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Rotten Grace | D&D | The soul stones of Mevera

Interaktive Fanfiction
von

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Eine Bar um sie zu knechten

Das BeNaYu, von den meisten Gästen das Benny genannt, bezeichnete sich selbst als Rocker-Bar am Arsch der Welt. „Fuck of war gestern, am Arsch sind wir noch heute.“ lautete das Motto.
 

Das Benny war ein Ort mit Charakter und wurde bekannt durch seine speziellen Motto-Tage. Für kreative Köpfe und Musik-Enthusiasten gab es jeden Samstag kleine Live-Konzerte aufstrebender Bands und an jedem zweiten Sonntag Poetry-Slams. Dienstagmittags durften sich Gäste durch allerlei neue Kreationen aus der Küche satt essen und damit Benjis neue Gerichte testen. Jeden Donnerstag trafen sich Geeks und Nerds zur Videospielnacht, bei der die Besten unter ihnen, an der hauseigenen N64 ihr Können beweisen konnten - nüchtern oder betrunken war dabei nicht festgelegt. Einmal im Monat fand der Tag „Ein Schnaps für Tiere“ statt, bei dem ein Teil des Erlöses der ausgeschenkten Getränke an Tierheime gespendet wurde. Und dann gab es noch die moderne PC-Jukebox „Touch me“, die von den Gästen liebevoll als Touchi bezeichnet wurde. Am Touchi, einem Computer-Terminal, konnten die Leute nach Kauf eines Getränks, ihre Musik-Wünsche eingeben, die in eine Playlist eingereiht und anschließend abgespielt wurden. Das musikalische Spektrum der großen Datenbank umfasste alles, was seinem Programmier-Vater Naoki gefiel.
 

Durch ihre schlauchförmige Architektur und den dazugehörigen Keller, war die Bar wie eine Art Dungeon aufgebaut, den man, je nach Level und Rang, passieren musste um zum Endboss, dem Keller mit kleiner Bühne, zu gelangen. Der beliebteste Platz der Bar, sollte einer bei all den möglichen Aktivitäten bestimmt werden können, war der Eingangsbereich. Es gab dort die einzige Fensterfront in der eher dunklen Bar und die Tische dort waren meistens von den Stammgästen besetzt, ähnlich wie die rar gesäten Sitzhocker am Bartresen. Man könnte meinen, der Lieblingsplatz hatte seinen Ursprung daher, dass sich dort die Aussicht aus den Fenstern genießen lässt, stattdessen mochten die Gäste lieber die Aussicht auf die dunkelrot gestrichenen Wände.
 

Sie waren der ganze Stolz des Bennys und jede Wand erzählte ihre eigene Geschichte. Überall waren Zeichnungen, Sprüche und Fotos angebracht und fast jeder Gast, hatte sich auf den Wänden verewigt. Durch Alkohol im Blut kam nicht immer ein Meisterwerk zustande und die wohl häufigste Zeichnung an der Wand, war ein gezeichneter Pimmel. Dazwischen gab es simple Herzen, in denen sich Pärchen mit ihren Initialen verewigt hatten und die Musiker, die oft ein Foto ihrer Band aufhingen und es signierten.
 

Es war also Sitte, dass man ins Bennys einen Kugelschreiber, Alkoholmarker oder ein Foto mitbrachte und jeder der unterschiedlichen Arten an Gästen, mochte diese kreative Tradition.
 

Heute sollte aber kein Gast Einlass erhalten, denn die Bar war geschlossen. Ungewöhnlich für einen Samstagabend, zierte die robuste und ebenfalls bemalte Eingangstür, ein Schild, mit einem aufgedruckten „Closed“ und einer gezeichneten dicken Katze, die einen Mittelfinger raustreckte.
 

Die Künstlerin des Schildes, machte sich gerade daran, die Bar zu dekorieren und wechselte die Beleuchtung an den Wänden aus. Normalerweise erhellten mehrere LEDs die Bilderwände, doch diese wurden mit kleinen leuchtenden Spinnen ausgetauscht.
 

«Hey, Yumiko! Heute ist doch kein Halloween?», fragte ihr älterer Bruder Naoki, welcher die kleinen Tische an der Fensterfront zusammenschob, um einen großen daraus zu formen.
 

«Spinnen sind süß und ich gebe doch kein Geld für Weihnachtsschmuck aus. Das hier tut es auch.»

«Aber für die Duftkerzen mit diesem ekelhaften Zimtgeruch konntest du Geld ausgeben, ja?»
 

Naokis Blick fiel zu den erwähnten Kerzen, die das Bennys heller erleuchteten als die Lichterketten. Die weihnachtlichen Duftkerzen standen in Reih und Glied auf dem langgezogenen Bartresen. Eine eher unübliche Dekoration für eine Bar, aber heute war ein besonderer Tag, denn es war Weihnachten. Genauer gesagt, der 24. Dezember und wie jedes Jahr um diesen Zeitraum, lud die Familie Harashi, Freunde in die Bar ein für einen unterhaltsamen Spieleabend. Zwar endete dieser nicht immer friedlich, besonders, wenn Spiele wie Risiko gespielt wurden, allerdings war es bei ihnen zu einer Tradition geworden, auf die sich jeder freute. Meist streckte sich diese Tradition über die gesamte Weihnachtszeit und je nach Pausen, die aufgrund Streitigkeiten über Spielregeln eingelegt werden mussten, ging es auch mal eine ganze Woche lang. Es war für Yumiko, Naoki und Benji, der langersehnte Jahresurlaub, auf den sie lange hinarbeiteten, denn sonst hatte die Bar immer offen – Tag und Nacht.
 

Tagsüber regierte Benji über die Bar, bereitete für Angestellte und andere hungrige Gäste leckere Speisen zu und sprang lediglich nachts bei Eskalationen als Rausschmeißer ein. Nachmittags übernahm Yumiko den Tresen, bewirtete das etwas jüngere Publikum wie Studenten und junge Erwachsene und die Nacht gehörte Naoki, der sich zwar ab und an mit Yumiko abwechselte, doch diese arbeitete nachts nie allein in der Bar. Naoki hingegen schon, der dadurch keinen gesunden Schlafrhythmus mehr hatte und vor allem kannte. Es glich einem Wunder, wenn man ihn vormittags im wachen Zustand irgendwo antraf. Er war die Eule der Familie und eben jene war dazu übergangen Notizblöcke und Stifte auf dem Tisch zu verteilen. Mit gehobenem Finger zählte er nach und wandte sich anschließend seiner Halbeule, auch Schwester genannt, zu.
 

«Die süße Ayumi und die niedliche Chiyoko haben fest zugesagt, stimmts?»

«Was sollen diese Adjektive? Ja, Ayu und Chimo kommen. Sie haben mir vorhin geschrieben.»

«Sehr schön», entgegnete Naoki und rückte die Stühle am Tisch zurecht, als wären sie in einem edlen Restaurant.
 

«Du kannst die beiden zu mir setzen.»

Yumiko sprang vom Tisch, auf dem sie stand, um die Lichterketten an der Wand zu montieren und eilte zu Naoki. Statt ihn eigenständig handeln zu lassen, warf sie einen Blick auf die scheinbar reservierten Plätze und tauschte ein paar Sachen aus.

«Was tust du da?»

«Ich will bei meinen Mädels sitzen. Ganz einfach. Außerdem müssen Ayu und Chimo nebeneinandersitzen.»
 

Naoki lachte und schüttelte den Kopf. «Schon seit dem Umzug willst du beiden unbedingt zusammenbringen.»

«Ja, das ist meine persönliche Quest.»

Yumiko war zuversichtlich und grinste bei dem Gedanken daran, was sie alles rund um die beiden plante. Sie mochte es einfach Liebende zusammenzubringen, ebenso wie sie es mochte, Streithähne anzustacheln. Ein Manifest von Emotionen und Drama, das war ganz nach ihrem Geschmack.
 

«Und Ryozo solltest du dort hinsetzen. Der ist doch Linkshänder.»

«Und weiter?»

«Schon mal neben einem Linkshänder beim Schreiben gesessen? Das nervt total, wenn einem dauernd der Ellenbogen entgegenkommt.»

Naoki willigte ein und half mit, die Sitzordnung nach den Wünschen seiner Schwester umzustrukturieren.
 

«Solange ich nicht neben der Eidechse sitzen muss.»

«Nenn‘ ihn nicht Eidechse!»

Yumiko stemmte die Arme in die Hüften und machte sich damit für eine Diskussion bereit.
 

«Aber er hat doch eine Echse als Haustier und-»

«Das ist eine Schlange!»

«Ist doch alles das Gleiche», versuchte Naoki diese Diskussion so unbedeutend und klein wie möglich zu halten.
 

«Nein, ist es nicht, man! Das sind ziemlich große Unterschiede, Naoki. Meine Vogelspinne ist doch auch keine Katze, oder?»

«Stimmt, die ist eher das natürliche Verhütungsmittel, falls ich mal wieder Damenbesuch habe, der wegen deiner Spinne panisch die Wohnung verlässt.»

«Das ist ja wohl nicht die Schuld meiner wunderschönen Königin Annarchika die Allmächtige! Lad dir halt keine Weiber mit Arachnophobie ein.»
 

Naoki setzte sich an seinen Platz am Tisch und klappte den dortigen Laptop auf. «Ich muss ja noch die Ängste notieren.»
 

Der Wind der Diskussion war schlagartig verflogen und Yumiko entspannte ihre Körperhaltung. Stattdessen ging sie Richtung Bartresen und schnappte sich ein paar Gläser aus dem Hängeregal. Sie blieb in Hörweite, da sie ahnte, dass ihr Bruder gleich noch etwas auf dieses Selbstgespräch ergänzen würde.
 

«Das hatte ich auf den Charakterbögen glatt vergessen.»

«Brauchen wir für das Pen und Paper wirklich Ängste? Beim letzten Spiel mit deinen Freunden hatte einer Angst vor Menschen und wir konnten seinetwegen nicht einmal den Marktplatz überqueren.»

«Ich konnte ja nicht ahnen, dass Isaka ausgerechnet diese Angst wählt. Außerdem gebe ich sie diesmal vor, ich schaue also, dass es in das Abenteuer passt.»

Er fing an zu tippen und bearbeitete seine Spielleiter-Dateien. Früher hatten sie immer mit Büchern, Karten und traditionellen Mitteln des Dungeons and Dragons Repertoire gespielt, mittlerweile griff Naoki, Spielleiter seines Amtes, größtenteils auf digitale Hilfsmittel zurück.
 

«Ich notiere mal eben. Wovor hat die kleine Eidechse Angst?»

«Du lernst es nicht, oder?», äußerte Yumiko leicht genervt eine Frage und brachte dabei die Gläser zum Tisch.

«Sorry! Die niedliche Eidechse, meine ich.»

«Deine Adjektive machen es nicht besser.»

Sie meinte es ernst. Naoki sollte nicht schlecht über Tatsumi reden. Er war zwar ihr Exfreund, aber nach wie vor einer ihrer besten Freunde.
 

«Und was die Angst betrifft, kannst du Wasser notieren.»

«Wasser? Ernsthaft? Oh, diese Möglichkeiten! Wieso erfahre ich das erst jetzt.»

«Denk gar nicht daran ihn damit aufzuziehen!» Yumiko musterte ihren Bruder genauer und sah das breite Grinsen auf seinem Gesicht. «Ich meine es ernst, Naoki!»
 

Sein Grinsen blieb, aber er hielt mit dem Tippen auf dem Laptop kurz inne.

«Wie soll ich das schreiben? „Angst vor Wasser“? Und bedeutet das, er hat auch Angst vorm Duschen?»

«Was? Nein. Er hat vor offenen Gewässer Angst und nicht vorm Duschen. Er schwimmt auch nicht gerne. Seine Eltern sind ja oft auf einem Kreuzfahrturlaub und selbst da geht er nicht mit, weil ihm das Unbehagen bereitet.»

«Angst vor offenen Gewässern. Damit kann ich arbeiten. Er tut mir aber bereits jetzt ein bisschen leid.»
 

Yumiko hörte zwar, wie ihr Bruder Mitgefühl äußerte, doch nichts davon spiegelte sich in seinem vorfreudigen Gesicht wider. Der Ausdruck änderte sich aber rasch und wurde zu einem Grübeln.
 

«Und Ryozo?»
 

Bei dieser Frage überlegte Yumiko länger und dass obwohl Ryozo auch zu ihren besten Freunden gehörte.
 

«Ich glaube, Ryozo hat Angst vor Gewitter. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er das bloß unangenehm findet oder richtig Angst hat.»

«Stimmt, da war ja was. Hatte bei denen nicht mal ein Blitz eingeschlagen, als sie Kinder waren?»

«Japp. Ich denke mal, dass mit dem aus offenen Gläsern trinken wirst du nicht nehmen.»

«Definitiv nicht, nein.»
 

Kurz änderte sich die Stimmung und es wurde ruhig. Zumindest bis Yumiko neue Gläser geholt hatte, diese ebenfalls auf den Tisch stellte und dann die Stille durchbrach.
 

«Was notierst du eigentlich bei mir? Ich hab‘ ja keine Phobien.»

«Hm. Ich überlege noch, ob ich Abwasch notiere oder Müll rausbringen.»

«Hey!»

Yumiko eilte zu ihrem Bruder und boxte ihm gegen die Schulter. «Du tust grad so, als mache ich gar nichts im Haushalt!»

«Dann korrigiere mich, du Zwerg. Wann hast du das letzte Mal die Wohnung geputzt?»
 

Ein weiteres Mal herrschte Stille, diesmal war sie jedoch nicht unangenehmer Natur.

«Weil ich halt mehr aufräume als putze.»

«Und das hast du wann zuletzt?»

«Ich habe bestimmt letzte Woche auch mal aufgeräumt. Mindestens das Wohnzimmer.»
 

Das Schweigen ihres Bruders verriet, dass sie das nicht hatte.
 

«Ach, komm schon! Ihr seid halt meistens schneller als ich!»

«Wenn ich dir sage, dass du den Abwasch gleich nach dem Essen machen sollst, meine ich damit nicht, dass er tagelang in der Küche vor sich hin schimmelt», hackte er weiter auf Yumikos Schwäche herum, die eine Schnute zog und sich vom Tisch entfernte.

«Jetzt stell‘ ich erst recht noch ein paar Duftkerzen mit Zimtgeruch auf…»
 

Dazu kam sie nicht, denn die Tür zur Bar öffnete sich und Benji, dicht gefolgt von einem eisigen Wind von draußen, betrat den Raum. Er trug mehrere volle Einkaufstüten und schritt mit diesen schnurstracks Richtung Bartresen, um sie dort abzustellen.
 

«Hast du alles bekommen, Großer?»

«Ja.», antwortete Benji auf Naokis Frage und schüttelte leicht den Kopf, um den Schnee aus den Haaren zu bekommen. Seit Tagen schneite es und die Temperatur hatte endgültig ihren Tiefpunkt erreicht.
 

«Du hast schon wieder keine Jacke an?!»

Yumiko ging zu Benji und berührte ihn an den Armen. Sie wollte überprüfen, ob er schon zum Eisklotz geworden war. Sie ließ ihn recht schnell wieder los und sah erstaunt auf den Stoff des dünnen Pullovers.

«Wow! Du bist wärmer als eine Heizung auf Stufe fünf.»

«Benji ist halt einfach ein Eisbär», erklärte Naoki, der sich erhob und zum Bartresen ging.

«Vielleicht», war die einzige Antwort, die von Benji kam, der seinem Bruder eine der Einkaufstüten in die Hand drückte. Es war deutlich, dass Naoki ausräumen helfen soll.
 

«Nicht nur vielleicht. Also, was gibt es heute denn Feines?»

Während die Brüder die Einkaufstüten vom Tresen in die Küche beförderten, die sich hinter der Bar befand, tigerte Yumiko um sie herum und versuchte einen Blick auf den Einkauf zu erhaschen.

«Du kennst ihn doch. Das wird eine Überraschung», antwortete Naoki für Benji, welcher zustimmend nickte. Wie so oft, verstanden sich die Brüder stumm und es wirkte, als könnten sie gegenseitig ihre Gedanken lesen.
 

Als die drei Geschwister in der kleinen Küche ankamen, ließ Yumiko nicht locker und blieb in Sichtweite, um an den Zutaten zu erkennen, was es für sie heute Abend geben würde.
 

«Sag mal, Benji. Was würdest du sagen, wovor unsere kleine Schwester Angst hat?», fragte Naoki, der sich Yumiko mit dem Rücken zuwandte und die Tüte ausräumte. Er versperrte ihr damit die Sicht und Benji tat dasselbe.
 

«Weiß nicht. Wäsche waschen?»

«Boah, Benji! Nicht du auch noch!»

Eine Beschwerde, auf die der Älteste der drei Geschwister nicht reagierte.
 

«Dann hoffen wir mal, dass Yumiko nicht für die Ordnung des Gruppeninventars der Spieler zuständig sein wird.»

Ein Scherz, der nur bei Benji für ein belustigtes Schnauben sorgte, aber nicht bei Yumiko.
 

«Sagt ruhig, dass euch bei mir keine Angst einfällt, weil ich so krass mutig bin.»

Ein kläglicher Versuch ihr Ego zu verteidigen, tatsächlich aber, fiel den beiden Brüdern wirklich keine Angst bei ihr ein. Sie nahm die fehlende Reaktion als Sieg wahr und verließ mit stolzem Haupt die Küche.
 

«Tja! Dann lass‘ ich euch Angsthasen mal allein», provozierte sie und widmete sich wieder der Dekoration der Bar. Auf die Lichterketten mit leuchtenden Spinnen, folgten rote Servietten, die zumindest eine für das Fest passende Farbe hatten. Das Einzige was sie für diesen Tag gekauft hatte.
 

«Ich setze mich dann dir gegenüber, Naoki!», rief sie in Richtung der Küche und änderte für sich noch einmal den Sitzplan. Damit saßen auf der rechten Seite, Ayumi und Chiyoko und auf der linken, Ryozo und Tatsumi. Die beiden Enden des Tisches waren mit Naoki und Yumiko besetzt.
 

«Hast du für das Abenteuer eigene Musik oder nehmen wir dafür Touchy?»

Ihr Blick fiel zur PC-Jukebox und Naoki kehrte aus der Küche zurück, um seine Antwort nicht rufen zu müssen.

«Ich habe Touchys Datenbank um ein paar Lieder erweitert. Kannst du mich daran erinnern, dass ich sie herauslösche, wenn wir die Bar wieder öffnen?»

«Mach‘ ich.»
 

Yumiko war mit dem Dekorieren fertig und sah sich ihr Endergebnis an. Danach wandte sie sich dem Spieltisch zu und sah wie Naoki die Würfel zum Spielen auf den Plätzen verteilte.
 

«Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht!»

Naoki hörte die Euphorie seiner Schwester und lächelte.
 

«Ich denke, ich werde mir oben mal mein Cosplay für heute holen! Tatsumis Mum hat mir so tolle Sachen genäht! Dir hat sie übrigens auch was gemacht, Naoki!»
 

Damit eilte Yumiko davon, öffnete die Tür zur Bar und verschwand erst einmal in die Kälte. Die Eingangstür zu ihrer Wohnung war außerhalb in einer Seitenstraße und von dort führte eine Stahltreppe nach oben. Die Harashis lebten im Obergeschoss, direkt über dem Bennys und hatten sogar eine kleine Dachterrasse. Über diese ging es in die Wohnung und Yumiko machte sich an die für sie letzten Vorbereitungen für den Abend.
 

Naoki setzte sich in der Zwischenzeit an den Tisch und widmete sich dem Schreibprogramm vor sich. Er setzte zum Tippen an und schrieb den Titel seines Abenteuers…
 

„Pen & Paper: The soul stones of mevera“
 

Er lehnte sich zurück und betrachtete den Bildschirm. Jetzt fehlten nur noch seine Spieler.

Was ist in dem Paket?!

Die Geschwister Harashi führten nicht nur zusammen eine Bar, sie lebten auch zusammen in einer WG. Die circa siebzig Quadratmeter große Wohnung, bestand aus drei kleinen Schlafzimmern, einem etwas größeren Wohnzimmer und einer kleinen Küche und Badezimmer. Für drei Personen bot die Wohnung kaum ausreichend Platz, doch die Harashis hatten ihr Einrichtungsgeschick genutzt, um das Beste daraus zu machen. Ähnlich der Tardis, sah die Wohnung von außen kleiner aus als sie es von innen war.
 

Von der Stahltreppe, die in die obere Etage führte, gelangte man auf eine kleine Terrasse, die der Eingang zur Wohnung war. Eine Fußmatte mit der Aufschrift „Welcome to the dark side“, offenbarte potenziellen Besuchern, dass sie die normale Welt verlassen und die Wohnung eines treuen Sith betreten würden.
 

Yumiko öffnete die Eingangstür und stand im Wohnzimmer. Es war der erste Raum der einen erwartete, wenn man die Harashis besuchte, und zur Begrüßung las man an einer Wand einen aufgeklebten Schriftzug. „Die Dunkle Seite ist Emotion, Bane. Zorn, Hass, Liebe, Begehren.“ ein Zitat aus Star Wars, welches Githany zu Darth Bane über die Dunkle Seite der Macht sagte.
 

Darunter stand auf einer Kommode ein großes Terrarium, in dem Yumikos Vogelspinne lebte. Eigentlich wollte sie ihren Liebling begrüßen, doch die wunderschöne Königin Annarchika die Allmächtige, versteckte sich gerade. Wie so oft, kam die haarige Achtbeinige nur hervor, wenn Naoki Damenbesuch erhielt. Ein merkwürdiger Zufall.
 

Bevor sich Yumiko ihrem Outfit für den Spieleabend widmete, eilte sie in den schmalen Flur, der das Wohnzimmer mit den anderen Räumen verband. Im Flur stand auch die Garderobe, bestehend aus einem Hochschrank und einem Schuhfach. Yumiko hatte ihn komplett für sich vereinnahmt, im Dezember ganz besonders, da sie in dem Schrank die Weihnachtsgeschenke für ihre Brüder versteckte. Eines der hinter Jacken verborgenen Pakete kramte sie hervor und eilte zum Ende des Flures, über den man in Naokis Zimmer gelangte. Es war das normalste Zimmer in der WG und wie für ihren Bruder üblich, war es ordentlich und aufgeräumt.
 

Für das Geschenk wählte sie das Bett und legte es zunächst auf das Kopfkissen. Sie war mit dem Ergebnis nicht zufrieden, nahm das Geschenk noch einmal an sich und machte Kissen und Bettdecke unordentlich. Schließlich sollte ihr Bruder wissen, dass der Weihnachtsmann, also sie, dagewesen war. Zufrieden nickend legte sie das Geschenk auf das neu erschaffene Chaos und kehrte zum Flur zurück. Benjis Geschenk war dran und sie holte dieses aus einer Schuhschublade der Garderobe und öffnete die Tür zu seinem Zimmer, welches sich neben dem von Naoki befand.
 

Es war ähnlich klein wie das von Naoki, mehr oder weniger aufgeräumt, vor allem war es aber vollgestopft. Auf dem großen Schreibtisch fand sich kaum noch Platz für eine Kleinigkeit, was daran lag, dass er voll war mit Tuschestiften, Ordnern, leeren Seiten und Rasterfolien. Ihr Bruder zeichnete neben seiner Arbeit in der Bar Manga und verbrachte deshalb den größten Teil seiner freien Zeit am Schreibtisch. Obwohl auf diesem kaum noch Platz war, entschied sich Yumiko für diesen Ort und zückte ein leeres Blatt Papier. Sie griff nach einem Stift und zeichnete einen adipösen Weihnachtsmann mit langem Bart und großen Augen im Manga-Stil. Sie konnte zwar einen Stift führen, kam allerdings nicht an Benji heran. Dennoch erkannte man, wen sie mit dieser Zeichnung darstellte. Das kleine Geschenk wurde auf dem Papier abgestellt und Yumikos geheime Mission war damit beendet.
 

Zwar hatten sie vereinbart, dass sie sich zu Weihnachten nichts schenken, doch dieses Jahr hatte Yumiko ihr Trinkgeld gespart, um ihren beiden Brüdern etwas zu kaufen. Außerdem mochte sie Regelverstöße, denn die waren schließlich dazu da, um sie zu brechen. Ihr Zimmer war das, neben Benjis und sie ging zu diesem. Vor ihrer Tür stand ein Wäschekorb mit frisch gewaschener und zusammengelegter Kleidung und eigentlich hätte sie diese gleich mit in ihr Zimmer nehmen können. Stattdessen entschied sie sich den Wäschekorb mit dem Fuß beiseitezuschieben, denn das Einräumen würde sie später machen und betrat dann ihr kleines Reich. Ein Zimmer, das nach Teenager mit schwarz lackierten Fingernägeln schrie, denn an ihren Wänden hingen allerlei Poster von Bands, die sie in jüngeren Jahren gehört hatte. Auf einem der aktuelleren und größeren Poster, war Ryozos Onkel zu sehen mit seiner Band. Sie war ein großer Fan der Rockgruppe und hatte sich sogar das Band Logo tätowieren lassen. Ihr ganzer Stolz war eine Kork-Leinwand, auf dem sie Festivaltickets und dazugehörige Bändchen angepinnt hatte.
 

Ihr Zimmer war unordentlich und dadurch unübersichtlich, doch Yumiko beherrschte das Chaos und hatte keine Probleme die großen Taschen zu finden, die sie von Tatsumis Mutter erhalten hatte. Sie griff nach einer von ihnen und holte Kleidung heraus, die sie sich genauer ansah und dann anzog.
 

Yumiko drehte sich vor dem Spiegel, der an ihrem Kleiderschrank befestigt war und begutachtete sich. Statt Pullover und Jeans, trug sie eine braune Kunstlederjeans, die verschiedene Muster vernäht hatte und wirkte, als stamme sie aus der Zeit des Mittelalters. Das Kunstleder wurde auch mit einem Mittel behandelt, dass es ausgewaschener und älter wirken lässt. Als Oberteil trug sie eine Art Korsett, Dunkelbraun in seiner Farbe, und unter diesem ein elfenbeinfarbenes Hemd mit vernähtem Gummi an den Ärmeln, was den Effekt hatte, dass diese am Oberarm enganliegend waren und Richtung Hand zunehmend breiter wurden. Auch beim Korsett waren Muster vernäht, passend zur Hose und sie bestanden aus keltischen Symbolen. Ein warmer Umhang aus Kunstpelz rundete ihr Outfit ab und Yumiko fühlte sich, wie eine erhabene Kriegerin aus Zeiten der Wikinger. Es passte perfekt zu der Axt, die sie sich aus Pappe selbst gebastelt und die Benji ihr netterweise angemalt hatte. Sie wirkte durch die Koloration wie echt, allerdings bemerkte man am Gewicht schnell, dass sie niemanden damit schaden konnte.
 

Sie schwang die Axt in Richtung Spiegel und nahm eine lässige Pose ein.
 

«Rück‘ deinen sexy Dad raus, oder ich enthaupte dich, elender Knecht!», drohte sie ihrem Spiegelbild und an welchen Vater sie dachte, blieb ungewiss. Yumiko wusste aber, dass sie noch ein passendes Make-up bräuchte und schnappte sich ihr Federmäppchen, in denen sie ihre Schminkutensilien aufbewahrte. Beim Verlassen ihres Zimmers, griff sie nach der zweiten Tasche und verließ die Wohnung, um ins Bennys zurückzukehren.
 

«Benji!», rief sie, kaum hatte sie die Tür zu Bar geöffnet und stellte die Tasche, die sie mitgenommen hatte zu Naoki auf den Tisch.
 

«Du musst mir Runen ins Gesicht malen!»

«Gleich.»

Benji war in der Küche und für Yumiko galt es zu warten. Sie wandte sich also Naoki zu und schwang sich ihre gebastelte Axt über die Schulter.
 

«Schau dir mein geiles Outfit an! Legendär, oder?»

«Wow! Das sieht wirklich sehr cool aus. Das hat echt Tatsumis Mutter gemacht?»

«Japp, hat sie! Alles handgemacht und…»
 

Yumiko dreht sich und beendete die Drehung mit einer Heldenpose.

«Superbequem!», folgte eine weitere Beurteilung zum Outfit, was Naoki anerkennend nicken ließ.
 

«Sehe ich.»

«Dir hat sie auch eins entworfen!»

Sie eilte zum Tisch, legte die Papp-Axt ab und holte den Inhalt aus der Tasche heraus. Daraufhin stand Naoki auf und riss es ihr gierig aus den Händen.
 

«Der Wahnsinn!», beurteilte er es und warf sich den Stoff um die Schultern. Es war wie eine Art Cape aufgebaut, mit Kapuze und einer Schnur, um sie am Hals enger zu machen. Auf dem Stoff waren aufwendige Verzierungen eingenäht und Naoki wirkte damit wie ein Zauberer. Er streckte die Arme aus, um die Größe zu prüfen und erkannte, dass es wie auf ihn zugeschnitten war.
 

«Also, wenn wir mit diesen Outfits keine Ringe nach Mordor bringen, weiß ich auch nicht!», bewertete Yumiko den Umhang ihres Bruders.

«Dabei hat sie uns doch schon so viele Kekse gebacken. Unglaublich, dass sie uns zu Weihnachten auch noch Kostüme gemacht hat.»

«Sie ist halt einfach eine Liebe! Wenn ich könnte, würde ich sie adoptieren!»
 

Benji kam aus der Küche und rieb mit einem Küchenhandtuch über seine Hände. Er war anscheinend fleißig am Werkeln und betrachtete neugierig seine beiden Geschwister.
 

«Cool», gab auch er seine Meinung preis und Yumiko grinste zufrieden.

«Jetzt ist dein künstlerisches Geschick gefragt! Ich brauche epische Runen im Gesicht, damit man sofort erkennt, dass ich Köpfe spalten werde, wenn man mich provoziert.»
 

Ähnlich einem kleinen Kind setzte sich Yumiko brav auf einen der Stühle und sah Benji mit einem breiten Lächeln an.

«Los, los, los! Die anderen müssten bald da sein!»

Benji ließ sich nicht hetzen und wusch sich erst einmal in Ruhe die Hände.
 

«Wird Ryozo auch ein Cosplay tragen?», fragte er dabei in die Runde.

«Man, Benji! Es geht doch jetzt um mein Outfit!»

Er ließ sich nicht beirren und verzog bei dem Spruch keine Miene. Stattdessen ging er zu Yumiko und schnappte sich das Federmäppchen.

«Runen, sagst du?»

«Japp!»

«Ok.»
 

Die Wahl der Farbe fiel auf Türkis, denn Benji kannte seine Schwester und ihre Lieblingsfarbe, und als Stift musste ein Kajal in dieser Farbe herhalten.
 

«Mal ihr einen Pimmel auf die Stirn», kommentierte Naoki das Vorhaben und Yumiko wandte sich ihm zu. «Schnauze!»

Der Blickkontakt blieb nicht, denn Benji packte das Gesicht seiner Schwester und führte es in seine Blickrichtung. «Stillhalten.»
 

Er setzte mit dem Kajal an und begann, keltische Runen auf dem Gesicht aufzutragen.
 

«Praktisch einen Zeichner im Haus zu haben», sagte Naoki, ehe er sich setzte und weiter an dem Abenteuer arbeitete. Es fehlten noch ein paar Vorbereitungen und die machte er, wie immer, kurz vor knapp. Schließlich kamen ihm unter Zeitdruck die besten Ideen und diese musste er schnell noch auf Papier bringen.
 

«Ich hoffe doch, du hast Ryozo die falsche Uhrzeit gegeben?»

«Japp», bestätigte Yumiko, die wenig sprach, um nicht ihr Gesicht zu viel zu bewegen.

«Sehr gut. Dann kommt der Cowboy wenigstens mal pünktlich.»

«Ziemlich gemein von euch, ihn einfach eine Stunde früher herzu zitieren», meldete sich Benji zu Wort und erhielt von seinen Geschwistern nur einen belustigten Blick.
 

«Anders funktioniert es halt nicht, außerdem wird ihm kein Zacken aus seiner Krone brechen, wenn er mal nicht alle anderen warten lässt.»

«Seh‘ ich auch so», stimmte Yumiko Naoki zu.

«Und du verteidigst ihn auch nur, weil du mit ihm nie die Schicht wechseln musstest, als er hier gearbeitet hat. Ich hingegen schon.»
 

Auf diese Begründung von Naoki fiel Benji kein Einwand ein, der sich von Yumiko löste und das Endergebnis betrachtete.
 

«Fertig», teilte er mit und Yumiko schnellte in eine stehende Position.

«Danke!», war das vorerst letzte, was man von ihr hörte, denn sie eilte Richtung Badezimmer der Bar, um sich in einem Spiegel das Endergebnis anzusehen.
 

«Was ist dein Plan, wenn sie alle im Abenteuer zu Anfang direkt sterben?»

«Gute Frage, Benji. Ich weiß es noch nicht. Ich habe aber dieses Jahr die Charaktere bereits vorgefertigt und Dinge eingebaut, die hoffentlich verhindern, dass mir die Spieler wieder Amok laufen und alle Tavernen zerlegen.»

«Hm», entgegnete Benji und ein Jubeln von Yumiko unterbrach das kurze Gespräch der beiden Brüder.
 

«Das ist der Wahnsinn! Oder sollte ich besser sagen, der Thorsinn!»

Damit kehrte Yumiko zurück und griff ihre Papp-Axt.

«Im Namen des Valhallah-Kristalls, werde ich euch bestrafen!», verkündete sie und hob die Axt in die Luft.

«In welchem Anime bist du denn?», kommentierte Naoki belustigt den Schlachtruf seiner Schwester.
 

«Bei Sailor Viking! Ich bin eine Mondprinzessin, die mit ihrer massiven Stahlaxt und planetarer Supermagie die Bösewichte vernichtet.»
 

«In Ordnung, Prinzessin Serenity.»

Naoki hatte den Anime richtig gedeutet.
 

«Wenn dann, Prinzessin, Freyjaty», korrigierte Benji ihn und auf den abgewandelten nordischen Namen, folgte eine eisige Prise. Die Tür der Bar öffnete sich und Ayumi und Chiyoko kamen herein.
 

«Oh, es ist ja offen», stellte Ayumi fest, die Chiyoko den Vortritt erwies und hinter ihr die Tür schloss.
 

«Ja, das Schild ist etwas irreführend.»

Yumiko legte die Axt weg und sprang förmlich auf Chiyoko, die sie in eine feste Umarmung zwang. «Chimooooo! Da ist ja das süßeste Süßi-Plüschi, dass es auf der Welt gibt!»

Chiyoko konnte kaum antworten, denn Yumiko vereinnahmte die Begrüßung komplett. Benji reichte derweil Ayumi die Hand und die beiden grüßten sich freundlich.
 

«Hey.»

«Hallo, Benjiro.»
 

Naoki schloss sich dem Begrüßungskomitee an und half Ayumi mit ihrer Winterjacke.

«Darf ich?», fragte er und Ayumi nickte, die sich von ihm beim Ausziehen helfen ließ. Yumiko gab zeitgleich Chiyoko frei und wandte sich Ayumi zu, während Naoki auch Chiyoko half, die Jacke auszuziehen.
 

«Ich freue mich sehr, dass ihr beiden hier seid. Es ist ja euer erstes Mal bei uns», hieß er Ayumi und Chiyoko willkommen, welche beide lächelten.
 

«Ich finde es auch cool, dass du mitmachst, Ayu.»

Yumiko grüßte Ayumi mit einem kumpelhaften Schlag gegen die Schulter und zwinkerte ihr zu.

«Wie findest du mein supercooles Cosplay?»

«Das sieht richtig toll aus.»

«Ja, oder? Das hat Tatsumis Mum für mich gemacht!»
 

Chiyoko und Ayumi waren in Zivil gekleidet und trugen ein ähnliches Outfit. Zwei dicke Rollkragenpullover und dazu eine Jeans.

«Ich wusste nicht, dass es für heute ein Motto gibt», entschuldigte sich Ayumi für ihr Outfit und erntete einen weiteren kumpelhaften Schlag von Yumiko.

«Ach, Ayu. Alles cool! Ich hab‘ mitgedacht und wenn Tatsumi dran denkt, werdet ihr genauso episch aussehen wie wir!»
 

«Ich bin dann mal in der Küche», verabschiedete sich Benji, der Chiyoko ebenfalls begrüßt hatte, während sich Naoki, der die Winterjacken in der Garderobe verwahrt hatte, zu Ayumi gesellte.

«Du hast an das gedacht, worum ich dich gebeten habe?»

«Ja.»
 

Ayumi griff nach ihrer Tasche und holte einen Schnellhefter mit Papier hervor, den sie Naoki überreichte. «Du bist ein Schatz.»

Er nahm ihn an sich und ging mit diesem in Richtung Laptop.
 

«Was treibt ihr da für geheime Sachen?»

Die Neugierde von Yumiko war geweckt, die sich die beiden Neuankömmlinge schnappte und sie zu ihren Plätzen führte.
 

«Eine Vorbereitung für die Charaktererstellung.»

Erhielt sie die Antwort und gab sich damit erst einmal zufrieden, da ein anderer Gedanke ihren Kopf dominierte.
 

«Ihr sitzt nebeneinander. Das ist super wichtig für das Spiel. Ist bei einem Pen & Paper eine Regel.»

Naoki grinste bei dieser offensichtlichen Lüge von Yumiko, sagte jedoch nichts dazu.
 

«Wir haben noch etwas für euch», sagte Ayumi, die sich zwar wie angewiesen zu ihrem Platz begab, aber drei kleine Geschenke aus ihrer Tasche holte. Sie waren handgroß, mit weihnachtlichem Geschenkpapier verpackt und hatte alle eine farblich passende Schleife.
 

«Geschenke? Für uns?», fragte Yumiko überrascht und nahm die drei Päckchen an sich.

«Ja.»
 

Es hätte Ayumis Bestätigung zu dieser Frage nicht gebraucht. Yumiko war die Freude über diese Geste deutlich anzusehen.

«Wie süß von euch! Was die Geschenke betrifft, feiern wir Weihnachten eher ohne, aber zu coolen Loot sag‘ ich nicht nein! Danke!»
 

Da es sich um drei kleine Geschenke handelte, gab Yumiko jeweils eins davon ihren Brüdern. Wobei sie das für Benji auf den Bartresen stellte.
 

«Ryozo hat mal erzählt, dass ihr Weihnachten wie im Westen feiert. Darf ich schon aufmachen?», fragte Yumiko, die das Geschenk schüttelte, um zu erraten, was sie darin erwartete.

«Natürlich», bestätigte Ayumi, nachdem sie einen kurzen Blick mit Chiyoko ausgetauscht hatte, die zuzustimmen schien.
 

«Wir feiern es auch eher traditionell, aber ich fand es schön etwas zu holen», erklärte Chiyoko, die zusah, wie sich Yumiko zu ihnen setzte.
 

«Ich kenne es nur so. Ryozo und ich sind an Weihnachten meistens bei unseren Großeltern und dort machen wir immer eine Bescherung.»

«Wie darf ich mir das bei Promi-Großeltern vorstellen? Hunderte Geschenke an einem großen Tisch in einer Villa?», fragte Yumiko, die sich kurz dem Gespräch widmete, bevor sie sich auf das Geschenk stürzte.
 

«Eher ganz normal. Ja, Oma und Opa leben nicht schlecht, aber so viele Geschenke sind es auch wieder nicht. »
 

Yumiko machte sich ans Auspacken und entfernte vorsichtig die Schleife, ehe sie das Geschenkpapier aufriss. Es landete leicht zerrupft neben ihr auf dem Tisch und sie hob ungläubig das Päckchen hoch.
 

«Holy Maccaroni! Das meint ihr nicht ernst?!», fragte sie ungläubig.

«Wir hatten überlegt, was zu dir passt», fing Ayumi mit der Erklärung an, die von Chiyoko fortgesetzt wurde.

«Naoki hat erzählt, du magst Musik und Spinnen, also haben wir uns für eine Kombination entschieden.»
 

Yumiko öffnete den Karton und holte zwei kabellose Kopfhörer heraus. Es waren zwei kleine Spinnen, mit eingebauten Lautsprechern. Dazu eine passende Schatulle mit Ladefunktion.

«Scheiße, wie goldig!»

Sie zog die Kopfhörer an, schob ihre Haare beiseite und präsentierte sie, wie bei einer Modenschau.
 

«Naoki! Guck mal! Ich hab‘ Spinnen im Ohr!»

«Ich glaube, du spinnst», kommentierte Naoki lachend das Geschenk und auch Ayumi und Chiyoko stiegen in das Lachen mit ein.
 

Yumiko konnte nicht an sich halten und zerrte beide in eine Umarmung.

«Ihr Süßen! Dankeschön!», sie ließ ab und verwahrte ihr Geschenk behutsam in der Originalverpackung.
 

«Ich hab‘ gar nichts für euch. Wollt ihr vielleicht einen Schnaps?»

«Ich trinke keinen Alkohol», entgegnete Ayumi daraufhin.

«Kaum zu glauben, dass du Ryozos Zwillingsschwester bist», sagte Yumiko und sah zu Chiyoko. «Was ist mit dir, Süße?»

«Und ich trinke seit der Firmenweihnachtsfeier nicht mehr…», gestand Chiyoko.

«Oh! Diesen Blick kenne ich! Die gute alte Reue.»
 

Sie interessierte sich für die Geschichte dahinter, doch Naoki hatte die Gelegenheit genutzt und sein Geschenk ausgepackt.
 

«Der Millennium Falke?!», sagte er überrascht und hielt einen Schlüsselanhänger vor sich.

«Ryozo hat gesagt, du magst Star Wars», sagte Chiyoko und Ayumi nickte. Hier war Chiyoko dafür verantwortlich gewesen, das Geschenk zu besorgen, da Ayumi wenig damit anfangen konnte.
 

«Vielen Dank. Das kommt sofort an meinen Schlüssel.»

Er kramte diesen aus seiner Jeans und befestigte den Anhänger daran.
 

«Benji! Pack dein Geschenk aus!», hetzte Yumiko ihren älteren Bruder, welcher von Ayumi verteidigt wurde. «Er kann es ruhig später in Ruhe auspacken.»

