Prolog
Es war bereits nachts und die Luft von Kohle und Rauch geschwängert. Ein grauer Schleier lag über den Straßen. Auch wenn die Fabriken am Stadtrand still liegen und die meisten Bewohner der kleinen Industriestadt bereits in ihren Betten lagen, kann man immer noch den Geruch von Öl, feuchtem Stein und Abfällen wahrnehmen. Ab und zu schaffte es der Mond durch den Rauch in den wolkenverhangenen Himmel zu blitzen und für einen kurzen Augenblick die Stadt zu erleuchten.
Alles war still, bis auf das Geräuch eines Gegenstands, welcher sich in kühle nasse Erde bohrte. Ein langer Schlagschatten, durch das Mondlicht erzeugt, fiel auf eine zierliche Gestalt, welche in einem Loch stand. Sie hielt einen Spaten in der Hand und schaufelte untermüdlich. Vor ihr stand ein Grabmal. Auf dem einfachen Grabstein fand sich die Inschrift "Shuzette Sheffield, 1820 - 1885". Das Knarren vom Holz war zu hören. Wenig später kletterte die fremde Person mit einer alten Frau aus dem selbst geschaufelten Loch. Das ergraute Haar war zerzaust, ihr Körper mager und eingefallen. Am Leibe trug sie nur ein weißes Hemd.
~*~
Klein hatte sich ein wenig in Tingen einleben können. Seine Aufträge bei den Nighthawks, dazu noch seine gelegentlichen Besuche im Divination Club und die Nebentätigkeit als Straßen-Wahrsager, nahmen sehr viel seiner Zeit in Anspruch. Dadurch rückte seine Familie - vielmehr die von Klein - immer mehr in den Hintergrund. Auch jetzt saß er wieder in der altgewohnten Dampfkutsche, gegenüber von seinem "Partner" Leonard Mitschell, auf dem Weg zum Hound Pub. Dort sollten er und Leonard einen Auftrag erhalten.
Wenig später waren sie auf schon angekommen. Der Barkeeper erkannte ihn und seinen Teamkollegen sofort, weswegen sie direkt zu dem versteckten Aufzug gebracht wurden, welcher sie in die Blackthorn Security Company führte. Kurz vor Dunn Smith´s Büro, wurden sie von jemandem aufgehalten. Eine junge Frau mit blonden lockigen Haaren, in welche blaue Strähnchen geflochten waren und goldbraunen Augen, kam ihnen mit einem Tablett voller frisch gebackener Kekse entgegen. Der süßliche Duft stieg Klein direkt in die Nase.
"Hallo Klein, hallo Leo. Wollt ihr ein paar Kekse?" mit einem süßen Lächeln, bog sie ihnen ihr Gebäck an.
Doch Klein winkte mit enem schüchternen Lächeln und einer entschuldigten Geste ab "Nein, Danke, Cecilia. Ich habe bereits etwas gegessen."
Cecilia trug ein prachtvolles Steampunk-Outfit: ein hochgeschlossenes Kleid in Violett- und Blautönen, verziert mit Zahnrädern, Riemen und feinen Spitzenmustern. Ein breiter Gürtel schnürte ihre Taille, während ihr Rock in Schichten fiel, die mit Zahnraddrucken und Ornamenten geschmückt sind. Auf ihrem Kopf saß ein Zylinder mit Kupferverzierungen und blauen Blumen, passend zu den gestreiften Puffärmeln. Schwarze Handschuhe mit metallischen Details und elegante, schlichte Schuhe vollendeten den Eindruck einer geheimnisvollen, fast mechanischen Aristokratin. Als Leo sich mit einem kurzen "Danke." einen Keks schnappte, seuftze sie nur. Eigentlich hatte sie sie für Klein gebacken. Aber dieser zeigte sich mal wieder von seiner zurückhaltensten Seite. Doch das wollte sie nicht auf sich sitzen lassen. Kurzerhand nahm sich sich einen den großen hellen Haferkeksen und steckte sie ihm einfach mit den Worten "Hier, iss." in den Mund.
Cecilia stammte eigentlich aus dem Feysac Königreich, doch weil ihr Vater in Leon geboren war, hatte sie sich auf die Reise gemacht, um dieses Reich zu erkunden. Auf ihrer Reise war sie Klein begegnet und seitdem verweile sie in Tingen. Klein tat sich ein wenig schwer mit ihrer offenen und unventionellen Art. Vor allem, weil er lieber zu den Menschen dieser Zeitlinie ein wenig Abstand halten wollte. Doch Cecilia hatte die Gabe, diesen "Sicherheitsabstand" um nur wenige Millimeter zu verringern. Ohne ein Wort nahm Klein die Süßspeise entgegen und lief an ihr vorbei, um in Dunn Smith´s Büro zu gelangen. Leonard war Klein bereits vorrausgeeilt und warf ihm einen bedeutungsschwangeren Blick zu, welcher ihm wohl sagen sollte "So schnell wirst du die Kleine nicht los."
Und tatsächlich folgte Cecilia den beiden Jungs.
Als sie und Leonard das Büro betreten hatten, drückte Klein die schwere Tür wieder hinter ihnen zu. Sofort schlug ihm die warme, leicht süßliche Mischung aus Kerzenwachs, Kräutern und dem scharfen Geruch chemischer Substanzen entgegen. Die gedämpfte Beleuchtung ließ den Raum in einem schummrigen, beinahe geheimnisvollen Licht erscheinen. Vor ihm stand ein massiver, dunkler Holztisch, ordentlich, aber nicht steril. Darauf lagen offene Bücher, handgeschriebene Notizen und mehrere Fläschchen, die in der Kerzenbeleuchtung leicht schimmerten. Drei Stühle waren für Besucher aufgestellt, doch Klein bemerkte sofort, dass hinter dem Tisch der hochlehnige Stuhl von Dunn Smith dominierte – robust, selbstbewusst, wie der Mann, der sie gleich begrüßen würde An den Wänden reihten sich Regale voller Bücher, Akten und seltsamer Geräte, die zwischen wissenschaftlichem Instrumentarium und mystischen Apparaturen schwankten. In einer Ecke stand ein kleiner Tisch, auf dem Glasfläschchen und Apparaturen wie für Experimente bereitlagen.
"Schön, dass ihr gekommen seid." begrüßte der Chef der Nighthawks die Drei, welche sich auf den Stühlen vor ihm niedergelassen hatten. Nur noch der Schreibtisch trennte sie voneinander.
Cecilia strahlte "Sie haben einen Auftrag für uns? Ich freue mich, das erste Mal mit Klein zusammenarbeiten zu können... *hüstel* Selbstverständlich mit Leo auch."
Leo konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, während er zu Klein herrüberschielte. Dieser sah daraufhin ein wenig verlegen zur Seite.
"Ja, genau. Und zwar sind 8 Leichen aus ihren Gräbern verschwunden und das in nur einer einzigen Nacht. Ein Friedhofswächter hat eine, scheinbar zierliche weiße kleine Gestalt unermüdlich und mit starrem Blick graben gesehen. Außerdem berichten einige Menschen von real wirkenden Albträumen und Schlaflosigkeit. Auffällig ist, dass sie alle als Pathologen arbeiten." erklärte Dunn und reichte Leonard einen Papierbogen, auf welchem nochmal alle Informationen zusammengefasst waren.
"Das klingt nach einem Beyonder mit dem dem Darkness Pathway, neunte Sequenz, Sleepness. Wahrscheinlich verkauft unsere Zielperson die Leichen an die Pathologen. Die brauchen sie für ihr Medizinstudium. Das würde die unerschöpfliche Kraft und die Albträume der Pathologen erklären. Da diese mit den Leichen der Zielperson in Kontakt kamen." mutmaßte die einzige Dame in der Runde, ihre Hand überlegend auf ihr Kinn gestützt.
"Ja. Das vermute ich auch." entgegnete Dunn, die Hände ineinander verschränkt.
Zwischen den Schatten
"... Und ..." der junge Mann ächzte als er die letzte Leiche, die eines alten hafenarbeiters von seinem Karren hiefte und auf den Seziertisch legte.
"...Der nächste..." Er keuchte und schnaufte, seine Kräfte ließen nach, die Sonne würde bald aufgehen, das spürte er. Mit der Hand, unter dessen Fingernägel immer noch Erde war, wischte er sich den Schweiß und ein paar Fransen seines unordentlichen hellblauen Ponys von der Stirn. Auf dem ebenso hellblauen Schopf trug er eine einfache Schiebermütze mit schmutzigen dunkelgrauen fischgrätenmuster. Er hatte extra für seine "Arbeit" eines seiner schmutzigesten und löchrigsten Hemden angezogen, das ursprünglich wollweiß war, weil Geld für ein neues Hemd könnte er grade nicht ausgeben. Er trug über dem Hemd schwarze Hosenträger und eine schwarze lange Hose, ebenso mit Erde und Gras beschmutzt. Im Gesicht hatte er eine Narbe die übers Gesicht ging und burgunderrote Augen.
"Hmmmm... Lass mal sehen... Dieses Exemplar ist aber nicht mehr taufrisch.",bemängelte der Medizinprofessor, dem er die Leichen gebracht hat.
"Naja, ich habe nicht aufgepasst wann er beerdigt wurde." In Wirklichkeit, hatte der junge Mann, den armen Hafenarbeiter in einer finsteren Ecke einer Gasse gefunden. Offenbar war er betrunken gewesen und der Alkohol hatte ihn letztendlich seines Lebens beraubt. Dass niemand nach ihm gesucht hat, geschweige denn ihn bemerkt hat, kam ihn zurecht.
"Die erwürgte Hure und die alte Frau, die du mir vorher mir gezeigt hast, waren deutlich von besserer Qualität. Aber, in Ordnung, ich will mal nicht so sein." Der Professor begann die Leiche zu untersuchen und zu betasten, bis er ein überraschtes:"Oh!", von sich gab. "Was haben wir denn da? Eine harte Leber? Sehr gut! Das könnte eine leberzirrose sein, aufgrund von Alkoholmissbrauch oder einer Hepatitisinfektion! Ein gutes Schaumaterial für meine Studenten, vielen Dank dafür. Eigentlich wollte ich dir für den Mann nur gut gemeinte 8 Pfund geben weil er nicht so frisch ist, aber wegen der harten Leber, bleiben wir beim vereinbarten Preis von 10 Pfund. Der Preis gilt auch für die beiden Weiber." Der junge Mann, der auf den Namen Finley Davis hörte, strahlte vor Erleichterung.
"Oh wirklich? Danke Herr Professor!" Er nahm das Geld entgegen und wollte zur Tür raus."... Wenn sie wieder Bedarf haben, sie wissen wo sie mir eine Nachricht zu kommen lassen. Gute Nacht noch!"
"Gute Nacht, Junge." Nach einer Weile nahm der Professor einen Schluck aus einer kleinen Flasche, worauf "Laudanum" stand. Sobald er nun ins Bett gehen würde, würde das Opium in dieser Tinktur dafür sorgen, dass er zumindest heute keine Albträume haben würde, auch wenn er sich bewusst war, dass das Opium ihm auf Dauer nicht gut tun würde. Finley machte sich auf den Weg zu seinem Zuhause, einem verlassenen Antiquariat, das am Stadtrand lag. Bis die Sonne aufgeht konnte er sich aufs Ohr hauen, Schlaf brauchte er sowieso nicht mehr viel, seitdem er bei einem Adeligen eingebrochen und dessen Trank des "Sleepless"-Pfades gestohlen und getrunken hat.
"Schon echt praktisch. Und ich kann dank heute Mama und Papa 10 Pfund schicken. Wenn ich etwas gepennt habe, geh ich zur Wäscherei und hol das Kleid ab." Auch wenn es ihm peinlich war, aber das Kleid half ihn noch mehr Geld zu verdienen und gab ihn etwas Sicherheit vor der Polizei.
Währenddessen, bereiteten sich Klein, Cecilia und Leonard auf ihre Mission vor, obwohl Leonard grad einen kleinen Zettel aus der Tasche holte und diesen voller Vergnügen betrachtete. Als Klein genauer hinsah bemerkte er, dass es eine Eintrittskarte fürs Theater war.
"Du gehst ins Theater?"
"Ja, heute Abend. Da wird "Die Todesfee vom schwarzen Moor" gespielt. Ein düsteres Drama aber mit glücklichen Ende. Eine meiner besten Freunde spielt die weibliche Hauptrolle. Die hat mir auch einen Platz in der ersten Reihe verschafft. Wenn du magst, Klein, kannst du mit Cecilia gerne mitkommen, vielleicht kriege ich auch gute Plätze für euch."
"Äh... Nein danke... ", wimmelte Klein schüchtern ab, aber Cecilia antwortet begeistert:"Gerne! Das wird bestimmt ein toller Abend!"
"Gut, dann treffen wir drei uns heute Abend um viertel vor 8 vorm Theater. Und Cecilia, zieh dein schönstes Kleid an. Denn ins Theater gehen die Reichen und Schönen ein und aus." Dabei nickte Leonard mit den Kopf leicht Richtung klein, ohne dass er was merkte und zwinkerte Cecilia zu. Diese verstand und nickte.
"...so hier ist das Kleid.",sagte die mittelalte mollige waschfrau freundlich lächelnd als sie finley das rote Kleid übergab. "gewaschen, gebügelt und die säume vernäht." "danke, meine Freundin liebt dieses Kleid. Sie wird sich freuen es wieder zu haben." Finley fiel keine andere ausrede ein um das Kleid abzuholen ohne dass seine männlichkeit, oder eher sein Stolz drunter litt. Die waschfrau gluckste erfreut, aber betrachtet dann sein Hemd. "du vernachlässigst dich aber schon. Stört das deine Freundin nicht?" "ähhh? Ähm! Nein nein nein! Sie weiß, dass ich hart arbeite und versucht selbst das nähen zu lernen und dass..." "hier nimm das." Die waschfrau hatte während finley versuchte sich rauszureden, aus dem Hinterzimmer ein heiles herrenhemd hervorgeholt. "ein Kunde hatte es hier zurück gelassen, weil er behauptet hat wir hätten es zu heiß gewaschen und es sei eingelaufen, dieser eingebildete Hundsfott! Der hat einfach nur zugenommen! Ich glaube es passt dir gut und du hast es dringender nötig, mein lieber Junge."" aber... Das ist nicht so schlimm..."" ich bestehe darauf! Du sollst nicht in Lumpen rumlaufen und sehe es nicht als Almosen an, sondern als Erleichterung für uns. Das Hemd nimmt bei uns nur Platz weg." Finley seufzte und schluckte seinen Stolz herunter. "naja... D...danke sehr liebenswürdig... Schönen Tag noch... " "dir auch, mein Junge!" Finley packte das Kleid in einen Sack um nicht damit auf der Straße gesehen zu werden, klemmte das Hemd unter seinen Arm und zog sich seine Mütze tiefer ins Gesicht. Er nahm die Gassen, auf der weniger Menschen herumlaufen, da kam er an einer Kirche vorbei, in der die Immernachtgöttin verehrt wurde. Der Pfarrer der grade raus kam, sah ihn. "Hallo mein Sohn. Wie geht es dir denn heute?", fragte er freundlich. "gut... Ich habe es aber eilig, Vater...", brummelte Finley verärgert. Der Pfarrer blieb aber unbeeindruckt, blickte aber mit weichen Blick zu ihm. "liegt dir was auf dem Herzen? Magst du darüber reden?" "neee! Warum? Sie können mir nicht helfen.""so zerlumpt wie du gekleidet bist, brauchst du aber sehr wohl Hilfe. Es ist in Ordnung wenn du das Gefühl hast, dass du nicht alles alleine schaffst. Du kannst mit mir über deine Sorgen reden, um zumindest ein bisschen deiner last loszuwerden." "Das hilft mir aber nicht meine Situation zu verbessern! Und jetzt verzieh dich, Pfaffenfurz!", schimpfte finley und beschleunigte seinen Schritt. Der Pfarrer sah Finley nach und rief im sanften, verständnisvollen aber deutlichen Ton ihm hinterher:"Die dunkle Mutter prüft uns alle aber wenn sie uns was schenkt, sollte man es nicht ausschlagen. Möge die Göttin mit dir sein." dabei schlug er das Zeichen des Halbmondes. "der kann sich seine Göttin in den Arsch schieben...", dachte finley Zähneknirschend. "wenn sie sich um alle kümmert, wo war sie als die Seilerei gebrannt hat und papa arbeitslos wurde? Wo war sie als ich versuchte gute arbeit zu finden um mama und Papa zu versorgen? Es gibt keine "immernachtgöttin"." es stimmte dass Finleys Vater vor 3 Jahren bei einem Brand seine Arbeit in der Seilerei verloren hatte und seitdem seine Familie in finanzielle Not geraten war. Da aber seine Eltern dennoch nicht wollten dass er nach tingen geht um dort arbeit zu finden, ist er heimlich von zuhause auf dem Land weggelaufen. Aber in der Stadt gab es mehr Arbeitnehmer als Arbeit, besonders für die einfachen Menschen die nicht studiert hatten. Nach mehreren Versuchen mit ehrlicher arbeit Geld zu verdienen dass er an seine Eltern schicken kann, war er enttäuscht von der Gesellschaft und wurde kriminell, mit Diebstahl und dem Verkauf von Leichen. Mit Glück, hatte er in einer Nacht zwei Leichen ausgraben und verkaufen können, aber seitdem er vor etwa 2 Monaten den trank gefunden hatte, hatte sich sein Gewinn gesteigert und dank des geringen schlafbedarfs tagsüber eine ehrliche Arbeit angenommen um nicht mehr als Dieb sich durchschlagen zu müssen und die Polizei nicht mehr im Nacken zu haben. Daheim im verlassenen Antiquariat, flätze er sich faul auf einen Diwan mit altmodischen blumenmuster, der eine dicke Staubwolke aus puffte als er sich drauf warf. Nach ein paar mal heftigem niesen, blieb er kurz ruhig liegen, bevor er auf die alte kaminuhr blickte die er zum laufen gebracht hatte. "die Generalprobe ist um halb fünf... Ich sollte besser um viertel vor vier los gehen, um pünktlich im Theater zu sein." er seufzte, stand wieder auf und setzte sich an einen alten Sekretärtisch, im hinteren Teil des Ladens, holte etwas Papier, eine Briefmarke und einen Umschlag raus. Während er an einem Stück Brot kaute schrieb er:" Liebe Mama, lieber Papa. Ich habe heute meinen Lohn bekommen. Hier schicke ich euch 10 Pfund. Die neue Arbeit die ich habe ist ganz gut und ich habe keinen Vorarbeiter der sich für was besseres hält und mir auf den Wecker geht. Das Wetter ist ein bisschen schwül, hoffentlich wird es bald regnen und Kühler werden. Macht euch keine Sorgen, ich esse gut und ein neues Hemd habe ich auch gekauft. Euer Sohn, Finley." eine Weile starrte er auf den Brief und die Sehnsucht nach seinen Eltern flammte auf. Manchmal hatte er überlegt zurück zu gehen aber er wusste nicht was seine Eltern über ihn dachten, da er einfach so weggelaufen war. Ob sie vielleicht sogar sauer sein würden? Er küsste den verschlossenen Briefumschlag, mit dem Brief und dem Geld und dachte an seine Eltern. "tut mir leid, Mama, Papa... Ich hoffe wir sehen uns bald wieder..." dann blickte er wieder zur Uhr. "ich sollte mich besser umziehen, den Brief kann ich auf dem Weg zum Theater bei der Post abgeben." und so machte er sich dran sich umzuziehen.
ich esse gut und ein neues Hemd habe ich auch gekauft. Euer Sohn, Finley." eine Weile starrte er auf den Brief und die Sehnsucht nach seinen Eltern flammte auf. Manchmal hatte er überlegt zurück zu gehen aber er wusste nicht was seine Eltern über ihn dachten, da er einfach so weggelaufen war. Ob sie vielleicht sogar sauer sein würden? Er küsste den verschlossenen Briefumschlag, mit dem Brief und dem Geld und dachte an seine Eltern. "tut mir leid, Mama, Papa... Ich hoffe wir sehen uns bald wieder..." dann blickte er wieder zur Uhr. "ich sollte mich besser umziehen, den Brief kann ich auf dem Weg zum Theater bei der Post abgeben." und so machte er sich dran sich umzuziehen.
