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Labyrinth des Herzens

von

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Das neue Spiel

Autor: Polarstern

Disclaimer: Die Yu-Gi-Oh Charaktere sind natürlich nicht von mir sondern gehören den entsprechenden Firmen, Puplishern etc, die die Rechte von Kazuki Takahashi & Co erworben haben. Ich verdiene kein Geld hiermit. Storyline, Inhalt, Ideen und Texte sind meine Kreation

Genres: Romantik, AU

Pairings: Main: Puzzle/Blind-Shipping, Side: Pride-Shipping, weitere noch geheime Nebenpairings

Anmerkungen: Eigentlich wollte ich „The Gravity of Life“ erst abschließen, bevor ich ein neues Projekt beginne. Nun hat mich aber doch die Schreibwut gepackt.^^

Diese Story wird sich sowohl inhaltlich als auch in der Erzählperspektive von „TGoL“ unterscheiden.
 

Mit diesem Prolog Upload am 27. Februar sende ich liebe Geburtstagsgrüße an Nala! Happy Birthday! :D
 


 

Das neue Spiel
 

Er brauchte dringend einen Kaffee. Wenn er sich bei all den Informationen die gerade auf ihn eingestürzt waren jetzt noch an die wirklich relevanten erinnern könnte, wäre der Tag gerettet.

Und wo genau in diesem Irrgarten war nochmal die Cafeteria? Ihm schien, die Bauplanungsgesellschaft hatte damals wohl ihr Bestes gegeben, diese gut zu verstecken. Alternativ würde es gerade zur Not auch einer der zahlreichen Getränkeautomaten tun, die man überall sah, wenn man sie gerade nicht brauchte. Gefühlt war jeder Flur mit denen vollgekleistert. Wer brauchte bitte so viele Erfrischungen zwischendurch? Warum also befand sich jetzt kein Automat in diesem Flur? Wo genau in diesem riesigen Gebäude befand er sich überhaupt?
 

Gestresst fuhr er sich mit der Hand durch den goldblonden Pony und sah sich um.

‚Okay, Yugi, wenn du annähernd besser geschlafen hättest - statt dich bei dieser Hitze und mit der Aufregung des bevorstehenden ersten Arbeitstags durch die Laken zu wälzen - könntest du dich nun besser orientieren‘, tadelte er sich selbst.
 

Er zupfte seinen langen, weißen Kittel zurecht und sein Blick fiel auf sein Handy in der Kitteltasche an seiner linken Brust. Dort hing auch schon sein neuer Dienstausweis, den er sich an den Stoff geclipt hatte: Mutou Yugi, M.D.

Er hatte sein Diensttelefon und seinen Pager noch nicht in der Verwaltung abgeholt. Sein Treffen mit Chefarzt Prof. Dr. P.J. Crawford heute Morgen direkt um acht Uhr hatte für ihn alleroberste Priorität gehabt.
 

Dessen Büro auf der Chefetage im siebten Stockwerk hatte Yugi nun soeben verlassen, nachdem er willkommen geheißen und in den wichtigsten Punkten vom Professor unterwiesen wurde. Er hatte die großen, teuren Gemälde an den Wänden nur im Vorbeigehen wahrgenommen.
 

Daraufhin war er im nächsten Treppenhaus nach unten gehastet, in der Hoffnung, sich schnell anhand von Schildern orientieren zu können. Nun stellte sich dies als nicht so einfach heraus.

Doch zum Glück hatte er ja seine Gründe, warum er ausgerechnet in diesem Krankenhaus anfing. Rasch war die eingespeicherte Nummer in seinem privaten Telefon gefunden und er konnte nur hoffen, dass sein ausgewählter Retter den Rufton nun hören würde.
 

„Yugi! Hi, wie schön, dass du anrufst! Meeting mit Crawford hinter dir? Lass mich raten, du weißt nicht, wie du zu uns findest?“

„Hallo Jonouchi! Du hast es erfasst. Ich fühle mich hier wie in einem Labyrinth! Diese Klinik gleicht im Aufbau eher einem Pharaonengrab! Ich glaube, mein Großvater würde sich hier wohlfühlen. Das erinnert ihn an früher.“

„Oh, oh, lass das nicht den Pharao hören, sonst hast du Morgen schon deine Kündigung!“, lachte sein bester Freund heiter. „Wo hat Crawford dich abgesetzt? Oder bist du noch vor seinem Büro?“

„Ich bin im südlichen Treppenhaus, laut dem Schild hier beginnt vor mir die Kinderstation!“

„Warte dort, ich hole dich ab!“
 

Yugi seufzte erleichtert, als er sein Handy in die Innentasche seiner Berufskleidung gleiten ließ. Tatsächlich spürte ihn schon wenige Minuten später sein blonder, bester Freund aus Schulzeiten auf.
 

Mit offenem, wehendem Kittel eilte er auf Yugi zu und beide fielen sich freudig um den Hals.

„Willkommen im Luxory Medical Center, Kumpel! Ich freue mich so, dass wir jetzt Kollegen sind! Komm mit, ich zeige dir unseren Aufenthaltsraum!“ Die beiden setzten sich in Bewegung.

„Ich mich genauso! Ich muss gestehen, etwas nervös zu sein. So viele neue Kollegen, ein neues Gebäude, andere Abläufe, als ich es gewohnt bin…. Da bin ich seit drei Jahren Assistenzarzt und fühle mich doch heute wieder so, als würde ich bei Null anfangen…“
 

„Ach Yugi, mach dir nicht schon wieder so viele Sorgen! Du wolltest einen kompletten Neustart in deinem Leben hier in Tokio. Sowohl privat als auch beruflich. Du hast deine Vergangenheit so viele Kilometer hinter dir gelassen. Nun lasse auch deine Unsicherheit in Domino zurück. Betrachte es einfach als ein neues Spiel. Du hast doch sonst auch keine Probleme, dich in ein neues Game einzufinden! Und die Regeln der Medizin sind dir gut bekannt! - Wir sind übrigens angekommen, hier ist der Aufenthaltsraum für uns Assistenzärzte!“

„Du hast Recht, Jou. Habe vielen Dank!“ Und schon stand Yugi mitten in dem gemütlichen Raum und wurde von seinen neuen Kolleginnen und Kollegen interessiert beäugt und begrüßt.
 

Er kam gar nicht dazu, den Raum als solchen oder die Einrichtung genauer zu betrachten, da fand er sich schon in einer Umarmung mit einer ebenfalls langjährigen Freundin wieder.

„Dr. Mutou, herzlich willkommen in unserem Team!“

„Dankeschön, Frau Mazaki!“, grinste er zurück.

„Kaffee?“, bot der Blonde an und trat zur kleinen Küchenzeile.

„Oh ja, sehr gerne!“, antwortete Yugi erleichtert.
 

Die beiden würden schon dafür sorgen, dass er sich hoffentlich schnell wohl fühlte und zurechtfinden würde. Immerhin arbeitete Jonouchi schon seit drei Jahren, seit dem Beginn seiner Assistenzarztzeit, hier. Er hatte wahrlich viel Glück und gute Connections gehabt, um damals die Anstellung in dieser Privatklinik zu erhalten.

Ihre gemeinsame Freundin Anzu war ihnen eineinhalb Jahre später ins Medizinstudium gefolgt, nachdem ihr damaliger Job als Tänzerin sie nicht mehr ausfüllte. Als Hobby ging sie ihrer großen Leidenschaft natürlich weiterhin nach.

Den beiden hatte Yugi auch sein neues Apartment hier in Tokio zu verdanken, welches sie zusammen nach langer Suche ausgewählt hatten.
 

Nach und nach begrüßte er alle Anwesenden und stellte sich mehrfach für seine neuen Kollegen vor, die wie in einem Taubenschlag ständig aus dem Zimmer ein- und ausflogen.
 

Schon nach kurzer Zeit schwirrte sein Kopf voll von fremden Namen und Gesichtern, die er einander nicht mehr hätte zuordnen können, wenn dies heute seine einzige Aufgabe gewesen wäre. Vielleicht sollte er doch den Tipp seines besten Freundes beherzigen und im Kopf eine Runde Memory spielen, um die passenden Paare wieder zusammen zu finden.
 

Zunächst war er erleichtert, als sich Anzu, ihr Diensttelefon am Ohr, neben ihn stellte und ihn sanft an der Schulter drückte um ihn in eine ruhigere Ecke des Raumes zu lotsen. Dann beendete sie den Anruf und sah ihn ernst an, als hätte er die „begib dich direkt ins Gefängnis und gehe nicht über Los“-Karte beim Monopoly gezogen:
 

„Yugi, es wurde gerade bekannt gegeben, wer dein direkter Vorgesetzter und Supervisor wird. Du sollst dich um 11 Uhr am Empfang der Ambulanz einfinden!“

Der Blauäugige Weiße Drache

„Wieso guckst du so, als hätte man mir den Urlaub gestrichen? Und… du sagst, elf Uhr?“, Yugi zog eilig sein Handy aus der Kitteltasche an der linken Brust, „aber das ist schon in zehn Minuten!“

Beiläufig ließ er das Smartphone wieder im Kittel verschwinden und stellte noch schnell seine Kaffeetasse in die Spülmaschine, die in die kleine Küchenzeile integriert war. Diese wurde direkt bei der Einrichtung der Küche mit berücksichtigt, damit keiner der Ärzte, die sowieso schon mehr als genug Überstunden schoben, noch sein Geschirr per Hand waschen musste.
 

„Ja… das ist typisch für ihn… Da bekommst du direkt schon einmal die erste Kostprobe, wie er ist, unser Oberarzt, Herr Dr. Kaiba“, gab Anzu seufzend von sich.

Yugi klappte die Tür der Maschine wieder zu. „Ist er so streng? Ich habe ihn noch nie persönlich gesprochen. Auf dem Cardio Kongress in Yokohama habe ich vor einem halben Jahr seinen Vortrag über neue Behandlungsmethoden bei Arrhythmien gehört. Ich war beeindruckt über die Statistik, die er dort präsentiert hat. Das war sehr spannend und schon da habe ich gedacht, dass ich gerne an diesen Prozessen mitwirken würde.“
 

„Oh shit, Kumpel. Du bist echt bei Kaiba im Team gelandet? Du tust mir jetzt schon leid… Medizinisch ist er sicherlich top. Da kann ihm kaum einer das Wasser reichen. Aber menschlich… boah, ein Kotzbrocken, wenn du mich fragst…“

„Katsuya! Mache Yugi doch nicht schon Angst, bevor er ihn überhaupt getroffen hat!“, konterte Anzu.

Yugi schluckte und räusperte sich. „Na toll, ihr macht mir ja Mut. Bis jetzt hatte ich zu ihm aufgeblickt und wollte schon immer mal mit ihm zusammen arbeiten. Aber ich muss nun wirklich los, sonst schaffe ich es nicht bis um elf. Wie genau finde ich denn den Weg zur Ambulanz?“

„Wir bringen dich schnell hin!“, Jonouchi stellte ebenfalls seine Kaffeetasse weg. Allerdings mitten auf die Arbeitsfläche in der Nähe der Spülmaschine, ohne diese hinein zu räumen.

„Jonouchi, lasse doch bitte nicht jedes Mal dein benutztes Geschirr einfach rumstehen! Immer müssen andere deinen Dreck für dich wegräumen!“

„Entschuldige, Anzu. Das mache ich später. Jetzt müssen wir erstmal Yugi begleiten.“
 

Die drei machten sich auf den Weg zum nächstgelegenen Treppenhaus.

„Ist er auch euer Supervisor?“, erkundigte Yugi sich unterwegs.

„Uhm, nein, wir sind beide bei Frau Dr. Ishtar…“, antworte Anzu leise.

Jonouchi ignorierte ihre heruntergefahrene Lautstärke und schallte über den Flur: „Wir hatten bei ihr angefragt, ob sie dich auch mit in ihr Team aufnehmen wird. Aber irgendwie scheint ihr das wohl nicht so wichtig gewesen zu sein…“

„Jou! Psst! Sie könnte hier jederzeit überall aus einer der Türen herauskommen! Sprich gefälligst leise!“, tadelte Anzu ihren gemeinsamen blonden Freund. „Es kann viele Gründe geben, weswegen es nicht geklappt hat. Vielleicht ist ihr Team einfach voll. Sie hat schließlich schon ziemlich viele Schützlinge“, ergänzte sie dann noch.

„Hmm, ich finde auf Station C3 könnte ich noch ärztliche Hilfe gebrauchen…“, meckerte Jonouchi weiter.

„Das sieht bei mir auf C2 nicht anders aus. Aber das können wir wohl vergessen, wenn Yugi in Team Kaiba kommt. Kaiba ist schließlich Ambulanz-Oberarzt. Frau Dr. Ishtar ist Vorgesetzte für die Stationen C2 und C3.“

„Danke für eure Warnung, Leute. Ich bin vorsichtig mit ihm. Ich muss mich ja nicht mit ihm anfreunden. Man muss ja nur im Berufsalltag miteinander funktionieren. Ich bin bisher mit jedem oder jeder Vorgesetzten klargekommen.“

„Naa, da wäre ich mir bei dem mal nicht so sicher… Viel Erfolg, Kumpel! Wir sind übrigens angekommen. Du musst nur noch um die Ecke biegen. Wir hauen mal lieber ab, er muss uns nicht sehen. Bis später, du kannst mich ja wieder anrufen, wenn du fertig bist“, Jou drückte ihm noch einmal ermunternd die Schulter, dann machten sie sich auf den Weg zu ihren jeweiligen Stationen.
 

Yugi brachte die letzten Meter hinter sich und erkannte seinen neuen Chef schon von weitem mit verschränkten Armen hinter dem Empfangstresen stehen. Er diskutierte gerade mit einer Schwester, die auf ihrem Bürostuhl vor einem Monitor saß und aufgebracht auf diesen zeigte und mit ihren Händen gestikulierte.
 

Als Yugi näher kam, sah auf. Ihre Blicke trafen sich.

Daraufhin beendete er kurzerhand sein Gespräch mit der anderen Mitarbeiterin.

„Guten Morgen, Herr Dr. Kaiba“, begrüßte ihn der neue Assistenzarzt pflichtbewusst.

„Guten Morgen, Herr Dr. Mutou.“

Als Yugi direkt vor ihm stand, fühlte er sich auf mehreren Ebenen von der mächtigen Präsenz seines Gegenübers erdrückt. Angefangen bei der Körpergröße. Sein neuer Oberarzt war sehr viel höher gewachsen als Yugi selbst und so musste er, neben der dienstlichen Abstufung zwischen Assistenzarzt und einem leitenden Oberarzt, auch körperlich zu ihm aufblicken.
 

„Da sind Sie nun also. Der Arzt mit den herausragenden Bestnoten im Studium, der sein Talent bisher an ein Dorfkrankenhaus verschwendet hat.“

Yugi riss die Augen auf: „Domino ist eine Großstadt, das City Hospital hat eine beachtliche kardiologische Abteilung mit fast 700 Behandlungsfällen pro Jahr!“
 

„Wie dem auch sei“, der Ältere schaute zur Wanduhr, „wenigstens sind Sie pünktlich.“ Dann zog er sein Diensttelefon aus der Kitteltasche. „Wie ist ihre Durchwahl? Mich erreichen Sie im Notfall unter der 4739. Aber wirklich nur, wenn Ihr medinisches Wissen komplett ausgeschöpft ist. Wagen Sie es nicht, mich wegen jeder Kleinigkeit zu stören.“

„Ich kenne meine Nummer noch nicht. Ich bin noch nicht dazu gekommen, mein Telefon und meinen Pager abzuholen. Ich hatte vorhin zuerst eine Unterweisung bei Professor Dr. Crawford.“

Kaibas Brauen senkten sich näher an seine eisblauen Augen: „Es ist elf Uhr und Sie haben es noch nicht geschafft, ein Telefon abzuholen? Wer hat Sie denn eingestellt? Ich zum Glück nicht. Ich möchte Ihnen dringend abraten, in meiner Ambulanz so langsam zu arbeiten.“
 

Yugi drückte beide Lippen aneinander. Er hatte seine eigentliche Arbeit als Arzt noch nicht begonnen und schon fand er sich als Zielscheibe von Vorurteilen.

„Sie haben mich noch gar nicht in Aktion gesehen.“
 

„Stimmt. Aber seien Sie sich von Anfang an darüber im Klaren, dass ich Wert auf Effizienz und Schnelligkeit lege. Beides zu gleichen Teilen. Wer zu langsam ist, fliegt. Ich werde Ihr Engagement beobachten. Hier wird nicht pünktlich der Stift fallen gelassen. Ansonsten sind Sie unterbeschäftigt und Sie bekommen noch mehr Aufgaben von mir persönlich zugeteilt. Ihre Überstunden werden allerdings nicht ausgezahlt. Wer zu viele Überstunden hat, zeigt ebenfalls, dass er mit seinem Zeitmanagement daneben liegt. Also häufen Sie keine große Menge davon an, als wären es wertvolle Sammelkarten.“
 

Yugi war zwar ein ruhiger und friedlicher Mensch, aber er konnte durchaus seine Meinung vertreten. Das hatte er in den letzten drei Jahren während seiner Berufspraxis lernen müssen. Niemand ergriff Partei für einen. Keiner schütze ihn. Wenn er es nicht selbst tat, würde er unweigerlich vom Burnout-Monster eines Tages gefressen werden.

Doch das hier… Übertraf alles, was er bisher erlebt hatte. Er sollte viele Überstunden machen um seinen Fleiß zu zeigen – und doch wiederum nicht, um nicht als zu langsam zu gelten?
 

Die Augen dieses Mannes sahen ihn bestimmt und kalt an. Es brauchte keinerlei Beweise für Yugi, dass Dr. Kaiba diese Worte mehr als nur ernst waren.
 