«Ja, ok», willigte Yumiko ein. «Musst doch nicht kommen, Benji!»
 

Benji würde ohnehin gleich beim Kochen gestört werden, denn die Tür zur Bar öffnete sich und Ryozo und Tatsumi betraten das Bennys. Sie beide trugen ein für den Abend passendes Outfit.
 

Ryozo glich, ähnlich wie Yumiko, einem Wikinger und Tatsumi wirkte mehr wie ein Adliger aus alten Tagen. Beide trugen zwei große Taschen und luden diese in der Nähe des Tisches ab.
 

Zu einer Begrüßung der Zwei kam es erst einmal nicht, denn auf sie folgten Tatsumis Eltern.
 

«Entschuldigung, bin ich hier richtig bei der Selbsthilfegruppe für Kekssüchtige?», stellte Tatsumis Vater, Shigeru Ozaki, lächelnd eine Frage in den Raum. Chiyoko blickte ratlos zu Ayumi, Ryozo und Naoki schmunzelten und Yumiko eilte zu Tatsumi, packte ihn an der Schulter, als wolle sie sich an ihm hochdrücken und hob die Hand wie in der Schule.
 

«Ja, suchen Sie sich… ein freies PÄTZCHEN!», rief sie grinsend und umarmte dann Tatsumi und anschließend Ryozo, um diese zu begrüßen. Danach eilte sie zu Shigeru und umarmte auch diesen.
 

«Süße Mütze!», kommentierte sie das Outfit und löste sich von ihm. Tatsumis Vater trug eine rote Mütze mit weißen Bommel, dazu allerdings einen eleganten Wintermantel und darunter einen teuren Anzug.
 

«Vielen Dank, Mylady.»

Shigeru verbeugte sich und sah sich anschließend neugierig in der Bar um.
 

«Wow! Das ist also eure Bar! Da bekomme ich doch glatt Lust auf einen Drink!»

«Schatz, wir müssen noch zu deiner Mutter», mischte sich Tatsumis Mutter ein, die zum Schluss die Bar betrat und zum Tisch ging. Sie umarmte Ayumi und kniff ihr zärtlich in die Wange.
 

«Ayumi, mein kleiner Spatz. Lange nicht gesehen. Frohe Weihnachten!»

«Frohe Weihnachten.»

«Wer ist das? Deine Freundin?»

Sie sah zu Chiyoko, welche schüchtern nickte und ebenfalls von Tatsumis Mutter umarmt wurde.

«Mari Ozaki, freut mich dich kennenzulernen.»

«Chiyoko Morishita.»

Stellten beide einander vor, ehe Mari nach einer der Taschen griff.

«Ryozo hat mir also die richtigen Maße gegeben. Wie schön.»

«Klar doch», kommentierte dieser, ging zu seiner Zwillingsschwester und grüßte sie mit einem sanften Schlag gegen die Schulter.
 

«Hey, hätte nicht gedacht, dass du kommst», kommentierte er ihr Hiersein und grüßte Chiyoko mit einem Handschlag.

«Na, alles klar?»

«Ja», entgegnete sie lächelnd und musterte ihn. «Du siehst aus wie Ragnar aus der einen Wikinger-Serie.»

«Ich bräuchte noch einen Bart, aber ja, ich fühle mich wie ein Wikinger.»

Er hob leicht den Mantel zur Seite, damit man das mit Runen verzierte Oberteil betrachten konnte.
 

«Es kann nur einen wahrhaftigen Wikinger geben und das bin ich!», mischte sich Yumiko ein, die Tatsumi zu einem Platz am Tisch zerrte.

«Du sitzt neben mir und dort sitzt Ryozo!», teilte sie ihm mit und sah sich, mit den Händen, sein Outfit an.

«Der Stoff ist der Wahnsinn! Richtig weich und edel.»

Mari hörte es und ging zu ihrem Sohn, um dessen Kleidung vorzustellen.

«Ich habe mit Samt gearbeitet und Stickereien», erzählte sie freudig und präsentierte Tatsumi, als wäre er eine Schaufensterpuppe, die ihre Kreation trug.

«Da er nicht so breite Schultern wie Ryozo hat, konnte ich mit einem anderen Schnitt arbeiten.»

«Mum…»

Naoki, der das Gespräch mitbekam, prustete leicht, erhielt dadurch aber die Aufmerksamkeit von Tatsumis Mutter.
 

«Naoki, mein Kleiner. Du trägst dein Gewand ja schon! Lass mich schauen, wie es aussieht.»

Sie kam mit kleinen, flinken Schritten zu ihm und sah sich ihn an.

«Sehr schön. Es passt genau.»

Sie tatschte mütterlich an ihm herum und kniff ihm anschließend sanft in die Seite.

«Verschmähst du etwa Benjiros köstliches essen? Du hast ja kaum etwas auf den Rippen.»
 

Diesmal amüsierte sich Tatsumi, der sich an den Tisch saß und Ayumi und Chiyoko begrüßte. Ryozo drückte Ayumi eine der Taschen in die Hand und deutete in Richtung der Bäder.

«Das sind eure Sachen. Dort vorne sind die Toiletten, da könnt ihr euch umziehen.»
 

Damit erhoben sich beide und Tatsumis Mutter, die ihre Augen und Ohren überall zu haben schien, bekam das mit und rief ihnen hinterher.

«Wenn ihr Hilfe beim Einkleiden braucht, ruft nach mir.»
 

«Wo ist denn der Meisterkoch des Hauses?», fragte Shigeru und warf einen suchenden Blick durch die Bar.

«In der Küche», beantwortete Naoki ihm die Frage, der von Tatsumis Mutter ein großes Geschenk in die Hand gedrückt bekam.

«Für euch.»

«Aber wir bekamen doch schon Kekse und alles.»

«Wir Ozakis kennen kein „aber“. Ich habe gehört, dass euer Dingsda kaputt ist, also haben mein Mann und ich euch ein Neues besorgt.»
 

Scheinbar konnte niemand mit der Beschreibung etwas anfangen, also sprang Tatsumi als Übersetzer ein.

«Eure XBOX.»
 

Der Schock war Naoki anzusehen, der mit seiner Überforderung nicht ganz umzugehen wusste.

Er stellte das große Paket beiseite und Benji kam aus der Küche. Er zeigte Naoki einen Briefumschlag und auch ihm war der Schock ins Gesicht geschrieben. Tatsumis Vater kam ebenfalls aus der Küche, legte einen Arm um Benji und lachte erheitert.
 

«Nichts bereichert die Welt mehr als glückliche Kindergesichter.»

«Ihr seid doch Irre!», rief Yumiko, die Naoki das Geschenk aus der Hand riss und es auspackte. Es war tatsächlich eine neue Spielkonsole und die drei Geschwister standen sprachlos vorm Tisch und betrachteten die Originalverpackung.
 

«Ist das nicht zu viel?», fragte Benji, doch Mari lachte nur, während Shigeru zu seiner Frau ging und ihr einen Arm umlegte.

«Die Idee war von unserem Sohnemann!»
 

Tatsumi schrak auf und sah zu den drei Geschwistern. Er ahnte, was ihm blühte und wollte fliehen. Es half nichts, denn Naoki und Yumiko, zwangen ihn in eine Umarmung und zerquetschten ihn dabei fast.

«Danke, Tatsumi!», übertönte Yumiko alle anderen und damit auch eine leise gehauchtes «Keine Luft…» des Umarmten.
 

Benji bedankte sich mit leichter Verbeugung bei Tatsumis Eltern und deutete mit einem Blick zum Bartresen.

«Wenn du so fragst», entgegnete Mari lachend. «Hast du nicht gesagt, wir trinken nichts?», fragte Shigeru. «Du nicht, ich schon»
 

Tatsumis Mutter setzte sich auf einen der Barhocker und ließ sich von Benji einen Drink servieren. Einen Anblick den Naoki nicht aushielt, der zu ihm eilte und den Drink richtig mixte. Auf Anweisung von Mari, wurde es mehr Alkohol als es im Rezept des Cocktails stand.
 

«Diese alten Schluckspechte», kommentierte es Tatsumi und Ryozo lachte.
 

Ayumi und Chiyoko kehrten von den Toiletten zurück und ein lauter Schrei von Yumiko ließ beide aufschrecken.

«OH MEIN GOTT SEHT IHR GUT AUS!»

Sie rannte zu den beiden und sah sich mit Staunen die beiden Kleider an.

«Wie zwei Disney-Prinzessinnen aber in viel epischer!»
 

Vorsichtig hob sie den Stoff an um es sich bei beiden, mal wieder, mit ihren Händen anzusehen. Auch Mari sah endlich ihr Ergebnis und eilte mit dem Drink in ihrer Hand zu ihnen.

«Wie aus einem Märchen», sagte sie glücklich und trank einen Schluck.

«Sie sind wunderschön. Danke, Mari.»

«Vielen Dank, Frau Ozaki.»
 

Bedankten sich beide und Shigeru nutzte die Abgelenktheit seiner Frau und ließ sich heimlich von Naoki ein Glas einschenken. Auch Tatsumi und Ryozo bekamen Getränke serviert, diesmal von Benji, der lediglich ein Bier öffnen und hinstellen musste. Für Ayumi und Chiyoko gab es einen alkoholfreien Cocktail und die Harashi Geschwister tranken einen Whiskey.
 

«Lasst uns anstoßen!», rief Naoki alle zusammen und die Anwesenden versammelten sich stehend am Tisch.

«Auf Glück, Gesundheit und die Dunkle Macht!»
 

Ein lautes „Kanpai!“ hallte durch das Bennys und nachdem jeder einen Schluck getrunken hatte, eilte Yumiko davon und kehrte mit einer Polaroid-Kamera zurück. Shigeru erklärte sich dazu bereit ein Foto der Gruppe zu machen und alle stellten sich zusammen.
 

«Sagt: „Laktoseintolerante vertragen keinen Cheese“», wies er belustigt die Gruppe an und drückte den Auslöser. Er bewegte anschließend das Foto und überreichte es Yumiko, die es an einem freien Platz an der Wand anbrachte.
 

Tatsumis Eltern verabschiedeten sich daraufhin und machten sich auf den Weg. Die anderen nahmen Platz am großen Tisch und Benji verteilte kleine Snackschüsseln mit allerlei Knabberzeug in der Mitte.
 

«Ganz vergessen», sagte Ryozo, der in seinen Rucksack griff und ein Geschenk hervorholte. Er stellte es auf den Tisch und wandte sich Ayumi zu.

«Deines gibt’s, wenn wir bei den Großeltern sind», erklärte er und Ayumi war sich sicher, dass es, wie jedes Jahr, ein Gutschein, Socken oder Buch werden würde. Tatsumi lehnte sich zurück und war sich ebenfalls sicher, dass mit einer kreativen Meisterleistung bei seinem besten Freund nicht zu rechnen war.
 

«Das ist für euch Drei», fügte er an und Yumiko nahm das Geschenk an sich.

«Ich pack‘ aus!», sagte Yumiko freudig, hatte hinter sich Benji stehen, der gespannt aufs Geschenk schaute und auch Naoki sah neugierig in ihre Richtung.
 

Bei Ryozo konnte man mit allem rechnen, da er kein Händchen für Geschenke oder das Einpacken hatte.

Macken, Ängste und gescheiterte Kreativität

Es war unüblich, dass sich Ryozo die Mühe für ein Weihnachtsgeschenk machte und es war noch unüblicher, dass sein Geschenk eingepackt war. Meist beglückte er Freunde und Familie mit Gutscheinen, Socken oder Parfüm und wählte damit, rein statistisch betrachtet, das, was viele zu Weihnachten wählten. Böse Zungen würden behaupten, dass es sich bei dieser Art von Geschenken um unkreative handle und da Yumiko eine böse Zunge war, brachte sie dies zur Ansprache.
 

«Unkreativ wie du bist, ist das ein Gutschein, oder?»

Sie nahm das Päckchen an sich und inspizierte es mit einem belustigten Gesichtsausdruck. Ihre Brüder standen hinter ihr und konnten sich lustige Bemerkungen nicht verkneifen.

«Ich sage, es sind wieder Socken», gab Naoki seine Einschätzung preis und warf Benji einen Blick zu.

«Ich logge auch Gutschein ein.»
 

«Wenn ihr es nicht haben wollt, nehme ich es wieder mit», sagte Ryozo gespielt gekränkt und streckte seine Hand nach dem Geschenk aus. Yumiko zog es gierig an sich und schüttelte den Kopf.

«Nein, wir behalten es. Außerdem will ich wissen, wer von uns gewonnen hat!»
 

Damit war diese nette Geste ein Wettbewerb und Yumiko, die normalerweise ungeduldig das Geschenkpapier aufriss, ließ sich diesmal Zeit und sorgte für Spannung. Sie stoppte am letzten Klebeband, welches das Papier zusammenhielt, und wandte sich ihren Brüdern zu.
 

«Trommelwirbel, meine Herren»

Naoki und Benji trommelten daraufhin auf dem Tisch, während Yumiko langsam und passend zum Takt das Klebeband entfernte.
 

«Ihr seid so bescheuert», kommentierte Ryozo dieses Vorgehen, während Ayumi, Chiyoko und Tatsumi sich schmunzelnd amüsierten.
 

«Und es iiiiiiiiist…», fing Yumiko an und riss mit einer flinken Bewegung das Geschenkpapier ab. Eine bedruckte Verpackung wurde freigelegt und die Brüder beendeten das Trommeln. Fragende Gesichter betrachteten das Geschenk und es schien noch niemand erkennen zu können, wer den Wettbewerb gewonnen hatte.
 

«Äh…was ist das?» Yumiko entfernte das übrige Geschenkpapier und drehte den kleinen Karton in ihren Händen. Sie suchte nach einer Antwort und fand diese auf einer der bedruckten Verpackungsseiten.

«Schnapsgläser?!»

«Nicht dein Ernst», sagte Naoki und entriss seiner Schwester das Geschenk.

«It’s a trap», warnte Benji mit ruhiger Stimme.
 

«Gib das wieder her!»

Yumiko riss das Geschenk an sich und öffnete vorsichtig die Verpackung. Schließlich konnte es sich um ein eher zerbrechliches Geschenk handeln und da wollte sie es nicht beschädigen. Oder aber die Verpackung war eine Falle und es verbargen sich Gutscheine oder Socken darin.
 

«Unglaublich», sagte sie und holte drei kleine Schnapsgläser mit Aufdruck hervor. Sie gab Naoki und Benji jeweils eins und zu dritt beäugten sie das Geschenk.
 

Naokis Glas hatte einen Kunstdruck mit einem Abbild von Commander Spock und Benjis zierte ein Portrait von James T. Kirk. Yumikos Glas war mit Uhura verziert und die drei Geschwister schienen alle Figuren zu kennen. Ebenso Tatsumi, der Ryozo einen Arm umlegte und den Kopf schüttelte.
 

«Ich sagte doch, sie mögen Star Wars», teilte er seinem besten Freund mit.

«Ist es doch?», ließ sich Ryozo nicht beirren und deutete auf die Verpackung.
 

Yumiko lachte und verstaute ihr Glas wieder in dieser.

«Das ist Star Trek», klärte sie Ryozo auf und Naoki lachte.

«Stets bemüht. Wie damals auf der Arbeit», neckte er ihn und gab Yumiko das kleine Glas, damit sie dieses verstauen konnte.
 

«Ich finde es super. Vielen Dank», bedankte sich Benji und nahm die übrigen Gläser mitsamt Verpackung an sich. Er brachte sie zur Bar und stellte sie gut sichtbar in eines der Regale.
 

«Na, toll. Jetzt wirken wir undankbar.»

Naoki und Yumiko eilten zu Ryozo und umarmten ihn.
 

«Lass dich knutschen, Cowboy», sagte Naoki und setzte dazu an, Ryozo drückte ihn aber von sich weg.

«Bloß nicht!»
 

«Ich finde, dass du dir etwas Schönes überlegt hast, Ryozo», teilte Ayumi ihrem Zwillingsbruder mit und Chiyoko nickte.

«Er hatte zwar meine Hilfe und ist trotzdem gescheitert, aber ok», kommentierte Tatsumi. Yumiko ließ von Ryozo ab und streichelte Tatsumi über den Kopf.

«Das wissen wir doch», sagte sie und rief in Benjis Richtung.

«Jetzt musst du noch das von Ayumi öffnen!»
 

Yumiko deutete auf das noch verpackte Geschenk auf dem Tresen und Benji nahm es an sich.

«Du hast ihnen Geschenke mitgebracht?», fragte Ryozo überrascht und Yumiko grinste.

«Nicht nur sie. Chimo hat mitgemacht. Ich hab‘ dir doch gesagt, sie mag mich.»
 

Daraufhin eilte Yumiko zu ihren neuen Kopfhörern und präsentierte sie. Naoki zeigte ebenfalls stolz, was er erhalten hatte, und Benji, der die beiden Präsente seiner Geschwister ansah, öffnete dann sein eigenes. Er packte es aus, legte ordentlich das Geschenkpapier zur Seite und hob es für alle sichtbar leicht in die Höhe.
 

«Wie passend», kommentierte es Tatsumi und auch der Rest am Tisch war dieser Meinung.

«Woher wusstet ihr das denn?», fragte Naoki und Yumiko kicherte.

«Yumiko hat uns erzählt, dass er Manga zeichnet. Also dachten wir, wir holen etwas in diese Richtung.»
 

Nach Ayumis Erklärung, ging Benji zu den beiden und bedankte sich.

«Vielen Dank. Tusche kann ich immer gebrauchen.»
 

«Na? Fühlst du dich jetzt schlecht, Ryozo? Deine Schwester fördert Kreativität und du Alkoholkonsum»

«Fick dich, Tatsumi.»

«Du kannst dich ja im Pen und Paper an ihm rächen, Cowboy. Also, gut. Starten wir?», unterbrach Naoki die beiden.
 

Benji räumte die Spuren der Bescherung vom Tisch, während Naoki den Laptop aufklappte.

Der Rest machte es sich am Tisch gemütlich und Ryozo schob die Chips auf die Tischseite von Ayumi.
 

«Hallo? Vielleicht wollte ich welche essen?», warf Tatsumi ein und griff nach einer der Schalen.

«Ich will doch keine ungesunde Ernährung fördern.»

«Wow. Nachtragend wie immer.»

«Soll ich das auf seinem Charakterbogen notieren?», warf Naoki ein und lenkte das Thema damit wieder zum Spiel.
 

«Bitte nicht», antwortete Tatsumi und auch Yumiko schüttelte den Kopf.
 

Naoki nutzte sein Smartphone um die Musik, die im Hintergrund lief, etwas leiser zu machen und wandte sich anschließend den Anwesenden zu.
 

«Wer weiß denn nicht, was ein Pen und Paper ist?», fragte er in die Runde und Ayumi und Ryozo hoben die Hand. «Gut, dann erkläre ich zunächst einmal das Spiel. Keine Sorge, keiner von euch benötigt Vorkenntnisse oder Fachwissen. Du, Ayumi, darfst mir jederzeit Fragen stellen, wenn dir etwas unklar sein sollte.»

«Und ich frage einfach einen Passanten auf der Straße, oder was?», warf Ryozo ein und Naoki zwinkerte ihm zu.

«Du hast deinen Schatzi.»

Tatsumi sah zu Ryozo und grinste.
 

«Ich, ein Altruist wie er im Buche steht und dein allerbester Freund, werde dir natürlich helfen.»

«Klar», entgegnete Ryozo dessen misstrauischer Blick alles verriet, was er gerade dachte.

«Jede Frage kostet dich nur Gold oder einen Gegenstand aus deinem Inventar.»

«Wie reizend.»
 

Naoki griff nach dem Schnellhefter, den er von Ayumi bekommen hatte und legte ihn neben sich auf den Tisch. «Ich erkläre jetzt das Spiel. Also, aufgepasst.»

Er erhielt die Aufmerksamkeit und die Anwesenden wurden ruhig.
 

«Wir spielen ein Pen und Paper Rollenspiel. Dafür schlüpft ihr, die Spieler, in die Rollen fiktiver Charaktere, die ihr das ganze Abenteuer lang verkörpert. Anders als bei Videospielen oder Brettspielen, gibt es kein konkretes Spielfeld und keine Spielfiguren. Stattdessen werden Umgebungen, Charaktere und Aktionen durch Gespräche und die Vorstellungskraft aller Teilnehmenden umgesetzt. Das Spiel wird von einer Spielleitung, meiner Wenigkeit, gelenkt und ich beschreibe euch die gesamte Welt und ihre Details. Ich sage euch, was ihr seht, hört, fühlt oder erlebt. Ich spiele zudem sämtliche Nebenfiguren, die ihr im Abenteuer trefft. Außerdem kümmere ich mich um die Regeln und entscheide, wie die Welt auf die Handlungen eurer Charaktere reagiert. Alles klar soweit?»
 

«Es ähnelt einem Theater-Club?», fragte Ayumi, erhielt jedoch nicht von Naoki die Antwort, sondern von ihrer Sitznachbarin Chiyoko.

«Es ist ähnlich. Aber ja, wir spielen die Charaktere wie bei einem Schauspiel. Unsere Charaktere besitzen Fähigkeiten und Talente, die wir im Abenteuer einsetzen können.»

«Genau», bestätigte Naoki und griff nach einem Charakterbogen, der als Vorlage diente.
 

«Jeder von euch hat einen detaillierten Charakterbogen. Ähnlich wie bei einem Videospiel gibt es Stärken und Schwächen, Talente, Fähigkeiten, Rüstung, Waffen und ein Inventar», erklärte er und legte den Bogen beiseite. Er griff nach den Würfeln und zeigte sie der Gruppe.
 

«Der Erfolg eures Handelns, wird von Würfeln bestimmt.»

«Wie bei einem Glücksspiel?», warf Ryozo ein und Naoki nickte.

«Glück ist ausschlaggebend. Dazu kommen aber die jeweiligen Spezialisierungen eures Charakters. Ich mache mal ein Beispiel.»

Naoki deutete auf Ryozo.
 

«Gehen wir mal davon aus, der Cowboy spielt sich selbst. Also einen Sportstudent, der in seiner Freizeit gerne schraubt. Im Pen und Paper würde das bedeuten, dass er von Natur aus sehr athletisch ist und ein handwerkliches Geschick mitbringt. Wenn er im Abenteuer klettern, springen oder schwimmen muss, bekommt er einen Bonus auf seine Würfe und kann diesen, wenn er Glück hat, leichter schaffen. Gleiches gilt beim Reparieren von Dingen. Sollte er aber versuchen wollen jemanden zu verführen, ist es schwerer für ihn.»

«Wieso denn verführen?», fragte Ryozo irritiert.

«Ja, verführen. Ich dachte ich nehme dieses Beispiel, weil du von uns am Tisch, die meisten gescheiterten Beziehungen vorweisen kannst.»

«Wow.»

«Gut, zurück zum Spiel.»

Naoki legte die Würfel beiseite und führte seine Erklärung fort.
 

«Für das Spiel gibt es ein festes Regelwerk. Welche Würfel benutzt werden, welche Fähigkeiten eure Charaktere je nach Wahl des Volkes, der Klasse und des Hintergrunds besitzen und welche Boni ihr dadurch erhaltet. Ihr müsst euch das aber nicht merken, sondern habt dafür die Charakterbögen, die sich vor euch befinden. Diese füllen wir jetzt gemeinsam aus.»

«Nach welchem Regelwerk spielen wir denn? DSA5?», fragte Tatsumi, der sich auszukennen schien.

«Wir orientieren uns an den Basic Regeln für Dungeons and Dragons, allerdings habe ich diese für die neuen Spieler angepasst und vereinfacht. Es ist mehr ein eigenes Regelwerk.»

«Ich verstehe.»
 

Naoki fing an am Laptop etwas zu tippen, stoppte dann aber und erklärte weiter.
 

«Weil die Charaktererstellung für neue Spieler meist besonders anspruchsvoll ist, machen wir das heute ein bisschen anders. Ich habe für jeden einen Charakter erstellt und diesen verfeinern wir jetzt gemeinsam.»

«Oh nein.»

Tatsumi seufzte und Naoki grinste.

«Keine Sorge, meine kleine Eidechse. Du bekommst von mir einen passenden Charakter.»

«Wir müssen uns also nichts ausdenken?», fragte Ayumi, die den Charakterbogen durchlas.
 

«Etwas kreativ müsst ihr schon sein, aber wir wollen ja, dass Ryozo auch eine Chance hat.»

«Der unkreative Ryozo überlegt gerade, ob er dem kreativen Naoki noch einmal sein Auto repariert.»

«Ach, komm schon, Cowboy. Ich verarsche dich nur ein bisschen.»
 

«Man kann also nicht viel falsch machen?», warf Chiyoko eine Frage ein. «Korrekt.»

«Zum Glück. Als ich das erste Mal sowas gespielt habe, habe ich mich total verskillt.»

«Ach, nein. Armes Baby», zeigte Yumiko Mitgefühl und tätschelte Chiyoko den Kopf.
 

«Verskillt?», fragte Ryozo und Tatsumi wandte sich ihm zu.

«Bedeutet so viel wie, falsche Werte zugewiesen. Als Beispiel: Wenn du einen kreativen Beruf wie Künstler wählen würdest, hättest du dich im echten Leben „verskillt“.»

«Danke für die Erklärung, du Arschloch.»

«Gern geschehen, du Idiot.»
 

«Kein Beziehungsdrama im Bennys, ihr beiden», ermahnte Naoki die zwei und scrollte weiter auf seinem Laptop.
 

«Also, wir fangen erst einmal mit ein paar Daten an, die ich noch ergänzen muss.»

Die Anwesenden wurden wieder ruhiger und jeder wandte sich Naoki zu.
 

«Wir brainstormen erst noch kurz und später schreibt ihr dann das Ergebnis in euren Charakterbogen. Damit eure Charaktere eine persönliche Note bekommen, gibt es Stärken, Schwächen und Ängste. Das macht das Abenteuer abwechslungsreich. Damit ihr euren Charakter leichter spielen könnt und auch eine Bindung zu ihm aufbaut, nehmen wir eure echten Ängste. Bei Tatsumi habe ich „Angst vor offenem Gewässer“ notiert und bei Ryozo „Angst vor Gewitter“. Passt das soweit?»

«Ich kann dann nicht schwimmen?», fragte Tatsumi.

«Kommt drauf an. Ich habe nur Angst notiert.»

«Dann passt das so.»
 

«Und bei dir, Ryozo?», fragte Naoki.

«Passt.»

«Du hast Angst vor Gewitter? Das wusste ich gar nicht», warf Ayumi verdutzt ein.

«Kommt auf die Situation an, aber ja, ich mag kein Gewitter.»
 

«Dann stimmt das also. Gut. Wie sieht es mit euch beiden aus?», fragte Naoki Chiyoko und Ayumi.

«Ich fürchte mich etwas vor Mäusen und Ratten», antwortete Chiyoko.

«Ist notiert. Und bei dir, Ayumi?»

«Gute Frage», sagte sie und überlegte.
 

«Ich fürchte mich vor Feuer, vor Höhe, vor Spinnen, vor engen Räumen, Menschenmengen mag ich auch nicht, Clowns finde ich unheimlich, Puppen bereiten mir auch Unbehagen, Hunde machen mir Angst und Reptilien finde ich auch nicht so toll.»

«Du fürchtest dich also vor allem?», fragte Ryozo belustigt.

«Nachts muss ich allein auch nicht unterwegs sein, wenn sich das vermeiden lässt.»

«Das sind viele Ängste. Ich muss kurz überlegen», grübelte Naoki.

«Ich habe auch Angst vor Aufzügen. Ich vermeide sie so gut es geht, weil ich Angst habe, sie bleiben stecken.»

«Und dann bist du mit dem Blumen-Typ befreundet?», fragte Ryozo.

«Blumen-Typ?»

«Kohaku.»
 

«Oh! Stimmt! Ich bin schon mehrfach mit Kohaku stecken geblieben in der Firma. Er hat da echt kein Glück», erklärte Chiyoko.

«Moment! Kohaku? War das der Schönling, der beim Umzug mit Ayumi gefahren ist?», fragte Yumiko.

«Ja.»

«Gut, dann würde ich gerne mit dem Hottie stecken bleiben», warf Yumiko grinsend ein.

«Als würde ein Aufzug die Last deines Körpers bewältigen», kommentierte Tatsumi und erntete einen Faustschlag von Yumiko.

«Aua!»
 

«Zieh dir 10 Lebenspunkte ab, Eidechse», sagte Naoki.

«Wir sind doch noch gar nicht im Spiel!»
 

«Ich habs! Wir nehmen bei Ayumi Angst vor Feuer. Dann haben die Geschwister beide eine ähnliche Angst. Passt doch ganz gut, oder nicht.»

«Und wenn ein Magier einen Feuerball zündet, was machen wir dann?», fragte Yumiko.

«Das ist dann euer Problem.»
 

Naoki tippte das Ergebnis ein und baute dann Blickkontakt zu den Anwesenden auf.
 

«Gut, damit hätten wir das geklärt», sagte er und Yumiko sah ihn fragend an.

«Was ist mit mir? Habe ich keine Angst?»

«Bei dir habe ich Arachnophobie geschrieben.»
 

Tatsumi und Ryozo fingen an zu lachen, während Yumiko fragend die Arme hob.

«Das kannst du nicht ernst meinen? Ich habe eine Vogelspinne als Haustier! Wie soll ich denn spielen, dass ich diese wundervollen Geschöpfe nicht mag?!»

«Tja, lass dir was einfallen. Mir ist bei dir halt nichts anderes eingefallen.»
 

«Du hast echt eine Vogelspinne als Haustier?», fragte Ayumi mit leicht ängstlicher Stimme.

«Ja! Königin Annarchika die Allmächtige! Sie ist richtig süß! Soll ich sie dir später mal zeigen?»

«Ähm…nein, danke.»

Yumiko zog eine Schnute und Naoki führte seine Fragerunde fort.
 

«Gut, kommen wir zum letzten Punkt: eure Macken. Die dürft ihr für euch wählen. Da ihr in diesem Abenteuer schon ein gewisses Level zu Beginn haben werdet, gleichen wir das mit dem ein oder anderen Malus aus. Gleichzeitig teste ich damit, wie gut ihr euch als Gruppe absprechen könnt. Ich habe fünf negative Kennzeichen zur Auswahl und jeder von euch muss eine davon wählen.»
 

«Bekommen wir hin!», sagte Yumiko und nickte ihren Mitspielern zuversichtlich zu.

«Das wollte ich hören. Also, wählt weise, wer welche Macke oder Tick haben wird. Folgende stehen zur Auswahl», fing er an und notierte etwas auf einem leeren Blatt Papier, welches er anschließend in die Mitte des Tisches schob.
 

«Erstens: Kleptomanie. Der jeweilige Charakter hat einen Impuls zu Stehlen und kann diesen nicht kontrollieren. Stellenweise stiehlt er unbewusst und ohne, dass er es bemerkt. Diese Macke bedeutet, dass bei diesem Spieler immer ein Platz in seinem Inventar leerbleiben muss.»

«Passt zu Tatsumi», kommentierte es Yumiko und Ryozo nickte.

«Find‘ ich auch.»
 

«Zweitens: Abergläubig. Der jeweilige Charakter glaubt an die Wirksamkeit übernatürlicher Kräfte. Ihr wisst schon, wenn er beispielsweise eine schwarze Katze sieht, die die Straße von links nach rechts überquert, glaubt er, dass Vorsicht geboten ist. Er kann auch nicht, ohne, dass ihn jemand überzeugt, unter einer Leiter hindurchgehen. Der jeweilige Spieler kann Glücksbringer erwerben oder finden, die er in seinem Inventar mitnimmt, um den Aberglauben abzuschwächen.»
 

«Drittens: schlechter Orientierungssinn. Der jeweilige Charakter kann sich schlecht orientieren und muss, sollte er sich mal verlaufen, mehrere Würfe schaffen, um auf den richtigen Weg zurückzukehren. Zudem kann er keine Land- oder Seekarten lesen und ist auch nicht dazu imstande eine Wegbeschreibung zu verstehen oder zu geben.»
 

«Viertens: Gedächtnisschwäche. Der jeweilige Charakter hat ein miserables Kurzzeitgedächtnis und kann sich vieles schlecht merken. Dem jeweiligen Spieler wird verboten, Hinweise bei Gesprächen zu notieren und er muss mir auch immer mitteilen, was er sich aufschreibt.»
 

«Und zu guter Letzt, Fünftens: Liebestoll. Der jeweilige Charakter verliebt sich ständig auf den ersten Blick und neigt zu übertriebenen Verhalten seine Liebste oder seinen Liebsten betreffend. Es gibt dann beispielsweise eine Einschränkung, dass der Charakter, sollte er sich in einen Nebencharakter verlieben und es zu einem Kampf gegen diesen kommen, er ihn nicht angreift. Seine Mitspieler müssen ihn dann überzeugen», erklärte Naoki den letzten Punkt.

«Besser beschrieben: eine Yandere, wenn man so will.»

Tatsumi und Yumiko sahen zu Ryozo, der von diesem Blick erst einmal nichts bemerkte.
 

«Kommt dir das bekannt vor?», fragte Tatsumi und erst dann sah Ryozo zu ihm.

«Wieso? Sollte es?»

«Ach, nichts. Schon gut.»
 

«Das ist eure Auswahl. Wie erwähnt, muss jeder eine der Macken annehmen und ihr entscheidet, wer welche auf sich bürgt. Während ihr euch absprecht, gehe ich eine rauchen.»

Naoki erhob sich und Yumiko sah ihn fragend an.
 

«Was ist mit uns?», fragte sie und deutete auf Tatsumi und sich.

«Später.»
 

Damit verließ Naoki den Raum und Benji, der es mitbekam, folgte seinem Bruder nach draußen.

Vom Paladin zum Regelritter

Naoki hatte auf seine Jacke verzichtet und stand mit Hemd und Umhang bekleidet im Hinterhof der Bar. Neben ihm stand Benji, dem die Kälte nichts ausmachte und der seinem zitternden Bruder die Zigarette anzündete.
 

«Danke, Benji», bedankte Naoki sich und nahm einen tiefen Zug. «Ich werde dich vermutlich bei Yumis Einstieg als Nebencharakter brauchen.»

«Verstehe.»

«Soll ich dir dann deinen Beispieldialog geben oder willst du improvisieren?»

«Ich improvisiere.»

«Alles klar.»
 

Die beiden Brüder verstummten und nur die Diskussion, die in Bennys ausgebrochen war, war dumpf im Hintergrund zu hören.
 

Yumiko hatte sich den Zettel mit den Macken geschnappt und las die Auswahl vor.

«Wir haben Kleptomanie, Aberglaube, schlechten Orientierungssinn, Gedächtnisschwäche und Liebestoll. Ich schlage vor, wir nehmen für jeden das, was gar nicht zu ihm passt!», schlug sie lachend vor. «Das würde soooooo lustig werden beim Spielen!»
 

«Wir sollten die Macken besser strategisch nutzen», schlug Tatsumi vor und nahm Yumiko das Blatt weg. «Naoki wird sich etwas dabei gedacht haben. Vielleicht gibt er uns Boni für diese Macken?», sprach er seine Gedanken laut aus und grübelte. Ryozo unterbrach ihn und entriss Tatsumi das Papier.
 

«Kommst du mit liebestoll klar, Ayumi?», fragte er seine Schwester, die bei der Frage aufblickte und den Kopf schüttelte. «Habe ich mir gedacht», antwortete er und legte das Blatt Papier in die Mitte des Tisches.

«Wir machen das so: Jeder sagt, welche der Möglichkeiten er überhaupt nicht ausstehen kann und mit welcher er halbwegs zurechtkommt», sagte er und Tatsumi hob fragend die Arme. «Am Ende finden wir alle dasselbe gut oder schlecht und was dann?», legte er sein Veto gegen diesen Vorschlag ein.
 

«Wir könnten dann demokratisch abstimmen, sobald es eine Wahl gibt», schlug Ayumi vor.

«Oder wir kämpfen darum! Ich bin richtig gut im Armdrücken!», sagte Yumiko, stand auf, streckte ihre Oberarme aus und präsentierte sie.
 

Tatsumi lächelte und wies sie an, sich wieder hinzusetzen. «Entspann‘ mal deine Stöcke wieder, Yumiko. Die brechen noch bei einem Windhauch.»

«Du nennst meine starken Arme Stöcke?!», wiederholte Yumiko empört und setzte sich wieder. Allerdings nur, um sich Tatsumi zuzuwenden und ihn zum Armdrücken herauszufordern. «Los! Ich zeige dir die Kraft meiner Stöcke!»

«Oh! Ich erschaudere», neckte Tatsumi sie weiter und ergriff ihre Hand.
 

Er wollte gerade anfangen, als Ryozo sie voneinander trennte und in die Mitte des Tisches deutete. «Lasst uns die Liste durchgehen und dann die Abstimmung durch Armdrücken klären», stimmte er zu und erntete einen finsteren Blick von seiner Schwester.
 

«Das kann nicht dein Ernst sein, Ryozo. Ich habe manchmal sogar Probleme meine Trinkflasche aufzubekommen», erklärte sie, worüber Ryozo nur lächelte.

«Yumiko wirst du schon packen », entgegnete er grinsend.
 

«Hey!», rief Yumiko und Chiyoko meldete sich zu Wort.

«Ich übernehme das Armdrücken für dich Ayumi!», kündigte sie an und wandte sich ihr zu. «Ich besiege alle für dich!»
 

Yumiko legte die Hand auf ihren Brustkorb und seufzte hörbar. «Wie süß!», bewertete sie Chiyokos Angebot und sah Tatsumi an.

«Soll ich auch für dich kämpfen, mein kleiner Schmetterling?», fragte sie ihn.

«Geben wir uns jetzt schon Tiernamen? Ich dachte, das kommt erst nach der Hochzeit», antwortete er, während Ryozo das Blatt in Chiyokos Richtung schob.
 

«Du fängst an», bestimmte er und Chiyoko nahm es leicht überfordert an sich. «Warum ich? Ich bin Gast und brauche bestimmt am längsten», sagte sie zögernd und Ayumi nahm das Blatt Papier und gab es Ryozo zurück. «Du fängst an», forderte sie und Ryozo lächelte.
 

«Von mir aus», sagte er und überflog die Liste. «Mit Kleptomanie könnte ich leben, aber Aberglaube ist nicht mein Ding», teilte er seine Optionen mit und reichte den Zettel an Tatsumi weiter.
 

«Dito. Kleptomanie ist wirklich etwas Nützliches. Aber ich möchte keinen schlechten Orientierungssinn haben. Das kann bei einem Abenteuer hinderlich sein», meinte er und gab Yumiko die Liste.
 

«Liebestoll stelle ich mir lustig vor. Ich hatte sowieso vor, jeden heißen Daddy zu verführen. Aber Kleptomanie fände ich cooler, weil ich auf Looten stehe», verkündete sie und Ayumi drehte sich zu ihr um.

«Was ist Looten, Yumiko?», fragte sie und Yumiko erklärte es ihr. «Das ist wie ein Videospiel. Man sammelt Gegenstände und behält oder verkauft sie.»

«Danke», bedankte sich Ayumi höflich und Yumiko widmete sich wieder ihren Macken. «Mit Gedächtnisverlust käme ich nicht klar. Ich merke mir immer Geburtstage und so was!», sagte sie und Tatsumi nickte zustimmend.

« Das stimmt, du merkst dir sowas wirklich immer.»
 

Yumiko gab die Liste an Chiyoko weiter, die etwas länger brauchte, um eine Auswahl zu treffen.

«Das ist schwer zu sagen. Ich könnte mir vorstellen, dass Aberglaube nicht so schlimm ist und ich lese auch immer mein Horoskop. Kleptomanie finde ich nicht so schön. Ich glaube, ich hätte Angst, erwischt zu werden», erzählte sie der Gruppe und Ayumi bekam als letzte die Liste.
 

«Ich weiß nicht, worauf es bei diesem Spiel ankommt, aber liebestoll würde mir nicht gefallen», sagte sie zum ersten und überlegte. «Am ehesten würde ich mit abergläubisch zurechtkommen. Ich glaube nicht an Horoskope, aber an Karma», fügte sie hinzu und sah Ryozo an.
 

«Warum siehst du mich jetzt bei Karma an?», fragte er und Ayumi legte das Blatt Papier in die Mitte des Tisches. «Weißt du das nicht mehr? Als wir Kinder waren, hast du mal Regenwürmer auf andere Kinder geworfen und bist abends dann die Treppe runtergefallen», erzählte sie und Ryozo zog fragend eine Augenbraue hoch. «Daran erinnerst du dich noch?»

«Natürlich», sagte sie und Yumiko machte sich Notizen auf dem Schreibblock vor ihr. «Ich mache eine Zusammenfassung», erklärte sie und präsentierte ihre Notizen.
 

«Also, wir haben ein paar Dubletten. Kleptomanie bei uns dreien und Aberglaube bei euch beiden», fasste sie zusammen und sah Ryozo und Tatsumi an. Sie musterte die beiden und wandte sich dann Ayumi zu. «Ich bin jetzt doch für Ayumis Vorschlag einer demokratischen Abstimmung», änderte Yumiko ihre Meinung.

«Angst vorm Armdrücken bekommen?», neckte Tatsumi Yumiko, die ihn daraufhin in die Seite zwickte. «Schnauze!»
 

«Wie wäre es mit einem Losverfahren?», fragte Chiyoko und es wurde einen Moment lang still.

«Die Idee gefällt mir», durchbrach Ayumi die Stille.

«Ich finde sie auch cool! Das machen wir!», stimmte Yumiko zu und bastelte kleine Zettel.
 

«Oh, wie schade. Ich hätte so gerne Armdrücken gegen Ryozo gemacht», sagte Tatsumi und seufzte. Ryozo legte seinen Arm auf den Tisch und nickte ihm zu. «Das können wir auch so regeln. Na los.»

«Das wäre unfair. Du würdest von meinem fantastischen Aussehen abgelenkt werden», erklärte Tatsumi und zwinkerte ihm zu.

«Ich kann ja meine Augen schließen», erwiderte Ryozo, aber Tatsumi zögerte.
 