Die Spuren des Leichendiebes
"Aber wofür soll ich die beiden Jungs bei ihrer Mission beleiten? Ich kann mit meiner Hunter-Fähigkeit zwar Fährten lesen. Das ist aber ziemlich überflüssig, wenn Klein mit dabei ist." sie hatte sich die ganze Zeit gefragt, warum Dunn sie für diese Mission aufgewählt hatte. Sie besaß durch ihren Red Priest Pathway, Sequence 9 - Hunter Path zwar gewaltige körperliche Kräfte, gute Reflexe und überdurchschnittlich geschärfte Sinne, aber dafür waren ihre sprituellen Kräfte ein Witz. Nicht gerade vorteilhaft gegen einen Sleepness, der vergleichsweise eine hohe Spiritualität hatte.
"Das stimmt. Aber anders als bei einem Sleppness, sind deine körperlichen Fähigkeiten nicht an einen Tag-Nacht-Zyklus gebunden. Außerdem könnten deine fundierten Kenntnisse über Wildpflanzen, Tierorgane, mögliche blutstillende Medikamente, Gifte und Fallen bei dieser Mission hilfreich sein. Und Klein kann durch seine Fähigkeiten zwar den Ort bestimmen, an der sich die Person befindet. Wenn diese aber schnell den Ort wechselt, wird es schwierig. Bei einer Verfolgung ist es sicherer, einen Jäger dabei zu haben." erklärte ihr der Anführer, immer noch ruhig in seiner Position verharrend.
"Ich würde vorschlagen, wir untersuchen erstmal die Orte, an denen der Sleppness gesichtet wurde." mischte sich Leonard in das Gespräch ein.
"Also der Friedhof und die Universität?" fügte Klein Gedankenverloren hinzu.
"Na hoffentlich gibt es dort keine Zombies." seuftze die Blondhaarige.
Als die schwarze mit Dampf betriebene Kutsche endlich am Friedhof zum Stehen kam, schwärmte Cecilia immer noch von dem Theater, dass sie, Dank Leonard, mit Klein würde besuchen können. In ihren Gedanken stellte sie sich schon ein Outfit für den Abend zusammen. Sie wollte ein elegantes Kleid tragen, was aber nicht zu auffällig aussah. Was ziemlich ungewöhnlich für jemanden war, der aus Feysac stammte. Das Königreich war bekannt für seine Dekadenz, seine Künste und seinen guten Wein. Je höher der Rang einer Frau war, je teuerer der Schmuck, desto detaillierter die Muster auf dem Kleid, umso teurer der Stoff. Kleider aus Feysac bestanden meist aus mehreres Lagen Stoff, mit viel Spitze und Tüll. Sie waren dazu gemacht, um anderen Menschen aufzufallen und den Reichtum des Landes zu repräsentieren. Ihre Familie setzte in Punkto Auffälligkeit noch einen drauf. Die Kleidung der Familie "d’Étoilecour" wirkte nochmal exentrischer. Die Kleidung ihrer Familiemitglieder bestand teils aus asymetrischen Schnitten, übertriebenen Ärmeln und Stoffen mit bunten Farbverläufen. Die bunten Haarsträhnen, welche die Frauen der Familie in ihren Haaren trugen und meist aus Pferdehaar bestanden, werden die Kirche auf der Sahnetorte. Es war für Cecilia als eher untypisch. sich "dezent" zu kleiden. Aber da ihr Schwarm Klein Moretti sich eher dezent kleidete, wollte sie neben ihm nicht so derart auffallen.
"Weißt du schon, was du für das Theater heute Abend anziehen möchtest?" wollte sie von Klein wissen, während Leonard vor ihnen lief und auf eine Person zusteuerte, die gerade dabei war einen Baum zu beschneiden. Der Mann trug einen dunkelgrauen Mentel, mit einem ebenso dunkelgrauen Zylinder. Er trug sein weißes Hemd unter einer dunklen Weste und schwarze Lederstiefel an den Füßen. Cecilia konnte ihn leicht als Friedhofswächter identifizieren.
Gelassen ging Leonard auf den Friedhofswächtere zu und sprach ihn mit einer stimme an, die freundlich, so wohl als auch ein wenig autoritär klang "Entschuldigen Sie. Wir sind von der Awwa County-Polizei, können Sie uns etwas zu dem Vorfall von letzter Nacht erzählen?"
"Sie sind von der Spezialeinheit, oder? Ich habe gestern eine Person dabei beobachten können, wie sie Leichen aus ihren Gräbern holte. Trotz ihrer zierlichen Statur konnte sie unermüdlich graben. Ihr Blick wirkte starr. Als wäre sie in Trance."
"Können sie die Person vielleicht ein wenig mehr beschreiben? Wie sah sie aus? Was hat sie getragen?"
"Von der Statur her würde ich sagen, es war eine Frau. Die Haare hatte sie unter einer Mütze verborgen. Sie hatte rote Augen... Sie war blass und trug ein graues Hemd. Eine Narbe durchzog ihr Gesicht... Mehr konnte ich nicht erkennen. Sie hatte einen Karren bei sich, mit der sie die Leichen weggeschafft hat."
"Und wo befindet sich die Stelle, an der die Leichen verschwunden sind?" unterbrach Cecilia das Gespräch der Beiden. Der Friedhofswächter nickte nur und setzte sich in Bewegung, um ihnen den Ort zu zeigen, an denen die Leichen entwendet wurden.
Aber als sie ankamen, waren die Gräber bereits wieder zugeschüttet und in Stand gesetzt worden, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Sie sahen so aus, als wäre nie jemand hier gewesen. So würde es schwierig werden, die Spur des Täters zu verfolgen. Cecilia ärgerte sich, da sie so ihre Fähigkeiten als Jägerin kaum nutzen konnte und sie doch auf Kleins Fähigkeiten als Seher angewiesen sein würden. Äußerlich blieb sie allerdings professionell. Sie wollte schließlich nicht ihr Gesicht vor ihren neuen Kollegen verlieren.
"Waren nur Sie an diesem Tatort?" führte sie die Befragung weiter fort, während sie sich umsah, um doch noch ein paar Spuren des Täters zu finden.
"Ja. Nur ich und der Täter." gab ihr der Mann zur Antwort.
Sie sah sich noch ein wenig um, überprüfte die Grabsteine und die feuchte Erde auf dem Boden. Dadurch, dass der Friedhofswächter die Gräber wieder gefüllt hatte, waren nicht nur wertvolle Spuren verloren gegangen. - Für Cecilia wurde es noch schwerer, die verbliebenen Spuren dem Friedhofswächter oder dem Täter zuzuordnen. Sie achtete dabei auf verbliebene Hautreste von Fingern, die in Erde gewühlt hatten, dem Geruch von Schweiß oder auf verbliebene Haare. Wäre der Tatort noch frisch gewesen, hätte sie anhand der Schleifspuren der Leichen oder der Räder des Karrens noch ausmachen können, wohin der Täter mit seiner Ware verschwunden war. So blieb ihr nur die Hoffnung etwas zu finden, dass sie klar dem Täter zuordnen konnte. Schließlich entdeckte sie ein helles Haar, welches neben einem Jesuskreuz lag und sehr helles Haar. Da der Friedhofswächter schwarze Haare hatte, konnte es sich dabei nur um das Haar des Täters handeln. Scheinbar hatte ihre Zielperson hellblaue kurze Haare. Also doch ein Junge? Vorsichtig nahm sie das Haar mit einer Pinzette auf und steckte es in ein Glas. Dieses Reichte sie Klein.
"Ich denke, wir haben alles." fügte sie hinzu, sich an Leonard gerichtet. Dieser nickte nur und bedankte sich bei dem Friedhofswächter für seine Mitarbeit, ehe sie gingen.
In der Kutsche stellte Klein das Glas mit dem Haar vor sich auf dem Boden. Leonard und Cecilia saßen ihm gegenüber. "Kannst du das Haar benutzen, um den Täter zu orten?" wollte sie von ihm wissen.
"Ich werde es versuchen." entgegnete er nur und tippte mit einem Wanderstock das Glas an. Dann schloss er die Augen, um die Visionen zu sehen, die sie zum Täter führen werden. In einem Gemenge aus FArben sah er eine Person mit einem Karren voller Leichen. Er folgte ihr bis...er die Universität sah.
"Lass mich raten, dass nächste Ziel ist bestimmt die Uni." murrte die Blondhaarige.
"Ja, genau. Dort müssen wir hin." erwiderte Klein, die augen immer noch geschlossen.
"Du bist ganz schön clever." komplimentierte Leonard sie. Wobei sie sich nicht sicher war, ob dieses Kompliment von ihm wirklich ernst gemeint war und keine Ironie.
Nach einer holprigen Fahrt durch die Stadt, in der Klein ihnen immer mal wieder die Richtung vorgab, waren sie endlich an der Universität angekommen. Nachdem Cecilia ausgestiegen war, streckte sie sich einmal kurz. Ihr tat von der langen Fahrt der Hintern weh. Ein wenig verwundert blickte sie zu Leonard, welcher eine große Tasche aus det Kutsche hievte.
"Wofür brauchst du so ein schweres Gepäckstück? Lass dich doch im Wagen." wollte sie von ihrem Kollegen wissen.
"Naja. Wir geben uns jetzt als Arzt und Arzthelfer aus, damit wir den Herren Professor befragen können. Vielleicht finden wir Spuren von Sleepless... Oder andere Anhaltsapunkte. Ach ja. Es wäre besser, um die Tarnung aufrecht zu erhalten, wenn du einen Teil deiner Kleidung hier lassen würdest, Cecilia. Zumindest dein Haarteil und...das bunte Stofftuch um deine Taille. Und vielleicht nimmst du die Augenklappe auch ab." erwiderte Leonard und streckte ihr seine Hand entgegen. Mit einem Blick, der nicht zu deuten war, händigte sie ihm erst ihr Haarteil aus, dann das bunte Tuch und zum Schluss... Sie zögerte kurz, ehe sie ihre Augenklappe abnahm und sie Leonard ebenfalls in die Hand drückte. Zum vorschein kam eine große Narbe, die sich quert durch ihr Auge zog. Dieses war nicht mehr braun-orange, wie das andere Auge, sondern nur noch milchig grau. Es war klar, dass sie durch dieses nicht mehr sehen konnte. Erst blickte sie zu Leonard, dann zu Klein und dann wieder zu Leonard. Beiden waren verdächtig still geworden.
"Am besten ziehst du die Augenklappe wieder auf." mit einem gekünzelten Lächeln gab er das Kleidungsstück wieder zurück.
"Besten Dank." entgegnete sie in einem vor Sarkasmus triefenden Ton und setzte anschließend ihre Augenklappe wieder auf.
Die Nighthawks betraten die Universität durch schwere Eichentüren, die unter ihrem Gewicht ächzten. Das Gebäude wirkte kühl und ehrwürdig, die hohen Mauern aus dunklem Stein waren von alten Porträts gesäumt. In den Korridoren hing der Geruch von Tinte und Kreide, gemischt mit dem dumpfen Aroma feuchter Bücher. Studenten eilten vorbei, Notizen unterm Arm, während irgendwo eine Glocke den Beginn einer Vorlesung markierte. Ihr Ziel war das Medizininstitut – ein Flügel voller Hörsäle mit steilen Sitzreihen und dem scharfen Geruch nach Desinfektionsmitteln. Dort sollte der Professor zu finden sein, den sie suchten.
Cecilia entdeckte den Mann an seinem Lesepult. Er wirkte blass und übernächtigt. So, als hätte er seit Tagen nicht gut schlafen können. Er war gerade dabei, seine morgige Lesung vorzubereiten, als Leonard auf ihn zu kam und ihn direkt ansprach "Sind sie Professor Fairchild? Ich bin Dr. Redgrave und hier, um ihre Schlafstörung zu kurieren. Das hier sind meine Assistenten Holloway und Grantham."
Klein und Cecilia verbeugten sich einmal kurz. Cecilia war sich nicht sicher.... Wollte sie lieber Holloway oder Grantham heißen? Sie fand beide Nachnamen bescheuert. Aber das würde jetzt nichts zur Sache tun.
"Sie sind Arzt? Woher wissen Sie von meinem Schlafleiden? Das Outfit ihrer Assistentin ist ein wenig...flamboyant, nicht?"
"Merci beaucoup." entgenete sie trocken.
"Dr. Ashdown, bei welchem Sie Patient sind, hat mir von Ihrem Fall erzählt. Schlaflosigkeit ist mein Fachgebiet und ich würde Ihnen gerne helfen." entgegnete Leonard mit einem charmanten Lächeln.
"Und was soll Ihre Behandlung kosten?" sein Ton war Schroff und er wirkte mehr als Misstrauisch.
"Wenn ich Ihnen nicht helfen kann, ist die Behandlung umsonst. Ansonsten verlange ich zwei Silbermünzen." entgegnete Leonard lässig. Es schien so, als würde ihn nichts aus der Ruhe bringen.
Der Professor überlegte kurz. Er litt schon lange unter diesen Albträumen und das Laudanum half nur bedingt. Also warum nicht die Methoden dieses neuen Arztes ausprobieren?
"Na, meinetwegen. Wenn Sie mir helfen können, dann tun Sie es."
"Perfekt. Sie leiden unter wiederkehrenden realistisch wirkenden Albträumen, oder?"
"Ja, genau. Wie viel hat Ihnen Dr. Ashdown erzählt?"
"Alles. Ab wann traten die Symthome auf?"
"Seit...drei bis vier Wochen, würde ich sagen."
"Hatten Sie Kontakte zu irgendwelchen Leichen?"
"Ja. Immer. Ich studiere schließlich an Ihnen."
"Und aus welcher Quelle beziehen Sie diese Leichen?"
"Aus Hinrichtungen oder Armenspenden. Und aus alten Gräbern selbstverständlich. Wollen Sie mir etwa irgendwas unterstellen?" fauchte der Professor. Er klang sehr erbost. Scheinbar hatte Leonard einen wunden Punkt getroffen. Ansonsten hätte er nicht so reagiert.
"Auf jeden Fall sollten Sie ihre Quellen noch einmal überprüfen. Je nachdem sind die Leichen verflucht und pflagen Sie jetzt mit Albträumen."
"Das ist doch ein Witz, oder?" empört der alte Mann nach Luft.
"Haben sie denn keine Bücher über Flüche gelesen oder sich damit ein wenig beschäftigt? Flüche zeigen sich meistens durch Albträume. Sie sind in akkuter Gefahr, mein Herr. Je nachdem um welchen Fluch es sich handelt, könnte er Ihnen Ihr Leben kosten." fügte sie hinzu, um dem Ganzen noch ein wenig Nachdruck zu verlassen "Dann können Sie bald Ihre Leiche ihren Studenten zur Verfügung stellen."
"Das Beste ist, wenn Sie uns die Leichen zeigen. Wir könnten ein Reinigungsritual durchführen. Dann wäre Sie von ihren Albträumen erlöst." fügte Klei-... Mister Holloway hinzu.
"Ich werde Sie Quacksalbern sicher nicht die Leichen sehen lassen. Bitte gehen Sie." Cecilia konnte förmlich das Blut durch seine Adern pochen hören, so wütend war der Mann. Aber das er sie die Leichen nicht sehen ließ, war ein Problem. Wie sollten sie so den Täter ausfindig machen?
"In Ordnung. Hier ist meine Karte. Falls ich Ihnen doch noch helfen soll, rufen Sie mich an." mit diesen Worten drückte Leo dem Herren eine Karte in die Hand und wandte sich zum gehen. Klein und Cecilia folgten ihm.
Als sie aus der Universität waren, wandte Cecilia sich an Leonard "Das war wohl nichts. Wie sollen wir jetzt den Täter ausfindig machen?"
"Naja... Der Leichendieb ist seit...vier Monaten bereits aktiv. Ich nehme mal an, er wird wiederkommen."
"Nur wann? Wir können ja schlecht tagelang die Universität observieren."
"Sleepness ist am stärksten nachts. Er wird also nachts die Leichen stehlen und sie dann zur Universität bringen."
"Also machen wir die Nacht durch?"
"So sieht es aus. Aber erstmal besuchen wir das Theater. Ich möchte das Stück >Die Todesfee vom schwarzen Moor< sehen und meiner besten Freundin einen Besuch abstatten."
"Ach ja. Da war ja noch was. Klein? Was ziehst du für das Theater an? Ich möchte ein Outfit tragen, dass du deinem passt."
Mit einem strahlendem Lächeln harkte sie sich bei Klein ein, welcher sichtlich rot um die Nase geworden war. Leonard konnte sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen.
Hinter dem Vorhang
Jetzt endlich war der Abend da und Klein hatte sich mit Leonard zum Theater begeben. Eigentlich wollte er nicht gehen, aber Melissa und Benson fanden auch dass er sich was gönnen sollte und Leonard stand schon um 7 Uhr mit der Kutsche vor der Tür um ihn abzuholen. Verweigern war unmöglich.
"Na, aufgeregt vor deinem ersten Rendezvous?", fragte Leonard nach einer Weile wo sie fuhren und Klein zuckte erschrocken zusammen und haspelte:"Rendezvous? Also, da du mit dabei bist und es deine Idee war, würde ich das nicht als Rendezvous bezeichnen!"
"Hehe, war auch ein Scherz. Trotzdem wird es dir gut tun etwas Spaß zu haben. Aber bist du denn nicht auch neugierig darauf was Cecilia tragen wird?" Dabei hatte Leonard sich zu Klein vorgebeugt und ihn fragend aber immer noch lächelnd angesehen. Dieser wich in seinen Sitz zurück und rückte seinen Zylinderhut zurecht.
"Ähm... Ich finde, dass du recht hast und wir uns einen netten Abend machen sollten... egal was Cecilia trägt." Damit hoffte Klein das Thema gewechselt zu haben.
"Natürlich.", sagte Leonard und lehnte sich zufrieden zurück.
Am Theater angekommen, stiegen die beiden Männer aus, Cecilia war noch nicht da aber Leonard ging schon zur Theaterkasse. "Guten Abend." Der Kassierer blickte auf. "Ach, sie sind doch Mister Mitchell! Der bekannte von Miss Dallington?"
"Guter Freund trifft es eher. Ich habe auch zwei andere Freunde von mir eingeladen. Gibt es noch gute Plätze?" Dann beugte er sich zu dem Kassierer hin und flüsterte:" Am besten so, dass der schüchterne Herr mit dem Zylinder und dem silberbeschlagenen Gehstock da hinten, neben der Dame sitzt, auf die wir noch warten." Dem Kassierer ging ein Licht auf und er lächelte.
"Ohhhhh! Gerne doch. Augenblick..." Er blickte auf seinen Reservierungsplan bevor er sich wieder an Leonard wendete. "...aha! Das ist perfekt! Loge 7 ist heute früh frei geworden. Ursprünglich hatte der Baron Grovesshire diese für sich und seine Frau reserviert, aber dann rief er heute morgen an und sagte, dass er heute nicht kommen kann weil ihn eine schlimme Magenverstimmung verhindert. Diese wäre gut für ihren Freund und seine Begleitung, der Nachteil, es können nur zwei Personen drin sitzen."
"Das macht nichts.", sagte Leonard zufrieden und holte schon seinen Geldbeutel heraus. "So sind die beiden ganz für sich allein und vielleicht wird mein Freund etwas mutiger gegenüber der Dame. Hier..." Dabei gab er dem Kassierer das Geld, der ihm die Karten gab. "...Der Rest ist für sie."
"Danke Mister Mitchell. Ich sorge dafür dass Miss Dallington erfährt, dass sie zur Premiere kommen konnten."
"Dankeschön dafür."
Während Leonard an der Kasse war, traf schließlich auch Cecilia ein, die natürlich sofort Klein in der Ferne erkannte und auf ihn zu ging.
"Hallo Klein." Dieser wandte den Blick zu ihr und war überrascht von Cecilias Erscheinung. Sie trug ein schwarzes Kleid, wo an den Ärmeln, ab dem Ellbogen safrangelber Stoff in Falten angebracht war der bis kurz vor ihren Handgelenken geht, dazu kurze schwarze Handschuhe. Der mittlere Teil von ihrem Oberteil und des Rockes waren auch safrangelb, der Rock ging bis zu den Füßen und der Ausschnitt war rechteckig. Ihre Haare hatte sie teils zu einem Knoten gebunden, während der Rest ihren Rücken runterhing. Auf dem Kopf trug sie einen kleinen, vorwitzig schrägsitzenden, schwarzen hut mit ebenso schwarzen Federbüschel der von einer Brosche mit einem Bernstein befestigt war.
"Wow.", rutschte es unwillkürlich aus Klein heraus und Cecilia kicherte geschmeichelt. "Hihi, danke."
