jederzeit mit einem weiteren Angriff rechnen. »Und wenn Ruffy hier wäre, hätte er das auch sofort gemerkt.«
Einen Moment lang sagte niemand etwas.
Robin lächelte sanft. »Du hast dich verlaufen, nicht wahr?«
Zorro erstarrte. »…nein.«
Sanji lachte laut auf. »Doch! Du wolltest nur kurz um die Ecke und warst verschwunden!«
»Willst du sterben, Koch?«
»Versuch’s doch!«
Zorro steckte schließlich seufzend auch das letzte Schwert weg und wandte sich ab. »Kommt. Wir gehen zurück zum Schiff.«
»Und wenn du uns wieder verlierst?«, fragte Sanji schief grinsend.
Zorro drehte sich nicht um. »Dann findet ihr mich.«
Schulterzuckend lief er weiter, dicht gefolgt von Sanji. Die anderen schlossen sich den Beiden an.
»Das tun wir ja offenbar immer«, kam es von Lysop, der seine Augen verdrehte.
*
Das erste Licht des Morgens brach zaghaft durch die Baumkronen. Die Nacht hatte sich langsam zurückgezogen und ein neuer Tag hatte begonnen.
Nami regte sich. Ein leises Ziehen in ihrem Fuß holte sie aus dem Schlaf. Sie verzog leicht das Gesicht, öffnete die Augen und brauchte einen Moment, um zu begreifen, wo sie war.
Sie hob den Kopf ein wenig und sah Ruffy. Er saß noch immer aufrecht da, den Rücken gegen den Baum gelehnt. Seine Arme lagen fest um sie geschlossen. Sein Strohhut war ihm leicht ins Gesicht gerutscht, der Schatten verbarg seine Augen.
Er ist wach…
»Ruffy…?«, flüsterte sie vorsichtig.
Er zuckte kaum merklich zusammen. Dann hob er den Kopf und schob den Strohhut zurück. Dunkle Ringe lagen unter seinen Augen.
»Morgen, Nami«, sagte er leise.
Ihr Herz zog sich zusammen. »Du hast nicht geschlafen«, stellte sie besorgt fest.
Er zuckte mit den Schultern. »Ich hatte versprochen, dass ich auf dich aufpassen werde.«
Nami richtete sich etwas auf, soweit es ihr Fuß zuließ. Der Schmerz war noch da, aber erträglich. Trotzdem sah Ruffy es sofort.
»Tut es weh?«, fragte er, sofort angespannt.
»Es geht«, antwortete sie schnell. »Aber Ruffy… du siehst schrecklich aus.«
Ein kurzes Grinsen huschte über sein Gesicht.
Nami musterte ihn. Ihr Blick blieb an seiner Bisswunde hängen.
»Du hast geblutet«, sagte sie leise und voller Schuldgefühle.
»Hab ich gemerkt«, antwortete er, als wenn es nichts gewesen wäre.
»Und trotzdem hast du mich die ganze Nacht gehalten.«
Ruffy schwieg. Seine Finger zogen sich leicht zusammen, als hätte er Angst, sie loszulassen. »Ich wollte sicher sein, dass dir nichts passiert«, murmelte er leise.
Nami schluckte. Sie legte vorsichtig eine Hand auf seine Brust. Sein Herz schlug ruhig, dennoch konnte sie fühlen, dass er angespannt war.
»Ruffy«, begann sie zögernd, »du musst dir nicht immer alles allein aufladen.«
Er lachte leise.
»Doch«, sagte er. »Das ist meine Aufgabe.«
Sie sah ihn an und plötzlich verstand sie. »Du gibst dir die Schuld«, stellte sie fest.
Sein Blick wich ihrem aus. »Ich hätte schneller sein müssen. Stärker. Ich hätte nicht so nachlässig sein dürfen. Ich hätte wissen müssen, dass du mir folgst.«
Nami zog leicht die Luft ein. »Du hast mich gerettet.«
»Aber du wurdest verletzt.«
»Weil ich dir gefolgt bin«, widersprach sie sanft.
Ruffy schüttelte den Kopf. Er ballte die Hand zur Faust, sodass die Knöchel weiß hervortraten. »Wenn ich auch nur einen von euch verliere… dann bin ich kein Käpt’n mehr.«
Nami spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Langsam und vorsichtig löste sie seine Faust und verschränkte ihre Finger mit seinen.
