Zum Inhalt der Seite

Commanded Feelings

My wish is your desire
von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Prinz und Soldat

Vegeta der III. saß entspannt, fast lässig auf seinem Reittier. Einem großen, schneeweißen Säbelzahn, dessen wunderschönes Fell von einer schwarz getigerten Musterung verziert wurde. Das blau-goldene Zaumzeug, welches in der Sonne funkelte, machte kaum Geräusche, als die große Kampfkatze ihre mächtigen Pranken auf die Erde setzte. Man sah ihr an, dass sie einem erstklassigen Stammbaum entsprach; ebenso wie ihr Reiter.
 

Mit kalten und erhabenen Augen, ließ der gerade einmal zweiundzwanzigjährige Thronfolger, seinen Blick über die Soldaten gleiten, welche vor ihm in Reih und Glied standen. Es war ein herrlicher Tag auf ihrem Planeten Vegeta. Mitten in der wärmsten Jahreszeit und das Wetter meinte es wirklich gut bei dieser Inspektion. Wenn es regnete sah man nur halb so viel und jeder hatte das Bedürfnis, so schnell wie möglich wieder ins Trockenen zu kommen, auch der Prinz, der sehr bald König werden würde. Sein Vater, Vegeta der II. hatte bereits seinen Lebensabend erreicht und seine Siege und Eroberungen sprachen für seine Größe als König. Mehr und mehr hatte Vegeta der III. seine Regierungsgeschäfte in den letzten Jahren übernommen. Die eigentliche Ernennung zum Regenten war nur noch eine Frage der Zeit.
 

Neben Vegeta ritt sein erster Krieger Toman. Er war ein wenig kleiner als er selbst, hatte sich seine Haare zu einem kurzen Irokesen geschnitten und musterte die Reihen der Soldaten ebenso aufmerksam wie er selbst. Die große Katze die ihn trug war gold-gelb, mit helleren Punkten und hörte auf den Namen Nari. Der seiner Katze war Iru. Toman machte in letzter Zeit ständig Witze, wann es bei den beiden Katzen endlich Nachwuchs geben würde, denn sie verstanden sich ausgesprochen gut. Vegeta war von diesem Gedanken nicht so begeistert, denn in den höheren Rängen war es brauch, dass ein Säbelzahn bereits in jungen Jahren zu seinem Reiter kam, damit sich zwischen beiden eine Bindung aufbaute, die ein Leben lang anhielt. Die einzige Ausnahme war, wenn es Nachwuchs gab. In diesem Moment wurde dieser den Katzen wichtiger als alles andere. Der Prinz und baldige König hatte keine Lust, so kurz vor oder nach seiner Thronbesteigung, sich auf einen neuen Säbelzahn einstellen zu müssen; und sei es nur vorübergehend.
 

„Was meinst du?“, fragte Tomans klare Stimme und riss Vegeta damit aus seinen Gedanken. „Was soll ich meinen?“, entgegnete Vegeta schroffer als er wollte, weil er nicht wusste was sein Freund meinte. „Ob wir den Tag nutzen sollen, um uns auch die Musterung der anderen Klassen anzusehen. Vielleicht erleben wir ja da etwas.“ Vegeta zog die Zügel an und Iru blieb stehen. Seine Miene war finster. „Drück dich deutlicher aus.“ Auch Toman hielt an und seine schwarzen Augen wanderten über die Reihen der stramm stehend Elitekrieger. „Hast du schon einmal erlebt, dass wir irgendetwas zu bemängeln hätten?“ „Nein.“ „Ja, eben. Es ist immer alles perfekt.“ „Und das soll etwas schlechtes sein?“ „Nein, natürlich nicht. Aber wäre es nicht wirklich mal eine Abwechslung, wenn wir etwas zu beanstanden hätten?“
 

Vegeta dachte über diese Worte nach. Natürlich wäre Abwechslung, an einem Ort wo Abwechslung nicht erwünscht war mal … nun ja, eine Abwechslung. Wie er aber Toman kannte, hatte der schon einen Hintergedanken. Toman sprach so etwas nicht an, wenn er nicht auf irgendetwas hinaus wollte. „Du willst mir also sagen, dass ...“, versuchte der Prinz endlich dem Grund dieses Gespräches auf den Grund zu gehen. „Wäre es nicht mal interessant einfach so und völlig unangekündigt bei den Musterungen der unteren Schichten aufzutauchen? Was meinst du, was die für Gesichter machen würden, wenn du da plötzlich erscheinst? Ich gehe jede Wette ein, die laufen durcheinander wie aufgescheuchte Wasserwatschler.“ Bei Tomans Vergleich mit den sehr nervösen und äußerst lauten, schmackhaften Vögeln musste Vegeta kurz grinsen. Die Vorstellung einfach mal in einer der Garnisonen vorbeizureiten, ohne Protokoll, um eine Probe deren Musterungen zu machen, war eigentlich gar nicht so übel.
 

Die Unterarme auf dem Knauf seines Sattels kreuzend und die Zügel locker lassend beugte er sich vor und überdachte diesen Vorschlag. „Du weißt, dass mein Vater das nicht gutheißen würde.“ Toman verdrehte die Augen. „Aber hat er dich nicht auch immer dazu angeregt deine eigenen Entscheidungen zu treffen?“ „Durchaus.“ Die Brauen Tomans hoben und senkten sich mehrmals schnell und bei dieser spitzbübischen Geste schüttelte Vegeta nur den Kopf. Seine Hand strich über sein Gesicht und den gerade erst gewachsenen, spitzen Bart um seinen Mund, dann richtete er sich im Sattel auf und wendete Iru. „Wer zuerst da ist, gibt einen aus.“
 

Dem weißen Säbelzahn die Fersen in die Flanken drückend, machte dieser einen weiten Satz und mit lang ausgreifenden Schritten und wehendem, roten Mantel ging es in halsbrecherischem Tempo aus dem Tor. Toman schüttelte belustigt den Kopf und tätschelte Nari das weiche Fell. „Was meinst du meine Süße, ob wir die beiden noch einholen?“ Nari gab ein lautes Brüllen von sich und ohne das Toman etwas dafür tun musste, setzt sie ihrem Katzengefährten hinterher. Allerdings holten sie den Prinzen erst ein, als dieser langsamer und in einen gemütlichen Trab verfallen war. Der Hügel auf dem das Königsschloss und die Anwesen der Elite thronten, hatten sie zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich gelassen und näherten sich sogar schon dem Ende der Mittelschicht.
 

Toman wurde langsamer. „Eigentlich dachte ich, wir gehen die Garnisonen hier besuchen.“ Auch Vegeta zügelte Iru und drehte sich im Sattel um. „Die kenne ich aber auch schon.“ „Doch nur mit Vorankündigung. Wenn ihnen Wochen im voraus mitgeteilt wird das die königliche Familie eine Inspektion plant.“ „Und trotzdem“, beharrte Vegeta. „Kenne ich sie schon.“ Toman schloss zu ihm auf. „Das heißt du willst ganz nach unten?“ „Ja.“ „In die Garnisonen der Unterschicht?“ „Ja.“ „Bist du dir sicher?“ „Hast du Angst?“, stichelte nun Vegeta, der seine Chance dorthin zukommen gefährdet sah. „Natürlich nicht!“, entrüstetet sich sein Freund und sah zu spät das siegessichere Grinsen des Prinzen. „Na dann“, meinte dieser nur lapidar und trieb seinen Säbelzahn zu einem gemütlichen Schritt an. Brummend folgte ihm Toman, seine eigene Idee verwünschend. Wenn der König mitbekam, dass er Vegeta in die untersten Ränge gelassen hatte, würde sein Kopf rollen.
 


 

„Verflucht Bardock, du hast mir die Nase gebrochen!“, maulte Gine und hielt sich das besagte und blutige Körperteil. Bardock jedoch lachte nur und reichte ihr kameradschaftlich ein Tuch, welches sie sich auch sogleich aufs Gesicht drückte. „Du hast es herausgefordert.“ Gine verdrehte die Augen und gab ihrem Spielkameraden aus Kindertagen einen Schlag an die Schulter, der sich gewaschen hatte. Sich die schmerzende Stelle reibend, ließ sich Bardock neben Gine in den Staub des Garnisonsplatzes sinken. Sie hatten die Kampfmusterung gut überstanden. Beide.
 

Jeden Monat wurden sie von stärkeren Saiyajins im Nah- und Fernkampf getestet. Wer nicht bestand, der flog raus. Und wenn man aus der Unterschicht kam, dann hatte man das deutlich beste Leben, wenn man zur Armee gehörte. Also wollte jeder aus den unteren Rängen zu ihr gehören. Da es aber nur begrenzte Plätze gab und sich irgendwer ja auch um die alltäglichen Arbeiten kümmern musste, waren die Plätze rar und heiß begehrt. Die Musterungen waren hart und man konnte auf Niemanden Rücksicht nehmen, auch nicht auf Freunde.
 

„Jetzt komm schon, Gine.“ Bardock stieß sie sanft mit seinem Ellenbogen an. „Sei mir nicht mehr böse. Du bist doch auch durchgekommen.“ Sie moserte, was ihn zum Schmunzeln brachte. „Ich lade dich auch zum Essen ein.“ Das Tuch verschwand von ihrem Gesicht und sie sah ihn durchdringend mit ihren schwarzen Augen an. „Ohne Limit?“, harkte sie nach und Bardock seufzte innerlich. „Ja, ohne Limit.“ „Die Spezialgerichte, die was kosten?“ „Sonst wärs ja keine Einladung wenn wir den Standartfraß der Kantine nehmen.“ Augenblicklich erhellte sich ihr Gesicht und sie begann regelrecht zu strahlen, als sie ihm um den Hals fiel. „Au verdammt!“, sofort zog sie sich wieder von ihm zurück und legte den Kopf in den Nacken. Bardock unterdrückte ein Grinsen. „Vielleicht sollte sich das mal der Fälscher ansehen.“ Sie warf ihm einen schälen Blick zu.
 

Fälscher war ein nicht ganz so schmeichelhafter Name in den unteren Rängen für Ärzte und das aus dem einfachen Grund, dass ihre Ärzte eben keine Ärzte waren. Den Arzt werden, konnte man nur mit einer hohen Bildung und die gab es in der Unterschicht nicht. Heilkundige, die ihr Wissen von ihren Eltern und Großeltern geerbt hatten allerdings schon. Da sie aber keine richtigen Ärzte waren, aber deren Beruf in der Unterschicht ausübten, hatte sich irgendwann der Begriff Fälscher eingebürgert. Auch wenn sie wirklich alles taten, was in ihrer Macht stand, versuchte man einen Besuch bei ihnen zu vermeiden.
 

„Na los jetzt“, munterte er sie auf. „Wird nicht besser, wenn der Knochen anschwillt und dann erst gerichtet werden muss.“ Gine maß ihn mit einem ihrer vernichtenden Blicke, erhob sich dann aber. „Das zahl ich dir beim nächsten Mal heim.“, grollte sie drohend und gab ihm einen Klaps auf den zerwuschelten Kopf, ehe sie davon stapfte, Bardocks Lachen im Rücken. Sich auf den Armen hinter seinem Körper abstützend genoss der einen Moment, das warme Licht der Sonne in seinem Gesicht. Heute war es wirklich verdammt warm, auch wenn der Schweiß auf seiner Haut bereits getrocknet war, spürte er noch die leichte Kühle, wenn der Wind darüber strich. Ein warmer und feuchter Hauch blies in seinen Nacken und bewegte seine Haare. Als sich kurz darauf der große Kopf seiner Säbelzahn über seine Schulter schob, begann er ihre Wange zu kraulen. „Na Resa? Dir ist es auch zu warm, oder?“
 

Die durchgängig rostrot gefärbte Katze schnurrte mit geschlossenen Augen und Bardock vergrub sein Gesicht in ihrem weichen Fell. Das ein Unterklasse eine Kampfkatze hatte, war eigentlich so gut wie unmöglich, denn leisten konnten sich die treuen Tiere meist erst die besser verdienenden Familien aus der Mittelschicht. Resa hatte er, als er noch jünger war und sie kleiner, aus einer Grube gerettet in die sie entweder gerutscht, oder geworfen worden war. Da die obere Hälfte ihres linken Ohres geblutet hatte und die Spitze fehlte, vermutete Bardock Letzteres. Kampfkatzen stammten alle aus Zuchten und je besser die Zucht, um so stärker die Merkmale. Große Tatzen, geschmeidige Muskeln, die Treue zu ihrem Reiter und ein guter Charakter. Aber auch ein makelloses Aussehen. Säbelzähne die vor ihrer Verbindung zu einem Reiter eine Wunde oder Auffälligkeit aufwiesen galten als beschädigt und fanden keinen Abnehmer. Also entsorgte man sie, denn die Kosten der Aufzucht waren für beschädigte Ware einfach zu hoch.
 

