Suche nach Hilfe!
Besorgt sah Chichi ihrem Sohn beim Essen zu. Wenn er es endlich einmal schaffte den Teller leer zu essen, wie früher.
„Son Gohan, schmeckt es dir nicht?“
„Doch, Mama… ich… ich habe nur keinen Hunger…“, murmelte er leise und sah sie nicht an.
„Du hast ziemlich abgenommen, mein Kleiner… ich finde wir sollten zu einem Arzt gehen… ich werde gleich versuchen einen Termin zu machen okay?“, erwiderte sie und schielte zum leeren Platz ihres Mannes.
Keine Antwort ihres Sohnes. Tagsüber wirkte er auf sie wie eine leblose Puppe und Nachts quälten den Jungen die schlimmsten Ängste und Albträume. Jede Nacht kam er zu ihr ins Bett und kuschelte sich schluchzend an sie.
Seit 3 Monaten ging das jetzt so und Chichi war mehr als ratlos, er redete auch kaum mit ihr.
Son Goku war seit 3 Monaten tot, sie hatte es aber noch nicht geschafft es ihrem kleinen Liebling zu erzählen.
Chichi erhob sich und ging in den Flur zum Telefon, ehe sie die Nummer eines Psychiaters wählte. Vielleicht hatte es etwas mit dem Verlust seines Vaters zu tun, dass Son Gohan sich so seltsam verhielt.
„Hallo? Hier ist Chichi… ich brauche bitte dringend einen Termin bei Dr. Kayasu. Es geht um meinen vierjährigen Sohn… er benimmt sich seit etwa 3 Monaten recht seltsam… moment bitte“, sagte sie und unterbrach das Gespräch kurz, ehe sie zu ihrem Sohn rüber sah.
„Du kannst in dein Zimmer gehen, mein Schatz“, sagte sie mit gequältem Lächeln und ohne ein Wort oder Blickkontakt stand der Halbsaiyajin von seinem Stuhl auf und ging in sein Kinderzimmer.
„Da bin ich wieder… entschuldigen Sie… nun vor 3 Monaten ist sein Vater plötzlich verstorben… mein Kleiner isst kaum noch etwas… er spielt oder lernt nicht mehr… Nachts ist er regelrecht panisch, schreit und weint laut… und bettnässen tut er auch wieder… obwohl er mit 3 Jahren schon Trocken war… ich mache mir ernsthaft Sorgen!“
„Mhm… verstehe… gut, wenn Sie können, kommen Sie bitte sofort in unsere Praxis… alles weitere wird der Doktor mit Ihnen besprechen“, erwiderte die Arzthelferin und hörte Chichi erleichtert aufatmen.
„Vielen Dank, wir machen uns gleich auf den Weg“
Wieder stieß sie einen erleichterten Seufzer aus und legte den Hörer auf.
Sie sah einen Moment in den Flur und räumte die Teller des Mittagessens in die Spüle, ehe sie zu ihrem Sohn ging.
Als sie ihn auf dem weichen Teppich zusammengerollt liegen sah, die Beine dicht an den Oberkörper gezogen und einen Teddybären eng an sich gedrückt.
„Son Gohan? Wir haben Glück… wir können gleich zu Dr. Kayasu… er schaut mal was los ist, okay?“, fragte sie mit ruhiger Stimme und hockte sich an der Tür in Augenhöhe zu ihm hinunter.
Es dauerte einige Sekunden bis Son Gohan reagierte, er hob den Kopf und sah seine Mutter kurz an. Doch kaum hielt sie ihm die Arme entgegen, erhob er sich und lief auf sie zu.
„Gehst du nochmal zur Toilette? Ich hole deine Jacke“, flüsterte sie ihm zu und ging ins Badezimmer.
Chichi zog sich ebenfalls eine Jacke über und nahm die ihres Sohnes von der Garderobe.
Als Son Gohan zu ihr zurückkehrte, schlüpfte er in die Ärmel und nahm seinen Teddy fest in den linken Arm, während er mit der rechten Hand die seiner Mutter festhielt.
Kaum öffnete Chichi die Tür nach draußen wehten ihr einige trockene Herbstblätter entgegen.
Sie spürte, wie der Druck der kleinen Hand in ihrer fester wurde, kaum, dass sie das Haus verlassen hatten.
Sie gingen durch den Wald der sich vor ihrem Zuhause erstreckte, der einzige Weg der sie in die belebte Innenstadt brachte.
Ängstlich zog Son Gohan den Kopf zwischen den Schultern ein und seine Augen suchten das Blätterdach ab.
Chichi sah ebenfalls in die halbdichten Baumkronen dessen Blätter bräunlich, rot und gelb gefärbt waren.
Nach etwa einer Stunde des Fußmarsches hatten sie die Stadt erreicht und Chichi, drückte die Hand ihres Sohnes etwas fester.
Sie bogen nach links in ein mehrstöckiges Gebäude und stiegen die Treppen hinauf.
Als sie die Tür der Praxis öffneten begrüßte sie die Rezeptionistin freundlich.
„Guten Tag, ich heiße Chichi, ich hatte hier vor etwa einer Stunde angerufen… es geht um meinen Sohn“, erzählte sie und die Frau hinter dem Tresen erhob sich und sah lächelnd auf den kleinen Halbsaiyajin herab, der sich schutzsuchend hinter seiner Mutter versteckte.
„Ist gut, bitte warten Sie noch einen Moment im Wartezimmer, ich rufe Sie gleich auf“
Chichi nickte und öffnete neben an die Tür ins Wartezimmer.
Zwei andere Kinder spielten gerade mit einigen Bauklötzen und einer Holzeisenbahn in der Spielecke.
Chichi kramte in ihrer Umhängetasche nach einem Schnuller und gab ihn ihrem Sohn. Sie hatte festgestellt, dass er durch das Nuckeln etwas ruhiger wurde und so schien es zumindest ihn etwas von seiner inneren Anspannung löste.
„Möchtest du mit den Kindern dort spielen?“, fragte sie lächelnd, doch er schüttelte energisch mit dem Kopf und krabbelte auf den Stuhl neben ihr. Er legte den Kopf auf ihre Oberschenkel und sie nahm ihm seinen roten Hut ab, ehe sie ihm sanft durchs Haar strich.
Sie strich ihm immer wieder über die leichte Beule auf der linken Kopfseite.
Gedankenverloren sah Chichi den anderen Kindern beim Spielen zu und bemerkte, dass ihre eigene Anspannung stetig stieg.
Gut 20 Minuten vergingen, ehe sich die Tür zum Wartezimmer öffnete und die freundliche Arzthelferin Son Gohan aufrief.
Chichi hob ihren Jungen auf den Arm und er klammerte sich ängstlich an sie, während sie das Zimmer verließ.
Sie wurden in das Untersuchungszimmer geführt, wo Dr. Kayasu sie bereits erwartete.
Er war ein kräftiger recht großgewachserner Mann, das Gesicht umrahmte einen ergrauten Vollbart und die Haare standen ihn zu sämtlichen Seiten ab.
„Ah, da ist ja der kleine Notfall, danke, dass Sie es einrichten konnten“, sagte er freundlich und erhob sich mit langem weißem Kittel vom Stuhl.
Chichi ließ ihren Sohn runter, blieb aber dicht bei ihm.
„Wie heißt du denn, mein Junge?“, fragte der freundliche Arzt, doch Son Gohan versteckte sich halb hinter seiner Mutter.
„Wenn du nicht mit mir sprichst, dann kann ich dir nicht helfen“, erwiderte der Mediziner und hockte sich vor seinen Patienten, um mit ihm auf Augenhöhe zu sein.
„Es ist alles in Ordnung, mein Schatz… sag dem netten Arzt wie du heißt“, versuchte nun Chichi ihr Glück.
Der kleine braune Schwanz hinter dem Jungen zuckte nervös hin und her.
Neugierig erhaschte der Arzt einen Blick auf das Anhängsel.
„Nanu, ist das da ein Schwanz? Hat der Junge einen seltenen Gendefekt?“, fragte er und sah zu Chichi auf.
„Ja… naja… wie man es nimmt… sein Vater hatte auch einen, als er ein Kind war…, er hat ihn sich aber abnehmen lassen und seitdem ist er nicht wieder nachgewachsen…“, antwortete sie und strich ihrem Sohn über den Kopf.
Son Gohan nahm seinen Schwanz in beide Hände, als hätte er Angst der Arzt würde ihn ihm ausreißen.
„Sai… ya… jin…“, meldete sich nun der Junge zu Wort.
„Was hast du gesagt? Saiyajin? Was ist das, mein Junge?“, fragte der Psychiater neugierig und sah seinen Patienten intensiv an.
Der Arzt richtete sich auf und wendete sich an Chichi.
„Würden Sie mich bitte einen Moment mit Ihrem Sohn alleine lassen? Ich denke, es ist besser wenn er mir alleine erzählt was es mit diesem fremdartigen Wort auf sich hat“, bat er freundlich.
Son Gohan krallte seine Finger in den Mantel seiner Mutter und hinderte sie daran wegzugehen.
Sie hockte sich zu ihm hinunter und strich ihm über die Wangen.
„Ich bin gleich hinter der Tür, wenn etwas ist, dann rufst du mich ganz laut, okay? Ich komme sofort rein! Bis gleich mein Kleiner“, sagte sie und drückte ihn kurz fest an ihre Brust.
Mit wehmütigem Blick sah er ihr hinterher und schniefte leise.
„Also mein Junge, magst du dich hier zu mir an den Tisch setzten? Ich habe hier ein paar Blätter Papier und ein paar tolle Stifte, kannst du malen wie ein Saiyajin aussieht?“, ermutigte ihn der Mediziner und der Junge ging zum schweren Schreibtisch und kletterte auf den Stuhl.
Der Halbsaiyajin sah immer mal wieder zu einer palmenartigen Pflanze in der Ecke rüber, während er mit einem schwarzen Wachsmalstift seiner Fantasie freien Lauf ließ. Immer mehr Form nahm die kindliche Zeichnung aus der Erinnerung des Jungen an. Ein böses Gesicht, lange stachelige Haare, eine Art Rüstung und ein Schwanz.
Als der Kleine fertig war, sah er sich sein Werk nochmal an und die verdrängte Erinnerung war wieder so präsent wie am Tag seiner Entführung.
Prüfend sah sich der Arzt die Zeichnung an und dann zu dem Jungen.
„Das ist ein Saiyajin? Ist das ein Mann?“
Auf beide Fragen hin nickte Son Gohan nur.
„Hast du ihn gesehen?“
Wieder ein Nicken.
„Er hat auch einen Schwanz, wie du“, schlussfolgerte der Mediziner.
„Was wollte er von dir?“
Son Gohan sah ihn furchtsam an und wurde blass im Gesicht. Tränen stiegen ihm in die Augen, als die furchtbaren Erinnerungen wieder so lebendig über den Jungen hereinbrachen.
Lauthals fing er an zu weinen, sprang unbeholfen vom Stuhl und versteckte sich kurz darauf unter diesem.
„Was ist passiert, mein Liebling?!“, rief Chichi panisch, nachdem sie die Tür aufgerissen hatte.
Der Arzt sah ernst auf die kindliche Zeichnung und erhob sich langsam, ehe er das Blatt Papier an sich nahm.
Sofort hockte Chichi sich zum Stuhl hinunter und ihr Sohn klammerte sich Schluchzend an sie.
„Ihr Sohn ist künstlerisch begabt… nun kennen Sie diesen Mann?“, fragte er und zeigte Chichi die Zeichnung.
Prüfend sah sie auf das Blatt und schüttelte mit dem Kopf.
„N, nein… ich habe ihn noch nie gesehen… er hat auch einen Schwanz…“, hauchte sie und wollte ihren Sohn danach befragen doch er schlug ihr panisch das Blatt aus der Hand und zitterte am ganzen Körper.
„Nun, wie mir scheint, hat Ihr Sohn entweder eine sehr lebhafte Fantasie… oder ein ernsthaftes psychisches Trauma… bitte nehmen Sie die Zeichnung mit und befragen Freunde und Familienangehörige nach dieser Person… so etwas muss man ernst nehmen…, danach rufen Sie hier bitte wieder an und wir vereinbaren einen neuen Termin“, sagte Dr. Kayasu ernst.
Chichis Lippen zitterten und ihr Gesicht wurde kalkweiß.
„Ein… Trauma? Okay… das werde ich machen… danke Doktor“, erwiderte sie und verließ mit glasigem Blick das Behandlungszimmer und die Praxis.
Chichi war völlig durcheinander… ob es doch mit Son Gokus Tod zusammenhing, dass Ihr Sohn sich so benahm? Aber hätte er dann nicht seinen Vater auf das Papier gemalt?
Der Herbstwind wehte stärker auf dem Rückweg nach Hause und im Wald fing es an zu regnen.
Schnell lief Chichi das letzte Stück nach Hause. Son Gohans Schluchzen war mittlerweile verstummt und er war vor Erschöpfung eingeschlafen.
Sie öffnete die Haustür mit dem Schlüssel und nahm ihrem Sohn die Mütze ab, ehe sie sich die Stiefel abstreifte.
Sie brachte ihn in ihr Schlafzimmer und zog ihn vorsichtig aus.
Sie holte seinen Piyama aus seinem Zimmer und zog ihn dem Jungen über, ehe sie seinen Schwanz vorsichtig durch das Loch über dem Po fädelte.