»Ruffy«, sagte sie ruhig, »weißt du, warum ich dir folge?«
Er sah sie überrascht und fragend an.
»Weil du immer vor uns stehst«, fuhr sie fort. »Nicht, weil du perfekt bist. Sondern weil du uns beschützt, auch wenn du dabei Fehler machst.«
Sie lächelte schwach. »Und weil du immer zurückkommst.«
Ruffy sah sie lange an. Ein kleines Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Vorsichtig zog er sie ein wenig näher an sich.
»Dein Fuß braucht Ruhe«, sagte er. »Heute bewegen wir uns nicht.«
»Und was, wenn ich muss?«, fragte sie mit hochgezogener Augenbraue.
Er grinste. »Dann trag ich dich.«
Sie lachte verlegen und lehnte ihren Kopf gegen seine Brust, um ihre Augen kurz zu schließen und ihren immer schneller schlagenden Herzschlag zu beruhigen.
Ruffy blickte über ihren Kopf hinweg auf das Meer, welches heute ungewöhnlich ruhig war.
Hoffnung
Die Sonne stand am darauffolgenden Tag hoch am Himmel und die Hitze des Tages schien durch das dichte Blätterdach des Waldes. Inzwischen waren sie bereits den 4. Tag auf der Insel.
Nami und Ruffy hatten sich nach dem gestrigen Chaos ein wenig erholt, doch die Neugier siegte. Namis Fuß war nicht mehr stark geschwollen, Auftreten konnte sie auch bereits besser, als noch am Vorabend. Der Tag Ruhe hatte ihrem Fuß wirklich gutgetan. Ruffy hingegen war langweilig gewesen. Da er Nami aber nicht alleine lassen wollte, freute er sich heute umso mehr, da Nami heute den Wald erkunden wollte. Die Beiden hatten sich gerade auf den Weg in den Wald gemacht.
Der Wald wurde dichter, das Licht brach nur noch schwach durch das dichte Blätterdach, und der Boden war feucht von den letzten Regenfällen. Hinter ihnen plätscherte das Wasser eines kleinen Bachs, dessen Verlauf Nami bereits von ihrem ersten Tag hier kannte.
»Schau mal, Ruffy!«, rief Nami und deutete auf das glitzernde Wasser. »Das hier ist die Quelle, von der ich dir gestern erzählt habe.«
»Cool!«, erwiderte Ruffy und sprang auf einen großen Stein am Rand der Quelle. »Vielleicht gibt es hier noch mehr zu entdecken!«
Sie folgten dem Bachlauf ein Stück weiter, bis sie plötzlich ein tiefes Rauschen hörten. Hinter einer kleinen Felsformation stürzte Wasser in die Tiefe – ein Wasserfall! Das Wasser glitzerte im Sonnenlicht und hinter dem Vorhang aus schimmerndem Wasser entdeckten sie eine dunkle Höhle, die sich geradezu heimlich zwischen den Felsen verbarg.
»Wow… eine Höhle hinter dem Wasserfall!«, flüsterte Nami. »Das ist mir beim letzten Mal gar nicht aufgefallen.«
Ruffy klatschte freudig in die Hände. »Genau das habe ich mir vorgestellt! Abenteuer!«
Vorsichtig näherten sie sich der Höhle. Die Luft darin war feucht und kühl und ein leichter Schimmer fiel auf die Wände, die mit Moos bedeckt waren. Je weiter sie hinein gingen, desto dunkler wurde es. Ruffy, der seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatte, bemerkte plötzlich etwas Metallisches, das zwischen Steinen hervorlugte. »Nami, schau! Da ist etwas!«
Sie ging näher und sah eine alte Truhe, die teilweise mit Moos bedeckt war. Das Schloss war rostig, es schien sehr lange Zeit verschlossen gewesen zu sein. Nami setzte vorsichtig ihre Hände auf den Deckel und zog fest daran. Mit einem leisen Knarren öffnete sich die Truhe und ein Lichtschimmer fiel auf ihr Gesicht. Sofort hatte Nami leuchtende Augen. Die Truhe war gefüllt mit funkelnden Juwelen, Münzen und allerlei glänzenden Schätzen.