Er hatte es jedoch nicht übers Herz gebracht Resa dort einfach sterben zu lassen. Als Dank dafür hatte sie ihm mit ihrer ersten, schon gewachsenen Kralle zwei böse Narben auf der linken Wange in Form eines Kreuzes verpasst. Aber nachdem er sie dafür nicht geschlagen sondern einfach nur still an sich gepresst hatte, war sie ruhiger geworden und nun ja, unzertrennlich. Seine Eltern waren nicht begeistert gewesen, aber nachdem sie gesehen hatten, wie viel ihm die kleine Kampfkatze bedeutet hatte, waren sie den Weg der natürlichen Auslese gegangen, in dem Glauben früher oder später würde die Katze eh sterben. Das sie sich geirrt hatten, sah man nun. Resa war gesund geblieben, hatte sich prächtig entwickelt und war zu einer wirklich stattlichen Säbelzahn geworden; um die ihn jeder in der Garnison beneidete.
 

Als sie knurrte öffnete Bardock seine Augen und sah sie verwundert an. „Was hast du denn?“ Die Antwort bestand in einem gesträubten Fell und sie wich ein kleines Stück zurück. Im nächsten Moment fiel ein Schatten auf den am Boden sitzenden Saiyajin. Irritiert hob Bardock den Kopf und brauchte einen Moment, bis sich seine Augen auf die neuen Lichtverhältnisse im Schatten eingestellt hatten. Vor ihm, als schwarzer Schemen vor der Sonne, ragte ein Reiter auf einer Kampfkatze auf und starrte zu ihm herunter. „Warum besitzt ein Unterklasse einen so edlen Säbelzahn? Erkläre dich!“, forderte die befehlsgewohnte Stimme und ein eisiger Schauder lief über Bardocks Rücken.
 


 

Vegeta war als erster in die Garnison geritten, recht unbemerkt wie er feststellte. Kaum jemand schien Wache zu halten oder es für nötig zu befinden, ihn anzuhalten. Vielleicht taten sie es aber auch einfach nicht, weil er auf Iru ritt. Kampfkatzen gab es in den unteren Rängen nicht und wenn doch, waren sie alt und ausgemustert und wurden für irgendwelche Arbeiten benutzt. Also war alleine schon an Iru zu sehen, dass er von weiter oben kam. Die Hände mit den Zügeln entspannt auf dem Sattel liegen lassend, überließ er es ihm, sich den Weg zu suchen.
 

In seinen Augen sah die Garnsion heruntergekommen aus, doch Toman erklärte ihm, dass sie nun mal am äußersten Teil der Stadt angekommen waren und er daher keinen Luxus erwarten könnte. „Und warum steht hier niemand Wache?“, hatte er immer schlechter gelaunt gefragt, weil ihm einfach nichts gefiel von dem was er hier sah. „Na hör doch“, hatte Toman ihm geantwortet und tatsächlich war Kampfeslärm an ihre Ohren gedrungen. Iru und Nari nun etwas antreibend, waren sie dem zentralen Platz der Garnison entgegen gestrebt, von welchem sie die Geräusche vernahmen. Sie hatten im Schatten eines Gebäudes angehalten, welches mehr Kühle versprach, als der sonnenbeschienene Platz.
 

Ihnen hatte sich ein wahres Spektakel geboten. Eine große, rechteckige Fläche, in kleinere Quadrate unterteilt, war von Saiyajins umringt. In jedem dieser Quadrate maßen sich zwei Soldaten miteinander. Wer verlor musste gehen, wer gewann kämpfte gegen einen anderen Gewinner und die leeren Quadrate wurden mit zwei frischen Kämpfern aufgefüllt. Einige Saiyajins, die eine etwas andere Rüstung trugen als der Rest, schritten zwischen den Quadraten umher und machten sich Notizen. „Ist das die Musterung?“, hatte Vegeta gefragt und Toman hatte ihm fröhlich mit 'Ja' geantwortet. „Und warum kämpfen sie?“ „Na weil nur so entschieden werden kann, wer bleiben darf und wer nicht. Du weißt doch, in den niederen Rängen herrscht ein stetes kommen und gehen. Da sie so schwach sind, muss ständig überprüft werden, ob sie Stand halten kommen, wenn es zu einem echten Kampf kommt.“ Vegeta hatte genickt. Das war verständlich.
 

Irgendwie ärgerte es ihn, dass er so wenig über die niederen Ränge und deren Gepflogenheiten wusste, aber dies war einfach nichts, womit er sich als Prinz oder bald als König, direkt auseinandersetzen musste. Seine Aufgabe war das große Ganze und die Elite. Für alles was darunter kam, waren seine Heerführer verantwortlich. „Uh, schau mal der da, der Große. Der sieht wirklich aus, als könnte er was.“ Toman machte ihn auf einen sehr großen und muskulös aussehenden Saiyajin aufmerksam, dessen sehr viel kleinerer Gegner einem jetzt schon leid tun konnte. „Ich glaube ich verstehe langsam, warum du die Musterung der unteren Ränge, denen der Elite vorziehst.“, sprach Vegeta. „Ach ja? Und warum?“, wollte Toman Wissen, ohne den Blick von dem ungleichen Kampf zu wenden. „Es ist einfach mehr los.“ Der Freund des Prinzen lachte, wollte etwas erwidern, als der kleine Krieger den Großen mit einem geschickten Manöver auskonterte und in den Dreck schickte.
 

„Das hab ich jetzt nicht erwartet.“, murmelte Toman verdrießlich, da seine Einschätzung der beiden völlig falsch gewesen war. „Welche meinst du?“, wollte Vegeta wissen und Toman zeigte mit dem Finger in die linke Ecke. „Siehst du den da? Mit dem roten Stirnband? Der hat gerade einen Gegner aus dem Weg geräumt der mal eben doppelt so schwer gewesen sein muss. Das war wirklich ein echt cleverer Kniff, den er da angewendet hat.“ Vegeta fand den Saiyajin unter den Kämpfenden und beobachtete ihn eine Weile. Er war groß, wenn auch nicht der Größte und hatte eine ziemlich wilde Frisur. Er bewegte sich geschmeidig, schnell, aber nicht überhastet und jede seiner Bewegungen schien gut überlegt zu sein und einen Sinn zu haben. Auch seinen zweiten Kampf schaffte dieser Saiyajin schnell und präzise.
 

Das er Iru angetrieben hatte, merkte Vegeta erst, als er die Sonne auf seinem Gesicht spürte. Ein wenig verwundert darüber hielt er an, war aber froh nun im Licht zu sein, denn dadurch konnte er den nächsten Kampf noch besser beurteilen. Die Art und Weise wie dieser Saiyajin kämpfte hatte sein Interesse geweckt, denn sie war, wie er an den anderen Kämpfenden erkennen konnte, nicht die übliche Art. Eine kleine Frau schien ähnliche Fähigkeiten zu haben, aber sie interessierte ihn nicht so sehr, wie der Mann.
 

Abermals ließ der Prinz seine Augen über den Kämpfer gleiten, musterte das Volumen seiner Oberarme, die unter dem schulterfreien Panzer gut zu sehen war, seine Körperproportionen, bei denen es immens wichtig war, dass sie ausgeglichen waren und kam zu dem Schluss, dass dieser Saiyajin eigentlich alle Voraussetzungen der höheren Klassen hatte, bis auf seine angeborenen Kraft. Schade, denn sein nächster Kampftrick konnte sich sehen lassen. Er parierte geschickt mehrere wilde Schläge, wartete den richtigen Moment in der Deckung ab und streckte seinen Gegner mit einem einzigen, gut gezielten Schlag an dessen Kinn nieder. „Das hat gesessen!“, kommentierte Toman neben ihm. „Der Kerl ist echt gut … für einen Unterklasse.“ Vegeta brummte eine Antwort und ließ seine Augen nicht von dem Saiyajin.
 

Irgendetwas an ihm, faszinierte ihn. Entweder die Geschmeidigkeit mit der er kämpfte, oder aber die Intelligenz, die hinter seinen Attacken standen. Oder aber … etwas völlig anderes, stellte er mit leisem Entsetzen fest, als er spürte, dass er bei dem Anblick des in der Sonne glitzernden Schweißes auf der Haut des Saiyajins, einen trockenen Hals bekam. Machte ihn der Kerl etwa an?! Undenkbar! Zwar hatte er schon so einige Erfahrungen mit Männern hinter sich gebracht, so bestand nämlich nicht die Gefahr einen Bastard zu zeugen, aber dennoch waren die Archetypen dieser Zusammenkünfte eher nicht kriegerischer Natur gewesen. Nicht alle Saiyajins hatten die Gene von Kriegern. Es gab auch solche, die für anderes bestimmt waren. Ärzte, Ingeneure, Wissenschaftler. Besonders in der Elite wurden solche Saiyajins gefördert und geschult. In den unteren Rängen wurden sie Handwerker, Arbeiter, Dienstleister. Sie waren fragiler gebaut und vor allen Dingen waren sie schwächer. Und genau solche fragilen, zarten Saiyajins bevorzugte er.
 

Um so mehr wunderte es ihn nun, dass er sich gerade von einem gänzlich anderen Typ Saiyajin angezogen fühlte. Für einen Moment musterte er Toman neben sich, der durchaus auch als sehr gutaussehend bezeichnet wurde. Nichts. Sein Blick wanderte zurück zu diesem Unbekannten und sofort zog sich sein Hals ein wenig zusammen. Vielleicht sollte er sich einfach mal wieder jemanden ins Bett holen. Sein Letztes mal war schon etwas her und das konnte auch schon der ganze Grund für dieses eigenartige Ziehen sein. Diesen Krieger würde er immerhin nach diesem Tag nie wieder sehen.
 

Besagter Krieger führte in eben diesem Moment wieder einen sehr durchdachten Schlag aus und traf seine kleine Gegnerin Mitten ins Gesicht, schickte sie zu Boden und wurde daraufhin als Sieger seiner Runde benannt. Der Saiyajin reichte er die Hand, um ihr aufzuhelfen und es war offensichtlich, dass sie sich kannten. Obwohl das Spektakel der Kämpfe weiter ging, folgten Vegetas Augen dem Saiyajin mit dem roten Stirnband, bis dieser sich am Ende des Platzes mit seiner Gegnerin hinsetzte und ihr ein Tuch für die Nase reichte. Sie unterhielten sich, was konnte er nicht verstehen. Nach kurzer Zeit stand sie auf und der Krieger genoss einen Moment die Sonne in seinem hübschen Gesicht … dann zog Vegeta scharf die Luft ein.
 

Der Kopf einer rostroten, großen Kampfkatze schob sich aus den Schatten der Mauer und legte sich auf die Schulter des Kriegers. Es war offensichtlich, dass die beiden eine Verbindung hatten und es war ebenso offensichtlich, dass dies kein altes, oder ausgemustertes Tier war, sondern sogar eines, dem Körperbau und der Größe nach zu schließen, von sehr guter Zucht. Woher hatte ein Unterklasse einen solchen Säbelzahn?! Eigentlich konnte er ihn nur gestohlen haben, als dieser noch klein gewesen war, eine andere Antwort gab es dafür nicht. Iru antreiben und ein Verbrechen an den höheren Rängen witternd, lenkte Vegeta sein Tier um die johlenden und um den Platz stehenden Saiyajins herum.
 

Der Säbelzahn bemerkte ihn schon nach kurzer Zeit und auch, dass er sich in einer nicht freundlichen Absicht näherte, denn er bleckte die langen Fangzähne und knurrte. Dies sprach zweifellos für die guten Instinkte des Tieres und das die Bindung zu seinem Reiter stark war. Der Säbelzahn erkannte die Gefahr, welche von Iru ausging, denn er war von allen Kampfkatzen, die gezüchtet worden waren, der Alpha, wie auch schon sein Vater, das Reittier von Vegeta dem II. es gewesen war.
 

So reitend, dass sein Schatten auf den Krieger viel und er somit den Lichtvorteil hatte, da sich die Augen des Saiyajins erst an die Veränderung gewöhnen musste, schaute er mit kaltem Blick auf ihn nieder. Vegeta musterte sein Gesicht und seinen Körper aus der Nähe, stellte fest, dass beides ihm gefiel, was dazu führte, dass das Ziehen in seinem Hals wieder einsetzte. Doch er ließ sich davon nicht ausbremsen. „Warum besitzt ein Unterklasse einen so edlen Säbelzahn? Erkläre dich!“, forderte er mit der ganzen Autorität seines Auftretens und stellte zufrieden fest, wie der Krieger vor Überraschung seine Augen aufriss und blinzelnd zu ihm hoch sah.

Desinteresse und Verlangen

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Traum und Realität

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Abends und Morgens

Es war spät geworden, stellte Gine fest, als sie sich dem Gebäude näherte in welchem Bardock und sie untergebracht waren. So lange hatte sie eigentlich gar nicht verschwinden wollen. Aber das Bardock mit dieser Pitaya abgehauen war … nun, es war nicht zu leugnen, sie war eifersüchtig gewesen. Zum Glück hatte Acai sie wirklich gut ablenken können. Er war ein durchaus angenehmer Gesprächspartner. Vor allem im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern seines Teams. Sie hatten sich einen Platz auf der Mauer gesucht, in den Nachthimmel geschaut und Acai hatte den Planeten und ihre Mission in allen Facetten geschildert. Sie hatte Fragen gestellt, er hatte sie beantwortet, und nun ja, so war die Zeit verstrichen. Am Ende hatten sie einfach nur noch schweigend die Sterne beobachtet und sich freundlich voneinander getrennt. Sie mochte den Kerl. Wenn seine Leute endlich aufhören würden ihnen die Aufträge wegzunehmen, könnte sie sich durchaus eine Freundschaft mit ihm vorstellen.
 