„Verstehe“, hörte sich Yugi stattdessen selbst sagen. Er hatte schon dem ein oder anderen Vortrag des Oberarztes auf Kongressen gelauscht. Auch einige Publikationen in Fachzeitschriften hatte er schon von ihm gelesen. Yugi war fachlich begeistert von der Kompetenz und den wissenschaftlichen Erkenntnissen und hatte ein sehr positives Bild von diesem Arzt gehabt. Nun wurde ihm bewusst, was für eine Persönlichkeit hinter diesem herausragenden Arzt stand. Genau das, was sein bester Freund ihm eben per Kurzfassung versucht hatte, zu sagen.

„Ich bin zwar Assistenzarzt, aber kein Berufsanfänger. Ich weiß, wie ich mir meine Zeit einzuteilen habe. Was werden meine Aufgaben sein?“

„Sie beginnen mit Ambulanzdienst. Alle ärztlichen Routinetätigkeiten. Anamnesen erheben, Körperliche Untersuchungen, Diagnosestellung, Aufklärung und Festlegung der Therapie...“

„Mir ist bewusst, was Ambulanzdienst beinhaltet.“

„Gut. Bei Ihrem vorherigen Arbeitgeber waren Sie zuletzt im OP eingesetzt? Professor Hopkins hat Sie über den grünen Klee gelobt. Ich habe seine Reputation über Sie gelesen. Ich hoffe, das trifft tatsächlich auf Sie zu und er hat Sie nicht weggelobt?“
 

Überrascht weiteten sich die Augen des Jüngeren. „Nein. Prof. Hopkins ist ein ehrlicher und zuverlässiger Mensch. Was er schreibt, stimmt auch.“

„Wir werden sehen. Dann holen Sie jetzt endlich Ihr Telefon ab und rufen mich an, wenn Sie es haben. Damit ich Ihre Nummer einspeichern kann. Ihre Arbeitszeit beginnt jeden Morgen um halb acht. Wir treffen uns immer mittwochs um 13 Uhr zur Teambesprechung. Sehen Sie zu, dass Sie Ihr Mittagessen bis dahin beendet haben – oder Sie essen erst sehr viel später. Die gesamte Patientendokumentation, Ausstellung von Rezepten und auch die Urlaubsanträge erfolgen nur elektronisch, kein herumfliegendes Papier. Mich belästigen Sie nur in komplizierten Fällen, die oberärztlich abgesegnet werden müssen. Ihnen sollte klar sein, wann dies erforderlich ist. Haben Sie noch Fragen?“

„Wie verhält es sich, wenn ich Sie länger nicht erreiche? Sie sind vielleicht auch mal krank oder-“

„Ich war die letzten sechs Jahre nicht krank oder im Urlaub. Das passiert nicht. Sie können mich nicht umgehen.“

„Darauf zielte die Frage auch nicht ab. Ich-“

„Genug geplaudert. Nun holen Sie endlich Ihr Equipment und dann melden Sie sich bei Schwester Kawai in Behandlungsraum vier und kümmern sich um den ersten Patienten. Ich werde heute Abend sowie in den nächsten Tagen Ihre Fälle im System durchsehen. Ihre Notizen, Ihre angeordneten Tests und Medikamente. Wenn etwas nicht zusammenpasst, haben Sie mich sofort am Telefon. Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen.“
 

Damit rauschte er mit geöffnetem, wehenden weißen Kittel davon.
 


 

*
 

„Der blauäugige, weiße Drache?“, wiederholte Yugi perplex mit vollem Mund, da er vor Erstaunen sogar seine guten Manieren vergaß. Als ihm dies bewusst wurde, schluckte er hastig den Bissen vom Hamburger herunter. Es war 13:17 Uhr und es hatte tatsächlich geklappt, dass Anzu, Jonouchi und er gleichzeitig einen Slot fanden, um die Arbeit zu unterbrechen. Nun saßen sie zu dritt an einem der runden Tische in der Kantine.

„Ja, das ist sein Spitzname“, klärte Jonouchi ihn auf. Der Blonde dippte eine Pommes in Ketchup und hielt diese dann mit der tomatigen Seite hoch und deutete in Yugis Richtung. „So nennt ihn hier ein Großteil der Angestellten. Ich finde das passt wie meine Faust auf sein Auge!“

„Katsuya Jonouchi! Wenn der Pharao dich eines Tages kündigt, wundere ich mich gar nicht mehr, weswegen“, kritisierte die einzige Frau der Runde an ihm herum.
 

„Ja, irgendwie passend“, murmelte Yugi und trank einen Schluck Cola. Natürlich eine mit Zucker. Denn der erste Tag schlauchte ihn inzwischen so sehr, dass er diesen Energieschub nun dringend nötig hatte, um wieder aktiver zu werden.
 

„Haben hier alle Mitarbeiter einen Nickname? Ihr beide auch?“, erkundigte er sich dann und widmete sich wieder seinem Burger.

„Nein, wir nicht. Hauptsächlich nur die leitenden Ärzte oder Oberärzte. Es macht ja viel mehr Spaß, über seine Vorgesetzten herzuziehen“, zwinkerte nun sogar die sonst so überkorrekte Anzu.

„Das stimmt!“, pflichtete Jou nun grinsend bei und stopfte sich mehrere Pommes auf einmal in den Mund, so dass man ihn kaum noch verstehen konnte. „Fie Namen hafen wir Affiftenzäfte heimflich vergefen. Fie Befroffenen wissen nafürlich nix davon.“

Anzu kniff die Augen zusammen und unterdrückte eine Bemerkung.

Yugi schluckte demonstrativ, bevor er sprach: „Und welche kreativen Bezeichnungen habt ihr so verteilt?“

Der Gesprächigste am Tisch streckte sich und straffte stolz seinen Rücken: „Die meisten Einfälle stammen tatsächlich von mir“, brüstete er sich. „Aber unsere Kollegen können schon ziemlich gut mithalten. Also den weißen Drachen hast du ja heute kennen gelernt. Da wären noch… der Pharao und sein Schatzmeister, dann der Grabräuber, der Grabwächter, der Schwarze Magier und –“
 

„Stopp, stopp, stopp, Katsuya. Du musst mir schon verraten, wer wer ist. Ich muss ja Bescheid wissen, über wen geredet wird“, forderte der Neue in der Runde. „Grabräuber und Grabwächter klingt ja gruselig…. Und das in einem Krankenhaus, in dem es Menschen besser gehen soll. Bei solchen Bezeichnungen habe ich das Gefühl, diese Ärzte hätten ihren Beruf verfehlt?!“

„Könnte man auch beim Grabräuber so sagen…“, murrte Anzu und fügte erläuternd hinzu „das ist der leitende Pathologe unten im Labor. Auch ein sehr unangenehmer Zeitgenosse, wenn du mich fragst. Du erkennst ihn an den längeren, weißen Haaren. Versuche besser, die Leichenhalle und Sezierräumlichkeiten zu meiden, so oft wie du kannst…“

„Oha“, Yugi schluckte den letzten Bissen schnell herunter, bevor ihm bei weiteren Gedanken zu dem Thema noch der Appetit verging. „Danke für den Tipp. Der Schwarze Magier klingt ja spannend, wer kann denn hier zaubern?“
 

Ein sehr lautes, schrill piependes Geräusch ertönte und Yugi zuckte leicht zusammen, stieß mit der rechten Hand fast seine Cola um.

„Dein Klingelton“, nickte Anzu in Richtung seiner Kitteltasche.

„Himmel, ist das ein unangenehmer Sound. Kann man den ändern?“, er griff im Sprechen nach dem genannten Gerät und überprüfte das Display. Eilig nahm er den Ruf an und wechselte nur wenige Wörter, ehe er auflegte.

„Meinem Patienten von vorhin geht es schlechter. Ich muss los“, seufzte der Jüngste in der Runde und stand auf.

„Dann geh schnell, Jonouchi und ich bringen dein Geschirr mit weg“, sagte Anzu und stapelte bereits die benutzten Teller und Gläser.

Jonouchi schob Anzu dankbar ebenfalls seine leere Schale vom Nachtisch herüber. „Aber ich dachte, du wärst nach deinem Gespräch mit Kaiba in der Verwaltung gewesen um deine Ausrüstung zu holen? Du konntest höchstens Zeit gehabt haben, um einen Patienten zu behandeln! Und dem geht es nun schlechter, nachdem du bei ihm warst?“, mutmaßte der Blonde.

Betreten sah Angesprochener zur Seite. „Ja, das stimmt... Ich habe mich bisher nur um diesen neunundfünfzig jährigen Mann gekümmert, zu dem ich nun schnell hin muss…“

„Oh äh… Sorry, Yugi. Fettnäpfchen…“
 

Yugi drehte sich eilig um und begab sich schnellen Schrittes zu seinem Einsatzort.

Erst ein Drache und nun das. Was für ein ausgesprochen… toller Start...

Es konnte nur besser werden…
 


 

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Das war übrigens eine Premiere für mich.... Ich schreibe seit über 20 Jahren zum Thema YGO... Und ich habe Seto nie mehr als gefühlt drei Sätze sagen lassen xDD;; (Das Werk, in dem er bisher die "größte" Rolle hatte, müsste "Strange Melodies" sein). Das ist nun das erste Stück seit Ewigkeiten, in dem ich mich etwas mehr an seinen interessanten, aber schwierigen Charakter herantraue... Habt Nachsicht mit mir ^^;
 

Polarstern

Der Schwarze Magier

Die ersten zwei Wochen am neuen Arbeitsplatz vergingen wie im Flug. Yugi lernte nach und nach alles besser kennen. Sowohl die Abläufe in der Klinik als auch die Räumlichkeiten – und er wurde von Tag zu Tag vertrauter mit seinen direkten Kollegen.
 

Sogar an seinen neuen Supervisor hatte er sich inzwischen… naja, gewöhnt war übertrieben, aber er arrangierte sich stetig etwas besser mit seiner Art. Yugi war einmal an seinem dritten Tag von Dr. Kaiba angerufen worden und einmal etwa eine Woche später. Beide Male hatte er eine kurze Rückfrage zu Yugis Behandlungsmethoden gehabt. Diese konnte der Assistenzarzt allerdings ohne weitere Probleme beantworten und dem Oberarzt schien dies auch zu genügen. Seit dem hatte er ihn nicht mehr angerufen und Yugi nahm an, dass er ihn nicht weiter kontrollierte. Sie trafen ja auch im Berufsalltag oft genug aufeinander und besprachen komplizierte medizinische Fälle miteinander. Immerhin hatte Dr. Kaiba mit Sicherheit mehr als genug zu tun, als einen neuen Mitarbeiter auf Schritt und Tritt zu überwachen. Sicher wollte er sich nur in den ersten Tagen von seinem Können überzeugen. Vielleicht hatte sein Vorgesetzter auch nur stichprobenartig nachgeschaut. Yugi wusste es nicht und es war ihm auch egal. Er gab immer sein Bestes, für jeden Patienten.
 

Nach wenigen Tagen verstand er sich auch gut mit zwei weiteren Kollegen: Einmal Ryou, ebenfalls Assistenzarzt in der Ambulanz und genau wie er in Team Kaiba. Und dann gab es da noch Hiroto, ein Pfleger in der Ambulanz, der ähnlich wie Jonouchi üblicherweise nur bei seinem Nachnamen, der wie der eines Automobilherstellers lautete, gerufen wurde.
 

Wann immer es möglich war, traf er sich mit Anzu und Jou innerhalb der Klinik, zum Beispiel zum Mittagessen. Da es häufig schwierig war, sich mit den beiden abzustimmen, verbrachte Yugi manche Pausen auch mit Ryou und Honda oder zumindest mit einem von beiden – oder manchmal, wenn zu viel los war, machte er nur eine verkürzte Pause alleine, ehe er sich wieder an die Arbeit stürzte.
 

Am heutigen Montag, zu Beginn der Woche drei, war Yugi besonders früh zum Dienst erschienen.

Er hatte noch ein paar Fragen zu der Software, mit der sie alle arbeiteten. Ryou hatte es am Freitag nicht mehr geschafft, sich mit ihm hinzusetzen und diese mit Yugi zu klären. Er hatte ihn daher entschuldigend auf die nächste Woche vertröstet. „Am besten am Montag um kurz vor sieben, dann haben wir etwas mehr als eine halbe Stunde, bevor unser Dienst beginnt“, hatte Ryou vorgeschlagen.

Yugi hatte verständnisvoll reagiert und war mehr als dankbar, dass ein Kollege für ihn seine – für alle knapp bemessene – Zeit opferte.
 

Yugi hing wie immer seine dünne, dunkelviolette Sweatshirtjacke, die er bei den frischen Temperaturen so früh morgens noch trug, in den Spind in der Gemeinschaftsumkleide. Einen sauberen Arbeitskittel für diese Woche hatte er sich am Freitagnachmittag noch in seinen Schrank gehangen, so dass er diesen nun über sein mintgrünes T-Shirt ziehen konnte.
 

In diesem Moment betrat ein Mann mit hellbrauner, tropfend nasser Haut die Umkleide. Er kam offensichtlich aus den direkt angrenzenden Duschräumen. Er trug nur zwei weiße Handtücher am Körper, eins um die Hüften und eins auf dem Kopf um die Haare herumgewickelt. In der Hand hielt er zwei Shampoo Flaschen.

Yugi wusste nicht, was es war, doch der Anblick zog ihn in einen Bann. Er mochte nicht wegsehen.

„Guten Morgen“, grüßte der Fremde und trat an einen Spind, etwa vier Schranktüren neben Yugi.

„G-Guten Morgen“, erwiderte Yugi mit seltsam ungeschickter Zunge.

Der Andere gab die Zahlenkombination in Ruhe ein, während er fragte: „Sind Sie neu hier?“ Seine Stimme war angenehm dunkel, wie Yugi empfand. Als das Schloss klickte, stellte er die beiden Plastikflaschen zuerst in den Schrank und drehte sich dann nach links zu Yugi, der begonnen hatte, zu antworten.

„Ja, mein Name ist Mutou, Yugi. Ich bin seit zwei Wochen als Assistenzarzt dabei. Ich arbeite in der Ambulanz.“

Die Sätze klangen kurz und abgehackt. Und dämlich, wie er fand. Was verdammt war mit ihm los?

Die dunklen Augen des Mannes sahen ihn freundlich, aber mit einer gewissen Distanz im Blick an.

Dann wandte er sich wieder seinem Schließfach zu und zog normale Straßenkleidung heraus, statt dem üblichen Arztkittel. War er vielleicht kein Arzt? Wer durfte überhaupt in diese Umkleide? Auch Pfleger und die Kollegen aus den Büros und der Verwaltung?

„Dann willkommen bei uns im Haus, Dr. Mutou. Wir können jede Unterstützung gebrauchen. Der Nachtdienst, den ich gerade hinter mir habe, war echt grausam.“
 

In dem Moment klingelte Yugis Diensttelefon und er erkannte Ryous Nummer. Oh verdammt, den hatte er ja ganz vergessen! Sein Kollege war doch extra wegen ihm heute so früh zur Arbeit erschienen und nun wartete er sicherlich auf Yugi!

Er entschuldigte sich kurz bei seinem Gegenüber und nahm das Gespräch an. Aus den Augenwinkeln sah Yugi, wie der Mann das Handtuch am Bauch löste und Yugi den Rücken zudrehte.
 

Peinlich berührt ließ Yugi einige Sätze mehr als notwendig heraussprudeln, um sich beschäftigt zu geben. So erwähnte er bei Ryou, dass seine U-Bahn verspätet ankam und er in der Wartezeit noch schnell beim Bäcker neben der Haltestelle einen Kaffee gekauft hatte. Dabei machte er sich auf den Weg Richtung Tür und verließ schnellst möglichst die Umkleide. Diesen attraktiven Mann nun vollkommen nackt zu sehen, wollte er lieber vermeiden.

Seit wann bitte reagierte er so auf Männer? Noch nie. Er war doch mit einer Frau verheiratet. Er war heterosexuell. Er hatte schon tausend Männer unbekleidet gesehen, in Bädern, in Umkleidekabinen, vor allem aber Patienten. Nie war ihm dabei so warm geworden wie gerade.
 

Das Treffen mit Ryou dauerte wie geplant etwa eine halbe Stunde. Es war sehr hilfreich gewesen und Yugi kannte sich nun besser mit dem System aus.

Der weitere Tag verlief wie ein Großteil der letzten Arbeitswoche: Patientenversorgung und sich die Scherze und Sprüche von Honda anhören, die mal witzig waren, mal weniger. Und dann gab es da noch ständig diese Blicke von ihm zu ihrer gemeinsamen Kollegin Shizuka, Jonouchis kleiner Schwester. Da hatte wohl eindeutig jemand Gefühle. Shizuka selbst schien aufgrund ihres Verhaltens auch nicht abgeneigt zu sein. Sie näherte sich ihm häufig und lächelte ihn mit Blicken an, die eindeutiger kaum sein konnten. Wie Yugi von Ryou erfuhr, ging das schon seit Monaten so.

Wieso klärten die beiden das nicht einfach? Wie die so Tag für Tag umeinander herum schlichen... Nervig!
 

Yugi war in Sachen Liebe auch ziemlich schüchtern und langsam. Aber so umständlich war es mit seiner Frau am Anfang nicht gewesen. Was vielleicht auch daran lag, dass sie nie ein Geheimnis aus ihren Gefühlen zu ihm gemacht hatte. Im Gegenteil. Und Yugi war die einfache Rolle zuteil geworden, immer nur mit „Ich dich auch“ zu antworten.

Heutzutage fragte er sich, ob das tatsächlich jemals wahr gewesen war?

Oder ob er sich einfach zu geschmeichelt gefühlt hatte? Sie war sehr freundlich und süß zu ihm gewesen, hatte ihn von Anfang an umgarnt. Es war auch eine schwierige Zeit für ihn gewesen. Eventuell hatte sie ihn auch zu sehr bedrängt? Vielleicht hatte er einfach Freundschaft mit Liebe verwechselt? Damals hatte er noch mehr Schwierigkeiten mit dem ‚nein‘ sagen gehabt.
 