Ruffy grinste und sprang aufgeregt hin und her. »Haha, ich wusste, dass wir etwas Cooles finden würden! Sieh dir das an!«
Nami konnte ein Strahlen nicht unterdrücken. Sie fühlte, wie ein Glücksgefühl sie durchströmte. Eine Mischung aus Freude, Staunen und kindlicher Begeisterung. Sie nahm einige der Juwelen in die Hand, ließ sie über ihre Finger gleiten und betrachtete den Glanz. »Ruffy… das ist perfekt…«
Ich bin im Paradies!
Sie verbrachten noch einige Zeit in der Höhle und machten sich dann auf den Rückweg zum Anlegeplatz. Der Weg zurück war ruhig, nur das Plätschern des Bachs und das Zwitschern der Vögel begleiteten sie. Nami merkte, wie ihr Fuß ihr noch immer Schmerzen bereitete, doch die Freude über den Fund ließ sie die Schmerzen für einen Moment vergessen. Am Anlegeplatz angekommen, setzte sich Nami vorsichtig hin, legte ihren Fuß hoch und atmete erleichtert auf, als sie bemerkte, dass die Schwellung zurückgegangen war. Das Gehen tat zwar noch weh, aber es war erträglich.
»Wie geht’s deinem Fuß?«, fragte Ruffy und setzte sich neben sie.
»Besser… die Schwellung ist weg, aber es tut noch weh beim Auftreten«, antwortete Nami sichtlich erleichtert über den Verlauf ihrer Verletzung.
»Dann ruh dich aus!«, sagte Ruffy. »Ich passe auf dich auf.«
*
Die Sonne brannte hoch am Himmel über dem kleinen Hafen und ein schwacher Wind ließ die Flaggen der Thousand Sunny leicht flattern. Auf dem Deck herrschte eine Mischung aus Aufregung, Ungeduld und überschwänglicher Freude.
»Endlich! Endlich ist der Logport wieder aufgeladen!«, rief Franky und schlug begeistert in die Hände. Seine mechanischen Finger funkelten in der Sonne, während er einen kleinen Sprung machte. »Super! Super! Jetzt können wir endlich wieder in See stechen, Baby!«
Neben ihm sprang Lysop auf und wirbelte die Hände durch die Luft. »Juhuu! Endlich können wir Nami und Ruffy zurückholen!« Sein Grinsen war so breit, dass man dachte, sein Gesicht würde jeden Moment in der Sonne schmelzen.
Chopper tanzte aufgeregt vor ihnen, die kleinen Hufe klapperten über das Deck. »Juhuuu! Ich kann’s kaum erwarten!« Dabei wirbelte er einmal herum, stolperte beinahe über einen Tau, fing sich aber geschickt ab und setzte seinen Sieges-Tanz fort.
Sanji stand am Geländer, das Kinn leicht in die Hand gestützt, die Zigarette lässig zwischen den Fingern. Seine Augen funkelten, als er über die Wasseroberfläche hinausblickte. »Endlich… bald sehe ich meine Nami-Maus wieder.« Sein Blick wurde verträumt, seine Stimme weich und beinahe flüsternd, als könnte ihn die Crew nicht hören.
Doch direkt neben ihm stand Zorro, die Arme verschränkt, die Stirn in Falten gelegt. »Sanji… kannst du bitte aufhören, ständig von Nami zu sabbern? Wir haben Wichtigeres zu tun!«
»Wichtigeres? Was ist bitte wichtiger als Nami?!«, entgegnete Sanji mit übertriebenem Seufzer und träumerischem Blick.
Zorro rollte mit den Augen. »Unfassbar…« Er drehte sich weg, murmelte etwas Unverständliches vor sich hin und schüttelte den Kopf.
Robin schritt über das Deck, die Hände vor der Brust verschränkt und ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Sie blickte streng zu den Jungs. »Genug jetzt, ihr drei«, sagte sie zu Franky, Lysop und Chopper, die immer noch herumhüpften und tanzten. »Wir sollten die Euphorie nicht verlieren, denn wir werden frühestens morgen auf der Insel sein.«
Sanji schielte weiterhin sehnsüchtig über die Reling, während er murmelte: »Morgen… oh, morgen werde ich dich wiedersehen…« Zorro funkelte ihn erneut an. »Du bist unmöglich.«
»Oh, meine Nami… selbst die See selbst würde vor unserer Liebe kapitulieren!«, entgegnete Sanji dramatisch, die Zigarette in einem eleganten Schwung wieder in den Mund steckend.