"Äh! Wofür?"
"Du hast »Wow« gesagt. Das war eindeutig." Cecilia lächelte über Kleins Verlegenheit.
"Echt? Das hab ich gar nicht bemerkt. Aber ja ähm... du siehst..."
"...bezaubernd aus. Das wolltest du sagen, oder Klein?" Leonard kam grade mit den Karten zurück und drückte klein eine davon in die Hand.
"Äh... ähm..."
"Ihr beide habt Glück. Ihr bekommt Logenplätze, ganz für euch allein." Leonard gab dabei die andere Karte an Cecilia weiter, die sich eindeutig freute.
"Was? Wie für uns allein?",fragte Klein etwas panisch.
"Tja, in Loge 7 sollen nur zwei Leute reinpassen, aber Cecilia wird dich schon nicht fressen und die Leute sehen es dir an, dass du ein anständiger typ bist. Also kommt, ihr beide! Man lässt die Leute rein." Klein ließ verdattert zu, dass Cecilia sich bei ihm einhakte und mit sich zog. Beim Eingang in zum Zuschauerraum, nahm sich ein Platzanweiser Klein und Cecilia an.
"Hier trennen sich unsere Wege. Ich gehe runter zur ersten Reihe. Viel Spaß bei der Aufführung.", sagte Leonard zuzwinkernd bevor er seine Freunde verließ. "Dankeschön.", antwortete Cecilia winkend während Klein, wieder rot im Gesicht auch sagte: "Ähm, ja danke. Dir auch Leonard." In der Loge standen wirklich nur zwei Sessel, welche aber schön gemütlich waren und Klein ohne Probleme seinen Hut und Gehstock beiseite legen konnte, weil es wie ein kleiner abgeschlossener Raum war und man wie bei einer Art Balkon runter auf die Bühne sehen konnte. Jetzt fand er die Idee mit der Loge doch nicht so übel, weil Leonard den beiden nicht so auf die Pelle rücken würde. Nur Cecilias Anwesenheit machte ihn noch etwas nervös. Er erinnerte sich zurück wann er das letzte Mal mit einer Frau ausgegangen war. Es schien ihm ewig her zu sein. Die gesamte Situation erinnerte ihn an sein erstes Date im Kino mit seiner damaligen Freundin, als er noch als Zhou Mingrui lebte. Einige Zeit bevor er als Klein Moretti begann zu leben, hatten sie sich getrennt.
"Ob sie auch bemerkt hat, dass ich verschwunden bin?", dachte er wehmütig. "Ob sie sich vielleicht Sorgen um mich machen würde? Wenn ich in meine Welt zurück gekehrt bin, versuche ich den Kontakt zu suchen. Einfach nur um zu reden."
"Ist etwas?", hörte er Cecilias Stimme besorgt neben sich.
"Ähm, was?" Er schreckte aus seinen Gedanken heraus.
"Du hast traurig ausgesehen. Ist was passiert?"
"Ähm, nein alles gut. Nichts schlimmes!" Er schämte sich etwas, dass er an seine Exfreundin gedacht hatte, obwohl eine andere Frau neben ihm saß. Dann aber begangen die Lichter auszugehen, das Orchester zu spielen und der Vorhang erhob sich.
Das Stück war ein voller Erfolg. Klein und Cecilia standen draußen vor dem Theater und unterhielten sich darüber was sie am besten fanden und was nicht. Leonard hatte die beiden darum gebeten draußen auf ihn zu warten, weil er seiner Freundin, der Schauspielerin Amalia Dallington, zu ihrem Erfolg gratulieren möchte. Da man ihn kannte und die besagte Miss Dallington schon ihn erwartete, war es für Leonard ein Spaziergang um hinter die Bühne zu den Garderoben der Schauspieler zu kommen. Als er aber grade an die Tür von miss Dallington klopfen wollte, hörte er Schleifgeräusche und wie jemand "Bitte, lass mich los! Ich muss zu ihr!" sagte. Wie Leonard neugierig um die Ecke schielte, sah er einen großen Strauß Rosen in Seidenpapier achtlos auf dem Boden liegend und wie die Tür zum Bühnenhintereingang sich grade wieder schloss. Dann hörte er draußen Geräusche, die klangen als würde jemand arg verprügelt werden, auch ein Betteln um Gnade.
"AU! BITTE! HÖR AUF! AU!"
Jetzt richtig besorgt, schilch sich Leonard zur Tür und öffnete diese einen winzigen Spalt. Draußen, im Hinterhof, konnte er erkennen wie eine junge Frau mit hellblauen Zopf und rotem Kleid auf einen feingekleideten Mann mit Fäusten einschlug, dass das Blut spritzte.
"Miss Dallington hat Nein gesagt!", knurrte diese, mit einer seltsamen kratzigen unnatürlich klingenden Stimme. "Dreimal sogar direkt ins Gesicht!"
"Aber... sie liebt mich! Ich weiß es! Sie ist nur schüchtern. Sie hat mir aber auf der Bühne geheime Zeichen gegeben! Und Sie hat ins Publikum gesehen weil sie wusste, dass ich dort war! Das ist der Beweis!"
"Das war als ihre Figur einen nachdenklichen Monolog gehalten hatte und sie sich zu den Zuschauern gedreht hatte, damit jeder sie hören konnte. Alles andere gehörte zum Schauspiel, zu ihrem Job und war nicht für dich bestimmt. Und sie hat ganz bestimmt dich niemals direkt angeguckt, du eingebildeter Abschaum! Jetzt verpiss dich und geh zum Seelenklempner!" Daraufhin gab die junge Frau dem armen Lädierten einen Tritt in den Hintern, dass der etwa anderthalb Meter hoch und 2 Meter weit flog, wo er beim Aufprall kurz liegen blieb und sich wimmernd in die Nacht schleppte. "Was ein arschloch..." Leonard stutzte, weil das grad eben war eindeutig eine Tenorstimme, die nicht zu dieser Erscheinung passt. Aber bevor die "Frau" wieder rein ging, huschte Leonard flinkt und leise wie ein Schatten zurück und tat dann so als ob er grad zu den Garderoben kam und er direkt auf die merkwürdige Frau traf. Diese erschrak, als sie ihn sah und versteckte die Hände, an denen noch Blut klebte, unter ihrer graugrünen Schürze die sie über dem Kleid trug.
"Was zum...?", quiekte sie.
"Guten Abend, Miss.", sagte Leonard freundlich ohne sich was anmerken zu lassen. Die Frau vor ihm war starr und musterte ihn.
"Mein Name ist Leonard Mitchell und ich bin ein Freund von Miss Dallington. Ich wollte ihr einen kleinen Besuch abstatten." "Das sagen alle! Verschwinden sie!"
"Miss Dallington erwartet mich, sie kann bestätigen dass ich die Wahrheit sage. Bitte, lassen Sie mich nur kurz anklopfen. sollte ich gelogen haben, dürfen Sie mich rauswerfen." Die blauhaarige Frau zögerte kurz, aber Leonard fiel noch was auf. Die Weinroten Augen. Hatte der Friedhofswärter nicht erzählt, dass der Leichendieb helle Haare und rote Augen hatte? Und hatte Cecilia nicht blaue Haare am Tatort gefunden? Aber eine Narbe hatte diese Frau nicht, dafür sommersprossen im Gesicht.
"Na gut, wenn sie die Jacke voll haben wollen, bitte!" Und Leonard klopfte an die Tür, während er mit den Augen eines scharfen Wachhundes beobachtet wurde. "Augenblick! Ich ziehe mich noch an!", ertönte es von innen. Leonard wartete geduldig, während er weiter misstrauisch beäugt wurde.
"Dieser aufgeblasene Pfau will mit Miss Dallington befreundet sein? Hält sich wohl für besonders scharf, sonst würde er sich nicht wie ein Flittchen anziehen.", dachte Finley knurrend während er Leonard von der Seite ansah. JA! Finley steckte in diesem Kleid was er am Morgen von der Wäscherei abgeholt hatte. Mit einem Haarteil, hatte er sich seinen Zopf zurecht gebastelt und mit Schminke seine Narbe versteckt und zusätzlich mit falschen Sommersprossen kaschiert. Da die Polizei ja einen männlichen Einbrecher und Dieb suchte, hatte er sich für eine reguläre Arbeit, falls es nicht genug Leichen oder Bedarf danach gab, als Frau verkleidet und als Garderobiere, also Kostümbetreuerin, sich einstellen lassen. Bisher hatte es auch gut geklappt, auch wenn es arg an seinem Stolz als Mann nagte. Leonard merkte die Blicke, fand die Reaktion der vermeintlichen Frau erst komisch, dann eher lustig, weil diese, immer noch grummelig seinem Blick ausweichen tut. Als er leise kicherte, schien diese wütender zu werden aber auch roter im Gesicht.
"Mach ich dich nervös?"
"NEIN!", bellte Finley als Antwort und drehte schnell den Kopf wieder weg.
"Was glotzt der Kerl so? Will der mich ärgern?" Vorsichtig wagt Finley wieder einen Seitenblick, während Leonard ruhig gradeaus zur Tür blickte.
"Sag mal rasiert er sich die Brust? Das kann niemals natürlich glatt sein... he, warum guck ich da überhaupt hin?!!!" Er ballte die Fäuste unter seiner Schürze als endlich die Tür aufging. Amalia Dallington, hatte längst ihr Kostüm ausgezogen, ihr Makeup entfernt und trug ein Nachthemd unter ihrem Morgenmantel. Wie die Rotbrünette Leonard erkannte, strahlte sie vor Freude.
"Leo!"
"Hi Amy!" Und beide umarmen sich. Finley schmollte weil er gehofft hatte Leonard zu seinem Boxsack zu machen.
"Schön, dass du dir Zeit genommen hast für die Premiere!"
"Na für dich doch immer! Für die beste Schauspielerin der Welt!"
"Hihi, ach, übertreib nicht." Dann fiel ihr auf wer neben Leonard stand.
"Ähm, ich hoffe sehr, dass Clara dich nicht zu doll beheligt hat."
"Clara?" Leonard starrte verdutzt neben sich und Finley wollte schon fauchen wie eine Katze.
"Clara Percy.", erklärte Miss Dallington. "Meine neue Garderobiere. Seit knapp 3 Wochen arbeitet sie hier. Sie ist recht eigen, etwas grob und stark, aber zuverlässig, fleißig und niemals müde." "Ach so. Freut mich Sie kennenzulernen, Miss Percy.", sagte Leonard und "Clara" knurrte nur.
"...und sie geht gut mit aufdringlichen Fans um. Ich weiß nicht wie genau sie es macht aber seitdem sie hier ist, habe ich eine geradezu himmlische Ruhe."
"Ich kann mir vorstellen, dass sie ihre Arbeit gut macht.", antwortete Leonard und dachte an das was er vorhin gesehen hatte, beim Hintereingang.
"Ja, ich bin so froh sie am Theater zu haben. Ähm, Clara. Bring die Kostüme zurück ins Lager und..." Auf einmal war das Gesicht der Schauspielerin von Angst erfüllt. "...entferne die Lilie. Da ist vorhin wieder eine gebracht worden." Leonard bemerkte ein kurzes Zucken auf dem Gesicht der Garderobiere, was ihn misstrauisch machte.
"Natürlich, Miss Dallington." Und bereitwillig trat die Garderobiere ein, nahm die zwei voluminösen Kleider unter den Arm und nahm vom Tisch neben dem Frisiertisch, wo gefühlt eine Tonne an Rosen, Anemonen, Gladiolen, Schachteln mit Pralinen und Geschmeide, und dutzender Briefe und Karten, eine einzelne schneeweiße Lilie, an der eine schwarze Karte befestigt war. Dann verließ sie rasch aber gemächlich die Garderobe.
"Na, sowas. Wer schickt dir derartiges? Die Lilie und die Karte wirken eher als ob sie auf eine Beerdigung gehören.", fragte Leonard verwirrt und hielt sich nachdenklich das Kinn, während er Finley hinterher sah.
"Ich weiß es nicht.", wisperte Miss Dallington leise, während sie an Leonard heran trat, so dass nur er sie hören konnte. "Aber seit einiger Zeit werden mir sporadisch solche Lilien mit schwarzen Karten verschickt. Und immer werde ich da zu einem persönlichen Treffen mitten in der Nacht, an einsamen Orten gebeten. Natürlich bin ich niemals da hin gegangen aber ich habe solche Angst..." Sie wimmerte ängstlich, während Leonard sie tröstend in den Arm nahm.
"Oh je, arme Amy. Ich kann das verstehen. Aber es ist gut, dass du nicht dahin gehst, wer weiß wer dir diese Karten geschickt hat."
"Clara versteht wenigstens meine Angst auch, so dass sie meist die Lilien an sich nimmt und entsorgt ohne dass ich ihr das sagen muss."
"Falls du dich dadurch besser fühlst, schicke mir das nächste mal diese Lilien und ich finde heraus wer dir Angst macht. Du weißt ja, das ich das kann." Miss Dallington beruhigte sich dadurch.
"Ach Leonard, du bist wirklich der beste Freund den ich je mir hätte wünschen können. Das werde ich tun, danke dafür." "Wozu hat man denn Freunde? Damit sie für einander da sind.",gluckste er bevor er sich verabschiedet und in die Richtung ging in die "Clara" gegangen war. Auf halbem Wege zum Kostümlager, fand Leonard einen Abfallbehäter, wo der Stiel der Lilie heraus guckte. Nach kurzem, oberflächlichen Wühlen fand er die schwarze Karte, die etwas zerknüllt war. Leonard entknüllte diese und las, in weißer Schrift, die Nachricht: "Triff mich morgen Nacht um halb 12 auf der Westbrücke bei der 3. Laterne. Aber pass auf!"
Wie Leonard später das Theatergebäude verließ, waren Cecilia und Klein etwas ungeduldig geworden.
"Da bist du ja. Habt ihr beide zusammen noch einen Tee getrunken?",fragte Cecilia während Klein zufügte:"Wir haben schon begonnen uns Sorgen um dich zu machen..."
"Klein. Cecilia.", fiel Leonard mit ernstem Gesicht ihnen ins Wort während er die Karte aus der Tasche zog. "Ich glaube wir haben eine heiße Spur zu unserem Leichendieb..."
Wolfsheulen
Cecilia lehnte sich in ihrem Sessel zurück, die Beine ausgestreckt. In dieser, eher weniger damenhaften Pose verharrte sie eine Weile, ehe sie einen Blick auf den neben ihr sitzenden Klein warf. Er schien in Gedanken zu sein und dabei hatte er einen ziemlich traurigen Ausdruck im Gesicht.
"Ist etwas?" sprach sie ihn kurzerhand an, woraufhin er nur erschrocken zusammenzuckte und mit "Ähm, was?" antwortete.
"Du hast traurig ausgesehen. Ist etwas passiert?" hakte sie genauer nach. Sie hätte nur zu gerne gewusst, was ihm gerade durch den Kopf ging. Doch sie bekam nur ein "Ähm... Nein alles gut. Nichts schlimmes." zur Antwort. Scheinbar wollte er nicht mit ihr darüber reden, denn er drehte sich demonstrativ ein wenig von ihr weg. Cecilia seuftzte nur. So war er schon, als sie ihn das erste Mal kennen gelernt hatte.
~*~
"Es verschwinden Menschen? Interessant. Vielleicht ein Beyonder, der die Kontrolle verloren hat? Oder vielleicht haben wir es mit einem Fluch zu tun." mutmaßte Leonard Mitchell, als Dunn Smith ihm und seinem Begleiter Klein Moretti die Papiere für ihre neuste Mission aushändigte.
"Das wissen wir noch nicht. Es ist auch auffällig, dass die Bewohner nachts Wölfe heulen hören, obwohl diese eher untypisch für diese Gegend sind. Gleichzeitig verwanden die Menschen..." entgegnete Dunn ihm "Den Rest müsst ihr selbst herausfinden."
Leonard nickte nur und steckte die Papiere ein. Anschließend drehte er sich herum und Klein folgte ihm.
"Und was machen wir jetzt?" wollte Klein von seinem Begleiter wissen, nachdem sie das Versteck der Nighthawks verlassen hatten.
"Wir müssen an das andere Ende von Tingen, dort wo die Stadt an den Wald grenzt. Wir nehmen uns ein Zimmer in einem Gasthaus und warten die Nacht ab." entgegnete Leonard und stieg in die Kutsche, welche bereits auf die beien Nighthawks gewartet hatte.
Klein seuftze "Das wird wohl eine lange Fahrt." ehe er hinter Leonard in die Kutsche kletterte.
Die Kutsche ratterte über das unebene Kopfsteinpflaster, das stetige Rumpeln ließ selbst die Fenster klirren. Klein verzog das Gesicht und rieb sich unauffällig das Steißbein.
"Vier Stunden auf diesem Brett von einer Bank… das ist Folter“, murmelte er und seufzte theatralisch.
Gegenüber saß Leonard, die Beine locker übereinandergeschlagen, die Nase tief in einem Buch. Er blätterte gelassen um, als würde ihn das Gerüttel kaum kümmern.
„Du solltest dich entspannen. Mit genug Ablenkung spürt man den Schmerz nicht.“
„Ablenkung?“ Klein stemmte die Hände in die Hüften und deutete auf das Buch. „Das funktioniert vielleicht bei dir. Ich hingegen habe keinen Hintern aus Stahl.“
Leonard hob bei dieser Bemerkung kurz den Blick, grinste spitzbübisch und senkte ihn wieder aufs Papier. „Dafür hast du Humor, Klein. Das ist fast so nützlich wie Stahl.“
Als die Kutsche endlich zum Stehen kam, stieg Klein ächzend aus und streckte sich. Die Gegend war verlassen, beinahe trostlos. Einige alte Fachwerkhäuser, ein verfallener Brunnen und ein paar Weidetiere – mehr schien es hier nicht zu geben.
"Und dafür …“ murrte er, "… habe ich mir den Hintern wundgesessen. Ich hoffe inständig, dass die Dorfbewohner wenigstens dramatisch verschwinden, sonst war die Reise umsonst.“
„Wenn Wölfe ihre Spuren hinterlassen hätten, wäre längst die normale Polizei hier. Sei froh, dass es so ruhig wirkt.“ Leonard klappte sein Buch zu, als sei die ganze Fahrt nicht mehr als ein kleiner Spaziergang gewesen.
Sie traten in Richtung Gasthaus. Das Gebäude aus grauen Steinen und dunklen Holzbalken wirkte wettergegerbt, die Scheiben matt, das Dach vom Moos überwuchert. Auf dem handbemalten Schild stand in großen Lettern: GASTHAUS ZUM SCHWEINEKOPF.
Innen empfing sie das Quietschen alter Dielen und der Geruch nach Holzrauch und Staub. Ein massiver Tresen mit vergilbtem Gästebuch, dahinter Schlüsselfächer mit Messingschlüsseln. An den Wänden hingen Jagdtrophäen, die stumpf im schwachen Licht glitzerten.
"Zwei Zimmer für drei Tage“, bestellte Leonard gelassen, während Klein das Gefühl hatte, dass das Gebäude bei jedem Schritt ächzte.
Der alte Wirt schüttelte jedoch den Kopf. „Tut mir leid, nur noch ein Zimmer frei.“
Klein runzelte die Stirn. In dieser Geisterstadt? Aber bevor er fragen konnte, nickte Leonard bereits. „Dann nehmen wir das eine.“
Natürlich würde Klein derjenige sein, der auf dem Boden schlafen musste. Er sah es schon vor sich. - Falls sie überhaupt schlafen würden. Schließlich hatte sein Partner ihre Mission für nachts angesetzt.
Der alte Mann händigte dem Schwarzhaarigen den Schlüssel aus. Dieser hatte sich lässig gegen die Theke gelehnt und war anscheinend zu einem Schwätzchen aufgelegt "Haben Sie schon von den Gerüchten gehört, dass hier Dorfbewohner verschwunden sein sollen?"
Der Gastwirt nickte nur: "Angeblich soll die Bauerstochter von nebenan verschwunden sein. Zusammen mit der Frau des Schmiedes und dem Sohn des Bäckers. Hier verschwinden in letzter Zeit öfters Leute. Und nachts hört man dieses seltsame Wolfsgeheul."
"Haben Sie eine Ahnung, wie die Menschen verwinden oder wo das Geheul herkommen könnte?" harkte er nochmal genauer nach.
"Sie verschwinden tagsüber. Zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten. Wo das Geheul herkommt, weiß ich nicht. Ich würde euch deshalb raten nicht drei Tage hierzubleiben und stattdessen morgen wieder abzureisen."