Behutsam legte sie ihn ins große Bett und deckte ihn zu. Sofort kuschelte sich Son Gohan mit seinem Kuscheltier ins große Kissen, der feuchte Pony störte ihn nicht.
„Ich bin gleich bei dir, mein kleiner Schatz“, sagte sie fast mit weinerlicher Stimme und ging ins Wohnzimmer.
Dort holte sie die Zeichnung aus der Handtasche und nahm den Telefonhörer ab.
„Hallo Bulma… hast du Zeit für einen Tee? Ich brauche gerade dringend eine gute Freundin…“
„Hallo Chichi, schön wieder von dir zu hören, natürlich, ich mache mich gleich auf den Weg“, erwiderte die Wissenschaftlerin und verabschiedete sich kurz darauf.
Sie legte ebenfalls auf und ging zu Son Gohan zurück.
Sie krabbelte auf ihre Bettseite und legte ihre Arme um ihn.
Schutzsuchend kuschelte ihr Sohn sich an sie und sein Schwanz wickelte sich um ihr Handgelenk.
„Ein Trauma…“, flüsterte sie leise und sah ihm in das erschöpfte Gesicht.
Trigger
Etwas über eine Stunde später klopfte es an der Tür und Chichi zuckte aus ihrem Dämmerschlaf. Sie streckte sich einmal, ehe sie ihrem Sohn sanft durch das schwarze Haar strich und aus dem Bett stieg.
Sie rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht und öffnete ihrer Freundin die Tür.
„Hallo Chichi, ich bin so schnell hergekommen wie ich konnte aber die Stadt war so vollgestopft da musste ich einen kleinen Umweg fahren“, begrüßte Bulma Chichi und trat ins Haus.
„Ist schon gut, danke, dass du gekommen bist… ich koche uns einen Tee… ich war gerade mit Son Gohan bei einem Psychiater… Dr. Kayasu… der Kleine benimmt sich seit 3 Monaten sehr seltsam… jede Nacht schreit und weint er und kommt dann zu mir ins Bett… er braucht aber lange um sich zu beruhigen… ich dachte die Monster im Schrank und unter dem Bett hat Son Goku mit ihm überwunden… aber wenn ich ihn frage wovor er solche Angst hat, weint er noch mehr… Der Arzt sagte, dass Son Gohan wohl ein psychisches Trauma hat, sie dir bitte einmal das Bild an, was er in der Praxis gemalt hat… Dr. Kayasu ich solle Freunde und Familienmitglieder nach diesem Mann befragen, ob sie ihn kennen…“, begann Chichi zu erzählen und stand am Herd und sah in den Wald.
Neugierig nahm sich Bulma das Bild in die Hand während sie ihrer Freundin aufmerksam zuhörte und weitete schließlich vor Schreck die Augen.
„Chichi… das hat… Son Gohan gemalt?“
Chichi drehte sich zu ihrer Freundin um und nickte ihr zu, während sie den Tee in zwei Tassen goss.
„Ich habe diesen Typen gesehen… auf der Schildkröten Insel… ich… weder ich, noch Krillin oder Muten Roshi haben dir damals alles erzählt, weil du sonst durchgedreht wärst… und wir wissen wie du bist… bitte setz dich“, fing Bulma unsicher an zu erzählen und bemerkte schon jetzt wie sich die Körperspannung ihrer Freundin veränderte.
Betont langsam setzte Chichi den Topf auf der Arbeitsfläche ab und drehte den Herd herunter, ehe sie beide heiße Tassen in bloße Hände nahm und ihre Freundin nicht aus den Augen ließ.
„Dann sag mir jetzt was passiert ist…“
Langsam setzte sich Chichi ihrer Freundin gegenüber auf einen Stuhl und starrte sie erwartungsvoll an.
Bulma schluckte schwer und klemmte ihre nervösen Hände zwischen die Knie. Wieder sah sie auf das Bild, welches sie auf dem Tisch ablegte.
„Bevor Son Goku starb… stellte sich dieser Mann, der wie aus dem Nichts auf die Insel flog, als sein älterer Bruder vor… Wir alle glaubten diesem Blödsinn nicht… er verlangte von Son Goku, dass er Hundert Menschen tötet und die Leichen auf der Insel aufstapelte… er weigerte sich natürlich… und deswegen… hatte er Son Gohan als Druckmittel benutzt und ihn entführt… Son Goku hat sich dann mit Piccolo zusammengetan und sie sind hinterher… mehr weiß ich auch nicht… als ich dort ankam… waren Son Goku und sein Bruder tot… ich habe dann Son Gohan zu dir gebracht…“, beendete die Wissenschaftlerin ihre Erzählung und legte behutsam eine Hand auf die Schulter ihrer Freundin.
Chichi starrte Bulma ungläubig an, ehe sie lauthals zu lachen anfing.
„Chichi… das war kein Witz… das meine ich toternst… hast du Son Gohan gefragt, wer das ist?“, fragte sie ernst nach und ergriff fest den Unterarm ihrer Freundin.
„Hahaha ja natürlich habe ich das! Ich zeige ihm das Bild und mein Kleiner fängt noch mehr an zu weinen! Schade, dass er schon tot ist… sonst hätte ich ihn getötet!“, fing sich Chichi nach dem ersten Satz wieder und sah ernst auf die Zeichnung.
„Der Arzt könnte also durchaus Recht haben mit dem Trauma, Chichi…“
Mehrere Minuten schwiegen die Freundinnen.
„Und wieso hast du nichts getan?“, fragte Chichi nach einer Weile und Bulma keuchte erschrocken auf.
„Ich?! Weißt du was das für ein Kerl war? Ich bin zwar schlagfertig mit dem Mund aber nicht mit den Fäusten! Du bist geübt in der Kampfkunst, ich nicht!“, erwiderte sie ernst, erhob sich von der Couch du stemmte die Fäuste in die Hüften.
Chichi tat ihr Unrecht!
Im selben Moment schlurfte der kleine Son Gohan ins Wohnzimmer und sah zu seiner Mutter rüber.
„Streitet ihr euch, Mama?“
Chichi zuckte zusammen als sie die leise Stimme ihres Sohnes hörte und erhob sich vom Stuhl.
„Nein, mein Liebling… wir streiten uns nicht… komm mal bitte her zu mir“, bat sie und hielt ihm lächelnd die Arme auf.
Mitfühlend sah Bulma den Jungen an, als Chichi ihn auf ihren Schoß setzte.
„Hallo Son Gohan… erkennst du mich wieder? Ich bin Bulma“, begrüßte ihn die Wissenschaftlerin freundlich, doch sie sah erneut die Angst in seinen Augen.
Skeptisch sah Son Gohan sie an, sah dann auf seine Zeichnung, dann wieder in ihr Gesicht.
Die Arme seiner Mutter legten sich immer fester um seinen Bauch.
„Lass… lass mich los… bitte tue mir nicht weh…“, wimmerte er und die Tränen liefen ihm erneut über die Wangen.
„Chichi… lass ihn los…“, bat Bulma besorgt doch ihre Freundin war selbst den Tränen nahe und schüttelte wehement den Kopf. Kurz darauf ertönte ein mehrmaliges Piepen und richtete Bulmas Aufmerksamkeit auf ihre Tasche, die sie dabei hatte.
Sie holte Radditz‘ Scouter heraus und setzte ihn sich auf das linke Ohr um Son Gohans Kampfkraft zu messen.
„420… 540… 611… 730… Chichi lass den Jungen los!“, rief die Wissenschaftlerin den letzten Satz etwas lauter und bestimmter ihrer Freundin zu.
„Keiner nimmt mir meinen Kleinen weg, Bulma! Nie wieder hörst du?!“, schrie Chichi wütend zurück.
Ein gleißender Blitz erhellte den Wohnraum und mit einem Mal schoss der Halbsaiyajin aus den Armen seiner Mutter und riss ein großes Loch in die Wand.
Im nassen Gras kauerte sich Son Gohan wimmernd zusammen und schluchzte leise auf.
Erschrocken starrte Chichi auf ihre zittrigen Hände und dann aus dem Loch in der Wand nach draußen.
„Mein Kleiner…“, hauchte sie erstickt, erhob sich vom Stuhl und lief aus der Haustür nach draußen in den Regen.
Sie kniete sich neben ihren Sohn und bettete den Kopf auf ihre Fäuste.
„Es tut mir so leid… ich wollte dir nicht weh tun… ich… ich möchte nur wissen was passiert ist…“, schluchzte sie leise, ehe sie wenige Minuten später die Hand ihrer Freundin auf ihrem Rücken spürte.
„Lass Son Gohan von selbst auf dich zukommen Chichi… bitte gib ihm die nötige Zeit…“, bat die Wissenschaftlerin und sah in den Himmel.
„Gerade jetzt… brauchen wir dich… Son Goku… so sehr, wie noch nie…“
Bulma sah nochmal auf die Scouteranzeige.
Son Gohans Kampfkraft lag jetzt bei Null.
Langsam erhob sich Chichi mit dem Oberkörper und sah verzweifelt auf die zitternde Gestalt ihres Sohnes herab.
„Komm her, mein Baby… wir gehen ins warme Haus, sonst erkältest du dich noch“, sagte sie nun etwas ruhiger und nahm ihr Kind vorsichtig auf die Arme.
Bulma begleitete sie wieder zurück ins Haus und schloss die Tür hinter sich.
Chichi legte ihren Sohn auf dem Sofa ab, ehe sie ihm die nasse Kleidung auszog.
Sie trocknete ihn mit einem Handtuch ab und zog ihm einen trockenen Piyama an.
„Ich will, dass Papa wieder zurück kommt…“, wimmerte er leise und sah seine Mutter flehend an.
Chichi biss sich auf die Unterlippe und auch Bulma kämpfte mit den Tränen.
„Schätzchen… dein Papa ist… er… er ist im Himmel und schaut von dort aus zu uns runter… er kann nicht mehr zu uns auf die Erde kommen… er hat… nach dem… Kampf um dich zu retten… eine neue Aufgabe bekommen…“, versuchte sie ihrem Sohn den Tod seines Vaters so schonend wie möglich zu erklären.
Son Gohan sah durch das Loch nach draußen und hörte es leise Grummeln.
„Hörst du das? Erinnerst du dich noch an die Energiebälle mit denen er trainiert hat? Damit macht er jetzt die Blitze bei einem Gewitter…“
Bulma wendete den Kopf ab und wischte sich die Tränen von den Wangen.
Gebannt wartete Son Gohan auf den ersten Blitz, vor denen er sich sonst immer so sehr fürchtete.
Als es nach einer Weile grell aufblitzte strahlte Son Gohan wie schon lange nicht mehr und umarmte seine Mutter fest.
„Jetzt habe ich keine Angst mehr, wenn es donnert… jetzt weiß ich, dass Papa bei uns ist“
Chichi kniff bei den warmen Worten die Augen zusammen um ein lautes Aufschluchzen zu verhindern.
„Das freut mich, mein kleiner Liebling“
Nach einer Weile sah sie zu ihrer Freundin auf, die traurig nach draußen sah.
„Bulma? Danke… dass du für uns da bist… entschuldige mein giftiges Verhalten vorhin…“
Bulma sah Chichi an und schüttelte lächelnd mit dem Kopf, ehe sie ihre Freundin und Son Gohan in die Arme schloss.
„Ist schon gut“
Schwierige Eingewöhnung
Während Son Gohan nach einer Weile in sein Zimmer ging, saßen Chichi und Bulma noch bis zum späten Abend beisammen.
„Ich würde die Therapie weiter fortsetzen, Chichi… das Bild ist der erste Schritt in eine gesunde und richtige Richtung…“, sprach Bulma nach einem weiteren Schluck warmen Tee.
„Naja… wenn er mit mir schon nicht spricht…“, erwiderte die Jüngere traurig und sah auf die Zeichnung ihres Sohnes.
„Das hat gar nichts zu bedeuten… jedenfalls nicht mit dir persönlich… du stehst ihm am Nächsten… vielleicht würde es ihm sogar helfen, wenn du ihn in einen Kindergarten schicken würdest… wenn auch nur für eine bestimmte Zeit, um zu sehen wie er sich entwickelt… er ist ein Einzelkind, Chichi… er braucht Spielkameraden in seinem Alter…“, ermutigte Bulma sie und legte ihre Hand auf die linke Schulter ihrer Freundin.
„Übrigens Chichi… stimmt es, dass Son Gohan später ein großer Wissenschaftler werden möchte?“, fragte Bulma nach einer Weile des Schweigens.
„Naja… er interessiert sich sehr für Tiere und Insekten… da hat er mich einmal gefragt, welchen Beruf man mit Tieren und Insekten machen kann…“, erwiderte sie und lächelte etwas scheu.
„Ich möchte doch nur, dass aus ihm etwas Vernünftiges wird, Bulma… kannst du das nicht verstehen?“
„Doch natürlich verstehe ich das… aber du solltest ihm seinen freien Willen lassen… nicht, dass er das nur macht, damit du stolz auf ihn bist… das ist für ein Kind nicht gesund…“, erwiderte die ältere der Freundinnen.
Ein tiefer Seufzer entfloh Chichi und sie nahm das Bild an sich und betrachtete es sich nochmal eine Weile.