Robin schüttelte nur lächelnd den Kopf.
»Lasst uns die Segel setzen!«, kam es von Franky, der sich schon ans Steuer gestellt hatte.
Ein einstimmiges »Ja!!« kam von den restlichen Crewmitgliedern und so legten sie ab und machten sich auf den Weg in die Richtung, in die der Logport seine Nadel richtete.
*
Inzwischen war es bereits Abend geworden. Nami hatte dank Ruffy noch ein wenig Schlaf abbekommen. Nun machte sie sich daran, das Abendessen zuzubereiten. Fisch vom Morgen, etwas Obst und Beeren, die sie unterwegs gesammelt hatten. Nachdem alles fertig gegrillt war, aß Nami vorsichtig, während Ruffy den größten Teil verschlang, als hätte er seit Tagen nichts gegessen. Nami musste bei dem Anblick leicht schmunzeln. Wenn es ums Essen geht, bleibt er einfach der Alte.
Nami spürte plötzlich einen Sturm aufkommen. Im nächsten Moment ertönte ein leises Grollen. Nami sprang reflexartig auf, kniff kurz ihr Auge zusammen, da ihr Fuß von einem Schmerz durchzuckt wurde, packte dann aber ihren Klimataktstock und breitete die Arme aus. »Ruffy… dieses Mal kann ich mich revanchieren!«
Mit schnellen Bewegungen und konzentrierter Mimik lenkte sie die Luftströme, formte die Winde und ließ den Sturm sanft abgleiten. Blitze zuckten über dem Himmel, Regen prasselte auf den Boden, doch dank Nami blieb der Bereich um ihr Lager sicher.
»WIE COOL!«, kam es bewundernd von dem Strohhutträger.
»Danke«, antwortete sie leicht errötend.
Als der Regen nachließ, hinterließ er einen klaren Himmel voller Sterne. Erschöpft von dem Tag legten die Beiden sich nebeneinander in den Sand. Ruffy nahm Nami vorsichtig in den Arm. Ihr Herz schlug schneller, doch sie ließ es zu, kuschelte sich an ihn und schloss die Augen. Die Wärme seines Körpers und die Ruhe der Nacht ließen die Schmerzen und die Aufregung des Tages langsam verschwinden.
»Nie wieder… lasse ich zu, dass dir etwas passiert…«, murmelte Ruffy leise, während Nami sich fest an ihn schmiegte. Mittlerweile hatte sie sich an seine Wärme und Nähe gewöhnt und es wurde irgendwie zu einer Art Routine für sie, die Sicherheit ihres Kapitäns zu spüren.
»Ich weiß… ich vertraue dir«, hauchte Nami und ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen.
Die Sterne funkelten über ihnen. Für einen Moment schien die Welt still zu stehen.
Ein lauter Knall riss Nami und Ruffy aus dem Schlaf. Das Geräusch kam vom Meer, begleitet von einem massiven Spritzen von Wasser.
Nami spürte, wie ihr Herz wie wild gegen ihre Brust schlug. Vor ihr tauchte ein riesiger Oktopus auf dem Strand auf und seine Tentakel peitschten mit solcher Wucht durch die Luft, dass selbst der Sand um sie herumwirbelte.
Was zum Teufel ist mit dieser Insel nur los?!
»Ruffy…«, flüsterte sie.
Doch der Schwarzhaarige war bereits auf den Beinen, die Augen voller Entschlossenheit.
»Hinter mir bleiben!«, rief er. Er war bereit, jeden Angriff abzufangen und Nami dieses Mal zu beschützen, ohne dass sie verletzt werden würde. Nami nickte und versteckte sich hinter einem Felsen. Hier konnte sie den Kampf aus sicherer Entfernung beobachten.
Blitzschnell griff Ruffy an. Dieses Mal würde er keine Zeit verlieren. Jeder Schlag traf präzise, Tentakel wurden abgewehrt und zurückgeschleudert. Nami konnte kaum fassen, wie stark und schnell Ruffy war, wie er jeden Angriff des Oktopusses vorhersah und konterte.
Wie ist das möglich?
Der Oktopus grollte, schoss Tentakel um sich, doch Ruffy sprang hoch und landete auf einem Tentakel, traf ihn mit seiner Faust mitten ins Auge. Anschließend schleuderte er den Oktopus zurück ins Meer. Wasser und Sand flogen hoch, das Monster versank in der Tiefe des Meeres.