«Ich habe die Zettel fertig», unterbrach Yumiko die beiden und warf die gefalteten Zettel in die Mitte des Tisches. «Los geht’s! Jeder nimmt sich einen Zettel! Die Macke, die draufsteht, wird es sein!», verkündete sie und griff zuerst zu. «Meins!», kicherte sie und der Rest des Tisches nahm sich einen Zettel. «Gut, und jetzt öffnet jeder seinen Zettel!», wies Yumiko an und begann mit dem Auseinanderfalten des Zettels.

«Was?!», sagte sie schockiert und betrachtete die Außenseite des Papiers. «Ich war mir sicher, dass», begann sie, ohne den Satz zu Ende zu bringen. «Was ist los, kleine Seerobbe. Falschen Zettel erwischt, hm?», kommentierte Tatsumi ihr Verhalten und präsentierte ihr seinen Zettel. «Ich habe die Kleptomanie», sagte er grinsend. «Woher hast du den- Hey! Das war meiner!»
 

«Tja, Pech gehabt», meinte er amüsiert und notierte die Macke auf seinem Charakterbogen.
 

«Da habe ich wohl Glück gehabt», meinte Ayumi und zeigte ihren Zettel. Darauf stand „Aberglaube“ und Chiyoko gratulierte ihr. «Das ist ja toll! Das wolltest du doch sogar, Ayumi!».
 

Daraufhin öffnete Chiyoko ihren Zettel und sah ihn etwas überrascht an. «Schlechter Orientierungssinn», las sie vor, was sie sehen konnte. «Ich habe manchmal wirklich Schwierigkeiten, mich zu orientieren. Es passt daher ein bisschen zu mir», gab sie sich zufrieden und Ryozo und Yumiko sahen sich an.
 

«Du bist auch am Arsch, oder? », fragte sie ihn und er nickte. Sie hielten sich ihre Zettel hin und Yumiko seufzte. «Ich habe die verdammte Gedächtnisschwäche. Naoki wird mich damit quälen, das weiß ich jetzt schon.», sagte sie und Tatsumi lachte über beide.

«Karma», kommentierte er bissig und sah sich Ryozos Zettel an. «Liebestoll, hm? Mir tut jetzt schon jeder leid, den du lieben wirst», neckte er ihn und Ryozo packte Tatsumi fest am Genick. «Aua! Lass los!»
 

«Als hätte ich gespürt, dass die Eidechse Schmerzen hat», sagte Naoki, betrat den Raum und ging zu seinem Platz. Ryozo ließ Tatsumi los und sah zu Naoki.
 

«Ihr seid fertig, nehme ich an?», fragte Naoki in die Runde.
 

Er musterte die Anwesenden und sah glückliche Gesichter bei Ayumi, Tatsumi und Chiyoko, während bei Ryozo und Yumiko eine deutliche Unzufriedenheit zu erkennen war.
 

«Gut, dann gebt mir mal eure Ergebnisse durch.»

Er legte seine Finger auf die Tastatur und wartete auf das Ergebnis.
 

«Das wird lustig.», kündigte er an.

«Für dich oder für uns?», fragte Yumiko und teilte ihrem Bruder die Auswahl der Macken mit. Dieser notierte es sich und die Spieler schrieben sie auf ihre Charakterbögen. Es dauerte einen kurzen Moment, danach sprach Naoki zur Spielergruppe.
 

«Fahren wir mit den Charakteren fort. Wie gesagt, habe ich euch vorgefertigte Charaktere erstellt. Da es gerade für Anfänger schwierig ist, während des Spiels in der Rolle zu bleiben, habe ich die Charaktere so geschrieben, dass sie euren realen Persönlichkeiten ähneln. Betrachtet sie als eine kleine kostenlose Psychoanalyse. Ihr werdet euch wiedererkennen, davon bin ich überzeugt», sagte Naoki zuversichtlich, bevor er sich an den ersten Charakter wagte.
 

«Wir fangen mit eurem charismatischen Gruppenanführer an. Für diese Rolle habe ich Ryozo vorgesehen.»

«Nicht mich?», fragte Yumiko erstaunt.

«Denkst du, du kannst dich gegen Ryozo durchsetzen?»

«Kommt drauf an.»

«Kann sie nicht», schätzte Benji sie ein und kam mit Getränken und weiteren Snacks an den Tisch.
 

Er servierte die liebevoll dekorierten Platten mit allerlei Fingerfood. Bei Ayumi und Chiyoko landeten vegetarische Gerichte wie Knusperstangen, Tomaten-Mozzarella-Spieße und Brot. Bei Ryozo und Tatsumi landeten Datteln im Speckmantel, kohlenhydratarme Spinat-Lachs-Röllchen und ebenfalls Brot. Yumiko saß in der Mitte und konnte sich von allem bedienen.
 

Naoki, der sowieso nicht zum Essen kommen würde, ging leer aus. Aber sein älterer Bruder brachte ihm ein Whisky-Glas, eine Flasche Jack Daniels und Cola.
 

«Danke», bedankte er sich und auch die anderen bedankten sich bei Benji für das Essen.

«Wow! Das sieht ja aus wie das Essen, das es immer bei Firmenveranstaltungen und der Weihnachtsfeier gibt!», sagte Chiyoko, die sich alles staunend ansah.

«Wir haben eine Firmenweihnachtsfeier?», fragte Ryozo überrascht und Ayumi seufzte.

« Ja, haben wir. Weißt du denn gar nichts über unsere Firma?»

«Nicht, dass es eine Party am Ende des Jahres gibt», antwortete Ryozo.
 

«Ich sehe schon, euer Gruppenführer ist zum Führen da, nicht zum Denken», kommentierte Naoki amüsiert und deutete auf Ryozo.

«Lasst uns weitermachen. Der Rest darf sich gerne über das Essen hermachen».

Auf diese Einladung hin griffen alle zu, bis auf Ryozo, der sich Naoki zugewandt hatte.
 

«Muss ich etwas aufschreiben?»

«Ja.»
 

Naoki scrollte mit der Mouse und richtete seinen Blick auf den Bildschirm seines Laptops.

«Ich gebe dir jetzt die Daten deines Charakters, die du oben in deinen Charakterbogen einträgst.»

«Verstanden.»

«Sehr gut. Du spielst den Charakter Remos Trevelyan
 

Ryozo notierte die Information auf seinem Charakterbogen und Chiyoko, die schnell ihr Essen herunterschlang, schaute überrascht in Naokis Richtung.
 

«Remus? Wie in Romulus und Remus? Die Gründer der Stadt Rom?»

Die Anwesenden blickten fragend in Chiyokos Richtung und Naoki antwortete ihr.
 

«Nicht ganz. Remos, nicht Remus. Aber gut erkannt, Chiyoko. Ich habe mich ein klein wenig von dieser Geschichte inspirieren lassen», erklärte er lächelnd und man sah ihm die Freude an, dass jemand die Anspielung erkannt hatte.

«Ich wusste gar nicht, dass du dich so gut mit Geschichte auskennst», sagte Ayumi und Chiyoko wandte verlegen den Blick ab.

«Nur mit dieser. Ich lese gerne Geschwistergeschichten».
 

Yumiko sah die beiden an, aß genüsslich ihren Snack und ihre Augen funkelten neugierig.
 

«Gut, zurück zu Remos», sagte Naoki, der Yumikos Blick bemerkte und ihr keine Gelegenheit geben wollte, vom Thema abzuschweifen.

«Bin bereit», bestätigte Ryozo und wartete auf weitere Informationen.

«Dein Volk ist Mensch und in Hintergrund, das Feld darunter, schreibst du Adliger.»
 

«Ich bin ein Adliger? Lass mich raten. Eine Anspielung auf meinen Vater?»

«Gut erkannt, Sherlock. Aber ich hatte nicht nur deinen reichen Vater im Sinn, sondern auch den reichen Teil der Familie mütterlicherseits.»

«So reich sind wir nicht.»

«Aus unserer Sicht schon», warf Yumiko ein und schnappte sich noch einen Snack.

Sogar Naoki nickte und wies Ryozo an weiterzuschreiben.
 

«Weiter im Text: Deine Klasse ist Paladin mit dem Eid der Vergeltung», erklärte er und Ryozo schrieb mit.
 

«Scheiße! Das passt ja perfekt!», funkte Yumiko dazwischen und auch Tatsumi nickte zustimmend.

«Warum? Ist ein Paladin unkreativ?», fragte Ryozo amüsiert und Naoki lachte.
 

«Nein, aber streng gläubig.»

«Nicht dein verdammter Ernst.»

«Doch. Deine Familiengeschichte muss schließlich passen.» Naoki lächelte und machte sich ebenfalls ein paar Notizen.
 

«Ich glaube nicht einmal an Gott.»

«Gut, dass du das sagst. Deine Gottheit ist Tempus.»

«Ich habe eine Gottheit?»

«Ja, und du hast einen Eid geschworen.»

«Das auch noch», entgegnete er genervt.
 

Ryozo schrieb alles auf und Tatsumi, der neben ihm saß, versuchte einen Blick auf die Notizen zu erhaschen, um zu sehen, ob alles richtig notiert war.

«Eid der Vergeltung schreibst du bei der Spezialisierung hin», mischte er sich ein und deutete auf die Zeile.

«Und was ist das für ein Eid?», fragte Ryozo und drehte sich zu Tatsumi um.
 

«Du folgst einem Verhaltenskodex», erklärte dieser und ballte die Faust.

«Lasse dich niemals vom geringeren Bösen von der Verfolgung gerechtfertigter Vergeltung abbringen um das endgültige und unanfechtbare Urteil des Himmels zu vollstrecken!», erwiderte er mit verstellter, tieferer Stimme.

«Aha. Ich bin also Batman».
 

«Nein, aber schreib dir das ruhig auf, wenn es dir beim Verstehen hilft», bot Naoki an.

«Deine Herkunft ist noch geheim, deine Geschichte auch. Wir notieren erst einmal die groben Daten von allen. Die Klassen erkläre ich später genauer.»

«Alles klar.»
 

«Lass uns mit dir weitermachen, Ayumi.»
 

Ayumi schnappte sich einen Stift und wartete.

«Du spielst Aelia Trevelyan, und wie im richtigen Leben bist du auch im Abenteuer Ryozos Zwillingsschwester.»

«Das kann ich mir leicht merken», kommentierte sie die Auswahl und wartete auf weitere Anweisungen.

«Bei Volk schreibst du Mensch und beim Hintergrund notierst du Weiser.»

«Weiser passt wirklich gut zu Ayu», äußerte Yumiko ihre Meinung und auch Tatsumi und Chiyoko nickten.

«Warum?», fragte Ayumi und Naoki übernahm das Antworten.

«Weiser hat viel mit Wissen und Büchern zu tun. Du liest doch gern, wenn ich mich recht erinnere.»

«Das stimmt», entgegnete sie.
 

«Ist sie nicht adlig?», fragte Ryozo, der auf seinen Charakterbogen schaute und den Unterschied bemerkte. «Doch, sie ist auch adlig, aber ihr Hintergrund ist ein anderer. Ich erkläre dir später, was das bedeutet», antwortete Naoki und wandte sich wieder Ayumi zu.
 

«Deine Klasse ist Kleriker mit der Domäne des Lebens.»

«Kleriker? Wie in der Kirche?» fragte Ryozo, während Ayumi aufschrieb, was ihr zugeteilt wurde.

«Ja, ihr habt ja beide dieselbe toxische Mutter.»

«Gut, das stimmt auch wieder», gab sich Ryozo mit diesem Argument geschlagen.
 

«Und Domäne des Lebens bedeutet was?», hakte Ayumi nach.

«Ich erkläre es dir gleich. Es hat mit deiner Geschichte zu tun. Ähnlich wie bei Ryozos Eid. Bei Gottheit schreibst du Lathander. Auch darauf komme ich später zurück.»

«Ich verstehe.»
 

Ayumi war fertig und Naoki sah zu Tatsumi.
 

« Eidechse, du bist der Nächste.»

«Soll ich mir gleich aufschreiben, dass ich eine Kakerlake bin, die einsam und verkrüppelt in der Kanalisation lebt?», fragte er und Naoki grinste.

«Nicht ganz. Du bist Tezryn Freth und natürlich ein Drow, also ein Dunkelelf.»

«Und selbstverständlich, weil...»

«Du dunkle Haut hast», beantwortete Yumiko die Frage, die eigentlich an Naoki gerichtet war, der zustimmend nickte.

«Genau.»
 

«Oh, wow. Ich merke, dass man sich wirklich Gedanken über mich gemacht hat.»

«Wurde es und du bist übrigens ein Lolth ergebener Dunkelelf.»

«Das war mir so klar», kommentierte er und Yumiko sah ihren Bruder irritiert an.

«Er darf an die Spinnenkönigin Lolth glauben?! Das hat er nicht verdient!», diskutierte sie mit Naoki, der sich darauf nicht einließ.
 

«Beruhige dich, Yumi.», antwortete er und Tatsumi drehte sich zu Yumiko um.

«Das ist nicht so gut in dem Spiel», meinte er und Ayumi warf ihm einen irritierten Blick zu.

«Warum? Ist das etwas Schlechtes?», fragte sie.

«Mehr oder weniger», begann Tatsumi seine Erklärung. «Die lolth ergebenen Dunkelelfen, halten sich für die einzig überlegene Spezies, sind herablassend, egoistisch und->

«leben in einem Matriarchat», beendete Yumiko die Erzählung. «Und sie sind bei allen unbeliebt.», ergänzte sie kichernd.
 

«Ein Matriarchat? Wie passend», kommentierte Ryozo Tatsumis Charakter und „rächte“ sich damit an ihm.
 

«Also, ich stehe zwar auf Frauen, aber ich muss nicht unbedingt von einer geführt werden», sagte Tatsumi und Yumiko sah ihn eindringlich an.

«Ah, wirklich? Wer hat denn bei euch zu Hause das Sagen?», fragte sie.

«Nun, mein Vater?», antwortete er.

«Okay, ich stelle die Frage anders. Wer kümmert sich um den Haushalt?».

«Meine Mutter.»

«Und wer koordiniert alles Finanzielle und organisiert die Einkäufe?»

«Meine Mutter.»

«Aha. Und wer sorgt dafür, dass es euch an nichts fehlt?»

«Meine Mutter.»

«Hm. Und wer kümmert sich um-»

«Ich hab’s verstanden, okay», gab sich Tatsumi geschlagen. Naoki lächelte und fuhr fort.
 

«Dein Hintergrund ist Scharlatan und deine Klasse Schurke mit der Spezialisierung Arkaner Betrüger», gab Naoki alle weiteren Informationen preis.
 

«Ich bin also ein hinterhältiges, kriminelles Wiesel, dass sich mit Zaubertricks Zutritt zu allerlei verschlossenen Türen verschafft?»

«Ja», bestätigte Naoki.

«Ja, okay. Das passt zu mir. Du kennst mich gut.»
 

Tatsumi hatte alles notiert und als kein Einwand mehr kam, wandte Naoki sich Chiyoko zu. «Bei dir musste ich ein bisschen tricksen, weil wir uns noch nicht so gut kennen. Also habe ich meinen Spion», er warf Ayumi einen Blick zu, «geschickt, um etwas über dich herauszufinden.» fuhr er fort und griff nach dem Schnellhefter neben sich.
 

«Ayumi hat mir das Wichtigste über dich erzählt, oder zumindest das, was sie wusste.»

Chiyoko senkte den Blick und war sichtlich nervös.

«Keine Sorge, sie hat nur nette Sachen über dich geschrieben.»
 

Ayumi lächelte in Chiyokos Richtung und nickte. «Das stimmt.»

Yumiko schnappte sich ein Stück Brot und knabberte daran, um ihr breites Grinsen zu verbergen.
 

«Ich habe auch gehört, dass du schon mal gespielt hast und dich ein bisschen auskennst.», fragte Naoki Chiyoko.

«Ja, ein bisschen.»

«Gut. Du kennst also ein paar Begriffe.»
 

Chiyoko griff nach einem Stift und wartete auf die Informationen zu ihrer Spielfigur.
 

«Du spielst Cenna. Sie hat keinen Nachnamen.»

«Cenna? Alles klar.»

«Du bist ein Tiefling. Soll ich dir erklären, was das ist?»

«Ich weiß ein bisschen was darüber», antwortete Chiyoko. «Tieflinge sind die Nachkommen von Menschen und den abscheulichen Geschöpfen der unteren Ebenen. Sie tragen in sich das unheilige Blut und dieses manifestiert sich mit einer Vielfalt besonderer Merkmale, wie Hörner, einem stachligen Schwanz oder seltsam farbigen Augen.»
 

Naoki war die Verwunderung anzusehen, und auch Yumiko und Tatsumi waren erstaunt.

«Das klingt, als wärst du ein Profi, Chimo», sagte Yumiko, was Chiyoko mit einem Kopfschütteln verneinte.

«Ach, Quatsch! Ich habe mir nur ein paar Sachen vom letzten Mal gemerkt.»

«Das nennst du ein bisschen?», fragte Naoki und nahm den Schnellhefter an sich. Er las darin und Chiyoko wurde wieder etwas nervöser.
 

«Ayumi hat geschrieben, dass du Tiere magst und gerne ein eigenes Haustier hättest», las er vor und sah Chiyoko an. Diese schaute ihn überrascht an, dann Ayumi.
 

«Das...das stimmt. Woher weißt du das?», fragte sie und Ayumi lächelte.

«Naja, ich habe es einfach vermutet. Du hast mich öfter nach Huffelpuff gefragt und als wir mal in der Stadt waren, bist du so lange an einem Katzencafé stehengeblieben. Außerdem trägst du an einer deiner Taschen einen Anhänger mit einer kleinen Katze, da dachte ich mir, vielleicht möchtest du gerne selbst eine», erklärte sie und alle am Tisch waren für einen Moment still. Ryozo durchbrach das Schweigen und sah zu Ayumi.
 

«Wer achtet denn auf so etwas?», fragte er und bekam die Antwort aber von Yumiko.

«Ich finde das normal. Ich habe mir auch alles über Tatsumi gemerkt, als ich mit ihm zusammen war und weiß noch heute, wie er am liebsten sein Thunfischsandwich isst.».

«Ihr wart ja auch ein Paar», entgegnete Ryozo.
 

«Ich würde jetzt neckisch sagen, dass man sich solche Details merkt, wenn man verliebt ist.» erklärte Yumiko kichernd und warf Ayumi einen flüchtigen Blick zu. Diese bemerkte es nicht und Yumiko deutete mit ihrem Brot auf Ryozo.
 

«Glaub mir, junger Padawan! Wenn du jemanden magst, merkst du dir selbst, wie er seinen Kaffee trinkt!»

«Das ist doch Bullshit!», erwiderte er gereizt und erntete einen fragenden Blick von Tatsumi.

«Was regst du dich so auf? Da ist echt was dran.»
 

«Zurück zum Thema. Chiyoko, bist du mit Waldläufer einverstanden? Für deine Spezialisierung würde ich Jäger vorschlagen.»

«Das passt», antwortete sie.

«Als Hintergrund nehmen wir Straßenkind, das passt gut zu der Geschichte, die ich für dich geplant habe.»

«Verstanden», bestätigte Chiyoko und machte sich Notizen auf ihrem Charakterbogen.

«Und deine Gottheit ist Mielikki.»

«Mielikki? Wie cool!», schien sie zu wissen, was gemeint war und schrieb es auf.
 

«Womit wir bei meiner liebreizenden Schwester wären», lenkte Naoki das Thema auf Yumiko und grinste sie an.

«Ich spiele keinen Goblin», sagte diese und griff nach ihrem Stift.

«Das ist richtig. Du spielst nämlich einen Zwerg.»

«Naoki! Was soll das?»

«Was denn? Du kannst doch kaum über den Tresen gucken. Passt doch ganz gut», erklärte er sich und grinste.
 

«Wenn es nach der Körpergröße geht, hast du ein Problem damit, aber nicht bei einer Hautfarbe?», warf Tatsumi ein.

«Du siehst auch aus wie ein Elf! Ich dagegen...»

«Sehe aus wie ein Zwerg, also schreib das auf», beendete Naoki den Satz für sie.

«Dein Name ist Yenora Grehek und du bist ein Barbar.»

«Okay, Barbar ist cool», stimmte Yumiko diesem Detail zu.

«Du bist ein Gildenkünstler und glaubst an die Gottheit Haela Leuchtaxt.»
 

Yumiko schrieb weiter und griff nach ihrer selbst gebastelten Axt aus Pappe.

«Ich werde sie alle spalten.»

«Klar, wenn du deinen Wurf schaffst», kommentierte es Naoki. Er machte sich Notizen auf seinem Laptop und wandte sich dann an seine Spieler.
 

«Das sind die Grunddaten eurer Charaktere. Vom Aussehen her sehen sie aus wie ihr, mit der einen oder anderen Anpassung an das jeweilige Volk. Tragt also eure Größe und euer Gewicht in euren Charakterbogen ein. Außer du, Chiyoko», sagte er und sah sie an.

«Ja?»

«Ayumi hatte aufgeschrieben, dass du gerne so groß wie „Herr Aido“ sein möchtest. Damit kann ich nicht viel anfangen. Wie groß ist er denn?»
 

Chiyoko sah Ayumi schockiert an und schien sich zu fragen, woher sie diese Information hatte. Sie bemerkte den Blick und erklärte sich.

«Weißt du noch, als du bei unserem Fotoshooting gesagt hast, du wärst gern so groß wie er?»

«Ich erinnere mich, aber... das war doch nur so dahergesagt», sagte Chiyoko verlegen.
 

«Ach, komm schon. So groß ist der Kerl auch wieder nicht», warf Ryozo ein.
 

Ayumi sah ihn an und zog eine Augenbraue hoch.

«Wie bitte? Ryozo, Herr Aido ist 197 cm groß. Das ist sehr groß.»

«Also ein Basketballspieler», kommentierte Naoki und sah Ayumi fragend an. «Und wer ist das?»
 

«Unser Chef», antwortete sie und Chiyoko bestätigte.

«Genau. Yoichi Aido, Geschäftsführer der Aido Company.»

«Ich verstehe», sagte Naoki. «Wir machen dich etwas kleiner, denn 197 cm ist schon ziemlich groß. Schreib bitte 190 cm auf, Chiyoko.»

«Okidoki!», sagte sie und man sah ihr die Freude deutlich an.
 

«Und der Rest darf sich nicht die Größe anpassen?», fragte Ryozo leicht genervt und Naoki lachte.

«Dann mach dich ein bisschen größer, wenn dir das wichtig ist.»
 

Sowohl Ryozo als auch Tatsumi änderten etwas auf ihrem Charakterbogen.

«Wenn Männer ihren verletzten Stolz ausleben dürfen, darf ich das auch! Mein Charakter hat Körbchengröße D!», bestimmte Yumiko und schrieb es auf.

«Oh Mann», sagte Naoki amüsiert und wartete, bis alle mit dem Schreiben fertig waren. Er nutzte die Gelegenheit und mixte sich eine Whiskey-Cola in sein Glas.
 

«Seid ihr fertig?», fragte er und nahm einen Schluck von dem fast durchsichtigen Getränk.

«Ja!», antwortete Yumiko und die Spieler sahen ihn an.
 

«Gut, kommen wir zu einer weiteren Besonderheit meines Abenteuers», verkündete er. «Ihr werdet viele Leute treffen und euch dementsprechend viel merken müssen. Damit euch das leichter fällt, werden wir gemeinsam den einen oder anderen NPC für euch erschaffen, der mit euch in Verbindung steht und im Abenteuer auftaucht.».

«NPC?», fragte Ryozo und bekam die Erklärung von Tatsumi.

«Non-Playable-Character, aber Naoki meint wohl einfach Nebencharakter.»

«Genau», bestätigte Naoki die Richtigkeit von Tatsumis Aussage und sah ihn an.
 

«Diesmal fangen wir mit dir an, Eidechse. In deiner Geschichte gibt es einen Widersacher. Jemand, der deine Pläne verfolgt und versucht, sie zu verhindern. Eine Art Gesetzeshüter. Diese Person solltest du dir gut merken können, also nenne mir einfach den Namen von jemandem, den du kennst, und ich brauche eine kurze Beschreibung dieser Person. Wie sie aussieht, wie sie spricht, so etwas in der Art», erklärte Naoki seine Frage und Tatsumi überlegte.
 

«Keine Ahnung. Männlich oder weiblich?»

«Ist egal», antwortete Naoki.

«Wie wäre es mit Hayato?», schlug Yumiko vor.

«Du meinst Araki? Ja, klar, warum nicht», antwortete Tatsumi.

«Araki? Du meinst den Kleinen, den ihr manchmal mit in die Bar nehmt und immer abfüllt?», fragte Naoki und bekam die Antwort von Ryozo.

«Ja, das ist er.»
 

Naoki lächelte und notierte sich die Antwort.

«Damit kann ich arbeiten», verriet er und wandte sich Ayumi zu. «Nun zu dir, Ayumi. Für dich suche ich zwei Personen. Die eine soll eine Art Vertrauter sein, den du magst und die andere ein Feind, den du abstoßend findest.»
 

Ayumi überlegte wie Tatsumi zuvor, hatte aber schneller eine Antwort parat.

«Für die Person, der ich vertraue, nehme ich Dr. Maria Garcia und für meinen Feind Yusaku Maeda.»

«Der Vogel mit der Gelfrisur?», fragte Ryozo und schien damit die zweite Person zu meinen.

«Soll ich das als Beschreibung aufschreiben?», fragte Naoki amüsiert und Chiyoko nickte.

«Er ist ganz schleimig und glitschig», erklärte sie.
 

«Es ist also ein Level 1 Schleim?», erkundigte sich Naoki.

«Ja», sagte Chiyoko, aber Ayumi zückte ihr Handy und tippte darauf herum. Schnell hatte sie das Gesuchte gefunden und hielt das Display in Naokis Richtung.

«Das ist er. Ein ehemaliger Model-Kollege von mir. Selbstverliebt und herablassend.

«Und schleimig», ergänzte Chiyoko.
 

«Und diese Maria? Wie sieht sie aus und wie kann ich mir ihre Persönlichkeit vorstellen?», fragte er.

«Maria ist unsere Betriebsratsvorsitzende und eine selbstbewusste, ehrliche und hilfsbereite Frau», beschrieb Ayumi sie. « Sie hat dunkle Haare, braune Augen und trägt immer sehr schicke Kleidung.», ergänzte sie.
 

«Es gibt ein Foto von ihr auf unserer Firmenwebsite», sagte Chiyoko, zog ihr Handy aus der Tasche und reichte es Naoki. «Das ist die URL», wies sie ihn an und Naoki tippte die Webadresse ein. Kurz darauf scrollte er auf seinem Laptop und riss ungläubig die Augen auf.
 

«Das ist Maria?!», fragte er und Ryozo versuchte einen Blick auf seinen Bildschirm zu erhaschen. Da auch Ayumi neben Naoki saß, tat sie es ihm gleich und nickte.

«Genau, das ist sie», bestätigten die Geschwister synchron.
 

«Wow! Das ist die schönste Frau, die ich je gesehen habe», sagte Naoki, woraufhin Tatsumi aufstand und zu ihm ging, um ebenfalls einen Blick auf den Bildschirm zu werfen.

«Ich würde sie sofort heiraten! », verkündete er und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
 

Naoki bemerkte ihn hinter sich und schob ihn zu seinem Platz.

«Setz dich wieder hin, du Trottel!», ermahnte er ihn und Tatsumi setzte sich widerwillig.
 

«Also, dann schreibe ich das mal auf», sagte Naoki, tippte eifrig die Informationen ab und wandte sich dann Chiyoko zu.
 

«Für deine Geschichte brauche ich eine Vertrauensperson, eine Art Freund oder Freundin und jemanden, vor dem du Angst hast.»

«Oh! Das ist einfach. Bist du noch auf der Website?», fragte sie und Naoki nickte.

«Kohaku Seito ist mein Vertrauter! Er ist hilfsbereit, charmant, höflich und tierlieb!», erklärte sie und Ryozo rollte mit den Augen.

«Nicht der Blumentyp...», kommentierte er die Wahl und Yumiko funkte dazwischen.

«Der Hottie vom Umzug?! Wenn der im Spiel ist, will ich ihn mir angeln!», sagte sie und erntete einen strengen Blick von Tatsumi. «Das meinst du nicht ernst?», fragte er und Yumiko grinste. «Klaro!»
 

«Und die zweite Person?», fragte Naoki Chiyoko und lenkte damit das Thema auf sie. «Erika Sakanoue. Sie ist auch auf der Website. Sie ist unser Chief Marketing Officer», erklärte sie und man konnte sehen, wie Naoki auf dem Bildschirm suchte. «Ihr Büromenschen mit euren komischen Berufsbezeichnungen», sagte er und Ayumi lächelte. «Ich finde das auch immer sehr verwirrend.»
 

«Ach du heilige Scheiße! », rief Naoki verblüfft und hielt sein Gesicht näher an den Bildschirm, als könne er so besser sehen. «Das ist Erika?!»

Tatsumi wollte aufstehen, doch Yumiko packte ihn fest am Arm und hielt ihn in sitzender Position fest.

«Aus!», sagte sie wie zu einem Hund.

«Ich mache doch gar nichts», rechtfertigte er sich und blieb sitzen.
 

«Warum sehen hier alle aus wie aus einem Katalog?», fragte Naoki ungläubig.

«Nicht jeder», sagte Chiyoko leise und seufzte.

«Oh, Schätzchen! Du bist auch gemeint!», stimmte Yumiko ihr mit einem sanften Lächeln zu und grinste dann spöttisch in Ayumis Richtung. «Oder Ayu? Ist es nicht so?»

«Hm?»

Ayumi hatte nicht mitbekommen um was es ging.
 

«Gut, Erika Sakanoue ist deine zweite Person. Wie ist sie so? Naja, abgesehen von unglaublich attraktiv?», hakte Naoki nach. «Sie ist ehrgeizig, direkt und manchmal richtig unheimlich», beschrieb Chiyoko sie.

«Sie ist ein Puma», erklärte Ryozo und Naoki schien bei dieser Beschreibung sofort zu verstehen.

«Oh! Alles klar.»
 

Er machte sich Notizen und wandte sich an Ryozo.

«Gut, dann lass uns zu deinen Personen kommen. Ich brauche eine nahestehende Person, einen Rivalen und eine Person, bei der sich noch herausstellen wird, wie sie zu dir steht», erklärte er und Ryozo grübelte.
 

«Hm. Kann ich für die erste Person einen Verwandten nehmen?», fragte er und Naoki nickte. «Nimm deinen heißen Dad!», rief Yumiko und Naoki ermahnte sie. «Du bist nicht dran, Zwerg!»
 

«Was ist mit meinem Onkel? Ikuto? Der kann zwar nicht wirklich was, aber sollte passen, oder?», fragte er und Naoki schrieb es auf. «Klar, das passt und ich kenne ihn, das macht es leichter», erklärte er und schrieb es auf.
 

«Ikutooooooo?! Holy Makkaroni! Den angle ich mir auch!», schwärmte Yumiko und Ayumi sah sie irritiert an. «Meinen Onkel? Ist er nicht ein bisschen zu alt für dich?», fragte sie und Yumiko grinste.

«Unsinn! Bei Männern ist es wie bei einem guten Wein. Sie müssen reifen, damit sie schmecken!»
 

«Außerdem ist er ledig und ich auch, also» «Yumi!», zischte Naoki und tippte etwas lauter auf der Tastatur. «Zurück zu dir, Cowboy. Ich brauche einen Rivalen für dich.»

«Ich weiß nicht. Sowas habe ich nicht»
 

Ryozo wirkte unschlüssig und Naoki wartete ungeduldig. «Du hast doch sicher jemanden, mit dem du dich messen willst? Einen Konkurrenten?»
 

Tatsumi deutete auf sich selbst und lächelte. «Ich spiele leider mit, sonst wäre ich das», sagte er zuversichtlich und Yumiko prustete. «Du? Ich bitte dich! Du schlägst Ryozo nicht einmal in einer einzigen Sportart», kommentierte sie und brachte Ryozo damit wohl auf eine Idee.
 

«Dann nehme ich meinen Chef.»

«Deinen Chef?», fragte Naoki irritiert. «Du meinst», begann er und scrollte mit der Mouse, um etwas auf der Website zu finden «diesen Herrn Aido?».

«Ja», bestätigte er.
 

«Hast du ein Problem mit Herrn Aido? Das wusste ich gar nicht», fragte Ayumi.

«Problem würde ich nicht sagen. Es ist kompliziert», erklärte sich Ryozo.
 

«Jetzt bin ich neugierig!», sagte Yumiko, stand auf und ging zu ihrem Bruder, um einen Blick auf den Laptop zu werfen. «Ich will wissen, wer das ist. Wenn Ryozo ihn als Rivalen wählt, muss er...», sie hielt inne und riss die Augen auf. «Das ist dein Chef?!», sagte sie ungläubig und näherte sich dem Bildschirm.
 

«Was?», fragte Ryozo gereizt und Yumiko hielt sich das Herz, als hätte sie einen Herzinfarkt. «Hot as hell ist keine Beschreibung für das, was meine Augen sehend sind! Kein Wunder, dass alle in dieser Firma arbeiten wollen! Was ist euer Firmenmotto? „Choke me daddy“?»
 

«Jetzt übertreib mal nicht, so krass ist der auch wieder nicht», sagte Ryozo und verschränkte die Arme. Naoki beobachtete ihn und tippte auf der Tastatur. «Der perfekte Gegner. Nehmen wir. Wie ist er denn so? », fragte er Ryozo, der nur mit den Schultern zuckte.
 

Ayumi seufzte und antwortete für ihn.
 

«Herr Aido ist ruhig, streng und legt großen Wert auf Ehrlichkeit und Pünktlichkeit», erklärte sie.

«Und er kann ganz schön angsteinflößend sein», warf Chiyoko ein.

«Ich habe aber gehört, dass die meisten Kunden ihn mögen», sagte Ayumi. «Das stimmt, aber viele Kollegen trauen sich nicht mal auf seine Etage», erwiderte Chiyoko.
 

«Er ist halt so ein Typ, der nie lacht, aber so viel Angst macht er einem auch wieder nicht», fasste Ryozo zusammen und Naoki lächelte. «Gut, ich verstehe.»

Was Naoki notierte, wusste niemand außer ihm selbst.
 

«Kommen wir zur dritten Person», erklärte Naoki und Ryozo seufzte. «Nimm irgendwen von der Webseite. Da wird schon was dabei sein.»

«Alles klar, dann wähle ich mal», begann er und fuhr mit dem Finger über den Bildschirm, ohne ihn zu berühren «ihn.», beendete er seinen Satz.
 

Yumiko, die immer noch bei Naoki stand, zog scharf Luft ein.

«Sébastien Dubois», las er den Namen vor und Yumiko betrachtete das Bild auf dem Bildschirm genauer.

«Mein Herz hält das nicht aus! Den muss ich mir auch schnappen!», notierte sie sich gedanklich einen weiteren Namen auf ihrer Liste attraktiver Männer.

«Du gehst jetzt auf deinen Platz oder es setzt was!», zischte Naoki und schob seine Schwester von sich weg. «Ist ja gut». Yumiko schnaubte und setzte sich.
 

«Ich kenne ihn nicht, aber wir nehmen ihn einfach mal», verkündete Ryozo und Chiyoko schüttelte den Kopf. «Bitte nicht Herrn Dubois! Er ist unheimlich und wie ein Bösewicht aus einem Anime!»

«Was?», fragte Ryozo. «Er versucht seit Jahren, an Kohakus Firmenanteile zu kommen und hat ihn sogar schon mit Kaffee überschüttet bei einem Streit!»
 

Ryozo lachte kurz und erntete einen strengen Blick von Ayumi.

«Ich nehme den Kerl, der klingt lustig», sagte er.
 

«Damit wären wir beim Zwerg.»

Naoki sah seine Schwester an und kam kaum dazu, seine Frage zu stellen.
 

«Ich will drei Liebhaber haben und dafür brauche ich... » «Ich brauche von dir ein älteres Ehepaar, das ich für ein Ereignis in der Geschichte brauche», erklärte Naoki ihr und wollte sie sofort von ihrem Vorschlag abbringen.
 

«Tatsumis Vater und», begann sie und wurde von Tatsumi unterbrochen.

«Du wählst jetzt wirklich meine Eltern?» «Falsch», entgegnete sie und ihr Grinsen wurde noch breiter.

«Ich wähle Tatsumis Dad und Ryozos Dad! Die beiden sind dann das heiße Daddy-Pairing!»
 

Sie quietschte und rutschte auf ihrem Stuhl hin und her.

«Ist das dein Ernst?!», fragte Ryozo und auch Tatsumi schien nicht begeistert.

«Mein Vater ist verheiratet!», warf er ein.
 

«Das ist AU, du Idiot! Und jetzt heul nicht rum! Außerdem ist deine Mutter in dieser Welt mit einer anderen tollen Mutter verheiratet!», verteidigte Yumiko ihren Vorschlag.

«Ich finde das trotzdem bescheuert», antwortete Tatsumi und erhielt stilles Einverständnis von Ryozo.

«Seid doch nicht so intolerant! Ich kann doch wohl ein schwules Paar nehmen!
 

«Ich und intolerant?! Ich habe mit Ryozo schon Dinge gemacht!», verteidigte sich Tatsumi und wurde von Ryozo unterbrochen. «Halt, Stopp! Was für Dinge?»

«Nun, wir haben uns schon nackt gesehen, betrunken geküsst und oft zusammen in einem Bett geschlafen», erklärte Tatsumi und Ryozo beruhigte sich. «Ach, das meinst du. Ja, das stimmt.»
 

Ayumi und Chiyoko standen unter Schock, was auch Yumiko nicht entging, die sich zu ihnen umdrehte. «Männerfreundschaften. Hinterfragt das am besten gar nicht. Die sind immer ein bisschen Boyslove», sagte sie belustigt. Naoki notierte sich etwas und wandte sich anschließend Ryozo und Tatsumi zu.
 

«Ja, ja. Genug der Details eurer Freundschaft-Plus-Beziehung. Wir haben noch ein Abenteuer vor uns.»

«Das ist keine Freundschaft Plus.», warf Ryozo ein und Yumiko lachte.
 

Naoki sah sie an und hatte nichts gegen ihre Wahl einzuwenden.
 

«Ein "Daddy"-Paar für dich. Gut, damit habe ich alles, was ich brauche.»

«Du nimmst jetzt wirklich unsere Väter? », fragte Tatsumi und Naoki drehte sich zu ihm um.

«Natürlich, warum nicht? Ich kenne die beiden und kann sie gut spielen», ließ er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen und wandte sich allen Spielern am Tisch zu.
 

«Jetzt kommt der etwas trockene Teil. Eure Klassen. Was ist das und was bedeuten die?», fragte er in die Runde und beantwortete sie sogleich.
 

«Eure Klassen sind so etwas wie eure Berufe. Wir spielen ein Abenteuer in einer Fantasywelt, in der es auch Magie gibt, und das bedeutet, dass eure Klasse euch sagt, welche Zauber ihr anwenden könnt. Manche Leute beherrschen auch den einen oder anderen Zauber. Die Spezialisierung, der Eid oder die Domäne eurer Klasse ist so etwas wie eine besondere Ausbildung. Ich gebe euch ein Beispiel. Eure Klasse ist Koch und eure Spezialisierung ist Saucier, also Saucenkoch. Ihr habt die Grundausbildung eines Kochs und beherrscht die Zubereitung von Saucen, Fonds und Buttermischungen besonders gut», erklärte er und schaute jeden der Reihe nach genau an, um zu sehen, ob jeder verstanden hatte.
 

«Fragen dazu?»

«Ich bin von der Grundausbildung her ein Paladin und auf Eide spezialisiert. Womit kämpfe ich? Werfe ich ein Kruzifix auf meine Feinde und bete sie zu Tode?», fragte Ryozo und Naoki lachte.
 

«Nicht ganz, aber gut, dass du fragst. Du bist ein magischer Nahkämpfer. Normalerweise kämpfst du mit Schwert und Schild oder nur mit einem Schwert und kannst deine Waffe mit göttlicher Magie verstärken.»

«Diese göttliche Magie ist echt?», hakte er nach.

«Natürlich ist sie echt. Was sollte sie denn sonst sein?»

«Ach, ich dachte, das wäre nur leeres Geschwätz, wie in der Kirche eben üblich», entgegnete er und Ayumi drehte sich zu ihrem Bruder um.

«Ryozo, es gibt Menschen, die glauben an Gott», ermahnte sie ihn und erntete nur ein amüsiertes Lächeln. «Du meinst unsere Alte? Die glaubt auch an Globuli, das sagt doch alles, oder?», sagte er zynisch.
 

«Gut, ich sehe schon, Ryozo wird ein toller Paladin werden», unterbrach Naoki die Diskussion der beiden Geschwister.

«Ich sage, er wird in fünf Minuten ein Eidbrecher sein», kommentierte Tatsumi. «Ich gebe ihm zwei Minuten», wettete Yumiko mit und beide lachten.
 

«Wir werden sehen. Gut, weiter im Text. Ayumi, du bist eine Klerikerin und von deiner Spezialisierung her die Heilerin der Gruppe. Du heilst mit Zaubersprüchen, kannst deine Magie aber auch im Kampf einsetzen. Du bist aber auch, wie Ryozo, ein Nahkämpfer», erklärte Naoki und sah dann Chiyoko an.

«Du kannst als Waldläufer im Fern- oder Nahkampf kämpfen oder dir einen Tiergefährten zu Hilfe rufen.»
 

Chiyoko nickte und Naoki sah Tatsumi an. «Du greifst mit deinen Dolchen im Nahkampf an und du, Yumiko», begann er und Yumiko hob ihre Axt aus Pappe in die Höhe. «Und ich spalte alle mit meiner Axt».

«Ja, wenn du triffst.»
 

Naoki griff nach einem dünnen Stapel Papier und verteilte es an die Anwesenden. «Ich habe für jeden eine kleine Übersicht ausgedruckt. Darauf steht die Beschreibung eurer Klasse, eure Fähigkeiten und Zauber. Das könnt und sollt ihr als Spickzettel benutzen. Aber auch im Kampf könnt ihr mich jederzeit fragen, wenn ihr etwas wissen wollt. Am Anfang werde ich euch unterstützen und euch im Kampf helfen», sagte er.
 