„Wenn etwas ist… kannst du dich jederzeit wieder bei mir melden“, lächelte Bulma und erhob sich langsam, ehe sie sich den Rücken durchstreckte.
„Danke, Bulma… komm gut nach Hause, Gute Nacht“
„Nicht dafür, bis bald, Gute Nacht“
Nachdem Bulma gegangen war, räumte Chichi die beiden Tassen in die Spüle und hörte leise ihren Sohn reden.
Sie schlich auf leisen Sohlen zum Zimmer und beobachtete den Jungen eine Weile.
„Bitte, bitte lieber Gott… pass gut auf meinen Papa, da oben auf… es dauert leider noch etwas… bis ich bei dir sein kann Papa…“, sprach der Junge sein kindliches Gebet kniend und mit dem Kopf zum Fenster geneigt.
Chichi brach es das Herz, bei den Worten ihres Sohnes.
Es dauert leider noch, bis der Kleine bei seinem Vater ist?
Langsam trat sie ins Zimmer und kniete sich neben ihren Sohn, während sie nach draußen sah.
„Son Gohan… auch wenn dein Papa jetzt im Himmel ist… er möchte sicher, dass du hier unten auf der Erde ein glückliches Leben hast… er freut sich dich wiederzusehen wenn… wenn die Zeit gekommen ist… aber bis dahin… genießen wir unser Leben okay?“, sagte sie mit weinerlicher Stimme und Tränen liefen ihr über die Augen.
Son Gohan sah zu seiner Mutter auf und hörte ihr aufmerksam zu.
„Papa will, dass du auch glücklich bist, Mama…“, erwiderte ihr Sohn und erhob sich, ehe er sich vor seine Mutter stellte.
Vorsichtig wischte er ihr mit dem kleinen Fingern die Tränen von den Wangen.
Chichi lächelte und streckte die Arme nach ihrem Jungen aus. Son Gohan warf sich an die Brust seiner Mutter und sie beide saßen noch mehrere Minuten so da.
Vorsichtig erhob sie sich mit ihm auf dem Arm und ging mit ihm ins Schlafzimmer. Sanft legte sie ihn auf das Bett und er zog sich die Hose samt Unterwäsche aus, ehe er sich rücklings hinlegte. Chichi kam mit einer Windel zurück und wickelte ihren Sohn, da es seit er wieder Zuhause war oft passierte, dass er Nachts ins Bett machte.
„Bald schaffst du es sicher wieder ohne Windel zu schlafen“, ermutigte sie ihn und nahm ihn in den Arm.
„Tut mir leid…“
Sie schüttelte mit dem Kopf.
„So meinte ich das nicht, mein Liebling… lass dir alle Zeit der Welt und jetzt ab unter die Decke“, erwiderte Chichi und deckte ihren Sohn liebevoll zu.
„Schlaf gut mein Schatz… ich bin bei dir, wenn du Angst bekommst ja?“
Er nickte ihr lächelnd zu und kuschelte sich mit seinem Teddy tief ins Kissen.
Am nächsten Morgen drehte Chichi sich auf die linke Seite und strich mit der Hand über die warme Bettseite neben sich. Sie öffnete einen Spalt breit die Augen, als sie die Gegenwart ihres Sohnes nicht spürte.
Fast schon panisch schreckte sie hoch und sah als erstes unter dem Bett nach, doch von ihrem Sohn war keine Spur zu finden.
„Son Gohan?“, rief sie durchs Haus und lief in den Flur, ehe sie ihren Jungen im Wohnzimmer malen sah.
Konzentriert und mit einem wütenden Gesicht, zeichnete der Halbsaiyajin drauf los.
Er hatte den Ruf seiner Mutter nicht gehört und bemerkte sie auch nicht als sie sich ihm vorsichtig von hinten näherte.
Mehrere Blätter lagen vor ihm, jede mit einer anderen Zeichnung aus Buntstiften, ja sogar seinen Vater konnte Chichi an der Frisur erkennen.
Schweigend und besorgt sah sie ihrem Jungen weiter beim Malen zu und sogar Blut ließ Son Gohan nicht aus.
Sie beschloss erst mal einige Pfannenkuchen zu machen, sah dabei jedoch immer wieder zu ihm rüber.
Unruhig schlug sein kleiner Schwanz hinter ihm hin und her und die Fellhaare stellten sich immer wieder auf.
Nach etwa 30 Minuten war sie fertig und hatte einen großen Berg Eierkuchen ausgebacken.
Sie stellte ihn auf den Tisch und besah sich die fertigen Zeichnungen skeptisch.
„Son Gohan, hast du Hunger?“, fragte sie leise und lächelte milde.
„Oh ja, Mama!“, sagte er und sie sah ihn überrascht an, solch eine Antwort zu hören.
Sie holte ihm und sich einen Teller aus dem oberen Küchenschrank und Besteck aus der Schublade.
Es kamen noch Sirup, Honig und Schokocreme auf den Tisch.
Sie legte ihrem Jungen einen Pfannenkuchen auf den Teller und sich ebenfalls, ehe sie ihren Sohn beobachtete.
„Das sind tolle Bilder die du gemalt hast… haben die Bilder eine Geschichte?“, fragte sie interessiert nach.
„Danke, Mama… ja, guck mal, da kam dieser Mann zu Opa Roshis Insel… ich hatte große Angst vor ihm, er sah so böse aus… Er hat Papa gesagt, dass er sein großer Bruder ist… aber er sagte nicht Son Goku… sondern… Ka… Karottka… Kakarott… ja… Kakarott! Dann hat er Papa in den Bauch getreten und ich wollte zu ihm laufen… da… da hat er mich gepackt und… ist mit mir weggeflogen…“, zum Ende hin wurde Son Gohan immer leiser und zog die Beine dicht auf dem Stuhl an seinen Oberkörper.
Chichi sah ihn entgeistert an. Langsam stand sie auf, ging um den Tisch herum und hockte sich vor ihren Sohn.
„Dich wird keiner mehr mitnehmen, Son Gohan… nie wieder!“, sagte sie ernst und hielt ihm die Arme auf.
Der Halbsaiyajin sprang ihr in die Arme und weinte hemmungslos, als die furchtbaren Erinnerungen erneut über ihn hereinbrachen.
Eine ganze Weile, saß sie auf dem Boden und wiegte Son Gohan mit einem leisen Summen hin und her.
„Son Gohan? Was hältst du davon, in den Kindergarten zu gehen und mit anderen Kindern zu spielen?“, fragte sie ihn und strich ihm über den Rücken.
Der Junge löste sich langsam aus der Umarmung und legte seine Hände auf ihren Schultern ab.
„Ich weiß nicht… ich will nicht alleine sein…“
„Ich frage mal nach, ob ich die ersten Tage mitkommen kann, ja?“, schlug sie lächelnd vor, doch so ganz überzeugt schien ihr Sohn von der Idee nicht zu sein.
Nach dem Frühstück zog Chichi ihren Sohn warm an, ehe sie sich selbst umzog.
„Es wird bestimmt ganz schön mit den anderen Kindern werden“, ermutigte sie ihn und verließ mit ihm das Haus.
Wieder wurde der Griff um die Hand seiner Mutter fester und Son Gohan suchte mit ängstlichem Blick den Himmel ab.
Als sie eine Weile gegangen waren, kamen sie an der Kindertagesstätte an. Einige Kinder spielten auf Klettergerüsten, schaukelten oder fuhren auf kleinen Autos herum.
Nun wurde Son Gohan doch etwas neugierig und wagte einen Blick über den Zaun zu den anderen Kindern.
Chichi betrat lächelnd mit ihrem Sohn das Gebäude und sah sich suchend nach einer der Erzieherinnen um.
Da kam kurze Zeit später auch eine brünette Frau auf sie zu.
„Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?“
„Hallo, ich… ich möchte meinen Sohn gerne hier anmelden, wenn das noch möglich ist? Er ist 4 Jahre alt und ich denke… es ist an der Zeit, dass er Gleichaltrige kennenlernt… bisher hatte er nur… seinen… verstorbenen Vater… und mich…“, erwiderte Chichi und schluckte mit aller Kraft die aufkommenden Tränen hinunter.
„Oh nein… das tut mir sehr leid… Natürlich können Sie Ihren Sohn hier anmelden, er kann auch gleich hier bleiben und sich alles ansehen“
„Oh, das wäre prima“
Sie sah mit einem ermutigenden Lächeln auf ihren Sohn herab, der sich mit feuchten Augen an ihr Bein klammerte.
Sie hockte sich zu ihm hinunter und nahm ihn fest in die Arme.
„Ich gehe jetzt nicht weg, mein Kleiner… ich unterhalte mich noch etwas mit der netten Dame hier und melde dich hier an, du kannst dir schon einmal alles anschauen“, sagte sie beruhigend und strich ihm sanft über den Schwanz.
Langsam nickte der Halbsaiyajin und löste sich nur widerwillig von seiner Mutter. Vorsichtig ging Son Gohan in eine der Spielecken in der ein großer Turm mit Höhlen und Seilen stand.
Mit einem leichten Lächeln krabbelte er in die untere Höhle und hielt sich seinen Schwanz eng an den Körper gedrückt, hier fühlte er sich vorerst sicher.
Doch nach wenigen Minuten lukte ein braunhaariges Mädchen krabbelnd in seine Höhle.
„Hey, wer bist du denn? Geh raus aus meiner Höhle, das ist meine Höhle, ich bin ein Löwe, rooaaar!!“, knurrte sie und näherte sich ihm langsam auf allen Vieren.
Son Gohan zuckte zusammen, erhob sich und ging an ihr vorbei nach draußen.
Sie sah ihm lauernd hinterher und fletschte knurrend die Zähne.
Nun versammelte sich eine kleine Gruppe von 4 Kindern um den Neuankömmling.
Ein Junge in seinem Alter nahm seinen Schwanz in die Hand und strich gegen den Strich drüber.
Son Gohan zuckte zusammen und ein unangenehmer Schauer fuhr durch seinen Körper, ehe er sich zu ihm umdrehte und sah ihn böse an.
„Fass ihn nicht an!“, schrie er und in seiner Wut entlud der Halbsaiyajin eine kleine Aurawelle, die die anderen Kindern von den Füßen riss.
Ohne Tränen standen die Kinder wieder auf und kamen wieder auf ihn zu.
Seine kurze Wut verrauchte jedoch genauso schnell wie sie gekommen war und er sah sich hilfesuchend nach seiner Mutter um, die im Büro der Kindergartenleiterin saß.
Über sich, sah der Junge ein großes gespanntes Spinnennetz aus dicken Seilen.
Er ging in die Hocke und sprang so hoch er konnte und streckte seine kleinen Arme aus, um eines der Seile zu fassen zu bekommen.
Spielerisch lachend warfen sich die Kinder auf den Neuankömmling und begruben ihn unter sich.
Es war dunkel um ihn herum nur von unten sah er ein wenig Licht und seine Angst stieg an.
Es war zu eng!
Er kam nicht raus!
Er war gefangen, eingesperrt!
Tränen der Furcht benetzten seine Augen und Bilder der Vergangenheit blitzten vor seinem inneren Auge auf.
„Pa… Papa… Nein… PAPA!“, schrie er und drückte mit aller Kraft die anderen Kinder von sich runter, ehe er in die Luft flog und sich instinktiv an den Seilen festklammerte.
Chichi hörte ihren Jungen laut rufen und erhob sich ruckartig vom Stuhl.
Besorgt stürmte sie aus dem Büro, mit der Leiterin im Schlepptau und sah sich im Spielraum suchend nach ihrem Sohn um.
„Mama! Ich will nach Hause! Ich will zu Papa! Papa soll wieder zurückkommen!“, rief er und schluchzte bitter auf.
Die Leiterin hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund, als sie sah wie sehr der Kleine wohl unter dem Tod seines Vaters zu kämpfen hatte.
Chichi trat auf ihren Sohn zu und blieb unter ihm stehen, sie berührte sachte seinen Schwanz.
„Na komm, mein Kleiner… lass los, ich fang dich auf“, ermutigte sie ihn mit sanfter Stimme.
Als Son Gohan die Hand seiner Mutter an seinem Fell spürte, wickelte sich das Anhängsel schutzsuchend um ihren Unterarm, ehe er sich nach wenigen Sekunden in ihre Arme fallen ließ.
Ein ersticktes Schluchzen war das einzige was er nun hervorbrachte, als er sich mit dem Gesicht an ihre Brust drückte und sich an ihre Schultern klammerte.
„Der arme Junge… kommen Sie bitte einmal mit mir, wir haben extra einen Ruhe und Kuschel-Raum eingerichtet, wenn die Kinder Eingewöhnungsschwierigkeiten haben…“, bat die Leiterin und Chichi folgte ihr.
Sie betraten einen verdunkelten Raum, von einer Lampe an der Decke wurden Sternformen und ein runder Vollmond an die Wände geworfen. Unermüdlich drehten sich die Sterne und der Mond im Kreis des Zimmers.
„Wow… Hey, Son Gohan schau mal… ganz viele Sterne und der Mond“, flüsterte sie ihrem Kind leise ins Ohr und nach wenigen Sekunden, drehte der Halbsaiyajin sein verweintes Gesicht dem Raum zu und war fasziniert von den bewegenden Sternen.
Langsam trat Chichi auf einen gemütlichen Schaukelstuhl zu auf dem weiche Kissen lagen.