Am nächsten Morgen war Yugi neugierig darauf, ob der gutaussehende Mann wohl wieder duschen würde? Laut eigener Aussage kam er vom Nachtdienst. Dieses Mal war Yugi sogar extra noch ein wenig früher da als am Tag zuvor, um mehr Zeit für ein Gespräch zu haben. Er wollte gerne wissen, wer er war. Wie er hieß und als was er hier arbeitete.

Enttäuschenderweise traf er ihn an diesem Morgen nicht. Und am Mittwochmorgen darauf auch nicht.

Yugi hatte sich viele Gedanken gemacht. Es verunsicherte ihn, was er für diesen Fremden fühlte. Er hatte ihn nur etwa drei Minuten gesehen, es war also nichts Ernstes. Bloß etwas Schwärmerei.

Aber ausgerechnet für das eigene Geschlecht? Er hätte das nicht für möglich gehalten und das brachte seine Gedanken durcheinander.
 

An diesem Donnerstag konnten es die drei Freunde endlich wieder arrangieren, zusammen am Mittagstisch zu sitzen. Yugi hatte angekündigt, dass er über etwas sprechen wollte.
 

„Das ist ja nicht zum Aushalten, Katsuya, wie Honda deine Schwester ständig anschaut. Hast du mal mit ihr darüber geredet?“, Yugi fischte eine lange Udon-Nudel aus seiner Suppe und führte die Stäbchen zum Mund. Er hatte erst einmal das Gespräch auf andere Personen gelenkt, bis er sich bereit genug fühlte, mit seinen Gedanken, die ihn quälten, herauszurücken.
 

„Natürlich weiß ich, dass sie auch was von dem will…“, murrte Jonouchi und stocherte beinahe schon aggressiv mit den zwei dünnen Hölzern in seiner Schale, jedoch ohne etwas aufzunehmen.

„Wo ist dann das Problem?“, hakte Yugi nach.

Katsuya grummelte nur unverständlich.

„Er spricht nicht gerne über Shizukas Liebesleben…“, grinste Anzu und trank einen Schluck Wasser.

„Stimmt… Ich mag die Vorstellung nicht, dass meine kleine Schwester… einen Freund hat. Wenn das mal schief geht, ist sie am Boden zerstört, das will ich vermeiden. Und ja doch, bevor ihr mir jetzt wieder damit kommt, sie wäre alt genug für eine Beziehung… Ich mische mich da aber nicht ein. Ich möchte mich ja auch nicht vor ihr rechtfertigen, mit wem ich ins Bett steige oder eben nicht…“
 

Anzu räusperte sich. „Das interessiert uns auch nicht, Jonouchi. Yugi, wie sieht es eigentlich bei dir aus? Bist du wieder auf der Suche oder genießt du dein Single Dasein?“

Yugi griff reflexartig an seinen linken Ringfinger. Der Ring lag zu Hause in seiner Nachttischschublade. So wie immer, wenn er zur Arbeit musste. Eine leicht warme Röte legte sich auf seine Wangen.

„Ich bin immer noch verheiratet…“, murmelte er etwas abwesend.

„Ach Yugi, nur noch auf dem Papier. Sei froh, dass du dich endlich dazu durchgerungen hast, diesen Schlussstrich zu ziehen. Das Verhalten dieser Frau war ja furchtbar. Ich kann immer noch nicht glauben, dass du diese anstrengende Person tatsächlich damals geheiratet hast. Hättest du da mal auf mich gehört…“

„Du hattest wie immer Recht, Jou.“ Yugi seufzte. „Ich hatte damals einfach das Gefühl, es wäre vernünftig und müsse wohl das Richtige sein. Rebecca war ja auch eine Zeit lang sehr süß zu mir. Wir waren ein paar Jahre lang ein gutes Team… Beruflich und privat“

„Hmm, Kumpel. Das war vielleicht einfach zu viel für eure Beziehung. Euch erst in der Uni, dann später im Krankenhaus und auch noch zu Hause zu sehen.“

„Aber wenn ihr so fragt…“, begann Yugi schließlich. Der Ägypter aus der Umkleide war ihm seit Montag nicht mehr aus dem Sinn gegangen. „Ich habe da jemanden getroffen…“

„Ah, stimmt ja, du wolltest uns ja noch etwas erzählen? Geht es darum?“, lächelte Anzu.

„Oh, na sieh mal einer an! Da bist du neu hier und findest neben der Arbeit noch eine neue Liebe!“, lachte Jou. „Wer ist es denn? Wir haben einige hübsche Ärztinnen und Pflegerinnen. Manche Damen aus der Verwaltung sind auch echt heiß…“
 

„Ähm… Das ist es ja… Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll… Ich… Da war Montagmorgen so ein Mann in der Umkleide. Er hat mir leider nicht gesagt, wie er heißt...Er geht mir nicht mehr aus dem Kopf… Er sah ägyptisch aus, also er hatte diese typische Hautfarbe… und äh… oh es ist mir so unangenehm… Ein Mann! Ich stehe doch nicht auf Männer!“

Jonouchi blieb der Bissen im Hals stecken und er griff schnell zum Orangensaft, um diesen krampfhaft herunter zu spülen.

Yugi sah zur Seite und fühlte sich von Sekunde zu Sekunde unwohler.

„Ein Mann?“, presste Katsuya überrascht hervor.

Anzu legte ihm ihre Hand auf die Schulter. „Ob nun Mann oder Frau ist doch völlig egal. Männer aus Ägypten gibt es hier allerdings wie Sand am Nil. Wir sind hier immerhin im ‚Luxory Medical Center‘. Beschreibe ihn uns doch etwas genauer. Wie sah er aus? Wie alt schätzt du ihn?“
 

„Uhm… Seine Haare habe ich nicht gesehen, er kam aus der Dusche und hatte ein Handtuch darum gewickelt. Er ist auf jeden Fall größer als ich… und auch älter… Er hatte eine angenehme, dunkle Stimme. Mir ist seine selbstbewusste, ruhige Ausstrahlung aufgefallen.“
 

Jonouchi hatte sich inzwischen wieder etwas beruhigt und man sah ihm nun ebenso wie Anzu an, dass er nachdachte, wer gemeint sein könnte.

„Das trifft hier leider auch auf mehrere Kollegen zu. Und als angenehm“, sie betone das Wort besonders, „empfindet ja auch jeder etwas anderes“, Anzu zuckte hilflos mit den Schultern.

„Ich weiß ja selber nicht, was mit mir los ist“, Yugi vergrub das Gesicht in seinen Handflächen. „Ich bin vor kurzem neunundzwanzig geworden... Wie ihr wisst, hatte ich bisher immer nur etwas mit Frauen... Ich bin seit zweieinhalb Jahren verheiratet. Und dann… Gefällt mir so einfach aus dem Nichts heraus ein Mann. Ich dachte, mit fast dreißig wäre ich mir meiner Orientierung sicher… Es ist so fremd für mich, darüber nachzudenken, ob ich eine schwule Neigung in mir habe…“
 

„Nur weil du einen Mann ansprechend findest, bist du nicht direkt homosexuell. Und selbst wenn, spielt es auch keine Rolle. Vielleicht gab es bisher noch keinen Grund für dich, über das eigene Geschlecht nachzudenken?

Zuerst warst du – Also… Ich meine am Ende unserer Schulzeit…“, setzte Anzu mehrfach an und Yugi hob seinen Blick, sah sie lächelnd an. „Ich weiß, zuerst war ich mit dir zusammen. Später, als ich vollkommen im Stress rund um mein Studium versunken war und du noch als Tänzerin gearbeitet hast, hat es nicht mehr mit uns geklappt. Wir hatten uns beide zu sehr verändert. Ich war nur wenige Monate Single. Rebecca hatte wohl nur auf ihre Gelegenheit gewartet, sich an mich heran zu schmeißen. Sie war damals sehr aufmerksam und liebevoll und hat mich über die Trennung von dir hinweg getröstet…“
 

Gemeinsames Nicken von Jonouchi und Anzu. „Sie hat sich dich geangelt, als es dir nicht gut ging, Yugi. Aber das ist Geschichte. Ich bin froh, dass du und Anzu trotz allem so gute Freunde geblieben seid. Es wäre echt blöd für mich, wenn ich mich zwischen euch aufspalten müsste. Und wenn du jetzt merkst, dass du dich auch zu Männern hingezogen fühlst…“, der Blonde stellte sein Saftglas mit einem lauten Geräusch ab, „ist das für mich vollkommen in Ordnung. Nur bitte nicht zu mir“, feixte er.

Yugi grinste ihn kopfschüttelnd an. „Mache dir keine Sorgen, ich kenne dich schon viel zu lange. Es ändert sich nichts mehr daran, wie ich zu dir stehe.“

Yugi lächelte dankbar seine besten Freunde an.
 

„Wie wäre es“, überlegte Anzu laut, „wenn wir mit dir einen Rundgang durchs Haus machen? Wir besuchen die anderen Abteilungen – natürlich unter einem Vorwand – und du gibt’s uns ein heimliches Zeichen, wenn du ihn wieder erkennst?“

Yugi überlegte einen Moment, ob er dies wirklich wollte. „Prof. Crawford hat mich an meinem ersten Tag zwar schon kurz rumgeführt, aber das wäre natürlich jetzt eine gute Möglichkeit, ihn zu suchen. Was soll ich denn tun, wenn ich ihn finde? Immer, wenn mir jemand gefällt, schreit mein Gehirn Error. Dann kommt bei mir nur noch irgendein Blödsinn über das Wetter raus oder sowas…“

Jonouchi und Anzu lachten amüsiert auf.

„Wir haben doch Mitte Juli. Dann frag ihn doch, was er bei den sonnigen Temperaturen heute noch so vor hat“, schlug Anzu grinsend vor.

Yugi rollte mit den Augen.

Jonouchi stand auf. „Ernsthaft. Dann sprich ihn aufs Wetter an und Anzu und ich wissen, was Sache ist.“
 

Gesagt, getan.

Sie klapperten alle Stationen ab, sogar die Kinder-Kardiologie. Dann noch die Radiologie und sie trauten sich sogar kurz ins Labor. Zum Glück war von dem unangenehmen Grabräuber gerade keine Spur zu sehen. Die Ambulanz konnten sie auslassen, hier kannte Yugi sich schon bestens aus und er wusste, dass der, den er suchte, nicht dort arbeitete.

Hin und wieder erhielten alle drei Anrufe aus ihren Teams, um Rückfragen zu Behandlungen zu klären. Allmählich mussten sie alle wieder an ihre Arbeitsplätze zurück, die Zeit drängte. Sie konnten nicht einfach im Dienst so lange spazieren gehen.
 

Jonouchi hatte inzwischen bestätigt, dass es sich bei der besagten Umkleide um die für die männlichen Ärzte handelte. Das Nichtärztliche Personal hatte seine eigenen Räumlichkeiten dafür eine Etage tiefer. Somit wussten sie, dass sie einen Arzt suchten.

Als letztes blieb nur noch der Operationstrakt und die Verwaltung.
 

„Also in den OP dürfen wir nicht so einfach“, sprach Anzu ihre Gedanken laut aus, als sie zu dritt im Fahrstuhl standen. „Da ist der sterile Bereich. Wir könnten höchstens in den vorderen Teil, bis zur Schleuse. Aber ich muss nun wirklich zurück auf meine Station. Die leitende Pflegerin hat gerade das zweite Mal angerufen. Ihr beide könnt ja noch zum OP hochfahren“, dabei drückte sie den Knopf für die zweite Etage und stieg kurz darauf aus, als der Fahrtstuhl dort hielt. „Ich wünsche euch ganz viel Erfolg! Schreibt mir im Gruppenchat, wenn ihr ihn gefunden habt! Ich möchte es auch wissen, wen unser Yugi so ansprechend findet“, sie zwinkerte grinsend und verließ dann den Aufzug.

„H-hey, Anzu! Lass uns doch nicht-“, weiter kam Katsuya nicht, da schlossen sich schon die Türen und trennten die Freunde voneinander.
 

Als sie ausstiegen, benahm sich Jonouchi plötzlich eher untypisch. Er sah sich häufig um und wirkte tatsächlich eher unsicher. So hatte Yugi seinen besten Freund noch nie erlebt.

Katsuya und Yugi betraten die Vorräume zum Operationsbereich. Einige OP Assistenten in ihren grünen Kasacks begrüßten sie freundlich und sie erwiderten den Gruß.

Yugi fiel auf, dass sein blonder Freund sich so benahm, als würde er… sich hinter ihm verstecken wollen? Was sich angesichts dem extremen Größenunterschied der beiden Freunde in dieser Konstellation als schwierig erwies. Andersherum, dass Yugi sich hinter Jou verdeckt hielt, wäre da schon eher möglich gewesen.
 

„Hi Jonouchi! Was treibt dich zu uns? Und was sehe ich da, ein neues Gesicht in unseren Reihen?“

Ertappt verkrampfte sich Angesprochener auf der Stelle und rührte sich nicht mehr. Yugi merkte direkt, dass mit seinem besten Freund etwas nicht stimmte. Er konnte regelrecht sehen, wie unwohl er sich fühlte.

„O-oh, hallo Mai… Ich ähm… Das ist Yugi! Er ist ein Freund von mir und hat zum ersten Juli hier angefangen.“ Der Kleinere hatte das Gefühl, als rudere sein Kumpel, der sonst nie um eine schlagfertige Antwort oder freche Sprüche verlegen war, um passende Worte.
 

„Hallo, mein Name ist Mutou, Yugi. Ich bin seit zwei Wochen in der Ambulanz tätig“, stellte er sich der groß gewachsenen, blonden Ärztin mit den langen, etwas lockigen Haaren vor.

Diese lächelte ihn freundlich aus ihren strahlenden, violetten Augen an: „Freut mich, dich kennen zu lernen, Yugi. Ich bin Mai, Fachärztin für Anästhesie.“

„Ich freue mich ebenfalls… dich kennen zu lernen, Mai“, lächelte Yugi aufrichtig zurück. „Jonouchi ist so freundlich und zeigt mir unser Krankenhaus, damit ich mich schneller hier überall zurechtfinde.“

„Ah, so ist das. Und jetzt wollt ihr euch den OP anschauen? Gerade passt es ganz gut, ich kann euch kurz mit hineinnehmen, wir sind gerade mit einer Klappentransplantation fertig geworden.“ Sie hielt ihren Dienstausweis vor den Transponder der Schleuse, so dass sich die Spezialtür öffnete.

„Lieben Dank Mai, ich denke nicht, dass das nötig ist, Yugi hat schon einen guten Einblick bekommen…“, versuchte Jonouchi noch freundlich zu erwidern, doch sie war schon voraus gegangen und gestikulierte mit der Hand, ihr zu folgen. „Keine Sorge, Dr. Ishtar und Herr Kaiba dokumentieren gerade noch den Verlauf der OP, es ist kein Patient mehr drin, ihr könnt euch kurz umsehen.“
 

„K-Kaiba?!“, stieß Yugi hervor und blieb wie angewurzelt stehen. „Dann kann ich da nicht mit reinkommen. Er ist mein Supervisor. Er ist sehr streng, er wird kein Verständnis dafür haben, dass ich nicht an meinem Arbeitsplatz in der Ambulanz bin!“

Mai lächelte ihn an. „Mokuba Kaiba. Er ist der Bruder von deinem Vorgesetzten und sammelt gerade erste praktische Erfahrungen im OP während seines Studiums. Er ist ganz anders als der andere Kaiba. Komm ruhig mit rein.“

Yugi schluckte und folgte ihr schließlich, nachdem auch sein bester Freund hinter Mai herlief, ohne sie aus den Augen zu lassen.
 

Bevor sie im Saal selbst ankamen, kamen sie an einem kleinen Büroraum vorbei, in dem zwei Personen an einem Schreibtisch vor einem Bildschirm saßen. Einer der beiden tippte fleißig auf der Tastatur herum. Mai räusperte sich kurz und trat ein.

„Mahado? Mokuba?“, die Angesprochenen sahen auf. „Darf ich euch kurz Dr. Mutou vorstellen? Er ist neu bei uns und erhält gerade einen Einblick in alle unsere Abteilungen“, klärte Mai die beiden Männer in grüner Operationskleidung auf, die nun höflich grüßten.
 

Yugis Zunge wurde schwer und fühlte sich plötzlich eher wie ein Fremdkörper im Mund an.

Er erwiderte ein paar Sätze um sich vorzustellen und sah sich schnell im Raum um.

„Gut, dass hier eine Klimaanlage läuft. Bei der Hitzewelle da draußen… Also ähm… die Sonne knallt genau durchs Fenster. Hier würde es sonst sicherlich… sehr warm werden…“
 

Wie vom Blitz getroffen starrte Jonouchi seinen Kumpel an. Der nickte nur unauffällig und wandte seinen Blick wieder den Beiden hinter dem Schreibtisch zu.

Er sah dem Rechten der beiden in die Augen. Gerade trug er wieder eine – dieses Mal für den OP typische – Kopfbedeckung, aber er erkannte sein Gesicht sofort.

„So sieht man sich wieder“, lächelte besagter Arzt und nickte Yugi zu.

Auch der jüngere Mann mit den schwarzen, längeren Haaren, die er zum Zopf zusammengebunden hatte, fügte nun hinzu: „Ich bin auch froh, wenn diese Hitzewelle endlich endet.“
 

Sie wechselten einige Floskeln miteinander und wünschten sich am Schluss noch einen schönen Tag, als sich Yugi und Jou mit der Begründung, zurück an ihren Arbeitsplatz zu müssen, verabschiedeten.
 

Mit roten Wangen und schwer atmend, stiegen beide auf Etage drei aus dem Fahrstuhl.