Die Arme über ihren Kopf reckend, bis es in den Schultern krachte, gähnte sie. Es wurde wirklich Zeit für ihr Bett. An dem Gebäude ihrer Unterbringung angekommen, verlangsamte sich jedoch ihren Gang und ihre gut gelaunte Miene verfinsterte sich. „Das darf doch wohl nicht wahr sein!“, entfuhr es ihr frustriert, als sie im Fenster ihrer Räumlichkeiten Bardocks Stirnband hängen sah. Teammitglieder teilten sich eine Unterkunft. Dabei hatte es Vor- und Nachteile das sie nur zu Zweit waren. Der Vorteil war, dass sie genug Platz hatten, der Nachteil, dass die Kosten pro Kopf höher waren, als bei Acais Team, die sich zu viert die gleiche Wohnfläche teilen mussten. Und noch ein gewaltiger Nachteil mit einem Kerl ein Team zu bilden war, dass er ständig jemanden mitbrachte.
 

Natürlich brauchten sie beide manchmal die Unterkunft nur für sich, wo der andere gestört hätte, doch bei Gine war das meistens, wenn Bardock ihr auf die Nerven ging und sie ihn rausschmiss, um sich zu beruhigen. Bei Bardock … nun ja, Gine konnte sich vorstellen, wer da gerade bei ihm war und das machte es absolut nicht besser. Das Stirnband im Fenster zeigte ihr an, dass sie weg bleiben sollte und so drehte sie sich frustriert und auf der Stelle um, und stapfte erst einen Moment den Weg zurück, welchen sie gekommen war, dann änderte sie die Richtung. Es war verflucht spät und sie brauchte Schlaf, denn sie hatte am nächsten Morgen die frühe Wartungsschicht und da musste sie fit sein.
 

Ihre Hand senkte sie auf den Türgriff und sie war schon dabei ihn herunterzudrücken, als sie es sich noch einmal anders überlegte. Wollte sie die beiden wirklich sehen? Nein, definitiv nicht! Mit einem frustrierten Laut drehte sie sich von der Tür weg, ging einige Schritte und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand. Die Zeit, die sie warten musste wurde ihr lang, auch wenn es kaum zehn Minuten waren, bis sich die Türe öffnete und natürlich Pitaya herauskam. Sich dabei die langen Haare über die Schulter werfend und mit einem durch und durch zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht. Dann fiel ihr Blick auf Gine, die sie finster anstarrte und sie zog die Türe zu.
 

„Gine? Was machst du denn hier?“ Nichts in ihrer Stimme klang so, als würde sie diese Frage wirklich interessieren. Mit kurvenden Hüften, ging sie auf die kleine Saiyajin zu. „Darauf warten das ihr fertig werdet. Nicht alle von uns haben frei, weil sie erfolgreich eine Mission abgeschlossen haben.“, antwortete Gine giftig. Pitayas Lächeln machte einem Überheblichen Platz. „Tja, ich dachte du wärst mit Acai unterwegs.“ „War ich auch.“ „Dann war der Gute aber schnell mit dir fertig.“ Gine blinzelte verblüfft. Dann wurden ihre Wangen rot. „Wir haben nicht…!“, echauffierte sie sich, doch Pitaya unterbrach sie, in dem sie ihr den Kopf tätschelte. „Ich geb dir einen guten Rat, Kleine. So von Frau zu Frau. Wenn man so aussieht wie du, dann kann man froh sein, dass man überhaupt einen abkriegt. Wählerisch zu sein, bringt einem da gar nichts.“
 

Gine schnappte nach Luft. „Du dummes Miststück!“, entfuhr es ihr. „Was bildest du dir eigentlich ein?!“ Völlig unbeeindruckt lächelte Pitaya auf Gine herab und warf sich abermals die Haare zurück. „Nun, ich kann immerhin haben wen immer ich will. Und Bardock solltest du dir aus dem Kopf schlagen. Der spielt in einer anderen Liga als du.“ Gines Fäuste ballten sich. „Wenigstens, bin ich die ganze Zeit mit ihm zusammen!“, konterte sie, doch Pitaya lächelte nur süffisant. „Mal schauen, wie lange noch.“, warf sie Gine im weggehen noch zu, die ihr mordlüstern hinterher starrte.
 

Beruhige dich, beruhige dich, beruhige dich, sagte sie sich immer wieder in Gedanken und versuchte ihren Puls und Herzschlag unter Kontrolle zu bekommen. Das sie Pitayas Worte stärker getroffen hatten als sie zugeben wollte, wollte sie sich nicht anmerken lassen. Wenigstens war Resa auf ihrer Seite. Die Kampfkatze konnte diese Schlampe nämlich auch nicht leiden und Bardock würde niemals eine Bindung eingehen, wenn Resa dagegen war. Zumindest hatte er ihr das einmal gesagt und sie hoffte inständig, dass dies noch Gültigkeit für ihn hatte.
 

Tief, tiiieeef durchatmend betrat sie ihren Wohnbereich und hörte als erstes das Wasser im Waschraum rauschen. Es roch … nach körperlicher Aktivität. Sie beeilte sich das Fenster aufzumachen und legte Bardocks Stirnband auf den Tisch. Dann klopfte sie, lauter als sie das gewollt hatte, an die Tür zum Waschraum. „Bardock? Beeil dich mal, ich hab morgen die Frühschicht!“ Das Wasser hörte auf zu rauschen und einen kurzen Moment später trat ihr Freund aus Kindheitstagen durch die Tür, ein Handtuch um die Hüften und sich mit einem weiteren die Haare trocken reibend. Wasser lief ihm noch über die Brust und glänzte im Licht. „Ist frei.“, murmelte er. „Seh ich.“, gab Gine giftig zurück, was den Krieger dazu veranlasste unter dem Handtuch zu ihr zu sehen. „Was'n los?“ Verdammt, sie hatte sich etwas anmerken lassen! Da das ihr Wut noch mehr schürte, beschloss sie das Offensichtliche vorzuschieben und funkelte ihren Freund zornig an.
 

„Du hast verdammt nochmal gewusst, dass ich morgen die Frühschicht habe. Und trotzdem hast du...“ Sie konnte es nicht aussprechen, funkelte Bardock aber weiterhin an. Der hatte sich das Handtuch auf die Schultern gelegt und hob beschwichtigend die Hände. „Tut mir leid. Das war nicht geplant. Hat sich so ergeben.“ Gine schnaubte. „Bei dir ergibt sich in letzter Zeit öfters was.“ „Ist doch nicht schlimm.“, rechtfertigte Bradock sich, wobei er sich fragte, was eigentlich Gines Problem war. „Nicht schlimm?! Wir hängen seit Monaten hier fest, ohne einen gescheiten Auftrag. Langsam wird unser Geld knapp. Wenn du dich mal darum so kümmern würdest, wie um diese 'hat sich so ergeben' Sachen, dann wären wir schon längst unterwegs!“ „Was kann ich denn dafür, dass die Aufträge im Moment rar sind?“ „Gar nichts.“ „Was soll das dann jetzt?“
 

Gine blieb ihm die Antwort schuldig und starrte ihn an. Ignorierte die Wassertropfen, die den Wölbungen seiner muskulösen Brust folgten und schlug ihm die Tür zum Waschraum vor der Nase zu. Bardock versuchte sie wieder zu öffnen. Es war abgeschlossen und er klopfte dagegen. „Gine?“ Irgendetwas stimmte da doch nicht mit ihr. Sie war doch sonst nicht so zickig. Hatte Acai etwa irgendwas mit ihr angestellt? Wenn ja, würde er ihn in seine Einzelteile zerlegen. „Gine? Ist alles in Ordnung?“ „Ja“, kam es von hinter der Tür. Allerdings hörte sie sich nicht in Ordnung an. „Gine, mach auf. Lass uns reden. Du sagst mir doch sonst auch immer alles.“ „Geh schlafen!“ „Gine...“ „Ich sagte, geh schlafen Bardock! Lass mich einfach in Ruhe!“
 

Er trat von der Tür zurück, betrachtete sie und wand sich dann zum Fenster, um es zu schließen. Danach löschte er das Licht, ließ die Handtücher zu Boden fallen und schlüpfte in sein Bett, welches im Hauptraum stand. Er zog sich die Decke über die Hüften, schob eine Hand unter seinen Kopf und betrachtete die Decke. Was nur mit ihr los war? Seine Augen wanderten zur Waschtür, als das Wasser dahinter zu rauschen begann. Ob Acai wirklich etwas getan hatte? Bardock hatte ihn immer als den Vernünftigsten aus der Truppe eingestuft. Zusammen mit Pitaya. Die anderen beiden waren allerdings Schwachköpfe. Oder lag es daran, dass sie wirklich schon so lange hier fest saßen? Machte ihr das so zu schaffen? Er würde Gine am nächsten morgen noch einmal fragen, denn er mochte es nicht, wenn es ihr schlecht ging. Dafür hatte er sie zu gern. Wie eine Schwester, die er niemals gehabt hatte.
 

Schon in ihrer Kindheit hatte er es gehasst, wenn sie schlecht drauf, oder verletzt war und hatte dann immer alles dafür getan, dass sie wieder lachte. Er mochte ihr Lachen, ihre fröhliche Art, aber auch ihre Belehrende, wenn sie ihm den Kopf gewaschen hatte und wusch, weil er etwas dummes, oder zu gefährliches angestellt hatte. Diese Erinnerungen brachten ihn zum Lächeln. Sein Leben wäre leer gewesen, ohne ihre fröhliche, stürmische Art. Acai würde sein blaues Wunder erleben, wenn er für ihre schlechte Laune verantwortlich war! Niemand tat seiner kleinen Gine weh.
 

Das Wasser hörte auf zu rauschen und kurze Zeit später öffnete sich die Tür. Gine machte kein Licht, als sie den kleinen Raum mit Bardocks Bett, dem Tisch und den zwei drei Sitzgelegenheiten durchschritt. „Gine“, sagte er in die Dunkelheit und konnte hören, wie sie in ihrem Gang inne hielt. „Ja?“ „Gute Nacht.“, sagte er mit einem Lächeln das sie nicht sehen konnte. „Gute Nacht, Bardock.“, erwiderte sie und er hörte an ihrer Stimmlage, dass sie sich wieder beruhigt hatte. Also war es wohl wirklich ihre derzeitige, nichtstuende Situation. Er hörte wieder ihre Schritte, dann das öffnen und schließen der Tür, welche zu einem kleinen Nebenraum führte, in dem nur ihr Bett und einige Kisten mit ihrer beider Habseligkeiten Platz hatten.
 

Bardock hatte ihn ihr überlassen, als sie hier eingezogen waren. Er hatte es damals spielerisch und neckend gesagt, dass eine Frau nun mal ein Anrecht darauf hatte, Privatsphäre zu haben und er ihr huldvoll anbot, sich zu opfern und im Hauptraum zu schlafen. Sie hatte gelacht und so getan, als wäre sie von seinem Witz und seiner Selbstaufopferung begeistert gewesen. In Wahrheit aber hatte er ihr den Raum angeboten, weil jeder, der zu ihr wollen würde, auf diese Art und Weise erst einmal an ihm vorbei musste. So konnte er sie beschützen. Wenn Gine das jemals herausfinden würde, würde sie ihm die Eier abschneiden. Er schmunzelte. Ja, das war seine Gine. Und mit diesem Gedanken und einem friedlichen Lächeln auf den Lippen, schlief Bardock ein.
 


 

Toman erwischte Vegeta ungedeckt bei ihrem morgendlichen Training und schickte den Thronfolger auf den Boden. Verflucht! Das war nun schon das dritte Mal, dass Toman ihn so getroffen hatte. Er musste sich zusammen reißen. So unkonzentriert war er schon lange nicht mehr gewesen. Tomans Hand kam in sein Blickfeld und er nahm sie an und ließ sich auf die Beine ziehen. „Was ist denn los mit dir, Vegeta? Normalerweise machst du mich doch jeden morgen fertig.“ Der Prinz schnaubte und blieb die Antwort schuldig, was Toman dazu veranlasste nachzubohren. „War Cinmen so gut letzte Nacht, dass du dir alle Gehirnzellen weggevögelt hast? Wobei du ja ziemlich schnell mit ihm fertig warst und dann dafür dann ne beschissene Laune hattest.“
 

Der mordende Blick Vegetas ließ Toman die Hände heben, den Kopf senken und einige Schritte von seinem Prinzen zurücktreten. „Das war unangebracht. Bitte entschuldige.“ Der Thronfolger schnaubte nur, ging einige Schritte und nahm sich ein Tuch, um sich den Schweiß vom Körper zu wischen. Danach spritzte er sich das bereitgestellte Wasser ins Gesicht und nahm einen langen und ausgiebigen Schluck aus einem Kelch, der ihm von einem Sklaven gereicht wurde. Toman hatte genau das angesprochen, was ihm im Kopf herumging. Nun vielleicht nicht genau das, aber zumindest etwas, was damit zu tun hatte. Das Training gerade hatte ihm zwar geholfen diesen gewissen Traum zu vergessen, aber es hatte nicht dazu geführt, dass er sich besser fühlte. Vor allem, weil wegen diesem Traum, seine Gedanken nicht beim Training gewesen waren.
 