Die Leiterin nahm eine weiche Wolldecke, die auf einem Sessel lag und reichte sie Chichi.
Sie deckte ihre Beine und ihren Sohn sorgfältig zu und begann langsam zu schaukeln.
Son Gohan schien es zu beruhigen und er steckte sich seinen Daumen in den Mund, während er ruhig den Sternen mit den Augen folgte.
Diskret zog sich die Leiterin lächelnd zurück und schloss die Tür.
Ruf aus der Hölle!
Nach etwa einer halben Stunde, in der Chichi ebenfalls eingenickt war, spürte sie ein heftiges Zittern auf ihren Schoß.
„Son Gohan? Mein Schatz was ist los? Wach auf!“, sagte sie etwas lauter und rüttelte ihn sanft aber bestimmt an der Schulter, bis der kleine Halbsaiyajin aufschreckte.
Desorientiert sah er sich um, wie die Lichter der Sterne und des Mondes an den Wänden vorüberzogen, ehe er in das schemenhafte Gesicht seiner Mutter sah.
Weinend schlag der Junge seine Arme um sie und weinte sich an ihrer Schulter aus.
„Ich… ich will, dass Papa wieder zurückkommt!“
Chichi brach es das Herz und sie kämpfte mit den Tränen.
„Komm… wir gehen nach Hause…“, flüsterte sie und erhob sich langsam mit ihrem Sohn auf dem Arm, ehe sie den Ruhe-Raum verließ.
Zur selben Zeit in der Hölle
Mehrere Monate waren seit seinem Tod vergangen, doch den genauen Zeitpunkt konnte der langhaarige Saiyajin nicht bestimmen. In der Hölle gab es keine Zeit. Kein Hunger oder Durstgefühl, keinen Schlaf.
Nur seine eigenen Gedanken und seine ständig wiederholenden Erinnerungen.
Er stand an einer dunklen Mauer und sah dem öden Treiben der „verlorenen Seelen“ zu, denjenigen die ihre Körper nicht behalten durften.
Wieso er ihn behalten durfte? Weil er dafür gekämpft hatte! Er hatte bei Enma Daio getobt und geschrien! Der Seelenwächter hatte ihn nicht im geringsten beeindruckt!
Als er seine Augen schloss, sah er immer wieder diesen einen Moment kurz vor seinem Tod vor sich. Sein panisches Flehen! Der Kontrollverlust seiner eigenen Gefühle, als er dem Tod unausweichlich gegenüber stand.
Ein helles verzweifeltes Weinen! Ein leises wimmerndes Flehen…
Er hörte die Stimme seines Neffen in seinem Kopf.
Es war, als würde er selbst, die negativen Emotionen des Kindes spüren. Nacht für Nacht aufs Neue von finsteren Albträumen geplagt, Flashbacks seiner Entführung, eingesperrt in seiner Raumschiffkapsel.
Langsam öffnete der Langhaarige seine Augen und sah in den roten Höllenhimmel. Mit der Hand fuhr er sich über seinen zerstörten Brustpanzer.
Das Weinen seines Neffen verblasste in einem widerhallenden Echo, bis es verstummte.
Dann wurde es dunkel in seinem Geist…
Der Boden begann zu beben und riss vor seinen Füßen auf.
In einem mit einer durchsichtigen Flüssigkeit gefüllten Becken, sah er die verschiedenen Szenarien von seiner Ankunft auf der Erde, bis zu seinem Tod noch einmal deutlich vor Augen.
Nach wenigen Minuten tauchte er hinein und hielt instinktiv die Luft an.
Er wusste nicht wie lange er schwamm, doch es fühlte sich wie eine halbe Ewigkeit an.
Bis er mit einem Mal vom Himmel der Erde fiel und hart im Gras landete.
„Aargh!“, keuchte er auf, da die Landung alles andere schmerzfrei war. Moment mal! Er fühlte Schmerzen?!
Noch begriff Radditz nicht so Recht was passiert war und er das erste Mal wieder etwas fühlte.
Den kalten Wind auf seiner Haut und in seinen langen Haaren, das fahle silbrige Mondlicht, welches versuchte durch einen dicken Wolkenschleier hervor zu treten.
Fahrig setzte er sich auf und fuhr sich mit der Hand über die einst klaffende Wunde seiner Brust. Sie war geschlossen, bis auf eine große Narbe, doch sein Brustpanzer war von der Brust bis zum Rücken durchlöchert.
Schwerfällig erhob sich der langhaarige Saiyajin, streckte seine Glieder und sah über sich. Der Heiligenschein war verschwunden. Aber wieso?!
Er sah zu Boden und sein langer Schatten verzerrte sich… ja manifestierte sich…
„Jetzt weißt du wie ich mich von eurer Angst angelockt fühle, Radditz!“, erklang eine tiefe drohende Stimme und ein paar grün leuchtender Augen funkelte auf ihn herab.
Der Unterklassekrieger erstarrte, als er das hörte und er erinnerte sich an die düsteren Geschichten seines Vaters, Bardock.
Über den saiyanischen Höllengott, Alkatar, der von den schwachen und ängstlichen Herzen ihres Volkes aus der Hölle gelockt wird.
Ein kleines Lächeln erschien auf Radditz’ Gesicht, als er sich umdrehte und einen Moment ins Mondlicht sah.
„Scheint so… hast du mich wiederbelebt? Dann muss ich dir wohl danken… Alkatar….“, seine Stimme hatte einen spottenden Unterton an sich.
„In der Tat… aber dafür verlange ich etwas von dir!“, erwiderte der Höllengott und materialisierte seine imposante Gestalt vor dem Unterklassekrieger.
„Und was? Soll ich dir sein Herz bringen?“, fragte Radditz mehr rhetorisch als ernst gemeint, doch dann stockte er innerlich als Alkatar seine Frage mit einem:
„Ja! Immerhin ist er auch zur Hälfte ein Saiyajin!“ beantwortete.
Ohne etwas zu erwidern drehte Radditz sich um und verschwand in der Dunkelheit des Waldes. Alkatar verschwand, doch seine Worte hallten im Geist des Saiyajin nach.
Nach einem gefühlt ewig langem Fußmarsch entdeckte Radditz die kleine Hütte, die sein kleiner Bruder mit seiner Familie bewohnt hatte. Gemächlich schritt er auf das Haus zu, ehe er vor der Haustür stand.
Er nahm die Türklinke in die Hand und drückte sie hinunter.
Mit einem leisen knarzenden Geräusch öffnete er die Tür nach innen und trat mit schweren Schritten über die Türschwelle.
Instinktiv schnupperte er in der Luft, diese Angewohnheit oder eher diesen Instinkt taten Saiyajins immer, wenn sie sich in einer fremden Umgebung befanden.
Er schloss die Tür leise hinter sich und ging am Kleiderständer vorbei, an dem ein kleines Jäckchen des Halbsaiyajin hing.
Im Essraum trat er an den Tisch heran auf dem die Zeichnungen von Son Gohan lagen. Ein kleines Schmunzeln legte sich auf seine Züge, als er sich selbst, an der markanten Frisur sofort erkannte.
Dann horchte Radditz auf, als er das leise Schluchzen vernahm, das ihm nur allzu vertraut war.
Leise schlich er an einem der Stühle vorbei und ehe er noch einen Schritt machen konnte, blieb der Saiyajin stehen.
Aus der schemenhaften Dunkelheit trat Son Gohan aus dem Zimmer und ging ins Badezimmer, in die entgegengesetzte Richtung von ihm.
Radditz’ Grinsen wurde breiter und er folgte dem Jungen auf leisen Sohlen.
Kurz drehte er den Kopf nach links ins Schlafzimmer und sah auf Chichis Kehrseite, die mit dem Rücken zu ihm gewandt auf der Bettkante saß.
Er beschloss neben der Toilettentür zu warten. Radditz war kein Mann, der mit vollem Karacho auf seine Feinde zustürmte. Nicht wie Nappa!
Er spielte mit seinen Opfern… genoss ihre Angst… die Verzweiflung… die Hilflosigkeit…
Son Gohan wusch sich die Hände, nach dem er seine Notdurft verrichtet hatte und sich vorsichtshalber eine neue Windel angezogen hatte.
Immer wieder wischte er sich über die verweinten Augen, als er in sein Spiegelbild sah.
Er betätigte die Spültaste der Toilette und hob seinen Lieblingsteddy vom Boden auf, den er eng an sich drückte.
Vorsichtig öffnete er wieder die Tür, knipste das Licht aus und ließ die Tür nur ran gelehnt, ehe er sich auf den Rückweg in die sicheren Arme seiner Mutter machte.
Sachte drückte Radditz die Tür mit der rechten Hand zu und augenblicklich erstarrte der Junge.
Fester drückte er sein Stofftier an sich und wagte es nicht, sich für einige Sekunden zu rühren.
„Das war… nur der Wind…“, murmelte er leise, als wollte er seinen Teddy beschützen.
„Bist du dir sicher, mein Kleiner?“, erklang plötzlich Radditz’ tiefe raue Stimme hinter dem Halbsaiyajin, der den Kopf langsam über seine linke bebende Schulter hinter sich drehte.
Mit einem lauten markerschütternden Schrei, als Son Gohan begriff, dass dieser Radditz keine grauenvolle Einbildung war, stürmte er durch den Flur nach draußen.
Sofort sprang Chichi vom Bett auf, als sie den verzweifelten Schrei ihres Sohnes hörte und rannte in den Flur. Sofort ging sie in Kampfstellung, als der kräftige Saiyajin seinem Neffen mit gemächlichen Schritten folgen wollte.
„Fass meinen Jungen einmal an!“, zischte sie ihm bedrohlich entgegen, ehe sie mit einem lauten Schrei zum Angriff über ging. Mit unerschütterlichem Mutterinstinkt schlug Chichi auf ihn ein, der ihre Mühen jedoch mit Leichtigkeit auswich.
Grob packte er sie an der Kehle und schleuderte sie ins Schlafzimmer zurück.
Die Wucht war so stark, dass sie durch das geschlossene Fenster krachte und im Garten landete.
„Tz… und so ein schwaches Weib hast du dir zur Frau genommen, Kakarott…“, brummte der Langhaarige und verließ das Haus.
Er schnupperte in der Luft und der Wind stand günstig. Er wehte ihm Son Gohans Angstgeruch direkt in die Nase, der von den Rezeptoren in seinem Schwanz ausgeschüttet wurde.
Sofort nahm der Saiyajin die Fährte auf und lief los.
Verletzt erhob sich Chichi und ging zurück ins Haus, um sich mit einigen Küchenmessern zu bewaffnen, ehe sie sich noch schnell notdürftig die Unterarme verband.
„Son Gohan! Son Gohan, mein kleiner Liebling! Hab keine Angst, Mama kommt und rettet dich!“, rief sie durch die Dunkelheit und das Adrenalin in ihrem Körper trieb sie dazu zu rennen!
Leise wimmernd hatte sich der kleine Junge auf einen Baum geflüchtet und hielt sich die Hände vor den Mund.
Er hatte aus seiner ersten Entführung gelernt, als er sich damals hinter dem Auto versteckt hatte. Doch Radditz hatte ihn gefunden, da er zu panisch war und Selbstgespräche geführt hatte.
So blieb er nun ganz still und sah die imposante unheilvolle Gestalt seines Onkels unter sich und betete im Stillen, dass er an ihm vorbei gehen würde.
Beinahe wollte der Halbsaiyajin erleichtert ausatmen, als Radditz direkt unter ihm stand und den Kopf nach oben reckte.
Aus dunklen finsteren Augen sah er ihn an.
„Kommst du freiwillig mit oder muss ich dich erst holen?!“, brummte der Langhaarige und verschränkte die Arme vor der Brust.
Wild schüttelte Son Gohan mit dem Kopf und drückte seinen Rücken fester gegen den Stamm.
Leichtfüßig hob Radditz ab und schwebte auf Augenhöhe zu seinem Neffen hinauf, ehe er ihm eine Hand ausstreckte.
„Mein letztes Angebot!“
Son Gohan zögerte wenige Sekunden, ehe er seinem verängstigten Herzen einen Stoß gab und beinahe unbeholfen in die Arme seines Onkels sprang.
Noch mehr Angst schnürte dem Jungen das kleine Herz zu, als er den Geruch seines Onkels aufnahm. Fest drückte er sein Gesicht an seinen Teddy und wimmerte leise vor sich hin.
„Son Gohan!!“, durchschnitt plötzlich der panische Schrei seiner Mutter die Stille und Radditz drehte sich langsam zu ihr herum.
Er streckte den rechten Arm aus und eine pinkfarbene Ki-Kugel bildete sich in seiner Hand, ehe er sie auf Chichi abfeuerte.
Sofort sackte sie zusammen und blieb reglos im Gras liegen.
Aus geweiteten geschockten Augen starrte der kleine Halbsaiyajin zu seiner toten Mutter rüber und Tränen liefen über seine Wangen.
Als Radditz sich umdrehte und mit dem Jungen tiefer in den Wald ging, schob Son Gohan die Mähne seines Onkels beiseite.
Er starrte so lange auf den Leichnam seiner Mutter, selbst als er sie nicht mehr sah.
„Mama! Nein! Mama! Steh wieder auf! Bitte!“, rief er ihr immer wieder zu.