Yugi riss sich die grüne Kopfbedeckung, die beide von Mai beim Betreten des Operationstrakts erhalten hatten, als erster vom Kopf, während sie spontan ein leeres Patientenzimmer betraten.
 

„Uhm… Jou… ich…“

„Dr. Ishtar? Im Ernst?“ Jonouchi fuhr sich gestresst durch die Haare.

„Ähm… Ist alles in Ordnung mit dir, Jou? Du siehst auch aus, als hättest du einen Geist gesehen?“, versuchte Yugi von sich abzulenken.

Verlegen sahen sie sich gegenseitig an.

„Jaaah doch…Ich… hatte nur gehofft, Mai nicht zu treffen…“, murmelte der Ältere vor sich hin. Yugi war viel zu beschäftigt mit sich selbst, um stutzig zu werden.

„Dieser Dr. Mahado Ishtar… Das war er… Ich dachte, Dr. Ishtar wäre eine Frau und es wäre deine Chefin?“

„Echt jetzt, Yugi? Der hat es dir angetan?“

Yugi versenkte seine Hände in beiden Kitteltaschen und sah zu Boden.

Jonouchi suchte nach Worten: „Das ist der Bruder von meiner Vorgesetzten, daher der gleiche Name. Hast du seine OP-Haube gesehen?“

„Die schwarze Kappe? Ja natürlich, was ist damit?“

„Er trägt sie immer, bei jeder Operation. Wahrscheinlich hat er viele davon… und…“

„Ja…?“

„Er ist der beste Herzchirurg, den wir haben und der leitende Oberarzt im OP. Ihm gelingen die feingliedrigsten Arbeiten mit dem Skalpell. Man sagt, er hat magische Hände…“

Yugi stöhnte auf, als ihn die Erkenntnis traf. Die Glühbirne in seinem Kopf leuchtete plötzlich wie bei einem Zaubertrick auf.

„Oh nein, sag nicht-“

„Doch…“

„Er ist der Schwarze Magier?!“
 

Katsuya nickte nur und blieb einen Moment stumm.

„Der Chef der Chirurgie… Da habe ich ja wirklich voll ins Schwarze getroffen… War ja klar, dass ich so ein Glück habe und mir so eine herausragende Person gefällt… Bei dem habe ich ja nie eine Chance, selbst wenn er auf Männer stehen sollte.“ Enttäuschung stieg in ihm auf. Er lehnte sich gegen die Wand und starrte auf den grauen Fußboden.
 

„Tut er aber leider nicht…“

Yugi zog die Augenbrauen hoch und sah ihn fragend an.

„Du musst ihn leider aufgeben, Kumpel. Er ist vergeben...“

„War ja klar!“, stieß Yugi aufgewühlt hervor.

„Er hat was mit einer der Schwesternschülerinnen hier im Haus. Zumindest ist das ein offenes Geheimnis, das jeder kennt…“

„Und das ist erlaubt?“, hakte der Kleinere kritisch nach.

„Sie wurde deswegen extra versetzt. Ich habe ihren Namen vergessen. So eine zierliche Brünette… Arbeitet jetzt in der Notaufnahme statt im OP und hat einen anderen Vorgesetzten. Damit geht das wohl durch.“
 

Yugi schluckte traurig und stieß sich von der Wand ab. „Natürlich. Wie hätte es auch anders sein sollen, wenn mir mal jemand gefällt. Und ich den Mut aufbringe, nach ihm zu suchen…“

Alarmiert schloss Jonouchi schnell die paar Schiritte zu seinem besten Freund auf und legte ihm die rechte Hand auf die Schulter.

„Tut mir echt leid, Yugi. Ich hätte es dir so gegönnt, dass du nach Rebecca wieder eine neue, bessere Beziehung findest. Wie wärs, wenn wir am Wochenende etwas trinken gehen? Nur wir beide. Dann können wir die Augen nach passenden Frauen für dich aufhalten. Oder Männern. Ich erkläre es Anzu, dass es besser ist, wenn sie nicht mitkommt. Wenn du schon in Begleitung einer Frau bist, wirst du es schwieriger haben, jemanden kennen zu lernen.“

„Okay, können wir machen, Katsuya. Ich habe am Wochenende noch nichts vor. Schreib‘ mir einfach eine Nachricht aufs Handy, wann und wo wir uns treffen… Ich muss jetzt arbeiten…“
 

Daraufhin löste sich Yugi von seinem Freund und machte sich auf den Weg zurück in die Ambulanz.

Nun hatte er zwei Themen zu verarbeiten: Dass er einen Mann attraktiv fand… und dass dieser auch noch der vergebene Oberarzt der Chirurgie war…
 


 

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Ich hoffe, es hat euch gefallen :3
 

Natürlich weiß ich, dass Mahado und Ishizu im Kanon keine Geschwister sind. Das habe ich ihnen hier angedichtet =D
 

Da hat unser Yugi wohl einen spontanen Crush auf Mahado entwickelt XD‘

Wer von euch hatte beim Lesen an einen anderen Ägypter gedacht? Hm, an wen denn nur? ^_~

Mal sehen, wen er als nächstes so kennen lernt :D
 

Polarstern

Der Pharao

Zwei Tage später, am Samstagabend, traf sich Yugi mit Jonouchi in einem Nachtclub, den dieser zur Auswahl gestellt hatte. Er hatte Yugi via Messanger App auf dem Handy ein paar Locations vorgeschlagen, darunter auch Zwei, die primär von homosexuellen Männern besucht wurden – doch Yugi entschied sich lieber für einen Club mit gemischtem Publikum.

Eigentlich war ihm gerade nicht nach experimentieren zu Mute und er plante, sich eher wie bisher in Richtung Frauen zu orientieren.
 

Der Blonde gab sein Bestes, seinen langjährigen Freund zu verkuppeln. Doch außer ein paar oberflächlichen Gesprächen passierte nichts weiter. Auch nicht, als sie später noch einmal die Diskothek wechselten und eine andere in der Nähe aufsuchten.

Es widerstrebte Yugi, unter all den angetrunkenen Menschen, die zu lauter Musik grölten, den Partner fürs Leben zu suchen. Er wollte sich vernünftig mit einer Person unterhalten… Prüfen, ob die gemeinsame Wellenlänge stimmte und diese dann näher kennen lernen, bevor er eine Beziehung einging. So war zumindest seine Vorstellung. Und das war in dieser Atmosphäre kaum möglich.

Hier wurde man hauptsächlich ausgesucht und angesprochen, wenn man ein entsprechendes Äußeres hatte. Yugi war inzwischen alt genug, um Frieden mit seinem Erscheinungsbild geschlossen zu haben. Dies war ihm in seiner Jugend sehr schwergefallen. Er kleidete und frisierte sich, wie es ihm gefiel, lebte seinen Stil mit Lederbändern an beiden Handgelenken sowie am Hals. Zumindest in der Freizeit, am Arbeitsplatz trug er sie nicht. Aber er wusste, dass er es aufgrund seiner Körpergröße nie einfach haben würde, egal wie alt er wurde. Die wenigsten Frauen standen auf so viel kleinere Männer, zudem wirkte er dadurch sehr viel jünger, als er tatsächlich war.

Yugi hatte Jonouchi nicht überzeugen können, dass er lieber andere Arten des Kennenlernens bevorzugte. Zudem hatte er es gar nicht eilig, so schnell wieder in feste Hände zu gelangen.

Der einzige Grund, weswegen er zugesagt hatte, war die Hoffnung gewesen, jemanden zu finden, die oder der ihm gefiel, um über diesen Dr. Ishtar hinwegzukommen...

 
 

*
 

Yugi vermied es, in den darauffolgenden Tagen im Krankenhaus gegen sieben Uhr morgens in der Herrenumkleide zu sein. Er kannte zwar den Dienstplan vom Oberarzt der Chirurgie nicht, aber da er ihn einmal um diese Uhrzeit angetroffen hatte, ging er lieber auf Nummer sicher.

Er wollte ihn sich unbedingt aus dem Kopf schlagen – und das ging nur, wenn er ihn nicht sah.

Zusätzlich machte er, wenn irgendwie möglich, einen großen Bogen um den OP-Trakt.

Er ging zwar häufig in die Kantine oder die Cafeteria, doch er hatte Glück, den Mann dort bisher noch nicht gesehen zu haben. Auch sein voller Arbeitsalltag und die Tatsache, dass er erst spät abends völlig erschöpft nach Hause kam, halfen ihm dabei.
 

Eine Woche nachdem er und Katsuya im OP gewesen waren, forderte die Arbeit Yugis gesamte Aufmerksamkeit ein. Die Notaufnahme wurde an diesem Mittwochmittag völlig von Brandopfern überfüllt. In einem nahegelegenem Bürokomplex mit über dreißig Stockwerken war es zu einem Brandausbruch gekommen. Da die Patienten größtenteils sehr schwer verletzt und nur eingeschränkt transportfähig waren, wurde ein Großteil ins Luxory Medical Center eingeliefert, da es das nächstgelegenste Krankenhaus war. Auch, wenn die Klinik hauptsächlich auf Kardiologie spezialisiert war.

Aufgrund dieses Notfalls wurden viele Ärzte im Haus von ihren eigentlichen Tätigkeiten abgezogen und mussten in der Notaufnahme aushelfen. Jede Hand wurde gebraucht.
 

Auch Yugi gehörte dazu. Er hatte schon eine Menge eher oberflächliche Wunden und Rauchgasvergiftungen zusammen mit dem Pflegepersonal, welches auch an diesem Tag umverteilt wurde, versorgt.

Zwischendurch versuchte Yugi immer wieder, Kontakt zu einem der herumschwirrenden Fachärzte oder Oberärzte zu erhalten, um wichtige Vorgehensweisen zu den Behandlungen der Verletzten zu klären. Manchmal erwischte er tatsächlich ganz kurz einen, der gerade in seiner Nähe vorbeihuschte. Das war aber wirklich selten, da alle gerade rettungslos überlastet waren. Und wer hier nicht mithalf, hatte gerade nicht aufschiebbare Patientenversorgung in der Routine zu tun oder steckte mitten in einer Operation, die er oder sie nicht unterbrechen konnte.
 

Gerade war er mit einem Patienten soweit fertig und überließ das Verbinden der Wunden einer der Schwestern, da erlangte eine junge Frau seine Aufmerksamkeit, die von Shizuka hereingefahren wurde.

„Auch die Sanitäter sind völlig unterbesetzt, ich habe nicht mal eine Übergabe von denen bekommen, was mit ihr los ist! Sie wurde von einer Aushilfe mit minimaler Rettungsdiensterfahrung reingebracht!“, informierte sie Yugi nur kurz.

Die Patientin spuckte Blut in eine Schale, die ihr jemand unter das Kinn gestellt hatte.

Informationen von ihr bekam er keine, als er sie fragte, da sie kaum ansprechbar war und unter Atemnot litt. Ihre Mimik und ihre gesamte Körpersprache zeigten ihm überdeutlich, dass sie starke Schmerzen hatte.

Yugi untersuchte die Patientin so schnell wie möglich bezüglich der wichtigsten Parameter, die er wissen musste und die hier in der Notaufnahme möglich waren zu erheben.

„Hören Sie mich? Wir helfen Ihnen, gleich bekommen Sie wieder besser Luft, wir kümmern uns um Sie. Es ist sehr wichtig, dass Sie sich jetzt beruhigen und ihre Atmung und ihr Puls langsamer werden“, versuchte er es noch einmal.

Die Verletzte reagierte nur mit eher zufälligen Lauten und Bewegungen und Yugi war sich nicht sicher, ob sie seine Worte überhaupt wahrgenommen hatte.

Er legte die Ultraschallsonde zur Seite und fixierte seine Kollegin mit den Augen: „Pneumothorax, vielleicht auch Hämatothorax. Sie braucht sofort eine Drainage.“

Doch Yugi wusste, dass bereits alle Säle und Operateure überbelegt waren. Er hatte sie schon für eine Notoperation angemeldet. Die Zeit drängte jedoch so sehr, dass sie nicht auf einen OP-Slot oder die Verlegung in ein anderes Krankenhaus warten und ihre Gesundheit riskieren konnten.
 

Er war sich darüber bewusst, dass er ein Assistenzarzt im dritten Ausbildungsjahr war. Ihm war klar, welche Arten von Tätigkeiten er routinemäßig allein durchführen konnte. Einige Handlungen durfte er allerdings nicht ohne die Anwesenheit und Instruktionen von einem Facharzt oder Oberarzt vornehmen.

Die Notfallmedizin war ein eigenes Teilgebiet der Medizin, auf welches sich Yugi nicht spezialisierte.

Daher war er ziemlich eingeschränkt in seinen Kompetenzen und somit in seiner Mithilfe.
 

Shizuka versuchte parallel mehrfach, einen der erfahrenen Ärzte, die bei dem nötigen Eingriff anwesend sein mussten, zu erreichen.

„Keine Chance!“, rief sie verzweifelt. „Ich habe alle, die mir einfallen, durchtelefoniert oder ein Notsignal auf deren Pager geschickt. Keiner reagiert!“

„Verdammt!“, fluchte Yugi und zog die Spritze vom intravenösen Zugang ab, über den er der Patientin einige Medikamente injiziert hatte.

„Wenn wir nicht sofort handeln, erstickt sie. Ich habe das selbst erst einmal gemacht, aber unter Anleitung und Aufsicht im OP bei meiner vorherigen Stelle… Und ich habe schon zugesehen, wie erfahrene Ärzte das gemacht haben. Shizuka, bring mit bitte ein-“

„Aber Yugi, darfst du das überhaupt alleine? Du bist noch in der Ausbildung, du könntest Probleme bekommen…“

„Ich könnte es mir nicht verzeihen, nichts zu tun, Shizuka.“ Er durchsuchte hastig die Schranktüren des Schockraums, in dem sie sich befanden. Sterile Handschuhe, ein Lochtuch, Stichskalpell und der passende Drainageschlauch waren neben den entsprechenden Maschinen und Medikamenten vorhanden. „Zwanzig Milliliter einprozentiges Xylonest aufziehen bitte“, wies er an.

Die Krankenschwester tat, wie befohlen.

Yugi warf noch prüfende Blicke zu den Vitalparametern, während er noch einmal durch den Raum rief, in dem sich abgetrennt durch Vorhänge weiteres Personal mit Patienten befand. Er war laut genug bis auf den Flur zu hören, doch kein erfahrener Arzt war in der Nähe oder hatte Zeit für ihn.

Entschlossen begann er mit der Hautdesinfektion.
 

Er brauchte gefühlt um einiges länger, als die Ärzte, die er bereits dabei beobachtet hatte. In der Theorie sah immer alles so einfach aus. Einmal sackte der Puls der Patientin gefährlich ab, doch gemeinsam mit Shizuka schaffte er es, die Frequenz wieder zu stabilisieren. Im Anschluss ging es der Frau auch merklich besser.

„Bitte bring sie zum Röntgen, Shizuka. Ich muss sehen, ob die Drainage richtig liegt.“

Die Angesprochene nickte hastig, löste die Bremsen der Liege und schob die Patientin aus dem Raum.
 

„Dr. Mutou, was denken Sie, was Sie da tun?!“

Yugi streifte gerade die Handschuhe ab und warf diese in die entsprechende Tonne, als er die Stimme seines Oberarztes hinter sich vernahm.

„Ich habe die Patientin davor bewahrt, zu ersticken.“ Er sprach ruhig und sammelte sich gedanklich. Auch wenn er innerlich nervös wurde, da er wusste, gegen wichtige Regeln verstoßen zu haben.

„Sie haben eine Thoraxdrainage ohne Aufsicht und Anleitung eines Supervisors gelegt, wenn ich das richtig sehe. Wie oft haben Sie den Eingriff schon geübt?“

„Ein mal, Herr Dr. Kaiba. Aber Frau Kawai und ich haben mehrfach versucht, einen erfahrenen Arzt hinzuzuziehen. Alle sind irgendwo anders beschäftigt. Die Patientin wäre gestorben, wenn ich nicht sofort gehandelt hätte.“

Seine blauen Augen verengten sich: „Ihr guter Wille in Ehren. Aber einmal ist mit Abstand zu wenig. Sie hätte sterben können, wenn Ihnen nur der kleinste Fehler passiert wäre, Dr. Mutou. Und dann könnten die Angehörigen Sie und die Klinik verklagen.“

„Das ist richtig, Herr Dr. Kaiba. Der Patientin geht es schon deutlich besser und ich konnte den Eingriff erfolgreich durchführen. Ich habe mehrfach versucht, Sie zu erreichen. Sie können Frau Kawai befragen, sie kann alles bezeugen.“ Yugi spürte den Puls in seiner Brust und in seinen Ohren pochen. Er fühlte sich mehr davon gestresst, sich vor seinem Vorgesetzten zu rechtfertigen, als diesen lebensnotwendigen Eingriff alleine durchzuführen.
 

„Wir wissen noch nicht, ob die Drainage richtig liegt. Falls ja, haben sie ihr vermutlich das Leben gerettet, was die Aufgabe eines Arztes ist. Dennoch… Das werde ich melden müssen, Dr. Mutou. Und nun stehen Sie hier nicht länger herum, die Notaufnahme ist immer noch voll. Ich werde auch gebraucht.“ Damit drehte er auf dem Absatz um und verließ erhobenen Hauptes den Raum.

  

 
 

*

 

Am nächsten Morgen, ein Donnerstag, saß Yugi gerade mit Anzu und Jonouchi beim Frühstück in der Cafeteria, als sein Diensttelefon klingelte.

Er zog es aus der Kitteltasche und betrachtete die interne, ihm unbekannte Nummer.

„3362 – sagt euch das was?“, las er vom Display ab.

Seine beiden Freunde schüttelten ratlos den Kopf und er nahm den Anruf an.
 

Während des Gesprächs wurde Yugis Gesicht zusehends angespannter.