Jeder nahm den Zettel und las ihn. Während Yumiko und Tatsumi das Dokument nur flüchtig überflogen und dann beiseitelegten, lasen Chiyoko, Ayumi und Ryozo die Informationen gründlich.
 

« Alles klar, gar nicht so kompliziert», meinte Ryozo und legte als erster der drei Neulinge das Papier zur Seite.

«So ein Streber», kommentierte Yumiko.

«Ryozo war schon immer so. Er liest kurz was durch und das war's. War echt praktisch in der Schule neben ihm zu sitzen», erzählte Tatsumi und Chiyoko sah auf.

«Oh! Das erinnert mich an Herrn Aido!», warf sie ein und Ryozo hob leicht eine Augenbraue.

«Warum?»

«Wusstest du das nicht? Herr Aido hat ein eidetisches Gedächtnis. Das überrascht uns immer wieder, dass er bei Besprechungen nie seinen Laptop dabeihat und trotzdem jeden Vorgang und jedes Projekt kennt», erzählte sie und Ayumi nickte. «Das habe ich auch nicht geglaubt, bis ich es selbst erlebt habe. Er kann Wort für Wort Texte wiedergeben, die er nur kurz gesehen hat.»
 

«Ein fotografisches Gedächtnis? Das glaube ich nicht», sagte Ryozo skeptisch. «Es stimmt aber», verteidigte Chiyoko ihre Aussage und Yumiko musterte Ryozo.
 

«Du bist aber sehr interessiert, wenn es um diesen Herrn Aido geht», sagte sie und Tatsumi stimmte ihr nickend zu. «Finde ich auch.»

«Bullshit», sagte Ryozo und sah Naoki an. «Los, mach weiter», befahl er ihm und Naoki sah ihn einen kurzen Moment verwirrt an.

«Woher die plötzliche Eile? Aber ja, du hast recht. Lasst uns weitermachen.»
 

«Hintergründe sind eure Ziele, oder besser gesagt, eure Motivation, etwas zu tun und wie ihr es tut. Sie geben euch auch Boni auf bestimmte Fertigkeiten, ähnlich wie eure Klasse. In Pen and Paper müsst ihr bei allem, was ihr tut, würfeln, ob ihr es schafft oder nicht. Ihr würfelt also auf eure Fertigkeiten. Je nachdem, was ihr im Einzelnen machen wollt, ist der Wurf schwerer oder leichter. Stellt euch das als typischen Schwierigkeitsgrad vor», erklärte er und zeigte auf Yumiko.
 

«Yumiko möchte zum Beispiel mit einem Waffenhändler einen Preis für eine Axt aushandeln. Dabei kann sie auf verschiedene Weise vorgehen. Sie kann den Verkäufer täuschen, also betrügen, ihn überzeugen oder einschüchtern. Alle Möglichkeiten führen zu ihrem Ziel, haben aber unterschiedliche Konsequenzen, wenn sie scheitern. Da sie ein Barbar ist, könnte sie ihn einschüchtern, da sie als Barbar einen Bonus auf diese Fertigkeit hat. Ihr Hintergrund ist aber auch Gildenkünstler, was ihr einen Bonus auf Motiv erkennen gibt. In unserem Beispiel entscheidet sich Yumiko fürs Motiv erkennen und findet heraus, dass er einen Heiltrank sucht. Sie biete ihm also für den Handeln einen Heiltrank an und bekommt einen Rabatt für die Axt. So viel zum Hintergrund und der Klasse. Eure Übungsboni, so nennt man das, findet ihr auf der Rückseite des Blattes, das ich euch gerade ausgeteilt habe.», erklärte er.
 

Daraufhin nahmen die Spieler die Zettel an sich und lasen die Rückseite.
 

«Dort findet ihr auch alle Fertigkeiten. Wir gehen sie einfach mal gemeinsam durch», sagte er und sah Yumiko und Tatsumi an. «Ich habe sie vereinfacht und etwas verändert», erklärte er den beiden erfahrenen Spielern.
 

«In der Kategorie „Körper“, findet ihr alles, was ihr mit eurem Körper macht. Athletik, Akrobatik, Fingerfertigkeit und Heimlichkeit. Mit diesen Fertigkeiten könnt ihr klettern, springen, jemanden stoßen, Schlösser öffnen oder euch verstecken», begann er mit der ersten Kategorie und widmete sich anschließend der Nächsten.
 

«In der Kategorie „Geist“, findet ihr alles, wofür ihr euer hübsches Köpfchen braucht. Arkane Kunde, Natur, Geschichte, Nachforschungen, Natur, Religion, Motiv erkennen, Heilkunde, mit Tieren umgehen und Wahrnehmung», sagte er.
 

«Und in der letzten Kategorie, „Sprache“, ist alles, was ihr zum Reden braucht. Ob Überzeugen, Einschüchtern, Täuschen oder Auftreten. Hier ist wichtig zu wissen, dass die Welt auf eure Vorgehensweise bei Dialogen reagieren wird. Schüchtert ihr jemanden ein, wird er euch anschließend mit Furcht begegnen», ging die Erklärung über die Fertigkeiten weiter.
 

«Woher wissen wir, wann wir was anwenden müssen?», fragte Ryozo.

«Wenn ich es euch sage. Ich bin eure Welt und teile euch mit, auf was gewürfelt wird. Es gibt natürlich den Fall, dass ihr eigenständig etwas tun wollt, das teilt ihr mir einfach mit und ich sage euch, ob es möglich ist oder nicht und welcher Wurf es dann ist», antwortete er und Ryozo nickte.

«Verstanden.»
 

«Da das Fertigkeiten-System normalerweise sehr komplex ist, vor allem mit den Punkten, die man dafür bekommt, habe ich es modifiziert. Wir arbeiten mit vier Kategorien: Unfähig, ungeübt, geübt und Meisterung. Wenn ihr in einer Fertigkeit unfähig seid, habt ihr einen Malus von -3 auf diese Fertigkeit. Wenn ihr ungeübt seid, habt ihr einen Wert von 0. Wenn ihr geübt seid, habt ihr einen Bonus von +3 und wenn ihr die Fertigkeit gemeistert habt, habt ihr einen Bonus von +10. Da ich den Schwierigkeitsgrad festlege, kann eine Meisterung bedeuten, dass ihr den Wurf definitiv schafft, vorausgesetzt ihr würfelt keinen kritischen Misserfolg, also eine 20. Es kann aber auch sein, dass der Schwierigkeitsgrad so hoch ist, dass euch auch eine Meisterung nichts nützt und ihr es nur schafft, wenn ihr einen kritischen Erfolg, also eine 1 würfelt», erklärte Naoki die Regeln und diesmal stellte Ayumi eine Frage.
 

«Was bedeutet kritischer Erfolg und Misserfolg?», fragte sie.

«Lass es mich anhand eines Beispiels erklären», sagte er und deutete auf Tatsumi.

«Die schurkische Eidechse ist ein Meister im Stehlen und Schlösserknacken, also in den Fertigkeiten Heimlichkeit und Fingerfertigkeit. Wahrscheinlich gelingt ihm fast alles. Wenn er aber selbst bei einem einfachen Wurf eine 20 würfelt, scheitert er nicht nur, sondern es passiert etwas Schlimmes. Wenn er mit einer 20 ein Türschloss knackt, kann es sein, dass die Tür aus den Angeln fällt und ihn einfach zerquetscht.».

«Das wäre lustig», kommentierte Yumiko.
 

«Und bei einem kritischen Erfolg?», fragte Ayumi, doch Tatsumi beantwortete ihr die Frage.

«Die Tür geht auf und eine Gruppe schöner Frauen fällt mir in die Arme.»

«Du meinst bei deiner Aura wohl eher bildhübsche Männer», neckte Yumiko und stupste ihn mit dem Ellenbogen an. «Was kann ich dafür, dass mich eher Männer attraktiv finden», erwiderte Tatsumi und Yumiko lachte.
 

«Hast du das verstanden, Ayumi?», fragte Naoki freundlich und Ayumi nickte.

«Ja, danke.»
 

«Dann gehen wir jetzt die Boni eurer Hintergründe durch. Ich fange mit dir an, Yumi», sagte er und sah seine Schwester an.

«Du hast die Fertigkeiten Einschüchtern und Motive erkennen gemeistert», teilte er ihr mit und wandte sich dann Tatsumi zu.
 

«Heimlichkeit und Fingerfertigkeit», sagte dieser und erhielt eine Bestätigung von Naoki. «Genau»
 

Yumiko und Tatsumi trugen die Informationen in ihre Charakterbögen ein, bevor Naoki sich Ayumi zuwandte. «Du hast die Fertigkeiten Religion und Wahrnehmung gemeistert», teilte er ihr mit und lächelte Chiyoko an. «Und du hast Natur und den Umgang mit Tieren gemeistert».
 

Dann wandte er sich Ryozo zu.
 

«Geschichte und Überzeugen», zählte er kurz die Fertigkeiten auf, und Ryozo zog eine Augenbraue hoch.

«Geschichte?», fragte er skeptisch. «Das nützt mir nichts. Ich will die Meisterung bei Athletik», forderte er und Naoki lächelte.

«Und ich will reich sein, eine tolle Frau an meiner Seite und zwei Kinder. Man kann im Leben nicht alles haben», erwiderte Naoki.

«Hast du nicht gesagt, du hast die Charaktere auf uns zugeschnitten? Ich studiere Sportwissenschaften und nicht Geschichte», erwiderte Ryozo.
 

«Du hast keine fünf Minuten gespielt und verhandelst schon mit dem Spielleiter?», fragte Tatsumi und Ryozo sah ihn erstaunt an.

«Warum nicht?»
 

Yumiko nahm eine bequemere Sitzposition ein und holte sich eine der Servierplatten mit Snacks.

«Oje, das wird dauern», kommentierte sie Ryozos Handeln und reichte Tatsumi einen Snack. Er nahm es und beide fingen an zu essen.
 

«Du willst also wirklich mit mir verhandeln, mein Hübscher? Gut, dann mach nur. Die Meisterung passt zu deiner Herkunft, und die ist adlig. Außerdem hast du, soweit ich weiß, noch nicht einmal deinen Abschluss und keine Berufserfahrung. Von einem Meister bist du also weit entfernt», argumentierte Naoki und Ryozo verschränkte die Arme.
 

«Wie soll ich einen Charakter authentisch spielen, der nur in Athletik geübt ist und eine lahme +3 hat?».

«Es ist nicht „nur“ eine +3, es ist ein solider Bonus.»

«Solide ist nicht gut und auch keine Meisterung mit +10.»
 

Ayumi mischte sich in das Gespräch ein und sah ihren Bruder an.

«Du spielst das auch zum ersten Mal. Mach Naoki doch bitte keine Umstände und akzeptiere es einfach.»

Naoki schaute verdutzt in Ayumis Richtung und lächelte dann.

«Das ist lieb von dir, aber mach dir keine Sorgen um mich», sagte er und sah Ryozo mit einem bösen Grinsen an.
 

«Pass auf, Cowboy. Wenn du deine Meisterung haben willst, musst du dafür schwitzen», forderte er ihn heraus und rief in Richtung Küche.
 

«Benji!»

Benji kam kurz darauf aus der Küche und musterte seinen Bruder.
 

«Ryozo hat gerade Lust auf Liegestütze bekommen und ich brauche dich dafür», erklärte er und Ryozo grinste. «Liegestützen? Pah! Das bringt mich nicht ins Schwitzen. Sag mir, wie viele ich machen soll», sagte er siegessicher und stand auf.
 

«Oh, du musst natürlich nur zehn machen», erklärte Naoki und Ryozo ging zu einem freien Platz neben dem Tisch. Er ging in Position und Naoki hielt ihn auf.
 

«Nicht so schnell! Zehn Liegestütze, aber mit Benji als Gewicht. Aber das schafft unser Spitzensportler sicher locker.»
 

Ryozo ließ sich nicht beirren und man sah ihm an, dass ihn das nur noch mehr anspornte. Sehr zur Freude von Tatsumi und Yumiko, die sich auf ihren Stühlen gedreht hatten, um das Spektakel beobachten zu können.
 

«Wenn ich das schaffe, bekomme ich die Meisterung und meine zehn Punkte!», drohte Ryozo und Naoki nickte grinsend.
 

«Ja, sicher! Ehrenwort. Komm, Benji. Mach es dir auf seinem Rücken bequem.»

Benji zögerte kurz, ging dann aber zu Ryozo und setzte sich auf ihn. Man konnte deutlich sehen, wie Ryozo sich dem Boden näherte und Schwierigkeiten mit der zusätzlichen Last hatte.
 

«Und nicht helfen, Benji. Das sehe ich!", ermahnte Naoki und Benji nickte.
 

Ayumi griff sich an die Stirn und sah Naoki an.

«Bist du sicher, dass das in Ordnung ist? Was ist, wenn er sich weh tut?», fragte sie und Naoki zuckte mit den Schultern.

«Ach, Quatsch. Ryozo ist robust. Er ist von unserer Terrasse gefallen und hat das mit ein paar gebrochenen Rippen überlebt», antwortete er gelassen.
 

« Was? Das war bei euch?! Er hat Mama und mir erzählt, dass er gestürzt ist?», sagte sie.

«Bin ich ja auch», erklärte Ryozo. « Von einer Terrasse hast du nie was erzählt!», rief Ayumi schockiert.
 

Yumiko lachte und auch Tatsumi musste grinsen. «Das passiert, wenn man sich mit dem Rücken Richtung Abgrund auf ein Geländer setzt.»
 

Ayumi war die Fassungslosigkeit anzusehen und auch Chiyoko stand der Schock über diese Geschichte ins Gesicht geschrieben.
 

«Los jetzt, zehn Liegestütze und keine weniger!», befahl Naoki und lehnte sich zurück.

Der Spielleiter hat immer recht

Es war mutig von Ryozo, mit Naoki zu diskutieren, und es war dumm zu glauben, dass dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt sein würde. Naoki war bekannt dafür, dass er über viele Dinge nicht mit sich reden ließ und seine Geschwister Yumiko und Benji könnten ein Buch darüber schreiben. Dabei spielte es keine Rolle, wie wichtig das Thema war. Was Naoki wollte oder nicht wollte, bekam er. Bei Ryozo zeigte er überraschenderweise Gnade, auch wenn diese Gnade darin bestand, dass Ryozo vier Liegestütze mit etwa hundert Kilo Mehrgewicht machen musste.
 

«Ich freue mich schon auf meinen neuen Bonus!»
 

Ryozo war zuversichtlich, und obwohl er mit der zusätzlichen Last zu kämpfen hatte, machte er sich an die erste Liegestütze. Benji saß auf ihm, streng beobachtet von Naoki, der mit seinem durchdringenden Blick prüfte, ob alles mit rechten Dingen zuging und Benji auch nicht half. Ryozos angespannte Oberarmmuskeln verrieten jedoch schnell, dass er die Liegestütze aus eigener Kraft machte. Bei der zweiten Liegestütze zitterte er bereits vor Überanstrengung und an seinem Hals traten deutlich sichtbare Adern hervor.
 

«Na? Wie fühlen sich hundertachtzig Kilo an, mein Freund?», fragte Naoki neckend und konnte sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen. Er trank einen Schluck von seiner Jacky-Cola, stand auf und griff nach der Polaroidkamera, die auf dem Tresen lag.
 

«Halten wir diesen wunderbaren Moment für die Nachwelt fest», sagte Naoki, ging vor Ryozo in die Hocke und hielt die Kamera auf dessen leicht gerötetes Gesicht.
 

«Fick dich», knurrte Ryozo, der gerade seine dritte Liegestütze anfing. Sein Ehrgeiz kannte keine Grenzen und jeder in der Bar wusste das. Trotz des zusätzlichen Gewichts hatte er eine realistische Chance, wenn auch eine sehr kleine. Er kam sichtlich an seine Grenzen und drückte die Arme durch, um nicht auf den Boden zu sinken. Das entging auch Naoki nicht, der die Kameralinse weiter auf Ryozo richtete und ihn grinsend beobachtete.
 

«Du ruinierst das Foto mit deinem bösen Blick. Wie wär's mit einem Witz?», schlug er ihm vor.

«Bitte nicht», entgegnete Ryozo.
 

«Als Mann aus gläubigem Hause wird er dir gefallen. Also, Ryozo, wie nennt man das, wenn man betet und gleichzeitig Sex hat?».

Naoki bekam keine Antwort von Ryozo und die Leute am Tisch schauten fragend in seine Richtung. Nur Tatsumi grinste und beantwortete die Frage blitzschnell.
 

«Stoßgebet.»
 

Ryozo brach in schallendes Gelächter aus und sank kraftlos zu Boden. Gleichzeitig ertönte das Geräusch der Polaroidkamera und Naoki, der eben noch in der Hocke war, sprang lachend auf. Er nahm das Polaroidfoto und wedelte damit, um es zu trocknen.
 

«Das war's mit deinen Punkten», sagte Naoki siegessicher und hängte das geschossene Foto an eine freie Stelle an der Wand. Benji erhob sich und half dem immer noch lachenden Ryozo auf.

«Tatsumi du Arschloch», sagte Ryozo amüsiert und auch Tatsumi lachte jetzt. Der Rest des Tisches war wenig amüsiert über den Witz und Yumiko rollte mit den Augen.
 

«Ihr seid Idioten», kommentierte sie das Verhalten der beiden, während Ayumi verwirrt zu Chiyoko sah.

«Ich habe es nicht verstanden», teilte Ayumi Chiyoko mit, die mit deutlich geröteten Wangen den Blick abwandte.

«Besser so», antwortete Yumiko auf Ayumis Ratlosigkeit und nahm sich ein Stück Brot, an dem sie zu knabbern begann.

«Hast dich trotzdem gut geschlagen», sagte sie mit vollem Mund in Ryozos Richtung, der sich wieder beruhigt hatte und sich mit einem Oberteil etwas Luft zufächelte.
 

«Er hat hoffentlich seine Lektion gelernt», sagte Naoki, der hinter der Bar stand, drei Schnapsgläser füllte und damit zur Gruppe ging. «Der Spielleiter hat nämlich immer recht», fügte er hinzu und reichte die Schnäpse Ryozo und Tatsumi, während er den dritten in der Hand hielt. «Gut gemacht, Eidechse», lobte er Tatsumi und hob das Schnapsglas leicht an. Ryozo und Tatsumi prosteten Naoki zu und tranken.
 

Seufzend stellte Naoki das leere Glas auf den Tisch und setzte sich.

«Damit wäre das geklärt. Athletik +5, verstanden?», sagte er zu Ryozo, der es auf seinem Charakterbogen notierte.

«Klar! Und nach diesem Abenteuer werde ich deine Nummer löschen», antwortete er grinsend und Naoki lachte.
 

Benji schob zwei kleine Tische zusammen und verschwand aus dem Blickfeld.
 

«Warum spielt Benji nicht mit?», fragte Ayumi, die ihn beobachtet hatte.

«Benji stirbt vor Erschöpfung, wenn er zu lange sozialen Kontakten ausgesetzt ist», antwortete Naoki und Yumiko nickte zustimmend.

«Er hört meistens nur zu und zeichnet dabei», fügte sie hinzu und Benji kehrte in die Bar zurück. Er breitete Papier, Tuschstifte und andere Utensilien auf den zusammengeschobenen Tischen aus und setzte sich.
 

Ayumi und Chiyoko sahen ihn an, wandten sich aber schnell wieder Naoki zu, als dieser zu sprechen begann.
 

«Gut, damit haben wir eure Werte festgelegt. Ich fasse noch einmal zusammen:», begann er und deutete auf Ayumi zu seiner Rechten.

«Aelia Trevelyan, gespielt von der bezaubernden Ayumi. Eine Klerikerin der Domäne des Lebens, vom Volk der Menschen, mit dem Hintergrund Weiser und der Gottheit Lathander. Sie fürchtet sich vor Feuer, ist sehr abergläubig und ihre besonderen Fähigkeiten sind Religion und Wahrnehmung», erklärte Naoki und scrollte auf seinem Laptop.
 

«Deine Waffen sind ein Morgenstern und ein Schild und du trägst eine mittlere Rüstung», las er vor. «Trage dir das auf deinem Charakterbogen ein bei Waffe und Rüstung. In deiner Tasche, deinem Inventar, befinden sich zwei Heiltränke. Notiere dir das ebenfalls. Außerdem hast du in deinem Inventar eine Brosche der Adelsfamilie Trevelyan», fügte er hinzu und ließ Ayumi in Ruhe alles aufschreiben
 

«Dann haben wir Cenna, gespielt von der liebreizenden Chiyoko. Eine Waldläuferin mit der Spezialisierung Jäger, vom Volk der Tieflinge. Ihr Hintergrund ist Straßenkind und sie ist der Gottheit Mielikki treu ergeben. Sie fürchtet Nagetiere wie Mäuse und Ratten, hat einen schlechten Orientierungssinn und ist eine Meisterin in allem, was die Natur und den Umgang mit Tieren betrifft», stellte er sie vor.
 

«Deine Waffen sind zwei Kurzschwerter und für den Fernkampf ein Langbogen. Deine Rüstung ist eine leichte Rüstung», erklärte er und Chiyoko schrieb hastig mit. «In deinem Inventar befinden sich fünf Feuer- und fünf Eispfeile sowie ein kleines Katzenplüschtier», las er vor und deutete dann auf seine kleine Schwester.
 

«Yenora Grehek, gespielt von der kleinsten Schwester der Welt», stellt er Yumikos Charakter vor und erntete einen empörten Laut von ihr.

«So klein bin ich jetzt auch wieder nicht!», zischte sie.
 

«Der Spielleiter hat immer recht und unterbrich mich nicht beim Erklären», forderte Naoki und führte die Zusammenfassung fort. «Ein Barbar mit der Spezialisierung Berserker, vom Volk der Zwerge, mit dem Hintergrund Gildenkünstler und der Gottheit Haela Leuchtaxt ergeben. Sie hat Angst vor Spinnen und ein furchtbar schlechtes Gedächtnis. Hoffen wir also, dass sie sich daran erinnert, dass sie ein Profi im Nachforschen und Motive erkennen ist», erklärte er und grinste in Yumikos Richtung.
 

«Leider hat Yenora vergessen, wo sie ihre Streitaxt hingelegt hat, also geht sie ohne sie ins Abenteuer», sagte er.

«Was? Das ist doch nicht dein Ernst, Naoki!»

«Ist es, Yumi», antwortete er. «In deinem Inventar ist auch ein Zettel, aber da du vergessen hast, dass du ihn dabei hast, bekommst du ihn nicht von mir.»

«Naoki!», schimpfte Yumiko noch einmal, sehr zur Belustigung von Ryozo und Tatsumi, die sich darüber amüsierten.
 

«Machen wir mit Tezryn Freth weiter, gespielt von der schurkischen Eidechse», wendete er sich an die von ihm aus gesehen linke Seite des Tisches und zeigte auf Tatsumi.
 

«Ein Schurke mit der Spezialisierung Arkaner Betrüger, vom Volk der Dunkelelfen und Scharlatan seines Amtes. Er ist der Gottheit Lolth ergeben, fürchtet sich vor offenen Gewässern und leidet unter einer schwerwiegenden Kleptomanie», erzählte er und Tatsumi griff nach Yumikos Pappaxt.
 

«In seiner Tasche ist eine Axt, von der er nicht mehr weiß, wie sie da reingekommen ist», sagte Tatsumi lachend und bekam von Yumiko die Pappaxt wieder aus der Hand gerissen.

«Gib sie zurück, du Dieb!», zischte sie und legte die Axt auf ihre linke Seite, in Chiyokos Reichweite.
 

«Er ist ein Meister der Heimlichkeit und Fingerfertigkeit, weshalb die kleinste der Schwester der Welt gar nicht bemerkt, wie ihre Axt entwendet wurde und diese daher wieder an Tatsumi zurückgibt», neckte Naoki und wies Yumiko an, dass sie ihre Axt aushändigt.

«Ich hasse euch», murmelte sie, folgte aber Naokis Anweisung und gab Tatsumi ihre Pappaxt.
 

«Wenn du sie kaputt machst, schneide ich dir eine Niere raus und verkaufe sie auf dem Schwarzmarkt!», drohte sie ihm, doch Tatsumi ließ sich nicht beeindrucken und nahm die Axt grinsend entgegen.
 

«Du trägst als Waffen zwei Dolche, für den Fernkampf einen Kurzbogen und eine leichte Rüstung. In deinem Inventar hast du Diebeswerkzeug und zwei Fläschchen Gift.», sagte Naoki.
 

«Zum Schluss haben wir Remos Trevelyan, gespielt vom garantiert niemals impulsiven Ryozo, der in seinem Freundkreis für seine Herzensgüte und seinen Pazifismus bekannt ist», sagte Naoki und Ayumi begann zu prusten. Eine Reaktion, die alle, eingeschlossen Benji, überraschte. Sie entlockte Naoki ein Lächeln, der mit seiner Beschreibung fortfuhr.
 

«Ein ehrenhafter Paladin, der sich dem Eid der Vergeltung versprach, vom Volk der Menschen stammt und den Hintergrund des Adligen vorzuweisen hat. Er glaubt an die Gottheit Tempus, fürchtet sich vor Gewitter und glaubt nicht nur an die große Liebe, sondern trifft diese auch an jeder Straßenecke. Statt Schmetterlingen im Bauch, leidet er unter einem Liebeswahn und dieser kommt und geht, wie es das Schicksal fordert», sagte er.
 

«Du führst als Waffe eine Großschwert, trägst eine schwere Rüstung und in deinem Inventar hast du die Brosche der Familie Trevelyan, sowie zwei Heiltränke», fügte Naoki an und wartete kurz, bis Ryozo alles notiert hatte.
 

«Er ist ein Meister im Überzeugen und seine Kenntnisse in Geschichte sind unübertroffen», beendete Naoki die Vorstellung.
 

«Kurze Rückfrage», sagte Ryozo zu Naoki.

«Ja?»

«Ich habe Geschichte studiert?», fragte er.

«So gesehen ja», antwortete Naoki.

«Kann ich also jemanden mit einem Geschichtsbuch erschlagen und habe darauf einen Bonus?»

«Nein»

«Und wenn ich vorher einen Vortrag halte und der Person danach ein Geschichtsbuch in ihr Gesicht ramme?», hakte Ryozo weiter nach, was Naoki sichtlich zum Schmunzeln brachte.

«Du willst da echt eine ernste Antwort drauf? Sind zwei Würfe für dich. Einer auf Geschichte für den Vortrag und der andere auf Athletik oder Stärke», erklärte er und Ryozo notierte sich die Antwort.
 

«Damit verlierst du deinen Eid», mischte sich Tatsumi ein.
 

«Die Eidechse hat recht», sagte Naoki. «Ich werde dir in deinem Prolog deine Klasse erklären und was es mit diesem Eid auf sich hat», versprach er Ryozo und wandte sich dann allen am Tisch zu.
 

«Jeder von euch hat seinen eigenen Prolog, in dem wir die Spielmechanik üben und in dem ich euch auch eure Klasse, eure Spezialisierungen und alles andere erkläre. Stellt euch das als eine Art Tutorial vor», erklärte er und die Spieler nickten stumm.
 

«Am Anfang ist es etwas kompliziert, aber ich bin mir sicher, dass sich mit der Zeit jeder zurechtfinden wird», begann er und baute dann einen Sichtschutz auf seiner Tischseite auf. Es war eine Pappe mit aufgedruckten Motiven und keiner der Spieler konnte sehen, was bei Naoki vor sich ging. Dann griff er nach einem gefalteten Blatt Papier und breitete es auf dem Tisch aus.
 

«Wir fangen jetzt mit dem Spiel an, ihr Hübschen», sagte er und in der Mitte des Tisches lag eine Landkarte mit Kontinenten, Ländern und Beschriftungen. Sie wirkte nicht gedruckt, sondern handgezeichnet und Chiyoko staunte.

«Wow! Ist das gemalt?», fragte sie und Naoki nickte.

«Ja, wir haben unseren eigenen Künstler», erklärte er und deutete auf Benji. Der bemerkte es nicht, sondern zeichnete konzentriert.
 

Auf die Karte folgten zugeschnürte Stoffbeutel und jeder Spieler bekam einen. Es klimperte beim Aufprall und Tatsumi machte sich sofort daran, ihn zu öffnen.

«Nicht so schnell. Ihr macht ihn erst auf, wenn ich es sage», sagte er und Tatsumi ließ von seinem Vorhaben ab. Naoki stand auf, nahm fünf Schnapsgläser aus einem Regal und griff nach einer Flasche mit blauem Inhalt. Damit kehrte er an den Tisch zurück, stellte jedem ein Glas hin und füllte es. Jedes enthielt eine andere Menge und Yumikos Glas blieb leer. Stattdessen bekam sie drei Erdnussflips in ihr Glas gelegt.
 

«Die blaue Flüssigkeit ist euer Mana und die Erdnussflips», begann er und sah Yumiko an. «Das sind deine Kampfrauschladungen», fuhr er fort. Ryozo nahm sein Schnapsglas und betrachtete die blaue Flüssigkeit.

«Was ist das?», fragte er.

«Mana», antwortete Naoki. «In unserer Welt nennen wir es ein koffeinhaltiges Getränk, das zum Kotzen schmeckt.»

«Energy Drink, ich verstehe», antwortete Ryozo und stellte das Glas ab.
 

«Immer wenn ihr zaubern wollt, wird euch ein kleiner Schluck eures Manas entnommen. Ist das Glas leer, könnt ihr nicht mehr zaubern und müsst euch ausruhen. Genauso ist es mit den Erdnussflips bei Yumiko», erklärte er und stellte die Flasche mit der blauen Flüssigkeit neben sich ab. Er griff nach seinem Smartphone und tippte kurz darauf herum. Die Musik im Hintergrund wechselte und Yumiko rutschte auf ihrem Stuhl hin und her.
 

«Endlich geht es los!», sagte sie freudig und ordnete die Papiere vor sich. Statt Ordnung zu schaffen, entstand ein noch größeres Chaos. Aber sie schien sich zurechtzufinden.
 

«So, jetzt geht's los mit dem Abenteuer. Ich beginne mit einer Erklärung der Spielwelt und spiele dann mit jedem von euch den jeweiligen Prolog. Danach solltet ihr genug Ahnung und Wissen haben, wie das Spiel funktioniert», erklärte er und wandte sich dem Bildschirm seines Laptops zu.
 

«Bereit?», fragte er in die Runde und erhielt von allen ein zustimmendes Nicken.
 

«Wir spielen in der Welt Mevera, Heimat der Drachen und Land der Diamanten. Auf diesem Flecken Erde liegt die Stadt Kohorn, in der euer Abenteuer beginnt», begann er und Tatsumi warf einen Blick auf den Tresen der Bar.
 

«Kohorn?», fragte er und schaute auf eine Flasche an der Bar, die die Aufschrift „Korn“ trug und einen Alkoholgehalt von 37,5% aufwies. «Wie kreativ…»

«Ja, Kohorn und jetzt hör zu, Eidechse», drohte Naoki und Tatsumi imitierte mit einer Handbewegung einen Reißverschluss an seinem Mund, der sich schloss.
 

«So ist's brav. Zurück zu Kohorn. Ihr kennt diesen Ort als die Stadt der vielen Augen und wisst, dass es sich um eine Metropole an der Küste im Süden Meveras handelt. Viele halten Kohorn für die reichste und sicherste Stadt in ganz Mevera. Grund dafür ist die riesige Stadtmauer, die die Küstenstadt umgibt und die fünf Wachtürme, die schon aus mehreren Kilometern Entfernung zu sehen sind. Die Augen der Stadt, wie die Wachtürme genannt werden, sind riesige Statuen, die einen Weißkopfseeadler darstellen und in alle Himmelsrichtungen sowie auf das Stadtzentrum blicken», erzählte er, während zum Thema passende Musik die Bar beschallte.
 

«Ihr könnt euch übrigens Notizen machen. Es könnte alles noch einmal wichtig werden», gab er einen Tipp und alle griffen zum Stift. «Außer du, Yumi.»

«Wie soll ich mir das alles merken?», meinte sie und Naoki zuckte mit den Schultern. «Nicht mein Problem», entgegnete er und Yumiko griff nach einem Snack, auf dem sie schmollend herumkaute. Naoki sah zur Gruppe und erklärte weiter.
 

«Die Stadt ist durch ihre Lage am Meer sehr wohlhabend. Täglich pendeln viele Händler aus allen möglichen Ländern ein und aus und versorgen Kohorn mit seltenen Waren und Schätzen. Auch Abenteurer und Schatzsucher zieht es in die Stadt, da sie hier weniger Überfälle oder Diebstähle befürchten müssen und die Fundstücke ihrer zahlreichen Reisen verkaufen können. Kohorn wird seit seiner Gründung von der mächtigen Adelsfamilie Trevelyan regiert», sagte er und blickte zu Ayumi und Ryozo.
 

«Der Königstitel wird in dieser Familie seit Generationen vererbt. Aus diesem Grund versuchen viele andere Adelsfamilien, in die Familie Trevelyan einzuheiraten, um Teil dieser mächtigen Herrscherfamilie zu werden», sagte er und beobachtete, wie Ayumi und Ryozo sich Notizen machten. Er lächelte und erklärte weiter.
 

«Kohorn wird von Völkern unterschiedlichster Herkunft bewohnt. Neben der größten Bevölkerungsgruppe, den Menschen, haben sich auch Elfen, Halbelfen, Zwerge, Halblinge und sogar Tieflinge hier niedergelassen. Trotz der kulturellen Toleranz ist die Stadt in fünf Viertel unterteilt, in denen die einzelnen Völker getrennt voneinander leben. Nur im Marktviertel, dem wohl größten Viertel, halten sich alle möglichen Bewohner auf und treffen aufeinander.»

Er deutete auf die Karte, und die Spieler schauten sie sich an.
 

«Neben der leicht zu bewachenden und zu verteidigenden Stadtstruktur sind es die Soldaten der Weißadler, die einen Großteil der Sicherheit gewährleisten. Zwar gibt es auch eine nicht unbedeutende Miliz, aber die Weißadler sind Kohorns vernichtende Streitmacht. Ihr Wappen ist meist das Letzte, was Verbrecher zu sehen bekommen, denn die Weißadler kennen keine Gnade. Ob Dieb, Kleinkrimineller oder Spion, es gibt keine Absolution, und die Strafe für jedes noch so kleine Vergehen ist die Entfernung der Augäpfel. Die Weißseher, wie die Bestraften genannt werden, müssen zudem ein weißes Tuch um die Augen tragen, als Mahnmal ihrer Taten. Vorausgesetzt, sie entgehen der Todesstrafe durch die Gnade des Gerichts.»
 

Yumiko schluckte einen Bissen hinunter und unterbrach Naoki.

«Bitte sag mir nicht, dass Ryozo einer dieser Weißadler wird?», schien sie sofort zu ahnen, doch Naoki lächelte nur und fuhr mit seiner Erklärung fort.
 

«Unter der strengen Hand der Weißadler wurden die Verbrecher kreativer und die schlimmsten von ihnen gründeten das Verbrechersyndikat. Auch das Schwarze Syndikat genannt, als Gegenpol zu den Weißadlern. Viele Kriminelle, Diebe und auch bereits verurteilte Weißseher, schlossen sich zusammen, um strukturiert aus dem Verborgenen heraus zu agieren. Im Schwarzen Syndikat herrscht zwar Narren- und Regelfreiheit, jedoch muss jeder Verbrecher ein Schutzgeld zahlen. Wird diese nicht bezahlt, erwartet ihn der Tod. Entweder durch die Hand eines Mitglieds oder durch Auslieferung an die Weißadler», sagte er und sah Tatsumi an.
 

«Vielleicht sollte sich die Eidechse das gut merken», riet er ihm.

«Dann wird die Eidechse das natürlich aufschreiben», antwortete Tatsumi und machte sich Notizen.
 

«Der nächste Abschnitt ist für Ayumi interessant», sagte er, und Ayumi machte sich bereit, mitzuschreiben. Auf ihrem Blatt war jedoch zu sehen, dass sie sich bereits viele Notizen gemacht hatte.
 

«Die Rotkrone, ist ein Zusammenschluss von mächtigen Magiern und Klerikern, die sich dem magischen Schutz des Kohorns verschrieben haben und das Gegenstück zur rohen Gewalt der Weißadler darstellen. Die Kleriker der Rotkrone, die alle ein Hirschgeweih als Symbol der Krone tragen, kümmern sich um alle Belange der Bevölkerung. Sie pflegen, helfen und versorgen auch die Armen, Schwachen und Alten.»

Naoki sprach langsamer, als wolle er Ayumi Zeit geben, damit sie in Ruhe mitschreiben konnte. Dann wanderte sein Blick zu Yumiko und sein Sprechtempo beschleunigte sich.
 

«Und dann sind da noch die vielen Gilden, die die Stadt reich gemacht haben. Allen voran die Zwerge, die mit ihren weitreichenden Kontakten in andere Länder die feinsten und robustesten Waren herstellen und vertreiben. Die Händler genießen hohes Ansehen in der Stadt und zahlen gerne für einen zusätzlichen Schutz durch die Weißadler. Die größte Gilde, die Handelsgilde, besteht seit der Gründung Kohorns, daneben haben sich viele weitere Gilden wie die Handwerksgilde und die Kriegergilde gebildet.»
 

«Hey! Nicht so schnell!», zischte Yumiko.

«Merk es dir halt einfach schneller», antwortete er lachend.

«Wow! Mach es mir doch noch schwerer, du Arsch!»
 

Yumiko verschränkte die Arme und beobachtete ihre Mitspieler und wie sie sich Notizen machten.
 

«Das war es grob zu der Welt, in der wir uns befinden», sagte er und griff in seine Unterlagen. Er holte kleine Aufkleber heraus und schob den ersten Ryozo hin. Auf dem Sticker war ein bekanntes Pokémon zu sehen, ein fliegendes, das vor allem bei den Spielern der ersten Generation sehr beliebt war.
 

«Ein Vogel?», fragte Ryozo und Tatsumi sah ihn finster an.

«Das ist ein Taubsi! Wie kannst du das nicht wissen?!», sagte Tatsumi empört.
 

Naoki lachte und erklärte sich. «Das soll ein Wappen der Weißadler sein. Klebe es dir auf deinen Charakterbogen», wies er ihn an und Ryozo tat es ohne zu widersprechen.

«Ich wusste es», murmelte Yumiko, deren Verdacht sich damit bestätigte.
 

Ayumi bekam einen Aufkleber des Feuer-Pokémon Glumanda und die Erklärung dazu.

«Stell dir vor es ist eine rote Krone», sagte er und Ayumi nickte. Auch sie klebte den Sticker auf ihr Papier.
 

Tatsumi bekam einen Aufkleber des Geist-Pokémon Gengar, den er freudig entgegennahm.

«Verbrechersyndikat», erklärte Naoki und Yumiko seufzte hörbar.
 

«Ich nehme an, ich bekomme keinen Aufkleber? », fragte sie.

«Richtig. Notizen sind dir verboten, vergiss das nicht», erwiderte er und sah Chiyoko an.
 

«Deine Geschichte ist ein bisschen speziell, aber das erfährst du in deinem Prolog», teilte er ihr mit und Chiyoko nickte lächelnd.

«Alles klärchen!», entgegnete sie fröhlich.
 

«Ich spiele jetzt mit jedem seinen eigenen Prolog, damit ihr wisst, wie das Spiel funktioniert und ihr wisst, wer ihr seid. Wer traut sich als erster, seinen Prolog zu spielen?», fragte er in die Runde und Ryozo meldete sich als Einziger.
 

«Dann fangen wir mit dir an, Cowboy.>>

Wo die Liebe hinfällt

Das Abenteuer würde mit Ryozos Prolog seinen Anfang nehmen und Naoki kümmerte sich um die letzten Vorbereitungen. Er war sich bewusst, dass sie das Pen und Paper nicht an einem Abend beenden würden, aber alle am Tisch hatten zugesagt, die nächsten Abende weiterzuspielen - vorausgesetzt, sie überlebten.
 

«Ein kleiner Ratschlag vom Spielleiter:», begann Naoki und wandte sich zuerst direkt an Ryozo und dann an die Gruppe. «Habt Spaß und seid keine Sklaven von Regeln. Außerdem ist ein Pen und Paper ein Gemeinschaftsspiel. Ihr erlebt das Abenteuer als Gruppe und solltet diesen Vorteil nutzen. Sprecht euch bei Entscheidungen ab, gebt euch Tipps und helft euch untereinander.»
 

«Alles klar», sagte Ryozo, während die anderen Spieler mit einem stillen Nicken zustimmten.

«Sehr gut», lobte Naoki, stand auf und ging zum Tresen. «Das hatte ich ganz vergessen», sagte er in der Bewegung und öffnete eine Schublade. Er kramte darin, nahm etwas in die Hand und kehrte dann zum Tisch zurück.
 

«Beim Spielen unterscheiden wir zwischen dem, was ihr als Spieler sagt, und dem, was euer fiktiver Charakter sagt. Damit jeder von uns weiß, wann er in welcher Rolle ist, habe ich das hier mitgebracht», begann er seine Erklärung und öffnete ein wiederverschließbares Päckchen. Er leerte den Inhalt auf den Tisch, und kleine hölzerne Spielzeugfiguren kullerten darüber.
 

«Das Budget für richtige Spielfiguren war aufgebraucht, also zweckentfremden wir diese alten Dinger hier», erklärte er und schob jedem eine Figur zu. Die Holzfiguren stellten die zwölf Tiere des Tierkreiszeichens dar und hatten definitiv schon bessere Tage erlebt. Sie waren abgenutzt, hatten die ein oder andere Schramme und schienen sehr alt zu sein.
 

Naoki griff nach einer der Figuren und hob sie leicht an, damit alle sie sehen konnten.

«Wenn ihr als euer fiktiver Charakter handelt und sprecht, stellt die Figur vor euch hin», begann er die Erklärung. «Wenn ihr euch mit euren Mitspielern absprechen wollt oder als ihr selbst redet, legt ihr die Figur beiseite», fuhr er fort und Yumiko griff blitzschnell nach einer der Holzfiguren.
 