Radditz spürte, wie die Kampfkraft des Jungen anstieg und griff nach dem kleinen Schwanz.
Sofort sackte der kleine Körper auf seinem Arm zusammen und wieder hörte er nichts als ein schwaches Wimmern an seinem linken Ohr.
„Du wirst darüber hinwegkommen…“, brummte er leise, ja fast gedankenverloren.
„Wie… wieso hast du das gemacht?“
„Weil das Leben nun mal so ist!“, erwiderte Radditz, als er einen kurzen Moment stehen blieb.
Leichtfüßig hob der langhaarige Saiyajin in den klaren Sternenhimmel ab und flog in ein bergiges karges Ödland.
Den Schwanz seines Neffen hatte er losgelassen und wahrscheinlich unbewusst, hatte er sich um seinen Unterarm geschlungen. Trost suchend. Schutz suchend. Auch wenn es sein Entführer war.
Als er auf einem hohen Felsen landete, setzte er sich gegen einen Stein. Son Gohan war vor Erschöpfung durch seine Panik eingeschlafen und lag auf Radditz’ Schoß.
Er hätte diesen Mischling hier und jetzt einfach töten können… für Kakarotts Verrat! Dafür, dass der Junge ein Hybride war!
Doch er tat es nicht.
Gedankenverloren ja fast mit einem Hauch Wehmut in den Augen sah der Unterklassekrieger in den Sternenhimmel. Dann lehnte er seinen Kopf gegen den massiven Stein und schloss die Augen, während er den Geräuschen der Nacht zuhörte.
Dann plötzlich zuckten seine Ohren auf.
Er hörte etwas weiter entfernt eine blecherne weibliche Stimme.
„Wach auf und erfülle deine Mission! Wach auf und erfülle deine Mission!“
Radditz drehte den Kopf in die Richtung aus der er die Stimme vernahm. Langsam hob er seinen Neffen auf seinen Arm und hob ab, ehe er vor der alten Raumkapsel seines kleinen Bruders landete.
Die Blecherne Stimme klang hohl ein wenig abgehackt durch all die Jahre.
Radditz warf einen Blick ins innere der Kapsel, sie war schmutzig durch die Witterungen in der sie offen da lag.
Er hob den Ledersitz etwas an und entdeckte einen alten Scouter, den er sich auf das linke Ohr setzte und ihn einschaltete.
Ein Piepsen ertönte und Son Gohan verzog leicht das Gesicht, ehe er müde die Augen einen Spalt öffnete.
Er sah nach was auf dem Scouter abgespeichert war und entdeckte… Bilder… Bilder seiner Familie… kurze Videos…
Eines in denen Radditz seinem Bruder einen großen Käfer in die Aufnahme hielt und seine Mutter ihm liebevoll sagte:“Radditz, nicht so nahe, Kakarott bekommt doch Angst“
Fotos in denen er und seine Mutter lustige Grimassen schnitten.
Radditz bemerkte nicht, wie er still und heimlich von seinem Neffen beobachtet wurde.
Langsam drehte der Langhaarige sich herum und sah neben dem Sitz ein kleines Felltuch liegen. Mit zittrigen Fingern nahm er es an sich und sah es eine Weile an.
Er schnupperte dran. Doch es hatte längst seinen ursprünglichen Geruch verloren… von Zuhause… von seiner Mutter, Gine.
Notdürftig klopfte er den Sitz ab und warf einige Äste und Blätter hinaus, ehe er sich schwerfällig hineinplumpsen ließ.
„Dann wollen wir mal in ein neues Leben starten…“, brummte Radditz leise, nahm seinen Scouter vom Ohr und öffnete das Gehäuse.
Ein kleiner Stift war drinnen und er tippte auf einem Ziffernfeld Nappas Scouternummer ein.
Das kleine trockene Felltuch legte er über Son Gohans Rücken.
Es gibt kein zurück mehr!
Schon nach wenigen Minuten war der kleine Halbsaiyajin auf Radditz’ Arm eingeschlafen. Vorsichtig erhob sich der Langhaarige aus dem Sitz und stieg aus der Kapsel, ehe er den Jungen in den Ledersitz legte.
Er schloss die Luke der Kapsel und flog nochmal zurück zu Chichis Haus.
Radditz selbst kannte es nur zu gut… eine völlig fremde Umgebung, fremde Gerüche und fremde Personen, die er nicht kannte. Um sich bei ihnen einzugewöhnen, könnte es Son Gohan vielleicht helfen, wenn er etwas von Zuhause bei sich hatte.
Radditz hatte auch auf fremden Planeten einen guten Orientierungssinn und fand das kleine Haus im Wald schnell wieder. Chichi beachtete er nicht weiter und ging einfach an ihr vorbei. Als er das Haus betrat schaltete er das Licht an.
Er ging in das Kinderzimmer des Jungen, welches schräg gegenüber vom Schlafzimmer lag, knipste auch hier das Licht an und sah sich ruhig um.
In seinem Schrank nahm er sich das gelbe Oberteil und die dunkelgrüne Hose mit. Dazu noch einen zusätzlichen Piyama und Unterwäsche. Er sah auf einer kleinen Kommode den roten Hut mit dem Dragonball drauf. Es waren genau die Sachen, die der Junge auch bei seiner Entführung durch ihn an gehabt hatte.
Radditz schüttelte mit ernster Miene den Kopf.
Wenn er jetzt an mögliche Triggerpunkte wegen seines Neffen nachdachte, konnte er sich gleich einen Job in der nächsten intergalaktischen Psychiatrie suchen!
Er ging zu dem kleinen Bettchen rüber auf dem eine Art Höhle gebaut war.
Der große Saiyajin lukte hinein und nahm ein kleines Kuscheltier an sich, welches ein kleines Äffchen darstellen sollte.
Als er sich umdrehte, sah er einen kleinen Malkasten mit Stiften, den er ebenfalls mitnahm, mit samt ein paar Blättern Papier.
„Was machst du hier gerade eigentlich, Radditz?!“, fragte er sich selbst mit tiefer brummender Stimme, ehe er seufzte und das Licht ausknipste.
Er verließ das Haus schnellen Schrittes wieder und wenige Meter vor der Haustür, schleuderte er eine große Ki-Kugel ab.
Wenige Sekunden später gab es eine gewaltige Explosion und das Haus brannte lichterloh.
Mit einem kraftvollen Stoß, hob der Unterklassekrieger vom Boden ab und flog zur Kapsel zurück.
Kurz warf er einen prüfenden Blick in das kleine Raumschiff, in dem Son Gohan am Daumen nuckelnd zusammengerollt schlief.
Mit einem lauten Zischen öffnete er die Luke, nahm den Jungen vorsichtig mit seiner Rute hoch und verstaute seine Habseligkeiten unter dem Sitz.
Langsam stieg er selbst in die Kapsel und legte den Jungen über seine Oberschenkel, ehe er ihm das Felltuch wieder über den Rücken legte.
Radditz schloss die Luke wieder und sah eine Weile durch die dicke rote Scheibe nach draußen.
Ein leises Summen der Elektronik war drinnen zu hören.
Dann endlich drückte er auf seinen Scouter und rief seinen Kampfgefährten, Nappa an.
Zur gleichen Zeit irgendwo im All
Nappa brummte, als sein Scouter an seinem Ohr vibrierte und eine ihm unbekannte Nummer auf seinem Visier erschien.
Schläfrig vom Schlafgas der Kapsel rieb sich der Hüne über das Gesicht und blinzelte einige Male, um seine Sicht zu klären.
„Wehe das ist irgendein Perverser!“, brummte Nappa mit einem doch schmierigen Grinsen im Gesicht, anscheinend hatte er schon des öfteren einige potenzielle Verehrer als Bettgefährten gehabt.
„Wenn du mit mir ins Bett willst musst du dich noch etwas gedulden, Kleiner, meine nächste Váris ist erst wieder nächsten Monat“, raunte Nappa kehlig und leckte sich über den schmalen Oberlippenbart.
Radditz wurde speiübel als das das erste war was er hörte, denn er wusste, wie sich eine Váris unter Nappa anfühlte.
„Freut mich auch, dich wieder zu hören, Nappa…“
Wie eingefroren erstarrte das dreckige Gesicht des kahlköpfigen und er riss die Augen soweit auf wie er konnte.
„Radditz? A, aber wie… wie kann das sein?! Wurdest du etwa mit diesen Dragonballs wiederbelebt?!“, fragte er mit zittriger Stimme die er mit Wut versuchte zu überspielen.
Ein kleines Schmunzeln legte sich auf Radditz’ Gesicht und er schüttelte mehr für sich den Kopf.
„Unsinn… wer sollte so nett sein und ausgerechnet mich wiederbeleben? Kakarotts Freunde, wohl kaum… Nein, ich muss mich bei Alkatar bedanken… der mich aus der Hölle geholt hat…“, Radditz wurde zum Ende hin ruhiger und legte seine linke große Hand schwer auf Son Gohans Rücken.
Nappas Schwanz sträubte sich zu allen Seiten und er krallte beide Finger in die Armlehnen des Sitzes.
„Dann beweg deinen jetzt wieder lebendigen Arsch auf den Planeten Rátom 37, Prinz Vegeta und ich erwarten dich dort!“, grollte der Elitekrieger und brach das Gespräch abrupt ab, ehe er sich den kalten Schweiß vom Gesicht wischte.
Radditz schaltete seinen Scouter aus und sein Blick ruhte eine ganze Weile auf dem Jungen.
Seine Rute schlängelte sich hervor und tippte präzise die neuen Koordinaten auf dem kleinen Kontrollpult vor sich ein.
Ziel: Planet Rátom 37
Ankunft: 4 Stunden
Radditz schloss die Augen und versuchte ein wenig zu dösen, bis sie auf dem Stützpunkt landeten.
4 Stunden später – Ankunft auf dem Planeten Rátom 37
Eine blecherne weibliche Stimme, die ab und an brach und leichte Sprachaussetzer hatte, kündigte die bevorstehende Landung auf dem Planeten an.
Müde öffnete der langhaarige Saiyajin die Augen, ehe er auf die Strukturen des Planeten sah, er war in etwa 3 mal so groß wie die Erde.
„Hey Kleiner… aufwachen, wir landen gleich“, brummte er und rüttelte den kleinen Körper ein wenig.
Doch Son Gohan war bereits wach. Schon seit gut einer halben Stunde, doch er lag ganz still da.
Plötzlich vibrierte die Kapsel als sie in die Atmosphäre drang und ängstlich sprang der Halbsaiyajin auf und warf sich an die breite Brust seines Onkels.
Die kleinen Arme krampfhaft um seinen kräftigen Hals geschlungen, das Gesicht in einigen wilden schwarzen Strähnen vergraben.
Radditz legte einen Arm etwas fester um den Rücken des Jungen, spürte den kleinen flauschigen Schwanz der sich angstvoll um seinen muskulösen Unterarm wickelte.
Nach etwa einer Minute war es jedoch schon vorbei und mit einem gewaltigen Rumms landeten sie auf einem leicht federnden Landeplatz.
Radditz wartete einen kleinen Moment, dann beugte er sich nach vorne, drückte einen Knopf und die Luke öffnete sich mit einem lauten Zischen.
Unsicher und ängstlich sah Son Gohan nach draußen in diese völlig fremde und düstere Welt.
Der Himmel war von dunklen Wolken durchzogen der gesamte Planet wirkte wie eine künstliche Welt in der es keine Sonne gab.
Riesige schimmernde Metallbauten erstreckten sich vor ihnen, wie eine Metropole.
Radditz hievte sich mit einem Ruck nach draußen, ehe er den Jungen hinunter ließ und sich nochmal ins Innere der Kapsel bückte.
Er hob den Ledersitz hoch und holte den roten Hut hervor, den er dem Jungen auf den Kopf setzte.
„Komm… die anderen Sachen holen wir später…“, brummte sein Onkel und ging mit schweren Schritten Richtung der Stadt.
Der Halbsaiyajin zog sich die Mütze tief ins Gesicht und drückte leise schniefend seinen Teddy an seine Brust. Schnell tapste er hinter seinem Onkel hinterher.
Fast schon lässig schwang Radditz’ langer Schwanz hinter ihm hin und her, doch plötzlich hielt er inne und blieb schlagartig stehen.
Son Gohans kleine Finger gruben sich in das weiche Fell des Langhaarigen, der einen kurzen ernsten Blick über die rechte Schulter zu ihm nach unten warf.
Erschrocken wie ertappt, ließ Son Gohan das weiche Fell los und nahm seinen eigenen Schwanz in die Hand, den er ebenfalls eng an seine Brust drückte.
Langsam setzte Radditz sich wieder in Bewegung und dachte über das Verhalten des Jungen nach.
„Ein instinktiver Schutzreflex? Er hält sich für einen Erdling… doch anscheinend hat er doch ein paar saiyanische Instinkte…“, dachte sich der Langhaarige im Stillen und schritt durch eine schmale Straße die von grellen kalten Laternen beleuchtet wurde.
Den Kopf eng zwischen den Schultern eingezogen, sah der Junge sich unsicher um, ja er wusste nicht einmal ob er hier, wo er hier scheinbar friedlich neben seinem Onkel herging in Sicherheit war.
„Wie… wie heißt du nochmal?“, fragte Son Gohan nach einer Weile des leises Wimmerns schließlich.