„Das war die Sekretärin von unserem höchsten Chef. Ich soll in einer halben Stunde zum Gespräch da sein… Es kann ja nur um diese Drainage gehen, die ich gestern gelegt habe“, stöhnte Yugi auf.

„Ich weiß, dass ich das nicht ohne Aufsicht gedurft hätte. Aber die Frau wäre sonst gestorben! Ich musste sofort handeln“, erklärte er seinen Freunden aufgebracht zum wiederholten Male. Er hatte gestern Abend auf dem Heimweg von der Bahnstation zu seinem Apartment schon eine Sprachnachricht aufgenommen und in ihren Gruppenchat gepostet, um das Erlebnis nicht doppelt erzählen zu müssen.

Als er gestern Abend gegen 22:00 Uhr an diesem Horror-Tag nach Hause kam, hatte er sich zuerst ein Bad gegönnt, um sich ein wenig entspannen zu können. Im Anschluss hatte er noch eine Kleinigkeit gegessen und war dann völlig übermüdet vor dem Fernseher eingeschlafen.
 

„Das wissen wir doch, Yugi. Das ging hoch bis zum Pharao?“, erkundigte sich Jonouchi.

„Wenn unser ärztlicher Direktor von euch so genannt wird, dann ja…“

„Keine Sorge“, versuchte Anzu ihn zu beruhigen. „Der Pharao ist kein Unmensch. Erkläre es ihm einfach so wie du es uns erklärt hast. Dass die Patientin sonst wahrscheinlich nicht überlebt hätte. Er wird dich belehren, dass du das nicht im Alleingang gedurft hättest und das wars. Dir wird nichts passieren. Er ist zwar streng, das muss er auch als Chef, aber im Grunde ist er ganz in Ordnung und gerecht. Mir ist zumindest noch keine unfaire Behandlung eines Mitarbeiters zu Ohren gekommen.“

Yugi schluckte. Er aß mit belegter Zunge sein Frühstück zu Ende und machte sich auf den Weg in die siebte Etage – nach ganz oben.
 

Prof. Dr. A. Luxor, Klinikdirektor – Stand auf dem Schild an der Tür.
 

Yugi klopfte und meldete sich im Vorzimmer bei der Sekretärin, die ihn angerufen hatte.

Diese bat ihn, noch kurz auf dem Flur zu warten, da der Professor noch an einer Telefonkonferenz teilnahm.
 

Aufgeregt knetete er seine Finger. An Sitzen war für ihn nicht zu denken. Nervös ging er ein paar Schritte den Gang hinauf und wieder hinab.

Hin und wieder versuchte er, sich auf die lebendigen Bilder, die diese Etage schmückten, zu fokussieren.

Es waren gerahmte Kunstwerke, die alle zum Thema Ägypten passten. Die einen waren gemalt, bei anderen handelte es sich um wunderschöne Landschaftsfotografien.

Eins zeigte eine Sphinx und Pyramiden. Ein anderes den Staudamm von Assuan und ein weiteres das Meer und die Silhouette einer Stadt. Yugis Großvater war einst Ägyptologe gewesen, er hatte das Land so oft bereist und ihm davon berichtet, sicher hätte Yugi bei genauerer Betrachtung herausfinden können, welche Stadt oder vielleicht sogar welche Pyramide abgebildet war. Doch nun hatte er nicht genügend innere Ruhe und Konzentration dafür. Das was er allerdings erkannte, war ein Gemälde vom Tempel von Karnak in Luxor.
 

„Dr. Mutou?“, schallte schließlich die Stimme der Sekretärin über den Gang, „Prof. Dr. Luxor erwartet Sie jetzt.“
 

Der junge Arzt atmete tief durch. Ganz ruhig, sprach er sich selbst Mut zu. Der Pharao, wie er genannt wurde, sollte laut seinen Freunden ein gerechter Herrscher sein. Er würde ihn sicher nicht in den Kerker werfen oder versklaven. Er würde Verständnis haben, dass er nur das Leben der Frau retten wollte. Oder…?

Leider kannte er den Klinikdirektor überhaupt nicht und konnte ihn deswegen nicht einschätzen. Das Vorstellungsgespräch hatte er damals unter anderem mit Professor Crawford geführt.
 

Yugi betrat das Chefbüro, nachdem er das Vorzimmer durchquert hatte und steuerte auf den rechtwinkligen Schreibtisch zu. Dieser stand als Raumtrenner mitten im Zimmer. Mit einer Seite an der rechten Wand, die andere Hälfte ragte als Abtrennung zwischen Direktor und Besucher ins Innere des Zimmers. An der linken Wand befand sich ein riesiges Regal, voll mit medizinischen Fachbüchern. Yugi erkannte beim Scannen des Raums schon ein paar der Exemplare an der Breite, den Farben und am Logo auf dem Buchrücken.
 

Sein oberster Vorgesetzter saß hinter dem Schreibtisch in einem schwarzen, ledernen Chefsessel. Wie ein Thron, kam es ihm in den Sinn. Yugi kam näher und verbeugte sich angemessen in japanischer Höflichkeit gegenüber dem Ranghöheren.

„Guten Morgen, Herr Professor Dr. Luxor.“ Yugi zwang sich, dem fremden Mann ins Gesicht zu sehen. Er fixierte die ausdrucksstarken, dunkelblau-grauen Augen, die ihn überrascht musterten. Er hatte markante Gesichtszüge, einen gepflegten, grauschwarzen, kurzen Vollbart und mittellange dunkle Haare. Vom Alter her würde Yugi ihn auf Anfang sechzig schätzen.
 

Der Assistenzarzt wurde unruhig, der Ältere sagte einen Moment lang überhaupt nichts und starrte Yugi nur an, als wäre er eine wandelnde Mumie.

Dann räusperte er sich. „Dr. Mutou, Sie sehen jemandem aus meinem persönlichen Umfeld verdammt ähnlich. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnten Sie Brüder sein. Bitte setzen Sie sich“, forderte ihn die dunkle, ruhige Stimme auf.

Yugi tat, wozu er aufgefordert wurde.
 

„Ich habe keine Geschwister. Und Cousins auch nicht. Das muss ein Zufall sein.“

Der Direktor nickte und Yugi entging nicht, dass seine Gesichtszüge ein wenig entspannter wirkten. „Nun… Sie wissen, warum Sie hier sind?“

Diesmal war es an Yugi, zu nicken. „Ich nehme an, es geht um die Drainage, die ich gestern gelegt habe? Bitte lassen Sie es mich erklären.“

„Dafür sind Sie hier, ich höre.“
 

Yugi schilderte seine Sicht. Und er hatte auch das Gefühl, beim Pharao, wie er genannt wurde, auf Verständnis zu stoßen. Die beiden diskutierten den Fall einige Minuten.
 

Yugi ließ währenddessen hin und wieder seinen Blick im Büro schweifen. Er achtete aber darauf, trotzdem genügend Augenkontakt zu halten und nicht desinteressiert zu wirken.

Der Schreibtisch war für einen Mann in seiner Position mit so einem vollen Arbeitspensum erstaunlich gut aufgeräumt. Sehr viele Dokumente stapelten sich in verschiedenfarbigen Ablagefächern, es gab einen Sammelbehälter mit einigen Stiften und Post-its darin, direkt daneben eine Ansammlung von mehreren Fachzeitschriften und eine gläserne Halterung mit ein paar Visitenkarten darin. Yugi erkannte das Logo dieses Krankenhauses sofort in der Kopfzeile:
 

Prof. Dr. Aknamkanon Luxor, Klinikdirektor
 

Darunter standen noch seine E-Mailadresse sowie die seiner Sekretärin und Telefonnummern.
 

„Ich verstehe Ihren Standpunkt, Herr Dr. Mutou. Sie haben Einsicht gezeigt, dass Sie Ihre Kompetenzen überschritten haben. Sie erhalten einen entsprechenden Vermerk in Ihrer Personalakte. Der Patientin geht es gut und Sie haben ihr vermutlich damit das Leben gerettet. Ich möchte Ihnen noch insgesamt für Ihren Einsatz gestern in der Notaufnahme danken, in dieser außergewöhnlich belastenden Situation. Es war für uns alle ein besonders schwerer Tag gestern. Sie haben einer Vielzahl von Menschen geholfen oder das Leben retten können.“ Prof. Luxor stieß sich mit dem Chefsessel ab und rollte ein Stück rüber zu seiner Tastatur, auf der er zu tippen begann und richtete den Blick auf seinen Monitor.
 

Etwas ungläubig sah Yugi sein Gegenüber an. Er dankte ihm? Das hätte er nicht erwartet und es freute ihn tatsächlich, dass er auf diese Weise für seine harte Arbeit zumindest ein wenig Anerkennung und freundliche Worte erhielt. Sein Vorgesetzter schätzte seinen Einsatz wert. Mehr wollte er auch gar nicht.

„Vielen Dank“, lächelte Yugi vorsichtig. Er folgte dem Pharao mit den Augen und entdeckte ein gerahmtes Foto, das neben seinem Bildschirm stand. Es zeigte ein Baby mit der gleichen Hautfarbe, die auch Prof. Luxor hatte. Es saß auf einem sandfarbenen Teppich und strahlte den Betrachter an. Ein kleines Zähnchen und ein zweites, das bisher nur halb herausgewachsen war, blitzen unten mittig auf und verliehen dem Baby einen besonderen Charme.

Es war mit Sicherheit in einem Studio aufgenommen worden, es gab keine anderen Personen oder Gegenstände auf der Aufnahme, die vom eigentlichen Motiv ablenken würden und das Kind war perfekt positioniert. Yugi war neugierig, ob dies wohl die Tochter oder der Sohn seines obersten Chefs sein könnte? Doch weder der schwarze Haarflaum auf dem Kopf noch der weiße Body, den dieser Sonnenschein trug, ließen auf das Geschlecht schließen.

Es war ein sehr süßes und wie Yugi fand, auch hübsches Kind. Es tat gut zu wissen, dass der Direktor offenbar ein Familienvater war und wohl eine sanfte Seite haben musste.
 

„Sie können jetzt wieder an die Arbeit gehen“, forderte der Pharao seinen Mitarbeiter auf, der die letzte Minute nur starrend dagesessen hatte.

„Oh ja, natürlich. Entschuldigen Sie bitte. Vielen Dank für das Gespräch. Auf wiedersehen.“ Er stand auf und verbeugte sich zum Abschied.

„Das hoffe ich nicht so bald“, mahnte der Chefarzt leicht schmunzelnd und Yugi verließ hastig das Büro.
 

Am Ende des Gangs stürmte er die Treppen herunter und suchte erst einmal das naheliegendste Männer WC auf, das er kannte. Er trat an eins der Waschbecken und drehte den Hahn auf. Es war angenehm, die verschwitzten Handflächen in den kalten Strahl zu halten und sich diese daraufhin ins Gesicht zu drücken. Yugi atmete durch und spürte beinahe, wie sich jeder einzelne Muskel wieder entspannte. Erst jetzt realisierte er, wie angespannt er gewesen war. Er brauchte noch einige Minuten, um sich wieder zu sammeln. Dafür, dass er laut Regelwerk tatsächlich einen Fehler gemacht hatte, der dem Krankenhaus und ihm selbst Ärger hätte einbringen können, wenn es nicht so glücklich gelaufen wäre, hätte es kaum besser beim ärztlichen Leiter laufen können. Anzu hatte Recht behalten.
 

Als er sicher war, sich wieder konzentrieren zu können, kehrte er in die Ambulanz zurück. Ryou war erleichtert, wieder mehr Unterstützung zu haben.

Beide arbeiteten noch den Rest des Tages ohne besondere Vorkommnisse und kümmerten sich um eine Vielzahl von Patienten, schrieben Arztbriefe oder beantworteten E-Mails und machten die ein oder andere Pause zusammen, ehe sie sich abends völlig müde und geschafft vom Tag voneinander verabschiedeten.
 

Am nächsten Tag, ein Freitag, saßen Ryou und Yugi beim Mittagessen zusammen in der Kantine.

Nachdem sie ihre Teller mit Shōgayaki und Reis geleert und sich über aktuelle Themen aus ihrem Berufsalltag ausgetauscht hatten, erhielt Yugi noch einen Anruf von einem anderen Krankenhaus, auf den er schon den ganzen Tag wartete. Es ging um die Vorbehandlung eines gemeinsamen Patienten, die dort stattgefunden hatte. Ryou verabschiedete sich schon einmal mit einem Handgruß, da er das Gespräch nicht stören wollte und trug sein Tablett mit dem benutzen Geschirr zum Rollband, welches in die Spülküche führte.
 

Yugi beendete das Gespräch schließlich, ließ sein Telefon zurück in die Kitteltasche gleiten und stand auf.
 

Ein Scheppern, ein Plätschern und ein frustrierter Ausruf in einer fremden Sprache, vom Klang her vermutlich arabisch, ließen ihn umdrehen.

Am Tisch neben ihm stand, oder eher gesagt lehnte nun ein Mann verkrampft und klammerte sich an einer Krücke fest. Sein rechter Unterarm tropfte und trotz der hellbraunen Hautfarbe konnte man deutlich sehen, wie sich die Haut rötete. Eine weitere Krücke lag zusammen mit einem Pappbecher, wie sie hier in der Kantine verkauft wurden, auf dem Boden. Darum herum eine dunkle Kaffeepfütze, von der sich ein weiterer Teil ebenfalls auf dem kleinen Tisch befand.
 

Yugi starrte den Mann an. Er trug eine hellgraue, kurze Baumwollhose, die kurz vor dem Knie mit einem weißen Zierstreifen endete. Dazu ein bordeauxrotes T-Shirt.

Doch es war nicht die Kleidung, die ihn stocken ließ. Wie in Trance kam er dem Fremden näher. Dieser war nur ein wenig größer als Yugi selbst, der es gewohnt war, immer recht hoch zu anderen aufblicken zu müssen. Sie hatten beide nahezu identische Frisuren, bis auf ein paar goldblonde Strähnchen, die sein Gegenüber eher blitzartig nach oben stylte.

Dunkelrote Augen sahen ihn erstaunt an, als sich Yugi nach der Gehhilfe bückte und diese dem Besitzer hinhielt. Yugi würde schätzen, dass sein Gegenüber mit den Bandagen am rechten Sprunggelenk etwa ähnlich alt war, wie er selbst.
 

Die Krücke wurde schnell gegriffen und der Verletzte stützte sich darauf. „Dankeschön“, war die perplexe Antwort. Offenbar war er ebenso überrascht, seinen Doppelgänger in Yugi zu sehen. Nur, dass Yugi hellere Haut hatte.

Yugi hatte in weiser Voraussicht die weißen Servietten, die ihm zusammen mit dem Menü serviert wurden, von seinem Tisch mitgenommen. Eilig platzierte er diese auf und unter dem Tisch, um den Kaffee aufsaugen zu lassen.

„Sie haben sich verbrüht. Darf ich mal sehen? Ich bin Arzt“, bot er dem Patienten an und streckte auch schon vorsichtig die Hand zu dessen Unterarm aus.

Der Angesprochene reagierte nicht sofort und ließ seine Augen über Yugi wandern, schien etwas zu suchen.

„Mein Kittel mit dem Dienstausweis hängt da vorne an der Garderobe. Aus hygienischen Gründen dürfen wir den nicht in der Kantine tragen“, erklärte er ruhig. „Ich kann Ihnen beides gerne gleich am Ausgang als Beweis zeigen.“ Er ließ sich ein paar Sekunden Zeit, um dem Anderen anzudeuten, dass er ihn nun anfassen würde und gab ihm somit die Gelegenheit, zu widersprechen.
 

Der Andere zog ein paar kritische Falten auf der Stirn. „Nicht nötig.“

Dann erkannte der Kleinere, wie der Ägypter, denn dafür hielt Yugi ihn, sein Gewicht von der Hand an der betroffenen Krücke entlastete und diese los ließ und sie gegen den Tisch lehnte.

Yugi legte seine Hand vorsichtig unter den Unterarm des Anderen und zog diesen langsam näher.

Er trat ein wenig mehr nach links und positionierte den Arm ebenso, um das einfallende Sonnenlicht durch das seitliche Fenster nutzen zu können, um besser zu sehen.

Der Fremde schluckte einmal und hielt dann still. „Ich… Die Sonne hat viel Kraft heute... Es steht keine Wolke am Himmel.“

„Mhm“, machte Yugi, der kaum zugehört hatte, um sich auf die Wunde zu konzentrieren.

„Das ist eine Verbrühung ersten Grades. Nichts weiter Schlimmes. Sie sollten es am besten unter Wasser kühlen. Aber achten Sie darauf, dass die Wassertemperatur etwa 20°C betragen sollte. Nicht zu kaltes Wasser nehmen, wie es im Volksmund häufig gesagt wird, das schädigt die Haut eher, als das es hilft. Sie können sich in der Apotheke eine gewöhnliche Wund- und Heilsalbe kaufen, das ist vollkommen ausreichend. Rezeptieren kann ich Ihnen bei solch kleinen Verletzungen leider nichts, auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass die Stelle stark brennt und pocht. Der Kaffee hier wird immer sehr heiß serviert.“
 

Der Angesprochene beäugte Yugi verblüfft. Er öffnete hin und wieder den Mund und machte Anstalten, etwas sagen zu wollen. Doch kein Ton verließ seine Lippen.

„Sie sind wegen ihrem Fuß hier? Sind Sie stationär aufgenommen? Ich würde Ihnen dann dabei helfen, zurück auf ihr Zimmer zu gelangen. Dann können Sie den Arm dort unter Wasser halten.“ Er deutete bei dieser Frage auf den offenbar verletzten Fuß des Fremden. Dann nahm er die durchtränkten Servietten auf, legte diese auf sein Tablett und hob dieses hoch.
 