„Toman.“ „Ja, mein Prinz?“ „Ich brauch mal etwas anderes.“ „Wie … meinst du das?“, wollte Vegetas Freund und Leibwächter irritiert wissen. „Na, besteigst du immer die selben Frauen?“ Toman grinste und schnappte sich auch einen Kelch. „Wenn sie gut sind, warum nicht?“ Vegeta brummte und Toman musterte seinen zukünftigen Herrscher. „War Cinmen nicht gut?“ „Doch.“ „Aber?“ Vegeta schnaubte und Toman beantwortete sich seine Frage selbst. „Er war nicht das, auf was du Lust gehabt hast.“ Wieder blieb Vegeta die Antwort schuldig. „Mein Prinz“, setzte Toman an und Vegeta konnte aus der Stimme heraushören, dass er ihm etwas vorschlagen wollte, was ihm nicht gefallen würde. „Mir ist bewusst, warum du dich lieber mit Männern einlässt. Das bringt weniger Komplikationen mit sich. Aber vielleicht verlangt es dich nun nach einer Frau?“
 

„Mit Nichten. Die fasse ich erst an, wenn ich verheiratet bin.“ Vegeta drehte sich von Toman weg, bewegte seine Schultern, seine Arme und schritt wieder auf die Trainingsfläche. Sein Leibwächter folgte ihm. Er konnte seinen Prinzen gut verstehen. Als sie jünger gewesen waren, hatte Vegeta mitbekommen, wie sein Vater alle seine Bastardbrüder und Schwestern hatte beseitigen lassen. Es hatte nur einen Thronanwärter zu geben, und der hatte reinrassig zu sein und unangefochten. Als Vegeta in das Alter gekommen war, wo er sich begonnen hatte die Hörner abzustoßen, hatte er dies ausschließlich mit Männern getan. Einmal, nur ein einziges mal hatte Toman ihn danach gefragt. 'Ich will kein totes Leben in die Welt setzen.', war die Antwort seines Prinzen gewesen. Danach hatte Toman die Wünsche und Gelüste seines Herrn niemals wieder in Frage gestellt.
 

Vegeta ging ihm gegenüber in Kampfposition und Toman hob seine Arme. Er hatte immer versucht, Vegetas bevorzugtes Nachtleben im Palast nicht publik werden zu lassen. Das war immerhin seine Aufgabe als Leibwächter. Den Prinzen vor Schaden zu bewahren und dazu gehörten auch Gerüchte, geflüsterte Worte, oder Andeutungen. Vor allem, wenn diese an die Ohren seines Vaters dringen konnten und diesen vielleicht zu dem Schluss bewogen, dass es an der Zeit war, seinem Sohn die Spielereien mit den Männern auszutreiben und ihm einige Frauen an die Seite zu setzen. Vegeta der II. war in diesem Punkt nicht zimperlich. Wenn er auf den Gedanken kommen würde, dass sein Sohn kein Interesse hatte die Blutlinie fortzuführen, weil seine Leidenschaften etwas anderem galten, dann wäre es für seinen Prinzen mit dessen Freiheiten sehr schnell zu Ende. Bisher ging der König davon aus, dass sein Sohn ein wohl gehütetes und für einen Prinzen passend bemessenes Nachtleben führte. Und so sollte es auch bleiben. Dafür würde er sorgen.
 

Des Prinzen Schlag, traf Toman unvorbereitet. Viel zu spät bemerkte er ihn und riss seinen Arm zum Block hoch. Vegeta grinste. „Jetzt hab ich dich erwischt.“ Toman erwiderte das Grinsen Vegetas und setzte zu einem Konter an. Mit schnellen Schlägen und Tritten jagten sie sich über das Trainigsfeld, die Wand hoch und landeten mit einem deutlich hörbaren Rums wieder auf dem Boden. Sie hatten sich schon vor Jahren geeinigt auf Energieattacken und das Fliegen bei diesen morgendlichen Übungen zu verzichten. Vegeta fand es angenehmer den Körper nach einer Nacht in Schwung zu bringen. Es machte wach und schärfte den Verstand für den Tag.
 

„Um nochmal auf das Thema zurückzukommen“, setzte Toman zwischen zwei Tritten an. „Wenn es keine Frau ist und nicht das was du sonst bevorzugst … was soll es dann sein?“ Immerhin lag ihm daran seinen Prinzen sexuell ausgeglichen zu halten. Das machte sein Leben leichter, aber auch das vieler anderer und beugte dummen, unüberdachten Situationen vor. Vegeta setzt zu einem weiten Schwinger an, Toman wich aus und konterte, was Vegeta blockte. „Ich will was kräftigeres haben.“ Ungewollt bildete sich in Tomans Geist das Bild von einem fetten Saiyajin. Er blinzelte. Vegeta erwischte ihn und schickte ihn auf den Boden, holte zum Schlag aus, doch Toman rollte sich weg und sprang wieder auf die Füße. „Was kräftigeres?“, fragte er irritiert und wich den nächsten Angriffen aus. „Ja, was kräftigeres. Etwas mit Muskeln, mit Kraft. Einen Krieger, Soldaten.“ „Ach so.“ Toman war deutlich erleichtert. „Du suchst also eine Herausforderung im Bett?“ Er ging in die Hocke und holte seinen Prinzen, der nicht schnell genug reagierte, mit einem Fußtritt von den Beinen. Dann warf er sich auf ihn und nagelte ihn am Boden fest. Er grinste breit. „Na, wie wäre es denn dann mit mir?“
 

Vegetas Gesichtszüge entgleisten. Unter anderen Umständen wäre Toman beleidigt gewesen. Doch er war ganz froh diesen Ausdruck in seines Prinzen Gesicht zu sehen. Er hatte nämlich, bei allem Respekt und aller Freundschaft, nicht die geringste Lust ihm seinen Arsch hinzuhalten. Auch, wenn es die beste Lösung gewesen wäre, denn Toman war sich sicher, dass er die Geheimnisse Vegetas unter keinen Umständen Preis geben würde. Mit einem schnellen und geschickten Manöver befreite sich Vegeta unter ihm und sie kamen zeitgleich auf die Beine. „Das war ein Scherz, oder?“, fragte Vegeta misstrauisch. „Natürlich war das ein Scherz!“, empörte sich Toman. „Was denkst du denn von mir?“ „Gut. Ich habe nämlich keine Lust mir einen neuen Leibwächter zu suchen.“ Sie sahen sich an, dann grinsten sie und schlenderten einvernehmlich zu den Handtüchern und Wasserschüsseln. „Hast du Angst, du würdest mit mir nicht klarkommen?“, stichelte Toman noch etwas weiter und brachte Vegeta zum Lachen. „Du könntest dich hinterher nicht mehr bewegen.“ Toman verzog das Gesicht.
 

„Nein“, setzte Vegeta nach einer kurzen Pause, in der sie beide etwas tranken wieder an. „Aber es gibt Dinge, die du einfach nicht wissen musst und die ich auch nicht von dir wissen will. Und dazu gehört, was du für Vorlieben im Bett hast. Sonst kann ich dich ja nie wieder ansehen, ohne zu lachen.“ „Haha“, erwiderte Toman trocken. Er griff nach einem neuen, angewärmten und eingeöltem Handtuch, reichte es Vegeta und nahm ein Zweites für sich selbst. Sie rieben sich ihre Muskeln ab und genossen das Gefühl des warmen Öls, welches Verspannungen vorbeugte. „Du willst also etwas kräftigeres“, nahm Toman das Gespräch erneut auf. „Sonst noch irgendwelche Wünsche?“ Vegeta sah zu Toman und überlegte. „Besorge mir jemanden, dessen Haare wild abstehen.“
 


 

Als Bardock am nächsten Morgen aufwachte, war Gine bereits zu ihrem Dienst verschwunden. Er selbst hatte noch etwas Zeit bis der Seine begann. Es wäre wohl eine gute Idee, wenn er diese mit Resa verbringen würde. Ein schneller Ritt am frühen Morgen belebte nicht nur ihre Geister. Also machte er sich, nach einem kurzen Abstecher in die Kantine für das Frühstück auf zum Schuppen, in dem er Resa ein Plätzchen hatte freiräumen dürfen. Die Kampfkatze begrüßte ihn mit einem freudigen Schnurren und rieb ihren großen pelzigen Kopf an seiner Brust. „Na mein Mädchen? Gut geschlafen.“ Sie schubste ihn mit ihrer Schnauze, wobei ihr Schwanz einmal kräftig durch die Luft peitschte. Bardock lachte. „Wenigstens ein weibliches Wesen, dass sich freut mich zu sehen. Komm, wir brauchen beide ein bisschen Bewegung.“
 

Er holte das einfache Reitgeschirr, welches er selbst gebaut hatte, legte es ihr an und sie gingen nebeneinander aus dem Schuppen. „Hey, Bardock. Hast du heute morgen auch frei?“ Resa knurrte leise und ihr Fell sträubte sich. Bardock hingegen drehte sich mit einem Lächeln um und hob seinen Arm um Pitaya zu begrüßen. Sie kam mit einem breiten Grinsen auf ihn zugeschlendert und legte ihm, als sie an ihm vorbei ging, wie beiläufig die Hand auf den Arm. Dann wollte sie Resa streicheln, doch die Kampfkatze machte zwei verspielt wirkende Sätze von ihr weg. Pitaya verzog ihren Schmollmund. „Sie scheint immer noch nichts für mich übrig zu haben. Wie schade.“
 

Bardock lächelte entschuldigend. „Wahrscheinlich hat sie einfach nur schlecht geschlafen und ist jetzt nicht erfreut über die Verzögerung.“ „Verzögerung?“ „Ich wollte mit ihr einen kleinen Ausritt machen.“ „Da kann ich doch mitkommen. Oder sind zwei zu schwer für sie?“ Bardock sah zu Resa, die sie aufmerksam und aus Distanz beobachtete. „Das nicht. Aber ich glaube es wäre ihr nicht recht.“ „Schade“, erwiderte Pitaya mit enttäuschter Stimme. „Dann lass mich euch aber wenigstens zum Tor begleiten. Oder hat sie da auch etwas dagegen?“ Bardock, der nicht wollte das Pitaya wegen Resas Verhalten beleidigt war, lächelte entschuldigend und sah von der Saiyajin zu seiner Kampfkatze. „Ich denke, da wird sie nun einfach durch müssen.“
 

Pitaya griff lächelnd nach seinem Arm und schmiegte sich beim Gehen an ihn. „Hast du über mein Angebot von gestern nachgedacht?“ Es war ihm anzusehen, dass er mit seiner Antwort nicht zufrieden war. „Ein … wenig.“ „Und? Wohin tendierst du?“ Er verschaffte sich Zeit, indem er den Kopf wand und zu Resa zurückblickte, die ihnen mit Abstand folgte. „Ich würde mich gerne eurem Team anschließen, aber ich schätze, Carambol und Gine werden da etwas dagegen haben.“ Pitaya schnaubte. „Lass Carambol mal meine Sorge sein und was Gine angeht … ich glaube sie und Acai würden ein echt gutes Team abgeben. Zu sechst kämen wir auch an die großen Aufträge ran. Das würde uns allen gut tun.“
 

Bardock schwieg und Pitaya ließ ihm die Zeit über ihre Worte nachzudenken. Er war sich nicht ganz so sicher wie sie, dass das so reibungslos laufen würde. Zumal Gine nicht die einzige zu sein schien, die davon nicht begeistert sein würde. Er sah zurück zu Resa und Pitaya errieht worum sich seine Gedanken drehten. „Resa wird sich schon an mich gewöhnen, keine Angst. Mir ist auch bewusst, dass eine Teamzusammenführung nicht von einer Mission auf die Nächste funktioniert. Zumal ihr beide doch bisher immer nur zu Zweit unterwegs wart, oder?“ Die Frage war rhetorisch. Sie wusste ganz genau das Bardock und Gine von klein auf zusammen trainiert und ausgebildet worden waren. „Da müssen wir uns einfach Zeit lassen“, meinte sie aufmunternd. „Wichtig ist, dass wir es angehen.“ Er brummte zustimmend und sie merkte, dass sie es nun besser dabei beließ und ihn nicht weiter bedrängen sollte.
 