„Radditz…“, kam die Antwort kurz darauf und sie bogen um die nächste Ecke nach rechts ein und betraten eines der kalten Gebäude.
Es war eine Art Kneipe, stickige Luft und viele unterschiedliche Außerirdische die hier ihren Feierabend oder den Missions-Erfolg feierten.
Die verschiedenen Kreaturen waren für den kleinen Halbsaiyajin sinnbildhafte Albtraum-Monster, wie er sie sich im Kleiderschrank oder unter seinem Bett vorgestellt hatte.
Die teils verzerrten Gesichter, scharfen langen Reißzähne und Krallen an den Fingern, rote, gelbe oder grüne funkelnde böse Augen.
Nun griff Son Gohan doch wieder nach der Schwanzspitze seines Onkels, als sie nach oben gingen.
Etwas unbeholfen stolperte der Junge die Treppen hinauf, ehe Radditz eine Tür aufschloss.
Zögerlich trat sein Neffe hinein und sah sich schüchtern um.
„Wir bleiben für einige Stunden hier… und schlafen uns richtig aus… danach geht es weiter in unser Quartier, dann wirst du Nappa und Prinz Vegeta kennenlernen…“, brummte Radditz und zog sich den kaputten Brustpanzer über den Kopf, ehe er ihn vor das Bett stellte.
Son Gohan lief auf das große runde Fenster zu und sah hinaus, doch die schweren Wolken verwehrten ihm den Blick auf die funkelnden Sterne. Kleine minimale Hoffnungsschimmer in seiner kleinen verletzten Welt.
„Gibt es… hier einen Mond?“, fragte er leise und legte die rechte Hand auf das dicke Glas.
„Nein, wieso fragst du?“, erwiderte Radditz mit einer Gegenfrage und sah auf den Rücken seines Neffen.
„D, du hast damals Papa etwas vom Vollmond erzählt…“, antwortete der Junge zögernd und zuckte unmerklich zusammen, als er durch das Spiegelbild seinen Onkel aufstehen sah, der langsam auf ihn zutrat.
Radditz hob ebenfalls den Blick nach draußen in den Himmel.
„Der Vollmond zeigt bei uns Saiyajins unsere wahre tief verwurzelte Natur… wenn wir uns in Ouzarus verwandelt haben, dann folgen wir dem Ruf der Wildnis… der Freiheit… auch wenn wir in unserer affenähnlichen Gestalt kaum menschlich sprechen können… handeln wir instinktiver, als in unserer menschlichen Form… wir sind unbesiegbar… zumindest fast…“, langsam legte der langhaarige Saiyajin eine Hand auf Son Gohans linke Schulter und drückte den Jungen mehr unbewusst an seine nackte Brust.
Sein Neffe dreht den Kopf langsam zu seinem Onkel um und sah dann auf die große Narbe auf der Brust.
Auch wenn Son Gohan die schweren ja fast sehnsüchtigen Worte von Radditz nicht so recht verstand, spürte er, dass es seinen Onkel bewegte.
Vorsichtig hob er Son Gohan unter seinen Arm und nahm ihn mit zum Bett.
„Radditz?“
Mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Müdigkeit sah der große Saiyajin ihn an.
„Wie ist es, wenn man tot ist?“
„Du bist ganz schön Neugierig, kleiner Knirps!“, erwiderte Radditz mit einem zynischen Lächeln, „Die Antwort bekommst du später in unserem Quartier“
Radditz legte die dünne Decke über sie beide und drehte sich auf die linke Seite.
Zaghaft rutschte Son Gohan näher, schob die Decke zaghaft von Radditz’ Brust und streichelte leicht über die große kreuzförmige Narbe.
„Du hast einen ganz schön harten Kopf, dass muss man dir lassen…“, brummte Radditz mit einem leisen Lachen.
Der Junge weitete die Augen, als fühlte er sich ertappt und rutschte etwas vor seinem Onkel zurück. Ruhig sah der Unterklassekrieger das verschreckte Kind an.
„Schlaf etwas…“, erwiderte Radditz nur noch und kuschelte sich ins Kissen.
Mehrere Minuten starrte Son Gohan noch in sein Gesicht, ehe auch ihm dann langsam die Augen zu fielen und er in einen tiefen Schlaf glitt.
Kein Platz für Tränen!
Radditz erwachte nach wenigen Stunden als Erster. Es war kein ruhiger Schlaf gewesen, doch trotzdem tief. Ernst sah der langhaarige Saiyajin an die Decke des Zimmers. Langsam drehte er den Kopf zur linken Seite und sah in das schlafende Gesicht des Jungen.
Getrocknete Tränenspuren an seinen Wangen und die leicht verklebten Wimpern. Die Beine dicht an den Körper gezogen.
Radditz setzte sich auf und fuhr sich über das Gesicht, ehe er einen Blick nach draußen warf.
Er ging ins angrenzende kleine Badezimmer und erfrischte sich mit kaltem Wasser, um hoffentlich wieder etwas klarer zu werden.
Dann ging er nur in seiner Shorts bekleidet nach unten in die Taverne. Die Tür hatte er vorsichtshalber abgeschlossen und bestellte ihnen beiden etwas zu Essen und zu Trinken.
Wenige Minuten später nachdem Radditz das Zimmer verlassen hatte, erwachte auch Son Gohan aus seinem Schlaf. Er rieb sich über die Augen und sah sich mit seinem Teddy im Arm um, nachdem er sich aufgesetzt hatte.
„Radditz?!“, rief er und rutschte vom Bett, ehe er instinktiv unter das Bett schaute.
Dann ging er ins Badezimmer und sah dort nach seinem Onkel.
Er ging zur Tür und streckte seine kleinen Ärmchen nach dem Türknauf aus, doch er kam nicht heran.
Als er dumpfe Schritte von draußen hörte, lief der Halbsaiyajin schnell um das Bett herum und kroch darunter.
Radditz schloss die Tür auf und trat ein, während er 2 Tabletts auf seinem Arm und seiner Hand balancierte.
Als er die Tür mit dem Rücken wieder schloss entdeckte er, dass das Bett leer war.
„Son Gohan?! Ich habe was zu Essen!“, rief er, ehe er sich auf das Bett setzte und ahnte, dass der Junge sich vor ihm versteckte.
Da er sah, dass die Badezimmertür offen stand, war der einzig plausible Ort unter dem Bett.
Die Portion seines Neffen stellte er auf den Boden stellte und schob sie langsam unter das Bett.
Vorsichtig und Neugierig kroch Son Gohan auf das Tablett zu, begutachtete die fremden Speisen und schnupperte dran.
Es war ein zäher grauer Brei mit unregelmäßig geschnittenen Fleischbrocken, violettem Wurzelgemüse und kleinen runden Panzern von Insekten.
„Das riecht eklig! Das will ich nicht essen!“, rief Son Gohan und schob das Tablett langsam zwischen Radditz’ Füße wieder nach draußen.
Vorsichtig kroch der Halbsaiyajin zwischen Radditz Füße unter dem Bett hervor und sah zu ihm auf.
„Und was isst du da?“, fragte er neugierig und erhob sich, ehe sein Onkel ihn auf sein Tablett sehen ließ.
„Dórak-Rippen in Harzsauce“, erwiderte Radditz und sah dass der Junge gewillt war zu fragen, ob er es mal probieren durfte, doch er traute sich nicht so recht.
Radditz schnitt ein kleines Stück ab und pustete das dampfende Fleisch vorsichtig, ehe er es ihm hin hielt.
Zögernd schnupperte der Halbsaiyajin dran und berührte es erst mit der Zungenspitze, ehe er die Gabel in den Mund nahm.
Prüfend kaute er, es war weich und die harzige Sauce knackte in seinem Mund wie klebriges Karamell nur schmeckte es leider nicht so.
Radditz beobachtete mit einem leichten Kopfschütteln seine Reaktion, ehe er in Richtung Bad nickte.
„Spuck es in die Toilette… hier darfst du nicht wählerisch sein, Kleiner… auch wenn es nicht sonderlich schmeckt und ob du es glaubst oder nicht, auch ich bin weit aus besseres Essen von meiner Takrá gewohnt!“, brummte Radditz mit einem Hauch Wehmut, als er von seiner Mutter sprach.
Schnell lief Son Gohan ins Badezimmer und spuckte das Stück Fleisch in die Toilette, ehe er die Spültaste drückte und zu seinem Onkel zurückkehrte.
„Deine Takrá? Wer war das? Was heißt das?“
„Bei uns Saiyajins wird sie Takrá genannt… sie ist so wie… wie deine Mama…“
Son Gohans Augen glänzten vor aufkommenden Tränen und seine Lippen zitterten.
Der Junge rannte um das Bett herum und kletterte rauf, ehe er sich unter die dünne Decke verkroch und leise nach seiner Mutter weinte.
Ein schweres Seufzen entfuhr dem langhaarigen Saiyajin und er sah über seine linke Schulter zum kleinen Bündel der von heftigen Weinkrämpfen geschüttelt wurde.
Radditz wusste genau wie sich sein Neffe gerade fühlte, nur war er selbst für den Tod seiner Mutter verantwortlich.
Nicht, dass es ihm wirklich leid tat, denn sein eigener Bruder hatte ihr Volk verraten und sich mit einem Menschen zusammengetan!
„Wenn wir im Quartier sind koche ich dir was okay? Aber jetzt hör auf zu weinen“, brummte Radditz ein wenig unbeholfen.
Seinen kleinen Bruder hatte er als Säugling wenn er geweint hatte auf den Arm genommen oder ihn mit lustigen Grimassen zum lachen gebracht.
„Ich… ich will aber zurück nach Hause! O, oder… oder ich will auch dahin wo Mama und Papa jetzt sind!“, erklang das erstickte Schluchzen unter der dünnen Decke.
Kurz um, legte Radditz seine Schüssel neben sich auf das Bett, ließ sich rücklings nach hinten fallen und schnappte sich mit kräftigem Griff den Jungen.
„Aaaah lass mich los!“, schrie Son Gohan erschrocken auf, ehe er sich auf dem Bauch seines Onkels sitzend wiederfand.
„Sag das nie wieder hast du mich verstanden?! Sowas will ich nie wieder von dir hören! Wie alt bist du?“, sagte er ernst und grub seine Finger in die schmalen Schultern des Jungen, der unter seinem ernsten Blick zu zittern begann.
„Ich… ich bin 4 Jahre alt…“, erwiderte der Halbsaiyajin mit einem langgezogenen Schniefen, ehe er sich den Rotz mit dem Ärmel von der Nase wischte.
„Was denkst du würden deine Eltern sagen, wenn sie dich im Jenseits sehen?! Sie würden dich fragen, wieso du gestorben bist! Sie würden sich Vorwürfe machen, dass du schon so früh...-“, Radditz brach seinen Satz abrupt ab, ehe er seinen Griff lockerte und dem Jungen durchs Haar wuschelte.
„Denk nicht einmal dran… ich weiß wovon ich rede, das Leben als kleiner Junge ist nicht einfach…“, sagte der Langhaarige nun etwas ruhiger, ehe er sich langsam aufsetzte.
Radditz setzte seinen Neffen neben sich auf das Bett, beugte sich mit dem Oberkörper nach unten und hob die Portion des Jungen auf, ehe er sie ihm in die Hand drückte.
„Iss das violette Gemüse… wir haben noch einen langen Tag vor uns…“, brummte der Langhaarige und sah mit einem strengen Blick auf den Halbsaiyajin herab.
Son Gohan verzog angewidert das Gesicht, als er nochmal an dem klebrigen Brei schnupperte.
Auch wenn es ihm zuwider war, aß Son Gohan die kleinen violetten Gemüsestücke, bis keines mehr übrig war.
Als auch Radditz seinen Teller leer gegessen hatte, nahm er den von seinem Neffen und sah ihn nochmal an.
„Nimm dein Stofftier und komm mit runter…“
Son Gohan krabbelte zum Kissen und nahm seinen Teddy an sich, ehe er sich seinen roten Hut aufsetzte.
Er folgte seinem Onkel und suchte als sie am Tresen standen ein wenig Schutz unter seiner langen Mähne.
Radditz bezahlte das Essen und verließ mit dem Jungen die Kneipe, ehe sie die Straße hinunter liefen.
Der lange Marsch verlief schweigend, der Unterklassekrieger warf nur ab und an einen Blick auf seinen Neffen, der von dieser neuen Welt noch immer völlig eingeschüchtert war.
Nach gut 3 Stunden, taten dem Jungen die Füße etwas weh, doch sie waren schon an Radditz’ Quartier angekommen und wurden bereits erwartet.
Der Prinz hatte das Privileg erhalten, seine Truppe in einem eigenen Haus einzuquartieren, wo andere Söldner und Krieger sich nur kleine Wohnungen mit ihren Mitstreitern teilen mussten.
Ein Geschenk vom „mächtigen großzügigen Freezer“, wie die Echse es selbst nannte.
Radditz trat vor die Tür, die sich zischend zur Seite öffnete und in einen kleinen Flur in einen großen Wohnraum führte.
In der Mitte eine kleine Sitzgruppe aus einzelnen Sesseln um einen runden Tisch platziert, wirkte eher wie eine Art Konferenzraum, anstatt wohnlicher Atmosphäre.
Der Prinz der Saiyajins beäugte die ihm bekannte Gestalt mit verengten Augen, während er mit stoischer Ruhe an seinem Wasser nippte.