Unversehrt stand Ruffy auf dem trockenen Sand. Sein Körper war mit Staub bedeckt, Haare klebten an der Stirn, seine Augen funkelten im Mondlicht. Nami atmete tief durch und beobachtete ihn voller Bewunderung. Der Kampf war vorbei und sie wusste, dass Ruffy stärker und wilder zurückgekehrt war als je zuvor. Sie sprang auf, so schnell es ihr Fuß erlaubte und rannte zu Ruffy. »Du bist okay?«
Er grinste. »Alles bestens!«
Nami konnte nicht anders, als zu lachen. »Danke, dass du auf mich aufgepasst hast… ich hätte sonst nur Chaos verursacht.«
Ruffy legte einen Arm um ihre Schulter, drückte sie kurz an sich. Nami spürte, wie sich die Anspannung in ihr löste. Sie stand am Ufer, das Wasser glitzerte, der Sand war noch feucht vom Kampf. Sie hatte Angst gehabt, Sorge empfunden und doch bewunderte sie ihn mehr denn je.
Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als Nami und Ruffy am Strand standen. Der Blick aufs Meer war klar und in der Ferne glitzerte das Wasser im Sonnenlicht. Plötzlich tauchte ein vertrautes, großes Schiff am Horizont auf - die Thousand Sunny.
»Ruffy… schau!«, rief Nami und deutete auf das Schiff. Ihr Herz schlug schneller. »Unsere Crew… sie sind zurück!«
Ruffy sprang aufgeregt auf und ab, grinste breit. Sein typisches, strahlendes Grinsen, das alles andere vergessen ließ. »Ich hab’s doch gesagt! Sie finden uns immer!«
Nami lächelte, doch in ihrem Inneren stieg ein kleiner Stich auf. Freude mischte sich mit einer seltsamen Leere. Sie war überglücklich, die Crew wiederzusehen, aber gleichzeitig spürte sie, wie sehr sie die Nähe von Ruffy vermisste, jetzt, wo er nicht nur ihr Beschützer, sondern wieder Teil der ganzen Gruppe war.
Warum fühlt es sich so an, als würde etwas fehlen? Ich wollte doch, dass wir zusammenbleiben und jetzt sind sie wieder da. Ich vermisse ihn direkt…
Ruffy bemerkte ihren kurzen Seufzer und hörte auf vor Freude zu springen, legte stattdessen instinktiv einen Arm um ihre Schulter. Sein Grinsen wurde noch breiter, die Augen funkelten voller Begeisterung. »Keine Sorge, Nami! Jetzt sind wir wieder alle zusammen!«
Sie lehnte sich gegen ihn, spürte seine Wärme und Stärke. Die Sorgen der letzten Tage schienen für einen Moment verblasst. Die Thousand Sunny glitt langsam auf den Strand zu und das Geräusch des Meeres mischte sich mit den Rufen und dem Lachen der zurückkehrenden Crew.
Es ist schön… Aber Ruffy… ich will dich trotzdem nicht loslassen…
Ruffy stupste sie leicht an. »Komm schon, Nami! Die Crew wartet auf uns!«
Sie lachte leise, während sie neben ihm stand, das Grinsen ihres Kapitäns betrachtete und sich gleichzeitig fragte, wie sie die Balance zwischen Freude über die Crew und die Sehnsucht nach Ruffy halten sollte.
Die Thousand Sunny glitt langsam in die geschützte Bucht der Insel, das Wasser glitzerte in der Sonne. Franky stand am Steuer, die mechanischen Finger griffen fest zu. »Juhuu! Wir sind da! Die Strohhut-Piraten sind wieder vereint! Super! Super!«
Lysop sprang aufgeregt auf dem Deck auf und ab. »Endlich! Endlich sehen wir Ruffy und Nami wieder! Ich dachte schon, wir würden sie nie mehr wieder sehen!«
Chopper wackelte mit den kleinen Hufen aufgeregt über das Deck. »Ich kann’s kaum erwarten, sie wiederzusehen! Hoffentlich sind sie okay!«
Am Strand angekommen, stürmte die Crew auf die beiden zu. Lysop, Sanji und Chopper öffneten die Arme, Brook sprang freudig umher, Zorro wirkte zwar wie immer grimmig, aber sein Lächeln entging Nami nicht. Ruffy fiel den Freunden mitten in die Arme, lauthals lachend und voller Freude.