Als das Tor in Sicht kam, hielt sie ihn an, um ihm einen langen Kuss zu geben. „Ich wünsch euch beiden viel Spaß da draußen. Sehen wir uns heute Abend wieder in der Kantine?“ Bardock sah sie unter halb gesenkten Lidern an und grinste zweideutig. „Nur in der Kantine?“ Sie erwiderte das Grinsen und presste sich einen Moment an seine muskulöse Vorderseite. „Wenn du mit Gine sprichst, dann vielleicht auch danach.“ Er umfasste ihren Körper und packte sie mit beiden Händen am Hintern. „Ich rede mir ihr.“ „Gut.“ Pitaya kicherte, gab ihm einen weiteren Kuss und löste sich dann von ihm. „Bis heute Abend, Bardock.“ „Bis heute Abend, Pitaya.“ Er sah ihr zu, wie sie mit wiegenden Hüften davon ging, ehe er sich zu Resa umdrehte. Seine Kampfkatze sah ihn an, als hätte sie jedes Wort verstanden, was seine gute Laune und Vorfreude ein wenig dämpfte.
 

„Ach jetzt komm schon, du Fellknäul.“ Er ging auf sie zu und streichelte sie zwischen den Augen. „Jetzt tue mal nicht so, als wäre sie eine Unsaiyajin. Das wäre für uns eine verdammt große Chance in der Hyrachie ein wenig nach oben zu kommen, mhm? Ein neuer Sattel für dich, etwas mehr Geld für uns, was wiederrum bedeutet, dass ich besseres Futter für dich besorgen kann. Alle gewinnen.“ Resa maunzte. „Siehst du“, Bardock lächelte und schwang sich auf ihren Rücken. „Du bist der Sache doch gar nicht so abgeneigt.“ Wieder ein Maunzen. Der Saiyajin griff nach den Zügeln und trieb sie aus dem Tor. Resa würde es ihm zu Liebe vielleicht tun. Was Gine davon hielt, stand auf einem ganz anderen Planeten.

Hoffnung und Ernüchterung

Toman hatte sein Kinn gedankenverloren auf die Hand gestützt und starrte vor sich hin. Nach dem Trainingskampf mit seinem Prinzen war er sich erst frisch machen gegangen, anschließend hatte er sein Frühstück wie immer einnehmen wollen. Auf dem Weg zu seinen Räumen war ihm Vegetas Forderung jedoch nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Also hatte er sein Ziel geändert und war sich in der Kantine der Palastwachen etwas zu Essen holen gegangen. Das war zwar qualitativ bei weitem nicht so gut, wie jenes, welches ihm eigens zubereitet wurde, aber hier war er nun mal direkt zwischen dem, was sich sein Prinz zur Zeit wünschte. Und was er organisieren musste.
 

Seine Gabel tockte in einem stetigen Rhythmus auf die Tischplatte. Natürlich hatte sein Erscheinen für Aufsehen gesorgt. Die Soldaten tuschelte, sahen verstohlen zu ihm und steckten gleich darauf die Köpfe wieder zusammen. Zuerst hatte Toman versucht sie alle unbemerkt zu beobachten, doch schon bald waren seine Gedanken abgedriftet und hatten sich um das veränderte Verhalten seines Prinzen gedreht. Da er Vegetas engster Vertrauter war, kannte er ihn verdammt gut und wusste, dass diese Art Veränderungen eigentlich nicht sein Stil waren. Also grübelte er darüber nach. Woran konnte das liegen? Und wann hatte es angefangen? So etwas musste er wissen, vorausahnen. Es ärgerte ihn, dass es ihm diesmal misslungen war.
 

Nach der letzten Inspektion, stellte Toman fest. Als sie in dieser Baracke bei der Unterklasse vorbei geschaut hatten. Wo sie auf dieses unverschämte Nichts getroffen waren. Danach hatte es Momente gegeben, in denen sich Vegeta nicht so verhalten hatte, wie Toman ihn kannte. Sein Prinz war diszipliniert, hasste vergeudete Zeit und mochte Effizienz. Er war zielstrebig und jederzeit Herr seiner Emotionen und Handlungen. Wenn er es nicht wollte, dann merkte man ihm nichts an. Selbst er, der mit ihm aufgewachsen und mit ihm erzogen worden war, um ihm als Vertrauter und Leibwächter zu dienen und später, wenn Vegeta König war, als rechte Hand, hatte Schwierigkeiten in ihm zu lesen, wenn Vegeta das nicht wollte. Doch in der letzten Zeit … Toman schüttelte den Kopf und schob sich etwas zu Essen zwischen die Lippen. Er kaute, schluckte, doch schmeckte kaum, was er da aß. Konnte es vielleicht an dieser Begegnung liegen? An diesem Unterklassekerl?
 

'Besorg mir jemanden dessen Haare wild abstehen.', hatte sein Prinz von ihm gefordert und vor Tomans innerem Auge blitzte das Bild des Kriegers auf. Er hatte abstehendes Haar gehabt. Toman schüttelte den Kopf. Nein, das war unmöglich. Vegeta würde niemals Interesse an so jemandem hegen. Unmöglich! Das war absolut unvorstellbar. Aber was wäre dann der Grund für sein Verhalten? War es vielleicht etwas was der Kerl zu ihm gesagt hatte? Toman hatte nicht alles verstanden und Vegeta hatte ihn davon abgehalten, weitere Konsequenzen gegen den Unterklasse einzuleiten. Was eigentlich sehr vorausschauend war, denn dann wäre dieser inoffizielle Ausflug womöglich ans Licht gekommen. Toman war sich sicher, dass der König ihm den Schwanz stutzen ließ, wenn er erfahren würde, wohin er den Kronprinzen hatte gehen lassen.
 

Vielleicht war ja das die Lösung? Vegeta hatte alles was dieses Nichts gesagt und getan hatte nicht bestraften lassen und darauf verzichtet, ihn auf seinen rechtmäßigen Platz zu verweisen. Wenn ihn das nun im Nachhinein beschäftigte? Doch selbst wenn das wahr wäre, warum sollte Vegeta sich dann wünschen, jemand ähnlichen für sein Bett zu haben? Dieses zu teilen war immerhin eine Ehre und die würde der Kronprinz mit Sicherheit an Niemanden vergeben, der ihm nicht den nötigen Respekt zollte.
 

Toman stieß geräuschvoll den Atem aus. Das war ihm zu kompliziert. Er würde sich Vegetas Wunsch fügen, wie das seine Pflicht war und wie er das immer tat. Die Gründe hierfür … gingen ihn schlicht nichts an. Auch wenn es natürlich besser wäre, wenn er diese kennen würde, um zu verstehen, warum sein Prinz so handelte. Im besten Fall war sein Verlangen nach einer Nacht gestillt und es würde sich alles normalisieren, im Schlechtesten würde der Soldat, welcher mit ihm das Bett teilte seinen Gefallen finden und eine neue Position in Vegetas Nähe bekommen, die man irgendwie erklären musste, aber auch dafür fand sich eine Lösung. Alles, um seinen Prinzen bei Laune zu halten. Schließlich wusste er selbst auch, dass sich Geschmäcker ändern konnten, gerade bei einem Saiyajin in ihrem Alter. Immerhin bevorzugte er selbst seit einiger Zeit auch eher erfahrenere Vollblutsaiyajins, mit vollen Brüsten. Früher hatte er sich eher von den zarten Vertreterinnen angezogen gefühlt, wohingegen ihm jetzt einige Muskeln und Kampferfahrung nichts mehr ausmachten. Im Gegenteil sogar. Vielleicht erlebte sein Prinz auch gerade nur die gleiche sexuelle Wendung, die er vor einiger Zeit erlebt hatte.
 

Diese Gedanken brachten ihn zum Grinsen. Wenn das so war, dann hatte er Vegeta endlich mal etwas voraus. Und vielleicht konnte er diesbezüglich sogar den ein oder anderen Satz fallen lassen, um ihn ein wenig zu ärgern. Sonst war es nämlich immer der Prinz, der in allem der Erste war. Wie es eben auch die Pflicht des Thronfolger verlangte. Was nicht bedeutete, dass Toman auch seinen Stolz und seinen Ehrgeiz als Krieger und Mann hatte und es ihn, tief in seinem Inneren wurmte, nie einen Stich gegen Vegeta landen zu können.
 

Die Nähe eines Saiyajins, der in seinen persönlichen Wohlfühlbereich eindrang, holte Toman aus seinen Gedanken und ließ ihn den Kopf heben. Vor ihm stand ein Diener, in der Kleidung der Palastboten. Er hatte ein Pad in der Hand und neigte den Kopf. „Meister Toman, verzeiht die Störung.“ Toman winkte ab. „Was gibt es?“ Der Bote reichte ihm das Pad. „Die Informationen um die ihr gebeten habt.“ „Ah ja.“ Toman nahm das Pad entgegen, als ihm der Bote ein weiteres reichte. „Und eine Nachricht von König Vegeta.“ Sofort straffte sich Tomans Gestalt. Er setzte sich gerade hin, nahm das Pad entgegen und begann es zu lesen. Der Bote wartete.
 

Schnell tippte Toman einige Zeilen in das Pad, verschlüsselte es wieder, denn nicht jeden ging jede Nachricht etwas an und reichte sie dem Boten zurück. „Bring das zum König.“ „Jawohl.“ Der Bote nickte und verschwand rasch aus Tomans Blickfeld. Jener rieb sich über das Gesicht. Der König wollte, dass er bei einer Besprechung von ihm und seinem Sohn dabei war. Das war … ungewöhnlich und konnte nur bedeuten, dass es um etwas ging, was auch sein Aufgabenfeld miteinbezog. Er grübelte was dies sein könnte, doch ihm fiel nichts ein. Also erhob er sich. Nun denn, er würde es bald erfahren. Erst einmal musste er Vegeta suchen. Denn ein Leibwächter sollte stets an der Seite seines Herrn zu solch einem Treffen gehen. Alles andere wäre eine Majestätsbeleidigung.
 

Auf der Suche nach seinem Prinzen, studierte er unterwegs das von ihm selbst angeforderte Datenpad. Je weiter er mit seiner Liste vorankam, um so zufriedener wurde er. Da waren doch ein paar vielversprechende Kandidaten dabei, die genau dem entsprachen, was sein Prinz gefordert hatte. Sehr gut. Nach dem Treffen mit dem König würde er Vegeta die Auswahl präsentieren und dann konnte der sich seinen Favoriten auswählen. Wenn er endlich seine Befriedigung bekommen hatte, war dieser ganze Spuk hoffentlich vorbei, ohne weitere Kreise zu ziehen.
 


 

Gine war mit ihrem Dienst fertig, hatte sich erfrischt und war danach zu Resa gegangen. Sie hatte lange mit der großen Katze gespielt, länger als sie das gewollt hatte und war viel zu spät zu ihrem täglichen Training aufgebrochen. Aber Resa schien das gebraucht zu haben und ihr selbst hatte die Ausgelassenheit, nach der Unstimmigkeit mit Bardock, gut getan. Ein wenig den Kopf frei kriegen, ein wenig Ablenkung. Ihr darauffolgendes Training allerdings, verlief wieder nicht so gut. Sie war viel zu fahrig, machte Fehler und kassierte einige derbe Tritte und Schläge. Ihre Gedanken waren nicht fokussiert und ihr ging der letzte Abend nicht aus dem Kopf.
 

Als sie einen Moment verschnaufend am Seitenrand saß und sich von der letzten Niederlage erholte, legte sich eine Hand auf ihre Schulter. Mit einem Lächeln sah sie nach hinten. „Bardock?“ Doch es war nicht Bardock. „Oh, Acai, du bist's.“ Er lächelte sie an und setzte sich neben sie, die Beine angewinkelt, die Ellenbogen locker auf den Knien. „Na, nicht so gut gelaufen?“ Sie rieb sich durch die kurzen Haare, ehe sie die Arme hinter sich absetzte und sich zurücklehnte. „Katastrophal.“ Dabei verzog sie das Gesicht. „Geht mir auch oft so, wenn ich mit den Falschen trainiere.“ „Es waren nicht die Falschen.“ Acai sah sie fragend an. „Ich war einfach nicht bei der Sache.“ „Schlechten Tag erwischt?“ Sie sah zu ihm, begegnete seinem ruhigen Blick und musterte sein Gesicht. Die kurzen Haare mit den etwas längeren Strähnen die ihm ins Gesicht standen, den kurzen Bart, den er nur am Kinn trug und das kantige Gesicht mit der etwas zu langen Nase. „Könnte man sagen“, beantwortete sie seine Frage mit etwas Verspätung und als sie beschlossen hatte, dass er bleiben durfte.
 