Nappa knirschte hörbar mit den Zähnen und zerbröselte den Keks in seiner riesigen Faust.
„Du hast vielleicht Nerven! Erst versagst du kläglich, deinen kleinen Sórek in unsere Gruppe aufzunehmen, lässt dich von diesem Baby da verhauen und dann-“, knurrte Nappa sogleich drauf los, der seine Nervosität durch seine Wut zu überspielen versuchte, doch Vegeta gebot ihm mit einer einzigen Handbewegung Einhalt.
„Alkatar hat dich also wieder zurück ins Leben geholt, wie Nappa mir erzählte, ja? Hatte ihn deine Todesangst zu dir gelockt?“, ergriff dann der Prinz das Wort mit einem leicht frechen Grinsen, als er sah, dass Radditz ein wenig blasser im Gesicht wurde.
„Ja, Prinz Vegeta… Alkatar hat… mir eine zweite Chance gegeben…“, erwiderte der Langhaarige und ging langsam auf die Knie, während er den Blick zu Boden senkte.
„Aber doch sicher nicht grundlos… Alkatar tut nie etwas… grundlos… er will immer eine Gegenleistung…“, hakte Vegeta weiter nach und sein Blick fiel auf den zitternden Jungen, der sich halb hinter seinem Onkel versteckte.
„Bei allem Respekt, mein Prinz, aber das ist meine private Angelegenheit! Ich bitte Euch, es darauf beruhen zu lassen!“, antwortete Radditz mit leicht zittriger Stimme.
„Und wieso schleppst du Kakarotts Sohn hier an?! Wir sind kein Kindergarten!“, fragte der kahlköpfige Hüne.
„Er ist… stark… wenn wir ihn trainieren, werden wir die Aufträge schneller absolvieren kö-“, doch ein lautes Piepsen des Scouters von Nappa unterbrach Radditz, gefolgt von einem dröhnenden lauten Gelächter, welches durch Mark und Bein ging.
„Bwahahaha, der Zwerg und stark?! Wollen wir doch mal sehen, wie stark der Wurm gerade ist! Ha! Eine mickrige Kampfkraft von 2, wie niedlich! Kaum zu glauben, dass er dich angreifen konnte, Radi!“, spottete Nappa, als er den Scouter auf den Jungen ausrichtete.
Ein Blitz durchzuckte Radditz’ Kopf und ein dicker Kloß erschwerte ihm das Schlucken.
„Eine jämmerliche Kampfkraft von 2! Und das soll mein Blut sein?!“, hallte Radditz ein alter Erinnerungsfetzen seines Vaters Bardock durch den Kopf. Damals war er seinem Vater heimlich gefolgt, als er nach der Geburt seines Zweitgeborenen auf die Säuglingsstation gegangen war.
„Er hat Potenzial, wirklich! Jetzt hat er Angst, da ist seine Kampfkraft Stimmungsabhängig!“, erklärte Radditz mit kaltem Schweiß auf der Stirn, doch der eisige Blick des Prinzen ließ ihn augenblicklich schweigen.
„Nicht wir werden ihn trainieren… sondern DU! Ich erwarte regelmäßige und gute Ergebnisse… sonst ist der Bastard nutzlos… du bist für ihn verantwortlich Radditz! Von jetzt an! Und wehe er nervt und heult nur rum… Hey, Junge! Komm her zu mir!“, knurrte Vegeta und erhob sich langsam von seinem Sessel.
Radditz senkte demütig den Kopf.
„Natürlich, Prinz Vegeta, er wird keinen Ärger machen!“
Zögerlich trat der kleine Son Gohan hinter der massigen Mähne seines Onkels hervor und starrte den Prinzen aus tränenverschleierten Augen an.
Mit winzigen Schritten trat er auf ihn zu, seinen Teddy und seinen zitternden Schwanz eng an sich gedrückt.
Vegeta errötete leicht und rieb sich schwer seufzend über die Nasenwurzel.
„Hör zu, Kleiner! Und ich rate dir, höre genau hin, denn ich sage es nur ein einziges Mal!
Du wirst mich mit Prinz Vegeta ansprechen! Du wirst nicht heulen und nicht jammern, verstanden?! Finde dich damit ab, dass das hier jetzt dein Zuhause ist! Die Erde gibt es für dich nicht mehr! Ach Radditz… was ist mit seiner Takrá?“, brummte der Prinz mit verschränkten Armen vor der Brust und sah finster auf das kleine Häufchen Elend herab, ehe er sich an Radditz wandte.
Der Langhaarige hob den Kopf an und sah zu ihm rüber.
„Sie ist tot, Prinz Vegeta!“
„Gut… siehst du, es gibt sowieso Niemanden zu dem du könntest, jetzt hast du nur noch Radditz… und was ist das hier?! Wie alt bist du?“, fragte Vegeta und riss ihm das Kuscheltier aus den Armen.
Reflexartig hob Son Gohan die Arme nach seinem Bären, den ihm sein Vater geschenkt hatte.
„Bi… bitte nicht… P, prinz… Ve, geta… den Teddy hat mir mein Papa geschenkt! I, ich bin 4 Jahre alt“, wimmerte der Halbsaiyajin und dicke Tränen liefen seine Wangen hinunter.
Ein ohrenbetäubendes Geräusch erklang, als der Prinz das kleine Kuscheltier in seiner Hand pulverisierte und die Asche auf den Boden fallen ließ.
„Je eher du dich mit seinem Tod abfindest um so besser! Ich habe meinen Bókra verloren als ich 5 Jahre alt war, lerne mit Verlust umzugehen! Erinnerungen machen dich nur schwach! Vor dir spielt das Leben, nicht hinter dir, merke dir das gut!“, erklärte Vegeta ihm und klopfte sich die Asche von den Händen ab.
„Also… ab jetzt gehört er dir, Radditz!“, befahl Vegeta und setzte sich wieder in den Sessel.
Son Gohan noch immer starr vor Angst sah aus geweiteten Augen auf die traurigen Überreste seines Kuscheltieres herab.
Radditz erhob sich langsam und trat auf seinen Neffen zu, ehe er ihm eine Hand fest auf die Schulter legte.
„Gehen wir…“
„Hey, Kleiner!“, erklang schließlich Nappas laute Stimme und ein diabolisches Grinsen erschien auf seinem Gesicht, „Wenn ich dich nur einmal heulen, geschweige denn Wimmern höre, dann schickt dich dein lieber Radditz zu mir und glaub mir, du wirst dir wünschen nicht geheult zu haben hehehe!“
Krampfhaft krallte sich Son Gohan ängstlich am Bein seines Onkels fest, ehe er wieder nach vorne sah und sein Gesicht im weichen Fell seines Schwanzes schmiegte.
Radditz sah mit ernstem Blick gerade aus, den ganzen Weg zu seinem Zimmer über, sah er den Jungen nicht an. Als sie dann nach wenigen Minuten vor der Tür standen, öffnete Radditz die Tür und schob den Halbsaiyajin am Kopf hinein.
Beinahe sofort lief Son Gohan auf das Fenster zu und sah sehnsüchtig nach draußen.
Radditz schwieg weiterhin, er wusste nicht so recht was er dem Jungen sagen sollte.
„Wenn du das tust was von dir verlangt wird, wirst du keine Probleme haben…“, sprach der Saiyajin aus was er gerade dachte, ehe er damit begann einige Liegestütze auf dem Boden zu machen, wohl zum Stressabbau.
Son Gohan sah weiterhin aus dem Fenster und wischte sich immer wieder den Rotz von der Nase.
„Mama… Papa… ich will bei euch sein…“
Radditz hielt in seiner Bewegung inne, ehe er sich zu voller Größe erhob und tief durch die Nase ein und wieder aus atmete.
„Komm… ich habe noch einige Sachen im Raumschiff, die dir gehören…“, brummte er und Son Gohan sah traurig zu ihm auf, ehe er auf ihn zu ging und seine Hand nahm.
Nappas Versteckspiel!
Langsam schritten Radditz und sein Neffe durch die Straße zurück zum Raumhafen, auf dem ihre Kapsel gelandet war. Die Schritte des Langhaarigen waren schwer, beinahe unentschlossen, zögernd.
Als sie dort ankamen, betätigte Radditz einen kleinen Knopf an der Unterseite der Kapsel mit der Stiefelspitze. Die Luke öffnete sich mit einem lauten Zischen, dann mit einem mechanischen Surren.
Radditz beugte sich nach unten und hob den Ledersitz etwas nach oben unter dem etwas Stauraum war. Dann holte er etwas Papier, die bunten Stifte, sowie die Kleidung des Jungen hervor und mit ihm das Felltuch, dass seine Mutter Kakarott mitgegeben hatte, als sie ihn schweren Herzens fortschicken musste.
Dann schloss er die Luke der kleinen Kapsel wieder und sah sie eine Weile an.
Sie war das Einzige, was er noch von seinem kleinen Bruder hatte.
Zusammen mit seinem Scouter das Einzige was ihm von seiner Heimat geblieben war.
Zögernd drehte Radditz sich um und ging mit seinem Neffen zurück zum Quartier.
Nappa kam gerade aus dem großen Bad mit einem Handtuch um den breiten Nacken und sah seinen saiyanischen Kameraden durch den Wohnbereich kommen und nach rechts zu seinem Zimmer gehen, an der rechten Hand den kleinen Bastard von Kakarott!
Angewidert spuckte der Hüne zur Seite und ein tiefes Grollen entwich seiner Kehle.
„Widerlicher Mischling!“, knurrte er und ging barfuß in sein eigenes Zimmer.
Im Zimmer legte Radditz dem Jungen die Zettel und die Stifte auf den Tisch und setzte sich auf die Bettkante. Die Kleidung des Jungen, legte er neben sich auf das Bett. Son Gohan legte seinen Hut ab und kletterte auf den Stuhl, ehe er sich einen schwarzen Stift nahm und begann zu malen.
Der Langhaarige beobachtete ihn und schaltete seinen Scouter ein, um die Kampfkraft zu messen.
Der Sensor zeigte ihm eine Kampfkraft von 5 an. Doch die Zahl stieg stetig höher bis sie zwischen 10 und 12 verharrte.
Radditz drückte einige Male auf den roten Knopf, um das Programm zu ändern, denn der Scouter hatte noch einige andere Funktionen, wie z.B. einen Gesundheits-Check, in dem Temperatur, Herz und Pulsschlag gemessen wurden.
Der Puls des Jungen war leicht erhöht, die Temperatur aber normal.
Das kleine Schwänzchen schwang etwas hin und her.
Son Gohan war ziemlich vertieft in seine kleine Fantasiewelt und begann nun damit, die Figuren anzumalen.
Langsam stand Radditz vom Bett auf und trat neben seinen Neffen, ehe er einen neugierigen Blick auf die Zeichnungen warf.
Er konnte eindeutig Kakarott und seine Frau erkennen und den kleinen Son Gohan auf einer Wiese mit Blumen, dahinter ihr kleines Häuschen und die Sonne die hoch am Himmel stand.
Ein beklemmendes Gefühl machte sich in seinem Innern breit, doch er verschloss es sofort und sah eine Weile aus dem Fenster.
Er warf einen kurzen Blick auf die Zeitanzeige des Scouters, es war schon fast Mittag, er musste sich um das Essen kümmern, denn er war für das Kochen der Gruppe zuständig. Auch wenn Nappa nörgelte, war sein Teller immer Restlos leer gewesen, Vegeta enthielt sich, aß es aber auch.
„Ich werde das Mittagessen kochen… ich werde ab und an nach dir sehen, damit du keinen Unsinn anstellst“, brummte Radditz und der Junge sah mit großen Augen zu ihm auf.
„Darf ich mitkommen und in der Küche weiter malen?“, fragte er und sah ihn bittend an.
„Hm… wieso eigentlich nicht… dann hab ich dich im Auge… na komm schon“, erwiderte er und fühlte sich gerade wieder mehr wie der große Bruder, als als Onkel.
„Au ja!“, jubelte Son Gohan, nahm sich die Stifte und Zettel in seine kleinen Hände und tapste hinter Radditz her, als sie den Raum verließen.
Das Quartier war ruhig Vegeta trainierte anscheinend in seinem eigenen Trainingsraum, der zum Quartier gehörte und Nappa? Wollte er das wirklich wissen?!
Doch wusste er nicht, dass der Kahlkopf sie im Stillen beobachtete, versteckt in den Schatten des Hauses.
Son Gohan sah sich in der Küche um und steuerte sogleich den großen Esstisch an, ehe er auf den Stuhl krabbelte und an seinem Familienbild weiter malte.
Radditz warf einen Blick in die Speisekammer und in den Kühlschrank, ehe er einige Zutaten zusammen hatte, sich ein Brett, ein Messer und einen großen Topf nahm und anfing das Fleisch zu schneiden.
Neugierig sah Son Gohan zu ihm rüber, als er sich gegenüber von ihm setzte und mit seiner Arbeit begann. Sie schwiegen beide, bis Radditz’ Aufmerksamkeit auf den Eingang zur Küche gelenkt wurde.
„Wird Zeit, dass du mit dem braten anfängst, Radi~ hoffentlich übertüncht der Geruch den Gestank nach Mensch!“, dröhnte Nappas tiefe Stimme durch die Küche und der Langhaarige spürte sofort, wie der Junge zusammenzuckte.