Nami stand einen Moment zurück, beobachtete ihn, wie er seine Freunde umarmte, wie sein Lachen die Luft erfüllte. Sie fühlte diese Mischung aus Glück und Wehmut. Glücklich darüber, dass sie wieder mit den Anderen vereint waren und traurig, dass sie ihn nun wieder teilen musste. Sie vermisste die Nähe und die Aufmerksamkeit, die sie allein in den letzten Tagen genossen hatte. Ihr Herz zog sich zusammen.
Ruffy bemerkte Namis Zögern, sein Blick suchte sie und sein Grinsen wurde sanfter, als er ihren Blick traf. Ein kurzer Moment - nur ein Atemzug - in dem Worte überflüssig waren. Nami lächelte, ein wenig traurig, aber voller Wärme. Sie trat näher und Ruffys Arm legte sich leicht um ihre Schulter, wie ein vertrauter Halt, während die anderen um sie herum jubelten.
Robin trat näher, ihre Augen verfolgten Nami und Ruffy mit einem feinen, wissenden Lächeln. Sie sah die Veränderung zwischen den beiden, die neue Bindung, die Tiefe der Gefühle, die sich in den vergangenen Tagen entwickelt hatte.
Die Sonne spiegelte sich auf dem Wasser, das Lachen der Crew mischte sich mit dem Rauschen der Wellen und Nami wusste, dass dieser Moment perfekt war.
Heimat
Die Thousand Sunny trieb ruhig über das Meer, als hätte selbst der Ozean beschlossen, ihnen für eine Weile Frieden zu schenken. Die Segel spannten sich sanft im Wind, der Rumpf schnitt gleichmäßig durch die Wellen und das leise Knarren des Holzes vermischte sich mit dem Rauschen des Wassers. Nach den Ereignissen der letzten Tage lag eine besondere Stimmung über dem Schiff. Eine Mischung aus Erleichterung, Vertrautheit und dieser stillen Freude, die nur entsteht, wenn man etwas Gefährliches überstanden hat.
Nami stand am Geländer des Hauptdecks, den Blick auf den Horizont gerichtet. Das Sonnenlicht spiegelte sich auf der Wasseroberfläche und ließ das Meer in warmen Goldtönen schimmern.
Fünf Tage.
Fünf Tage, die sich gleichzeitig viel zu kurz und unendlich lang angefühlt hatten. Die Insel, der Wald, die Höhle hinter dem Wasserfall, der Schatz und Ruffy. Immer wieder Ruffy. Seine Nähe, seine Selbstverständlichkeit, mit der er bei ihr geblieben war. Mit der er sie beschützt hatte, ohne sie einzuengen. Und nun war alles wieder wie vorher. Die Crew war wieder vollständig. Laut, chaotisch, vertraut.
Ein Teil von ihr war glücklich. Ein anderer musste sich erst wieder sortieren.
»Du wirkst ungewohnt still.«
Robin war beinahe lautlos neben sie getreten. Ihre Hände waren locker vor der Brust verschränkt, ihr Blick folgte kurz Namis, hinaus aufs Meer.
Nami lächelte schwach. »Bin ich das?«
»Für deine Verhältnisse«, antwortete Robin ruhig. »Ja.«
Nami atmete tief durch. »Ich denke nach. Über die Insel. Und über alles, was danach kam.«
Robin nickte leicht. »Das habe ich mir gedacht.«
Für einen Moment schwiegen sie beide. Das Meer übernahm das Gespräch für sie.