Acai nickte und schwieg, sah ebenfalls zum Trainingsfeld und zu dem Paar, dass es nach Gine in Beschlag genommen hatte. Gine war ihm dankbar, dass er nicht weiter fragte. Sie wollte nicht reden. Sie wollte es vergessen. Wie sie jeden Streit mit Bardock vergessen wollte. Sie vertrug es einfach nicht gut, wenn sie sich stritten, oder auch nur eine Meinungsverschiedenheit hatten. Klar, sie waren Freunde seit sie Kinder gewesen waren und Streits und Meinungsverschiedenheiten gehörten dazu, und ja, zugegeben, manchmal genoss sie diese auch, aber niemals, wenn es um dieses spezielle Thema ging. Früher hatte sie nie etwas dazu gesagt, obwohl es ihr schon immer etwas ausgemacht hatte, wenn Bardock sich … nun ja, wenn er sich mit anderen Frauen traf, aber seit Pitaya sich so offen an ihn heran machte, stellten sich sämtliche Härchen an ihrem Schweif auf. Dieses blöde Miststück. Wenn sie könnte, würde sie ihr die Augen auskratzen und ihren Schweif rasieren. Das Bardock es aber auch einfach nicht bemerkte! Waren männliche Saiyajins wirklich so dumm? Es war doch offensichtlich das diese Zicke sich nur wegen Resa an ihn heran machte und weil er gut aussah. Darüber hinaus interessierte sie sich einen Scheißdreck für ihn.
 

Bevor sich ihre Gedanken weiter um Pitaya und alle möglichen Grausamkeiten drehten, die sie vor hatte ihr anzutun, riss Acais Stimme sie aus diesen Gedanken. „Das Feld ist frei. Hast du Lust?“ Sie sah zu ihm. Musterte seine kleiner und drahtige Gestalt, die kurzen Haare, welche ihm wild ins Gesicht fielen und überlegte. Er war nicht so groß und massig wie Bardock, aber das musste nichts heißen. Er konnte so groß sein wie sie und trotzdem viel stärker. Aber ja, warum eigentlich nicht? Es war zwar nicht ganz fair, aber vielleicht konnte sie so ihrer schlechten Laune etwas Luft machen. Mit einem Nicken sprang sie auf die Füße und schritt, die Schultern dehnend auf den Trainingsplatz. Sie machte ein paar Kniebeugen, drehte ihren Oberkörper nach links und rechts und hüpfte dann von einem Bein auf das andere.
 

Acai beobachtete sie dabei und ein sanftes Lächeln stahl sich auf seine Züge. Er mochte Gine. Hatte sie vom ersten Moment an gemocht, als er ihre Stimme gehört und dann neugierig nachgeschaut hatte, wer da so herumschrie. Sie hatte Bardock aus irgendwelchen Gründen rund gemacht und den größeren Saiyajin aussehen lassen, wie einen kleinen Jungen, der sich von seiner größeren Schwester eine Standpauke anhören musste. Keine drei Atemzüge später war Bardocks Säbelzahn aufgetaucht, hatte seinen großen Kopf auf Gines Schulter gelegt und sie hatte lachend ihr Gesicht in ihrem Fell vergraben. Das war der Moment gewesen, der sein Herz hatte schneller schlagen lassen. Dieses unbeschwerte Lachen, welches ihrem ganzen Wesen zu entsprechen schien.
 

Leider war ihre zweite, oder eigentlich erste, richtige Begegnung dann nicht so angenehm verlaufen. Da Bardock, Gine und Resa neu in der Kaserne waren, waren sie natürlich an diesen Tagen das Gesprächsthema Nummer eins gewesen, vor allem wegen Bardocks Wehrkatze. Als ihre beiden Gruppen sich beim Training am nächsten Tag begegneten, nahm alles seinen Lauf. Carambol war gleich auf Bardock zugegangen und hatte klarstellen wollen, dass er der Alpha in dieser Kaserne war. Bardock hatte sich das nicht gefallen lassen und zwischen den beiden war ein heftiger Kampf ausgebrochen, den Bardock sehr knapp gewann. Aber eben gewann. Verständlicherweise keinen guten Voraussetzungen, um Gine besser kennenzulernen. Vor allem, weil Pitaja Bardock nach dem Kampf schöne Augen gemacht hatte und das nicht zur Verbesserung ihrer aller Beziehung beigetragen hatte. Außerdem hatte sich sein Bruder an diesem Tag auch noch über Gine lustig gemacht. Ihre Größe, ihre schlanke Figur … ja, es gab diese Momente, da würde er Acero am liebsten an den Hals gehen, ob seiner vorschnellen Art.
 

In den Wochen danach war es nicht wirklich besser geworden. Carambol hatte seine Niederlage nicht auf sich sitzen lassen können und hatte Badock ein weiteres Mal herausgefordert. Diesmal hatte er gewonnen. Die beiden schienen ungefähr gleich stark zu sein und lieferten sich seit dieser Zeit einen unerbittlichen Wettstreit. Im Moment stand es unentschieden, wenn sich Acai nicht irrte. Pitaja sorgte derweil mit ihrem Charme bei der Kasernenkommandantur dafür, dass ihre Gruppe die begehrtesten Aufträge bekam, was ihnen einen deutlichen Vorsprung vor allen anderen Teams bescherte und sie, ungeachtet Carambols und Bardocks Wettstreit, als das beste Team in der Kaserne galten.
 

„Acai? Alles in Ordnung?“ Acai hob den Kopf und bemerkte, dass er Gine gegenüber auf dem Trainingsplatz stand, sie aber wohl einfach nur angestarrt hatte. Er ging ein Stück in die Knie und hob die Arme. „Entschuldige, ich war in Gedanken.“ „Nicht sehr schmeichelhaft, wenn du mich nicht ernst nimmst.“, scherzte sie als Antwort, was ihn zum Grinsen brachte. „Ich würde dich immer und überall ernst nehmen, Gine. Ich weiß was du kannst.“ Sie hielt eine Sekunde in ihren gewichtsverlagernden Bewegungen inne und diese eine Sekunde nutze Acai, um auf sie zuzuspringen, sie zu packen und vor sich über den Sand des Bodens zu schieben. Gine blieb auf den Beinen, hielt ihr Gleichgewicht, so das er sie nicht wegschleudern konnte und nach wenigen Herzschlägen, hatte sie sich von ihrer Überraschung erholt und grinste ihn kampfeslustig an. Mit einer sehr schnellen Bewegung, ihre geringe Körpergröße ausnutzend, ging sie in die Knie, rammte ihren Fuß direkt vor den Seinen, griff mit ihren Händen nach seinem Arm und nutzte seine Geschwindigkeit, als auch die Hebelbewegung, um ihn über ihren Körper und in die Luft zu befördern. Mit beiden Beinen stieß sie sich vom Boden ab.
 

Da sie kleiner als die meisten Saiyajins war, war Sprungkraft etwas, was essenziell war, um in einem Kampf konkurrenzfähig zu bleiben. Also hatte sie ihre Beine trainiert und genau das bekam Acai nun zu spüren. Wie eine Kugel rollte sie sich in der Luft zusammen, drehte sich und trat Acai in den Magen. Der größere Saiyajin krümmte sich, schaffte es aber ihr Fußgelenk zu packen und sie in der Luft zu sich heranzuziehen, sie mit seinen Armen zu umschlingen und sie gefangen zu halten. Zappelnd segelten sie dem Boden entgegen, Gine zu unterst, Acai über ihr. Doch das ließ sie nicht auf sich sitzen. Ihre Arme noch dichter an ihren Körper ziehend, sich kleiner machend, als sie eh schon war, schaffte sie es so viel Luft zwischen Acais Griff und ihren Körper zu bekommen, dass sie aus seiner Umklammerung schlüpfen konnte. Dabei packte sie seinen Arm, verdrehte jene und schleuderte Acai über ihren Rücken hinweg gen Boden. Er kam unsanft mit seiner Kehrseite im Sand auf, während Gine mit beiden Knien einen weiteren Treffer in seinen Magen landete. Einen Moment blieb ihm die Luft weg.
 

Mit einem breiten Grinsen sprang sie auf und hüpfte ein Stück von ihm weg, blieb in Bewegung, tänzelte von einem Bein auf das andere. Acai musste ein weiteres Mal husten, um wieder richtig Luft zu bekommen, ehe er auf die Beine springen konnte und seine Arme hob. Gine enttäuschte ihn nicht und es war ein gutes Training. Endlich konnte er mal gegen einen kleinen und agilen Gegner kämpfen. Da er meistens mit seinem Bruder trainierte, der ähnlich wie Carambol auf seine Körpergröße setzte, war dieser Schlagabtausch eine lehrreiche Erfahrung für ihn. „Das war richtig gut.“, lobte er sie, was sie zu einem Lächeln verleitete. „Ja nicht? Finde ich auch.“ Und das wiederum brachte ihn zum Grinsen. Das war es, was er so an ihr mochte, was er liebte. Diese unbeschwerte Art. Er würde sie zu gerne einmal in einem richtige Gefecht erleben. Sie war bestimmt ein unglaublicher Anblick auf dem Schlachtfeld.
 

Kaum gedacht, preschte sie auf ihn zu. Acai ging weiter in die Hocke, um einen tieferen Standpunkt zu bekommen, da er vermutete sie würde seine Beine angreifen. Eine Fehleinschätzung. Sie sprang vor ihm in die Luft, trat aus der Drehung heraus nach seinem Gesicht, er blockte, sie drehte sich in der Luft weiter, ihr Oberkörper beugte sich gen Boden, ihre Hände berührten den Sand, ihre Beine schwangen über seinem Kopf. Die perfekte Position um nun seinerseits in ihren Magen zu schlagen, dachte er, holte aus, doch da hatte sie sich schon vom Sand in die Luft katapultiert und machte einen Salto über seinem Kopf. Acai wirbelte herum, sah noch aus den Augenwinkeln, wie sie hinter ihm aufkam, realisierte das er zu langsam war, hob in der Drehung seines Körpers einen Arm, und konnte Gines Faustschläge ablenken, aber nicht verhindern. Sie trafen seine ungeschützte Seite und einen Teil seines Rückens, mehrfach schmerzlich.
 

Durch die nicht geplante Drehung seines Körpers und den durch die Hocke herbeigeführten tiefen, stehenden Schwerpunkt brauchte er zu lange, um wieder einen festen Stand zu finden. Der eine Schritt, den er dazu seitlich machen musste und den Moment, da sich sein Fuß dafür in der Luft befand nutzte Gine gnadenlos aus. Sie ließ sich fallen und brachte ihn mit einem Fußfeger gänzlich aus dem Gleichgewicht. Während er mit seinem Rücken erneut im Sand landete nutzte Gine den Schwung ihres Fegers aus, um wieder auf die Beine zu kommen und sich frech auf Acais Hüften zu setzen, seine Oberarme packend und sie gen Boden drückend. Mit einem dreisten Grinsen und schwer gehendem Atem, nagelte sie ihn so am Boden fest. „Gewonnen“, warf sie ihm neckisch entgegen. „Du musst eindeutig schneller werden.“ „Das“, antwortetet Acai mit einer Erwiderung ihres Grinsens und zwischen zwei Atemzügen. „Kommt mir auch so vor.“
 

Sie starrten sich einige Herzschläge an und Acai konnte nicht sagen, dass ihn ihre Position sonderlich störte. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte Gine dort wo sie war gerne sitzen bleiben können. Leider unterbrach ein Klatschen den angenehmen Körperkontakt und sie erhob sich von ihm. Den Kopf drehend sah Acai Bardock näher kommen. Er war es auch, der leise Klatschte. Gine trat mit einem großen Schritt über Acais Körper hinweg, so das sie nun nicht mehr über sondern nur noch neben ihm stand und streckte ihm weiterhin grinsend die Hand entgegen, welche er gerne ergriff. Sie half ihm auf die Beine und begann sogar an seiner Rüstung herumzuklopfen, um den Dreck davon zu entfernen. Er wollte sie davon abhalten.
 