„Nein“, antwortete der Ägypter mit dunklem, ruhigem Ton. „Ich möchte in die Ambulanz. Aber ich komme allein zu Recht. Haben Sie noch einmal vielen Dank.“ Die Stimmlage war selbstsicher und bestimmt.

Er machte sich holprig mit seinen Krücken und dem typischen klack-klack-Geräusch beim Gehen auf den Weg. Zu holprig, wie Yugi fand. Mit drei schnellen Schritten hatte er den Patienten eingeholt und stütze ihn gerade noch rechtzeitig, als dieser etwas wackelig schwankte. Sein Tablett hielt Yugi mit der linken Hand fest und war froh, als sie sich der Rückgabestation näherten und er es dort ablegen konnte. Am Ausgang warf sich Yugi noch schnell seinen Arztkittel wieder über.
 

„Die Ambulanz ist ganz in der Nähe. Ich muss auch dort hin. Ich helfe Ihnen“, lächelte Yugi den Besucher freundlich an. Dieser sah ihn nur nachdenklich aus seinen dunkelroten Augen heraus an.

„Das-“ begann er, doch Yugi schüttelte den Kopf.

„Das macht wirklich keine Umstände und liegt für mich auf dem Weg. Ich bringe Sie zu Ihrem Termin.“

Jedes Mal, wenn Yugi ihm ins Gesicht sah, hatte er das Gefühl, diesen Mann wieder zu erkennen. Was aber kompletter Unsinn war. Er hätte sich auf jeden Fall an seinen Zwilling erinnert, wenn sie sich schon einmal getroffen hätten.
 

„Verstauchung oder Fraktur?“, wollte der Arzt unterwegs wissen, während er dem Mann auf seinen Gehhilfen vorwärts half.

„Verstauchung Grad II.“

„Oh, das muss schmerzhaft sein“, bekundete Yugi sein Mitgefühl. „Sind Sie operiert worden?“ Er wunderte sich kurz, warum ein Patient mit einer orthopädischen Erkrankung einen Termin in der Ambulanz dieser auf Kardiologe spezialisierten Klinik hatte.

„Nein.“
 

Yugi stützte den Fremden mit seinem rechten Arm und ließ diesen sein Gewicht ein wenig auf ihn entlasten, als sie in den Flur zur Ambulanz abbogen.

„So, wir sind da. Vielleicht sehen wir uns gleich wieder, wenn Sie in meine Sprechstunde kommen.“

Er schenkte dem Fremden noch ein aufrichtiges Lächeln. Dieser sah Yugi kurz an und wendete dann seinen Blick ab.

„Das denke ich nicht, aber ich danke Ihnen sehr für Ihre Unterstützung, Herr Dr...?

„Mutou. Ich bin-“
 

„Atemu? Was machst du denn hier?“

Diese kalte Stimme, der man gefühlt nie etwas recht machen konnte, erkannte Yugi inzwischen bereits mit verbundenen Augen.

Sein Vorgesetzter war aus einem der angrenzenden Räume in den Gang getreten und kam nun auf die beiden zu.
 

„Ich habe Sehnsucht nach dir“, grinste der Angesprochene. Yugi spürte sofort die Veränderung in dem Mann neben ihm. Er löste sich von Yugi und nickte ihm zu. „Vielen Dank für Ihre Hilfe“, verabschiedete sich der Verletzte und humpelte auf den Oberarzt zu.

Dieser griff direkt mit einem Arm um die Hüfte des Ägypters und stützte ihn fürs - Beinahe hätte Yugi doch tatsächlich das Wort fürsorglich in seinen Gedanken verwendet. Doch er stoppte sich rechtzeitig. Dr. Kaiba war nicht der Typ für Fürsorglichkeit, noch nicht mal gegenüber Patienten. Wobei diese beiden sich anscheinend besser kannten.

Dafür erntete Yugi einen kritischen Blick aus blitzenden, blauen Augen: "Dr. Mutou, die Patienten behandeln sich nicht von selbst."
 

„Ich verbringe meinen Geburtstag doch nicht alleine. Wo ist mein Kuchen, den du mir sicherlich gebacken hast?“, hörte Yugi noch den Mann fragen, den er gerade hierhergebracht hatte. Die beiden machten sich auf den Weg den Flur hinunter in die Richtung, in die das Büro von Dr. Kaiba lag, wie Yugi wusste.

„Kuchen? Wovon träumst du nachts?“, setzte der großgewachsene Oberarzt nach.

„Seto, das weißt du doch…“, fügte der Kleinere mit anzüglich angehauchter Stimme hinzu. Beide lachten auf und bogen rechts ab. Yugi hörte, wie sich die Stimmen und das Klacken der Gehhilfen auf dem Boden entfernten.
 

Jemand, der mit Dr. Kaiba per Du war – das hatte Yugi in den sechsundzwanzig Tagen, in denen er nun schon hier war, noch nicht erlebt.
 


 

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Ups, das war wohl nicht der Pharao, an den ihr wahrscheinlich zuerst gedacht hattet? >D

Der gute Aknamkanon sitzt auf dem Thron XD'

Um so ein Krankenhaus zu leiten, braucht es schon einen etwas älteren Arzt mit viieeel Erfahrung und langem Werdegang. Der, an den ihr wohl gedacht hattet, wäre noch gar nicht alt genug für so einen Job ;)

Aber ich habe ihn ja trotzdem in diesem Chapter in die Story geholt. So dass ihr nicht ganz auf ihn verzichten musstet :D

 

Wäääh... ich habe mir doch tatsächlich zwei Null-Kommi-Runden für die letzten zwei Chapter eingefangen... u__u Ich muss ja gestehen, dass ich das nicht gewohnt bin und da vielleicht etwas "verwöhnt" bin XD" *Auf Gravity schiel* XD'

Wenn euch etwas nicht gefällt, schreibt es mir bitte. Mir ist es lieber zu wissen, was ich besser/anders machen könnte, als weiter im Dunklen zu tappen und nichts ändern zu können. Liegt es vielleicht daran, dass bisher die Romanzen/Beziehungen noch nicht richtig vor(an)gekommen sind? Das beginnt jetzt, keine Sorge.^^ 

 
 

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ich keine Ärztin bin und medizinische Fälle daher vielleicht nicht ganz korrekt geschildert haben könnte. Wer Fehler findet, darf mich gerne darauf hinweisen :) 

 

 

Polarstern

 

 

 

 

Der Schatzmeister

Ein Freitagnachmittag Mitte August – nur noch wenige Stunden, bis zum Beginn des Wochenendes.

Zumindest waren dies die Gedanken, mit denen Yugi versuchte, sich selbst an diesem hektischen Arbeitstag zu motivieren.
 

Er hatte das Gefühl, halb Tokio musste unter Herzproblemen leiden und heute hier entweder mit oder ohne Termin erschienen sein. Yugi und Ryou arbeiteten einen Patienten nach dem nächsten ab, doch die Masse schien kein Ende zu nehmen. Der Assistenzarzt fühlte sich erschöpft und ausgezehrt.

Die Tatsache, dass es inzwischen 15:42 Uhr war und er den Tag über noch keine richtige Pause gemacht hatte, trug nicht gerade zum Positiven bei. Dabei wusste kaum jemand besser als er als Arzt, dass man Unterbrechungen und regelmäßige Nahrung brauchte, um sein Leistungsvermögen aufrecht zu erhalten.

Jonouchi hatte zurzeit Urlaub und Anzu war ebenfalls bisher zu beschäftigt gewesen, um mit ihm Pause zu machen. Jou war mit seiner Schwester zum Badeurlaub auf die Okinawa Inseln geflogen. Der machte es richtig.

Manchmal gab es Tage, da hatte Yugi nicht mal die notwendige Ruhe, eine vernünftige Mahlzeit zu sich zu nehmen. Da war es ihm sogar lästig, wie oft Menschen etwas essen und sich regenerieren mussten. Wenn er in einem Pharmaunternehmen arbeiten würde, wäre es sicherlich ein Verkaufshit, Tabletten zu erfinden, die man an stressigen Tagen fix einwerfen konnte und innerhalb weniger Minuten ein Gefühl von Sättigung und einem aufgeladenen Akku erzeugen konnten, ohne die Arbeit unterbrechen zu müssen. Dies wäre Fluch und Segen zugleich für die Menschheit, die sich somit mehr Richtung Maschinen entwickeln würden.

Yugi musste sich also immer wieder ermahnen, mehr an sich selbst zu denken, bevor sein Körper noch anfing, Notsignale auszusenden.
 

Gerade befand er sich in der Radiologie, um etwas zu klären, als sein Telefon klingelte und sich Anzu glücklicherweise endlich zu einer Kaffeepause mit ihm treffen konnte. Sein Magen knurrte schrecklich und lange würde er dies nicht mehr ignorieren können. Die Diskussion über die MRT-Aufnahmen mit Dr. von Schroeder hatte länger gedauert, als er dachte. Er hatte Anzu vorhin versprochen, in zehn Minuten in der Cafeteria zu sein. Sein Telefon verriet ihm, dass diese nun vergangen waren und er hatte sich immer noch nicht mit dem anstrengenden Radiologen einigen können. Dieser bestand beharrlich auf das Ausfüllen von vier verschiedenen Formularen, ehe er Yugi weiterhelfen könne. Yugi hätte ihm gern mit einer Schere die pinkfarbenen, langen Haare gekürzt, um ihn zurück zu ärgern… Er schüttelte den Kopf – so kindisch würde er nicht sein. Diese Deutschen und ihre Bürokratie!

Nun hatte er wegen dem Typ so viel Zeit verloren. Gestresst hastete er durch den Flur und auf den nächstgelegenen Aufzug zu.
 

Die Türen waren schon halb geschlossen, als er es mit seiner zierlichen Figur gerade noch so durch den Spalt in die Kabine schaffte. Er lehnte sich an die Wand und atmete durch – er musste definitiv mehr Sport treiben um seine Kondition zu verbessern. Erst jetzt richtete er den Blick auf die Person, die an der gegenüberliegenden Seite stand und mit ernster Miene mit beiden Daumen flink auf seinem Handy tippte.
 

Es war der Patient, den er vor drei Wochen in der Kantine getroffen und beim Laufen gestützt hatte. Wenn diese Ähnlichkeit zwischen ihnen nicht wäre, hätte er ihn vielleicht nicht unbedingt wiedererkannt.

Er sah nun völlig anders aus. Yugi erinnerte sich an die eher sportliche Kleidung, die er letzten Monat trug. Dieses Mal erkannte er das dezente Logo an der Brusttasche seines schwarzen Hemdes als das eines teuren Modelabels. Die dazu passende Anzughose und die glänzenden, gleichfarbigen Lederschuhe wirkten ebenfalls nicht günstig. Es hatte den Anschein, als käme er direkt aus einem Business Meeting.
 

Der Ägypter sah vom Display auf und der schmale Strich, der bisher seinen Mund darstellte, lockerte sich. Seine Lippen verzogen sich aufwärts zu einem Lächeln. Yugi hatte beim letzten Treffen gar nicht realisiert, wie intensiv rot seine Augen leuchten konnten. Vielleicht fiel es ihm erst jetzt auf, da der Kontrast zu der schwarzen Kleidung stärker war als das bordeauxfarbene Shirt, das er zu dem Zeitpunkt trug.

Schnell nahm der andere sein Telefon in die linke Hand und ließ diese sinken.

„Hallo, Dr. Mutou. Wie schön, Sie wieder zu sehen. Wohin möchten Sie?“ Der Fremde hielt seine Hand über die Steuertafel.
 

„Guten Tag. Ganz meinerseits. Auf die sechs, bitte.“

Ohne zu zögern drückte der ein wenig Größere die geforderte Nummer. Yugi sah, dass der Knopf für die siebte Etage darüber schon ausgewählt war. Die Chefetage, wie er wusste. Ob er sich dort über etwas beschweren wollte …?

„Geht es Ihnen wieder besser? Sie haben keine Gehhilfe dabei?“, fragte er stattdessen, da er nicht so indiskret sein mochte.

Der Angesprochene sah Yugi mit seinen geheimnisvollen, rubinroten Augen durchdringlich an. Yugi schluckte. Was bedeutete dieser Blick? Es fühlte sich fast so an… als würde der etwas Größere in ihn hineinsehen wollen. Oder anders: Als erwartete er von Yugi, dass dieser allein durch seine Blicke schlau werden würde. Ob er wohl glaubte, Yugi könne Gedanken lesen oder gar Telepathie…?!

Es dauerte einige Sekunden zu lange für Yugi, bis sein Gesprächspartner die nächsten Wörter hervorbrachte.
 

„Jaa, endlich. Das hat mich langwierige sechs nervenstarke Wochen gekostet. Mit dem Arm ging es schneller.“ Er lächelte Yugi freundlich an, hob demonstrativ die rechte Hand hoch und hielt sie in Yugis Richtung. Er drehte sein Handgelenk ein wenig vor und zurück. Von der Rötung und der Verbrühung war wie nach dieser Zeit zu erwarten, tatsächlich nichts mehr zu sehen.

Der Fahrstuhl hielt auf der zweiten Etage und öffnete die Türen, doch niemand stieg ein.
 

Yugi signalisierte seine Zustimmung. „Verstauchungen Grad 2 sind hartnäckig, das kenne ich. Ich hatte mal als Teenager eine an derselben Stelle… Sturz beim Eislaufen…“, er verzog nur beim Gedanken daran die Mundwinkel. Die Türen schlossen sich und die Kabine stieg weiter nach oben.

Sein Gegenüber nickte verständnisvoll. Dabei wippten seine goldblonden Strähnen leicht mit und Yugi erkannte in dem künstlichen Licht etwas an seinen Ohren aufblitzen. Interessiert sah er genauer hin und da er nah genug vor ihm stand, konnte er goldene Steckohrringe in Form eines Ankhs ausmachen. Das untere Ende ragte noch etwas über das Ohrläppchen hinaus. Ein Stück weiter höher gab es an der Stelle, an der das Ohrläppchen endete und in die Knorpelschicht überging – der Cauda helicis – einen breiteren Goldring mit schmalem Durchmesser.
 

„Fast wie bei mir. Ich konnte beim Inlineskaten gerade noch einem Kind ausweichen und hatte noch zu viel Speed drauf. Ich hatte eine hässliche Kollision mit dem Boden, zum Glück habe ich Handgelenkschützer getragen. Mein Fuß ist dabei jedoch umgeknickt. Nunja, etwas schmerzt es noch bei bestimmten Bewegungen, aber das vergeht auch bald.“

Der Fahrstuhl hielt in der sechsten Etage.

Yugi trat vor die Tür und warte kurz, bis sich diese weit genug aufgeschoben hatte.

„Ich muss los. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und weiterhin alles Gute.“ Damit verließ Yugi den Aufzug.

„Vielen Dank, das wünsche ich Ihnen auch“, hörte er noch, ehe sich das Metalltor wieder schloss und die beiden voneinander trennte.
 

Letztendlich kam Yugi zwanzig Minuten zu spät zu seinem Treffen mit Anzu.

Kaum saß Yugi mit seiner Freundin zusammen am Tisch, hatte diese ihn unter vier Augen gefragt, ob er seinen Crush auf den Oberarzt der Chirurgie inzwischen verarbeiten konnte?

Yugi wusste es selbst nicht genau. Er musste inzwischen seltener an ihn denken und vermied es, ihn zu sehen. Dennoch, er war ja keine Maschine, auf der man einfach den delete-Knopf drücken konnte. Allerdings hatte er schon das Gefühl, dass er Woche für Woche besser damit umgehen konnte.
 

„Ich verstehe, wie du dich fühlst. Ich ähm…“, Anzu brach verlegen ab und griff zu ihrem Kettenanhänger, der aus einem mit Platin umrahmten Rosenquarz bestand, um damit herumzuspielen. Ein Schmuckstück, das sie von ihrer Großmutter geerbt hatte. Yugi ließ ihr geduldig ihre Zeit.

„… mir geht es ähnlich…“, vertraute Anzu ihm schließlich verlegen an.

Yugi zog beide Augenbrauen hoch. „Oh? Mit wem…?“ Neugierig und aufgeregt motivierte er seine Freundin mit Blicken und Lächeln, ihm mehr zu verraten.

„Uhm… also… Bitte sage es nicht Jonouchi, ja? Er… würde sich wahrscheinlich einmischen und mir helfen wollen, ihm näher zu kommen…“

„Und das möchtest du nicht? Zugegeben, ihm fehlt da manchmal etwas das Feingefühl, das stimmt schon…“, Yugi rieb sich nachdenklich das Kinn. „Ich behalte es für mich, versprochen. Mir wäre es auch nicht lieb, Jou würde mich mit Dr. Ishtar verkuppeln wollen… Selbst wenn er nicht vergeben wäre…“
 

Anzu nickte: „Ja, genauso empfinde ich das auch. Ich bin nicht sicher, ob ich bei ihm eine Chance habe… Trotzdem versuche ich in regelmäßigen Abständen, seine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen…“

Betroffen und tröstlich legte Yugi seine Hand auf Anzus. „Das kann ich sehr gut nachvollziehen... Ich drücke dir ganz fest die Daumen. Sagst du mir, wer es ist? Kenne ich ihn?“ Yugi konnte nicht leugnen, trotz allem neugierig zu sein.

„Ich glaube nicht, dass du ihn schon gesehen hast. Er ist seit Ende Juni nicht mehr hier gewesen…“

Anzu spielte mit dem Griff ihrer Tasse und schob diese mehrfach um die eigene Achse. Ihr Blick war fokussiert auf das Porzellan und da Yugi seine Exfreundin ziemlich gut kannte, wusste er, dass sie nervös war und sich unwohl mit dem Thema fühlte. Dafür sprach ebenfalls der rosafarbene Schimmer auf ihren Wangen. Einerseits fand er es schön, dass seine Freundin jemanden für sich entdeckt hatte. Andererseits schien es ebenfalls eine ähnlich komplizierte oder auswegslose Situation zu sein, wie seine. Zumindest konnten sie dann Leidensgenossen sein, dachte er theatralisch.
 