«Ich will den Tiger!», verlangte sie, hatte das Objekt aber längst gierig an sich gerissen. Naoki ignorierte sie und legte die Figur, die er an sich genommen hatte, wieder an ihren ursprünglichen Platz zurück.
 

«Am Anfang drücke ich ein Auge zu, wenn ihr die Figur vergesst. Aber nach dem Prolog werde ich gnadenlos sein. Wenn die Figur vor euch steht und ihr zum Beispiel jemanden am Tisch beleidigt, dann ist das für mich eine Beleidigung im Spiel und die Welt wird darauf reagieren.», fragte er, ob alle verstanden hätten, und diesmal antwortete Tatsumi für die Gruppe.
 

«Natürlich, Herr Spielleiter.»

«Gut, dann nimmt sich jetzt jeder eine Figur», wies Naoki die Spieler an und mixte sich eine neue Whiskey-Cola, von der er daraufhin einen Schluck nahm.
 

Tatsumi sah zu Ayumi und Chiyoko, die ihm gegenübersaßen, und deutete auf die Figuren.

«Möchte jemand von euch die Schlange oder kann ich sie haben?», fragte er, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, erhielt aber prompt ein Nicken von beiden.
 

«Nur zu», sagte Ayumi.

«Vielen Dank.»

Tatsumi lächelte, nahm die Holzfigur der Schlange und betrachtete sie.
 

«Hä? Du bist doch Sternzeichen Hahn! Das bringt Unglück, wenn du was anderes nimmst», mischte sich Yumiko ein, woraufhin Tatsumi Yumikos Figur betrachtete, von der er wusste, dass diese nicht Yumikos tatsächlichen Tierkreiszeichen entsprach und lächelte.

«Tja, dann haben wir wohl beide Pech», erwiderte er und sah Ryozo an. «Möchtest du dich den Unglücksrittern anschließen?», fragte er ihn und Ryozo zuckte mit den Schultern.

«Warum nicht? Was muss ich dafür nehmen?»
 

Nicht Tatsumi antwortete, sondern Ayumi, die auf den Affen deutete.

«Wir sind im Jahr des Affen geboren, Ryozo.»
 

Damit hatte Ryozo seine Antwort und griff absichtlich nach der Figur, die die Form eines Drachen hatte. Yumiko hob ihre Hand und klatschte mit Tatsumi und Ryozo ab. «Anarchie!», rief sie und die drei lachten. Chiyoko und Ayumi zögerten kurz, doch dann nahm Ayumi den Affen. Sie bemerkte Chiyokos Zögern und schob ihr die Figur in der Form eines Pferdes zu.
 

«Wir sind dann das Team der Glückskatzen», bildete sie mit ihr ein neues Team und Yumiko drehte sich zu den beiden um. «Glückskatzen?! Ich will auch ins Katzenteam!»

«So schnell verlässt du uns schon wieder?», fragte Tatsumi, doch Naoki unterbrach das Gespräch, indem er sich die restlichen Figuren schnappte und zurück in das kleine Päckchen verfrachtete.
 

«Gut, Team Unglücksritter und Team Glückskatze», fasste er zusammen und stellte die Holzfigur der Ratte vor sich auf.
 

«Denkt daran, was ich gesagt habe. Ist die Figur vor euch, sind wir im Spiel und alles was ihr macht und sagt zählt. Ist sie es nicht, sprecht ihr euch als Spieler ab oder seid nicht in eurer Rolle», erinnerte er noch einmal daran, wofür er die Figuren einsetzen wollte, und sah zu Ryozo. Dieser schaltete schnell und stellte die Holzfigur des Drachen vor sich hin.
 

«Ich bin bereit», erklärte er und Naoki nickte ihm zu.

«Gut, dann zu deinem Prolog», begann er und widmete sich seinem Laptop. Er scrollte eine Weile und las laut vor.
 

«Remos, Mitglied der adligen Herrscherfamilie Trevelyan und direkter Nachfahre des Königs. Er ist einer der wahren Erben und steht in der Thronfolge an erster Stelle. Sein Land, Kohorn, bedeutet ihm sehr viel und er würde alles geben, um es zu verteidigen. Als attraktiver und begehrenswerter Junggeselle liegen ihm die Frauen zu Füßen und er-».
 

«Natürlich sind es Frauen... », unterbrach Ryozo ihn und Ayumi warf ihrem Bruder einen finsteren Blick zu.

«Ich halte mich nur an die Tatsachen», sagte Naoki und fuhr mit der Beschreibung fort.
 

«Wie die meisten Adligen schloss sich Remos nach seiner Ausbildung zum Soldaten den Weißadlern an und stellte sich in den Dienst der Krone. Er jagt Verbrecher und beseitigt jede noch so kleine Bedrohung, um für die Sicherheit Kohorns zu sorgen. Sein Vater, der König, unterstützt ihn dabei bedingungslos, während seine Mutter ihn endlich verheiraten und auf dem Thron sehen will.», fuhr Naoki fort.
 

«Wow. Ich hasse die Alte jetzt schon», kommentierte Ryozo die Geschichte seines Charakters und machte sich Notizen. «Sind solche Informationen, wie beispielsweise meine Ausbildung, eigentlich wichtig?», fragte er dann und Naoki nickte.

«Es ist immer eine gute Idee, sich Notizen zu machen», erklärte er und gab Ryozo einen Moment, um aufzuschreiben, was er für wichtig hielt.
 

«Wie alle Weißadler hat auch Remos geschworen, die Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit zu wahren, mit den guten Dingen der Welt gegen die hereinbrechende Dunkelheit einzustehen und die Mächte des Bösen zu jagen, wo immer sie lauern. Die Paladine der Weißadler sind durch ihre Eide vereint und durch diese, wurden aus diesen frommen Kriegern gesegnete Champions», kam Naoki auf das Thema des Paladins zu sprechen.
 

«Geleitet von der Gottheit Tempus, bekannt als der Herr der Schlachten oder Feindeshammer und Gott des Krieges. Sein Dogma richtet sich vor allem auf die Ehre im Kampf, verbietet Feigheit und unterstützt die Benutzung von Waffen, um Konflikte zu lösen», erklärte er und Ryozo blickte überrascht auf.
 

«Klingt gut. Gefällt mir», teilte er sein Urteil mit.

«Ich dachte mir schon, dass dir Tempus gefällt», sagte Naoki grinsend und schob den Laptop zur Seite.
 

«Gut, lass uns ins Spiel einsteigen. Wir sprechen nicht mehr in der dritten Person von dir. Es ist jetzt ein Du von mir und ein Ich von dir. Ich beschreibe dir immer zuerst die Situation und dann frage ich dich, was du tust.», erklärte er.

«Alles klar», bestätigte Ryozo.
 

«Du, Remos Trevelyan, bist in deinem Schlafgemach im Schloss. Du trägst deine Rüstung, die eines Weißadlers, und es ist früh am Morgen. Normalerweise würdest du dich jetzt auf den Weg zum Stützpunkt der Weißadler machen, aber gestern Abend hat dich ein Bediensteter darüber in Kenntnis gesetzt, dass du vor deiner Abreise zu Seiner Majestät, deinem Vater, gehen sollst. Das Schloss ist dein Zuhause und du kennst den Weg, aber du kannst nicht sagen, wo genau dein Vater ist. Du kannst nur vermuten, ob er sich in seinem Arbeitszimmer oder im Thronsaal aufhält.», beschrieb Naoki die Szene. «Was tust du?»
 

«Warum kommt mein Vater nicht zu mir, wenn er etwas von mir will?», fragte Ryozo, was bei Yumiko ein Lachen und bei Ayumi ein Kopfschütteln auslöste.

«Das kannst du ihn ja fragen, wenn du ihn siehst», antwortete Naoki.

«Okay, dann werde ich zu ihm gehen», sagte Ryozo.

«Du verlässt also dein Zimmer?», fragte Naoki.

«Ja.»
 

«Du gehst zur Tür und», begann Naoki und griff nach seinen Würfeln, die gut hinter dem Sichtschutz vor den anderen verborgen waren. «Würfel mal auf Wahrnehmung», wies er Ryozo an und Tatsumi deutete auf den zwanzigseitigen Würfel, der vor ihm lag.

«Mit dem hier», half er ihm und Naoki stimmte Tatsumi zu.

«Genau. Jedes Mal, wenn ich dich bitte zu würfeln, wirst du es mit dem zwanzigseitigen Würfel tun. Es sei denn, ich sage dir etwas anderes.»

«Und welches Ergebnis brauche ich?», hakte Ryozo nach.

«Je höher, desto besser», erklärte Naoki und Ryozo begann zu würfeln. Er würfelte eine elf, was er Naoki mitteilte.

«Elf.»
 

Naoki erwiderte nichts, sondern würfelte selbst, teilte der Gruppe das Ergebnis aber nicht mit, sondern beschrieb die Szene. «Ein Pfeil fliegt durch das Fenster deines Zimmers, das Glas zerspringt und der Pfeil verfehlt dich nur knapp. Er trifft die hölzerne Tür und bleibt darin stecken. Du bemerkst, dass ein Zettel am Pfeil hängt. Was machst du jetzt?»
 

«Kann ich zum Fenster gehen und rausschauen?», fragte Ryozo und Tatsumi sah ihn irritiert an. «Du gehst zum Fenster? Im Ernst? Was ist, wenn noch ein Pfeil kommt?», fragte er, aber Naoki antwortete nur auf Ryozos Frage.
 

«Natürlich kannst du zum Fenster gehen. Machst du das?

«Klar! Ich will sehen, von wem der Pfeil kam», bestätigte Ryozo.

«Dann mach das», sagte Naoki. «Und wichtig ist, dass du mir immer sagst, was du machst. Zum Beispiel: „Ich gehe zum Fenster“ statt „Ich würde gerne zum Fenster gehen“.»
 

«Ok. Ich gehe zum Fenster und schaue, ob ich den Bastard finde, der den Pfeil in mein Zimmer geschossen hat», erklärte Ryozo genau, was er tat, und Yumiko lachte. «Ich sehe schon, Ryozo ist ein wohlerzogener Adliger», kommentierte sie.
 

«Du gehst zum Fenster und schaust hinaus. Du siehst das geschäftige Treiben im Innenhof des Schlosses, du siehst die Dächer der anderen Gebäude, aber du bemerkst und siehst nichts Besonderes oder Außergewöhnliches», beschrieb Naoki, was Ryozo sehen konnte.

«Alles klar. Dann rufe ich was», sagte er und diesmal funkte Yumiko dazwischen.

«Ryozo! Übertreib‘ es doch nicht gleich!», ermahnte sie ihn.
 

Naoki lächelte und wie zuvor bei Tatsumi, sagte er nichts zu Yumikos Einwand.

«Du rufst also etwas. Dann mach mal», wies er Ryozo an.

«Okay», sagte Ryozo und räusperte sich. «Welches Arschloch war das?! Zeig dich, du feiger Wichser!», schrie er durch die Bar und Tatsumi und Yumiko sahen ihn fassungslos an.
 

Naoki musste sich angestrengt ein Lachen verkneifen.
 

«Du rufst laut und bemerkst, dass die Leute im Innenhof, die du anhand ihrer Kleidung als Bedienstete identifizieren kannst, in Panik geraten und stehen bleiben. Eine Hofdame, die eine Kiste mit Gemüse trägt, lässt diese fallen und kniet vor Ehrfurcht nieder», teilte er Ryozo die Reaktion auf dessen Aktion mit.
 

«Einer der Bediensteten sieht sich um, entdeckt dich am Fenster und ruft dir etwas zu», fuhr er fort und verstellte seine Stimme.

«Euer Gnaden! Was ist geschehen?»
 

«Darf ich antworten?», fragte Ryozo und Naoki nickte.
 

«Gut», entgegnete Ryozo und hob drohend seine Faust in Naokis Richtung.

«Ey! Hast du einen Pfeil auf mich geschossen?!»
 

«N-nein, Euer Gnaden!», antwortete Naoki mit ängstlicher Stimme und sprach dann in normaler Tonlage weiter. «Du siehst, wie die Bediensteten im Hof immer panischer werden und du hörst Getuschel über einen Angriff. Alle lassen ihre Arbeit liegen und du merkst, dass sie alarmiert sind.»
 

Tatsumi drehte sich in diesem Moment zu Ryozo um.

«Das wird eskalieren, wenn du so weitermachst», warnte er ihn und auch Ayumi meldete sich zu Wort.

«Sie werden sicher bestraft, wenn du einfach behauptest, dass es einer von ihnen war».
 

Sogar Chiyoko sagte etwas zu der Szene, wenn auch zögerlich.

«Vielleicht kannst du sie beruhigen oder so.»
 

Erst jetzt half Naoki mit. «Du könntest jetzt auf Überzeugen würfeln und die Situation deeskalieren», schlug er vor und Ryozo überlegte.
 

«Dann werde ich das machen», willigte er ein und griff nach seinem Würfel.

«Gut, dann würfel mal», sagte Naoki und Ryozo würfelte. Es war eine achtzehn und er teilte Naoki das Ergebnis mit.

«Achtzehn.»

«Erfolg. Du hast es geschafft und kannst die Diener überzeugen sich zu beruhigen», sagte er zu ihm.

«Okay. Ich schreie etwas, aber ich schreie freundlich», erklärte Ryozo und rief «Fehlalarm! Weitermachen!».
 

«Das ist der Redner unserer Gruppe?», fragte Yumiko amüsiert und Tatsumi seufzte.

«Ja», kommentierte Naoki die Frage und blickte dann zu Ryozo.
 

«Deine Worte zeigen Wirkung und die Diener beruhigen sich. Aber sie machen sich hektisch an die Arbeit und wirken verunsichert und ängstlich.»

«Passt. Dann schaue ich mir jetzt den Zettel an», sagte Ryozo. «Ich nehme den Pfeil aus der Tür und lese den Zettel.»
 

«Es kostet dich etwas Kraft, den Pfeil aus der Tür zu ziehen, aber du schaffst es. Der Zettel darin ist ein zusammengerolltes Stück Pergament und du liest darauf die Worte „Nehmt euch in Acht. Unter euch ist ein Verräter“», erklärte Naoki und Tatsumi und Ayumi schrieben es sich auf.
 

«Das ist doch Bullshit», bewertete Ryozo die Information.

«Wenn du das sagst », kommentierte Naoki.

«Kann ich würfeln, ob das Bullshit ist?»

«Das wird schwierig. Du hast keine hellseherischen Fähigkeiten. Willst du das Stück Pergament stattdessen mitnehmen?»
 

Bevor Ryozo antworten konnte, funkte Tatsumi dazwischen. «Will er.»

«Wenn Tatsumi das sagt, mache ich es. Er kennt sich aus», stimmte Ryozo Tatsumis Vorschlag zu.

«Dann trage dir den Zettel in dein Inventar ein», erklärte Naoki und Ryozo notierte es sich.
 

«Fertig», sagte er. «Dann gehe jetzt zu meinem Vater.»

«Du verlässt also dein Zimmer», wiederholte Naoki Ryozos Worte und scrollte auf seinem Laptop.

«Jo», bestätigte er.
 

«Du verlässt dein Zimmer und stehst in einem großen Flur. Du weißt, dass sich in diesem Flügel die anderen Zimmer befinden, jedes gehört einem Mitglied eurer Familie und alle Türen sind geschlossen. Am Ende des Flurs siehst du eine breite Treppe, die in die untere Etage führt. Da du hier wohnst, weißt du, dass sie zum Königsflügel führt, wo sich das Arbeitszimmer deines Vaters und der Thronsaal befinden. Wohin gehst du?», beschrieb Naoki die neue Szene.
 

«Richtung Arbeitszimmer», antwortete Ryozo und Naoki scrollte wieder.

«Du gehst in den königlichen Flügel und siehst eine Dienerin, die mit einem Staubwedel die dortigen Skulpturen reinigt. Sie bemerkt dich nicht, da sie in ihre Arbeit vertieft ist. In ihrer Nähe befindet sich eine geschlossene Tür, von der du weißt, dass sie zum Arbeitszimmer deines Vaters führt. Außerdem gelangst du über den Flur in den Thronsaal», las er vor und Ryozo hörte aufmerksam zu.
 

«Alles klar. Ich gehe ins Büro», sagte er und Naoki hob ermahnend einen Finger.

«Wenn, dann gehst du zur Tür und versuchst, sie zu öffnen. Du weißt nicht, ob sie verschlossen ist oder nicht», korrigierte er ihn.

«Dann mache ich es so. Ich gehe zur Tür und schaue, ob sie offen ist.»

«Du hörst ein Klacken und merkst, dass sie verschlossen ist», sagte Naoki.
 

«Er ist also im Thronsaal. Dann gehe ich eben dorthin», erklärte Ryozo, was er tat.

«Du kannst dich übrigens jederzeit mit deiner Gruppe absprechen und um Rat fragen», sagte Naoki, der bemerkte, wie einige am Tisch unruhig wurden.

«Okay. Irgendwelche Anmerkungen von den Nerds?», fragte Ryozo dann und sofort meldeten sich Tatsumi und Yumiko zu Wort.
 

«Versuche das Türschloss zu knacken. Vielleicht gibt es dort Loot oder Informationen», schlug Tatsumi vor, während Yumiko den Kopf schüttelte und einen anderen Vorschlag machte.

«Viel zu auffällig. Sprich mit der Putzfrau, also der Dienerin. Die steht da doch nicht grundlos rum!»
 

Ein Vorschlag, der auch bei Ayumi und Chiyoko auf Zustimmung stieß, die bei Yumikos Vorschlag nickten.
 

«Muss ich würfeln, wenn ich mit ihr rede?», fragte Ryozo in die Runde und alle bis auf Ayumi schüttelten verneinend den Kopf.
 

«Brauchst du nicht. Es ist wie vorhin am Fenster. Rede einfach mit ihr und ich sage dir, wann du würfeln musst», erklärte Naoki.
 

«Hey, Du!», sagte Ryozo daraufhin und Yumiko funkte dazwischen.

«Oh Mann! Du bist ein Adliger und der Sohn des Königs. „Hey, Du“, klingt nach einem Bauern.»
 

«Ok. Wie heißt sie?», fragte Ryozo Naoki, der mit den Schultern zuckte. «Du kennst sie nicht persönlich und müsstest sie fragen, aber vergiss nicht, dass du einer mächtigen Adelsfamilie angehörst.»
 

«Alles klar», gab Ryozo zu verstehen und sah Naoki an. «Holde Maid mit dem schönen Kleid. Konntet ihr meinen Erzeuger erblicken und mich bitte zu ihm schicken?», reimte er und Naoki lachte.
 

Yumiko sah Ryozo irritiert an.

«Warum reimst du jetzt?», fragte sie ihn amüsiert.

«Ich komme auf holde Maid nicht klar», kommentierte es Tatsumi. «Diese Worte von Ryozo zu hören, erschüttert mich zutiefst.»
 

Naoki beruhigte sich vom Lachen und antwortete Ryozo.

«Euer Gnaden», begann er und ahmte eine Verbeugung nach, während er versuchte, mit einer höheren Stimme zu sprechen. «Seine Majestät befindet sich im Thronsaal», fuhr er fort.

«Du merkst, dass ihre Stimme leicht zittert und ihre Wangen ziemlich rot sind», fügte er hinzu.
 

«Hat sie Fieber oder was?», fragte Ryozo.

Yumiko griff sich an die Stirn und rang mit sich, um nicht loszulachen. Ryozo blieb in seiner Rolle und ahmte ebenfalls eine Verbeugung nach.
 

«Habt Dank, Fräulein mit dem Staubwedel», sagte er und diesmal war es Tatsumi, der vor Belustigung an sich halten musste. Auch Naoki musste wieder mit sich kämpfen, um ernst zu bleiben.
 

«Ich glaube, wir lassen ihn einfach so reden, wie er immer redet. Sonst halte ich das nicht aus», erklärte Naoki der Gruppe und sah Ryozo an. «Einfach etwas weniger beleidigen, dann passt das schon», gab er ihm einen Ratschlag und räusperte sich, um wieder in eine höhere Stimmlage zu kommen.
 

«Euer Gnaden», sagte er in seiner Rolle.

«Sie verneigt sich ehrerbietig vor dir und lässt ihren Blick auf den Boden gerichtet.»

«Ja, gut, soll sie machen. Ich gehe in den Thronsaal», sagte Ryozo und sah die Gruppe an. «Oder meint ihr, sie war es mit dem Pfeil? Soll ich sie festhalten und verhören?»
 

«Ich glaube nicht, dass sie es war», sagte Ayumi.

«Bitte lass die arme Frau in Ruhe», sagte Yumiko lachend.
 

Ryozo war damit zufrieden und wandte sich an Naoki. «Dann will ich jetzt zum Thronsaal gehen», sagte er, bemerkte aber, dass er es so nicht formulieren sollte und korrigierte sich. «Ich gehe zum Thronsaal, springe aber cool die Treppe herunter.»

Naoki stockte und schüttelte ungläubig den Kopf.

«Das ist so dämlich, das darfst du ausnahmsweise ohne Wurf machen.»
 

«Du gehst, Verzeihung, du springst, lässig die Trepper herunter und gehst weiter Richtung Thronsaal. Du erreichst ihn recht zügig. Vor der Doppeltür stehen zwei bewaffnete Wachen, die dich mustern und dann passieren lassen. Sie öffnen dir die Tür und du siehst, dass dein Vater und dein Onkel im großen Thronsaal sitzen. Sie unterhalten sich und bemerken dich noch nicht. Außerdem befinden sich noch andere Wachen im Saal, die alle schwer bewaffnet sind und regungslos auf ihren Posten stehen.
 

«Und mit Onkel meinst du», wollte Ryozo eine Frage stellen, doch Naoki kam ihm zuvor und wusste sofort, worum es ging. «Ikuto. Du hast ihn für das Abenteuer ausgesucht. In diesem Abenteuer hat er einen anderen Namen, aber dazu kommen wir gleich. Gehst du in den Thronsaal?», hakte er nach der kurzen Erklärung nach und Ryozo nickte.

«Ich begrüße die Wachen mit einem Handschlag und betrete den Thronsaal», kündigte er an.
 

«Mit einem Handschlag? Diese Vorstellung! Ich kann nicht mehr!», sagte Yumiko und fing erneut an zu lachen.
 

«Die Wachen schauen dich verwirrt an, erwidern aber den Handschlag und deuten eine minimale Verbeugung an. Du betrittst den Thronsaal, was deinem Vater und deinem Onkel nicht entgeht, die ihr Gespräch mit deiner Ankunft beenden. Dein Onkel, den du als Ikurio kennst, ist Hofmusiker und Barde und dein Vater, Aki... », sagte Naoki, der bei einem Namen innehielt und nachdachte. «Aki...Aki...», murmelte er vor sich hin.

«Ich hab’s! Akirius Trevelyan, sitzt in edlem Gewand auf dem Thron und blickt dich streng an. Du kennst diesen Ausdruck in seinem Gesicht, der jedem Menschen das Blut in den Adern gefrieren lässt», beschrieb Naoki, was Ryozo ein erstauntes Lächeln entlockte.
 

«So wirkt mein Vater also auf dich?», hakte er nach.

«Ich habe ihn nur einmal getroffen, aber ja, er wirkte nicht unbedingt aufgeschlossen und offen», antwortete Naoki.

«Warte mal!», rief Yumiko mit großen Augen.

«Sein heißer Dad war doch meine Wahl bei den Nebencharakteren! Betrügt er etwa die Königin mit Tatsumis heißem Dad?!»
 

Kaum hatte sie den Satz beendet, quietschte sie und rutschte auf dem Stuhl hin und her.

«Reine Spekulation. Dein Charakter weiß das nicht, Yumi», sagte Naoki. «Und darum geht es jetzt auch nicht. Ryozo, du bist im Thronsaal. Was machst du?», lenkte er das Thema wieder auf ihn.
 

«Nun, ich gehe zu den beiden und frage meinen Vater, warum ich hierher kommen sollte», sagte er. «Hey, warum sollte ich herkommen? Sind deine Beine abgefallen oder warum kommst du nicht zu mir, wenn du was willst?», fragte er.

«Bist du dir sicher, dass du das sagen möchtest?», hakte Naoki nach und Tatsumi zog scharf Luft ein. Er beugte sich zu Ryozo und sah ihn beunruhigt an.
 

«Das ist eine Falle! Wenn er so fragt, hast du etwas falsch gemacht!», zischte er ihm zu und Ryozo war irritiert. Doch plötzlich verstand er, was Tatsumi meinte und korrigierte seine Aussage.
 

«Ich betrete den Thronsaal, verbeuge mich und begrüße ihn dann», verkündete er und Naoki grinste. «Böse Eidechse», sagte er mit einem fiesen Grinsen zu Tatsumi und wandte sich Ryozo zu.
 

«Wie begrüßt du ihn genau?»

«Oh Mann...», kam zuerst von Ryozo, ehe er die Frage beantwortete. «Seid gegrüßt, Majestät. Ihr habt nach mir verlangt?», zwang er sich, höflich zu bleiben, was man ihm ansah.

«Kaum zu fassen, dass ich mich vor meinem Vater verbeugen muss», kommentierte er und Naoki sah ihn an. Er sagte nichts, sondern deutete nur auf die hölzerne Drachenfigur, die vor Ryozo stand.
 

«Normalerweise hättest du das als dein Charakter laut gesagt. Aber in Zukunft solltest du bei solchen Szenen aufpassen.», erklärte er und antwortete dann als der König.

«Ich habe einen Auftrag für dich, Remos», antwortete Naoki und sah Ryozo finster an. Man sah ihm an, dass er sich anstrengen musste, um diesen Gesichtsausdruck beizubehalten. Er ahmte mit der Hand eine Geste nach. «Steh auf.»

«Okay, dann erhebe ich mich halt wieder», sagte Ryozo. «Was für ein Auftrag, Vater?», fragte er dann.
 

«In unserer Stadt treibt sich ein Spion unseres Nachbarlandes Bourboné herum. Finde ihn, nimm ihn fest und verhöre ihn. Nach unseren Informationen handelt es sich um einen Dunkelelfen.»

Die Gruppe am Tisch machte sich Notizen, während Ryozo aufmerksam zuhörte.
 

«Ein Augenzeuge konnte uns eine Zeichnung anfertigen», sagte Naoki mit immer noch verstellter Stimme und reichte Ryozo ein zusammengerolltes Blatt Papier.

«Du bekommst von ihm ein Pergament mit einer Skizze darauf», erklärte Naoki und Ryozo rollte das Papier aus.
 

«Was? Das sieht ja aus wie Tatsumi», sagte er und Tatsumi drückte sich an ihn, um einen Blick auf die Zeichnung zu erhaschen. «Das soll ich sein?», fragte er ungläubig.

«Zeig mal!», forderte Yumiko und Ryozo legte das Blatt auf den Tisch. So konnten alle die Zeichnung sehen und tatsächlich war es ein Portrait von Tatsumi, wenn auch leicht verändert und eindeutig als Elf zu erkennen.
 

«Wow! Das sieht wirklich aus wie er!», sagte Yumiko und warf Benji einen Blick zu.

«Du hast ihn gut getroffen», lobte sie ihn und wusste, dass er derjenige war, der es gezeichnet hatte.
 

«Richtig schön gezeichnet», beurteilte Ayumi die Zeichnung und Chiyoko nickte. «Nur die Haare sind auf dem Bild etwas lockiger, aber sie sehen super flauschig aus!»
 

Bis auf Tatsumi waren alle am Tisch begeistert. «So dunkel bin ich auch nicht», meinte er zu dem schattierten Teint und betrachtete seine Hände und Finger.
 

«Du bist in der Geschichte ein Dunkelelf und natürlich etwas dunkler», sagte Naoki und Yumiko, die bis eben noch auf die Zeichnung geschaut hatte, richtete sich blitzschnell wieder auf und sah geschockt zu ihrem Bruder.
 

«Oh Scheiße! Tatsumi ist der Verräter, oder was?!»,

«Wer weiß. Ryozo hat diese Zeichnung bekommen und kann sie in sein Inventar legen», lenkte er die Aufmerksamkeit auf das Spiel zurück.
 

«Natürlich bin ich wieder das Opfer... », sagte Tatsumi und seufzte.

«Du bist aber ein wirklich hübscher Elf», kommentierte Yumiko und deutete auf die Zeichnung.

«Und wenn Ryozo mich findet, bin ich ein toter Elf.», entgegnete Tatsumi.
 

Naoki nahm einen Schluck von seinem Getränk und wandte sich Ryozo zu. «Lass uns über deine Macke reden.»

«Welche Macke?», fragte Ryozo zunächst ratlos, erinnerte sich dann aber recht schnell und sah ihn drohend an. «Wag es nicht...»
 

«Ich bin der Spielleiter», argumentierte Naoki und legte sich ein Hand auf den Brustkorb. Sein Blick wurde weicher, ebenso seine Stimme.
 

«Du, Remos Trevelyan, siehst die Zeichnung dieses niedlichen Elfen mit den rehbraunen Augen und seinem unschuldigen Lächeln. Dein Herz macht einen Sprung und du kannst den Blick nicht abwenden. Noch nie hast du einen so schönen Mann gesehen, und du hast das Bedürfnis, ihn zu beschützen wie einen kostbaren Schatz. Er erscheint dir unverdächtig, unschuldig, hilflos und süß.»
 

«Ich muss kotzen», kommentierte Ryozo diese Beschreibung.
 

«Vor Liebe, mein Freund. Vor Liebe. Alle Synapsen in deinem Körper sehnen sich nach diesem süßen Geschöpf», fuhr Naoki fort und wurde dann ernster.

«Bitte merke und notiere dir, dass Tatsumi deine neue große Liebe ist. Deine Würfe auf ihn sind erschwert, es sei denn, sie betreffen seinen Schutz und du kannst ihm keinen Schaden zufügen. Dafür verursachst du mehr Schaden, wenn Tatsumi in deiner Nähe ist oder an deiner Seite kämpft.»
 

Ryozo verdrehte die Augen, notierte dann aber wie befohlen Naokis Bedingungen und auch der Rest der Gruppe machte sich Notizen.

«Darf ich gegen diese Beschreibung meiner Person ein Veto einlegen?», fragte Tatsumi.

«Nein, süßer Elf», antwortete Naoki.
 

«Ich habe aber eine Frage. Was soll ich jetzt meinem Vater sagen?», begann Ryozo seine Frage und gab Naoki ein Beispiel. «Danke für die Zeichnung, aber ich will den Kerl beschlafen?>
 

«Das würde ich nicht sagen. Du könntest ihn belügen, aber das wäre ein Wurf auf Täuschen und da hast du keinen Bonus», antwortete er.

«Ich kann ihm aber sagen, dass ich ihn finden werde? Das wäre die Wahrheit und den Rest behalte ich für mich», hakte Ryozo nach.

«Alles klar», bestätigte Naoki.

«Dann werde ich es tun. Ich nehme die Zeichnung, schaue sie mir an, denke, wie hübsch der Kerl ist und stecke das Pergament in meine Tasche.», erklärte Ryozo seine Aktion.
 

«Hm. Klingt mir nicht nach Liebe», warf Naoki ein und Ryozo hob eine Braue.

«Was?»

«Versuche es nochmal. Ich bin nicht überzeugt, dass das eine große Liebe ist», forderte Naoki. Ryozo seufzte, startete jedoch einen weiteren Versuch.

«Okay, ich nehme die Zeichnung, starre sie an und mein Herz rast, als wäre ich einen Marathon gelaufen, weil er so verdammt süß ist. Ich denke bei seinem Anblick an Dinge, die ich gerne mit ihm machen würde, aber vor meiner Schwester nicht laut aussprechen sollte und werde. Und dann stecke ich das Pergament behutsam in meine Tasche», korrigierte er sich.
 

«Ich merke schon, du willst nur meinen Körper, du Schuft», kommentierte Tatsumi und schlang schützend die Arme um sich. Schnell löste er sie wieder und sah Naoki an.

«Nur damit ich das richtig verstehe. Ich kann Ryozo also wie ein Pokémon befehligen?»

«Dafür müsstest du erst mal wissen, was er für dich empfindet», beantwortete Naoki Tatsumis Frage.

«Und wenn er für mich und mit mir kämpft, hat er einen Bonus?

«Ja»

Tatsumi notierte es und sah Ryozo an.

«Du musst es mir sagen, wenn du mich siehst. Wir könnten das strategisch nutzen», wies er ihn an.

«Oh! Daran habe ich gar nicht gedacht», erwiderte Ryozo und beide sahen sich mit einem diabolischen Grinsen an und lachten rau.
 

«Toll. Ryozo bekommt einen Lover geschenkt, hat einen Bonus auf die Würfe und ich darf nicht mal etwas aufschreiben. Ich finde das nicht fair», sagte Yumiko schmollend.
 

«Du machst dir beim Bedienen doch auch kaum Notizen. Ich finde nicht, dass dich dieses Handicap einschränkt. Du hast ein gutes Gedächtnis», munterte Naoki sie auf. «Aber zurück zu dir, Ryozo. Du hast die Zeichnung bekommen, sie in deinem Inventar verstaut. Was machst du dann?», fragte er ihn.
 

«Ich sehe meinen Vater an, salutiere und sage ihm», erklärte er und salutierte.

«Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um diesen Mann zu finden, Vater», teilte er Naoki mit.
 

«Dein Vater zeigt ein Fünkchen Freude in seinem finsteren Blick und deutet mit einer Geste an, dass du gehen kannst», beschrieb Naoki die Reaktion des Königs. Ryozo wandte sich der Gruppe zu und blickte auf seinen Charakterbogen.
 

«Ich habe den Zettel vom Pfeil noch im Inventar. Soll ich ihn meinem Vater zeigen?», fragte er in die Runde und seine Mitspieler grübelten.
 

«Ich würde diese Info erst einmal für mich behalten», sagte Tatsumi.

«Sag es ihm. Er wird deine Ehrlichkeit zu schätzen wissen», riet Ayumi, woraufhin Yumiko die Hand hob und offensichtlich Einwände hatte. «Warte! Vielleicht könntest du deinem heißen Onkel den Zettel zeigen? Er ist immer noch im Thronsaal! Und sie haben doch auch über etwas geredet.»
 

Tatsumi verschränkte die Arme und dachte nach.

«Es ist sehr verdächtig, dass der Pfeil in Ryozos Zimmer gelandet ist. Stell dir vor, du kennst das Schloss nicht und schießt in den falschen Raum, wo ihn niemand findet. Der Pfeil kann also nur von jemandem stammen, der das Gebäude kennt. Außerdem hat man doch gesagt, dass ein Verräter sein Unwesen treibt, oder? Vielleicht sogar ein naher Verwandter?», offenbarte Tatsumi seine Gedanken dazu und wandte sich nach dieser Analyse wieder Ryozo zu. «Das behältst du besser für dich, mein Schatz.»

«Alles klar, Schatz.», antwortete Ryozo. «Wobei ich da eher Ayumi zustimme. Was soll schon passieren, wenn man ehrlich ist?», fügte er an.
 

Chiyoko hob die Hand und sah Ryozo ernst an.

«In einem Pen und Paper Abenteuer kann alles passieren. Jedes Wort kann dir zum Verhängnis werden! Überall lauern Gefahren und Fallen!», sagte sie und ihr Blick wurde finster.

«Du kannst jederzeit sterben!», raunte sie verheißungsvoll.
 

Ryozo war sichtlich irritiert von Chiyokos Worten. «Äh, alles klar.»
 

«Sie hat recht, Cowboy», warf Naoki ein. «In manchen Situationen sollte man nicht voreilig handeln und man kann bei diesem Abenteuer wirklich sterben», fügte er grinsend hinzu.

«Und jetzt zurück zu deinem Prolog, denn wir haben noch andere Spieler. Sag mir, was du machst?».
 

Es wurde still und Ryozo hielt inne, bevor er sich entschied.

«Ich behalte es für mich.»

«Verstehe», erwiderte Naoki. «Und damit endet dein Prolog und du machst dich auf den Weg, deinen Auftrag zu erfüllen.»
 

Naoki scrollte auf seinem Laptop, während er weitersprach. «Die Prologe sind wirklich nur als Einleitung gedacht. Wenn es dann ans Eingemachte geht, seid ihr als Gruppe unterwegs und könnt auch tiefer in Gespräche, Erkundungen und Nachforschungen einsteigen», erklärte er und den abrupt wirkenden Abbruch des Prologs. «Hast du verstanden, wie das Spiel funktioniert?», erkundigte er sich bei Ryozo.

«Ja.»
 

«Sehr gut. Wer möchte als Nächstes seinen Prolog spielen?», fragte Naoki in die Runde, drehte sich dann aber zu Ayumi um und lächelte sie an.

«Ayumi, wie wär‘s? Machen wir mit dir weiter?», fragte er.

«Gern», antwortete sie.
 

«Das wird interessant», sagte Naoki, der seine Finger miteinander verschränkte und sie knacken ließ.

Schleimig und glitschig

Ayumis Prolog stand kurz bevor, und im Gegensatz zu ihrem Zwillingsbruder, der kurz zuvor seinen Einstieg gespielt und recht locker dabei gewirkt hatte, war sie ziemlich nervös. Ihr Blick wanderte zwischen Naoki und ihrem Notizblock hin und her. Ihm entging der Blickkontakt nicht und er setzte ein charmantes Lächeln auf.
 

«Mach dir nicht zu viele Gedanken, Ayumi», beruhigte er sie und diese Worte entspannten sie, zumindest schien es so.
 

«Ich möchte aber alles richtig machen», entgegnete sie.

«Das ist verständlich, aber du sollst vor allem Spaß haben.»

Naoki hatte oft neue Spieler am Tisch sitzen, und meistens reichte dieser Rat, um sie aufzulockern. Bei Ayumi fruchtete das allerdings nicht, sie wurde nur noch konzentrierter und vor allem ernster.
 

«Ja, ähm...»

Naoki war die leichte Überforderung anzusehen. «Lass uns anfangen, hm?»

Die Nervosität schien den Besitzer gewechselt zu haben. Das blieb Ryozo nicht verborgen, der sich eine Erdnuss schnappte und Naoki damit abwarf.
 

«Entspann dich. Sie wird dich nicht umbringen», scherzte er und entlockte Naoki ein Lächeln, bevor dieser den Erdnussflip zu Ryozo zurückwarf.
 

«Ich bin entspannt», sagte er lachend und wirkte dann tatsächlich viel entspannter, als er sich Ayumi zuwandte. «Du kannst dich jederzeit mit deinen Mitspielern absprechen und bist nicht auf dich allein gestellt.»
 

Ayumi warf Chiyoko instinktiv einen Blick zu.

«Gerne auch mit deiner Sitznachbarin», ergänzte Naoki und blickte auf den Bildschirm seines Laptops.
 

«Du bist in Kohorn geboren und lebst dort, genau wie Ryozo... », begann er zu scrollen und vorzulesen. Als er fündig geworden war, stellte er wieder Blickkontakt zu Ayumi her.

«...und du kennst seinen Charakter Remos gut. Er ist im Abenteuer dein Bruder und ihr habt ein ähnliches Verhältnis wie in der Realität.», erklärte er.
 

«Du, Aelia Trevelyan, gehörst zur mächtigen Herrscherfamilie der Stadt Kohorn und wie alle in deiner Familie ist dir deine Heimat wichtig. Während dein Zwillingsbruder sich verschworen hat, die Stadt mit roher Gewalt und harten Worten zu schützen, hast du dich dem Schutz der Armen und Schwachen verschrieben. Du bist dem Bund der Rotkrone beigetreten und bist dort als fähige und mächtige Klerikerin tätig», teilte er ihr den Hintergrund ihres Charakters mit.
 

«Als Heilerin der Rotkrone kümmerst du dich um die Versorgung und Behandlung von Flüchtlingen, Kranken, Alten und allen, die deine Hilfe suchen. Rang und Name spielen für dich und die anderen Mitglieder der Rotkrone keine Rolle. Dein Ruf ist nicht nur der einer fähigen Heilerin, sondern du bist in ganz Kohorn auch als die schönste Frau der Stadt bekannt», sagte er und Ayumi entglitten die Gesichtszüge.

«Ich bin die schönste Frau einer ganzen Stadt? Ist das nicht ein bisschen übertrieben?», fragte sie irritiert, während Yumiko, Tatsumi und vor allem Chiyoko mit einem Nicken bestätigten, dass sie dieser Beschreibung zustimmten.
 

«Du bist halt ein hottes Girl, Ayu», äußerte Yumiko ihre Gedanken dazu, was Ayumi einen Seufzer entlockte. «Deine», begann Yumiko und deutete auf Ryozo. «Eure Mutter, hätte sich halt einen weniger attraktiven Mann suchen sollen. Ich würde daher ihr die Schuld geben, sollte dich das stören», versuchte sie eine Aufmunterung, die Ayumi nur noch etwas niedergeschlagener aussehen ließ.
 

«Keine Sorge, Ayumi. In dieser Geschichte geht es um dich als Person, nicht nur um dein Aussehen. Sieh es eher als eine kleine Herausforderung, die ich für dich einbaue, wenn du mit jemandem in dieser Welt interagierst», erklärte Naoki, was Ayumi ein schwaches Lächeln entlockte. «Zurück zu deiner Arbeit als Klerikerin der Rotkrone.»
 

«Einer deiner vielen Patienten kommt immer wieder zu dir, fast täglich, und er ist ein Mitglied der Weißadler», fuhr er mit Ayumis Geschichte fort, und die Spieler am Tisch blickten instinktiv zu Ryozo, denn dessen Charakter war ein Mitglied der Weißadler.
 

«Seine Kollegen beschreiben ihn als...», begann er und warf einen Blick auf seinen Laptop. «glitschig und schleimig», fuhr er fort und Ryozo und Chiyoko wussten sofort, um wen es sich handelte.
 

«Ich werde diesen Vogel umbringen, wenn ich ihn sehe», drohte Ryozo und Chiyoko nickte.

«Ich werde ihm einen Pfeil in den Kopf jagen!», drohte auch sie. Naoki ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und widmete sich weiter Ayumis Prolog.
 

«Du kennst ihn, Aelia, als Yuserio, und du weißt, dass er aus einer Adelsfamilie stammt und wie die meisten Weißadler ein Paladin ist, wenn auch einer, der lieber andere für sich arbeiten lässt, als selbst zum Schwert zu greifen», erzählte er und beschrieb damit Ayumis für das Spiel gewählten Feind Yusaku Maeda.
 