„Keine Chance, Acai.“, kommentierte Bardock das Ganze schmunzelnd. „Das macht sie bei mir auch ständig. Wie eine große Schwester, die es nicht leiden kann, dass sich ihr kleiner Bruder ständig einsaut.“ Gine unterließ sofort ihre Abklopfversuche, verzog das Gesicht und Acai bemerkte die sachte Röte, die ihren Hals hinauf kroch. Er fand das durchaus anziehend. Bardock reichte Acai die Hand. „Ihr habt gut gekämpft, ihr beide.“ Acai ergriff die Hand. „Na, nicht wirklich. Ich war nicht darauf vorbereitet das sie so schnell ist.“ Die beiden großen Saiyjains sahen zu Gine, die von einem zum anderen blickte. „Was?“, fragte sie mit einer empörten Geste ihrer Hände, welche sich zu einer hoch und runter Geste zu den beiden männlichen Saiyjaingestalten wandelte. „Habt ihr euch mal im Spiegel betrachtet? Wie soll man denn gegen so was ankommen, wenn man nicht schnell ist. Ihr begrabt mich ja unter euch, wenn ich nicht aufpasse.“
 

Die beiden Saiyajins sahen sich an und grinsten kurz. Acai hob die Hand und hüstelte, während Bardock seinen Arm breit grinsend um Gines Schulter schlang und ihr durch die kurzen Haare wuschelte. „Ich hab das ernst gemeint, Gine.“ Sie schob mit vorwurfsvollem Blick seinen Arm von ihren Schultern. „Ich auch.“ Er hob seine Hände, um anzuzeigen, dass er aufgab und sah wieder zu Acai zurück. „Das war aber wirklich mein Ernst. Ihr beide habt gut zusammen gekämpft.“ Acai sah von ihm zu Gine und beobachtete sie, wie sie Bardock beobachtete. So etwas wie Widerwillen machte sich in ihm breit, denn der andere Saiyajin schien diesen Blick nicht zu bemerken. „Ja, danke.“ Eine Pause entstand, die nach wenigen Momenten begann unangenehm zu werden. „Wie dem auch sei“, Acai tat so, als müsste er noch einmal husten. „Ich schätze, ich werde mal zu meiner Truppe zurückgehen.“ Gine sah zu ihm und streckte ihm ihre Hand entgegen. „Danke für den Kampf. Wenn du magst, ich verprügle dich gerne wieder.“
 

Er lachte pflichtschuldig und ergriff ihre Hand, hielt sie einen Moment länger fest, als er das hätte machen sollen und lächelte sie noch einmal mit einem Nicken an. Ein kürzer ausfallendes Nicken bekam auch Bardock zum Abschied, ehe er sich abwante und schweigend Distanz zwischen sich und sie brachte. Dieser Trottel schien es nicht einmal zu merken, dabei war es doch so offensichtlich. Es war so offensichtlich, wie Gine ihn ansah. Zumindest für ihn. Aber vielleicht, er blieb kurz stehen, wendete den Kopf und sah den beiden zu, wie sie sich unterhaltend in Richtung der Wohngebäude aufmachte, war es auch einfach nur für ihn so offensichtlich, weil er sich wünschte, dass Gine ihn mit diesem Blick betrachten würde. Er atmete tief ein und rieb sich über das Gesicht. Seine Seite und sein Magen schmerzten. Auch wenn er es gerne würde, ganz so schnell wäre ein weiterer Kampf mit ihr wohl nicht ratsam. Also würde er einen anderen Weg finden müssen, um in ihre Nähe zu kommen. Eines war sicher, er würde sie nicht so schnell aufgeben. Auf gar keinen Fall. Mit einem schmerzverzerrten Aufzischen beschloss er, an diesem Abend noch den Fälscher aufzusuchen. Gine hatte es echt in sich.

Hiobsbotschaften und Hiobsbotschaften

Prinz Vegeta pfefferte das Datenpad, welches er von seinem Vater bekommen hatte, einmal durch sein Zimmer. Zum Glück landete es weich und blieb somit heil. „Verfluchte Scheiße!“, donnerte er, woraufhin Iru sich herab ließ seinen großen Kopf durch die Vorhänge zu strecken, welche seinen Schlafbereich von den Räumen des Prinzen trennten. Toman war hinter Vegeta eingetreten, ungewöhnlich ruhig und schweigsam. „Das kann doch nicht sein verdammter Ernst sein!“, machte der Prinz seinem Frust weiter Luft und ließ sich auf eine der Sitzgelegenheiten fallen. Toman schwieg weiter. Normalerweise war Vegeta nicht so unbeherrscht. Doch das Treffen mit seinem Vater war … nun, gelinde gesagt ein Schlag in die Eier für ihn gewesen.
 

„Warum ausgerechnet jetzt?“ Vegeta sah zu Toman. „Kannst du mir das sagen?“ „Nein, mein Prinz.“ Vegeta schnaubte. „Warum jetzt? Was habe ich getan? Hab ich irgendeine meiner Aufgaben etwa nicht zu seiner vollsten Zufriedenheit erfüllt?“ „Das habt ihr, mein Prinz.“ „Warum also dann? Warum bestraft mich mein Vater so?“ „Ich“, kam es zögerlich von Toman. „Denke nicht, dass er das als Strafe sieht.“ Vegeta schnaubte abermals. Dann stand er auf, holte sich das Pad zurück und setzte sich mit genervtem Gesichtsausdruck wieder hin. Er schaltetet es ein, überflog die ersten Daten, wobei seine Miene immer mürrischer wurde, bis er schließlich das Gesicht angeekelt verzog und das Datenpad neben sich fallen ließ.
 

„Warum, beim Blute, verlangt er jetzt schon eine Heirat von mir? Kannst du mir das sagen?“ „Nein, mein Prinz.“ Vegetas Augen fokusierten Toman, dann kniff er sie zusammen. Toman wurde heiß unter seiner Rüstung. „Kannst du mal damit aufhören?“ „Womit, mein Prinz?“ „Genau damit! Ich brauch jetzt keinen Leibwächter. Ich brauch einen Freund.“ Toman atmete tief durch und setzte sich zögerlich Vegeta gegenüber. „Was soll ich dazu sagen, Vegeta? Es war doch klar, dass das früher oder später passieren würde.“ Der Kronprinz brummte. „Später wäre mir lieber gewesen.“ „Trotzdem ist es jetzt passiert. Immerhin hat der König dir Zeit gegeben dich mit dem Gedanken anzufreunden und deine Wahl zu treffen.“
 

„Meine Wahl treffen“, echote der Prinz verdrieslich und warf Toman das Pad zu. „Hier schau. Schau sie dir an und triff eine Wahl. So kann man sich doch nicht die Saiyajin aussuchen, mit der man den Rest seines Lebens verbringen soll.“ Toman fing das Pad auf und schaltete es pflichtschuldig an. Eher beiläufig ging er die Daten der dort aufgeführten Saiyajin durch. „Bei eurem Vater wurde die Hochzeit, von eurem Großvater arrangiert. Er hatte gar kein Mitspracherecht bei eurer Mutter.“ Der finstere Blick seines Prinzen sagte deutlich, dass es nicht das war, was er hören wollte. Toman verzog das Gesicht. „Ja, schon gut. Es ist scheiße. Zufrieden?“ Vegeta brummte, war aber milder gestimmt und lehnte sich zurück, starrte an die Decke.
 

„Ob es für diese Entscheidung einen Grund gibt? Irgendetwas was passiert sein könnte?“ Er grübelte nach und fragte dann Toman, ohne ihn anzusehen. „Ist dir irgendetwas zu Ohren gekommen?“ „Nein, gar nichts.“ Einen Moment kehrte Stille ein. „Ich denke, es ist wie seine Majestät gesagt hat, er hat darauf gewartet, dass ihr von euch aus eine Saiyajin erwählt, oder zumindest in eure Nähe holt. Da dies nicht geschehen ist, will er es nun selbst vorantreiben.“ Der Prinz brummte ungehalten: „Das Thema hatten wir doch erst.“ „Ja, richtig.“ Toman atmete tief ein. „Wäre es denn eine Option, dass ihr nun vielleicht selbst die Augen offen haltet und eine Saiyajin ins Schloss holt, die ihr für geeignet haltet? Vielleicht würde euer Vater dann das Ultimatum verlängern?“
 

Vegeta sah seinen Leibwächter wieder an. „Dann kann ich auch jemanden von der Liste einladen.“ „Es gibt also wirklich keine Saiyajin, der ihr schon begegnet seid, die ihr ins Auge fassen könntet?“ „Toman“, setzte Vegeta mit belehrendem Ton an. „Ja?“ „Wie lange dienst du mir jetzt schon?“ „Fast mein ganzes Leben.“ „Und wie lange kümmerst du dich schon um meine sexuellen Ausflüge?“ „Äh, seit ihr … bereit dafür seid?“, versuchte Toman es taktvoll auszudrücken. „Und wann in dieser Zeit hat es den Anschein gemacht, dass es da eine gäbe, die in Frage kommt?“ „Gar nicht?“ „Warum stellst du mir dann so dumme Fragen?“ „Es hätte ja sein können, dass ich nicht alles mitbekommen habe.“ „Du räumst also ein, deine Aufgabe nicht gut erfüllt zu haben?“
 

Toman öffnete den Mund zu einer Antwort und schloss ihn wieder. Vegeta grinste und winkte ab. „Ein Scherz.“ „Schon klar.“ Dann überlegte er. „Aber wäre es vielleicht möglich, dass dein Vater etwas von deinen Vorlieben mitbekommen hat?“ Vegeta schnaubte und winkte ab. „Ich denke, dann hätte ich mir schon längst etwas anhören dürfen und wäre vermählt. Ihm wird klar sein, dass ich mich austobe, aber so lange ich keinen Bastard zeuge, wird ihm das herzlich egal sein. Da gibt es wichtigeres.“ „Wie eure Heirat.“ „Wie meine Heirat.“, wiederholte Vegeta zerknirscht und strecke nach kurzem Zögern die Hand gen Toman aus. Der gab ihm das Datenpad zurück und Vegeta scrollte es durch.
 

Eine Zeit lang herrschte Schweigen zwischen ihnen, dann ergriff der Prinz abermals das Wort: „Wie sieht es eigentlich mit meinem Wunsch von heute morgen aus?“ Toman hatte viel erwartet. Aber nicht, dass Vegeta nach seiner solchen Nachricht seines Vaters danach fragen würde. „Ich habe eine Liste von möglichen Kandidaten.“ Toman zog das Datenpad aus seiner Uniform, welches ihm der Bote am Vormittag gebracht hatte und wollte es Vegeta reichen, doch der schüttelte nur den Kopf. „Such du jemanden aus. Ich hab mit den Saiyajins in diesem Pad genug zu tun.“
 

„Ähm,“ Toman zog das Datenpad wieder zurück und schaute irritiert darauf. „Ich soll denjenigen aussuchen, mit dem du …?“ Vegeta hob den Blick. „Das hast du doch bei diesem Cineman auch getan.“ „Das ging aber nach hinten los, wie du dich vielleicht erinnerst.“ „Weil sich mein Geschmack verändert hat. Normalerweise wäre er genau das gewesen, was ich flach gelegt hätte.“ „Guuuut … soll ich auf noch etwas achten außer muskulös und abstehende Haare?“ „Heute Nacht verfügbar.“ „Heute … Nacht?!“ Tomans Tonlage rutschte um einige Oktaven nach oben. „Ja.“ „Du willst wirklich heute Abend … nachdem dein Vater dir gesagt hat, du sollst dir eine Saiyajin zum Heiraten aussuchen?“ „Hab ich doch gerade gesagt! Ich muss diesen Frust irgendwie los werden und das kann ich am besten, wenn ich meinen Penis irgendwo reinstecken kann.“ Toman schluckte und sah auf das Datenpad seiner Kandidaten. Jener, den er auswählen würde, musste einen langen Atem haben … und eine enorme Ausdauer.
 


 

Am frühen Abend war auf dem Hof der Unterklassenkaserne nur noch geringes Treiben zu beobachten. Einige Saiyajins, welche nicht zum Dienst eingeteilt waren, genossen ihre freie Zeit, andere Trainierten oder besserten ihre Ausrüstung aus. Nach ihrem Trainingskampf und der Trennung von Acai schlenderten Gine und Bardock gemütlich gen der Wohngebäude und unterhielten sich über verschiedene Dinge. Den Trainingskampf selbst, aber auch über ihre schrumpfenden Rücklagen und dem Problem der wenigen und kaum zu bekommenden Missionen für Zweierteams.
 

„Du hast wirklich gut mit ihm harmoniert.“ Die Saiyajin winkte ab. „Nein, das ist mein Ernst, Gine. Du warst großartig.“ Sie bemerkte wie das Lob von Bardock ihr die Röte ins Gesicht trieb. Dieses Gefühl schnell wieder verscheuchend drehte sie den Kopf zu ihm und sah ihn strafend an, tat so, als würde sie immer noch davon ausgehen, dass er sie aufziehen wollte. „Das sagst du doch nur so.“ „Nein, ernsthaft. Ihr wart ein echt gutes Team auf dem Trainingsplatz.“ Sie brummte, sah nach vorne und verschränkte ihre Finger im Nacken. Einer Gruppe von vorbeilaufenden Saiyajins winkte sie zu und bekam ebenso einen Gruß zurück.
 

Plötzlich hielt Bardock sie mit einem Griff am Arm auf. Sie drehte sich verwundert um, stand direkt vor ihm und musste den Kopf in den Nacken legen, um ihm ins Gesicht sehen zu können. „Gine, ich muss dir etwas sagen.“ Sie runzelte die Stirn. „Was denn?“ Er ließ sie los und rieb sich verlegen über den Nacken, wich ihrem Blick aus. „Mir fällt das jetzt nicht leicht. Ist nen schwieriges Thema.“ Ungewollt machte ihr Herz plötzlich einen Satz. „Was fällt dir nicht leicht?“ „Also, nun ja“, er brach ab, sah zu ihr, wieder weg und wirkte mit einem mal ziemlich nervös. Diese Nervosität steckte an. Obwohl Gine mit aller Macht versuchte dagegen anzukämpfen, konnte sie nicht verhindern, dass sich ihr Herzschlag dauerhaft beschleunigte.
 