»Es ist seltsam«, begann Nami schließlich leise. »Ich wollte nichts sehnlicher, als die Crew wiederzusehen. Und jetzt, wo sie da sind, fühlt es sich an, als hätte ich etwas verloren. Oder zumindest als hätte sich etwas verändert.«
Robin wandte ihr den Kopf zu, musterte sie aufmerksam. »Und glaubst du, Veränderung ist etwas schlechtes?«
»Nein«, antwortete Nami ehrlich. »Aber sie macht mir Angst.«
Ein sanftes, wissendes Lächeln legte sich auf Robins Lippen. »Das tut sie immer.«
Nami senkte den Blick kurz. »Diese Tage mit Ruffy… sie waren anders. Ruhiger. Näher. Und jetzt ist er wieder überall gleichzeitig. Kapitän. Freund. Mittelpunkt der Crew.« Sie lachte leise. »Und ich weiß, dass er derselbe ist. Aber ich muss mich erst wieder daran gewöhnen.«
Robin legte ihr behutsam eine Hand auf die Schulter. »Bindungen verschwinden nicht, nur weil sich der Rahmen ändert. Manchmal werden sie sogar stärker. Du solltest dir erlauben, das zu akzeptieren.«
Noch bevor Nami antworten konnte, hallte plötzlich hastiges Getrampel über das Deck.
»NAAAAMIIIIII!!«
Beide Frauen hoben gleichzeitig den Kopf.
Ein schwarzer Haarschopf tauchte über der Treppe auf, gefolgt von einem Körper, der offensichtlich beschlossen hatte, die letzten Stufen nicht zu benutzen. Ruffy sprang mit einem Satz auf das Hauptdeck, rutschte ein Stück über die Planken und kam direkt vor Nami zum Stehen.
»Da bist du ja!«, grinste er breit.
»Ruffy?!«
Nami blinzelte überrascht.
»Ich hab dich gesucht!«
»Warum denn -«, doch weiter kam sie nicht.
Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, schlang Ruffy die Arme um sie und zog sie mit einer schwungvollen Bewegung an sich. So selbstverständlich, als hätte er nie etwas anderes getan. Ihre Füße hoben kurz vom Boden ab.
»R-Ruffy!« Sie lachte überrascht. »Was soll das denn plötzlich?!«
»Hä?« Er löste die Umarmung keinen Zentimeter, legte den Kopf schief und sah sie ehrlich verwundert an. »Ich wollte dich umarmen.«
»Einfach so?!«
»Ja!«
Damit schloss er die Arme erneut fester um sie und lehnte sein Kinn locker auf ihrem Kopf ab. Sein Grinsen war warm.
»Du riechst nach Meer«, stellte er zufrieden fest.
Nami seufzte, jede Spur von Widerstand löste sich auf. Sie legte unbewusst eine Hand an seine Brust, spürte seinen ruhigen Herzschlag.
»Du bist unmöglich…«, murmelte sie, diesmal jedoch mit einem echten Lächeln.
Robin beobachtete die Szene einen Schritt entfernt. Ein amüsiertes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. »Du hast ein bemerkenswertes Gespür für den richtigen Moment, Ruffy.«
Er drehte den Kopf zu ihr, ohne Nami loszulassen. »Oh! Robin! Hi!«
»Du unterbrichst gerade ein Gespräch.«
»Oh.« Er dachte kurz nach, dann grinste er noch breiter. »Aber Nami war traurig.«
Nami blinzelte. »Was?!«
»Warst du nicht?«, fragte er ernst. »Du hast so geguckt wie damals, als wir fast kein Fleisch mehr hatten.«
»Das ist KEIN Vergleich!«
Robin lachte leise. »Und woher weißt du, dass sie traurig war?«
Ruffy zuckte mit den Schultern. »Weiß ich einfach.«
Dann drückte er Nami noch einmal kurz an sich.
Robin schloss kurz die Augen, schüttelte lächelnd den Kopf. »Manchmal ist deine Einfachheit beneidenswert.«
»Danke!«, antwortete Ruffy fröhlich.
Er legte einen Arm locker um Namis Schulter und blickte hinaus aufs Meer, als wäre alles genau so, wie es sein sollte. Sie lehnte sich leicht an ihn, spürte die Wärme, die Vertrautheit. Die Angst, etwas verloren zu haben, löste sich langsam auf. Nichts war verschwunden. Es hatte nur eine neue Form angenommen.
Robin trat schließlich einen Schritt zurück. »Ich lasse euch allein«, sagte sie sanft. »Aber denk daran, Nami: Manche Anker sind unsichtbar. Und trotzdem halten sie uns sicher.«
Nami sah ihr nach, dann wieder hinaus aufs Meer.
Ruffy drückte sie leicht an sich. »Wir haben noch viele Abenteuer vor uns.«
Sie lächelte. »Ja.«
Die Thousand Sunny zog weiter ihren Weg durch die Wellen und mit ihr eine Crew, die stärker verbunden war als je zuvor.