«Wann immer er dir begegnet, überhäuft er dich mit Geschenken, macht Avancen und der eine oder andere Heiratsantrag ist ihm auch schon über die Lippen gekommen. All das zählt für dich jedoch nicht, denn als Klerikerin bist du ganz und gar deiner Aufgabe verpflichtet.»

«Gott sei Dank», kommentierte Ayumi.

«Gut, dass du das erwähnst. Dein Gott ist Lathander», nutzte er Ayumis Kommentar, um zu diesem Thema überzuleiten
 

«Er spielt eine wichtige Rolle in deinem Leben, denn für dich ist der, wie sie ihn nennen, der Morgenfürst, der Frieden, das Licht und das Leben selbst. Die meisten Mitglieder der Rotkrone glauben an diese Gottheit, aber nur du glaubst, dass er die Wiedergeburt Amaunators ist. Du hast es dir zur Aufgabe gemacht, dieser Theorie nachzugehen, Bücher zu wälzen und alles über diesen Mythos herauszufinden. Deshalb ist es dein sehnlichster Wunsch, Kohorn zu verlassen, die Welt zu bereisen und alte Tempel zu besuchen.».
 

Ayumi machte sich an dieser Stelle eine Notiz auf ihrem Block und Naoki, der dies bemerkte, hielt kurz inne.

«Deine Pflicht als Rotkrone bindet dich jedoch an die Stadt und an deine Aufgabe als Klerikerin in ihr», fuhr er fort und schob seinen Laptop zur Seite.
 

«Und damit fangen wir an», verkündete Naoki und wandte sich Ayumi zu.

«Es ist früh am Morgen und du bist im Hauptquartier der Rotkrone. Du trägst deine typische Kleidung, eine Art Rüstung und bist für den Notfall auch bewaffnet. Wie jeder Tag beginnt auch dieser mit einem Gebet», sagte er und deutete auf den Charakterbogen, der vor Ayumi lag.
 

«Du würfelst jetzt auf deine Fertigkeit Religion. Du findest sie im Abschnitt Geist und hast einen Bonus darauf, weil du diese Fertigkeit gemeistert hast. Gewürfelt wird mit einem zwanzigseitigen Würfel», erklärte er ihr die Vorgehensweise und Ayumi nickte bestätigend und griff nach besagtem Würfel.
 

«Je höher das Ergebnis, desto besser?», fragte sie, den Blick auf den Notizblock vor sich gerichtet. Es schien, als lese sie etwas vor, was sie sich während Ryozos Prolog notiert hatte.

«Korrekt», bestätigte Naoki ihr.
 

Dann würfelte Ayumi und alle am Tisch sahen gespannt zu, wie der Würfel ein kurzes Stück über den Tisch rollte. Als der Würfel liegen blieb, verkündete Ayumi das Ergebnis, ähnlich wie es Ryozo in seinem Prolog getan hatte.
 

«Ich habe eine vier».

Naoki hatte sich vorgebeugt und betrachtete kurz den Würfel, bevor er das Ergebnis des Wurfes notierte. «Perfekt.»

Ayumi war irritiert.
 

«Perfekt als Beispiel», fügte Naoki hinzu und griff nach dem Würfel, den er für alle sichtbar in die Höhe hielt.
 

«Du hast zwar nur eine vier und hättest damit den Wurf eigentlich nicht geschafft, aber durch deine Meisterung dieser Fertigkeit, bekommst du einen Bonus von zehn auf diesen Wurf. Dein Wert ist also eine vierzehn und damit ist der Wurf gelungen», erklärte er und Ayumi schrieb sich diese Information auf.
 

«Bedeutet das, dass ich bei Religion keinen Wurf verlieren kann?», hakte sie nach.

«Oh doch, das kannst du. Wenn du eine eins würfelst», sagte er und drehte den Würfel in seiner Hand so, dass Ayumi die Zahl sehen konnte. «Dann scheiterst du kritisch bei dem, was du tust. Egal ob du einen Bonus hast oder nicht.»
 

Yumiko sah Ayumi an und übernahm einen Teil der Erklärung.

«Außerdem bestimmt mein Bruder den Schwierigkeitsgrad der Würfe. Er kann dich auch mal auf eine dreißig oder noch höher würfeln lassen, wo dir dein Bonus dann nicht mehr viel nützt. Das schafft man dann meistens nur mit einer Zwanzig.»
 

Ayumi notierte sich das.

«Der Zwerg hat recht», bestätigte Naoki Yumikos Aussage.
 

«Ich verstehe. Darf ich dann bei schweren Würfen mit jemandem gemeinsam würfeln und der Wert wird zusammengezählt?», fragte Ayumi und Naoki sah sie erstaunt an. Zuerst hatte er keine Antwort parat, doch dann machte er sich eine Notiz und zwinkerte Ayumi zu.

«Da hast du mich auf eine Idee gebracht», verriet er ihr. «Eigentlich würfelt jeder für sich, aber warten wir mal ab, was passiert. Kommen wir zu deinem Wurfergebnis.»
 

Naoki legte seinen Würfel beiseite und faltete die Hände, als würde er beten. Ayumi ahmte diese Geste sofort nach, was Naoki zum Schmunzeln brachte.
 

«Du betest zu deiner Gottheit und bittest um Schutz für den heutigen Tag. Du betest für», begann er und wies Ayumi mit einer Geste an, den Satz zu vervollständigen.
 

«Ich bete für», sagte sie und überlegte. Es dauerte einen Moment und Ryozo drehte sich zu Naoki um.
 

«Kann sie ihren Gott bitten, diesen schleimigen Vogel Maeda zu töten?», fragte er und Chiyoko schien mit dem Vorschlag einverstanden zu sein und nickte eifrig.
 

«Nein», antwortete Naoki und befahl ihm zu schweigen. «Außerdem beten wir gerade, also Ruhe, Cowboy», fügte er hinzu und sah Ayumi an, die ratlos seinen Blick erwiderte.
 

«Ich weiß nicht genau, für was oder wen ich beten soll. Wird nach meinem Gebet etwas passieren?», fragte sie und Naoki zuckte fragend mit den Schultern. «Das kann ich dir leider nicht verraten.»

Wieder überlegte Ayumi und schloss die Augen. Als sie ihre Antwort gefunden hatte, öffnete sie sie wieder.
 

«Gut, dann bete ich für eine Welt, in der Menschlichkeit über Gewalt siegt. Ich bete, dass Häuser statt Mauern für ein Land gebaut werden und dass kein Mensch und kein Tier für den Konsum anderer leiden muss», sprach Ayumi ihr Gebet, dessen Inhalt nicht nur Naoki überraschte.
 

«Ein schönes Gebet», lobte er und warf einen Blick auf seinen Laptop.
 

«Du erwartest für gewöhnlich keine Antwort auf dein Gebet, aber diesmal nimmst du etwas wahr. Du hast das Gefühl, dass dich jemand ansieht, obwohl du dir sicher bist, dass du allein im Raum bist. Es ist ein angenehmes Gefühl, bis plötzlich eine Stimme ertönt, die du nicht kennst und von der du nicht sagen kannst, woher sie kommt.».
 

Ayumi, die bis jetzt sehr entspannt gewirkt hatte, wurde sichtlich nervös und sah sich in der Bar um.

«Die Stimme sagt zu dir:», begann Naoki und verstellte kurz darauf seine Stimme. Sie wurde tiefer und er sprach langsamer. «Nehmt Euch in Acht. Verlasst diesen Ort. Schreckliches steht Euch bevor.»
 

Chiyoko sah panisch zu Ayumi, die mit einem ebenso panischen Blick Chiyoko ansah, bevor sie sich Naoki zuwandte. «Ich soll fliehen?», fragte Ayumi und Naoki griff über den Tisch und nahm die hölzerne Figur eines Affen, die er vor Ayumi stellte.

«Die Stimme antwortet dir nicht auf diese Frage, und gerade, als du herausfinden willst, woher sie kommt, hörst du ein lautes Klirren», sagte er zu ihr. «Du kannst nicht sagen, was dieses Klirren bedeutet, und du musst dich genauer umsehen. In dem Raum, in dem du dich befindest, kannst du diesem Geräusch nichts zuordnen. Auch die Stimme, die du eben noch gehört hast, ist verstummt. Was machst du, Ayumi?», fragte er sie und Ayumi sah ihn verwirrt an.
 

«Was ich mache?», wiederholte sie die Frage und sah hilfesuchend zu Chiyoko.

«Vielleicht könntest du nachsehen, wo es herkam?», schlug Chiyoko vor, wirkte aber unsicher.
 

«Dann mache ich das. Ich mache mich auf die Suche, woher das Geräusch kam», antwortete Ayumi auf den Vorschlag ihrer Sitznachbarin.

«Du verlässt also den Raum?», hakte Naoki nach und verunsicherte Ayumi damit wieder.

«Ich weiß nicht. Soll ich ihn verlassen?>
 

Ayumi wirkte unschlüssig und steckte Chiyoko, die neben ihr saß, damit an. Chiyoko wandte den Blick ab und starrte ins Leere, während sie mit Ayumi sprach.

«Was ist, wenn dort eine dreiköpfige Hydra auf dich wartet, die dich bei lebendigem Leib verschlingen will?»

«Eine Hydra?», fragte Ayumi besorgt.

«Es könnte aber auch eine blutrünstiger Wyvern sein», änderte Chiyoko ihre Meinung und Ayumis Blick glitt zu ihrem Bruder, den sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Sie sagte nichts, aber Ryozo schien zu verstehen.
 

«Geh einfach nachsehen. Es wird schon nichts passieren und selbst wenn, du bist ja bewaffnet», machte er ihr Mut.

Ayumi zögerte, tat dann aber, was Ryozo ihr sagte.
 

«Ich werde vorsichtig nachsehen, Naoki», teilte sie dem Spielleiter mit.

«Gut, du verlässt also den Raum und versuchst herauszufinden, woher das Geräusch kommt. Du kommst in die Umkleidekabine des Hauptquartiers und bemerkst etwas für dich Schreckliches», begann er, wurde aber von einem quietschenden Geräusch von Chiyoko unterbrochen.
 

«Oh nein!», sagte sie und es war offensichtlich, dass Chiyoko sich das Schlimmste vorstellte. Naoki ließ Ayumi keine Chance umzukehren und fuhr mit seiner Beschreibung fort.

«Du siehst einen zerbrochenen Spiegel. Davor liegen Scherben auf dem Boden und du kannst mit Sicherheit sagen, dass das Geräusch von dort kam. Im Zimmer selbst ist niemand außer dir und es ist still», erklärte er und Ayumi sah ihn fassungslos an.
 

«Das bringt sieben Jahre Pech! », meinte sie, aber Naoki blieb entspannt und lächelte.

«Sehr schön! Wie ich sehe, bist du voll in deiner Rolle», antwortete er und brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass Ayumi gar nicht schauspielerte.

«Ich verlasse schnell den Raum», bestätigte sie dann auch, wie ernst sie es meinte, was Yumiko lachen ließ.
 

«Es bringt doch nur Pech, wenn du es warst, der den Spiegel zerbrochen hat», meinte sie amüsiert.

«Scherben bringen auch Unglück», korrigierte Ayumi, woraufhin Naoki die Aufmerksamkeit auf das Spiel lenkte.
 

«In genau diesen Scherben siehst du einen kleinen, rot schimmernden Rubin. Was machst du?», fragte er Ayumi, doch statt ihr meldete sich Tatsumi zu Wort.
 

«Habe ich da Rubin gehört? Der Schurke möchte ihn gerne haben», sprach er von sich in der dritten Person.

«Die kleine Elster ist nicht dran», antwortete Naoki und deutete auf Ayumi.
 

«Ich frage dich nochmal. Ayumi, was tust du?», wiederholte er seine Frage und Ayumi überlegte. Sie schob ihre Hand über ihr Gesicht und bedeckte damit ihren Mund. Sie starrte auf den Notizblock vor sich, aber dann sah sie Ryozo wieder an. Wie zuvor stellte sie ihm keine Frage und er schien genau zu wissen, was sie von ihm wollte.
 

«Untersuche ihn einfach», sagte er zu ihr und wieder tat Ayumi, was Ryozo ihr sagte.
 

«Dann untersuche ich ihn, ohne die Scherben zu berühren. Ist das ein Wurf?», fragte sie und Naoki, der das offensichtlich erwartet hatte, grinste.
 

«Es ist kein Wurf, aber wir haben hier eine besondere Situation. Da dein Charakter, also Aelia, abergläubisch ist, muss sie sich selbst überzeugen, um über ihren Schatten zu springen», erklärte er und deutete auf Ayumis Charakterbogen. «Das ist ein Wurf auf Überzeugen. Wenn du eine fünf wirfst, hast du es geschafft. Wir sind schließlich in deinem Tutorial», erklärte er und rechtfertigte den einfachen Schwierigkeitsgrad.
 

Ayumi nahm den zwanzigseitigen Würfel und wirkte entspannter als zu Beginn der Szene.

«Gut, ich schaffe das», machte sie sich Mut und würfelte. Ihre Mitspieler schauten gespannt auf den Würfel, doch als dieser stehen blieb, brach Ryozo in schallendes Gelächter aus, während Chiyoko sich schockiert die Hände an die Wangen presste.

«Oh nein!», sagte sie und sah Ayumi an.
 

Naoki warf einen genaueren Blick auf den Würfel, als könne er nicht glauben, was er sah, und las das Ergebnis vor.

«Eine eins?», fragte er ungläubig und Ayumis Gesichtszüge entglitten.

«Ist eine eins nicht das Schlimmste?», fragte sie und Naoki nickte. «Ja. Das ist ein kritischer Misserfolg.»
 

Ayumi sackte leicht nach vorne und seufzte schwer, während Ryozo sich weiter amüsierte. Erst als Naoki ihm leicht auf die Schulter schlug, beruhigte er sich, auch wenn sein amüsiertes Grinsen blieb.

«Sei nicht so gemein zu deiner Schwester», ermahnte er ihn und wandte sich Ayumi zu.

«Es ist nicht so schlimm. Das kommt vor», munterte Naoki sie auf und beschrieb ihr dann, was das Wurfergebnis auslöste.
 

«Du hast einen kritischen Misserfolg gewürfelt und Aelia, also du, liebe Ayumi», begann er und atmete einmal tief ein und aus.

«Du gerätst in Panik. Du hast Angst vor diesem kleinen Rubin und glaubst, dass er dir, wie die Scherben um ihn herum, Unglück bringen wird. In deiner Panik greifst du nach einem nahen Gegenstand, einem Holzstuhl, und schlägst auf den Rubin ein. Die Stuhlbeine brechen, das Holz splittert und du hörst erst auf, als vom Rubin nichts mehr zu sehen ist. Der Boden ist übersät mit Holzteilen des Stuhls, die Splitter sind verstreut und du atmest schwer vor Anstrengung», beschrieb er das Geschehen, was Ryozo und Tatsumi sichtlich amüsierte.
 

«Da hast du es dem bösen Rubin aber gezeigt», kommentierte Tatsumi und Ryozo lachte darüber.
 

«Der Rubin ist für dich nicht mehr sichtbar und du kannst in dem Chaos sowieso nichts mehr erkennen», ergänzte Naoki und sah Ayumi an. Diese wirkte niedergeschlagen, was auch Chiyoko nicht entging, die ihr aufmunternd über den Rücken strich.

«Vielleicht war das ein böser Rubin von einem Teufel und du hast uns damit das Leben gerettet», sagte sie zu ihr, was Ayumi nur ein weiteres Seufzen entlockte.
 

Das entging auch Yumiko nicht, die sich Benji zuwandte und nach ihm rief.

«Benji! Es ist Zeit für einen Heiltrank für Nichttrinker!», wies sie ihn an, woraufhin Benji stumm nickte und aufstand. Er verschwand kurz in der Küche und kam mit einer heißen Schokolade zurück.
 

Ayumi sah ihn überrascht an, nahm das heiße Getränk und lächelte.

«Wie nett. Vielen Dank», bedankte sie sich, was Benji nur ein stummes Nicken entlockte, der sich kurz darauf wieder an seinen Platz setzte und weiter zeichnete. Naoki, der inzwischen etwas in seinen Laptop tippte, sah Ayumi an und grinste.

«Wir sind hier auf alles vorbereitet. Keine Sorge, ein Misserfolg kann schon mal passieren», sagte er und Ayumi stellte die Tasse neben sich ab.
 

«Es tut mir trotzdem leid.»

«Muss es nicht. Dann lass uns weitermachen. Dein Prolog ist noch nicht vorbei», sagte er. «Ich nehme an, du verlässt jetzt den Raum?»

«Ja», bestätigte Ayumi. «Ich verlasse den Raum und schäme mich dabei», erklärte sie, was Naoki ein Lächeln entlockte.
 

«Beschämt verlässt du den Raum und siehst eine Gestalt auf dich zukommen. Es ist eine Frau in fortgeschrittenem Alter, die das gleiche Gewand trägt wie du und die du als deine ehemalige Ausbilderin identifizieren kannst. Ihr Name ist Merkura und sie schaut dich besorgt an», begann er die Erklärung der neuen Szene.

«Aelia. Ich habe Kampfgeräusche gehört. Ist alles in Ordnung?», sagte Naoki mit verstellter Stimme und besorgtem Blick.
 

«Merkura heißt sie?», versicherte sich Ayumi und erhielt ein bestätigendes Nicken.

«Es ist alles in Ordnung, Merkura», sagte Ayumi.

«Das freut mich zu hören. Wir haben heute wieder viele Patienten, aber dieser Brief erfordert Eure Aufmerksamkeit. Er wurde für Euch abgegeben.»

Naoki griff hinter sich und tat so, als würde er Ayumi etwas reichen. Ayumi spielte die Imitation mit und tat so, als würde sie etwas in der Hand halten.

«Ein Brief? Von wem ist er?», fragte sie.

«Ein adretter Mann namens Yusario hat ihn Euch hinterlassen», antwortete Naoki.
 

Ayumis Blick verfinsterte sich. «Ich werfe ihn in den nächsten Mülleimer», teilte sie mit, bevor Naoki nachfragen konnte, der sich ein Grinsen verkneifen musste. «Das sagst du ihr?», fragte er und warf einen Blick auf die Holzfigur eines Affen, die vor Ayumi stand. Ein Blick, der ausreichte, damit Ayumi verstand, was Naoki ihr sagen wollte.
 

«Ich bewahre ihn an einem blickdichten Ort auf, in der Form eines Korbes. Danke, Merkura», korrigierte Ayumi ihre Aussage, was Ryozo kurz auflachen ließ.
 

«Wie Ihr wünscht. Eure Audienz bei der Handelsgilde wurde ebenfalls erbeten. Sie möchten eine Einschätzung bezüglich eines Patienten. Am besten, Ihr macht Euch gleich auf den Weg», spielte Naoki seine Rolle weiter und nahm wieder seine normale Stimme an.

«Sie verbeugt sich vor dir und verschwindet. Du bist jetzt wieder allein. Was tust du?»
 

Ayumi hörte Naoki zu und machte sich Notizen.

«Ich soll also zur Handelsgilde gehen», sprach sie aus, was sie dachte, und Yumiko mischte sich ein.

«Was ist mit dem Brief?», fragte sie und Ayumi zog eine Augenbraue hoch. Sie beendete das Notieren und sah Naoki an.
 

«Ist hier irgendwo ein Papierkorb? », fragte sie und Naoki musste lachen.

«Du willst ihn echt wegwerfen? Dieser Yusaku muss wirklich schrecklich sein», sagte er amüsiert. «Ja, es gibt in den Behandlungszimmern einen Mülleimer. Du kannst ihn aber auch einfach so wegwerfen», beantwortete er ihre Frage.
 

«Dann mache ich das», verkündete Ayumi selbstbewusster denn je was sie tat.

«Aber dann erfahren wir ja nie, was drinsteht?!», meldete sich Yumiko mit einem Einwand zu Wort, aber Ayumi ließ sich nicht beirren. Sie tat so, als würde sie etwas hinter sich werfen und imitierte dann eine Geste, mit der sie sich die Hände reinigte, als wären sie mit Schmutz in Berührung gekommen.
 

«Eiskalt», kommentierte Yumiko und griff nach einem Snack. Naoki übernahm wieder und sah Ayumi an.
 

«Du machst dich auf den Weg zur Handelsgilde und damit endet dein Prolog», teilte er ihr mit und Chiyoko sah Ayumi freudig an.

«Das hast du gut gemacht», lobte Chiyoko sie und Naoki nickte.

«Das finde ich auch. Für dein erstes Mal hast du das super gemacht. Ich finde es auch toll, wie du in deiner Rolle geblieben bist», lobte auch er, was Ayumi zu einem schwachen Lächeln veranlasste.
 

«Wir werden deine Geschichte in der Handelsgilde fortsetzen und ich möchte, dass du mitbestimmst, wie es weitergeht, Ayumi», sagte Naoki dann.

«Du wirst dich dort mit jemanden treffen und du darfst wählen zwischen einer liebreizenden Zwergin», begann er aufzuzählen und Yumiko streckte die Arme aus.

«Damit ist bestimmt die starke Yenora Grehek gemeint!», sagte sie grinsend und hielt sich für die genannte Auswahl.
 

«Oder du entscheidest dich für den charismatischen Benji», setzte er die Aufzählung fort und deutete auf Benji, der zuhörte und einmal kurz die Hand hob.
 

«Oder aber», begann Naoki mit einer dritten Möglichkeit. «Du wählst einen anderen Zwerg aus der Händlergilde, von dem ich dir nur verraten kann, dass er gerne etwas tiefer ins Glas schaut.»
 

Diese drei Optionen standen Ayumi zur Auswahl, die darüber nachdachte und sich dann ihren Mitspielern zuwandte, bevor sie antwortete. «Was meint ihr?», fragte sie, mit Chiyoko beginnend.
 

«Ich finde alle Möglichkeiten spannend!», entschied sich Chiyoko einfach für „alles“ und Yumiko legte einen Arm um sie.

«Frauenpower!», sagte Yumiko und zwinkerte Ayumi zu. «Nimm die liebreizende Zwergenfrau!»
 

Ryozo deutete auf Benji. «Wähl Benji», gab er seine Meinung preis und schließlich sagte Tatsumi, was er wählen würde.
 

«Ich würde an deiner Stelle den Schluckspecht wählen. Er ist sicher leicht zu manipulieren, wenn er betrunken ist. Und wer weiß, vielleicht kannst du ihn auch bestehlen.»
 

Ayumi ging wieder in sich und dachte über die Möglichkeiten und die Aussagen ihrer Mitspieler nach.
 

«Und, Ayumi? Wofür entscheidest du dich?», fragte Naoki sie.

Two and a half Hydra

Jeder der Anwesenden hatte Ayumi eine Option genannt und nun war es an ihr, eine Entscheidung zu treffen. Wie diese wohl ausfallen würde, fragten sich alle am Tisch und Ayumi sorgte, mehr oder weniger unbeabsichtigt, für eine spannende Atmosphäre.
 

«Ich habe also die Option, eine liebreizende Frau zu treffen», wiederholte sie eine ihrer Optionen und ließ ihre Mitspieler an ihren Gedanken teilhaben.
 

«Die ich normalerweise wählen würde, weil sie bestimmt sehr nett ist. Aber dann ist da noch Benji», nannte sie die zweite Möglichkeit und schaute ihn an. Er saß an einem separaten Tisch und zeichnete konzentriert. Ihm entging jedoch nicht, dass er erwähnt wurde, und er tauschte einen kurzen Blick mit ihr aus.
 

«Er ist auch sehr nett», sagte Ayumi und erntete ein freundliches Lächeln von Benji.
 

«Ich könnte mich auch mit dem Trunkenbold treffen», zählte sie die letzte Möglichkeit auf und seufzte. «Ich mag keinen Alkohol und vermeide es eigentlich auch, mich mit Betrunkenen abzugeben.» Tatsumi und Ryozo hörten das und nahmen Ayumis Aussage zum Anlass, zur Bar zu gehen.
 

Naoki ließ sie gewähren und konzentrierte sich weiter auf Ayumi.

«Es ist keine leichte Wahl», sagte er zu ihr.

«Das ist wahr», antwortete sie und machte sich Notizen auf ihrem Charakterbogen. Chiyoko, die neben ihr saß, warf einen Blick auf die Notizen und sah, dass Ayumi die drei Optionen aufgeschrieben und darunter zwei Spalten mit Pro und Contra gemalt hatte.
 

«Ich merke, dass Ayu sich schwertut, Entscheidungen zu treffen», kommentierte Yumiko ungeduldig, die ebenfalls versuchte, einen Blick auf Ayumis Notizen zu werfen. Ryozo hatte zwei Gläser auf den Bartresen gestellt und Tatsumi reichte ihm zwei Flaschen, die wohl für die Mischung dienten.
 

«Lass sie doch. Wir haben Zeit», antwortete Ryozo auf Yumikos Aussage, die bemerkte, was Ryozo vorhatte und ihm mit einer Handbewegung zu verstehen gab, dass sie auch etwas trinken wollte.

«Jawohl, MyLady», sagte er grinsend und griff nach einem Glas für sie.

«Lass das, Ryozo. Das passt nicht zu dir», beschwerte sich Yumiko scherzhaft über seine Ausdrucksweise.
 

Tatsumi und Ryozo kehrten mit ihren neuen Getränken an den Tisch zurück und prosteten sich zu. Eine Szene, die auch Ayumi nicht entging, die plötzlich einen Punkt auf ihrer Liste durchstrich.
 

«Ich glaube, ich nehme Benji», verkündete Ayumi und legte ihren Stift beiseite.

«Alles klar», entgegnete Naoki.
 

«Schade! Ich dachte, du wählst mich!», warf Yumiko ein, was Ayumi verunsicherte.
 

«Wer sagt denn, dass du die liebreizende Frau bist, du Zwerg?», warf Naoki ein.

«Hm? Weil ich vielleicht mega liebreizend bin, du Trottel?», antwortete Yumiko, bevor sie sich wieder Ayumi zuwandte. «Aber mal ernsthaft. Warum hast du dich für Benji entschieden? Nicht, dass ich deine Entscheidung nicht cool finde, aber ich bin neugierig.» Ayumi nahm ihren Charakterbogen und deutete auf ihre Notizen am unteren Rand des Blattes. Yumiko konnte das Pro und Contra zwar sehen, aber runzelte ratlos die Stirn.
 

«Was steht da? Ich kann die Sauklaue nicht lesen», sagte Yumiko, woraufhin Chiyoko überrascht auf das Papier schaute. «Kannst du nicht? Da steht: Pro: Benji kann eine dreiköpfige Hydra besiegen», las Chiyoko vor und Yumikos Miene entspannte sich wieder.
 

«Das stimmt», kommentierte Ryozo das Ergebnis, woraufhin Tatsumi nickte, aber Ayumi verwirrt ansah.

«Aber warum eine dreiköpfige Hydra?», fragte er und Ayumi deutete auf Chiyoko, während sie antwortete.

«Chiyoko hat als ich gespielt habe erwähnt, dass sich in einem der Räume eine dreiköpfige Hydra verstecken könnte.» «Äh...», entgegnete Tatsumi und kam nicht zu einer Antwort, da Yumiko das für ihn übernahm.

«Es wäre ziemlich random, wenn ein so mächtiges Monster am Anfang auftauchen würde.»

«Random?», fragte Ayumi.

«Nun, wie sagt man...», grübelte Yumiko, doch Ryozo mischte sich ein und half seiner Schwester zu verstehen. «Zufällig.»
 

Chiyoko schien von ihrem Hydra-Argument weiterhin überzeugt zu sein und wandte sich allen anderen Spielern zu.

«Hinter jeder Ecke eines Dungeons und Dragons-Abenteuers können tödliche Gefahren lauern!» Ihr Blick war finster und ihre weit aufgerissenen Augen ließen Yumiko zurückschrecken.

«Das muss ein schlimmes Trauma sein, Chimo», sagte sie und Chiyoko drehte sich zu ihr um.
 

«Beim letzten und ersten Spiel, an dem ich teilgenommen habe, sind wir gleich zu Beginn einer Katze begegnet. Unsere Spielgruppe folgte ihr in eine schlecht beleuchtete Gasse und ZACK!», erzählte sie und klatschte einmal in die Hände, was Tatsumi und Ayumi zusammenzucken ließ.
 

«Sie verwandelte sich in eine dreiköpfige Hydra und verschlang drei von uns bei lebendigem Leib!», fuhr sie fort und Chiyoko schauderte sichtlich. «Es war alles so schleimig und glitschig! Und dann hat sie die Gedärme der anderen auf den Boden gespuckt!»
 

Naoki sah sie irritiert an.

«Sag mal, was habt ihr vorher gemacht? Na, bevor die Katze aufgetaucht ist?», fragte er nach Details der Geschichte und Chiyoko überlegte.
 

«Na ja, vorher waren wir in einer Taverne. Ehrlichgesagt waren wir ganze fünf Abende in der Taverne, weil drei von uns nicht mehr weiter wollten. Dann ist eine Katze in der Taverne aufgetaucht und wir sind rausgegangen und ihr gefolgt», erzählte sie von ihrer ersten Spielerfahrung und Naoki lachte.

«Ich verstehe. Dann wundert es mich nicht», sagte er und auch Yumiko und Tatsumi schienen zu verstehen.
 

«Warum seid ihr in der Taverne geblieben?», fragte Ryozo und auch Ayumi schien den Zusammenhang nicht zu verstehen. Chiyoko seufzte hörbar und sackte ein wenig in sich zusammen.
 

«Ich wollte die Taverne verlassen, aber ich habe damals eine Magierin gespielt und war nicht sehr gut im Überzeugen. Und... », begann sie zögernd. <...auf mich hat sowieso niemand gehört.»

«Wie gemein», kommentierte Ayumi und Ryozo zuckte mit den Schultern. «Dann haben sie das mit der Hydra ja verdient.»

«Ryozo», ermahnte Ayumi ihn. «Sie wurden getötet...»
 

Naoki funkte dazwischen.
 

«So sehr ich es vermeide, Ryozo Recht zu geben, er hat es. Es scheint, dass diese Gruppe nicht wirklich Lust hatte, das Abenteuer zu spielen und ernst zu nehmen. Man muss wissen, dass man mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate an so einem Spiel schreibt und bastelt. Wenn die Spieler dann nicht mitziehen, ist das eine Scheißaktion.» Chiyoko seufzte wieder und Naoki lächelte. «Das wird dir hier nicht passieren, Chiyoko», versuchte er sie aufzumuntern und deutete auf die Leute am Tisch.
 

«Wenn jemand nicht auf dich hört», begann er und warf Yumiko und Tatsumi einen warnenden Blick zu. «Oder mir mein Spiel versaut, kriegt er es mit Benji zu tun» Yumiko grinste und schien von der Drohung unbeeindruckt.
 

«Pah! Als ob ich Angst vor Benji hätte. Wenn er mir krumm kommt, dann», begann sie, doch Benji stand auf und Yumiko klammerte sich panisch an Tatsumi. «Das war doch nur Spaß!» Naoki lachte und Benji, der über Yumikos Reaktion ebenfalls schmunzeln musste, deutete in Richtung Küche. «Ich wollte mir nur etwas zu trinken holen», sagte er. Daraufhin ließ Yumiko von Tatsumi ab und lachte verlegen. «Haha~ Natürlich! Das wusste ich doch... »
 

«Zurück zu Ayumis Entscheidung», kam Naoki wieder auf das ursprüngliche Thema zurück. «Du wirst Benji also später in deiner Geschichte treffen.»
 

Ayumi nickte und Naoki warf einen kurzen Blick auf ihre Notizen.

«Was hast du eigentlich über ihn bei Contra geschrieben?», fragte er interessiert und der Rest des Tisches schien dieses Interesse zu teilen. Ayumi griff nach ihren Notizen und las vor.

«Er könnte mich wie eine Fliege zerquetschen.» Erstaunte und leicht schockierte Gesichter blickten auf Ayumi, bevor Ryozo in schallendes Gelächter ausbrach. «Diese Vorstellung!», sagte er dabei und Ayumi sah ihn ernst an.
 

Benji kam mit einem Getränk aus der Küche zurück, und instinktiv richteten alle ihre Blicke auf ihn. Sie beobachteten, wie er sich an den Tisch setzte, von seinem Getränk trank und weiter zeichnete. Naoki bemerkte die Blicke seiner Mitspieler und ging auf Ayumis Aussage ein.
 

«Solange dein Vorname nicht Tatsumi lautet, solltest du vor ihm sicher sein», scherzte Naoki und wandte sich Chiyoko zu. «Kommen wir jetzt zu dir.»

Chiyoko schnellte in eine aufrechte Sitzposition und salutierte, als wäre sie beim Militär.
 

«Bereit!»

«Sehr schön, aber entspann dich etwas. Wir ziehen nicht in den Krieg», entgegnete Naoki mit einem schwachen Lächeln und Chiyoko lockerte ihre Haltung.
 

«Du hast ja schon etwas Erfahrung in dem Spiel, also wird dein Prolog etwas anders sein», erklärte er ihr und Chiyoko nickte ihm zu. «Bei mir hast du zwar noch ein bisschen Welpenschutz, aber ich werde dich nicht wie einen blutigen Anfänger, wie beispielsweise Ayumi und Ryozo behandeln», kündigte er an und Chiyoko nickte wieder.
 

«Gut», kommentierte er die Reaktion, griff nach seinem Handy und legte es kurz darauf beiseite. Die Musik in der Bar veränderte sich, wurde mystischer und geheimnisvoller. Anschließend zog Naoki seinen Laptop zu sich heran und warf einen Blick auf den Bildschirm.
 

«Du, Cenna, bist eine Waldläuferin und fähige Jägerin vom Volk der Tieflinge. Obwohl du das Aussehen eines Tieflings hast, identifizierst du dich nicht damit, sondern betrachtest dich als Kind des Waldes. Der Wald ist dein Zuhause und du schätzt die Harmonie der Natur», las er den ersten Abschnitt vor und wandte sich Chiyoko zu.
 

<Als Findelkind, dessen Eltern bei einem Überfall grausam ermordet wurden, hattest du das Glück, dass ein Elf namens Aquila dich bei sich aufnahm und dir damit das Leben rettete. Du erinnerst dich kaum an die Zeit dieser Begegnung, aber du weißt, dass dieser Mann sowohl ein Retter als auch ein fürsorglicher Vater war. Er nahm dich bei sich auf, in einer Hütte außerhalb der Stadt, und im Laufe der Jahre seid ihr eine kleine Familie geworden», erzählte er, warf einen Blick auf seinen Laptop und schaute Chiyoko wieder an.
 

«Aquila, ein Waldelf, ist ein meisterhafter Waldläufer und hat dir alles beigebracht, was du zum Überleben wissen musst, und er ist auch dein Vorbild. Dank ihm beherrschst du dein Handwerk und obwohl du die meiste Zeit in den Wäldern von Kohorn verbracht hast, kannst du dich auch in der Stadt einigermaßen zurechtfinden. Es war ein Highlight für dich, mit Aquila ab und an in die dicht besiedelte Stadt zu reisen.»
 

Chiyoko lauschte aufmerksam der Erzählung und man sah ihr die Begeisterung an.
 

«Es ist einer deiner größten Wünsche, in Aquilas Fußstapfen zu treten, auch wenn es für dich eine Herausforderung ist. Denn schon als Kind hattest du Angst vor Nagetieren aller Art und bist leider auch mit einem schlechten Orientierungssinn gesegnet. Aber Aquila hat die Hoffnung in dich nicht aufgegeben und dir einen kleinen Turmfalken geschenkt, der jetzt ausgewachsen ist und dir immer zu Hilfe eilt, wenn du ihn rufst», erklärte er und Chiyoko, die sich schnell etwas notierte, quiekte fröhlich.
 

«Ich habe einen Falken!», verkündete sie, worauf Ayumi schwach lächelte und Yumiko seufzend den Blick abwandte.

«Wie kann man nur so süß sein!», kommentierte sie Chiyokos Verhalten.
 

«Wie willst du deinen Falken nennen?», fragte Naoki, der seine Finger auf die Tastatur legte und auf Chiyokos Antwort wartete. «Falki!», rief diese, ohne lange zu überlegen.
 

«Falki der Falke. Wow», kommentierte Tatsumi und bekam für seinen offensichtlich sarkastischen Kommentar von Yumiko einen Klaps auf die Schulter. «Aua!»

«Falki ist süß!», zischte Yumiko ihm zu, während Tatsumi sich die Schulter rieb.
 

«Tut mir leid! Aber so einen Namen hätte ich eher von Ryozo erwartet», verteidigte sich Tatsumi.

Ryozo ballte die Faust und hob sie leicht an, woraufhin Tatsumi beschwichtigend die Hände hob. «Spaß!»
 

Naoki unterbrach die Stichelei und tippte den Namen ein, bevor er wieder mit Chiyoko sprach.

«Falki also», wiederholte er. «Das wird im Abenteuer dein kleiner Trumpf sein, um den einen oder anderen Malus auszugleichen. Schließlich bist du ein Waldläufer mit schlechtem Orientierungssinn und Angst vor Nagetieren. Auf Falki musst du allerdings würfeln», erklärte er ihr, was er mit dem Falken in der Geschichte vorhatte, und Chiyoko schrieb es auf.
 

«Das wäre dann ein Wurf auf „Mit Tieren umgehen“?», fragte sie.

«Genau. Je nach Situation und Aufgabe fällt der Wurf leichter oder schwerer», erklärte er. « Außerdem kann man ihn nicht mehrmals hintereinander aufrufen.
 

«Alles klärchen!»

Chiyoko machte sich hastig Notizen und sah dann Naoki erwartungsvoll an.
 

«Falki, dein Turmfalke, ist ein Geschenk deines Ziehvaters und gleichzeitig sein Vermächtnis an dich», begann er und Chiyoko wurde traurig.
 

«Oh oh...», sagte sie leise und Naoki lächelte schwach.

«Denn Aquila kehrte nach seinem letzten Ausflug nach Kohorn nicht zurück. Er war ein Mann mit vielen Kontakten und eines Tages kam ein Freund von ihm zu dir. Er überbrachte dir die Nachricht, dass Aquila nicht mehr zurückkehren würde. Du hast weder den Grund noch die näheren Umstände erfahren und der Freund aus der Stadt war nur ein Bote und wusste nichts Genaueres», erzählte er und Chiyoko seufzte schwer.
 

«Aquila hat dir alles bedeutet und sein plötzliches Verschwinden hat dir keine Ruhe gelassen. Auf der Suche nach Antworten hast du die letzte Zeit mit dem alten Tagebuch deines Ziehvaters verbracht, um darin Hinweise auf sein Verschwinden zu finden. Ein Jahr verging, bis du die kryptischen Zeilen entziffern konntest und herausfandest, dass es sich um eine Liste von Namen handelte, von denen du glaubst, dass sie die Antworten auf deine vielen Fragen kennen würden», erzählte Naoki Chiyokos Geschichte weiter und griff neben sich.
 

Er hatte tatsächlich eine beschriebene Seite in der Hand und gab sie ihr. Chiyoko nahm sie und betrachtete sie, während Naoki weiter erzählte.
 

«Du kennst die Personen hinter diesen Namen nicht, aber du bist dir sicher, dass sie mit seinem Verschwinden zu tun haben. Denn Aquila war dafür bekannt, dass er oft in Rätseln sprach und aus vielen Dingen ein Geheimnis machte, und vielleicht wurde ihm eines davon zum Verhängnis. Er war oft in Kohorn, aber er erzählte selten von diesen Ausflügen, und wenn er es tat, konnte man meistens nichts mit den Informationen anfangen. Aber du erinnerst dich an eine Geschichte, die er dir erzählte, in der er einen Zwergenfreund aus der Handelsgilde erwähnte. Chiyoko legte das Blatt Papier beiseite, griff nach einem Stift und sah Naoki erwartungsvoll an.
 

«Bijan Grehek», verriet er ihr den Namen, den Chiyoko aufschrieb.

«Das ist bestimmt Benji!», rief Yumiko dazwischen und ein Grinsen in Naokis Gesicht verriet, dass sie sich nicht irrte.
 

«Dann wollen wir mal sehen», meinte er geheimnisvoll, doch auch die anderen Spieler notierten sich den Namen.

«Chiyoko?», wandte er sich ihr zu und Chiyoko sah ihn an. «Bist du mit deiner Geschichte einverstanden oder sollen wir etwas ändern?»
 

«Ich finde sie super!», antwortete sie auf seine Frage.

«Sehr gut», erwiderte er lächelnd.

« Dann fangen wir mal mit deinem Prolog an. Wie gesagt, es ist ein echter Prolog und hat weniger Tutorial Vibes.»
 

Chiyoko nickte, griff nach der Holzfigur vor sich, positionierte sie und war bereit loszulegen.
 

«Du bist in der Hütte im Wald, in der du aufgewachsen bist und die du dein Zuhause nennst. Sie besteht aus einem großen Raum, der dir als Küche, Wohnzimmer und Esszimmer dient. Vom Wohnbereich aus gelangst du durch eine Tür in Aquilas Reich, einen separaten Raum, den du bisher nicht betreten durftest. Du selbst wohnst in einer Art Anbau, den dein Ziehvater selbst gebaut und mit dir zusammen eingerichtet hat. Jetzt aber bist du im Esszimmer, sitzt vor dem großen Tisch, auf dem mehrere Zettel ausgebreitet sind, die sich auf Aquilas Verschwinden beziehen und die du in der Hütte finden konntest», erklärte er die Szene und beendete sie mit einem bekannten Satz, den die Spieler vor ihr schon kannten.

«Was tust du?»
 

Chiyoko griff nach ihrem Charakterbogen und ihrem Stift und machte sich Notizen. In der Zwischenzeit beantwortete sie die Frage mit einer Zusammenfassung.
 

«Mein Ziehvater Aquila ist verschwunden und mein einziger Anhaltspunkt bis jetzt ist eine Person namens Bijan Grehek. Da Aquila für mich wie ein Vater ist, möchte ich diesem Verschwinden unbedingt nachgehen», sprach Chiyoko aus, was Naoki dazu veranlasste, noch ein paar Dinge zu erklären. Dazu wandte er sich jedoch Ayumi und Ryozo zu.
 