„Jaaa?“, fragte sie langgezogen und versuchte es ungezwungen klingen zu lassen. „Also könntest du dir vorstellen, dass du und ich … also wir beide“, wieder brach er ab. Gine konnte nicht verhindern, dass die Röte in ihrem Gesicht zunahm. Sie spürte es, konnte es trotzdem nicht unterbinden, ebenso wenig wie ihren Puls, der sich mit einem mal spürbar in ihrem ganzen Körper bemerkbar machte. „Das wir beide, zusammen ...“ Sie trat einen Schritt näher an Bardock heran. Konnte es sein? Konnte es wirklich sein? Hatte er es endlich bemerkt? Hatte er … „Das wir beide zusammen uns für einige Missionen mit Acais Team vereinen? Nur so lange, bis wir unsere Reserven wieder aufgestockt haben? Wer weiß, vielleicht funktioniert es am Ende richtig gut und wir können dauerhaft ein großes Team bilden.“
 

Bardock sah sie an und sie sah Bardock an. Es war eine eigenartige Situation, hier, auf dem fast leeren Hof der Kaserne, am frühen Abend. Im Nachhinein konnte sie sich nicht mal mehr erinnern, was sie in diesem Moment erwartet hatte, von ihm zu hören. Mit Sicherheit nicht das, was er gesagt hatte. Und mit Sicherheit wusste sie in diesem Moment auch nicht, was sie empfand. Überraschung? Enttäuschung? Ernüchterung? Wut? Zorn? Frustration? Scham, dass sie tatsächlich geglaubt hatte, er hätte es bemerkt? Vielleicht von allem ein wenig. Vielleicht von manchen mehr, vielleicht von einigem weniger. Fest stand für sie nur, wie sie antworten wollte und so schallte Sekunden nach Bardocks Frage ein Klatschen von den Wänden der Kaserne wieder, welches einige Saiyajins dazu veranlasste, sich zu den beiden umzudrehen.
 

Bardock lag am Boden und hielt sich eine deutlich gerötete Wange, während Gine vor ihm stand, die Hand noch in der Position erhoben, die sie von der Ohrfeige gehabt hatte und starrte so wütend, wie selten zuvor auf ihren Kindheitsfreund hinunter. „Nie. Im. Leben.“, beantwortetet sie seine Frage, drehte sich um und wollte gehen. Bardock sprang auf, sich immer noch das Gesicht haltend. „Gine, warte, denk doch erst mal ...“ Sie unterbrach ihn, als sie zu ihm herumwirbelte und mit einer Wut in den Augen auf ihn zuging, die ihn zurückweichen ließ. Sie tippte mit ordentlich Kraft ihren Finger gegen seine Brust. „Nein. Einfach nur nein, Bardock. Nein.“ „Aber ...“ „Nein! Vergiss es! Ohne mich! Ich will mit denen nix zu tun haben.“ „Und Acai?“, hielt er dagegen, was dazu führte das sie stehen blieb und ihn einfach nur noch tödlich anblickte. „Ihr, versteht euch doch.“, versuchte es Bardock lahm und sah schon am Funkeln in Gines Augen, dass dieser Satz zu viel gewesen war.
 

Sie knurrte, ihr Schweif stand gebauscht und kerzengerade hinter ihr ab. Selbst ihre kurzen Haare begannen sich leicht, wie die Stacheln eines Igels, aufzurichten. Er sah, dass sie ihre Energie nach oben fuhr und das sich die feinen Partikel des Sandes begannen um ihren Körper zu bewegen. Beschwichtigend hob er die Hände, doch das schien sie nur noch mehr in Rage zu bringen. „Gine ...“ „Halt den Mund!“ „Aber ...“ „Mund halten hab ich gesagt!“ Er schloss die Lippen, sah sie an und sie funkelte, der Tod selbst, zurück. Unpassenderweise zauberte dieser Anblick ein sachtes Lächeln auf seine Lippen. Das hier, dieser Anblick war genau der Grund, warum Gine, trotz ihrer geringen Körpergröße berüchtigt war. Wenn sie in Wut ausbrach, wurde sie zu einer Berserkerin, zu einem Tornado, dem man kaum etwas entgegensetzen konnte.
 

„Du lachst auch noch?!“ Bardock blinzelte. „ich hab nicht gelacht.“ „Deine Mundwinkel haben sich verzogen.“ „Weil du toll aussiehst, wenn du so wütend wirst.“ Schlagartig erlosch Gines wütende Aura und sie starrte ihn blinzelnd an. Er starrte zurück. Man hätte eine Haarsträhne in diesem Moment gen Boden fallen hören. „Hör mal“, wagte er vorsichtig und beschwichtigend noch einen Vorstoß. „Das war doch nur eine Frage. Wenn du nicht willst, dann lassen wir es.“ Er legte ihr seine Hand auf die Schulter und lächelte versöhnlich. Woraufhin etwas geschah, mit dem er nicht gerechnet hatte. Binnen eines Herzschlages schossen Tränen aus Gines Augen und sie drehte sich von ihm weg und wischte sich mit dem Unterarm über die Augen. Doch er hatte es trotzdem gesehen.
 

„Gine? Alles gut?“ „Nein.“ Ihre Stimme klang belegt. „Was hast du denn?“ „Nichts.“ „Aber ...“ „Ich sagte nichts!“, blaffte sie ihn an, woraufhin wieder Stille zwischen ihnen einkehrte. Bardock starrte auf Gines Rücken und wusste nicht mehr, was er sagen sollte. Er hatte mit einigen Reaktionen ihrerseits gerechnet, aber nicht mit diesem Durcheinander von Ausbrüchen. „Tust du mir einen Gefallen?“, erklang ihre Stimme schließlich leise. Er nickte, realisierte, dass sie das nicht sehen konnte und bejahte ihre Frage. „Dann such dir heute Nacht einen anderen Schlafplatz. Ich will dich heute nicht mehr sehen.“ Mit diesen Worten rannte sie los, ohne sich noch einmal umzudrehen.
 

Bardock blieb auf dem leeren Kasernenhof stehen und sah ihr hinterher, die Welt nicht mehr verstehend. Er hatte ja damit gerechnet, dass Gine von diesem Vorschlag nicht begeistert sein würde, doch das, was er hier gerade erlebt hatte, sprengte für ihn den Rahmen des Verstehbaren. Allerdings, und das fand er komisch, hatte er das Gefühl ihr ihren letzten Wunsch erfüllen zu müssen. Auch wenn es ihm schleierhaft war, warum er auf seinen angestammten Schlafplatz verzichten sollte, weil er sie etwas gefragt hatte. Sich über das Gesicht reibend machte er sich mit dem Gedanken vertraut, heute bei Resa nächtigen zu müssen.
 


 

Potas warf die Spielkarten auf den Tisch und lachte breit, als er den Gewinn der Runde, unter dem Murren seiner Kammeraden, einstrich. Dabei fielen ihm seine abstehenden, schulterlangen Haare in die Augen und genervt Band er sie sich zusammen. „Schneid sie dir doch endlich ab, wenn sie dir so auf den Sack gehen.“, meinte einer seiner Spielpartner. „Und dann aussehen wie ein Stachelschwein, weil sie mir erst recht abstehen? Du spinnst wohl.“ „Immerhin würden sie dir dann nicht mehr in die Augen fallen.“ Er verdrehte besagte Augen und sammelte die Karten ein. „Noch eine Runde?“, fragte er freudig, denn er hatte an diesem Abend echt eine Glückssträhne, als hinter ihnen die Tür aufglitt. Binnen eines Wimpernschlages waren seine Kameraden auf den Beinen und standen stramm. Er selbst brauchte einen Herzschlag länger, denn er drehte erst den Kopf um zu sehen, wer in ihren Gemeinschaftsraum gekommen war.
 

„Was will denn der Leibwächter des Prinzen hier?“, flüsterte sein Freund zur Rechten. „Pst.“, antwortete er, als Toman langsamen Schrittes auf sie zukam und seine Augen über jeden einzelnen von ihnen wanderte. Einige Schritte vor ihnen blieb er stehen und drehte den Kopf, maß die gemachten Betten, die Unordentlichkeit an einigen Punkten und sah wieder zu ihnen zurück. Wenn das eine unangekündigte Inspektion war, dann würde es gleich Strafschichten ohne Ende hageln, dachte Potas, denn ihr Gemeinschaftsraum war alles andere als in perfektem Zustand. Doch warum sollte der Leibwächter des Prinzen eine Visite bei ihnen machen? Das ergab nicht wirklich Sinn.
 

„Potas“, erklang die ruhige Stimme Tomans und der Angesprochene konnte spüren, wie die Anspannung links und rechts bei seinen Kameraden nachließ. Ihm selbst rutsche das Herz in seinen Schweifansatz. Schluckend trat er einen Schritt nach vorne und hob die geballte Faust an sein Herz, wo normalerweise das Königswappen auf dem Brustpanzer prangte. Doch da er nur die Unterkleidung trug, berührte seine Faust den Stoff und er konnte für einen Moment das schnelle Schlagens seines Herzens an der Hand spüren. Er schluckte abermals und sah Toman in die Augen. Jener richtete seinen Blick auf die drei anderen Saiyajins neben ihm. „Ich bin mir sicher, dass es in der Kantine noch etwas zu Essen für euch geben wird. Wenn nicht, sagt ihnen es sei ein Befehl von mir. Abmarsch.“ „Jawohl!“, erklang es aus drei Kehlen gleichzeitig und binnen kürzester Zeit war Potas mit Toman alleine, was nicht dazu führte, dass er sich wohler in seiner Haut fühlte.
 

Dem Leibwächter des Prinzen schien die Situation nichts auszumachen. Er wartete geduldig, bis sie alleine waren und noch einige Momente darüber hinaus, ehe er seine Haltung löste und mit einer Hand auf den Tisch wies, von dem Potas und seine Kameraden aufgesprungen waren. „Setzen wir uns.“ Sich zusehends unwohler in seiner Haut fühlend, ließ sich Potas auf seinem Stuhl nieder und begegnete Tomans eindringlichem Blick. „Ich habe deine Akte studiert Potas, vorbildlich.“ „Danke, Sir.“ „Besonders interessant fand ich, dass du schon mehrfach an sehr speziellen Operationen beteiligt warst, welche alle eine gewisse Verschwiegenheit voraussetzen. Dir ist also klar, wie wichtig es ist, dass gewisse Dinge, niemals das Licht der Welt erblicken.“ „Jawohl, Sir.“ „Und obwohl du so viele Dinge weißt, bist du noch nie auf die Idee gekommen, dein Wissen zu benutzen, um die Auftraggeber zu erpressen. Warum?“ „Weil ich treu zum Königshaus stehe, Sir. Ich würde niemals etwas tun, was es in Verruf bringen würde.“ „So so, und wie weit geht deine Treue?“ „Ich würde für das Königshaus sterben, Sir.“ Toman nickte. „Dann lass uns nun eine Hypothese aufstellen.“ „Jawohl, Sir.“
 

„Sagen wir, dir wird ein royaler Auftrag erteilt. Und eine andere royale Person möchte darüber etwas wissen. Wie steht es dann um deine Loyalität?“ Potas atmete tief ein. „In diesem Fall gilt meine Treue dem Auftraggeber, Sir.“ „Über jeden Zweifel erhaben?“ „Über jeden Zweifel erhaben, Sir.“ Tomans Blick wurde durchdringend und eiskalt. „Lass mich dennoch eines unmissverständlich klar stellen. Sollte etwas von dem, was wir nun besprechen an Dritte weitergegeben werden, oder ich nur den leisesten Verdacht haben, das irgendetwas davon deinen Mund verlassen hat, dann wird nichts von dir übrig bleiben. Nichts von dir, nichts von deiner Kampfkatze und auch nichts von deinem Geliebten, welchen du so gut vor der Familie deiner Frau versteckst. Haben wir uns verstanden?“ Potas wich alle Farbe aus dem Gesicht.
 

Bisher hatte noch Niemand etwas über diese Affäre in Erfahrung bringen können. Seine Heirat war von seiner und der Familie seiner Frau arrangiert worden, auf ihren Wunsch hin. Sie hatte ihm erzählt, dass sie sich auf einem Fest in ihn verliebt hatte und ihren Vater um das Heiratsgesuch erbeten hatte. Da seine Familie unter der Ihren stand, war es ihnen unmöglich gewesen abzulehnen. Dies wäre seinem Vater auch niemals in den Sinn gekommen, den dieser Heiratsantrag war für ihn und seine Familie eine Ehre. Das sein Sohn, gänzlich andere Vorstellungen gehabt hatte, hatte dabei keine Rolle gespielt. Das er schon jemand anderen geliebt hatte, auch nicht.
 

Potas schluckte und seine Stimme zitterte als er verspätet antwortete. „J...Jawohl, Sir.“ „Dennoch“, räumte Toman ein. „Steht es dir ohne Schaden für dich, deinen Geliebten, oder irgendetwas, was dir am Herzen liegt frei, die Aufgabe abzulehnen, welche ich dir unterbreite. Doch auch in diesem Fall“, nun wurde Tomans Stimme wieder strenger. „Gelten die Regeln der Verschwiegenheit, wie besprochen.“ „Ich verstehe, Sir.“ Potas nickte und spürte, wie ein einzelner Tropfen kalten Schweißes seinen Nacken hinab ran. „So dann“, sprach Toman mit großem Ernst weiter. „Der Prinz sucht einen Gefährten für die Nacht. Siehst du dich dieser Aufgabe gewachsen?“
 

Potas fiel die Kinnlade herunter …



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu dieser Fanfic (0)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.

Noch keine Kommentare



Zurück