"Machen Sie sich keine Sorgen. Wir sind vom der Awwa County-Polizei. Wir kümmern uns um den Fall."
Mit diesen Worten drehte Leonard sich herum und lief an Kleid vorbei. Sein Weg führte ihn die Treppe hoch. Der Wirt rief ihm noch etwas nach, doch das hörte er nicht mehr. Es war so dunkel im Treppenhaus, dass Klein Mühe hatte Leonard zu folgen. Scheinbar konnte sein Partner sich im Dunkeln besser orientieren als er. Doch dann hörte er plötzlich einen dumpfen Aufprall und ein lautes "Aua!".
Als Klein auf der zweiten Etage angelangt war, sah er Leonard im Gang stehen. Vor ihm auf dem Boden saß eine junge Frau und um sie herum lagen alles Bücher. Ihre blonden Haare fielen ihr ins Gesicht, während sie versuchte, die Bände hastig wieder aufzusammeln. Klein hob eines auf. "Geistführer?“ las er leise vom Einband. Die Frau hob den Kopf, ihre rechte Augenhöhle war von einer braunen, mit rotgoldenen Zahnrädern verzierten Augenklappe bedeckt. Keine geheimnisvolle Aura, eher das nüchterne Zeichen einer alten Verletzung. Trotz ihres Handicaps funkelten ihr gesundes Auge hell und scharf, als würden sie jeden kleinsten Ausdruck in Kleins Gesicht erfassen.
"Uff. Du solltest wirklich gucken, wo du hinläufst." hörte der seinen Partner sagen, welcher sich ebenfalls bemührte die Bücher aufzuheben.
"Ich hatte auch nicht damit gerechnet, hier auf jemanden zu treffen." murrte die junge Frau und versuchte sich wieder aufzurappeln. Ihr rotgoldener Schmuck, in Form von Zahnrädern, glänzte im schwachen Schein der Kerzen. Klein reichte ihr seine Hand, um ihr beim Aufstehen zu helfen.
"Hier scheint allgemein nicht viel los zu sein. Und bin übrigens Klein Moretti und das ist mein Partner Leonard Mitchell." stellte er sich und seinen Partner freundlich der fremden Dame vor.
Leonard fügte noch ein "Sehr erfreut." hinzu, ehe er und Klein der Blondhaarigen ihre Bücher wieder reichten. Ein Blick des Erkennen schien über ihr Gesicht zu huschen, als sie Klein betrachtete. Dieser konnte sich auf ihre Reaktion keinen Reim machen. Weswegen er es einfach als Einbildung abstempelte. Scheinbar hatte er sich im schwachen Kerzenschein einfach verguckt.
"Mitchell? Das klingt nach einer Ketchup-Sorte. Ich heiße Cecilia d’Étoilecour. Ebenfalls erfreut." hörte er sie sagen. Ihr Ton war höflich und neutral. Ihrer Kleidung nach zu urteilen, schien sie adelig zu sein. Denn solch teure Stoffe mit Mustern verziert, konnten er und seine Familie sich nicht leisten.
Leonard schmunzelte auf ihre Antwort nur "Dann bin ich wohl die geheime Zutat, die deinem Leben noch fehlt.“
Cecilia zog stirnrunzelnd ihre Augenbrauen zusammen "Tut mir leid. Aber ich stehe nicht auf Wahlnüsse... Oder vielmehr, ich stehe nicht auf hohle Nüsse. Da ist mir der süße charmente Typ...Klein, lieber."
"Touché Madam." entgegnete Leonard nur mit einem Lächeln.
"D’Étoilecour? Das klingt, als wenn du nicht von hier wärst." mischte Klein sich ins Gespräch ein, in der Hoffnung, die drohende Eskalation noch zu verhindern.
"Du hast Recht. Ich komme ursprünglich aus Feysac und bin hier nur auf der Durchreise. Und warum bist du hier?" entgegnete Cecilia und machte vor Klein einen Knicks zur Begrüßung.
Leonard räusperte sich "Ich möchte eurer aufkeimenden Romanze nicht im Wege stehen. Aber Klein, wir haben noch was vor. Bitte verabschiede dich von der liebreizenden Dame."
Klein nickte nur und verbeugte sich zum Abschied "Es war schön, Sie kennen gelernt zu haben."
Leonard verschiedete sich ebenfalls mit einem kurzen Wink und den Worten "Au revoir."
"Aussi, Mister Geheime-Zutat." mit einem aufgesetzten Lächeln winkte sie zurück, was Leonard erneut schmunzeln ließ.
Das letzte Zimmer hatte die Nummer ihres Schlüssels. Insgesamt waren drei Zimmer vorhanden, wovon eines sicher Cecilia beherbergte. Kein Wunder also, dass nur ein Zimmer für sie frei gewesen war. Als sie dieses betraten, fiel Klein direkt das Ehebett ins Auge. - Zumindest musste er nicht auf dem Boden schlafen. Erschöpft von der langen Reise, setzte er sich auf das Bett, während Leonard sich auf einen der zwei im Raum befindlichen Holzstühle niederlich. Im de spährlich eingerichteten Raum befanden sich noch ein Tisch und eine Kommode. Alles wirkte ziemlich abgenutzt und grob zusammengeschustert.
"Was meinstest du eigentlich mit >Aufkeimende Romanze>?" wollte Klein von seinem Partner wissen und beäugte diesen misstrauisch. Woraufhin Leonard nur amüsiert grinste "Die Dame mag dich, Klein."
"Kumpel. Nur weil sie nicht auf deine Avancen eingeht, heißt das, dass sie mich mag." erwiderte Klein mit einem genervten Kopfschütteln.
"Wie dem auch sei. Wir sollten die Zeit bis zur Nacht noch nutzen, um die Orte auszukundschaften, an denen die Dorfbewohner verschwunden sind. Vielleicht können wir das Gebiet so abstecken und herausfinden, wo diese sein könnten. Außerdem brauchen wir noch ein Haar oder irgendwas, was du für die Suche verwenden kannst." mit diesem Worten stand der Schwarzhaarige auf und Klein tat es ihm gleich.
Den ganzen Nachmittag hatten die Beiden damit zugebracht die Dorfbewohner zu befragen, um die Orte herauszufinden, an denen die Menschen verschwunden waren. Am Abend hielten sie eine Karte in der Hand, auf der alle Orte rot markiert waren. Doch ein Muster ließ sich aus den Entführungen nicht herleiten.
Plötzlich sah Klein, wie ein paar der Bewohner hektisch in eine Richtung liefen "Wir sollten ihnen folgen. Vielleicht ist gerade wieder jemand verschwunden."
Leonard nickte nur und das Team lief schnell den Menschen hinterher. Eine kleine Gruppe Menschen hatte sich um den alten Brunnen versammelt. Auch Cecilia war dort und beobachtete nachdenklich das Geschehen.
"Ich habe mich nur einmal kurz herumgedreht und dann war sie weg." hörten sie eine ältere Dame kreischen, ehe diese weinend zusammenbrach. Haftig sahen Leonard und Klein sich nach dem Täter oder möglichen Spuren um. Klein aktivierte seine Geistersicht und scannte den ganzen Beerich um den Brunnen ab. Doch ohne Erfolg. Er konnte nichts finden, was ihnen bei ihrer Suche hilfreich gewesen wäre.
"Was sucht ihr? Der Entführer ist schon längst weg." Cecilia hatte sich zu den beiden Jungs gestellt und betrachtete diese nun seltsam von der Seite.
"Wir suchen nach möglichen Spuren. Vielleicht können wir so den Täter fassen?" entgegnete Klein ihr.
Cecilia zog eine Augenbraue in die Höhe "Seid ihr die Polizei? Macht euch keine Mühe. Hier ist nichts. Als Jägerin bin ich gut im Spuren lesen. Wäre hier etwas gewesen, hätte ich es schon längst ausfindig gemacht."
"Wir sind von der Spezialeinheit der Awwa County-Polizei und in sowas ausgebildet. Aber Danke für deine Unterstützung." erwiderte Leonard, welcher sich jetzt auf dem Weg machte, um die weinende Frau zu befragen.
"Wir sind in sowas ausgebildet.... Was für ein arroganter Schnösel." äffte Cecilia ihn nach. Beleidigt und mit erhobenem Haupt verließ sie den Brunneplatz. Klein blickte ihr noch nach, ehe er seinem Teampartner für die Befragung folgte.
Der Wald lag still unter dem Gewicht der Nacht. Kein Rascheln, kein Wind, nicht einmal das Zirpen der Insekten wagte sich zwischen die Bäume. Nur das ferne, langgezogene Heulen eines Wolfs durchschnitt die Dunkelheit. Erst leise, dann lauter. Bis es wie ein Echo zwischen den Stämmen vibrierte. Klein Moretti blieb stehen, seine Death Knell in seiner Hand. Leonard warf ihm einen Blick zu. Er wirkte ziemlich angespannt. „Das war nah“, murmelte er.
„Nein“, sagte eine andere Stimme. Ruhig und eindeutig Weiblich.
Als sie sich umdrehten, trat eine Gestalt aus dem Schatten der Bäume. Eine Frau, jung, mit einem scharfen Augen, das in der Dunkelheit beinahe leuchtete. Sie wirkte, als hätte der Wald selbst sie hervorgebracht.
"Cecilia?" durchschnitt Kleins Stimme die Finsernis. Sie hatte ihn ziemlich erschrocken, als sie so plötzlich hinter ihnen aufgetaucht war.
"Er ist nicht nah.“, fuhr sie fort, "Er ist überall. Er ruft.“
"Eine so feine Dame sollte nachts nicht draußen sein. Es ist zu gefährlich hier." mischte sich Leonard ein, der sich inzwischen auch ein wenig beruhigt hatte. Seit sie am Abend losgelaufen waren, hatte sich der Wald, der tagsüber so friedlich wirkte, nachts in ein Gruselkabinett aus undefinierbaren Geräuschen und schwankenden Ästen verwandelt. Was ihm aber am Meisten gegruselt hatte, waren sie verstummenden Geräusche, als das Heulen der Wölfe eingesetzt hatte. So als bekäme der Wald selbst angst vor dem, was in ihm lauerte. Er und Klein hatten versucht das Geräuch bis zu ihrer Quelle zurück zu verfolgen, sich aber immer weiter im Wald verirrt.
"Tut mir Leid, Herr Polizist. Das ist euch bei euren...äußerst fruchtbaren Ermittlungen störe. Aber da ich in der Lage bin im Dunkeln zu sehen und mich allgemein im Wald gut auskenne, dachte ich mir, ich verfolge euch Trottel mal. Schließlich seid ihr mitlerweile ziemlich weit ab vom Schuss gelandet. Vielleicht habt ihr Glück und durchquert noch heute Nacht die Landesgrenze." erwiderte sie in einen genervten, vor Sarkamus triefenden Tonfall, während sie sich den Kopf hielt. Was ihr von Leonard einen Lacher einbrachte "Tut mir Leid, Prinzessin. Ich wollte nicht unhöflich sein. Kann es sein, dass du ein Beyonder bist? Die >Church of The Eternal Blazing Sun> aus Feysac bringt unter anderen Beyonder hervor, die dem >Red Priest Path< folgen. Einige von ihnen sind auf >Sequence 9, Hunter<. Wen du die NAchtsicht hast, wäre ds jedenfalls nicht so abwegig."
Cecilia nickte nur "Ja. So ist es. Meine Spezialität sind das Spuren lesen und Fallen stellen."
"Dann sollten wir uns von ihr helfen lassen." fügte Klein hinzu, nachdem ein weiteres Heulen die Luft durchsschnitt.
Cecilia seuftze "Das Problem ist... Ich höre das Heulen von überall. Ich kann nicht wirklich ausmachen, woher es wirklich kommt."
"Dann versuch dich zu konzentrieren. Vielleicht findest du es dann herraus." schlug Klein mit freundlicher Stimme vor. Leonard nickte nur zur Bekräftigung.
Cecilia schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Geheule des Wolfes. Die stimmen kamen von überall her. Doch je mehr sie sich darauf konzentrierte, umso vertrauter wurden sie ihr. Bis sie schließlich begriff, von wem diese Stimme stammte. - Von einer Person, von der sie dachte, sie nach all der Zeit endlich verdrängt zu haben. Sofort wurde sie kreidebleich in Gesicht, was den beiden Männern nicht verborgen blieb.
"Was ist los, Cecilia?" fragte Klein besorgt nach und packte sie an der Schulter. Auch Leonards Blick war ernst geworden.
"Dieser Wolf ist kein Tier, sondern ein Wesen zwischen den Welten." hörten sie sie sagen. Die Augen waren vor Schreck weit geöffnet. Inzwischen schien es, als sei das Heulen näher gekommen.
Ohne Vorwarnung riss sie sich von Klein los und flüchtete zurück, in Richtung des Dorfes.
"Was für Welten? Cecilia, warte!" rief Klein ihr hinterher, während er und Leonard ihre Verfolgung aufnahmen und so gezwungen waren, den Rückzug anzutreten.
"Die Welt der Lebenden und der Toten. Und es ruft nach uns." hörte er sie sagen, ehe sie zwischen den nächsten den Bäumen verschwand. Klein schauderte es. Er wollte keine Minute länger in diesem Wald verbringen. Doch wie sollte er ohne sie den Weg wieder zurückfinden. Er sah kaum die eigene Hand vor Augen.
"Cecilia?!" rief Klein nochmal nach ihr, aber sie war verschwunden. Keuchend blieb er stehen und wartete darauf, dass Leonard ihn einholte. Er hatte kaum bemerkt, wie schnell er eigentlich gerannt war.
"Anscheinend müssen wir den Weg wieder selbst zum Dorf zurückfinden." hörte er Leonard sagen, der neben ihm zu stehen gekommen war. Klein nickte nur. Das dürfte eine lange Nacht werden. Doch das Geheul des Wolfes schien wieder weiter weg zu sein.
Als die beiden Polizisten endlich bei der Gaststätte im Dorf ankamen, dämmerte es bereits. Cecilia schien auch schon schlafen gegangen sein, denn auf seinem Weg hatte Klein sie nicht entdecken können. Todmüde ließ er sich in das kleine Doppelbett in ihrem Zimmer fallen. Seinem Partner schien der Schlafverlust nicht so viel auszumachen. Aber er war ja auch ein Sleepness-Beyonder. Er brauchte viel weniger Schlaf, als ein normaler Mensch. Die staubigen Kleider von Vortag behielt Klein einfach an. Er hatte nicht mehr die Energie in geeignete Schlafkleidung zu schlüpfen. Er merkte noch, wie Leonard sich neben ihn legte, ehe er langsam wegdämmerte.
"Huh? Wo bin ich hier gelandet?" verwirrt sah Cecilia sich um. Nach ihrer Begegnung im Wald, hatte sie sich wieder zurück in die Gaststätte geflüchtet. Doch jetzt befand sie sich in einem dunklen Raum. Unter ihr schien der Boden mit Wasser bedeckt zu sein. Denn wenn sie lief, bildeten sich Wellen um ihre Füße. So lief sie weiter, bis sie plötzlich eine blaue Gestalt in weiter Ferne entdeckte.
Beim Näher kommen entdeckte sie..."Ein Wolf?". Apprupt blieb sie stehen. Sie wollte nicht wieder die Stimme ihrer sterbenden Mutter hören. Instinktiv hielt sie sich die Ohren zu. Ob sie eingeschlafen war? Vielleicht war das hier ein Traum und sie musste nur aufwachen. Doch sie wachte nicht auf und das geisterhaft blau leuchtende Tier kam auf sie zu. Nur um sie zu umrunden und sich anschließend an sie zu schmiegen. Diese Verhaltensweise erinnerte sie an ihren alten Hund. Auch er war schon lange tot, doch seine Liebe würde sie für immer begleiten. Die Erinnerung an ihren kleinen vierpfotigen Freund sorgte dafür, dass sie sich merklich entspannte und dem Tier sogar über das Fell strich. Es fühlte sich ein wenig struppig an. Der Wolf schaute ihr kurz in die Augen, ehe er vorauslief. Cecilia folgte ihm etwas zögerlich. In der Ferne schien etwas zu leuchten. Doch Cecilia konnte nicht erkennen was. Doch je weiter sie sich diesem Ziel näherten, umso mehr wurde sie mit dem konfrontiert, was sie eigentlich versucht hatte zu verdrängen.
Bilder tauchten vor ihrem inneren Auge auf. Sie sah ihre Mutter im Büro eines Arztes sitzen. Ihr Gesicht leichenblass. Dann sah sie sie zu Hause vor dem Badezimmerspiegel stehen. Teile ihres Haares waren ausgefallen. - Sie weinte. Das nächste Bild zeigte sie in einem Kranhausbett. Ihre Haare waren nun nicht mehr vorhanden und ihr Körper wirkte bleich und ausgemergelt. Auf dem letzten Bild sah sie noch schlimmer aus. Cecilia hielt ihre Hand. "Warum ich? Soll das mein Leben gewesen sein? Ich habe Angst davor zu zu sterben." hörte sie sie sagen. Cecilia wollte etwas erwidern. Doch kein Wort schien gut genug zu sein, um ihr die Angst zu nehmen. - Um ihr zu helfen.
Plötzlich spürte Cecilia wieder diese Ohnmacht. Machtlos zu sein, im Angesicht des Todes. Ihr nicht helfen zu können. Ihr die schmerzen nicht nehmen zu können. Den verlust, den ihr einzig wichtigen Menschen zu verlieren. Wut und Trauer mischten sich mit Frustration. Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie wollte schreien, auf den Boden schlagen. - Sie wollte das alles am liebsten wieder verdrängen.
Doch dann durchschnitt das Geräusch von Wolfsgeheul den Raum. - War das ihre Stimme?
Gleisendes Licht blendete sie und plötzlich stand sie auf einer Lichtung. Sie stand in einer mondhellen Ebene, vor ihr zwei Wölfe: einer schwarz wie die Nacht, einer weiß wie Schnee. Beide knurrten, die Zähne gebleckt.
„Das bist du,“ hallte eine Stimme, so vertraut wie fern. Sie klang wie ihre eigene.
Die Wölfe kämpften, Fell und Blut flogen durch die Luft. Der schwarze Wolf schien für ihre Ohnmacht zu stehen, die sie im Angesicht des Todes ihrer Mutter verspürte. Der weiße Wolf hingegen beinhaltete ihre positiven Aspekte. wie Hoffnung und Liebe. Der Kampf der beiden Wölfe spiegelte ihre innere Zerrissenheit wieder. Cecilia wollte eingreifen, doch die Stimme sprach: „Es geht nicht darum, einen zu töten. Es geht darum, welchen du fütterst.“
Tränen brannten ihr in den Augen. „Aber ich kann sie nicht retten… Genauso wenig, wie ich meine Mutter retten konnte.“
„Dann rette andere.“ antwortete die Stimme.
Sie verstand, dass sie den schwarzen Wolf nicht aushungern lassen konnte. Das sie den Tod ihrer Mutter nicht einfach verdrängen konnte. Vielmehr musste sie versuchen das Geschehene zu akzeptieren oder zumindest einen Ausgleich dafür zu finden.
Ja. Ihre Mutter hatte sie nicht retten können. So wie so viele andere wichtige Menschen in ihrem Leben. Trotzdem wollte sie nicht aufgeben. Sie würde der Stimme folgen und die retten, die sie retten konnte. So würde das Vermächtnis ihrer Mutter in ihr weiterleben. Die beiden Wölfe hatten aufgehört miteinander zu kämpfen und sahen Cecilia nun an. Erneut wurde es hell und sie wachte auf.
Ziemlich gerädert erwachte Klein. Seine Glieder schmerzen von diesem ungemütlichen Bett.
"Guten Morgen. Hast du gut geschlafen?" Leonard hatte den Raum betreten und hielt Klein nun ein Tablett unter die Nase. Auf diesem befanden sich ein Becher Kaffee und ein Teller mit Toast, Ei und Speck. Klein lief das Wasser im Munde zusammen. "Bist du schon wach?" wollte er von ihm wissen, nachdem er Dankend das Tablett mit dem Frühstück entgegengenommen hatte. "Ich war rechtzeitig zum Frühstück wieder wach. Wenn du noch ein wenig wartest, gibt es vielleicht schon Mittagessen." witzelte Leonard mit einem Augenzwinkern. Klein verkniff sich seinen Kommentar und aß das, mitlerweile kalte Frühstücksessen. Nachdem er fertig war, verließen er und sein Partner das Zimmer.