Radditz schwieg mit einem leisen Brummen zwischen geschlossenen Lippen.
„Sei froh, dass ich dir etwas Genießbares koche!“, dachte sich der Unterklassekrieger im Stillen, während er die Rippenteile zurecht schnitt und mit einer Würzpaste einrieb.
Auch wenn es für den ekelhaften Nappa war, gab Radditz sich Mühe, denn das Kochen… erinnerte ihn an seine Mutter.
„Sag mal, Radi… was hat dich eigentlich durchlöchert, dass du daran verreckt bist?“, fragte er ungeniert und warf einen grinsenden Blick auf die zerstörte Rüstung auf die Narbe.
„Hast du es nicht über den Scouterfunk mitbekommen? Ich habe ihn die ganze Zeit eingeschaltet gelassen…“, brummte Radditz doch sein Herz hämmerte plötzlich verräterisch stark gegen seinen Brustkorb.
„Da muss ich wohl pinkeln gewesen sein, muss ja nicht jeder mein Stöhnen mitbekommen“, brummte der Hühne ungeniert und der Unterklassekrieger hielt in seiner Bewegung inne.
„Oh warte… aber eins habe ich doch gehört… ein panischer Schrei, der in etwa so klang: „Nein! Bitte tu es nicht!“ bwahahaha du hast einen Namekianer um dein Leben angebettelt, nein wie süß!“, lachte der Elitekrieger und verstellte die Stimme bei jenem Satz haargenau so wie die seines Kameraden.
Radditz’ Schwanz sträubte sich um seine Taille und er biss sich auf die Zunge um jetzt nichts falsches zu sagen. Abrupt stand er auf, goss etwas Öl in eine große Pfanne und briet das Fleisch an, doch er hatte aus dem Augenwinkel immer einen Blick auf seinen Neffen.
Provokant lehnte sich Nappa zu dem Jungen rüber und besah sich das Bild, welches er malte.
Son Gohan zog das Bild etwas mehr zu sich heran, wohl weil er Angst hatte, Nappa würde es ihm wegnehmen oder kaputt machen.
„Na komm, Kleiner! Wir wollen Radditz nicht beim kochen stören… wir spielen draußen etwas schönes ja?“, fragte der massige Fleischberg von einem Saiyajin und sah in die verängstigten Augen des Jungen.
„Ich dachte, du findest, dass der Kleine stinkt Nappa? Da willst du mit ihm spielen?“, fragte Radditz beiläufig und sah zu ihnen rüber.
„Wozu gibt es unser schönes Bad, Radi?! Ich will nur sehen, ob der Junge wirklich so stark ist, wie es sich in deinem Kampf angehört hatte… ich hatte so insgeheim meine Zweifel… na komm, aufstehen und Abmarsch!“, befahl Nappa dem Jungen mit finsterem Blick.
Son Gohan warf einen letzten verzweifelten Blick in Radditz’ Richtung, doch da packte Nappa ihn schon grob am Handgelenk und zog ihn unbarmherzig mit sich aus dem Quartier.
Mit einem unguten Gefühl im Magen schaltete Radditz seinen Scouter ein und hackte sich in Nappas Frequenz, um alles mit anzuhören.
Er spürte wie ihm der Schweiß das Gesicht hinab lief und nicht nur von der Hitze der Pfanne.
Son Gohan wimmerte leise, hatte enorme Angst vor dem Ungewissen, vor Nappas Art.
Nappa betätigte seinen Scouter mit blauem Visier um die Kampfkraft des Jungen zu messen.
„Ach komm schon… das kann doch echt nicht alles sein? Wo ist deine Kampfkraft von 710? Deine mickrige 5 kann ich rülpsen!“, schnaufte der Hüne und warf den Jungen am Handgelenk durch die Straße.
Son Gohan kullerte über Pflastersteine und blieb an einer Hauswand zusammengerollt liegen.
„Weißt du was, Junge? Lass uns verstecken spielen… mein Lieblingsspiel, weil ich diejenigen immer finde die ich suche… also dann, es geht los! Eeeeins!“, brüllte er durch die Straßen und wie als hätte Nappa einen inneren Knopf in dem Jungen gedrückt, erhob er sich langsam und suchte sich ein Versteck.
Panisch lief er hinter ein Haus an einer Lagerhalle vorbei, hier hatte das Personal schon längst Feierabend.
„Zweeeei!“
Er hörte Nappas dröhnende Stimme in der Ferne und kroch gerade durch einen schmalen Eingang vor dem ein Schild stand: „Warnung! Zutritt verboten! Lebensgefahr!“ in außerirdischer fremder Schrift, die die Scouter jedoch übersetzen konnten.
Hektisch sah der kleine Halbsaiyajin sich in der riesigen Halle um, sah einige Förderbänder, verteilte Kisten mit Schrauben oder Maschinenteile für die Raumschiffe darin.
Er lief zwischen zwei Meterhohe Regale zwischen die Kisten und schob den Deckel einer der Kisten etwas nach hinten, ehe er hineinkletterte und versuchte den Deckel so gut es ging wieder zu schließen.
Ängstlich rollte sich Son Gohan zitternd wie Espenlaub zusammen in die Ecke.
„Dreeeii!“
„Viiiieer!“
„Eigentlich ist es Sinnlos, ich gewinne bei diesem Spiel sowieso! Immer! Hahahaha!“, dröhnte Nappas Stimme durch die Straßen der Stadt.
Währenddessen starrte Radditz ernst in die Pfanne und stampfte währenddessen das blaue Wurzelgemüse zu Brei.
Die Suppe des Prinzen war ebenfalls bereits aufgesetzt und fast fertig.
Er ahnte was für eine Todesangst der Kleine gerade durchstehen musste, er hatte diese Panik in seinen Augen selbst gesehen.
Nappa liebte es mit seinen „Opfern“ zu spielen… ihre Angst ins unermessliche zu schüren, selbst bei einem „fast harmlosen Spiel“
Radditz hingegen war ein stiller konzentrierter Jäger, der sich an die Regeln hielt.
„Füüünf!“
„Seeechs!“
„Weißt du was ich als Belohnung bekomme, wenn ich dich finde…?“
„Siiieeebeen!“
„Aaaacht!“
„Ich reiße dir dein süßes Schwänzchen ab!“
Radditz’ Körper durchfuhr ein stechender Schmerz durch die Brust und sein Schwanz peitschte gesträubt durch die Luft.
„Oh nein! Das wirst du nicht!“, grollte der Langhaarige, stellte die Temperatur ganz aus, servierte das Essen auf die Teller für Nappa und den Prinzen und begab sich zum Prinzen in den Trainingsraum.
„Prinz Vegeta, das Essen ist fertig! Ich stelle es in Euer Gemach!“, rief er und lief beinahe schon in das Zimmer des Thronfolgers, ehe er die Suppe auf den Tisch stellte, den Löffel über dem Teller nach links gedreht.
Nappas Teller klatschte er dem Hünen achtlos auf den Tisch, ehe er fluchtartig das Quartier verließ.
„Neeeeeuuun!“
„Uuund Zeeehn! Versteckt oder nicht, ich kooommee!“, rief Nappa aus voller Kehle und machte sich auf den Weg.
Radditz suchte Deckung hinter den Häusern, doch er war Nappa auf dem Fersen und sah ihn durch die Häuserschluchten streifen, wie einen Jäger.
„Weißt du Radditz… Nappa macht seinen Job ausgesprochen gut… besser als du, die Angst in seinem kleinen Herzchen wird immer größer…!“, dröhnte nun auch die Stimme des Höllengottes Alkatar durch Radditz’ Kopf.
„Noch ist es nicht soweit! Nicht jetzt!“, knurrte der Unterklassekrieger verbissen.
Nappa stampfte weiter mit einem gierigen Grinsen durch die Straßen, den Kopf immer wieder schnuppernd in die Luft reckend.
Dann nach einigen Minuten betrat er die Halle mit schweren Schritten.
„Du darfst dich bei Kakarott für den Schwanz bedanken! Weißt du eigentlich wozu der gut ist?!“, hallte die Stimme des Elitekriegers von den metallenen Wänden wider.
Angstvoll drückte Son Gohan seinen Schwanz eng an seine Brust.
Er hörte, wie die bedrohlichen Schritte nahe an ihm vorbei gingen.
„Ich finde dich, kleiner Bastardjunge!“, sagte Nappa lauter, ehe er einige Kisten mit einem Ki-Strahl zerstörte.
Son Gohan zuckte zusammen und presste sich die Hände auf die Ohren, doch Nappas Stimme hörte er noch immer dumpf hindurch.
„Hm… Glück gehabt, dass du nicht in dieser Kiste warst…“
Leise bewegte sich der Halbsaiyajin und die Schrauben unter ihm gaben ein leises Klirren von sich, die schweren Schritte des Saiyajin stoppten augenblicklich.
Der Junge kauerte sich noch kleiner in die Ecke der Kiste und sah durch den kleinen Spalt, den er offen gelassen hatte.
„Weißt du was ich lustig finde, Kleiner? Dass kleine Kinder immer denken, wenn sie die Augen schließen, seien sie Unsichtbar! Nur weil sie nichts sehen, denken sie Erwachsene sehen sie auch nicht, was für seine süße Naivität!“, rief er durch die Halle und seine Schritte kamen näher.
Immer näher!
Wieder erklang ein minimales Klirren der Metallschrauben durch das Zittern des Jungen.
Dann wurde es mit einem Mal dunkel um Son Gohan und der Junge hatte das Gefühl kaum atmen zu können.
Mit einer langsamen Bewegung schob Nappa den Deckel von der Kiste und ließ sie hinter sie zu Boden fallen.
„Hab ich dich…“, grinste Nappa ihn triumphierend an, hob seine riesige Pranke und packte sich den Jungen am Kragen seines Schlafanzuges.
„N, nein! Bi, bitte lass mich los!“, rief er verzweifelt und schrie weinend auf.
Radditz ließ sein Ki aufflackern und sah den Kahlkopf wütend mit gefletschten Zähnen an.
„Lass ihn sofort runter, Nappa!“
Überrascht drehte Nappa den Kopf ein Stück über seine breite Schulter und sah den Unterklassekrieger an.
„Ach nein! Haben wir plötzlich das Familienblut für diesen Mischling entdeckt?!“, spottete er, während Son Gohan immer noch in seinem Griff zappelte.
„Aaaaah! Hilfe! Paapaa! Ich will zu meinem Paapaa!“, schrie der Junge voller Angst.
Nappa warf den Jungen mit voller Wucht gegen die nächste Wand, doch Radditz teleportierte sich vor sie und fing den Kleinen auf.
Doch in seiner Panik schlug Son Gohan ihm kräftig ins Gesicht und wurde von seinem Onkel losgelassen.
Sich die Wange reibend, fixierte Radditz nun Nappa, der mit einem breiten Grinsen den Jungen nicht aus den Augen ließ.
„Was ich tue, geht dich einen feuchten Dreck an!“, grollte Radditz und schoss auf den Elitekrieger zu und es entbrannte ein kurzer aber heftiger Kampf.
Wie wild schlug Radditz auf Nappa ein, doch der Elitäre packte ihn im nächsten Moment mühelos an der Kehle und warf ihn gegen eines der Regale.
Es stürzte um und etliche Kisten begruben den Unterklassekrieger unter sich.
Mühsam schälte Radditz sich unter den schweren Kisten hervor und sah Son Gohan zitternd am Boden kauern.
„Lauf sofort weeg!!“, brüllte Radditz aus voller Kehle dem Jungen zu, der sich vor Angst nicht rühren konnte.
Doch dieser Satz legte in dem Jungen abermals einen Schalter um, als er sich daran erinnerte, wie sein Vater ihm so zugerufen hatte!
Sofort nahm der Halbsaiyajin die Beine in die Hand und rannte aus der Halle, ziellos durch die Straßen. Ein kleines zufriedenes Lächeln legte sich auf das Gesicht des Unterklassekriegers, der sich langsam erhob und einen anderen Ausgang suchte, um den Jungen abzupassen.
Nappa schnaufte verärgert und biss die Zähne zusammen.
„Keine Sorge, ich krieg dich noch, elendiger Mischling!“, rief er und stampfte zum Quartier zurück, da ihn ein lautes Magenknurren nach Hause lockte.
Voller Angst und tränengeröteten Augen rannte der kleine Halbsaiyajin durch die fremde Stadt, bis sein Onkel vor ihm auftauchte sich hinkniete und Son Gohan ihm geradewegs in die Arme lief.
Doch er wehrte sich instinktiv und schlug um sich.
„Aaah! Nein! L, lass mich los! Ich will nicht!“
„Hey, Son Gohan! Beruhige dich… schchsch…“, mit etwas festem Druck drückte er den verängstigten Jungen an seine Brust und sein Schwanz umwickelte sanft den kleinen Pelz.
Er ließ dem Halbsaiyajin etwas Zeit sich zu beruhigen und in seinen Armen auszuruhen.
Das starke Zittern verebbte langsam, jedoch nicht ganz.
Vorsichtig nahm Radditz ihn auf seine Arme und trug ihn zurück zum Quartier.
Der Kleine löste mehr Schuld in Radditz aus, als er gedacht hätte… nicht wegen Kakarott… sondern weil er ihn, an sich selbst erinnerte, als er ein kleiner Junge war…