Yugi reichte Anzu eine Kaffeesahne für ihre volle Tasse, die durch die Schieberei fast schon drohte, überzuschwappen. Anzu trank ihren Kaffee nie schwarz.

„Und?“, fügte er noch geduldig hinzu.

„Er ist…“ Anzu rang eine Weile mit sich selbst, während sie die Folie von der Verpackung riss und scheinbar fasziniert zuschaute, wie sich ihr schwarzes Getränk hellbraun färbte. Fast wie die Hautfarbe von einem-

„Ägypter.“

„Hm?“, machte Yugi, überrascht, wie sie seine Gedanken hatte erraten können.

Anzu sah ihn ebenfalls unsicher an. „Er ist Ägypter.“

Yugi lächelte halb betroffen, halb amüsiert. „Kommt mir bekannt vor. Mir hat mal jemand daraufhin gesagt, die gibt es hier in unserer Klinik wie Sand am Nil“, grinste er. Ihre Wangen wurden nur noch röter und sie schnappte sich ihren Löffel, um eilig den Kaffee zu rühren.

„Uhm… jah…. weißt du was, ich zeige ihn dir einfach, wenn er wieder da ist“, beendete Anzu schnell das Thema, da Ryou gerade mit seinem Tablett auf ihren Tisch zusteuerte.
 

„Hi! Darf ich mich zu euch setzen?“, der Weißhaarige legte seine rechte Hand auf den freien Stuhl den beiden gegenüber.

„Ja natürlich, gerne.“

Das ließ sich der Assistenzarzt nicht zweimal sagen.

„Sagt, kommt ihr auch zum Sommerfest?“, fragte er direkt, nachdem er ein Stück seines Schokoladenkuchens probiert hatte.

„Ich denke schon“, nickte Anzu.

„Sommerfest?“, wiederholte Yugi. „Davon habe ich noch gar nichts gehört. Wie und wo läuft denn das ab?“

„Im ägyptischen Restaurant, ein paar Straßen weiter. Es ist nur für unsere Klinik reserviert. Der Pharao lädt ein.“

„Das ist aber sehr nett von ihm! Gibt es da nur ägyptisches Essen?“, erkundigte sich Yugi.
 

„Wenn man Gerüchten glaubt, ist der Betreiber auch irgendein Verwandter oder Freund des Pharaos. Es wird ein typisches, ägyptisches Büffet geben“, nickte Anzu. „Wir haben hier so viele Kolleginnen und Kollegen, denen das wichtig ist. Ich war letztes Jahr das erste Mal dabei und es hat mir gut gefallen. Die Auswahl war wirklich riesig und es war sehr lecker und bei vielen arabischen Speisen hätte man gar nicht gedacht, dass sie unserer Japanischen Kost so ähnlich sind. Es gibt natürlich auch etwas für die, die mit Falafel oder Hawawshi nichts anfangen können.“

„Hawa-?“, hakte Yugi nach.

„Eine Fleischpastete im Teigmantel“, erklärte Ryou. „Du kannst Herrn Luxor oder eher gesagt seiner Sekretärin einfach auf die Rundmail zum Sommerfest antworten, wenn du dich anmelden möchtest.“ Yugis Fragezeichen im Gesicht wurde größer, da fuhr Ryou fort: „Ach, vermutlich bist du noch gar nicht in den Mailverteiler aufgenommen worden. Ich leite dir das Schreiben gleich weiter.“

„Eigentlich... War ich kürzlich erst bei seiner Majestät und er hat gemahnt, er will vorerst nicht wieder von mir hören...“, murmelte Yugi kleinlaut.
 

Anzu kicherte und hob ihre Kaffeetasse hoch: „Keine Sorge. Nicht unser medizinischer Chef. Sondern der andere Herr Luxor, der kaufmännische Direktor.“

„Genau“, steuerte Ryou hinzu. „Unsere Doppelspitze der Luxors. Der Pharao und sein Schatzmeister.“

„Derselbe Name? Sind die miteinander verwandt?“

„Korrekt. Einige andere hier ja auch. Bei den Ishtars besteht die größte Verwechslungsgefahr. Die sind tatsächlich zu viert.

„Zu viert?! Wer ist da denn noch, neben Dr. Mahado Ishtar und Frau Dr. Ishizu Ishtar?“

„Marik und Rishido Ishtar. Die beiden sind aber keine Ärzte, sie betreiben den direkt angrenzenden Friedhof, deswegen sind sie dir vielleicht noch nicht begegnet. Sie organisieren Beerdigungen und betreuen die Gräber…“ ,fasste der Weißhaarige zusammen und vernichtete sein letzten Kuchenstück auf dem Teller.

„Oh…“, Yugi verzog das Gesicht. „Erzählt mir lieber noch mehr über das ägyptische Sommerfest und was mich dort erwartet.“
 


 

***
 

Das heiß ersehnte Wochenende kam – und verflog so schnell, dass sich Yugi fragte, wie es schon wieder Sonntagabend sein konnte.

Er hatte zwei Tage für sich verbracht. Jonouchi war immer noch im Urlaub und Anzu und Ryou hatten ebenfalls schon andere Termine gehabt.
 

Er lebte das erste Mal in seinem Leben alleine. Ein Gefühl von Freiheit für ihn, vor allem, nachdem Rebecca alles bestimmt und an sich gerissen hatte. Welches Fernsehprogramm lief, welches Essen es gab, welche Möbel wie angeordnet waren, welches Duschgel er zu benutzen hatte… Alles musste nach ihrer Pfeife tanzen.

Es hatte so gutgetan, fast schon trotzig wie ein Kind in die Supermärkte oder Einkaufszentren zu gehen und genau das zu kaufen, was seine Frau nicht hatte leiden können. Das Waschmittel, das Rebecca immer zu künstlich roch, den Kaffee mit dem Zimt-Flavour, den sie immer furchtbar fand („das ist doch kein Kaffee mehr!“), und beim Kochen verwendete er generell immer zu viele und natürlich die falschen Gewürze.

Yugi hatte alles, was früher verboten war, nachgeholt. Seine Wäsche roch chemisch süß, dass er schon beinahe Kopfschmerzen bekam, der Kaffee schmeckte im Sommer nach Weihnachten und sein halbes Gewürzregal war in die Ramensuppe gefallen. Aber es fühlte sich toll an. Das Single-Leben war genau das, was er gebraucht hatte.
 

Am Montagmorgen schrieb er mitunter als erstes dem kaufmännischen Leiter eine E-Mail und meldete sich für das Sommerfest an. Am Freitag war ihm das tatsächlich im Arbeitsstress untergegangen.

Die Patientenversorgung beschäftigte ihn auch heute wieder bis zum späten Nachmittag.

Yugi saß allein in der Ambulanz im Arztzimmer, das er sich üblicherweise mit Ryou teilte, vor seinem Computer und arbeitete an seinen Arztbriefen. Eine lästige Dokumentationspflicht – zum Glück gab es für die meisten Patienten schon eine Textdatei, die er nur auf den neusten Stand bringen musste.

Ein leises Grummeln seines Magens erinnerte ihn daran, dass das Mittagessen, welches er heute gegen halb eins zu sich genommen hatte, nun schon über fünf Stunden her war. Anzu war heute auf einem Seminar und seine und Ryous Sprechstunde war so voll gewesen, dass er nach dem Mittagessen schon wieder keine weitere Pause bisher eingelegt hatte. Nun endlich war der letzte Patient für heute um kurz nach fünf gegangen. Die Anzeige in der rechten unteren Ecke seines Bildschirms zeigte 17:21 Uhr.

Geschafft ließ er von der Tastatur ab und rieb sich die Augen.
 

Ein Klopfen an der nur angelehnten Tür ließ ihn aufschrecken.

„Ja?“, erlaubte er das Eintreten seines Besuchers und richtete den Blick neugierig Richtung Tür. Ryou würde nicht klopfen. Wer also…?
 

„Hey.“ Der Mann mit der ähnlichen Frisur wie er betrat den Raum. Yugi hob überrascht die Augenbrauen. Diesen Patienten traf er in letzter Zeit aber häufig.

In seiner rechten Hand hielt der Andere auf Hüfthöhe eine kleine, rechteckige Bentobox mit Holzdeckel.

Heute trug er ein weißes Hemd mit einem V-Ausschnitt und dazu eine figurbetonte, schwarze Lederhose. Yugi stellte fest, dass zu seiner ägyptischen Hautfarbe beides passte – Schwarz und Weiß. Er selbst war eher blass, so dass er es des Öfteren vermied, zu helle Oberteile zu tragen. Er fand, es machte ihn eher bleich und unscheinbarer.
 

„Oh, hallo.“ Yugi stand höflich von seinem Bürostuhl auf und umrundete den Tisch, um seinen Gast besser begrüßen zu können, ohne dass sein Monitor die Sicht störte.

Der Mann lächelte Yugi warm an und blieb in dem üblichen Abstand, den man allgemein als angenehm zu einer fremden Person empfand, stehen.
 

Auf Yugis Stirn bildete sich unbewusst eine Denkfalte. Was konnte diese Person nun von ihm wollen? Er hatte ihn überhaupt nicht behandelt. Und wie hieß er noch mal? Hatte ihn Dr. Kaiba nicht damals beim Namen genannt? Es klang wie ein altägyptischer Gott…. Amun? Atum? Das musste sein Vorname sein. Den konnte er nun ohnehin nicht nutzen.
 

„Hatten Sie heute ihre Abschlussuntersuchung? Kann ich Ihnen noch irgendwie behilflich sein?“
 

„Vielen Dank, Sie haben mir schon sehr geholfen. Deswegen bin ich hier.“ Er hob seine Hand, in der er die ganze Zeit die schwarze Bentobox gehalten hatte. Er hielt diese Yugi hin, der etwas irritiert seine Hände danach ausstreckte und sie in Empfang nahm. Schon hatte er das Gefäß in der Hand und erkannte am Gewicht, dass es gefüllt war. Auf dem Holzdeckel befanden sich von der einen zur anderen kurzen Seite eingravierte Hieroglyphen: unten und oben jeweils ein unterschiedlicher Vogel, die mittigen Zeichen wurden von dem für Bentoboxen üblichen, breiten Gummiband, das mit seiner goldenen Farbe gut zur schwarzen Dose passte, verdeckt. Nur der untere Teil eines dritten Vogels mittig war noch zu erkennen. Beiläufig kam Yugi der Gedanke, dass Gold wohl eindeutig zu den Lieblingsfarben dieses Mannes gehörten musste. Innerlich ärgerte er sich kurz, dass er von seinem Großvater nie ausführlich genug das Lesen dieser Zeichen gelernt hatte. Der hätte ihm die antike Schrift sofort übersetzen können.
 

„Für mich?“, entkam Yugi ein völlig perplexes Murmeln.

„Genau. Ich möchte mich noch bei Ihnen bedanken, was Sie für mich getan haben.“

„Aber das war doch selbstverständlich. Das kann ich doch gar nicht anneh-“

„Doch, bitte, ich bestehe darauf. Ich weiß, dass es hier in Japan als unhöflich empfunden wird, Präsente vor dem Schenkenden zu öffnen. Das ist bei uns in Ägypten ähnlich. Daher verrate ich schon einmal, dass es Milchreis ist. Lassen Sie es sich schmecken.“ Er betrachtete Yugi einen kleinen Moment und schien unschlüssig zu sein, ob er noch etwas tun oder sagen wollte. Dann fuhr er langsam fort: „Also ich werde dann–“

„Oh, ich liebe Milchreis!“, platzte es begeistert aus Yugi heraus. Der Japaner wog kurz ab und entschied sich schließlich aufgrund seines leeren Magens spontan dafür, die Box trotz der Anwesenheit des Anderen zu öffnen.

Vorsichtig zog er das stretchige Band ab und öffnete den Deckel.

Im Inneren war die Lunchbox einmal unterteilt: Das Hauptfach beinhaltete tatsächlich köstlich aussehenden Milchreis. Ganz rechts gab es noch ein kleines Seitenfach mit einem Holzlöffel und zwei durchsichtigen Plastiktütchen darin: Eins mit weißem Inhalt, offensichtlich Zucker – und eins mit einem hellbrauen Pulver, bei dem Yugi stark auf Zimt tippte.
 

„Wow, das sieht wahnsinnig lecker aus! Ich verstehe gar nicht, wie ich zu der Ehre komme. Wirklich, ich helfe gerne anderen Menschen und es ist mein Job. Ich-“ Yugi fühlte sich etwas peinlich berührt und überrumpelt. Er hatte doch gar kein Geschenk für sein Gegenüber. Geschweige denn, dass er gewusst hätte, ihn heute wieder zu treffen…

„Das geht schon in Ordnung, Dr. Mutou. Ich habe den Reis am Wochenende gekocht und habe mehr gemacht, als ich essen kann. Und das, obwohl Milchreis zu meinen absoluten Lieblingsdesserts gehört. Ich habe es so gemacht, wie man es in meiner Heimat zubereitet. Ich habe Rosenwasser hinzugegeben, das ist typisch für die ägyptische Version. Hier in Japan wird der Reis ja üblicherweise traditionell in Kokosmilch gekocht.“
 

Ein süßlicher, verlockender Duft stieg Yugi in die Nase. Sein Magen knurrte und die Anwesenheit des Anderen wirkte beinahe schon so vertraut, dass er erschreckend schnell zustimmte und die Höflichkeiten über Bord warf. „Darf ich es probieren?“

Der Ägypter zog die Augenbrauen hoch: „Natürlich, dafür habe ich es mitgebracht. Zu Süßspeisen passt übrigens wunderbar unser Shai-Tee.“

„Shai-Tee?“, wiederholte Yugi verwundert.

„Schwarzer Tee mit Minze. Das ist eines unserer Nationalgetränke.“
 

Yugi kostete den ersten Löffel und schloss genüsslich die Augen. „Mhmm, so lecker! Den Reis haben Sie aber nicht zum ersten Mal zubereitet?“

Der Mann schien etwas verlegen zu werden und sah zu Seite: „Richtig. Ich koche und backe gern, das ist ein Hobby von mir.“ Es war vermutlich ein Handy, das definitiv nicht Yugis war, das begann, ein arabisches Lied zu spielen.

„Vielen herzlichen Dank für ihr Geschenk, Herr…?“
 

Der Andere hatte inzwischen sein Handy aus der Hosentasche gezogen und seine Augen weiteten sich ein wenig, als er den eingehenden Anruf auf dem Display betrachtete.

„Entschuldigen Sie mich bitte, ich muss da drangehen. Bis bald.“

Yugi stellte die Bentobox ab und hob die Hände: „Selbstverständlich, Sie brauchen sich doch nicht zu e-“

Doch sein Doppelgänger hatte schon mit der üblichen swipe-Bewegung das Telefonat angenommen und ab da an verstand der Japaner kein Wort mehr. Arabisch war in diesem Krankenhaus beim Personal keine seltene Sprache, er hörte es ständig. Viele der Ägypter hatten auch einen Akzent, wenn sie Japanisch sprachen. Bei diesem Herrn allerdings, der sich gerade entfernte, war der Akzent eher gering, wie Yugi erst jetzt nachträglich realisierte. Ob er sich diesen mühevoll abtrainiert hatte? Oder ob er vielleicht in Japan geboren wurde?

Yugi erinnerte sich selbst daran, dass es ihn überhaupt nichts anging und völlig irrelevant war. Aber es würde ihn schon interessieren… Er war doch sonst nicht so neugierig. Vor allem nicht, was fremde Menschen betraf.

Und vor allem… wieso bis bald? Wer genau war dieser seltsame Mann, der Yugi nicht nur ähnlich sah, sondern dazu noch den gleichen Geschmack hatte, was Styling, Kleidung und nun auch Süßspeisen betraf?
 

Yugi mochte Leder, an seiner Garderobe lagen die Accessoires für seinen Hals und seine Handgelenke, die er gerne in der Freizeit trug, aber für die Arbeit als Arzt zu unpassend empfand.

Besonders gruselig fand Yugi, dass er selbst eine sehr ähnliche Lederhose im Schrank hängen hatte, wie dieser Ägypter sie heute trug.

Spooky. Dabei waren es noch über zwei Monate bis Halloween…



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Kommentare zu dieser Fanfic (10)

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Von:  Nanbi
2025-01-20T08:07:18+00:00 20.01.2025 09:07
Soooooo, ich habs auch mal geschafft daran zu denken, dass ich dir ja schon lange mein Review schreiben wollte xD
Das Kapitel war wirklich sehr schön. Auf diesen Auftritt von Atemu habe ich ja sehnlichst gewartet. Also, er ist ja echt ein Süssi, dass er Yugi diese Lunchbox mitgebracht hat. So eine schöne Geste der Dankbarkeit. Erinnert einem aber auch daran, dass wir genau den Menschen auch dankbar sein müssen, dass sie diesen Joh ausführen um anderen zu helfen.
Du hast diesen Moment der beiden echt schön beschrieben. Da will man unbedingt mehr davon. Dadurch dass ich so lange leiden muss bis ich das nächste Kapitel zu lesen bekomme, geht meine Fantasie mit mir durch und stellt sich allmöglichen Szenarien vor wie es weiter geht xD
Ich liebe es auch, dass deine FF im Thema des Gesundheitssystems stattfindet, sowas habe ich noch nicht oft gefunden mit Puzzleshipping, aber ehrlich gesagt, gibt es generell zu wenig mit diesem Pairing. Da ist man so happy, wenn man deine grossartigen Geschichten lesen kann.
Ich bin wirklich sehr gespannt wie das mit den beiden weitergeht, und wie sich das mit Kaiba noch entwickelt als so strengen Abteilungsleiter ^^
Ich hoffe, dass es bald weitergeht und wünsche dir bis dahin alles Gute.