"Ich weiß nicht, was wir bis zum Abend noch machen sollen. Vielleicht reden wir nochmal mit Cecilia. Sie scheint ja mehr über diese mysteriösen Umstände zu wissen." ergriff Klein das Wort, als sie sich vor der Gaststätte befanden.
"Wenn du sie siehst... Ich habe mich in der Zeit, in der du noch geschlafen hast, nach ihr umgesehen. Ihr Zimmer ist aber abgeschlossen. Sie scheint also noch nicht abgereist zu sein. Bis jetzt ist auch noch kein weiterer Dorfbewohner verschwunden. Ansonsten konnte ich nichts merkwürdiges entdecken." entgegnete Leonard nachdenklich. Klein beneidete Leonard insgeheim um seine Sleepness-Fähigkeiten. Während er den Schlaf der Gerechten schlief, hatte sein Partner schon alles ausgekundschaftet.
Er seuftze "Wenn du schon alles erledigt hast... Wie gehen wir am besten für heute Nacht vor?"
Klein hatte nicht wirklich lust, wieder in den gruseligen Wald zu gehen. Beim letzten Mal hätte er sich fast in die Hose gemacht. Aber irgendwie mussten sie das Mysterium lösen.
Den restlichen Mittag und auch den Nachmittag verbrachten sie damit zu beratschlagen, wie sie in der Nacht am besten vorgehen sollten. Doch eine wirkliche Lösung wollte ihnen nicht einfallen.
Als es dunkel wurde, näherten sich die Beiden wieder dem Wald. Dieses Mal trugen sie eine kleine Lampfe und ein Messer mit sich, mit diesem sie sich den Weg für zurück markieren wollten.
"Sieht so aus, als wolltet ihr dieses Mal nicht blindlinks in den Wald hineinrennen." vernamen sie plötzlich eine Stimme von hinter ihnen. Cecilia war an die beiden herangetreten und streckte sich jetzt ausgiebig. So, als wolle sie sich auf einen Marathon vorbereiten. Klein freute sich zu sehen. Mit ihr würden sie bestimmt sicherer durch den Wald kommen. - Wenn sie nicht wieder weglief.
"Geht es dir wieder gut, Cecilia?" fragte Klein, empathisch wie er war, nach.
"Ich habe den ersten Schrecken überwunden. Ich kann euch also dieses Mal führen. Tut mir Leid, dass ich wegerrannt bin." entschuldigte sie sich bei den beiden Jung und rieb sich Verlegen den Hinterkopf.
"Na dann... Nach euch, my Lady." hörte sie Leonard sagen, welcher sich vor ihr verbeugte und eine Geste machte, die ihr bedeutete weiter zu gehen. Cecilia ging tatsächlich voraus, während die Jungs ihr folgten. Irgendwann verstummten die Geräusche des Waldes wieder und das Wolfsheulen war zu hören. Klein schauderte es. Plötzlich blieb Cecilia stehen und wartete, bis er und Leonard aufgeholt hatten. Dann griff sie plötzlich seine Hand. "Du brauchst keine Angst zu haben. Ich passe auf dich Süß schon auf." hörte er sie sagen, als er instinktiv versuchte seine Hand von ihr wegzuziehen. hinter ihm hörte er Leonard lachen.
"Ja. Pass auf, dass das kleine Süß nicht verloren geht." kicherte der Schwarzhaarige. WAhrscheinlich grinste er auch noch schadenfroh, was Klein aber nicht sehen konnte.
"Du... Ist egal wenn du im Wald verloren gehst. Aber Klein kommt auf jeden Fall wieder mit um." entgegnete sie ihm kühl.
"Das ist zu freundlich von dir. Aber ich möchte der jungen Romanze auch nicht um Wege stehen." entgegete der Schwarzhaarige spitzbübisch und lief noch ein wenig langsamer, damit er weiter hinter den Beiden zurückfiel und sie >alleine< waren.
Klein war mitlerweile vor Peinlichkeit rot anzulaufen. Was man im Dunkeln zum Glück nicht sah.
"Ich gehe schon nicht verloren. Du kannst meine Hand also loslassen, Cecilia." flehte er sie beinahe an ihn loszulassen. Mit einem lautem "Nein!" hielt sie seine Hand stattdessen noch fester.
"»Zu hoch, zu himmlisch dem Verlangen. Entweihet meine Hand verwegen dich, derweil mein Mund dir nimmt, was er erfleht..." hörte er Leonard im Hintergrund amüsiert zirpen, welcher sich anscheinend einen großen Spaß daraus machte ihn zu veräppeln.
"Hör auf, Shakespear für deine Missetaten zu missbrauchen, duuuu..." schimpfte Klein.
Während die Jungs sich zankten, folgte Cecilia dem Wolfsgeheul. Aus tausenden Stimmen, die von ihrer sterbenden Mutter zu kommen schienen, konnte sie noch eine andere Stimme ausmachen. Und zwar ihre.
Dieser folgte sie, bis der Wald sich plötzlich lichtete.
Der Boden war von feinem Nebel überzogen, der sich in Schwaden um ihre Füße legte. Zwischen alten, knorrigen Eichen und silbrig schimmernden Birken fällt nur ein gefiltertes Licht durch das dichte Blätterdach – als würde der Ort absichtlich im Halbdunkeln gehalten. In der Mitte erhebt sich ein Felsen, von Moos und wilden Farnen überwuchert. Darin klafft der schwarze Schlund einer Höhle, unscheinbar und doch unnatürlich anziehend. Aus ihrem Inneren weht ein kühler Hauch, der nach feuchter Erde riecht und fast wie ein Flüstern klingt, wenn er durch die Lichtung streicht. Die Schatten am Höhleneingang wirkten tiefer als gewöhnlich, als könnten sie sich bewegen und Beobachter sein. Im Nebel, vor dem Eingang der Höhle stand ein Wolf, größer als gewöhnlich, das Fell silbern, die Augen durchdringend. Klein griff nach seiner Waffe, doch Cecilia trat vor.
!Nein,“ sagte sie ruhig. Sie kniete nieder, streckte die Hand aus. Der Wolf berührte sie mit der Nase – und löste sich in Nebel auf, der im Mondlicht zerfloss.
Leonard starrte sie an. "Was war das?“
Cecilia erhob sich langsam, das Gesicht ernst, doch ihre Stimme fest. "Nicht jeder Wolf ist ein Feind. Manche sind Führer.“
Cecilia sah dem Wolf mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht nach, während Klein und Leonard die Höhle betraten. Dort fanden sie die verschwundenen Bewohner des Dorfes, wie eingegefroren in der Zeit. Eine alte Frau schien sich über etwas zu Beugen. Ein Kind hielt lachend einen Ball in der Hand. Eine junge Frau schien nach etwas zu greifen. Als Cecilia nach ihnen die Höhle betrat, erwachten die Leute zum Leben.
Verwirrt sahen sie sich um und fragten sich gegenseitig, wo sie hier waren.
"Die Mission scheint damit wohl abgeschlossen zu sein." sagte Leonard.
"Seltsam, dass der Wolf sich aufgelöst hat, als Cecilia ihn streichelte." fügte Klein nachdenklich hinzu.
"Der Wolf wird wohl sie gesucht haben und nicht anders herum." entgegnete der junge Mann mit einem Augenzwinkern.
Am nächsten Tag hatten die beiden Nighthawks ihr Zimmer bereits geräumt und ihren Schlüssel an der Rezeption abgegeben.
"Vielen Dank! Dank euch sind unsere Liebsten wieder bei uns und wir können jetzt alle wieder in Ruhe schlafen." bedankte sich der alte Gasthofwirt, welcher jetzt viel vitaler und motivierter wirkte, als sie hier eingecheckt waren.
"Reist ihr wieder ab?" hörten sie beiden eine weibliche Stimme hinter sich.
Cecilia war an die beiden Jungs herangetreten und umarmte Klein jetzt von hinten "Wie wäre es, wenn ihr mich mitnehmt? Ich könnte euch bei der Polizei eine große Hilfe sein."
"UM GOTTES GÜTE!!! Mädchen, was ist denn mit deinem Auge passiert?!" hörten sie den Gastwirt plötzlich rufen. Schnell drehte das blondhaarige Mädchen sich weg, um schnell ihre Augenklappe aufzusetzen. Scheinbar hatte sie vergessen diese anzuziehen, sodass sie den Mann mit ihrem toten auge erschreckt hatte.
"Du möchtest mitkommen, Cecilia?" wollte Klein von ihr wissen.
"Ja. Ich möchte eurer Polizei gerne beitreten. Ihr habt ja feststellen können, dass meine Fähigkeiten von großenm Wert für eure Ermittelungen sein können." erklärte sie und bedachte Klein mit einem Strahlen.
"Meinst du das geht?" wandte Klein sich an seinen Teampartner.
Leonard "Naja.. Dunn wird sich sicher freuen, wenn ihr ihm ein Geschenk von unserer Mission mitbringen. Also nehmen wir sie erstmal mit."
~*~
Ein Schmunzeln huschte ihr über das Gesicht, als sie sich an ihr erstes Kennen lernen mit Klein und Leonard zurückerinnerte. Dann begangen die Lichter auszugehen, das Orchester zu spielen und der Vorhang erhob sich. Alles war dunkel. Das einzige Licht kam von einem blauen Wolf, der zu ihren Füßen lag und friedlich schlief. Unbemerkt von den anderen Menschen um ihn herum.
Deals auf der Brücke
"...Ihr seid die Göttin der Immernacht, höher als der Sterne Wacht. Ihr seid die Göttin der Immernacht, die die Ewigkeit verlacht. Die Mutter des Verborgenen Ihr seid, Angst und Unheil Ihr verleiht. Herrin, die in Stille verweilt,...Bitte... schicke meinen Sohn zurück." Die mittelalte Frau kniete mit gefalteten Händen vor dem kleinen Altar mit dem Symbol des roten Halbmondes der in der Dorfkapelle stand, während sie weinte. Auch heute hatte sie eine Kerze angezündet. In ihr dunkelbraunes Haar hatten sich mittlerweile die ersten grauen Strähnen gebildet, nicht durch das Alter sondern aus Sorge um ihren Sohn, ihr einziges Kind. Auch hagerer war sie geworden, weil es schon über ein Jahr her war, seit ihr Sohn von Zuhause weggelaufen war und ihnen nur einen Abschiedsbrief hinterlassen hatte, dass er nach Tingen gehen würde und alles wieder gut werden würde. "...Ich weiß weshalb er gegangen ist, aber ich will einfach mein Kind zurück. Wir vermissen ihn so sehr... Bitte... schicke ihn zurück. Ganz gleich was aus ihm geworden ist. Er kann auch ein Dieb und Mörder geworden sein, ich werde ihn immer noch so lieben wie am Tage seiner Geburt nur... Bitte... Bitte, oh Göttin, schicke ihn nach Hause..." Ihr Gebet wurde immer wieder von Schluchzern unterbrochen.
"Oh, Mrs. Davis." Eine alte Frau wollte auch in die Kapelle gehen und hatte die weinende Mutter bemerkt. "...Bitte entschuldigen Sie mich...Ich wollte Sie nicht stören..."
"Hm? Oh, Mrs. Walsh. Nein, alles ist gut..." Sie stand auf und wischte sich ihre burgunderroten Augen trocken, bevor die gutmütige alte Mrs. Walsh tröstend ihre Hände in die eigenen Hände nahm.
"...machen sie sich keine Sorgen. Ihr Junge wird zurück kommen. Das fühle ich. Und die Göttin ist barmherzig."
"Ich weiß... aber wann nur... wenn Percy und ich nur wüssten wann er zurück kommt oder wo genau er in Tingen lebt... das schreibt er nie. Dass er schreibt wie das Wetter ist und was er isst, klingt für mich mehr nach Formalitäten die mich und Percy trösten soll..." "Hmmmm, vielleicht hat er in Tingen ein hübsches Mädchen kennengelernt und will vielleicht noch nichts sagen, um euch zu überraschen.", mutmaßte die alte Mrs. Walsh fröhlich, merkte aber, dass ihr versuch die trauernde Clara Davis aufzumuntern nicht fruchtete.
"Mein Finy hätte bestimmt was gesagt wenn so was vorgefallen wäre. Aber danke, dass sie mich aufmuntern wollten..."
"Schreibt er wenigstens ihnen und ihrem Mann regelmäßig?"
"Ja, einmal die Woche, aber das reicht nicht... und seit etwa 4 Wochen schickt er mehr Geld als zuvor. Er meinte in seinen Briefen, dass er eine neue, lohnenswerte Arbeit hätte." einen Moment schwiegen die Frauen.
"Ähm, falls sie wollen, ich habe heute Wolle bekommen, die versponnen werden muss. Da können sie mir Gesellschaft leisten."
"Danke aber heute nicht... Morgen vielleicht, und Percy kommt nachher wieder nach Hause."
"Dann drücke ich die Daumen, dass er endlich Arbeit gefunden hat. Kommen sie ruhig morgen oder wann auch immer. Meine Tür ist immer offen für sie." Sie nickte und schlich leise nach Hause, wo sie fast stundenlang am Küchentisch sitzt und kummervoll vor sich hinstarrt. Dann aber ging die Haustür auf und Schritte gingen Richtung Küche.
"Clara!" Sie erkannte die Stimme ihres Mannes, genannt Percy Davis. "Bist Du zuhause?" "Ja, ich bin in der Küche..." Jetzt fiel ihr ein, dass sie eigentlich Abendessen kochen wollte, aber vor Kummer nichts zustande gebracht hatte. Schließlich trat ihr Mann ein, zog seine Jacke aus und legte seine Mütze auf den kleinen Küchenschrank. "Willkommen zurück, Schatz. Tut mir leid, ich habe noch nicht angefangen zu kochen..."
"Das macht doch nichts, mein Engel. Ich helfe dir dabei, Hunger habe ich noch keinen.",beruhigte Percy seine Frau, während er sich zu ihr setzt. Auch in seinen Haaren haben sich graue Strähnen gebildet, was aber wegen seiner hellblauen Haarfarbe aber nicht so auffiel. Aber auch seine Geheimratsecken auf dem Kopf sind größer geworden. Seine gelben Augen mit Stich ins grüne waren eigentlich immer von Sorglosigkeit erfüllt, aber auch ihn hatte der Kummer um seinen Sohn gezeichnet. Dann aber schien er noch was sagen zu wollen:"Du, Clara."
„Ja?“,fragte diese, bevor kurz ihre Augen vor Aufregung aufblitzten. „Hast du Nachrichten von Finy?!“ Da war Percys Stimmung betrübt.
„Leider nein... Dafür habe ich aber wieder Arbeit gefunden. Unten im Sägewerk im Nachbartal.“ Clara versuchte ihre Enttäuschung runter zu schlucken, weil es eigentlich eine gute Nachricht war und sie sich auch gewünscht hat, dass ihr Mann wieder in Lohn und Brot stand.
„Dort? Ich dachte sie hätten dich vor einem halben Jahr dort abgelehnt.“
„Jack hat ein gutes Wort da unten für mich eingelegt und wird mich da einarbeiten.“
„Das ist ja wunderbar!“, freute sich Clara von ganzen Herzen für Percy.
„Ich hab ihn schon gesagt, dass das nächste Ale, was wir trinken werden, auf mich geht.“, lachte dieser und kurz war seine fröhliche Natur wieder da.
„Und ich werde Rosalie einen schönen großen Kuchen backen. Nein, besser! Ein neues Schultertuch stricken. Mrs. Walsh hat ja wieder Wolle bekommen zum Spinnen.“
„Ja, genau. Das werde ich Jack morgen sagen.“ Aber schon war Percys Gesicht wieder voll Kummer. „Trotzdem... Ich wäre noch glücklicher wenn ich Finley mit nach Hause gebracht hätte... Ich hätte dafür sogar eine Arbeitsstelle im königlichen Palast abgelehnt...“
„Ich weiß... wenn wir ihm nur schreiben könnten, dass du wieder Arbeit hast, hätte er keinen Grund mehr in Tingen zu bleiben...“ Alles was die beiden grade tun konnten war sich gegenseitig in den Arm zu nehmen und sich so gut wie sie konnten sich zu trösten.
Klein, Cecilia und Leonard hatten sich in der Gasse am einen Ende der Westbrücke versteckt und warteten. Der Mond leuchtete als blutrote Sichel am Himmel und Nebel waberte über den Fluss, der leise durch sein Bett gluckerte. In der Ferne hörte man wie die Kirchenglocken läuteten.
"23 Uhr 30.", flüsterte Klein, nachdem er sich mit einem Blick auf seine Taschenuhr versichert hatte. "Jetzt müsste diese Garderobiere kommen, von der du erzählt hattest, Leonard." Und dieser nickte. Sowohl er als auch Klein und Cecilia hatten ihre Pistolen gezückt, bereit im Notfall zu schießen.
"Da kommt jemand!",flüsterte Leonard, der natürlich als Midnight Poet am besten in der Dunkelheit sehen konnte. Auch Cecilia sah mit ihren Jägeraugen wer da kommt und sofort hatten alle die Finger am Abzug. Schließlich konnte Klein, mit der schlechtesten Nachtsicht, auch jemand erkennen, der sich der dritten Laterne näherte. Ein Mann mittleren Alters mit langem Mantel und Zylinderhut wurde sichtbar. Gleichzeitig kamen aus der anderen Richtung Schritte. Es war ein junger Mann, der eine schlichte Jacke über sein schmutzigen Hemd gezogen hat. Er trug schwarze löchrige Hosen und zog nervös seine grau gemusterte Schiebermütze ganz tief ins Gesicht. Leonard konnte erkennen, dass dessen Augen nervös hin und her streiften. Aber irgendetwas klingelte in seinem Kopf wie er ihn sah. Dennoch schwieg er und sah, dass der junge Mann auf den mittelalten Mann zu ging. Beide flüsterten miteinander einige Minuten lang.
"...10.", konnten die drei nach einer Weile und hoher Konzentration vom jüngeren hören.
"7", vom älteren.
"Wir haben aber 10 vereinbart."
"Ja, aber es sind weniger zur Prüfung zugelassen als erwartet und dadurch weniger Studiengebühren geflossen. Die werden jedes Jahr fauler und eingebildeter. 7,5."
"Nein, 9,5."
"7,5 und kein Pence mehr."
"Na gut dann 8."
"7,75 letztes Angebot."
"Hrmpf! Einverstanden." Dann gaben sie sich die Hand und der mittelalte Mann drehte sich um und ging.
"Und jetzt?",fragte Cecilia, während Klein über ihre Schulter sah, in der Hoffnung noch jemand anderen kommen zu sehen. "Ich sehe niemanden kommen. War es das? Haben wir diese Garderobiere verpasst oder kommt sie nicht?"
"Weiß nicht...aber ich will was überprüfen.",sagte Leonard während er misstrauisch die Pistole weg steckte und aus dem versteck heraus ging. "Haltet euch bereit und gibt mir Deckung." Klein und Cecilia nickten, während Leonard auf den jungen Mann zu ging, der offenbar zuerst in Gedanken versunken war, bevor er sich umdrehen wollte und in die Richtung zurück gehen wollte, aus die er grade gekommen war.
"Guten Abend.", hörte er eine lyrische Stimme freundlich und Finley erschrak sich fast zu Tode, weil er die Stimme erkannte. Der aufgeplusterte Pfau aus dem Theater, der Freund seiner Vorgesetzten!
"Du schon w...ÄH!" Leonard war überrascht von der Reaktion seines Gegenübers. Noch mehr als Finley sich an die Krempe seiner Mütze fasste und das Gesicht abwandte, um dieses so gut wie möglich zu verstecken. Das ärgerte Leonard natürlich weil er seinem Gegenüber nicht richtig ins Gesicht sehen konnte um seinen Verdacht zu bestätigen, aber seine Miene blieb ruhig.
"He, keine Panik. Ich suche nur jemanden. Haben Sie eine junge Frau gesehen? Hellblaue Haare, die sie als Pferdeschwanz trägt, ein rotes Kleid mit hellgrüner Schürze und Sommersprossen?"
"Neee.", antwortete Finley ohne das Gesicht grade zu halten oder die Hand von der Mütze zu nehmen. "Sind Sie mit der verabredet? Echt spät dafür."