«Kurze Erklärung dazu. In einem Pen und Paper entscheidet ihr, wie ihr zu bestimmten Dingen steht. Ich gebe euch einen Rahmen vor, in welchem Verhältnis ihr zu den jeweiligen Personen steht, aber es liegt an euch, ob und wie ihr damit spielt», sagte er und während Ayumi sich diese Information notierte, nickte Ryozo nur. «Nun bist du dran, Chiyoko», sagte Naoki und sah sie an.
 

«Die Liste mit den Namen habe ich im Inventar? »

«Wenn du sie mitnehmen willst, dann ja», antwortete Naoki.
 

«Ich nehme sie mit», verkündete sie und schrieb es auf. « Gut. Du packst sie in deine Tasche», beschrieb Naoki, was Chiyoko tat, die die Frage nach ihrer nächsten Handlung nicht abwartete, sondern Eigeninitiative zeigte.
 

«Ich nehme an, Aquila hat mir verboten, sein Zimmer zu betreten. Da ich aber wissen will, warum er verschwunden ist, überprüfe ich, ob die Tür zu seinem Zimmer verschlossen ist.» «Sie ist verschlossen. Du kannst sie nicht öffnen», sagte Naoki und Chiyoko grübelte. «Dachte ich mir», sagte sie zu sich selbst und veränderte ihren Gesichtsausdruck. «Ich berühre die Türklinke und denke an meinen Vater», sagte sie und seufzte schwer.
 

«Aquila. Was ist nur geschehen?», spielte Chiyoko ihre Rolle, bevor sie sich Naoki zuwandte. «Ich werde die Zettel auf dem Tisch durchsehen, ob ich einen Hinweis darauf finde, wo er den Schlüssel aufbewahrt. Wurf auf Nachforschungen, oder?», fragte sie ihn und Ayumi sah sie überrascht an. Auch Ryozo beobachtete Chiyoko aufmerksam und Tatsumi und Yumiko schienen beeindruckt zu sein. Chiyoko schien mehr Spielerfahrung zu haben als sie erwartet hatten.
 

«Japp, dann würfle bitte. Du bist darin geübt und hast einen Bonus von fünf», teilte er ihr mit und Chiyoko griff nach ihren Würfeln. Sie nahm den zwanzigseitigen Würfel, umklammerte ihn und schüttelte ihn neben ihrem Kopf, bevor sie ihn mit Schwung über den Tisch rollte.
 

«Eine Fünfzehn!», verkündete sie und sah Naoki an. «Mit der Fünf macht das eine Zwanzig! Ich hab's geschafft, oder?» «Geschafft», bestätigte er und Chiyoko riss vor Freude die Arme in die Luft. «Juhu!» Ayumi freute sich mit ihr, wandte sich dann aber Naoki zu. «Das ist der erwähnte kritische Erfolg, oder?», fragte sie Naoki, der den Kopf schüttelte. «Nur, wenn du direkt eine Zwanzig würfelst. Wenn sie durch einen Bonus zustande kommt, ist es ein normaler Erfolg», erklärte er, woraufhin Ayumi sich weitere Notizen machte.
 

«Lass uns zu deinem erfolgreichen Wurf kommen, Chiyoko», kündigte Naoki an.
 

«Du beginnst nachzuforschen und siehst dir dafür die Unterlagen auf dem Tisch genauer an. Es ist eine Ansammlung von Pergamenten, Notizen und Dokumenten, die du in der letzten Zeit gesammelt hast. Eine der Notizen sticht dir besonders ins Auge, weil du mit ihr bisher nicht viel anfangen konntest. Darauf steht eine von Aquilas Anekdoten und du findest dort auf der Rückseite eine Zeichnung», teilte er ihr mit, was der Erfolg ihres Wurfes verriet. Er griff neben sich und reichte Chiyoko einen Zettel. Sie nahm ihn und sah sich diesen an.
 

«Was steht da?», fragte Yumiko neugierig und auch Ayumi sah Chiyoko interessiert an. Diese legte den Zettel vor sich auf den Tisch, so dass beide ihn sehen konnten. Yumiko beugte sich vor und drehte den Zettel zu sich.

«Oh! Ist das Englisch?», fragte Yumiko, woraufhin Naoki sich zu Wort meldete.
 

«Für uns ist es Englisch. Innerhalb der Geschichte ist es Elfisch», erklärte er. «Und da Cenna von Aquila, einem Waldelf, aufgezogen wurde, kann sie Elfisch. Außerdem hat mir ein kleines Vögelchen geflüstert, dass Chiyoko Englisch kann», fuhr er fort und sah Ayumi an. Chiyoko tat es ihm gleich und sah sie erstaunt an. «Das hast du dir auch gemerkt?», fragte sie überrascht und Ayumi nickte. «Du hast doch mal erwähnt, dass du regelmäßig an den Englischseminaren der Firma teilnimmst?», erklärte Ayumi.
 

Nach dieser Erklärung lenkte Naoki die Aufmerksamkeit wieder auf das Spiel.

«Dann zeig uns mal dein Elfisch, Chiyoko. Im Spiel kannst du jederzeit Texte übersetzen, ohne sie zu würfeln», sagte er und Chiyoko war die Freude anzusehen. Sie nahm den Zettel und las den Text vor.
 

«You can be miserable before you have a cookie, you can be miserable after you eat a cookie, but you can’t be miserable while you are eating a cookie.»
 

Tatsumi schien sofort eine Idee zu haben und teilte sie mit. «Ich glaube, du musst eine Keksdose suchen», sagte er und Ryozo nickte. « Das denke ich auch»
 

Ayumi und Yumiko sahen die beiden verwirrt an und dann Chiyoko. «Warum eine Keksdose?», fragte Ayumi schließlich. Chiyoko deutete auf den Zettel und übersetzte.
 

«Da steht: Man kann unglücklich sein, bevor man einen Keks isst, man kann unglücklich sein, nachdem man einen Keks gegessen hat, aber man kann nicht unglücklich sein, während man einen Keks isst», sagte Chiyoko und machte sich eine Notiz. «Vielleicht bewahrt er den Schlüssel wirklich in einer Keksdose auf», ging sie auf Tatsumis Vorschlag ein.
 

«Du hast gesagt, in diesem Zimmer gibt es auch eine Küche. Was sehe ich dort?», fragte sie Naoki und er antwortete.

«Es ist eine rustikale Küche mit einem Holzofen, Hänge- und Unterschränken. Die Arbeitsfläche ist aus verschiedenen Hölzern zusammengesetzt und mit allerlei Töpfen, Messern, Besteck und Jutesäcken übersät.
 

«Ich öffne einen der Hängeschränke», sagte Chiyoko und Naoki nickte. «Du öffnest ihn und siehst mehrere Teller, Holzbecher und ein größeres Keramikgefäß.» «Das muss die Keksdose sein!», rief Yumiko dazwischen, die die Gelegenheit nutzte, sich einen Snack zu nehmen und zu essen. «Schnimm schie!», murmelte sie mit vollem Mund, und Chiyoko nickte, ehe sie sich Naoki zuwandte.
 

«Ich nehme die Keramikdose und öffne sie.»
 

Wieder beschrieb Naoki, was sie sah und wahrnahm, und warf dazu einen Blick auf den Bildschirm seines Laptops.
 

«Du nimmst das Keramikgefäß und merkst, dass es überraschend leicht ist. Du öffnest das Gefäß und findest tatsächlich Kekse darin.» Chiyoko hielt kurz inne, fuhr dann aber schnell fort. «Ich gehe mit der Keksdose zum Tisch, schiebe die Dokumente beiseite und leere sie dort aus».
 

«Du lässt den Inhalt des Keramikgefäßes auf den Tisch fallen und siehst, wie sich die Kekse und Krümel überall verteilen. Doch dann hörst du ein Geräusch, das deine Aufmerksamkeit auf das Innere des Gefäßes lenkt. Gehst du dem nach?», fragte er und Chiyoko nickte. «Natürlich! Ich werde nachsehen, woher das Geräusch kommt.»
 

«Du drehst das Gefäß und schaust hinein. Jetzt, da der Inhalt des Gefäßes auf dem Tisch liegt, siehst du, dass im Inneren des Gefäßes eine kleine Schatulle eingeklemmt ist, die wegen ihrer quadratischen Form nicht durch die Öffnung passt», beschrieb er ihr und Chiyoko freute sich.
 

«Dann drehe ich die Schatulle, um sie herauszubekommen!» Diesmal hielt Naoki mit der Beschreibung inne und deutete auf Chiyokos zwanzigseitigen Würfel.
 

«Dann würfle mal auf Fingerfertigkeit», wies er sie an, und sie griff hastig nach dem Würfel. Wie bei ihrem ersten Wurf schüttelte sie ihn, als könnte sie das Ergebnis beeinflussen, und ließ ihn dann über den Tisch rollen.
 

«Oh», kommentierte Tatsumi das Ergebnis und Yumiko blickte fassungslos auf den Würfel.

«Eine Eins?! Wie bei Ayumi vorhin!», sagte sie und Chiyoko griff sich schockiert ans Gesicht.

«Oh nein! Nein, nein, nein!»
 

Naoki blickte verwirrt auf den Würfel und man sah ihm an, dass er kurz nachdachte. «Ein kritischer Misserfolg also», bewertete er das Wurfergebnis und Yumiko stupste den Würfel an. «Du bist ein Würfel der Glückskatzen! Was ist los mit dir?!»
 

«Kann sie eigentlich nochmal würfeln?», fragte Ryozo und Naoki schüttelte den Kopf, hielt dann aber inne. «Warte, da fällt mir was ein», sagte er, ohne seinen Einfall zu erläutern, und machte sich eine Notiz. Dann wandte er sich den Spielern zu und erklärte. «Ich werde, wenn ihr als Gruppe unterwegs seid, etwas für solche Fälle einbauen.»
 

«Aber jetzt musst du, liebe Chiyoko, mit diesem Ergebnis leben», fügte er hinzu und Chiyoko seufzte. «Du versuchst angestrengt, die Schatulle zu drehen, damit du sie aus dem Keramikgefäß nehmen kannst, aber deine Hand ist zu groß und bleibt stecken. Du kannst sie nicht mehr herausziehen», sagte Naoki und Chiyoko blickte schockiert auf ihre rechte Hand, als wäre dort das erwähnte Keramikgefäß.
 

«Oh nein!», rief sie und bewegte ihre Hand. «Elende Bestie! Gib mir meine Hand zurück!», spielte sie ihre Rolle, was ihre Mitspieler sehr amüsierte.
 

«Süß», kommentierte Tatsumi.

«Dann bist du jetzt Edward mit den Keksdosenhänden», meinte Yumiko und Tatsumi, der als einziger die Anspielung verstand, lachte.
 

«Was mache ich jetzt?», fragte sich Chiyoko und Ryozo deutete auf den Tisch.

«Die Dose ist aus Keramik. Schlag sie einfach auf den Tisch.»
 

Ein Vorschlag, der Chiyoko gefiel, die sich aber zunächst an Naoki wandte. «Kann ich das?» «Klar», antwortete dieser und Ayumi wandte sich Chiyoko zu. «Was ist, wenn du dich verletzt?»
 

Eine Frage, die Chiyoko zögern ließ, was Naoki nicht entging, und er fügte etwas zur Antwort hinzu. «Du kannst natürlich würfeln, dass du es schaffst, ohne dich zu verletzen.» «Dann mache ich das!», verkündete Chiyoko daraufhin und griff nach ihrem Würfel.
 

«Dann würfel mal auf Athletik», erklärte Naoki ihr und Chiyoko schüttelte den Würfel in ihrer Hand viel länger als beim letzten Wurf. «Komm schon, komm schon!», sagte sie und würfelte.
 

«Eine Fünfzehn!», rief sie Naoki zu. «Habe ich es geschafft?» «Ja, hast du», bestätigte er ihr, bevor er erklärte, was geschehen war. «Du nimmst Anlauf und schlägst das Keramikgefäß auf den Holztisch vor dir.» Chiyoko ahmte nach, was Naoki ihr sagte. «Stirb!», rief sie dabei.
 

«Das Gefäß bricht auf und zerspringt in mehrere Teile. Du spürst sofort, wie der Druck um dein Handgelenk nachlässt und du deine Hand wieder frei bewegen kannst. Allerdings siehst du, wie die metallene Schatulle über den Tisch fliegt und knapp vor Tischende zum Liegen kommt», schilderte er Chiyoko, die freudig in die Hände klatschte.
 

«Juhu! Ich hab's geschafft!» «Glückwunsch», sagte Ayumi und Chiyoko lächelte. «Nun, dann nehme ich mal die Schatulle und versuche, sie zu öffnen!» Naoki nickte und beschrieb ihr, was passiert war.
 

«Du nimmst die kleine Schatulle und bemerkst, dass sie mit einem vierstelligen Zahlenschloss verschlossen ist.»

«Ein Zahlenschloss bedeutet, dass ich es nicht mit Fingerfertigkeit öffnen kann?» fragte Chiyoko.

«Das wäre ein sehr schwieriger Wurf und du hast auch keine Hilfsmittel wie ein Diebeswerkzeug zur Verfügung», antwortete er ihr und Tatsumi warf instinktiv einen Blick auf seinen Charakterbogen. Er war einer der Spieler, die ein solches Werkzeug bei sich trugen.
 

«Hm», grübelte Chiyoko und wandte sich der Gruppe zu. «Und was jetzt? Hat jemand eine Idee?» Ayumi ging in sich und überlegte, während Ryozo und Tatsumi Vorschläge machten.
 

«Vielleicht gibt es in den Dokumenten einen Hinweis darauf?», schlug Ryozo vor.

«Das würde ich auch sagen. Oder irgendwo anders in der Hütte», fügte Tatsumi hinzu und Yumiko deutete mit einer Geste an, dass sie sich irrten.
 

«Quatsch! Der Code ist vierstellig. Ich kenne meinen Bruder. Er hat bestimmt sein Geburtsdatum als Lösung genommen! Gib 1804 ein, Chimo!», wies Yumiko Chiyoko an, die sich kurz darauf Naoki zuwandte. «Ich gebe 1804 ein», teilte sie Naoki mit, der schwach lächelte.
 

«Du tippst die Zahlenkombination ein. Du hörst ein Geräusch und die Schatulle bleibt verschlossen», beschrieb er, was passierte.
 

«Ah, Mist!», sagte Chiyoko und Yumiko hob fragend ihre Arme in Naokis Richtung. Der bemerkte es und grinste. «Netter Versuch, Giftzwerg, aber du scheinst deinen Bruder nicht so gut zu kennen, wie du denkst», sagte er und Yumiko schmollte.

«Bist ja auch nicht mein Lieblingsbruder... », murmelte sie leise, aber alle Anwesenden konnten es trotzdem hören.
 

«Wie viele Versuche haben wir? », fragte Ayumi und lenkte damit wieder zum Thema zurück. Naoki zuckte die Schultern.
 

«Ich schätze drei», warf Tatsumi nachdenklich ein. «Vielleicht steht des Rätsels Lösung auf der Unterseite der Schatulle. Bei einem Router steht das Passwort auch auf dem Gerät selbst», sprach Tatsumi seine Gedanken laut aus, was alle am Tisch positiv überraschte. Alle außer Yumiko.
 

«Ich bitte dich. Das ist doch bescheuert. Warum sollte das auf der Schatulle sein?», meinte sie, doch Chiyoko drehte sich zu Naoki um und überprüfte Tatsumis Theorie. «Ich untersuche die Schatulle genauer. Finde ich etwas?», fragte sie und Naoki warf Tatsumi einen flüchtigen Blick zu.
 

«Nicht schlecht, Eidechse», sagte er zu ihm, bevor er sich Chiyoko zuwandte.

«Du siehst dir die Schatulle genauer an, drehst sie in deinen Händen und erkennst auf der Unterseite einen eingravierten Text», sagte er und Yumiko sah Naoki fassungslos an. «Der Trottel hat recht?!», sagte sie und meinte damit offensichtlich Tatsumi.
 

«Tatsumi ist eben ein Fuchs», verteidigte Ryozo ihn und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter.

«Ja, das bin ich», bestätigte Tatsumi, bevor Naoki das Thema wieder auf die Szene lenkte.
 

«Also, Chiyoko», begann er und reichte ihr einen weiteren Zettel. Dankbar nahm sie ihn entgegen und legte ihn vor sich ab. «Wie viele Zettel hast du denn noch? », fragte Yumiko. «Ich bin halt gut vorbereitet», antwortete Naoki und sah Chiyoko an. «Das sind die eingravierten Zeilen», erklärte er ihr und Ayumi beugte sich zu Chiyoko, um einen Blick auf den Zettel zu werfen. «Schon wieder Englisch? Kommt das öfter vor?», fragte Ayumi unsicher und erntete ein Kopfschütteln von Naoki.
 

«Das habe ich nur bei den Charakteren eingebaut, die Englisch, beziehungsweise Elfisch können. Also mach dir keine Sorgen. Für Yumi und dich habe ich», begann er seine Erklärung, bevor Yumiko ihn mit einem empörten Laut unterbrach.
 

«Ich kann Englisch!», verteidigte Yumiko sich.

«Ach ja? Das wäre mir neu», erwiderte Naoki und wandte sich mit einem charmanten Lächeln Ayumi zu. «Sollte es bei dir vorkommen-», begann er einen Satz, bei dem er erneut unterbrochen wurde. Diesmal war Chiyoko die Schuldige.
 

«Ich übersetze dir alles, was du möchtest!», bot Chiyoko Ayumi an und klang dabei übereifrig.

«Danke», erwiderte Ayumi, was Naoki ein Lächeln entlockte. «Gut, dann wäre das geklärt. Also, Chiyoko, auf deinem Zettel steht ein kleines Rätsel.» Nach diesem Hinweis schaute Chiyoko auf den Zettel und las ihn erst einmal für sich. Neugierige Blicke folgten und sie las ihn kurz darauf laut vor.
 

«I own many cats and four of them are the key to my heart. The first cat is ten and has three lives. The second cat is seventeen and has nine lives. The third cat is three and has five lives. My favourite cat, the fourth, is nineteen. How many lives does the fourth cat have?»
 

Während Ryozo und Tatsumi sich Notizen machten, stöhnte Yumiko genervt und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. «Eine scheiß Textaufgabe mit Mathe. Ich bin raus» Ayumi sah Chiyoko fragend an und dieser Blick reichte ihr, um zu verstehen. «Ich übersetze das für dich», sagte Chiyoko und schrieb es auf Ayumis Notizblock. Diese las, was Chiyoko geschrieben hatte, und lächelte. «Es ist also ein Katzenrätsel. Wie niedlich», kommentierte Ayumi die Übersetzung.
 

«Ich vermute, dass die Katzenleben den Zahlencode für das Schloss ergeben», warf Tatsumi ein, der sich etwas notiert hatte und davon ein paar Worte unterstrich. «Das sehe ich auch so», kommentierte Ryozo, der sich ebenfalls konzentriert seinen Notizen widmete.
 

«Kann ich die Übersetzung haben?», fragte Yumiko, deren Neugier nun doch geweckt war. Sie griff nach einem Stift und Naoki hob mahnend den Finger. «Ich dachte, du sprichst Englisch? Außerdem: keine Notizen für Leute mit Gedächtnisproblemen.»

«Auch bei Rätseln?! Das ist unfair!», schimpfte Yumiko und legte den Stift beiseite.

«Nun, ich habe dir ja nicht verboten, dir die Notizen der anderen anzuschauen, aber Teamarbeit ist nicht gerade deine Stärke, wie ich ja weiß», erwiderte er und man sah Yumiko den Geistesblitz an, den sie in diesem Moment hatte.
 

Sie griff nach Tatsumis Notizen und nahm sie an sich. «Gib das her!» «Hey!», beschwerte er sich und wollte sie zurück, was Yumiko zu verhindern versuchte, indem sie sich von ihm abwandte. Tatsumi stand auf und versuchte, seine Notizen zurückzubekommen, während der Rest des Tisches die beiden kaum beachtete und sich dem Rätsel widmete.
 

«Aquila hat also Katzen?», fragte Ayumi, die sich die Übersetzung auf ihrem Notizblock ansah und dann zu Naoki blickte. «Sind sie noch in der Hütte?» «Der Text bezieht sich eher auf den Fragebogen über Chiyoko. Also, nein. Keine Katzen», antwortete er.

«Achso. Schade.» Anscheinend hatte Ayumi gehofft, die Tiere zu treffen. Für einen Moment wurde es ruhig am Tisch, bis Yumiko die Stille durchbrach.

«Wenn es nicht sein Geburtstag ist, sage ich, dass der Code 1234 ist», gab Yumiko ihre Einschätzung ab und überließ damit Tatsumi wieder seine Notizen. «Wie kommst du denn darauf?», fragte er Yumiko.
 

«Na, ganz einfach. Der Typ hatte viele Katzen. Die erste, die zweite, die dritte und die vierte. Der Kram dahinter soll uns nur verwirren», erklärte sie sich und Ayumi drehte sich zu ihr um.

«Das wäre doch viel zu einfach, oder nicht? » Yumiko schüttelte den Kopf und wirkte zuversichtlich.
 

«Als ob Naoki sich die Mühe machen würde, ein Rätsel zu erfinden» «Vorsicht, Zwerg. Der Spielleiter kann dich hören», entgegnete Naoki und brachte seine Schwester damit zum Schmunzeln.
 

«Erwischt! Getroffene Hunde bellen! Die Lösung muss 1234 sein!»

Wieder war sie sich sicher und forderte Chiyoko erneut auf, eine Zahlenkombination einzugeben. «Gib 1234 ein», sagte sie und Chiyoko, die zuerst gezögert hatte, gab nach. «Dann gebe ich 1234 ein», sagte sie und Naoki schüttelte den Kopf.

«Man hört ein Geräusch und das Schloss bleibt verschlossen.
 

«Untersuche am besten Mal wie viel Versuche überhaupt möglich sind», schlug Tatsumi vor, und auch hier tat Chiyoko, was ihr geraten wurde. «Wäre das möglich? Dann würde ich darauf würfeln», fragte sie Naoki, der nickte. «Klar. Würfle auf Nachforschungen»
 

Ayumi unterbrach das Lesen ihrer Notizen und wandte sich ihrer Sitznachbarin zu, während Ryozo weiter über seinen Notizen brütete und Chiyoko nach ihrem zwanzigseitigen Würfel griff. «Wünscht mir Glück!», rief sie der Gruppe zu und würfelte.
 

«Eine Achtzehn!», verkündete sie ihr Ergebnis und sah zu Naoki. «Geschafft», sagte er.

«Du untersuchst das Schloss genauer und bemerkst, dass sich ein kleiner Mechanismus verengt hat. Es sieht aus, als würde er dir anzeigen, wie viele Versuche du noch hast. Nach deiner Einschätzung ist noch ein Versuch übrig.» «Juhu!», freute sich Chiyoko zuerst, wurde dann aber panisch.

«Nur noch ein Versuch?!» «Das schaffen wir schon», sagte Ryozo zuversichtlich, woraufhin sich Chiyoko beruhigte und sich alle Mitspieler des Rätsels Lösung widmeten. Alle außer Yumiko, die sich stattdessen über die Snacks hermachte.
 

Ayumi las die Übersetzung des Textes noch einmal für sich laut vor.
 

«Ich besitze viele Katzen und vier von ihnen sind der Schlüssel zu meinem Herzen. Die erste Katze ist zehn und hat drei Leben. Die zweite Katze ist siebzehn und hat neun Leben. Die dritte Katze ist drei und hat fünf Leben. Meine Lieblingskatze, die Vierte, ist neunzehn. Wie viel Leben hat sie?», sagte sie und grübelte.
 

«Vielleicht die Quersumme der Zahlen?», warf Chiyoko ein. «Das können wir nicht eingeben. Wir brauchen vier Zahlen», erwiderte Tatsumi. Erneut versank die Gruppe ins Grübeln, bis diesmal Ryozo derjenige war, der die Stille durchbrach.
 

«Ich hab’s», sagte Ryozo plötzlich und erntete überraschte Blicke. «Im Ernst?», fragte Tatsumi und Ryozo schob seinen Zettel in die Mitte. Auf dem Papier waren einige Rechnungen zu sehen und vieles war durchgestrichen.
 

«Die vierte Katze hat acht Leben », sagte er und deutete mit einem Stift auf die Zahl, die auf dem Zettel stand. «Der Code ist 3958» «Wie kommst du denn auf acht Leben?», fragte Ayumi irritiert, die der Lösung nicht folgen konnte.
 

«Er mag Mathe», erklärte Tatsumi, aber Ryozo sah ihn nur verwirrt an.

«Das ist kein Mathe. Im Englischen schreibt man die Zahl zehn mit drei Buchstaben und die Zahl siebzehn mit neun. Der Rest ist ähnlich. Drei mit fünf und neunzehn mit acht.» Kaum hatte er es erklärt, verwandelten sich die fragenden Gesichter in verstehende und Chiyoko nickte eifrig.
 

«Klar! Das ergibt Sinn!» Yumiko warf einen Blick auf Ryozos Notizen und grinste. «Ein superleichtes Rätsel. Sag ich doch.» «Als ob», kommentierte Tatsumi und Naoki drehte sich erwartungsvoll zu Chiyoko um. Dieser entging es nicht und sie gab die Zahl lächelnd wieder.
 

«Ich gebe 3958 ein! Bitte lass es richtig sein!» Naoki wartete einen Moment auf das Ergebnis, tat so, als würde er nachdenken und tippte auf seinem Handy herum, woraufhin ein Sound durch die Bar hallte. Es klang, als käme er aus einem Videospiel und glich einer Siegesmelodie.
 

«Geschafft!», rief Chiyoko freudig.

«Korrekt. Du hörst wieder ein Geräusch, nachdem du den Code eingegeben hast, aber diesmal öffnet sich das Schloss.» «Wir sind einfach das beste Team!», sagte Yumiko, die sich ebenfalls freute. Tatsumi griff das auf und klopfte Ryozo auf die Schulter. «Hast du gehört? Du bist ein tolles Team», scherzte er und erntete einen bösen Blick von Yumiko. «Hey! Ich hab‘ auch was gemacht!», beschwerte sie sich.
 

«Zurück zu Cenna», begann Naoki und Chiyoko verstand, dass er sich auf sie bezog.

«Ich öffne die Schatulle und sehe nach, was darin ist», sagte sie.

«Du öffnest die Schatulle, greifst hinein und ertastest einen Schlüssel.» «Juhu!», sagte sie fröhlich. «Ich nehme ihn und versuche, damit die Tür zu öffnen.»

«Du steckst den Schlüssel ins Schlüsselloch, drehst ihn und die Tür geht mit einem Quietschen auf.»

Chiyoko, die zuerst noch fröhlich geguckt hatte, nahm plötzlich eine ernste Miene an. «Ich halte ehrfürchtig inne», sagte sie. «Aquila, es muss sein.»
 

Naoki nutzte das Schauspiel, um die neue Szenerie zu beschreiben.
 

«Du hältst einen Moment inne, denn du hast noch nie die Grenzen überschritten, die Aquila dir gesetzt hat. Eine davon ist das Betreten seines Zimmers, aber angesichts seines Verschwindens bleibt dir wohl kaum eine andere Wahl. Du betrittst also sein Zimmer und stellst fest, dass es anders eingerichtet ist als der Rest der Hütte. Die Möbel sind schon in die Jahre gekommen und wirken durch ihre kunstvollen Verzierungen elfenhaft. Neben einem Bett, Schränken und einem großen Schreibtisch findest du im Zimmer auch einen Waffen- und Rüstungsständer. Dort siehst du Aquilas Kurzschwerter und die Rüstung, die er früher getragen hat, sowie seinen Langbogen», erklärte Naoki und gab Chiyoko einen kurzen Moment, um das Gehörte zu verarbeiten.
 

«Neben der Einrichtung fällt dir jedoch ein Symbol auf, das sich an einer Wand neben dem Schreibtisch befindet. Es erinnert an eine alte Rune und der Anblick löst Unbehagen in dir aus. Außerdem siehst du, dass auf dem Boden und auf dem Schreibtisch mehrere Schriftrollen und Dokumente verstreut liegen und diese Ordnung wirkt, als hätte es Aquila eilig gehabt.»
 

Chiyoko hörte aufmerksam zu und Naoki beendete seine Beschreibung mit einer vertrauten Frage. «Was tust du? »

Kaum hatte er die Frage gestellt, sprudelte Chiyoko vor Ideen und teilte diese mit ihren Mitspielern. «Was meint ihr? Soll ich zuerst das Symbol untersuchen oder die Schriftrollen? Oder in die Schränke gucken?»
 

Während Ayumi überlegte, sprach Yumiko, ohne lange nachzudenken. «Das Symbol ist superverdächtig!»

Tatsumi war der nächste, der seine Meinung kundtat. «Ich würde mir erst einmal die Dokumente ansehen. Vielleicht finden sich darin Informationen über das Symbol.»
 

Ryozo meldete sich als letzter zu Wort. «Ich würde die Waffen und die Rüstung nehmen.» Chiyoko nickte zu allen Ratschlägen und sah mit großen Augen zu Ayumi, die noch nichts gesagt hatte.
 

«Was denkst du, Ayumi?», fragte sie liebevoll und Ayumi offenbarte ihre Gedanken.

«Ich weiß nicht. Aquila wollte nicht, dass du in sein Zimmer gehst. Ist es in Ordnung herumzuschnüffeln?»
 

«Klar. Er ist nicht da», antwortete Ryozo auf Ayumis Frage und Chiyoko begann zu zögern. «Vielleicht finde ich wirklich etwas, was ich nicht wissen sollte.»

Ryozo verschränkte die Arme und schüttelte den Kopf. «Wer so viele Geheimnisse hat, ist selbst schuld.»

Ayumi seufzte und Yumiko deutete auf Ryozo. «Ich bin bei Ryozo. Er ist nicht hier! Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß!»
 

Chiyoko tauschte Blicke mit ihren Mitspielern aus und warf Ayumi einen fast entschuldigenden Blick zu. «Ich bin leider sehr neugierig», verteidigte sich Chiyoko und wandte sich Naoki zu. «Ich schaue mir die Pergamente genauer an. Was finde ich?», fragte sie und Naoki beschrieb es ihr.
 

«Es sind mehrere Pergamente und sie sehen alle wie gewöhnliche Briefe aus. Aber du folgst der Spur der Dokumente und kommst zu dem Schreibtisch, auf dem du einen geöffneten Brief findest. Er fällt dir besonders auf, weil du das Briefwachssiegel nicht kennst und er nicht aus Kohorn stammt.»
 

«Oh!», kommentierte Yumiko die Szene und griff nach einer Schale Erdnussflips. «Ich rieche Drama!», sagte sie grinsend in Chiyokos Richtung und bewegte schelmisch die Augenbrauen.

«Soll ich mir den Brief mal ansehen?», fragte Chiyoko Yumiko, die euphorisch nickte.
 

«Gut, ich sehe mir den Brief an», sagte Chiyoko zu Naoki, der hinter sich griff und einen Brief hervorholte. Er reichte ihn Chiyoko, die ihn vorsichtig öffnete. Sie nahm den Brief heraus und überflog ihn, was Yumiko dazu veranlasste, missbilligend mit der Zunge zu schnalzen.

«Ich erbitte das Servieren des Tees, Lady Chiyoko», sprach sie schauspielerisch hochgestochen und Chiyoko las, wie gewünscht, vor.
 

«Aquila, nach allem, was wir aus meiner Forschung über die Drachenaugen erfahren haben, kann ich gar nicht genug betonen, dass wir unbedingt ihren Ursprung finden müssen. Die Macht dieser Augen kann unsere eigenen Anstrengungen ins Unermessliche katapultieren, aber sollten sie in die Hände der Feinde von Verstand und Beharrlichkeit fallen, könnte es all unsere Pläne und Intrigen vereiteln. Mich beunruhigt, dass der Leichnam unseres handverlesenen Schurken nicht im Wrack des Schiffes gefunden wurde. Findet die Augen. Greift zu drastischen Maßnahmen. Versagt nicht. Gezeichnet M.»
 

Kaum hatte Chiyoko gelesen, entglitten ihr die Gesichtszüge und sie blickte panisch in die Runde der Spieler.

«Das klingt verdächtig!», merkte sie an und Yumiko nickte zustimmend.
 

«Drachenaugen?», fragte Ryozo nach dem, was ihm im Gedächtnis geblieben war und auch Tatsumi zählte auf, was ihm an dem Text wichtig erschien. «Leichnam eines Schurken?».
 

«Welche Feinde denn?», warf Ayumi eine Frage ein und Chiyoko zuckte mit den Schultern, bevor sie sich an Naoki wandte. «Kenne ich Aquilas Feinde?»

«Dir sind keine Feinde bekannt. Aquila ist ein beliebter Mann. Viele Kontakte, viele Bekanntschaften», erwiderte dieser.

«Ich verstehe. Ich stecke den Brief ein und schaue mir das Siegel an der Wand an», teilte Chiyoko mit und notierte den Brief in ihrem Inventar.
 

«Das wäre dann ein Wurf auf», begann sie ihre Frage, die Naoki mit seiner Antwort beendete.

«Religion».
 

Bevor Chiyoko auf ihrem Charakterbogen nachsehen konnte, was sie für diese Fertigkeit hatte, klärte Naoki sie auf. «Du hast einen Malus von minus eins».
 

«Oh...», antwortete sie leicht niedergeschlagen, bekam aber Zuspruch von Ayumi. «Wir sind das Team der Glückskatzen», sagte diese und auch Yumiko motivierte sie. «Das wird schon kein kritischer Misserfolg werden.»

Chiyoko lächelte und griff nach ihrem Würfel, den sie mit beiden Händen umfasste und schüttelte, als könnte sie damit das Wurfergebnis positiv beeinflussen.
 

«Komm schon, Fortuna!», rief sie und würfelte. Der Würfel rollte über den Tisch und alle blickten gespannt auf ihn. Er blieb liegen und Yumiko brach in schallendes Gelächter aus, während Ayumi die Gesichtszüge entglitten. Tatsumi und Ryozo betrachteten den Würfel sprachlos und Chiyoko sackte sichtlich in sich zusammen.
 

«Eine Eins», sprach Naoki das Ergebnis laut aus und Yumiko rief in Benjis Richtung. «Wir brauchen wieder einen Heiltrank, Benji!» «Es tut mir so leid», sagte Chiyoko enttäuscht, während Benji aufstand und in der Küche verschwand. «Der Heiltrank ist unterwegs», kommentierte Yumiko und klopfte Chiyoko aufmunternd auf die Schulter.
 

«Chiyoko», zog Naoki ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich und sie sah ihn niedergeschlagen an.

«Kommt jetzt eine dreiköpfige Hydra und frisst mich auf?», fragte sie traurig und Naoki musste lachen.
 

«Ich beschreibe dir einfach, was passiert, ja?», sagte er und Chiyoko nickte. «Du versuchst das Symbol zu verstehen und überlegst, ob du es schon einmal gesehen hast, aber als du dich auf das Symbol zubewegst, rutschst du auf einem der Pergamente aus, die auf dem Boden liegen. Du stürzt, fällst zu Boden und schlägst dir leicht den Kopf an einem Möbelstück».
 

Chiyoko rieb sich den Kopf und schmollte.

«Du hast kaum realisiert, was gerade passiert ist, da hörst du ein Geräusch», fuhr Naoki plötzlich fort und Chiyoko zuckte erschrocken zusammen.
 

«Was für ein Geräusch?!» «Das Geräusch von galoppierenden Pferden. Sie scheinen sich dir zu nähern und du hast Glück, dass du gerade auf dem Boden liegst, denn du siehst etwas an einem Fenster vorbeihuschen, wirst selbst aber nicht gesehen», beschrieb er die Szene und Chiyoko griff sich panisch ans Gesicht.
 

«Die Geräusche verstummen und es scheint, als wären die Pferde stehen geblieben. Was tust du?», fragte er und es wurde still. Chiyoko überlegte und schien für einen Moment mit der Situation überfordert.
 

«Kann ich sie sehen? Oder sie mich?», fragte sie und Naoki schüttelte den Kopf. «Nicht mehr und nein. Du liegst immer noch auf dem Boden.»
 

«Ich würde gerne vorsichtig nachsehen, wer es ist. Du hast gesagt, es gibt ein Fenster?», fragte Chiyoko.

«Ja. Du kannst auf Heimlichkeit würfeln und dich vorsichtig dem Fenster nähern, um einen Blick zu erhaschen. Bei Heimlichkeit hast du einen kleinen Bonus», antwortete er ihr und Chiyoko nickte.

«Dann würfle ich auf Heimlichkeit», sagte sie zuerst, zögerte dann aber. «Oder soll ich es lieber lassen? Wenn es wieder eine Eins wird» «Lass doch Falki nachsehen?», schlug Ayumi vor. «Gute Idee!», antwortete Chiyoko fröhlich und zögerte erneut. «Aber bei Falki muss ich auch würfeln.»
 

Yumiko schob ihr einen Snack hin und im selben Moment kam Benji aus der Küche zurück und servierte Chiyoko eine heiße Schokolade mit Sahne. «Dankeschön», bedankte sie sich und Yumiko forderte sie auf zu würfeln.

«Wir haben genug Heiltränke hier! Du kannst also so viele Einsen würfeln, wie du willst, Chimo!»
 

Chiyoko blickte in die Runde und sah ein zuversichtliches Nicken von Ayumi, eine ebenfalls nickende Yumiko und als sie zu Tatsumi und Ryozo sah, nahmen diese ihr Getränk und prosteten ihr zu. «Wir trinken auf dich und auf Fortuna!», sagte Ryozo und stieß mit Tatsumi an. « Auf Fortuna!»
 

Benji beobachtete die Szene amüsiert, setzte sich dann wieder hin und Chiyoko nahm ihren Würfel.

«Sie würfelte, und der Würfel rollte eine ganze Weile über den Tisch, bis er liegen blieb. Schnell verkündete Naoki das Ergebnis. «Eine Achtzehn. Geschafft, Chiyoko!»
 

Er freute sich mit ihr und Chiyoko riss vor Freude die Arme in die Luft «Juhu!»

Dann flüsterte sie Naoki zu und spielte ihre Rolle.
 

«Ich schleiche mich heimlich und leise zum Fenster. Was sehe ich?»

Die anderen warteten gespannt auf Naokis Antwort, der einen kurzen Blick auf seinen Laptop warf und dann antwortete.

«Du schleichst zum Fenster und bleibst so vor Blicken verborgen. Als du aus dem Fenster schaust, siehst du zwei große Männer und zwei Pferde. Sie sind abgestiegen und schauen sich um. Du kennst sie nicht, entdeckst an ihrer Rüstung jedoch ein Wappen», beschrieb er die Szene.
 

«Sind sie aus Kohorn?», erwähnte Chiyoko die Stadt, um die es in diesem Abenteuer ging.

«Würfle mal auf Geschichte», sagte er zu ihr und Ryozo blickte auf. «Ach, dafür ist dann Geschichte», nahm er Bezug auf seinen eigenen Charakter und Chiyoko griff nach ihrem Würfel.
 

«Eine Vierzehn», verkündete sie.

«Du hast es geschafft», wertete Naoki das Ergebnis aus und scrollte auf seinem Laptop. «Man erkennt an ihren Rüstungen und dem Wappen darauf, dass sie vom nordischen Volk der Ouzora abstammen», begann er die Beschreibung.
 

«Du erinnerst dich an eine Geschichte von Aquila und wie er dir damals von den Ouzoren erzählt hat. Sie sind bekannt für ihre Grausamkeit und Skrupellosigkeit. Die Ouzoren verehren ihren König, den sie den Drachenkönig nennen. Aus diesem Grund ziert ihr Wappen der Kopf eines Drachen», fuhr er fort und hielt kurz inne, während Chiyoko sich etwas notierte.
 

«Sie sind bewaffnet und tragen Axt und Schild», fügte Naoki hinzu und Yumiko sah ihn interessiert an.

«Sind das Wikinger?», fragte sie. «Sowas Ähnliches wie Wikinger», antwortete Naoki und sah Chiyoko an.
 

«Sie sehen sich die Hütte an und gehen zur Tür.» «S-sie kommen rein?!», fragte Chiyoko, ließ Naoki aber keine Zeit zu antworten, sondern stellte eine weitere Frage. «Kann ich mich verstecken?»

«Wenn du willst. Wo willst du dich verstecken?», antwortete er.
 

«Willst du nicht lieber abhauen?», fragte Tatsumi und Yumiko meldete sich zu Wort.

«Das machen doch nur Feiglinge. Kämpfe gegen sie!»

«Bist du überhaupt bewaffnet?», warf Ryozo ein und auch Ayumi schlug etwas vor. «Vielleicht wollen sie nichts Böses. Warum sprichst du nicht einfach mit ihnen?»
 

Chiyoko schaute abwechselnd zu ihren Mitspielern und hörte sich alle Vorschläge an, bevor sie sich Naoki zuwandte. «Spreche ich ihre Sprache?», fragte sie und Naoki nickte. «Sie haben ihre eigene Sprache, aber die Welt spricht eine gemeinsame Sprache. Willst du mit ihnen reden?», fragte Naoki und versuchte Chiyoko zum Handeln zu bewegen. «Ich denke schon», sagte sie und Ayumi lächelte, weil Chiyoko ihren Vorschlag angenommen hatte.
 

«Moment», warf Tatsumi ein und hob mahnend die Hand. «Sie wurden gerade als grausam und skrupellos beschrieben. Das klang für mich nicht nach „sie tragen Konflikte gewaltfrei aus“.» «Ach, komm schon, Tatsumi! Man kann sich auch wegen allem in die Hose machen!», kommentierte Yumiko und wandte sich Chiyoko zu. «Rede mit ihnen und wenn sie dir dumm kommen, schlägst du ihnen auf die Fresse!»
 

Chiyoko hörte sich alles an und traf eine Entscheidung. «Ich rede mit ihnen», sagte sie und Naoki nickte.

«Du verlässt also den Raum?»
 

Diesmal funkte Ryozo dazwischen.

«Warte. In dem Zimmer sind doch Waffen, oder? Bewaffne dich erst einmal, dann hast du wenigstens schlagkräftige Argumente», schlug er vor und Chiyoko nickte.
 

