Der erste Blick
Der Krieg war vorbei. Voldemort endlich besiegt.
Eine tonnenschwere Last fiel von ihren Schultern, als sie mit ansah, wie er sich auflöste.
Alles hatten sie gemeinsam überstanden, doch nun trennten sich ihre Wege.
Harry und Ron gingen ins Ministerium und sie zurück nach Hogwarts.
Natürlich hatte sie dasselbe Angebot wie die beiden bekommen, doch auf das letzte Schuljahr wollte sie nicht verzichten.
Ein Jahr unbeschwert sein. Lernen. Über ihre Zukunft nachdenken.
"Miss Granger. Schön Sie zu sehen.", die ältere Hexe nahm sie liebevoll in den Arm.
"Mrs. McGonagall! Ich freue mich wieder hier zu sein!", auch wenn die Umarmung nur einen Moment dauerte genoss sie sie.
Ihre Verbindung war schon im Laufe ihrer Schuljahre gewachsen. McGonagall war ihr Vorbild. Eine starke Frau, die alle Schwierigkeiten überwinden konnte. Bei der letzten Schlacht in Hogwarts vertiefte sich diese Verbindung noch.
"Danke, dass ich schon einen Tag früher herkommen durfte. Ich war so aufgeregt, als wäre es mein erster Tag.", schmunzelte sie glücklich.
"Oh da waren Sie nicht die Einzige. Es gibt jemanden, von dem ich nicht vermutet hatte, ihn überhaupt noch einmal hier zu sehen. Deshalb habe ich Sie auch her gebeten.", hastig brachte sie diese Worte hervor und die junge Frau runzelte die Stirn.
Der Brief ihrer Lieblingslehrerin und neuen Schulleiterin war schon so kryptisch formuliert.
"Kommen Sie, gehen wir.", beide schritten durch die Gänge und fuhren mit der magischen Wendeltreppe in ihr Büro hinauf.
Sie staunte nicht schlecht als sie einen ihr wohl bekannten blonden Schopf erspäte, als die Professorin das Sichtfeld frei gab.
Seit er mit seiner Familie das Schlachtfeld verlassen hatte, war er verschwunden. Dabei waren so viele ungeklärte Fragen zurückgeblieben. Fragen, die sich seit dem Vorfall in Malfoy Manor häuften. Instinktiv griff sie sich bei dem Gedanken an ihren linken Arm. Und Fragen, auf die sie eine Antwort wollte.
Alles Fragen, auf die die Brünette jetzt vielleicht eine Antwort bekam.
Langsam und mit zögerlichem Schritt näherte sie sich dem Blondschopf. Es glänzte, aber nicht wegen des tonnenweise aufgetragenen Gel's, wie früher. Nein, da war kein Gel zu erkennen.
Nervös, aber mit Bedacht sich dies nicht anmerken zu lassen, trat Hermione vor den Stuhl der neben Malfoy stand.
Fast wie in Zeitlupe ließ sie sich auf das weiche Polster sinken. Erst als der Stuhl ein klein wenig knarzte, wie alte Stühle es eben taten und ihr ganzes Gewicht auf ihm lag, schielte sie zu ihm rüber.
Als er seinen Kopf zu ihr drehte und sie seine sturmgrauen Augen endlich wieder erblickte, war es als ob ihre Blicke etwas verband. Eine unsichtbare Macht, die beide davon abhielt ihren Blick wieder abzuwenden.
Vor ihren Augen liefen all ihre gemeinsamen Augenblicke wie in einem Film ab. Bis jetzt.
Erst dann sprach Draco Malfoy: "Hallo Granger."