"Nein, ich habe ein paar ernste Fragen. Sie wissen also wirklich nichts, Mister?" Dabei schritt Leonard näher, immer noch versuchte er dabei ihm ins Gesicht zu sehen. Finley wich einen halben Schritt zurück und Angstschweiß brach ihm auf der Stirn aus. Aber Leonard trat näher. Klein und Cecilia sahen aus der Distanz zu und wurden nervös. "Wissen Sie, dass es unhöflich ist Leuten nicht ins Gesicht zu sehen wenn sie mit einem sprechen?", fragte Leonard ernst, worauf aber Finley zurück fragte: "Und Wissen Sie nicht, dass man Leuten nicht auf den Pelz rückt?" Wieder trat Finley einen halben Schritt weg.
"Kommen Sie. Seien Sie etwas kooperativ. Menschen sind in Gefahr. Sagen Sie mir einfach ob Sie diese Dame gesehen haben."
"Ne, verdammt nochmal! Wie oft muss ich das noch sagen!"
"Sind Sie sich auch hundertprozentig sich... Hey! Meine Augen sind hier oben!",ermahnte Leonard mittlerweile etwas gereizt, als er den Blick des jungen Mannes auf dessen offenen Hemd erwischte und er sich selbst einen Hauch rot im Gesicht nicht verkneifen konnte. Cecilia musste das gehört haben, denn sie kicherte sich ins Fäusten bevor Klein nervös sie mit einem leisen "Pscht!" Um Ruhe bat. Finley dagegen schien die Nerven zu verlieren denn er blaffte wütend:"Das musst du grade sagen, so wie du angezogen bist, du Gigolo!" Das hätte er besser nicht sagen sollen. Cecilia keuchte und japste, weil sie versuchte nicht laut los zu lachen.
"Das war nicht nett.", kommentierte Klein flüsternd, während er versuchte Cecilia mit sanftem tätscheln des Rückens zu beruhigen. Auch mit Leonards Gelassenheit ging es zu Ende.
"Was hast du zu mir gesagt?", fragte er mit Mühe ruhig zu bleiben, während schon vor Wut eine Ader auf seiner Stirn pochte. Finley aber war nun richtig tollkühn geworden, lachte hämisch auf und setzte nochmal einen drauf:" Na, ist doch wahr! So wie du rumläufst, darf man sich nicht wundern dass die Leute denken, dass du dich an jeden ranschmeißen tust!"
"DAS REICHT!" Leonard griff schon in seine Jackentasche und zückte seinen Dienstausweis. "Awwa County-Polizei. Du bist wegen Beamtenbeleidigung verhaftet!" Bei den Worten rutschte Finley nicht nur das Herz in die Hose, sondern auch seine Hand von seiner Mütze und er starrte auf den Ausweis, dann in Leonards wütendes Gesicht.
"Du bist ein Bulle? Scheiße!" Und Finley nahm ohne zu zaudern die Beine in die Hand und rannte von Leonard weg.
„Ach, jetzt auch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte?“, rief Leonard ihm hinterher, während um ihn herum begannen Blütenblätter von Rosen zu tanzen, als hätte ein Wind sie aufgewirbelt. „Mach es nicht noch schlimmer für dich, Freundchen!“ Und er streckte ruckartig den Arm aus und beschwor eine Dornenranke, die in atemberaubender Geschwindigkeit, Finley einholte und sich um einen seiner Unterschenkel wand. Finley wurde zu Boden gerissen und die Ranke zog ihn zu Leonard. Während die Luft erfüllt war von Rosenblättern und Finley verzweifelt versuchte sich zu befreien und dabei sich an den Dornen stach, rezitierte Leonard eines seiner Gedichte um ihn zu lähmen:“...Bedrohliche Furcht, purpurne Hoffnung. Zumindest bleibt eine Sache wahr, dieses Leben ist vergäng...“
„HÖR AUF!!!!!“,zerschnitt ein verzweifelter Schrei das Gedicht und ein Geruch mischte sich unter den Rosenduft, der würzig, harzig und leicht bitter war. Leonard war erschrocken, darüber dass man seinem Gedicht Widerstand geleistet hat. Noch bevor die letzte Silbe des Schreis seine Ohren wieder verlassen hat, knallte etwas gegen ihn wie eine Kanonenkugel und riss ihn zu Boden. Finley hatte sich irgendwie von der Ranke befreit und war in Leonard rein gestürmt ohne großartig nach zu denken, nun war er über Leonard und hatte ihm am Boden fixiert. Offenbar über seine eigene Kraft und Brutalität überrascht, zögerte er und wurde sich jetzt erst bewusst was er da gemacht hat.
„LEONARD!“, riefen Klein und Cecilia, stürmten auf die Brücke und Klein schoss. Der Schuss verfehlte Finleys Schulter, da legte Cecilia an, zielte und schoss selber. Der Schuss hätte Finley definitiv in die Schulter getroffen aber der wich knapp durch zusammen zucken aus. Eh Leonard, unter Schmerzen des Zusammenpralls wieder eine neue Ranke beschwören konnte, ließ Finley ihn los und rannte davon.
„HALT!! STEHEN BLEIBEN!!“, rief Cecilia und jagte Finley hinterher. Klein wollte sie aufhalten aber sie als auch der Flüchtende waren im Nebel verschwunden.
„CECILIA!“, rief Klein ihr hinterher. Keine Antwort. Alles war totenstill.
„CECILIA!!“, rief Klein abermals, die Sorge stieg in ihn. Er wollte schon in die Richtung laufen wo Cecilia auch hingelaufen war, als er Leonard neben sich auf dem Boden leise „Au...“ stöhnen hörte und ihm sein Kollege wieder einfiel.
„Oh! Leonard, geht’s dir gut?“ Dabei half er ihm sich aufzurichten.
„Dieser Kerl... ist die Garderobiere...“
„Was? Bist du dir sicher?“
„Wie er mich umgenietet hat, konnte ich sein Gesicht besser betrachten. Er muss sich verkleidet haben... Au... Das wird er büßen...“
„Warte, ich helfe dir auf.“ Dann aber hörte man in der Ferne einen schmerzerfüllten Schrei.
„Was war das?“, fragte Leonard besorgt.
„Das klang nicht gut. Hoffentlich war das nicht Cecilia.“ Klein hatte nun Leonard auf die Füße geholfen und stützte ihn beim Gehen. Als sie das Ende der Ranke, die Finley noch festgehalten hatte erreicht hatten, stutzten sie wie sie erkannten, dass durch die Ranke ein kleines Bäumchen Rosmarin mit hellblauen Blüten, gewachsen war und diese gespalten hatte.
„Bei der Göttin... es fehlt nicht viel und er kann den Trank des Midnight Poets zu sich nehmen...“, sagte Leonard erstaunt.
Natürlich war Finley nicht verborgen geblieben, dass ihn jemand verfolgte. Er versuchte seine Verfolgerin durch Haken schlagen los zu werden, bog einmal rechts und einmal links in eine Gasse ein, aber Cecilia ließ sich nicht abschütteln. Beim dritten Mal abbiegen, fand er Kisten und Fässer, davon schmiss er einige um, in der Hoffnung Cecilia damit aufzuhalten, aber sie wich aus, sprang sogar auf eines der rollenden Fässer in die Luft und stürzte sich auf ihn, wie ein Falke auf eine Maus. Cecilia hatte Finley bäuchlings zu Boden gedrückt und drehte ihn den Arm auf den Rücken, während Finley zappelte und strampelte.
"AU! Lass mich los, du Furie! Ich habe doch nichts getan!"
"Mein Kollege hat aber recht. Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sind Gründe für eine Verhaftung, also kommst du schön brav mit. Hör auf zu zappeln, du tust dir noch weh!"
"Mann, ich konnte doch nicht wissen, dass diese Puderquaste ein Bulle...AHHHHH!" Es hat ein lautes Knacken gegeben, Finley schrie so laut, dass Cecilia glaubte taub zu werden und seine rechte Schulter hatte eine unnatürliche Verformung angenommen. Er hatte sich seine Schulter ausgekugelt, wie er versucht hatte sich aus Cecilias Griff zu entwinden. Diese versuchte ihn nun anders festzuhalten, während er sich weiter trotz Schmerzen wehrte.
"Halt still! Deine Schulter muss ruhig gestellt werden. HE! Jetzt, lass das! AU!" Finley hatte ihr mit den Fuß ins Gesicht getreten, so dass sie benebelt auf dem Rücken liegen blieb und Sterne vor ihren Augen tanzen sah. Das nutzte er aus um sich aufzurappeln und zu fliehen ,während er seinen lädierten Arm festhält.
"Auuuuuu..." Um Cecilia drehte sich alles, so dass ihr fast schlecht wurde, bis sie das traurige Winseln eines Hundes, nein eines Wolfes hörte und etwas kaltes, feuchtes ihre Wange anstupste. Dadurch wurde ihr Kopf wieder klar. Vorsichtig drehte sie den Kopf zur Seite und erkannt ihren geisterhaft leuchtenden Wolf, der sie seit jenem Tag begleitet hat, wo sie den Nighthawks begegnet ist. Dieser blickte mit traurigen Augen an, als er sie abermals mit seiner Nase anstupste.
„Ach, du bist es... Alles gut...“ Dabei betastet Cecila ihr Gesicht. „Nichts gebrochen... gut für diesen Kerl...“ Als sich Cecilia aufrichtet sah sie dass der Wolf etwas in der Schnauze trug. Die Mütze des Entflohenen!
„Ah, sehr gut! Gut gemacht!“ Nachdem sie die Mütze an sich genommen hatte, rieb sie ihre Nase liebevoll an der des Wolfes und der wedelte mit dem Schwanz.
„Damit wird Klein den Typen ausfindig machen!“
„CECILIA!!!“, hörte sie dessen Stimme aus der Distanz.
„...oh...Hier Klein! Ich komm zu dir!“ Und Cecilia steht schwerfällig auf, weil ihr auch der Rücken wehtat. Wie sie zurück zur Brücke kam, sah sie Klein, der Leonard stützte. Dieser machte ein Gesicht saurer als ein Fass Essiggurken und hinkte.
„Cecilia!“, rief Klein erleichtert als er sie erblickte. „Bist du verletzt?“
„Nein, auch wenn er sich wie ein Irrer gewehrt hat. Leider ist er entkommen.“
„Was?“, fragten die beiden Männer fassungslos.
„Er hatte sich versehentlich den Arm ausgekugelt und konnte mir so entwischen. Wenigstens wird er in nächster Zeit kein Grab plündern. Und wir haben seine Mütze.“ Dabei zeigte sie ihnen die Mütze.
„Fantastisch! Super Cecilia! Jetzt wo ich sein Gesicht gesehen habe, kann ich mit der Mütze seinen aktuellen Aufenthaltsort aufspüren! Dieses Mal wird er uns nicht entkommen!“
„Das will ich hoffen...“,sagte Leonard mit Genugtuung. „...Au! Wenn er mir nur einen Knochen gebrochen hat, werde ich ihm das noch mehr übel nehmen als die Beleidigung!“
„Also wenn du noch laufen und jammern kannst, geht’s dir noch gut, bestimmt kriegst du nur blaue Flecken. Also mach dir keine Sorgen um deine Alabaster-Haut, Adonis.“, lästerte Cecilia aber Leonard kontert:“... Der Bursche war fast auf demselben Level wie ich und er hatte den Überraschungsmoment auf seiner Seite.“
„Hört auf euch zu zanken.“, versuchte Klein den Frieden zu wahren. „Wir gehen zuerst zurück und ihr lässt euch vom Arzt untersuchen. Morgen kriegen wir ihn, versprochen.“
Hornacissen und andere Bienen
Am nächsten Tag war Leonard war immer noch im Sanatorium der Immernachtkirche, in welches er gegangen war, um sich auf mögliche Verletzungen untersuchen zu lassen.
Deswegen zogen Klein und Ceclia nun alleine los, um den Leichendieb zu schnappen.
Sie wollten die Chance nutzen, in der er noch verletzt war.
Zusammen saßen sie in einer Kutsche und Klein gab die Richtungen an. Cecilia hatte währenddessen gelangweilt den Kopf auf ihre Hand gestützt. Innerlich machte sie sich allerdings Sorgen. War es wirklich so klug, den Leichendieb nur zu zweit zu fangen? Mit Leonard hatten sie schon kaum eine Chance gehabt. Und jetzt musste sie alleine Klein beschützen und die Zielperson Dingfest machen? Eigentlich hätte sie sich darüber freuen müssen, mit ihrem Schwarm alleine auf Mission gehen zu können. Doch die Sorge blieb. Trotzdem erinnerte sie sich an das letzte Mal, als sie beide tatsächlich alleine gewesen waren...
Es war ein sonniger Tag, als Cecilia sich von ihrer kleinen Mietwohnung im gehobenem Viertel Tingens auf dem Weg zur hiesigen Universität machte. Ihr Ziel waren die Bibliotheken und Archieve. Auch, wenn sie noch nicht genau wusste, wie sie an diese gelangen sollte. - Sie war schließlich kein Student der Khoy Universität. Doch darüber würde sie sich später Gedanken machen.
Schon von Weitem konnte sie das riesige Gebäude bereits erkennen.
Die Universität von Tingen erhob sich wie ein steinernes Gedächtnis vergangener Jahrhunderte über den gepflegten Rasenflächen. Zwischen den Arkaden und Spitzbögen lag der Duft von Pergament und kaltem Regenstein, und das ferne Läuten einer Glocke hallte über die Türme hinweg, als wolle sie die Gedanken selbst zur Ordnung rufen.
Ihr Ziel was das große Eingangstor. Doch auf dem Weg dorthin stieß sie versehentlich mit jemandem zusammen.
"Huch, Klein. Was machst du hier?" erstaunt blickte sie den brünetten jungen Mann an, welcher sich schmerzvoll den Kopf rieb.
"Oh, Cecilia. Du auch hier?" entgegnete dieser ihr, wie immer mit höflicher Zurückhaltung.
>Ganz der Gentleman.< dachte Cecilia sich mit einem sarkastischen Unterton, ehe sie ihm neutral entgegnete: "Ja. Ich bin auf der Suche nach ein paar Informationen und ich dachte, die Archieve der Khoy Universität wären eine gute Anlaufstelle. Und warum bist du hier?"
"Ich besuche einen alten Dozenten von mir. Mr. Eggers. Ich habe auch ein paar Fragen und hoffe, dass er sie mir beantworten kann."
Cecilia roch förmlich ihre Chance und legte Klein kumpelhaft ihren Arm über seine Schultern, ehe sie mit einer einschmeichelnden Stimmlage entgegnete "Dein Professorchen...ja? Du könntest mir doch sicher den Gefallen tun...und den ein wenig überreden mir Zugriff auf die Interne Archive zu gewähren?"
Klein blickte sie erst erstaunt an, brach aber dann plötzlich in schallendes Gelächter aus.
"Klein... Hör auf zu lachen. Ich meine es ernst. Ich habe bereits Dunn gebeten, damit ich mit einem Sonderzugang forschen konnte. Aber das hat mich auf meiner Suche nicht weitergebracht." mürrisch verzog die Frau mit dem weißblondem Haar das Gesicht.
"Tut mir Leid, Cecilia. Ich glaube nicht, dass ich Mr. Eggers bestechen kann, damit du Einsicht in geheime Dokumente erhälst. Aber ich kann ihn gerne bitten, zu deinem Problem ein wenig nachzuforschen. Wonach suchst du eigentlich?" entgenete Klein beschwichtigend, nachdem er sich von seinem Lachanfall erholt hatte.
"Die Potion für den Paragon Pathway, Sequence 9, Savant. Ich war schon in Intis und in Loen in den Gottenhäusern. Aber die wollen mir die Potion nicht geben. Also...muss ich sie mir eigenhändig beschaffen. Und ich dachte, dass die Universität von Tingen eine gute Anlaufstelle sei."
"Du hast doch schon eine Potion. Warum eine zweite, Cecilia?"
"Ich komme aus einer Familie von Künstlern. Ob es nun begabte Maler, Dichter oder Bildhauer sind. Kunst wird in der Familie d’Étoilecour großgeschrieben. Aber dafür ist der Leistungsdruck und das Konkurrenzdenken enorm. Als Malerin steche ich leider nicht sehr hervor. Deswegen möchte ich mit Hilfe der Potion auf eine ganz neue Kunstform erschaffen."
"Möchtest du Maschinen hübsch dekorieren oder wie? Aber du hast doch schon eine Potion, oder? Ist es nicht zu riskant noch eine zweite zu nehmen?"
"Vielleicht? Ich werde es herausfinden... Wenn du mich deinem Dozenten Eggman vorstellst."
Cecilia versuchte Klein ein gewinnendes Lächeln zu schenken. Doch dieser schien immer noch nicht ganz überzeugt von ihren Absichten zu sein. Dennoch drehte er sich herum und wies sie mit den Worten "Dann komm mal mit." an, ihm zu folgen.
Klein führte sie durch das Gelände der Universität, bis sie vor einem kleineren Gebäudekomplex stehen blieben. Nach genauerem Hingucken stellte sich dieses als das Büro der Geschichtsabteilung heraus.
Er klopfte an. Kurze Zeit später wurde ihm auch schon die Türe geöffnet.
Ein junger Mann rückte in Cecilias Sichtfeld. Er hatte braune warme; aber müde wirkende Augen, blasse Haut und langes schwarzes Haar; dass er sich zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Er trug einen schwarzen, edel wirkenden Mantel. Er sah ein wenig düster aus, wirkte aber dennoch freundlich.
Ein wenig überrascht sah sie ihn an, was Klein ihr mit einem fragenden Blick quittierte. In Erklärungsnot geraten, erklärte sie: "Dein alter Dozent, Mr. Eggman sieht so jung aus. Ich hatte eigentlich mit einem alten Mann mit Bart gerechnet"
Ein sanftes Lächeln stahl sich auf das Gesicht des Geschichtsdozenten: "Ich dachte nicht, dass ich noch so jung aussehe. Aber vielen Dank. Und mit wem habe ich das Vergnügen?"
Cecilia stellte sich ihm vor und erklärte kurz, warum Klein sie unangemeldet mitgebracht hatte und was ihr Anliegen war.
"Zu der Herstellung dieser Potion wird sich wohl nichts in den Archiven unserer Universität finden lassen. Die Kirche des God of Steam and Machinery hält die Rezepte für ihre Tränke geheim. Aber ich habe von einem Mann gehört, der viele seltene Gegenstände und Pergamente zum Thema Maschinerie und Alchemie sammelt. Er taucht gerne auf großen Veranstaltungen und Festen auf." erklärte Mr. Eggers und Cecilia bedankte sich.
"So." wandte er sich jetzt an Klein, "Und warum bist du hier?"
"Ich möchte etwas über Hornacis erfahren."
"Hornacis?"
"Ganz genau, Herr Azik. Wir haben das Antigonus-Notizbuch untersucht und darin gelesen. Vom Immernachtreich und den Hornacisbergen."
"Hmm. Die Familie Antigonus. Immernacht. Da klingelt etwas. Ich habe vielleicht davon gehört. Oder auch nur von ähnlich klingenden Begriffen. Da bin ich mir nicht sicher."
"Also..." mischte Cecilia sich ins Gespräch ein, "Das Hornacis klingt nach einer Geschlechtskrankheit und das Antigonus nach Insektenvernichtungsmittel. Das Immernachtreich könnte aus Leonards unglaublich kitschiger Poesiesammlung stammen. Ich würde dir empfehlen einen Apotheker aufzusuchen. Der könnte das Richtige für dich haben, Klein."
Auf diese Bemerkung hin wurde Klein knallrot im Gesicht, während der Dozent nur herzlich lachen musste.
"Da hat aber jemand sehr viel Humor. Irgendwie...erinnert mich das an eine Person, die ich vielleicht mal gekannt habe? Naja. Ich nehme mal an, dass Sie nicht das Vergnügen hatten im Antigonus-Notizbuch lesen zu können, obwohl Sie Kleins Kollegin sind?" wollte Mr. Eggers von ihr wissen, immer noch mit einem amüsierten Funkeln in den Augen.
"Ich kam in die Firma, nachdem das Notizbuch schon geborgen wurde. Ich hatte also nicht das Vergnügen."
"Werter Herr Azik." unterbrach sie dieses Mal Klein, "Sollte Ihnen noch etwas einfallen oder wenn Sie noch Fragen haben, melden Sie sich."
"Ja. Aber natürlich."
"Dann will ich Sie nicht länger aufhalten. Unsere beruflichen Pflichten rufen nach uns."
"Hm-hmm."
Mit diesen Worten stand die einzige Frau in der Runde, zusammen mit Klein auf und verneigte sich kurz, ehe sie mit einem freundlichen "Vielen Dank!" den Raum verließ. Klein folgte ihr mit ein paar Minuten Abstand.