Nanbi
Antwort von:  Polarstern
22.01.2025 15:14
Hiii Nanbi!

Vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ich habe mich riesig darüber gefreut! =)

Jaaa, Atemu unser Süßie! <3
Vielen lieben Dank für dein Lob!

Ich freue mich, dass du fleißig mit spekulierst und bin zu neugierig, was du vermutest! XD

Und jaaah, was sich mit Kaiba noch entwickelt... Yugi kommt ja jetzt schon nicht so gut mit seinem Vorgesetzten klar (kein Wunder, bei so einem Eisklotz XD) Wie das erst wird, wenn es um Atemu geht...? oh oh >D Da ist Drama vorprogrammiert.... u.u

Liebe Grüße
Polarstern
Von:  Black_Magic_Rose
2024-12-15T22:36:39+00:00 15.12.2024 23:36
Hey, so liest man sich wieder. XD

Ich bin zufällig hier gelandet, habe aber direkt alle Kapitel hintereinander gelesen & muss sagen, dass ich traurig bin, dass es so wenige sind.
Das soll keine Kritik sein, dachte nur, es erfreut dich. ^^

Mir gefällt dein Schreibstil nach wie vor unglaublich gut, danke dass du bisher inmer noch FFs schreibst & diese kostenlos zur Verfügung stellst. Ich weiß, wie viel Zeit & Geduld man für die Kapitel benötigt (manchmal auch Mut) & da wollte ich dir auch mal danken.
Ich kenne Autor*innen hier die sehr schnell aufgehört hatten, weil sie dann Bücher schrieben & damit Geld verdienen. (Ich rede es nicht schlecht, tatsächlich hatte ich es dem Einen oder Anderen sogar nahe gelegt), aber leider wurden die angefangen FFs nicht zu Ende geschrieben & das finde ich sehr schade.
Gerade wenn man merkt, dass Animexx, FF.de & Wattpad ausstirbt (Letzteres nur, weil die FFs uninteressant werden & man keine Lust hat ein Vermögen für einzelne Kapitel auszugeben).

Lange Rede, kurzer Sinn
Diese FF verspricht mir noch viel Spaß zu machen & darauf freue ich mich schon.
Vielen Dank für deine Ideen, deiner Zeit & deiner Geduld.



Alles Liebe & eine wunderschöne Adventszeit

Black Magic Rose
Antwort von:  Polarstern
18.12.2024 17:24
Hiii Black Magic Rose!

Ja, so liest man sich wieder! :) Wir Puzzleshipper sind leider viel zu wenige hier.... Aber so läuft man sich wenigstens häufiger über den Weg :)

Ganz herzlichen Dank für deinen so lieben Kommentar! Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut!
Ich habe selbst sehr viel Spaß am Schreiben - und teile es gerne mit euch :D Und wenn man so positives Feedback + Favoriteneinträge bekommt, macht es gleich noch mehr Spaß :D

Ich arbeite schon an der Fortsetzung, aber dieses Jahr schaffe ich es vorraussichtlich nicht mehr. Der übliche Weihnachtsstress halt XD'

Ich freue mich, bald wieder von dir zu hören!
Ganz liebe Grüße, schöne Feiertage und schonmal einen guten Rutsch, falls wir uns nicht mehr "hören" ;)

LG
Polarstern
Antwort von:  Black_Magic_Rose
18.12.2024 21:26
Hi Polarstern,
Ich bin ganz froh darüber, dass ich so viel von dir lesen kann, deine Geschichten machen mir immer wieder Spaß erneut zu lesen.

Ich versuche immer gutes Feedback zu geben, weil ich genau weiß, was das als Autor*in bedeutet & darum mache ich es so gerne. Auch wenn einige Jahrzehnte alt sind, hinterlasse ich gerne welche & hoffe dabei immer, dass man genug motiviert bleibt, um weiter zu schreiben.
Ich liebe es auch zu schreiben, aber bei mir ist einfach eine totale Flaute, weil ich versucht habe wieder zu schreiben & es einfach an Favoriteneinträge & Feedback fehlt & dann dauert die Pause immer ewig lange, bis ich weiter schreiben kann. Ohne Leser macht es weniger Spaß, finde ich. Deswegen freut es mich immer so unheimlich, wenn ich was Neues entdecke & es gleich lesen kann. ^-^

Lass dir ruhig Zeit mit der Fortsetzung, die Weihnachtstage sind immer mit Stress verbunden, gerade wenn man noch Arbeit nebenbei hat (meine Weihnachtstage werden noch die Hölle), dafür freue ich mich umso mehr, wenn die nächsten Kapitel im neuem Jahr heraus kommen, so kann ich mich darauf freuen. ^.^

Ich werde dir noch gaaaaaaanz viele Kommentare hinterlassen. ^-^
Du hast einen Fan gefunden. XD

Ich wünsche dir eine wundervolle Weihnachtszeit & einen guten Start ins neue Jahr. ^-^

Ganz liebe Grüße zurück

Black Magic Rose
Von:  Yuugi_Mutou
2024-10-07T04:14:05+00:00 07.10.2024 06:14
Ich hab alle 3 Kapitel auf einmal verschlungen und nun heißt es auch hier warten mit dem lesen :( die Geschichte gefällt mir auch sehr! Weiter so! Und hoffe auf baldige nächste Kapitel wie bei den anderen xp
Antwort von:  Polarstern
07.10.2024 20:51
Vielen, vielen Dank für so einen lieben Kommi! :D Ich habe mich sehr darüber gefreut :)
Wenn ich dir eine Lesefreude damit machen konnte, hat sich die stundenlange Mühe, sich das auszudenken, zu schreiben und zu überarbeiten ja gelohnt ^__^

LG
Polarstern
Von:  Nanbi
2024-09-22T11:52:02+00:00 22.09.2024 13:52
Also manchmal glaube ich, dass du mich gerne an der Nase rumführst xD
Dein Ernst? Soll ich auf heissen Kohlen verbrennen vor Spannung wann denn endlich mein Atemu vorkommt? Autsch xD
Hab ja da schon so bisschen gehofft xD
Aber ich will auch anmerken, ich liebe es wenn Ryou vorkommt. Ich mag irgendwie diese unschuldige Freundschaft zwischen ihm und Yugi. Fand die schon immer irgendwie besondern, deshalb freu ich mich so, dass die beiden zusammen arbeiten. Passt einfach.
Aber armer Yugi. Fängt eine neue Stelle an, hat es alles andere als leicht und dann verdreht auch noch ein Kerl seinen Kopf xD als gäbe es nicht genug womit er sich rumschlagen muss. Wir kennens doch alle wenn man an einem neuen Ort ist, hat man so viel im Kopf und da hat es eigentlich kein Platz für weitere Sorgen.
Hoffentlich kommt Yugi über ihn hinweg. ^^ Schliesslich hat da wer anders ein Anrecht auf diesen Platz in seinem Herzen und Kopf.
Also ich bin weiterhin gespannt.

Nanbira
Antwort von:  Polarstern
23.09.2024 20:57
Ja, ich führe euch tatsächlich gerne an der Nase herum :D
Yugi hat einen Crush auf Mahado... xDD Ja, das muss er nun erstmal verarbeiten, dass er anscheinend auch Männer mag... Er kann sich ja schon mal mit dem Thema auseinandersetzen, bevor er mit Mahado zusammen kommt ;)
Oh, habe ich etwa vergessen dranzuschreiben, dass dies eine Alliumshipping FF wird? ^__^
Wer anders hat Anrecht auf den Platz? Hmmm... Soll er zurück zu seiner Ehefrau Rebecca? :D
Okay, gute Idee, wird umgesetzt :)
Von:  Nanbi
2024-09-22T11:39:25+00:00 22.09.2024 13:39
Huhu^^ da bin ich wieder.
Alsoo mir gefällt ja was das für eine Richtung annimmt. Kaiba in der Rolle als Yugis Chef kann ja noch richtig witzig werden. XD
Und einem auch Leid tun.
Da hat Yugi echt nicht das einfachste Los gezogen.
Ich bin echt gespannt was du dir da alles so ausgedacht hast für Yugi.
Ich liebe ja sowieso, wenn Seto Kaiba auch eine Rolle in diesen Geschichten spielen kann.
Ich finde er hat einfach einen besonderen Charakter. Er wirkt sehr kalt und arrogant, aber innerlich hat der in meinen Augen den total weichen Kern. Deswegen freue ich mich auf seinen Auftritt hier.
Ich glaube daran, dass du Seto ganz gut hinkriegst hier in der Geschichte. Zumindest gefällt er mir bisher ganz gut.
Somit ich freu mich auf dem weiteren Verlauf ^^

Nanbira
Antwort von:  Polarstern
23.09.2024 20:22
Ich finde die Idee auch amüsant, Kaiba als Oberarzt... der Assistenzarzt Yugi das Leben schwer macht >D Das wird spaßig!! *muhaha*
Verstehe mich nicht falsch, ich mag Yugi voll gern :) Ich quäle gerne meine Lieblingschars in meinen Stories etwas - sonst wärs ja nicht interessant :D
Ich gebe mir auf jeden Fall größte Mühe mit seinem Charakter ^^
Von:  Nanbi
2024-09-22T11:34:14+00:00 22.09.2024 13:34
Oh nein, Polarstern. Deine Kommentare kommen noch von mir. Ich habe die anderen beiden Kapitel auch direkt gelesen, aber hatte leider noch keine Zeit dir mein Feedback zu geben. Das kommt nun nach und nach. War etwas viel los in letzter Zeit xD

Alsoooo, ja da hast du mich an der Nase rumgeführt xD Ich dachte ja schon beim
Letzten Kapitel, dass das Atemu sein muss, aber neeeein. Vor allem habe ich damit gerechnet, dass er als Arzt tätig ist. Wobei dafür weiss man ja noch nichts über ihn wirklich, daher bin ich gespannt welche genaue Rolle er hier einnimmt.
Ich habe nicht mit Aknamkanon gerechnet muss ich sagen, aber ich finde er passt hervorragend in diese Rolle.
Ich finde ja sowieso, dass Aknamkanon viiiiiel zu selten in den Fanfictions vorkommt ausser die aus dem alten Ägypten. Aber ich liebe es, dass er in der modernen Welt auch mal einen Platz kriegt. War immer schon Fan von ihm.
Ich hoffe daher, dass er hier und da auch seinen Auftritt wieder haben wird. ^^
Ich könnte mir schon gut vorstellen, dass hier Atemu und Aknamkanon auch die Vater - Sohn Rolle haben werden, oder ich es mir zumindest erhoffe.
Ich finde du baust die Geschichte ganz gut auf. Es braucht ja auch diese Eingewöhnung von Yugi, weil sonst würde es ja auch zu schnell gehen, wenn von Tag 1 die Romanze beginnt.
Ich finde das braucht diesen Start.
Deswegen mach dir da keine Sorgen, dass deswegen noch nichts kommentiert worden ist. Ich denke das liegt wohl auch daran, dass wir alle älter geworden sind und nicht mehr so schnell die Zeit finden zu lesen und schreiben wie als wir noch jünger waren xD
Ich denke das kommt nach und nach, da glaub ich dran. Schliesslich gibt es immer noch ein Paar von uns die dieses Pairing lieben und Geschichten wie deine kommen viel zu wenig in letzter Zeit vor.
Ich finde es auch schön, dass du Aknamkanon auch diese gerechte und verständnisvolle Persönlichkeit lässt und in dieser Position ist das auch wirklich schön, weil so einen Chef hätten wir ja alle gerne der uns versucht zu verstehen und nicht total ungerecht wird.

Ich bin wirklich gespannt in welche Richtung das alles gehen wird und kann kaum auf das nàchste Kapitel warten ^^
Antwort von:  Nanbi
22.09.2024 13:54
Aber ich verstehe total, dass das verunsichernd ist, wenn zwei Kapitel lang keiner was schreibt. Deshalb hoffe ich dass du dich über mein Feedback freust und du somit neue Energie daraus schöpfst. Denn mich als Fan und Leser dieser Geschichte hast du auf jeden Fall. Und ich werde bis zum Ende hier bleiben, welches hoffentlich noch weit weg ist xD Du bist mein Puzzlesshipping-Stoff den ich regelmässig konsumieren muss. Auf Rezept meines Arztes natürlich xD

Nanbira
Antwort von:  Polarstern
23.09.2024 20:04
Huhu Nanbi :D

Wuah, 1000-DANK, dass du mich regelrecht mit Kommis überschüttet hast! So habe ich das gar nicht gemeint, du hättest nicht jedes einzelne Kapitelchen nachkommentieren müssen.^^ Ich freue mich aber dennoch riieesig, das du es getan hast. =D
Ja, du hast Recht, heutzutage hat man ein ganz anderes Leben und einen ganz anderen Zeitplan als früher. Ich bin jetzt zweifache Mutter, ist bei mir nicht anders xD'

*hrhrhr* Ja, ich habe Atemu schön versteckt ;) Eigentlich sollte er tatsächlich erst im nächsten Kapitel das erste mal vorkommen... Aber ich habe ihn selbst vermisst und nachdem ich ihn als "Pharao" angeteasert hatte, wollte ich ihn dann doch in die Story reinholen und habe die Szene vorgezogen.
Freut mich, dass du dich über Abnamkanon gefreut hast! Er ist ja wirklich auch Pharao... so "veräppelt" habe ich euch ja gar nicht ;D Ich mag ihn auch gern und finde es auch schade, dass der Gute so vernachlässigt wird. Aber gut, er kommt im Original nur kurz in 1 oder 2 Folgen vor, deshalb denken die meisten Fans leider nicht an ihn. u.u Ich versuche ihn auch so originalgetreu wie möglich zu lassen, ja :) Das stimmt, er ist ein toller Chef, den wohl viele gerne in Echt hätten ;)

Du kannst gespannt sein, wie es weiter geht =D Ich freue mich immer sehr, wenn ihr Spaß am Lesen meiner Texte habt. Dafür schreibe ich ja: Einmal mein eigener Spaß am Schreiben - und dann erhoffe ich mir, dass ihr auch soviel Spaß beim Lesen habt. :D
Und ich dich und andere natürlich - ein bisschen - aufs Glatteis schicken kann ;D
Hat ja 2x anscheinend prima geklappt xD

LG
Polarstern =D
Von:  Nala
2024-03-02T13:43:15+00:00 02.03.2024 14:43
Aaaw, vielen Dank für deine Geburtstagsgrüße! n_n Und du startest direkt mit einer neuen FF, wie cool! Was für ein interessantes, neues Szenario für Yuugi! Ich hoffe, er findet sich schnell ein :D Ich bin schon sehr gespannt, wer sein Vorgesetzter sein wird und fiebere mit ihm mit, sich die Namen schnell zu merken, zumindest ich bin da eeecht schlecht drin xD Ich freue mich schon, wie es weiter geht n_n Ist das in einem Krankenhaus wirklich so, dass man noch nicht vorher weiß, wer der Vorgesetzte ist? Na ich bin mir jedenfalls sicher, dass du sehr gefestigt in dieser Materie bist, also stelle ich das eigentlich nicht wirklich in Frage, sondern freue mich einfach, bald mehr zu lesen ^^
Liebe Grüße, Nala
Antwort von:  Polarstern
02.03.2024 22:21
Huhu Nala,

sehr gern :D Vielen Dank zurück fürs so schnelle Lesen und kommentieren :3
Diesmal plane ich viel mehr der YGO Chars einzubauen, als z.B. in Gravity. Also viele Namen zu merken. ^^ Im Moment habe ich ja genug Zeit zum Schreiben für mehrere Stories gleichzeitig. Zumindest bis Sommer wie du weißt, dann mal sehen XD"

Ich habs tatsächlich schon erlebt, dass in größeren Unternehmen teilweise erst kurzfristig entschieden oder bekannt gegeben wird, wohin mit dem/der Neuen. Man hat zwar schon eine ungefähre Vorstellung, für was er/sie eingeplant/eingestellt wird. Aber man wartet häufig auf die aktuelle Situation, wo gerade eine Personallücke auftaucht, weil mal wieder jemand spontan kündigt, länger krank ist, schwanger wird etc.

LG
Polarstern =D
Von:  Nanbi
2024-03-01T21:40:35+00:00 01.03.2024 22:40
So, nun bin ich noch hier gelandet.
Da du ja beim aktuellsten Kapitel von Gravity of Life erwähnt hast, dass du eine neue Geschichte schreibst, dacht ich mir ich guck doch schnell rein.
Klingt schon mal spannend und nach mal was anderes. Verzeih mir, aber die Tatsache dass Yugi hier im Bereich der Herzspezialisten tätig sein wird ist natürlich nachdem
Man Gravity of Life gelesen hat eine witzige Parallele :-D
Aber ich bin mega gespannt was einem hier erwartet und was für eine Richtung es annimmt.
Allerdings hab ich schon jetzt ein ungutes Gefühl bei der Thematik wer Yugis Supervisor wird. Ich spür da was und fiebere jetzt schon mit Yugi mit. Ich freue mich demnach auf diese neue Reise. ^^

Liebe Grüsse
Nanbi
Antwort von:  Polarstern
02.03.2024 22:07
Hey Nanbi,

vielen lieben Dank fürs Lesen und direkte kommentieren meiner neuen Story! Das freut mich sehr, dass du dich auch hierher verirrt hast und mir hier als Leserin treu bleibst! :D
Ja, lustige Parallele mit dem Herzspezialisten, das stimmt. Irgendwie habe ich da bei Yugi einen Narren dran gefressen XD" Er hat nun bei dem Thema vom Patienten zum Arzt auf die andere Seite rüber gewechselt. ^-^
Ich bin mal sehr gespannt ob du richtig liegst mit dem Supervisor ;D
Ich werde wohl noch etwas hier brauchen, da ich gerade an mehreren Stories schreibe und vor allem Gravity den Vorzug gebe, da diese kurz vorm Ende steht.

Bis bald
Polarstern :)


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