«Du hast recht», sagte sie und wandte sich Naoki zu. «Kann ich die Waffen nehmen und vielleicht auch die Rüstung? Oder was trage ich aktuell?», fragte sie.
 

«Du trägst normale Kleidung.» «Oh! Dann nehme ich die Waffen und ziehe die Rüstung an», teilte Chiyoko mit und Naoki griff neben sich. Er zog eine Karte hervor, die wie eine gewöhnliche Spielkarte aussah, und gab sie Chiyoko.

«Wie cool! Da ist ja eine Zeichnung drauf », sagte sie und machte sich Notizen auf ihrem Charakterbogen.
 

«Die Werte stehen auf der Rückseite», sagte Naoki und wartete einen Moment, bis Chiyoko alles eingetragen hatte. «Bereit?», fragte er schließlich und erhielt ein Nicken von Chiyoko.
 

«Ja. Jetzt verlasse ich das Zimmer.» «Gut, du verlässt das Zimmer und in diesem Moment siehst du die Haustür auf dich zukommen. Die Männer haben sich gewaltsam Zutritt zu deiner Hütte verschafft und als sie dich sehen, ziehen sie ihre Äxte und machen sich kampfbereit», schilderte Naoki ihr, was passierte und Chiyoko sah ihn mit großen Augen an.
 

«W-was?», fragte sie leise und Naoki lächelte charmant. Plötzlich änderte sich sein Gesichtsausdruck und wurde finster. Er verstellte seine Stimme und klang wütend. «Wer bist du denn?!»
 

Chiyoko brauchte einen Moment, um sich zu fangen. Sie hob beschwichtigend die Arme und sprach mit ruhiger Stimme zu ihm.
 

<M-mein Name ist Cenna und ich wohne hier»
 

Es wurde still, bis Ryozo und Tatsumi amüsiert zu lachen anfingen. Auch Naoki hatte mit so einer Antwort nicht gerechnet und musste sich anstrengen, um in seiner Rolle zu bleiben.
 

«Ich wohne hier! Ich kann nicht mehr! Das ist zu gut!», wiederholte Yumiko Chiyokos Worte und fing ebenfalls an zu lachen. Naoki nutzte den Moment und tippte auf seinem Smartphone herum, woraufhin sich die Musik in der Bar änderte. Es war ein rockiger Beat und die Klänge einer elektrischen Gitarre, eines Schlagzeugs und eines Basses waren zu hören.
 

«Warte mal! Ist das Kampfmusik?!», fragte Chiyoko, die sich erst umschaute und dann besorgt zu Naoki sah.
 

«Ja.»
 

«Und damit beginnt der erste Kampf», fügte er hinzu.


Nachwort zu diesem Kapitel:
Das ist der Prolog zu meiner Fanfiction! Wie ersichtlich, wird es ein Pen & Paper Abenteuer der Rotten Grace Charaktere! Im kommenden ersten Kapitel erwartet euch die erste Abstimmung und ab da an, könnt und dürft ihr bei der Geschichte mitwirken. Es gibt zwar einen festen Storystrang und man kann nicht auf alles Einfluss nehmen, doch sind manche Entscheidungen, die ihr trefft, ausschlaggebend für das Abenteuer und die dort enthaltenen Charaktere!

Ich bin „neu“ im Fanficition-Game und es ist meine Allererste. Ich bemühe mich, mit viel Sorgfalt vorzugehen und bestmöglich alle Fehler zu beseitigen, um die Geschichte angenehm lesbar zu machen. Natürlich werden mir die ein oder anderen Fehlerchen entgehen und ich danke bereits vorab für euer Verständnis.

Vielleicht finde ich über die Zeit einen Lektor, jedoch schreibe ich die Geschichte über die Feiertage und möchte da niemanden mit Arbeit belasten. Ich bleibe aber dran, jemanden zu finden.

Ansonsten bleibt zu sagen, dass ich mich sehr auf diese Geschichte freue und hoffentlich nicht nur ein Schmankerl für treue Rotten Grace Leser erschaffen kann, sondern auch den ein oder anderen für das Hobby Pen & Paper begeistere. Es ist eine richtig schöne Leidenschaft und ich kann sie aus bestem Gewissen und vom Herzen empfehlen.

In diesem Sinne: ich wünsche euch Frohe Dungeon-nachten! Bleibt gesund und genießt die Feiertage! Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Erst wollte ich in diesem Kapitel mit der Charaktererstellung beginnen, dann bekam ich aber Lust die Eheleute Ozaki mit einzubauen, da sie im Manga ein bisschen zu kurz kommen werden. Wie leider die meisten Nebencharakter. Dafür gibt es jetzt aber glücklicherweise diese Geschichte.

In diesem Kapitel haben wir die erste Umfrage!
°˖✧◝(⁰▿⁰)◜✧˖°

UMFRAGE 1: Welches Geschenk hat Ryozo den drei Harashi Geschwistern besorgt? Wählt aus folgenden Optionen:

1-A: Es ist ein Gutschein für ein Fitness-Studio
1-B: Es sind Socken mit hässlichem Motiv
1-C: Er war ausnahmsweise „kreativ“ und hat ein lustiges Schnaps-Glas-Set besorgt

Ihr könnt bis Mittwoch, den 1.1.2025 abstimmen.

Ansonsten verabschiede ich mich in den letzten Feiertag und werde nächste Woche Freitag ein neues Kapitelchen hochladen. Ich bedanke mich bereits jetzt für das Favorisieren der Geschichte ❤

Ich weiß ja, wie schwer es ist, im Alltag das Lesen von Geschichten irgendwie unterzubringen und da weiß ich jegliche Resonanz sehr zu schätzen!


PS: ich arbeite derzeit bei Dialogen mit HTML "«". Sollte euch das beim Lesen stören, stelle ich das gerne auf die typischen Anführungszeichen um. Sagt mir dann einfach Bescheid! Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Leider hat sich dieses Kapitel durch einen gesundheitlichen Totalausfall verspätet. Danke, für euer Verständnis!

Die Umfrage dieses Kapitels greift stärker in das Geschehen ein. Habt trotzdem keine Scheu!

UMFRAGE 2: Wer bekommt welche Macke? Wählt aus folgenden Optionen und schreibt den Charakternamen dahinter. (Beispiel: Name/1)

Die Charaktere:
Ryozo
Ayumi
Tatsumi
Yumiko
Chiyoko

Die Macken:
1: Kleptomanie
2: Aberglaube
3: schlechter Orientierungssinn
4: Gedächtnisschwäche
5: Liebestoll

Diese Umfrage läuft bis zum 15.01.2025.

Und zum Schluss: vielen Dank fürs Lesen! (╯✧▽✧)╯
Ich habe noch ein niedriges Level beim Schreiben und lerne mit jedem neuen Kapitel dazu!
Freue mich also darüber, wie man mich beim Aufleveln begleitet! Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Oh no! Ich habe beim Upload die Umfrage vergessöööööön! NARGH! (;´༎ຶٹ༎ຶ`)
Neben einem weiteren verkackten Upload dank Krankheits-Debuff!

Nun gut!
Hier die Umfrage:
Schafft Ryozo die Liegestütze oder nicht?

Abstimmung läuft bis 29.01.2025!

PS: Vielen Dank für euer Verständnis den Upload betreffend. Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Erneut habe ich es nicht geschafft pünktlich hochzuladen. Ich schaffe das noch! Ganz bestimmt XDDDD

Vielen Dank fürs Lesen! Hier die Umfrage dieses Kapitels für all diejenigen, die mitentscheiden wollen:

Umfrage:Ryozo hat die Macke Liebestoll und wird in seinen Prolog ein paar Personen begegnen. Er wird sich oft und intensiv „verlieben“ (und wieder entlieben) und die erste „große Liebe“ könnte bereits in seinem Prolog sein. Folgende Personen stehen zur Auswahl:

A: Tatsumi (Mitspieler)
B: Yumiko (Mitspielerin)
C: eine Art „Ausbilder“ (random NPC)

Lasst es mich gerne bis zum 05.02.2025 wissen.

In diesem Sinne danke ich allen für die Aufmerksamkeit, die diese Geschichte bekommt. Egal ob leise oder laut, ich freue mich sehr darüber!

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende. Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Die letzte Umfrage war eine "eschd knappe Gschischd", um es mal so zu formulieren. Jedes Mal aufs Neue sehr spannend! Danke dafür.

Ich habe es mal pünktlich geschafft ein Kapitel hochzuladen! (╯✧▽✧)╯ Wup! Wup!

Da es mir zu „lang“ erschien (höhö. Zu LANG und zu DICK), habe ich es gesplittet. Aus diesem Grund gibt’s diesmal keine Umfrage. Man darf mir trotzdem gerne schreiben, was man an Ryozos Stelle im Prolog getan hätte.

Und natürlich ein fettes Danke an alle, die diese Geschichte hier lesen. Obwohl ich beim Schreiben noch leveln muss und fleißig, but slowly, EXP sammle, finde ich es spitze, dass ihr mich auf dieser Questreihe begleitet!

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Wochenende und wir lesen uns am Mittwoch wieder! Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Was haben wir denn da? Etwa ein PÜNKTLICH hochgeladenes Kapitel zum Freitag?
Eigentlich dachte ich beim Schreiben und dem Blick auf die Anzahl der Wörter „Wow, ist das viel!“, dann aber bemerkte ich, es ist nicht wirklich viel passiert. Betrachtet es also als kleinen Snack zwischendurch.

Diesmal habe ich auch wieder eine Umfrage im Angebot! Sie wird zwar erst ein bisschen später relevant sein, aber das tut ja nichts zur Sache!

Für welche Option soll sich Ayumi entscheiden?

A: Die liebreizende Zwergenfrau
B: Benji
C: Der Trunkenbold

Schreibt es mir gerne bis zum nächsten Mittwoch (19.02.2025) in die Kommentare, wenn ihr bei dieser Umfrage mitmachen wollt.
Selbstverständlich freue ich mich auch immer sehr über Feedback jeglicher Art! Ob mit Bezug auf die Geschichte oder aber was ihr an Ayumis Stelle getan hättet.

PS: Incharakter Dialoge formatiere ich in „kursiv“. Ich hoffe das hilft ein wenig zu unterscheiden, wer etwas sagt. Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
*pustet Staub von der FF*

Noch jemand da? XDDDDDDD
Hat zwar gefühlt eine Ewigkeit gedauert, aber hier ist das neue Kapitel. Ich bemühe mich der Besserung ebenso zuverlässig zu werden, wie ich es bei Mangaseiten bin.

Ich habe sehr gestruggelt und habe mich mit dem Streben nach Perfektionismus erfolgreich demoralisiert. Dank ausgiebigen Selbstreflektieren kam ich zu dem Schluss, dass die Geschichte Spaß machen soll, und zwar für alle. Für euch, für mich und für die dreiköpfige Hydra.
Ein paar Fehlerlis seien also verziehen und werde peu á peu ausgebessert.

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Kapitel!

(Umfrage habe ich keine, aber man darf mich jederzeit gerne wissen lassen, wie ihr euch als Spieler in der jeweiligen Situation verhalten hättet. Oder wir wetten mal ein bisschen: Wer glaubt ihr, stirbt zuerst?) Komplett anzeigen

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Kommentare zu dieser Fanfic (59)
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Von:  mjeera
2025-03-31T17:24:10+00:00 31.03.2025 19:24
Ooooh! Ich freue mich, dass es wieder weitergeht!
Yumiko ist so süß, wie sie immer über Chiyoko fangirlt *_* Aber ich kann sie da sehr gut verstehen, ich mag ihre Art auch total! Und Falki ist der süßeste Name ever!
Naoki als Spielleiter scheint wirklich gut zu sein. Er hat ja auch hier in dem Kapitel direkt gesagt, dass in so eine Spielvorbereitung viel Zeit und Mühe einfließt. Und dass er darauf reagiert, dass schon in den Charakterprologen so viele kritische Misserfolge gewürfelt werden, finde ich auch fair. Sonst wird das Spiel für die Neulinge vielleicht schnell frustrierend. Aber dagegen helfen ja auch Benjis Heiltränke. Mal sehen, wie viele davon noch in Chiyoko reingehen müssen xD
Als Ryozo mal seine sonst so große Klappe gehalten und sich einfach mit dem Rätsel beschäftigt hat, war mir schon klar, dass er es knacken würde. Er ist eben auch wenn er es nicht gerne zeigt ein helles Köpfchen! Chiyoko hätte es vermutlich auch mit ein bisschen Überlegen herausbekommen, aber sie wirkte seit dem kritischen Misserfolg sehr verunsichert und hat sich immer wieder auf hastige Einfälle von Yumiko eingelassen und fragt nur noch in die Runde, was sie tun sollte. Ich bin mal gespannt, ob diese Dynamik im weitere Spielverlauf bestehen bleibt oder ob Chiyoko sich doch so langsam wieder ins Spiel einfindet. Vermutlich muss sie mal in Kürze auf Ayumis Charakter treffen :> Aber jetzt muss sie zuerst den Kampf überstehen. Ich habe keine Ahnung, wie ein Kampf bei so einem Pen-and-Paper-Spiel abläuft, also bin ich sehr gespannt darauf!
Ach ja, ich finde das Kapitel liest sich wirklich gut durch! Und ich freue mich, wie sich alle bei ihren Tipps innerhalb des Spiels treu bleiben. Überhaupt gefällt mir der Wechsel zwischen Spielphasen und Spielpartymomenten, sehr schöne Abwechslung!
Antwort von:  P3rilN0x
01.04.2025 08:18
(⁄ ⁄•⁄ω⁄•⁄ ⁄) Freut mich, dass du dich freust uuuuund auch dieses Kapitelchen gelesen hast ❤
Es ist immer wieder unglaublich, wie gut du die Charaktere einschätzt und die ganzen Nuancen bei den Interaktionen siehst. Das wird mir beim Schreiben sehr helfen. Ich dachte ja erst, man würde Chiyoko für allgemein unsicher halten, dabei war es nur der erfolglose Wurf. Hachja~ Toll, dass es wahrgenommen wurde, was so ihre kleine "Quest" wird beim Spielen.

Vielen lieben Dank für deinen umfangreichen Kommi und die lieben Worte! ( ´ ꒳ ` ) ♡
Von:  DuchessOfBoredom
2025-03-30T19:13:30+00:00 30.03.2025 21:13
Oha, na da ist Chiyoko ja direkt in was Größeres reingestolpert ;D Im wahrsten Sinne des Wortes XDDD

Ich bin ja mal gespannt, wie sie sich im Kampf schlägt und ob ihr vielleicht jemand oder etwas zu Hilfe eilt, denn es sieht im Moment nicht so aus, als würde sie mit den zwei nordischen Schränken (jetzt klingt es als würde sie gegen Ikea-Möbel kämpfen, lol) alleine fertig werden.
Und Falki ist halt echt ... naja, besser als nichts, I guess ;D Erinnert mich an die Boaty McBoatface-Geschichte, also insofern ists schon fast wieder cool ;D

Schon verständlich, das mit der Hydra, wenn die Leute keinen Bock aufs Abenteuer haben, kann mans auch echt lassen. Und voll schön, wie Benji immer von der Seitenlinie mithilft ;) Bin schon gespannt, wie er dann in Ayumis Storyline wieder eingebunden wird <3

Soll Aquila eigentlich Kohaku sein? Ich glaube, er war ja als ihre wichtige Person am Anfang genannt worden, wenn ich mich recht entsinne und mit den Katzen würde es ja auch passen ;D Kohaku als heißer Elf, das könnte ich mir sehr gut vorstellen, oh ja :3

Freu mich schon aufs nächste Mal, egal, wie lange es dauert <3 Ich kenn das ja von mir selber: Am wichtigsten ist, dass man selbst mit seinem Machwerk zufrieden ist. Ich hab das schon gehabt, dass ich ein Kapitel hochgeladen hab, so halb gefrustet à la "Ach fuck it, besser wird's nicht mehr" und dann überhaupt nicht happy damit war und es am Ende nochmal großflächig überarbeitet habe. Seitdem höre ich da echt auf mein Bauchgefühl und erst, wenn das sagt, dass ich zufrieden bin, wird hochgeladen. Also nimm dir so viel oder wenig Zeit, wie es nun mal braucht, damit du glücklich mit dem Ergebnis bist und dir soweit möglich auch der Prozess Spaß bringt. :)
Antwort von:  P3rilN0x
31.03.2025 07:02
Dieser Ikea-Möbel Witz ist on point! Man merkt einfach, du bist eine Meisterin der Worte XDDDDDD
Würde den echt gern in die Story einbauen, aber Ikea. Marke eben. Arghhgh! Obwohl.. Starwars war ja auch mal drin.

Zu Aquila: Das ist (noch) nicht Kohaku, aber Kohaku wird etwas mit ihm zu tun haben. Das kann/darf ich bestimmt schon verraten. („ಡωಡ„)

Vielen lieben Dank für dein Mitgefühl und Verständnis. Und natürlich den "Pepp-Talk". Ich weiß nicht wann und wie sich das Gefühl beim Schreiben ergeben hatte, aber ich hatte diesen "Es muss alles perfekt sein"-Drang. Dabei ist das Schreiben ja ein neues Hobby für mich und ein Hobby sollte ja Spaß machen. Es fühlte sich dann kurz wie "Arbeit" an und als renne ich einem Anspruch hinterher, der gar nicht an mich gestellt wird. Doch zum Glück bin ich da wieder raus aus der Denkweise und starte jetzt mit neuer Energie in die Kapitel!

Vielen lieben Dank für deinen umfangreichen Kommi zu dem Kapitelchen. (´,,•ω•,,)♡
(auch wenn ich lustigerweise unnötig nervös werde, wenn du kommentierst. Weil der profi guckt ja drüber. Abeeeer keine ahnung woher dieser Ehrfurcht kommt XDDDDDDDDD du würdest sicherlich nicht meinen Kopf zwischen zwei Toastscheiben packen und mich anschreien: "ACHTE AUF DEN IMPERATIV!!!!". Ok, als Comic wäre diese Szene lustig).
Antwort von:  DuchessOfBoredom
31.03.2025 07:33
Haha, ja, das ist alles eine Frage der Balance und das entwickelt sich auch. :)
Es sollte unbedingt Spaß machen, das ist die Hauptsache, ist ja Hobby und keine Arbeit hier.
Und ich bin ja nicht Duche, der hätte das mit den Toastscheiben bei Sabrina sicher gerne gemacht XDDD Meinen inneren Lekor versuche ich nur rauskommen zu lassen, wenn ich explizit danach gefragt werde ;)

Zum Perfektionismus: Da fand ich diesen Post super spannend: Da wird ganz unten so eine Kurve aufgemalt, wenn du einen neuen Skill entwickelst, wie eben Schreiben oder Zeichnen, wie sich dein Skill im Verhältnis dazu entwickelt, wie du Kunst bzw. dein eigenes Zeug siehst. Und da gibts dann halt immer so Plateaus, wo man nicht zufrieden ist, weil die Seh-Fähigkeit den Skill kurzzeitig überholt hat, aber das gleicht sich dann halt wieder aus. Also das auch als kleines Gegenmittel zum überbordenden Perfektionismus bzw. zur Unzufriedenheit mit dem eigenen Schaffen ;)
Von:  Raven22
2025-03-30T14:53:05+00:00 30.03.2025 16:53
Äääähm, two? Also zwei und ne halbe Hydra?! XDDDD Die Vorstellung. Oje, das klingt ned gut, also für die Chars und ich werde es lieben das zu lesen~

Naaaw, er ist auch sehr nett~ Naaaw~ Ich mein, ich denke Ayumi bevorzugt wenn dann eher weibliche Gesellschaft~ Aber Benji ist halt auch ein ruhiger, angenehmer Typ. Das mag ich, dass sie das so zusammenfasst.
Wow… die Jungs. ‘Ich mag Alkohol nicht’-> straight zur Bar. Also Jungs ey… Nicht, dass ich was gegen trinken generell hab, aber halt zum Genuss, ned zum betrinken. Ned, dass sich sich betrinken wollen bzw. werden, dennoch. Sowas macht man doch taktvollerweise ned, wenn gerade jemand sagt, er mag das nicht. Jungs ey. Ayumi machts aber auch spannend gerade mit der Entscheidung.
Ach Gottchen, sogar pro und contra Punkte?! Sie nimmt das Spiel nach wie vor viel zu ernst, die Liebe. Aber andererseits, das können großartige Spieler werden, weil sie dann zu ihren Entscheidungen stehen und das spielerisch und auch schauspielerisch durchziehen, weil sie dahinterstehen.

My Lady klingt zwar neckisch, aber doch nett und galant, ich mag das . XDDD
Ich denke, Ayumi hat den Trunkenbold samt Option gestrichen nach Ryozos und Tatsumis Aktion und ich kann es soooo gut verstehen, weil wenn einem was unangenehm ist, und zwar so richtig, warum sollte man sich dem freiwillig aussetzen und durchspielen wollen. Neee, sie soll ja Spaß haben und sich ned quälen.
Und stimmt, war nie gesagt, dass es Yumiko sein könnte. Kopf hoch Ayumi, lass dich ned ärgern! XD
Und Yeah, Benjiro ist der Mann der Wahl, Juchhu~ Ich freu mich darüber. Und er kann eine dreiköpfige Hydra besiegen… Ok, das ist ein RIESEN-Pluspunkt.
Und haha, Sauklaue~ Wir kennen und liebe sie alle~
Öh, stimmt, kann Binjiro das nun oder kann er es nicht? XD Tja, Herr Spielleiter, dass müssen sie entscheiden, ob er das kann würde ich sagen~
Und oh Gott, Chiyoko, eindeutig ein RPG.Trauma, eindeutig! Aber haben wir das nicht alle mit diversen Insidern?! XDDD Brunnen, Treppe, Hydra, Pumas, Ketten, Omas, Opas, was kann man da alles schon aufzählen! XD

Ahhh, ohhh, ok, SO eine Art von Hydra-Katze. Ich würde es eher den Zorn des Spielleiters nennen. XDDDD Aber ok. Ich würde sagen, der Tod war sehr verdient. Haha, Ryozo und Naoki geben mir Recht~ Sehr gut.
Naaaw, genau, das wird dir hier ned passieren Chiyoko. Nur Tatsumi evtl. Aber dir ned. XD
Und ja, so Spieler sind echt besch… Dann können die auch gleich wegbleiben und der Spielleiter macht mit dem Spieler, der wirklich spielen will ein Soloabenteuer, spontan, aber eben mit Spaß und die anderen können gehen oder Erdnüsse knabbern.

Hahahaha, aufgestanden und Ruh is~ Sehr sehr gut~ Ich mag die Dynamik sehr. Ned zu arrogant werden ihr Lieben, gel~ Ich stell mir auch grad vor, wie Benji sich einfach auf Yumiko draufsetzen könne und sie zerquetscht XDDDD Allein das wäre evtl schon sehr effektiv~
Wer eine dreiköpfige Hydra schlachten kann, jooo, der hat schon Kraft und wenn die sich gegen einen richtet, dan tjaaaa. Aber warum sollte es das? Ayumi ist ja lieb.

XDDDD Chijoko ey. Falki XDDDDD Ok, dann Falki.
‘Spaß’ mm-hmm… klar Tatsumi. Ich stimme Yumiko zu, der Name ist süß. Und wie soll der Vogel denn auch sonst besser heißen?! Falkner von und zu Federvieh an Lichtenstein? Macht doch keinen Sinn.
Interessante Backgrounstory mit dem Ziehvater und den Namen. Das ist ein cooler Reisegrund.
Und ich feier immer noch dem namen Kohorn~ XD Der ist zu gut.
Bijan-> Benji, voll gut. XD Das gefällt mir.

Bei ‘Was tust du’ krieg ich ein bisschen Gänsehaut! XD
Das mit dem englisch ist elfisch ist ne saucoole Idee.
Der Keksspruch stimmt auch denke ich zu 100%! Würde ich so unterschreiben… und verdammt, jetzt will ich kekse! XD
Und wieder wie gut, das aufgrund dieser Nachricht ein Schlüssel in einer Keksdose sein könnte, ich liebs! Das ist so kreativ~
Ich hätte die Kekse in eine Schüssel geschüttet, zum direkt essen. XDDD Oder wenigstens in einen Proviantbeutel. XD
Edward mit der Keksdosenhand XDDDDD Oje, die Arme. Erinnert mich auch an Michel aus Lönneberga mit der Suppenschüssel auf dem Kopf. Und so leid mir das für die Schüssel tut… sie muss sterben, für die Story und den Schlüssel bzw. das Kästchen.

XDDDD Stirb, du DOSE! XDDDD Herrlich, genau so!
XDDDDD Ein Text-Mathe-Katzenrätsel XDDDD
Ich höre die Siegesmedlodi! Dam da da DAAAAA XD Ich glaube, auf die Lösung wäre ich eher nicht gekommen. Gut gemacht Ryozo, wirklich. Bin beeindruckt.
Ich bin so halb halb auf der eseite von den Chars. Ja, es ist seine Privatsphäre. Aber vielleicht ist er tod… und sie möchte ihn finden bzw. vielleicht doch noch retten. … Am Ende hat er Cennas Eltern umgebracht! XD Ich spekuliere wieder…
Ich würde nach all der Mühe reinzugehen auch gucken, was herauszufinden ist.
Wie gut Naoki einfach das mit den Zetteln und Briefen und Schriftstücken einfach gemacht hat. Liebevolle Vorbereitung, super sowas! Ein Toast auf den SL~

Ach ja, die kritischen Misserfolge im entscheidenden Moment XDDD Wir lieben und hassen sie gleichermaßen. Ebenso wie die kritischen Erfolge bei random Stuff.
Boah, heiße Schoki mit Sahne für ne 1?! Ok, so scheiße sind MIsserfolge doch nciht. XDDD

Aaaach du meine Güte. Hmmm, also reden mit Leuten, die generell eher als Grausam und skrupellos bezeichnend sind… neee. Verstecken… und wenn sie dann ins Haus kommen und dich finden?! Ich denke da an Spinte und Kettensäge… Ne, ich glaube, ich wäre abgehauen und hätte versucht zu beobachten und zu lauschen. Und auch mich bewaffnet zum verteidigen.
Aber wie cool, und ein bisschen Mitleid mit Chiyoko, direkt ins kalte Kampfmesser gestupst und die einser ey~ XDDDD Aber es macht so Spaß und ist spannend.
Ich freu mich zu lesen, wie sie es schafft da rauszukommen~
Der Storyteil mit den Drachenaugen und diesem Drachenkönig ist auch cool, sie hat eine epische Einstiegsgeschichte bekommen.
Und ich wohne hier stimmt doch einfach XDDD Was soll sie anderes sagen?! XD Ich glaube, das hätte von mir sein können die Begrüßung. XD

Sehr sehr schön, ich freu mich auf meeeeehr! XD

Ich glaube nach wie vor, Tatsumi wird zuerst ins Gras beiße XD Trotz Erfahrung im spielen, einfach weil machmal so arroganz oder der Humor bestraft wird~
Oder Yumiko oder Ryozo, weil sie doch zu krass und zu schnell zu gedankenlos drauflosstürmen. Yumiko hätte Chiyoko auch fast das Öffnen der Schatulle versaut mit den Vorschlägen ohne nachzudenken.
Chiyoko spielt super, ist schön in der Rolle~ Ich hoffe, sie tritt den Typen richtig schön in den Hintern~ Das ist auch gut fürs Selbstbewusstsein und Ayumi sieht ja, die sind böse. Böse, die einen Angreifen darf man bekämpfen~
Antwort von:  P3rilN0x
31.03.2025 06:55
Ich finde es so cool, dass du deinen Kommi in so Abschnitten geschrieben hast und ich zu jedem Part des Kapitels quasi deine Gedanken sehen kann. Sehr, sehr cool! Und natürlich auch eine wundervolle "Belohnung" für das Schreibseln. Besonders, wenn man zuvor gestruggelt hat.

Interessante Einschätzung die "eventuell Tode" betreffend. Bzw. Gute Wahl XDDDDDDD
Wobei Naoki vermutlich wie ich als SL sein wird und den ein oder anderen Fehler verzeiht oder bei zu viel Unglückswürfen beide Augen zudrückt.

Ich bin mal gespannt ob ich Ryozo noch ein bisschen besser präsentieren kann. Ja, er trifft schnell Entscheidungen und spielt eher risikoreich, doch als gedankenlos würde ich doch eher Yumiko einordnen. Sie ist mehr der Troll im Spiel. Wollte aber auch eine ausgewogene Spielergruppe, bei der nicht alle Spieler super mega perfekt sind. Sowas wäre ja auch langweilig. Doch in Taverne rumchillen wirds nicht geben. Will nicht wissen, wie viele SL sich mit sowas rumquälen mussten.

Auf jeden Fall tausend Dank für deinen schönen Kommentar. Das motiviert gerade sehr! (⁄ ⁄•⁄ω⁄•⁄ ⁄)
Von: Kruemelteemonster
2025-02-28T11:20:11+00:00 28.02.2025 12:20
Es Ist schon etwas süß, wie nervös sie anfangs ist. XD Denke aber, das gibt sich noch.
Wenn sie als Kleriker so powerful ist, ist sie auch ziemlich badass als Supporter. 0.0 Die schönste Frau der Stadt.. gönn ich ihr. XD
Bei Vampire gibt es ja auch das Attribut Aussehen, was man von 1 bis 5 Punkte steigern kann. Und je mehr Punkte man da hat, desto eher sind Leute einem geneigt, Dinge zu glauben. Classic Pretty Priviledge halt. Aber kann nützlich sein. Ich weiß aber nicht, ob es das auch in D&D gibt.
Yuserio hat sich also den Posten gekauft, ja?
Hahaha, „je höher, desto besser?“ - „Jepp.“ - „4.“ - „Perfekt!“ - „Dafuq!?“ XDDDD
Ayumi verändert ungewollt die Regeln. XDDDD
Wie Ryozo bei jeder sich bietender Gelegenheit etwas töten will. XDDDDDD
God has spoken! 0.0 Hauptsache, Ayumi ist sehr gläubig und sehr abergläubig. Wenn Gott zu dir redet, dann stehst du erst mal ziemlich verdattert da herum und wunderst dich. Vermutlich betest du dann noch intensiver. XDD Religion 20 einfach. XDD
Wie sich einfach alle gegenseitig nervös machen, nur ob man aus dem Raum gehen sollte. XDDD
Und Chiyoko hat bei einem Klirre direkt wieder Doomsday vor sich. XDDDD
Ich finde es sehr süß, dass Tatsumi von „kleine Eidechse“ zu „kleine Elster“ aufgestiegen ist.
Die nonverbale Kommunikation zwischen den Geschwister ist echt schön. Da sieht man, dass sich dich beiden eigentlich sehr nahe stehen und auch ohne Worte verstehen. Das mag ich sehr.
AHAHAHAHA, OMG!! XDD Wie sie den kleinen, armen, unschuldigen, von irgendjemandem ohne Einverständnis geworfenen Rubin mit dem Stuhl pulverisiert. XDDDD Der arme Rubin!
Warum muss ich bei Merkura jetzt an Maria denken? D:
Ich habe die Gesichstausdrücke von Aelia/Ayumi so richtig vor mir: Oh, ein Brief? - mit so einem putzig neugierigen Ausdruck in den Augen. Und dann kommt die Info, dass er von Schleimischleim Yusario ist und sie aussieht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen und wäre dabei auch noch in Hundescheiße getreten. XDDDD
Die Story geht weiter und sie soll zur Handelsgilde. Aber mein Kopf fragt sich immer noch: WO KAM DER RUBIN HEEEERRR!??? XDDDDD Wo kam er heeeeer??? XDDD Wie ist er in den Spiegel gedotzt?! Hallo!? Ruby-chan?? XDDD
Ob wir wirklich nie erfahren werden, was Schleimi geschrieben hat? Ich glaube, er ist der Typus Mensch/Person, der es dir auch ungefragt so erzählen wird. XDD
Der Ruuubiiiiiin ist viel schlimmer!! DDD:
Ok, Tatsumi ist ein Schurke, bevor er Schurke wurde. XDDD Er sieht immer direkt eine Gelegenheit, irgendwas zu stehlen. XDD

Ich meine, es ist zwar eh zu spät, aber irgendwie fände ich es lustig, wenn sie die Zwergin wählt und es NICHT Yumiko ist, weil Naoki das Wort „liebreizend“ nicht für seine Schwester nutzt. XDDDD
Von:  _Raphael_
2025-02-20T13:51:25+00:00 20.02.2025 14:51
b
bin für b
Antwort von:  P3rilN0x
23.02.2025 18:45
B wie Robbi
Hehe
Von:  mjeera
2025-02-20T12:22:18+00:00 20.02.2025 13:22
Aw, die arme Ayumi! Bei ihrem Prolog habe ich mit ihr mitgefiebert. Am Anfang fiel mir auf, dass sie sehr ausdrucksstark zu sein scheint, wenn sie mit ihrer Nervosität auch routinierte Spieler wie Naoki anstecken kann. Auch Chiyoko wird ja über ihre Unsicherheit beim Spielen nervöser. Als Ryozo es dann war, der seine Sis beruhigen konnte, ging mein kleines Herz auf *_*
Insgesamt schien Ayumi deutlich besser in ihre Rolle hineinzufinden als ihr Bruder, was vermutlich daran liegt, dass sie sich mehr mit den Ähnlichkeiten identifizieren konnte. Aber eigentlich war ihr Spielstil dann doch gar nicht so fernab von Ryozos, immerhin hat sie sich bei dem Brief gar nicht beirren lassen und ihn einfach eiskalt weggeworfen, ganz egal, was die anderen auch sagten. Sehr mutig und konsequent!
Jetzt freue ich mich auf den nächsten Prolog. Ich vermute, jetzt kommt zur Abwechslung ein erfahrenes Mitglied der Spieltruppe dran, also vermutlich Tatsumi oder Yumiko. Oder geht Naoki hier streng nach der Reihenfolge von Laie zu Profi?
Ich glaube, für Ayumis Umfrage würde ich mich für Benji entscheiden, weil ich dabei am wenigsten vorhersehen kann, wie er sich ins Spiel einfügt.
Antwort von:  P3rilN0x
23.02.2025 18:45
Mein Herz ging bei der Ayu/Ryo Szene ebenfalls auf. Höhöhö 💜
Freut mich mega, dass du "aufgeholt" hast und mit so viel Mühe und Wertschätzung die Kapitelchen kommentierst 🌻
Ist extrem spannend zu lesen, wie die Sicht eines "Nicht-Spielers" auf die Story ist. Da werde ich mir die ein oder anderen Notizen machen, sollte mal was unklar sein das Regelwerk betreffend.

Und natürlich ein fettes Danke dürs Abstimmen!
Hänge leider mit einem Kapitel hinterher, aber Ayus Plot geht ja ohnehin erst später weiter.
Von:  mjeera
2025-02-20T09:44:25+00:00 20.02.2025 10:44
Super Kapitel! Ich war nicht sicher, wie die Story für mich sein würde, sobald das Spiel dann wirklich losgeht, weil ich ja selbst unerfahren mit dem Spiel bin. Durch diesen Prolog und dadurch, dass die Truppe hier mit dem Prolog eines Neulings startet, kommt man aber wirklich gut rein. Ryozo als Adligen zwischen derber Umgangssprache und gereimten Schmeichelworten zu erleben ist jetzt schon eines meiner Highlights! :‘D
Und ooooh! Dass das mit dem Love Interest hier gleich so gut kommt, hätte ich nicht gedacht! Ich bin begeistert, wie toll du die Ergebnisse der Umfragen in die Geschichte einbringst, denn sie ändern ja nicht nur kleine Details, sondern zum Teil wohl auch den gesamten Spielhergang. Ich frage mich, wie du das alles so schnell mit so einer heftig tollen Qualität hinbekommst. Ich kann immer wieder nur staunen :O
Jetzt freue ich mich auf Ayumis Prolog! Und yay, bald habe ich zum aktuellen Plot aufgeschlossen und kann mitabstimmen :D
Von:  mjeera
2025-02-20T07:58:03+00:00 20.02.2025 08:58
Haha, okay, Ryozo kann sich zumindest etwas Bonus erkämpfen! Auffällig, wie Benji in der Szene „fehlt“, obwohl er da ist. Er muss wirklich ein schweigsamer Kerl sein und wohl auch von den Bewegungen her sparsam (verständlich, wenn er sonst viel zeichnet, da hält man den Körper ja möglichst ruhig). Ich gestehe, im Comic habe ich sein Schweigen manchmal als Verlegenheit in Ryozos Anwesenheit gehalten (Ausschlussprinzip, weil Naoki und Tatsumi konnten es nicht sein) und dachte schon, da wären Gedanken und Gefühle, die sich noch ergründen lassen müssten. Nach diesem Kapitel hier glaube ich aber, das ist einfach seine Art.
Ich fands gut, dass durch Naoki noch mal die Rollen der Charas zusammengefasst wurden, das war eine super Wiederholung, um sich das noch mal alles zu vergegenwärtigen.
Mega lustig übrigens auch das Hin und Her mit Yumikos Axt. Zu gut, wenn es der diebische Tatsumi-Chara gemopst hat xDDD
Ich freue mich sehr auf Ryozos Prolog!
Bei der Umfrage hätte ich für einen „Ausbilder“ gestimmt. Kann mir vorstellen, dass die Liebestollheit zwischen Ryozos Chara und denen der anderen Mitspielenden besonders lustig werden könnten, wenn man mehr darüber weiß, wie sie in dieser Welt miteinander interagieren :3
Von:  mjeera
2025-02-19T20:28:36+00:00 19.02.2025 21:28
Wieder ein klasse Kapitel! Ich habe es über die letzten Tage in Phasen gelesen und nebenher immer abschnittweise Kommentare notiert, also hier ein paar Gedanken zu diesem Kapitel in chronologischer Abfolge:
Der Spannungsaufbau beim Öffnen der Zettel ist supergut! Ich liebe es, dass Ryozo und Yumiko die unliebsamen Macken gezogen haben. Das wird sicher lustig – für uns Lesende! :D
Ich war erst ein bisschen besorgt, dass es zum Konflikt kommt, als Tatsumi seine Rolle überspitzt zusammengefasst hat o__O‘‘ musste dann lachen, als er nur so meinte ‚ja ok, passt.‘ xDDD
Awww, Chiyoko im Blush-Modus, als sie erfährt, dass Ayumi nur nette Dinge über sie geschrieben hat Q///Q Und wie aufmerksam Ayumis Beobachtungen waren ist auch so herzig ;_; Das ist kostbare Fracht für mein Ship :3c
Ich bin überrascht, dass Ryozo für seinen Kontrahenten Yoichi gewählt hat! Ich hatte erwartet, er würde ihn als die Person wählen, bei der sich erst noch zeigt, wie das Verhältnis so ist. Dann geht die Anziehung bei Ryozo wohl bisher rein auf der Unterbewusstseinsebene ab…
Ich muss mal anmerken, dass ich beeindruckt bin, wie viel Mühe von Naoki (und indirekt somit von dir) in die Vorbereitung des Spiels geflossen sein muss. Auch wenn es scheint, dass bei Pen und Paper gewisse Dinge vorgegeben sind (bin Laie, wie gesagt), müssen all diese Eigenschaften ja dennoch den Charakteren und ihren Spielfiguren zugeordnet werden. Echt viel Arbeit, da kann ich nur staunen!
Mein Tipp ist, dass Ryozo die Liegestütze schafft. Und ich bin sehr gespannt auf Benjis Verhalten bei der ganzen Nummer, denn irgendwie ist sein Verhalten bei Ryozo immer so … ach, ich sage erst mal nichts und warte ab 😉
Von: Kruemelteemonster
2025-02-19T18:24:58+00:00 19.02.2025 19:24
OmG, Naoki macht mit CD?! Ohaaaaa! XD
Wir haben das noch nie gemacht. D:
Das Figuren-Ding ist ja mal der übelste Hack! DDDD: Geilo! Das sollten wir auch mal einführen. 0.0 Das ist echt voll die geile Idee.
Tatsumi muss die Schlange haben! Scheiß ma auf das Hühnchen!! XDDDDD Wenn Yumiko das dasrf, dann Tatsumi ebenso.
Chiyoko ist Pferd? Aaaawwwww!!!! QvQ Ich mag sie immer mehr. Pferdie! XDD Wie gut es zu Ayumi passt, dass sie den Affen nimmt, weil sie Angst vor Unglück hat. XDD Es ist aber schon süß, dass sie sich auch das Tier von Chiyoko gemerkt hat.
Ist das bei Ryozo denn auch so, dass sein Vadder erstmal die Radieschen von unten betrachten muss, damit er auf den Thron kann oder sagt sein Vadder dann: „Joar, Jung, ich bin fott. Hast ja jetzt ne Ische.“? XDDDDD Und Ryozo: Vaddern, was ist mit Probezeit und so? Du kannst doch jetzt nicht einfach nach Bali abhauen! XDD

Tempus: Scheiß auf reden! Auf Maul! Mit Körperkraft und Handgemenge wird verhandelt. XDDD
Bei der Einstellung von wegen „Auf mich wurde anscheinend geschossen, also gehe ich zum Fenster und präsentiere mich, damit der Bastard seinen Job wenigstens richtig erledigt“ wird Ryozo vermutlich das ein oder andere mal Glück haben müssen, um zu überleben. XDDD
Hahaha, wäre ihm auch zuzutrauen, dass er im Prolog gleich mal die ganze Belegschaft des Schlosses hinrichten lässt. XDDD
„Ich schreie freundlich.“ Alles klar. XDDDD
Ich muss Yumiko zur „Putzfrau“ zustimmen. XDDD Ich dachte erst, Ryozo lässt die links liegen. XDD
Ryozo ist also der Trottel der Gruppe. XDD Leider ist er der Laber-Char und ein Trottel. XDDDD
Der Handschlag! XDD Ryozo ist das Paradebeispiel von „Aber er ist hübsch“ XDD
Es ist also wirklich Tatsumi die Love Interest. XDDD
Tatsumi hat Recht: Der Verräter könnte durchaus auch der (heiße) Onkel oder der (etwas heißere) Vater sein, da sollte der (ungemein hübsche) Sohn erst mal herausfinden, was es mit der Botschaft auf sich haben könnte.


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