Scheinbar hatten er und Mr. Azik noch einen kurzen Wortwechsel gehabt, von dem Cecilia nichts mehr mitbekam.
Als die Kutsche zum Stehen kam, wurde Cecilia aus ihren Gedanken gerissen. Die Gegend wirkte dreckig und verlassen. Ein altes Antiquariatsgebäude ragte vor ihnen auf. Seine Fassade war grau und von Rissen durchzogen. Über der Tür hing ein verblichenes Schild mit kaum lesbaren goldenen Buchstaben. Die Schaufensterscheiben waren blind vor Staub, dahinter stapeltenn sich Schatten und vergessene Gegenstände. Ein rostiges Glockenspiel über der Tür bewegte sich kaum im Wind, doch wenn es klang, war es ein leises, trauriges Geräusch.
Klein blieb einen Schritt hinter Cecilia, Augen halb geschlossen, als lausche er einer Melodie, die nur er hören konte. Cecilia bewegte sich leise, fast lässig, als wäre das ganze Pflaster vor der Tür ihr Territorium. Ihre Fallen waren unsichtbar für den flüchtigen Blick. Kleine, unauffällige Dinge, die sie in der Türschwelle und neben den Notausgängen verteilt hatte. Keine brutalen Vorrichtungen, sondern Stolperstellen, knirschende Drähte und ein paar versteckte Fläschchen mit Kräuterrauch, die beim Zerbrechen eine kurzzeitige Desorientierung brachten. Sie hatte das Tageslicht genutzt. Ein funkelndes Scherbenmosaik reflektierte die Sonne so, dass es bei Aktivierung blendete. Genug, um einen Menschen zu verlangsamen.
Im Inneren war die Luft kühler. Regale warfen lange, schiefe Schatten, da das Sonnenlicht durch die beschlagenen Scheiben nur mäßig eindrang. Klein streckte eine Hand aus, um die Regale tastend zu berühren. Er sah Fetzen, nicht klar. Eine Bewegung zwischen den Schatten, die fluchende Stimme des Leichendiebes. Er nahm die rechte Gasse, dann die linke. Klein nickte kaum merklich.
"Links, durch die westliche Gasse.“ flüsterte Klein, ohne den Blick vom Regal zu nehmen. Cecilia hörte mehr in seinen Tonfall als in den Worten. Sie machte einen Schritt, die Hand an einem altmodischen Taschenmesser. Nicht zum Töten, sondern um leise Knoten zu lösen.
Die Verfolgung begann. der Dieb huschte zwischen Regalen hindurch und stieß ein umgefallenes Fach an, wodurch eine eine Lawine aus ledernen Bänden augelöst wurde. Cecilia sprintete, ihre Stiefel knarrten auf dem morschen Holz. Klein hielt nicht Schritt. Er blieb zurück.
"Drei Herzschläge... rechts... Der Staub…“ er deutete auf den Boden. Cecilia sah es erst, als sie es überquert. Eine leichte Schimmerspur, kaum sichtbar. Eine der Fallen, die sich nun aktiviert. Ein feiner Rauch zieht auf, die Luft schmeckt nach Metall und alter Tinte. Der Dieb hustete, stolperte und verlangsamt sich.
Die Gänge waren ein Labyrinth. Cecilia nutzte jede Deckung, stieß Regalbretter vor, schloss leise Türen hinter sich, damit er ins Dunkel stolperte. Klein folgte, nicht hetzend, sondern mit gesenkter Miene. Seine Sehergabe webte mögliche Bewegungen voraus, ließ ihn im Kopf Knoten lösen und Wege blockieren. Manchmal blieb er stehen, als lausche er der Zeit. Dann berührt er einen Buchrücken und für einen Augenblick flackerte ein Bild in seinen Augen: Der Dieb auf einem Hinterhof. Er zeigte Cecilia die Richtung.
Die Falle an der hinteren Ausgangstür war eine von Cecilias Meisterstücken.
Als der Leichendieb zu entkommen versuchte, zerriss ein verborgener Faden seine Spur. Winzige Glöckchen begannen zu klingen. Ein zartes, metallisches Läuten, das in dem Stillstand des Ladens unnatürlich laut wirkt. Cecilia hörte es, schloss den Kreis und griff den Dieb, als dieser gerade den Schwellenstein berührte. Ihre Hände waren sicher, schnell, und er hatte keine Zeit mehr sich zu wehren. Sie band ihm die Hände, während er ihr die übelsten Schimpfwörter an den Kopf warf. Als dann aber auch die Handschellen klickten, wehrte der junge Mann sich nicht mehr.
Kurze Zeit später trafen Dunn Smith und ein, scheinbar wieder genesener Leonard mit fünf Polizisten am Ort des Geschehens ein. Munter verkündete Leonard: "Ihr habt es geschafft! Und das ohne meine Hilfe. Ich bin beeindruckt."
Hinter ihm wurde der Leichendieb gepackt und in einen Polizeiwagen verfrachtet. Cecilia atmete erleichtert auf "Mit ein wenig Strategie klappt alles. Aber was passiert jetzt mit ihm?"
"Wir werden ihn ins Gefängnis stecken und dann anschließend verhören. Dunn ist darin ein Spezialist. Und dann sehen wir weiter. Ihr könnt den Rest also jetzt getrost uns überlassen."
"Dann werde ich mal nach Hause gehen." verabschiedete Klein sich mit einer höflichen Geste und ging. Cecilia tat es ihm gleich.
Zwei Tage später stand die Geburtstagsfeier von Selena Wood an. Cecilia hoffte dort den ominösen Sammler, von dem Mr. Eggers gesprochen hatte, zu treffen. Die Einladung dafür zu bekommen war für sie recht einfach gewesen. Sie wohnte nicht weit von der Familie Wood entfernt und der Sohn, Chris, flirtete gerne mit ihr.
Wenn ihr Herz nicht schon Klein Moretti gehört hätte, wäre der junge Mann mit dem roten Haar sicher der Richtige für sie gewesen. Aber so war sie ihm einfach nur Dankbar für die Einladung.
Um nicht aufzufallen trug Cecilia das Kleid, welches sie schon bei der Theateraufführung getragen hatte. Auch ihr Haarteil hatte sie dieses Mal weggelassen. Eine einfache Augenklappe zierte ihr linkes Auge.
An der Türe begrüßten sie Selena und ihr Vater freundlich. Sie gratulierte der jungen Dame und übereichte ihr ihr Geschenk, ehe sie hereingebeten wurde.
Cecilias Weg führte sie in den Wohnbereich, in dem schon viele Gäste saßen.
"Das wird ein langer Tag. Bis ich den Richtigen gefunden habe..." murmelte sie unzufrieden zu sich selbst. Auch wenn sie so wirkte, sie war kein besonders gesprächiger Mensch. Zumindest, wenn es um gesellschaftliche Themen ging. Doch dann entdeckte sie Klein. Er stand an einem Tisch, auf welchem allemöglichen Speisen aufgereiht waren und angelte gerade nach einem Stück Fleisch. Sie wollte sich gerade dazugesellen, als eine von Selenas Freundinnen auf ihn zukam und ihm etwas zuflüsterte. Anschließend stieß eine andere von ihnen zu ihm und Cecilia hörte nur "Kleiiiin."
Daraufhin ließ dieser fast sein Steak fallen.
"Melissa?"
"Ich habe zwar gehofft, dass du oder Benson hier über eine mögliche Vermählung sprecht. Aber Elisabeth ist erst sechszehn."
"Was?`Du stehst auf Kinder?!" Cecilia hätte fast vor Entsetzen ihren Teller fallen gelassen.
Schockiert drehte Klein sich zu ihr herum: "Um Gottes Willen, NEIN! ...Was machst du eigentlich hier, Cecilia?"
Andere Gäste hatten die Unterhaltung mitverfolgen können und starrten sie jetzt neugierig an.
"Nach dem Mann suchen, den mir dein Dozent, Mr. Deggers empfohlen hat. Ich hoffe, dass ich ihn auf dieser Feier antreffen kann." entgegnete die blondhaarige junge Frau Schulter zuckend.
"Wer ist das, Klein?" mischte sich das Mädchen mit den braunen Haaren in ihr Gespräch ein.
"Du meintest sicher Mr. Eggers. Das hier ist übrigens meine Schwester Melissa Moretti. Melissa, dass ist meine Kollegin Cecilia d’Étoilecour." stellte Klein die Damen mit einer einladenden Handbewegung einander vor. Cecilia musste erst ihren Teller in ihre linke Hand sortieren, ehe sie die dargebotene Hand von Melissa schüttelte "Sehr erfreut."
"Freut mich auch, eine Kollegin von Klein kennen zu lernen. Ich lasse euch beide mal alleine. Und Klein... Versau es nicht." hörte sie Melissa nur sagen, ehe sie den Tisch verließ und sich wieder ihren Freundinnen zuwandte. Klein blieb verwirrt zurück "Ich habe doch gar nichts gemacht."
"Ähm... Wenn du schon mal hier bist..." zog sie seine Aufmerksamkeit wieder auf sich "Könntest du mir vielleicht helfen? Ich weiß nicht wie die Zielperson aussieht und hier sind eine Menge Gäste. Vielleicht könntest du mir helfen den Richtigen zu finden?"
"Ja. Ich kann es versuchen."
"Unterhalte dich einfach mit den Gästen. Wenn du jemanden findest, der sich übermäßig für Maschinerie und Alchemie begeistert, sag mir Bescheid."
Mit einem Augenzwinkern verabschiedete sie sich von Klein. Auch wenn sie gerne mehr Zeit mit ihm verbracht hätte. Ihre Mission war wichtiger.
Es war bereits Abend, als Cecilia so langsam die Hoffnung aufgab. Sie hatte sich schon mit vielen verschiedenen Männern über ihre Hobbies und Interessen unterhalten. Die weiblichen Gäste warfen ihr bereits issgünstige Blicke zu und tuschelten irgendwas hinter ihrem Rücken. Vermutlich hielten sie sie für eine Art Pick-Me-Girl. Aber ihr war das herzlich egal. Sie hatte sich noch nie dafür interessiert, was andere Leute über sie dachten.
Den Mann den sie suchte, hatte sie immer noch nicht gefunden und Klein war ebenfalls verschwunden. Die meisten Gäste waren bereits gegangen und sie saß alleine auf der gemütlichen Couch. Doch plötzlich setzte sich jemand zu ihr. Ein älterer beleibter Mann mit Monokel und fettigem Haar. In der Hand hielt er ein Glas mit einem alkoholischen Getränk. Cecilia konnte nicht genau sagen welches. Innerlich ekelte sie sich bereits. Äußerlich blieb sie allerdings kühl "Kann ich Ihnen weiterhelfen?"
"Ja. Vielleicht können Sie das. Ich habe mitbekommen, dass Sie sich für Alchemie begeistern?" entgegnete dieser und schwenkte einmal sein Glas. Der Stimme nach schien er schon leicht angetrunken zu sein. Doch sie hatte ihn wohl endlich gefunden. Das war ihr Mann.
"Sicher." etgegnete sie süß, "Für Alchemie und auch für Maschinerie im historischen Sinne. Vor allem wenn es um die Herstellungsprozesse geht. Alte Objekte oder Dokumente finde ich also besonders spannend."
"Da habe ich vielleicht etwas, was Sie interessieren könnte. Kommen Sie mich doch mal in meinem Anwesen besuchen. Dann können wir weiterreden Hier ist meine Adresse." mit diesen Worten reichte er ihre seine Karte. Anschlißend leerte er sein Getränk und schien gehen zu wollen. Denn er machte sich auf dem Weg zur Türe. Herr Wood verabschiedete ihn noch, während Cecilia nur verdutzt auf die Karte starrte.
Er hatte sie ziemlich leichtfertig zu sich eingeladen. Ohne genau zu hinterfragen, welche Interessen sie verfolgte. Und die Art wie er sprach und sich bewegte... Irgednwas stimmte mit diesem Mann nicht.
Auf der Karte stand auch kein Name. Also wusste Cecilia noch nicht Mal, wie er eigentlich hieß.
Irgendwie beschlich sie ein ungutes Gefühl. Und da sie wusste, dass sie ihren Instinkten besser vertrauen sollte, machte sie sich auf dem Weg ihm zu folgen.
Mit den Worten "Ich komme gleich wieder." verabschiedete sie sich schnell von Selinas Vateer und machte sich an die Verfolgung. Es war bereits dunkel, sodass ein Normalsterblicher kaum etwas sah. Doch Cecilias Augen verrieten ihr mehr. Der Mann bog um die Ecke und sah sich einmal anch allen Seiten um. So als wolle er sichergehen, dass er wirklich ungestört war. Ob er wusste, dass Cecilia ihn verfolgte?
Plötzlich schmiss er sich auf alle Viere und begann, wie ein Kriechtier in rasender Geschwindigkeit über den Boden zu krabbeln. Nur um in dem nächsten Abwasserkanal zu verschwinden.
"Ein Abnormaler." stellte sie fest. Jetzt wusste sie, dass sie weit mehr zu erwarten hatte, als ein nettes Pläuschen mit einem Herrn in seiner Villa.
Beim Anwesen der Woods angekommen, sah sie die Familie Moretti, wie sie sich von Selina und ihrem Vater verabschiedete. Cecilia beschloss, sich auch zu verabschieden. Aber vorher...
"Klein. Ich habe hier etwas für dich. Du weißt schon, über dass was du Mr. Eggers gefragt hast." sprach sie Klein an. Dieser entgegnete fast schon begeistert: "Ja. Hast du?"
"Ja. Ich bin extra dafür nochmal nach Hause zu laufen, um es dir zu geben." erwiderte sie stolz und hielt ihm ein Buch hin.
Auf diesem stand groß geschrieben "Hornissen und andere Bienearten."
"Ähm..." fragend sah Klein sie an "Du glaube, du hast da was verwechselt."
"Also möchte mein Bruder Impker werden?" kicherte sein älterer Bruder Benson, und der REst der Truppe fiel in sein Gelächter mit ein.
Zugriff
..."und sind das alle Informationen die man über den Gefangenen bekommen konnte, oder Neil?", fragte Leonard, während er mit dem alten gutmütigen Alchemisten zu Dunns Büro geht und dieser eine Akte durchforstet.
"Ja, es war aber nicht so leicht, weil er nicht komplett bei der Stadt gemeldet war. Er hatte wohl gedacht nur kurz in Tingen zu bleiben aber das Schicksal wollte es wohl anders, so dass er wohl kein Geld für eine dauerhafte Behausung hatte. Ein bisschen naiv der Junge, aber er ist ja auch vom Land. Da ist es anders als in der großen Stadt, kein Wunder, dass er auf die schiefe Bahn geraten ist."
"Naiv? Glaub ich nicht. Bestimmt ist er ein durchtriebener Hund..." Leonard nahm ein Blatt das Neil ihn gab und las:
""Name: Finley Davis.
Geboren am 2.11.1327 in Oulsditch.
Beruf: unbekannt.
Vater: Percy Davis, Angestellter im Sägewerk.
Mutter: Clara Davis, geborene Sombra, Hausfrau.
Geschwister: keine.
Verhaftet am 12.7.1349.
Auffälligkeiten: Nicht registrierter Beyonder."
Das wars? Mehr ist nicht über ihn zu sagen?"
"Tja, Leonard. Was hast du erwartet? Dass er einen Mord begangen hat? Du kannst den Leuten nur vor den Kopf sehen, also tu ihn nicht vorher dämonisieren, wenn du nichts über ihn weißt. Mal sehen was Dunn später aus ihm raus kriegt." Neil klopfte an Dunns Tür und Leonard gab Neil das Blatt zurück.
"Dunn. Hier sind die Papiere zu euren Raufburschen, er wird grade ärztlich versorgt."
"Gut. Neil, heute Abend will ich mit dir den Professor aufsuchen den Cecilia, Klein und Leonard mit dem Tatverdächtigen gesehen haben. Nicht, dass er irgendwelche Zauber benutzt und unsere Untersuchungen damit stört. Momentan wird das Versteck des Verdächtigen nach mehr Beweisen abgesucht. "
"Natürlich Dunn, dann weiß ich Bescheid. Kann ich mich bis dahin zuhause aufs Ohr legen?" Neil gähnte dabei herzhaft. "Ein alter Mann muss sich Zeit nehmen um Kräfte zu sammeln und ich bin ja nur ein Mysteries Pyr und kein Sleepless."
"Natürlich, ruh dich aus Neil. Ich sehe mir den Burschen gleich mal genauer an wenn das Labor sein Blut analysiert hat." Und Neil ging dankbar nickend. "Leonard, du hast gleich Patrouille am Marktplatz mit Aiur."
"Captain, sollte ich beim Verhör nicht besser dabei sein? Der Tatverdächtige könnte andere ungeahnte Kräfte haben."
"Du hast mir bereits erzählt dass der Junge kurz davor steht den Trank vollständig zu absorbieren und zum Midnight Poet aufzusteigen, aber ich bin nicht seit gestern Nightmare. Und außerdem, will ich nicht riskieren ,dass ihr beide euch die Köpfe einschlägt. Klein und Cecilia haben mir bereits erzählt, was für Wörter er dir an den Kopf geworfen hat und du deshalb Groll gegen ihn hegst." Daraufhin schwieg Leonard peinlich berührt.
Etwa 3 Stunden zuvor...
..."nochmal... 1. 2. 3." Wieder gelang Finley es nicht seinen Arm selber einzukugeln und er biss sich beinahe in die Zunge um seinen Schmerzensschrei zu unterdrücken. Er war zwar in seinem Unterschlupf, im Antiquariat, genauer im hinteren Seitenbereich wo der ehemalige Besitzer gewohnt hat, aber dennoch wollte er kein Aufsehen erregen.
"AU... scheiße... was musste die blöde Kuh mir den Arm verdrehen...und dieser Pfau von der Polente sein... alles seine Schuld... was musste der auch zu Miss Dallington latschen um zu quat..." Finley erstarrte in seinem Gewetter, weil er gehört hatte, dass vor der Tür eine Kutsche stehen geblieben ist. Das leise quietschen der Türen von der Karosse konnte er auch hören. Er wagte für einige Momente nicht sich zu rühren. Ihm war als ob er Schritte um den Laden hören tat. Was ging hier vor sich? Er blieb weiter sitzen bis ihm bewusst wurde, dass die Schritte nun im Laden waren. "Scheiße. Wer ist das?" Leise, sich immer noch den ausgekugelten Arm haltend, schlich er sich in den Verkaufsraum mit den vielen Regalen. Im Dunkeln des Ladens erkannte er zwei Personen, die Frau mit der Augenklappe von gestern, die ihn fast geschnappt hatte und der andere Mann von gestern, mit dem silberbeschlagenen Gehstock. Sie haben ihn also doch gefunden?
"Verflixt nochmal.",zischte Finley leise zwischen den Zähnen. Dabei entschloss er zum westlichen Notausgang zu gehen.
"Ich kenne mich hier aus und ich kann im Dunkeln sehen, ich habe einen Vorteil..." Schon bog er einmal rechts und einmal links, durch die Regale ab. Doch dann merkte er wie die beiden auch in die Richtung gingen. Sie kamen näher! Finley stoß dann in seiner Not ein Fach in einen der Regale um, wodurch einige Bücher runter regneten aber die Frau war ausgewichen und der Mann war stehen geblieben, als hätte er es kommen sehen und blickte mit leeren Augen vor sich hin. Wieder gab Finley einen leisen Fluch von sich und beschleunigte seine Schritte, die Frau war ihm beinahe auf den Fersen. Aber kaum kam er dem Notausgang näher, klirrte etwas, wie als wenn was zerbricht und Rauch entstand wie aus dem Nichts. Finley hustete und rieb sich die Augen während er eine andere Richtung einschlägt. Die Frau aber verfolgte ihn weiter. Er nahm einen Umweg um Abstand zu gewinnen, bevor er zu einer Tür ging aber musste feststellen dass der Umweg ihr die Gelegenheit gegeben hatte die Tür abzuschließen und ihn einen weiteren Fluchtweg blockierte. Der Mann blieb immer noch zurück, immer noch mit diesem seltsam leeren Blick aus schwarzgefärbten Augen.
"Was stimmt mit dem nicht?",dachte sich Finley und gruselte sich bevor er als letzten Ausweg, die Flucht auf den Hinterhof im Geiste plante aber zuerst wieder einen Umweg einschlug, in der Hoffnung die einäugige Frau zu täuschen, die zu seinem Schrecken ein Messer in der Hand hatte. Aber kurz nachdem er doch etwas Abstand gewinnen konnte und bevor er den direkten Weg zum Hinterausgang nahm, blickte er hinter sich und sah den Mann in die Richtung deuten, wo er selber hingehen wollte, obwohl es zu dunkel war aus seiner Sicht um das zu erkennen und die Frau hatte wieder die Verfolgung aufgenommen.
"Was?! Aber wie konnte dieser Waschlappen nur wissen dass..."
"Kling Klang Kling!!"
Obwohl es ein zartes, feines klingeln war, klang es in Finleys Ohren wie Donnerschläge und schon hörte er die Stiefel der Frau sich beschleunigen. Er hatte einen feinen Stolperdraht durchbrochen und damit kleine Glöckchen zum läuten gebracht, die seine Position verrieten. Noch bevor er aus der Tür rennen konnte, hatte sie ihn gepackt und drehte ihn den heilen Arm auf den Rücken und ignorierte das was Finley ihr an fiese Worte entgegen schleuderte. Dann holte sie Handschellen aus ihrer Tasche und fesselte ihn damit. Finleys Widerstand erstarb, als sie seinen ausgekugelten arm nach hinten bog um ihn die Handschellen anzulegen und der Schmerz ihn wieder in die Schulter stach wie ein Schwert. Nach einer kurzen Weile hörte Finley wie zwei weitere Kutschen herbei kamen, aus einer stieg ein Mann mittleren Alters mit hellbraunen Haaren mit Graustich, kalten silbernen Augen und einer starren Miene aus ,dicht gefolgt von, und Finley stieg wieder die Wut im Bauch hoch, dem Schwarzhaarige mit den grünen Augen und Rüschenhemd.
"Ihr habt es geschafft!",sagte dieser in seiner lässigen Art, zu der Frau, die Finley an zwei ihrer Polizeikollegen übergab, die ihn zu der anderen Kutsche buchsieren.
"Das ohne meine Hilfe. Ich bin beeindruckt."
Finley wurde in den Wagen verfrachtet und die Tür sofort hinter ihm geschlossen.
"Mit ein wenig Strategie klappt alles. Aber was passiert jetzt mit ihm?"
"Wir werden ihn ins Gefängnis stecken und dann anschließend verhören. Dunn ist darin ein Spezialist. Und dann sehen wir weiter. Ihr könnt den Rest also jetzt getrost uns überlassen."
"Ins Gefängnis? Verhören? Verdammt, es muss doch einen Ausweg geben!" Aber der Wagen setzte sich in Bewegung als Finley grade aufstehen wollte um einen Fluchtweg zu suchen, verlor das Gleichgewicht und fiel hin wo er liegen blieb.
"Captain Smith?" Scheu trat eine junge Frau mit braunem leicht gekräuselten Pferdeschwanz und Laborkittel in Dunns Büro, in ihrer Hand ein Stoß Papier.
"Ah, Miss Richard. Ist die Blutanalyse des Tatverdächtigen fertig?", fragte Dunn nachdem er sie mit einem winken zu sich gebeten hatte.
"Ja Sir. Wie vermutet, ist er wirklich Sleepless Path Sequence 9. Der Tatverdächtige hat zwar den Trank recht gut absorbiert, aber es ist noch genug in seinem Blut vorhanden, um die Art des Trankes bestimmen zu können."
"Konnten sie auch die Qualität des Tranks bestimmen? Es kann ja sein, dass er diesen vom Schwarzmarkt hat, wo die Zutaten gepanscht oder gefälscht werden."
"Nein. Dafür war der Trank zu gut absorbiert." Sie blickte nochmal auf die Papiere um ganz sicher zu gehen, bevor sie diese an ihren Vorgesetzten gab. Dunn überflog den Analysebericht.
"Keine Drogen, kein Alkohol..."
"Nicht mal Geschlechtskrankheiten hat der Verdächtige. Also hat er zumindest das Geld aus dem Verkauf der Leichen, weder für Alkohol, Drogen oder Prostituierte ausgegeben."
"Das letztere kann man nicht ganz ausschließen, vielleicht hat er einfach aufgepasst. Es wären noch zwei weitere Motive möglich: Spielsucht und allgemein finanzielle Not. Habgier ist definitiv ausgeschlossen, sonst hätte er sich nicht in so einer heruntergekommen Behausung eingenistet, sondern hätte sich was... schickeres gesucht."
"Hmmm... stimmt auch wieder. Ach ja, eh ich es vergesse. Man bringt den Tatverdächtigen grad in den Verhörraum."
"Hm, in Ordnung." Dunn steckte den Laborbericht in den Ordner und stand von seinem Schreibtisch auf. "Danke Miss Richard, ich werde den Tatverdächtigen nun befragen." Und er machte sich auf den Weg zum Verhörraum. Im Geiste ging Dunn einige Fragen durch die er den verdächtigen stellen würde. Da sowohl Dunn als auch der Verdächtige auf dem Sleepless-Path sind, würde Dunn außer Stande sein in seine Träume einzudringen um dort nach Antworten zu suchen. Das würde das Verhör deutlich aufwendiger machen.
Die Ärzte im Sanatorium der Immernacht-Kirche haben Finley den Arm wieder eingekugelt, ein paar Blutproben genommen und ihm anschließend einen Heiltrank gegen die Schmerzen gegeben. Was war Finley erleichtert wie die Schmerzen aufhören, aber da hatte er sich zu früh gefreut, da er in eine Gefängniszelle unter dem Hauptquartier der Nighthawks gebracht wurde. Dort kamen die Leute rein die in Untersuchungshaft waren oder keine so schlimmen Verbrechen begangen haben. Dort saß er etwa 2 Stunden lang, voller Angst was als nächstes geschehen würde. Würden sie hart mit ihm umgehen? Und was soll aus seinen Eltern werden, wenn er ihnen kein Geld schicken könnte. Der Gedanke ließ ihn weinen wie ein kleines Kind, bevor zwei Polizisten kamen und er sich die Augen trocken rieb, weil er ihnen diese "Schwäche" nicht gönnen wollte. In Handschellen führten sie ihn zu einem Raum wo er auf einem Stuhl, auch mit Handschellen, fixiert wurde und die Polizisten anschließend auf ihren Anführer warteten. Dieser kam auch ein paar Augenblicke später, es war der Mann mit dem starren Gesichtsausdruck und den kalten Augen, mit einer Akte in der Hand.
"Vielen Dank. Nun Gentleman..." Und die Polizisten ließen Dunn mit Finley alleine. Dieser starrte Dunn an, während er versuchte furchtlos auszusehen.
"Nun, guten Tag zuerst, Mister Davis, richtig? Ich bin Dunn Smith, Anführer der Awwa-County Polizei, besonders der Spezialeinheit "Nighthawks"." Finley wunderte sich über Dunns Höflichkeit und antwortete nur knapp: "Tach..."
"...und ihnen ist bestimmt auch bewusst warum sie hier sind?"
"Weil ich diese Puderquaste beleidigt habe? Ich habe vorher nicht gewusst, dass er einer von euch ist. Er reagiert total über.", versuchte Finley den Unwissenden zu mimen. "Das dürfte ihr kleinstes Problem sein. Sie stehen im dringenden Tatverdacht, für eine Serie von Grabschändungen und Diebstähle von Leichen verantwortlich zu sein." Dunn blieb kühl und sah Finley streng aber ruhig an.
"Was?",versuchte Finley immer noch unschuldig zu wirken. "Das soll ich gemacht haben? Sie spinnen doch, das war ich nicht!"
"Sie wurden an einen der Tatorte gesehen. Auch wenn zugegeben, der Friedhofswärter sie für eine Frau gehalten hatte." Beinahe wäre Finley vor Wut geplatzt, weil er sich in seiner Männlichkeit verletzt fühlte.
"Wollen sie damit sagen, ich sehe zu weibisch aus?!"
"Das sollten Sie den Friedhofswärter fragen. Die anderen Merkmale die die verdächtige Person hatte treffen auf sie zu, Mr. Davis.", setzte Dunn fort, immer noch ruhig und unbeeindruckt. "Z...Zufall... Ich hab 'ne Allerweltsfresse."
"Auch eine Allerweltsnarbe, Mister Davis?" Finley schluckte nervös, Dunns Blick wirkte wie Stahl. Dieser fuhr fort:"Außerdem hat einer unserer Ermittler sie am Theater, in ihrer Verkleidung gesehen und später auch auf der Brücke wiedererkannt."
"D...das sind alles Zufälle...",beteuerte Finley weiter. "Sie...sie haben keine Beweise." Schließlich öffnete Dunn die Akte und zog zwei fast transparente Tüten aus sehr, sehr feinem Papier heraus, bevor er die Akte, immer noch offen, auf einen kleinen Tisch neben den Stuhl legte. In einer erkannte Finley ein schwarzes Rechteck, die Karte und in der anderen ein hellblauer Büschel, sein eigenes Haar.
"Ihr Haar wurde an einem Tatort gefunden und sie hatten diese Karte in Empfang genommen und waren zum vereinbarten Termin am nächsten Abend auf der Brücke gewesen. Das sind sehr belastende Indizien, Mister Davis. Wäre es nicht besser sie gestehen alles?" Dieser aber stockte, als ob ihm ein Kloß im Hals steckte. Dunn legte die Tüten auf den Tisch zur Akte und hockte sich vor Finley hin, um mit ihm auf Augenhöhe zu kommen, in der Hoffnung seinen Starrsinn zu lösen. "Mister Davis...", sprach er sanft wie ein Lehrer zu einem bockigen Jungen."Sie hatten bestimmt ihre Gründe, aber die Beweise sprechen eine eindeutige Sprache. Machen sie es sich nicht noch schlimmer. Bitte, gestehen Sie, es würde ihre Strafe mildern. Das verspreche ich ihnen." Finley blieb aber starrsinnig und wich Dunns Blick aus. Sein Blick fiel dabei auf die Akte und auf das erste Blatt mit seinem Foto und Informationen, und da fiel ihm was ins Auge.
"Moment mal!" Er wandte den Kopf zur Akte. "Was steht da über meinen Vater?!" Er war auf einmal ganz aufgeregt und schien vergessen zu haben in was für einer Situation er war. Dunn fand das merkwürdig, aber fühlte, dass das kein Ablenkungsmanöver war.
"Was ist mit ihrem Vater?",fragte er immer noch ruhig.
"Geben sie mir die verdammte Akte! Ich will das lesen!!" Und er rüttelte an den Handschellen als wollte er sich losreißen. Dunn, immer noch ruhig, nahm das Informationsblatt und hielt es Finley hin, so dass er es lesen konnte.
"..."Angestellter im Sägewerk..." Papa hat wieder Arbeit gefunden? "Sägewerk?" Doch nicht im Nachbartal, wo auch Jack arbeitet?!" Dunn konnte fast körperlich fühlen wie Finley sich über diese Zeile freute und dass ihm scheinbar eine große last von der Seele genommen wurde.
"Mister Davis... hatte ihr Vater vorher keine Arbeit gehabt?" Finley antwortete nicht aber ließ mit einem erleichterten Seufzer den Kopf hängen und zwei Freudentränen fallen. "Mister Davis?" "Was...was für eine Strafe erwartet mich?",fragte letztendlich Finley mit Bitterkeit in der Stimme. "Gefängnis auf jeden Fall, vielleicht zwei bis drei Jahre. Dazu eine Geldstrafe wegen der Beamtenbeleidigung. Leonard besteht leider darauf, auch wenn ich versucht habe ihn umzustimmen."
"Und... und was... wenn ich gestehe?"
"Dann ließe sich mit dem Richter reden. Wollen sie etwa gestehen?"
"Nur wenn sie mir eins versprechen." Finleys Stimme war wieder fest und ernst, und er sah Dunn bohrend in die Augen.
"Was soll ich ihnen versprechen?", fragte Dunn mit unveränderter Miene.
"Versprechen Sie mir, dass meine Eltern nichts davon mitbekommen! Und dann erst sage ich alles was Sie hören wollen!"
"Das ist alles was sie verlangen? Mein Schweigen gegen ihr Geständnis?"
"Mama und Papa sollen nicht erfahren wie ich an das Geld gekommen bin dass ich ihnen geschickt habe." Dunn überlegte kurz, während er sich wieder aufrichtete und schließlich antwortete:"Sie haben mein Wort. Ihre Eltern werden nichts erfahren und die Presse wird weder Name noch Fotos von ihnen bekommen." Wieder seufzte Finley erleichtert.
"Also gut... Ja... Ich war es..."
"Sie haben also doch die Grabschändungen und Diebstähle begonnen?"
"Ja... Ich wollte Geld für meine Eltern beschaffen, weil Papa arbeitslos geworden ist. Weder er noch ich hatten Arbeit finden können. Also bin ich vor über einem Jahr nach Tingen gekommen, um hier Arbeit zu finden. Aber als Arbeiter im Hafen, in den Fabriken, Lieferant oder Straßenkehrer habe ich nur ein paar Pence bekommen, die ich selber brauchte um zu überleben. Deswegen hat mich mein Vermieter aus meinem Zimmer das ich gemietet habe, raus auf die Straße geworfen. Ich dachte dann, dass die feine Gesellschaft mich kreuzweise kann und wollte mich einer Diebesbande anschließen."
"Sie wollten ein Dieb werden?"
"Ja... aber die Bande am nördlichen Hafenbecken hat mich ausgelacht und behauptet, dass ich nicht viel aushalten könne. Ich hab dann einem die fresse poliert und die gesamte Bande hat sich mit Messern auf mich gestürzt. Die Narbe in meinem Gesicht stammt davon."
"Ach so.", erwiderte Dunn, nun deutlich besser im bilde. "Laut ärztlichem Bericht hat man überall Narben an ihnen gefunden, stammen diese auch davon?"
"Ja, genau. Als ich mich tot stellte, warfen sie mich ins Hafenbecken, zu deren Pech kann ich aber gut schwimmen und tauchen. Es hat aber lange gedauert bis ich wieder genesen war, aber da hatte ich das Antiquariat gefunden und bin da eingezogen. Ich habe mich mit Einbrüchen über Wasser gehalten... und auch mit Leichendiebstahl... aber das waren vielleicht nur zwei Leichen pro Nacht im besten Fall..." Finley hatte beschämt die Stimme gesenkt.
"So so. Da haben sie ihre unrühmliche Karriere begonnen?", fragte Dunn. "Und weiter?"
"Naja... dann eines Abends, es war glaube ich Ende April oder Anfang Mai... egal, ich war im Nobelviertel in eine Wohnung eingestiegen um Schmuck und Silberbesteck mitzunehmen und da fand ich auf dem Arbeitstisch des Hausbesitzers ein Rezept, ein offenes Notizbuch und mehrere Gläser voll Sachen wie Blüten von Mitternachtsschönheit oder Eulen-Augen und Kaffeebohnen..." "Zutaten für den Trank des Sleepless...", sagte Dunn ehrfürchtig und erinnerte sich an die Herstellung seines Trankes damals.
"...Ja! Das stand auf dem Rezept! Und in dem Notizbuch hatte der Besitzer geschrieben, dass es ihn endlich dadurch möglich sei, die Nächte durchzufeiern. Als ich das las, dachte ich, dass ich das vielleicht zusammen mischen und selber trinken könnte, aber zögerte... dann aber, nachdem ich sicher war, dass niemand im Haus war, tat ich es doch und als ich den fertigen Trank trinken wollte, kam der Besitzer des Hauses zurück und ich hab das Zeug runter gestützt, auch wenn es widerlich gerochen und mir in der Kehle gebrannt hatte. Bevor er mich sehen konnte, bin ich zum Fenster getaumelt, weil mir komisch im Kopf wurde und bin raus gefallen. Wäre der Liguster der darunter wuchs nicht da gewesen, hätte ich mir das Genick gebrochen."
"Sie haben aber auch wirklich viel Glück, aber dass einem schwummerig im Kopf wird, ist normal, ging mir genauso damals. Und so ist Leonard die Treppe runter gefallen nachdem er denselben Trank wie sie getrunken hatte.", sagte Dunn und Finley kicherte schadenfroh, bevor Dunn ihn streng ansah.
"Und danach haben sie die Anzahl der Grabschändungen erhöht?", fragte er nun, bevor Finley fortfuhr:"J...Ja... und ich konnte fast immer die frischesten Leichen finden. Aber es hat etwa einen Monat gedauert, bis ich kapiert hatte was mit mir passiert war. Mir ist nur als erstes aufgefallen, dass ich in der Nacht so gut sehen konnte wie am Tage. Aber dann wie stark ich nachts wurde und weniger schlafen musste, das war echt ein Glücksgriff im Nachhinein. Und so konnte ich genug Geld verdienen um es meinen Eltern zu schicken und nach einer regulären Arbeit tagsüber
zu suchen um mich selbst zu versorgen ohne in Häuser einzubrechen."
"Und da haben sie sich als Frau verkleidet und im Theater als Garderobiere gearbeitet, richtig?" Finley verzog das Gesicht vor Peinlichkeit.
"Damit... damit die Bull... äh!...Ihre Leute mich nicht so leicht finden...Aber ich habe Miss Dallington niemals beglotzt, ich schwör's! Ich bin sogar rausgegangen wenn es zu viel Haut wurde, auch wenn sie eine verdammt schöne Frau ist."
"...und sie haben es ausgenutzt, dass besagte Miss Dallington viel Fanpost und Blumen bekommt um Bestellungen ihrer Käufer anzunehmen, durch die schwarzen Karten mit den Lilien, richtig?", fragte Dunn weiter. Finley senkte wieder vor Scham den Kopf.
"J...Ja...und es tut mir auch leid, dass Miss Dallington angst von diesen Karten bekommen hat, deshalb habe ich immer versucht die Karten und Lilien zu nehmen bevor Miss Dallington erfahren hat, dass eine gekommen war. Und deshalb habe ich auch einige Kerle, die versucht hatten sie zu bedrängen, zusammen geschlagen..."
"Ja, Mister Mitchell hat sie dabei gesehen. Aber eine Anzeige wegen Körperverletzung brauchen sie nicht zu befürchten, weil sie es nur getan haben um diese Dame zu beschützen." Das freute Finley. "Gut..."
"...und dann kam der verhängnisvolle Abend, wo Mister Moretti, Mademoiselle d’Étoilecour und Mister Mitchell im Theater waren und durch Mister Mitchell eine der Karten in unsere Hände gelangt ist."
"Ja..." Finley war zusammen gekauert vor Scham und angst. "Und das alles um die finanzielle Not ihrer Eltern zu lindern?"
"J...ja... und jetzt wo Papa wieder Arbeit gefunden hat... kann ich büßen was ich getan habe..."
"Nun denn, Mister Davis. Das ist mehr als ich erwartet habe, aber es wird strafmildernd sein. Das garantiere ich. Ich gebe nachher ihr Geständnis zu Protokoll und gebe es dem Richter. Frühestens morgen Nachmittag wird er sein Urteil fällen ohne öffentliche Verhandlung. Bis dahin, bleiben sie in Untersuchungshaft." Daraufhin kamen die beiden Polizisten wieder rein und lösten die Handschellen vom Stuhl um Finley die anderen Schellen anzulegen und in seine Zelle zurück zu bringen.
Am nächsten Morgen wollte Klein zu Dunns Büro, da er gestern Abend einen Anruf bekommen hatte, dass er Patrouillendienst hatte.
"Morgen Klein!", hörte dieser hinter sich und er sah Cecilia auf sich zukommen.
"Oh! Morgen Cecilia. Wie geht es dir?"
"Gut, danke sehr.", antwortete Cecilia fröhlich. "Wolltest du auch zu Captain Smith?"
"Ja. Gestern recht spät, bekam ich einen Anruf, dass ich heute Patrouillendienst habe. Hoffentlich in einer ruhigen Gegend. Das kann mir nur Captain Smith sagen..." Klein hatte dabei die Tür aufgemacht, als er Leonards Stimme von innen hörte:"...wie, er hat alles gestanden?!" Sowohl Klein als auch Cecilia, schauten überrascht ins Büro wo Leonard vor Dunns Schreibtisch stand. Leonard schien nicht zu glauben was er da hörte.
"Ja.", sagte Dunn gelassen, während er versuchte seine Tabakspfeife anzuzünden, nachdem er sie gestopft hatte. "Er hatte alle Grabschändungen und Leichendiebstähle gestanden. Sie stimmten mit dem überein, was ich gestern in den Träumen von Professor Weatherby gesehen habe, den du mit Cecilia und Klein auf der Brücke gesehen hast. Er hat auch Einbrüche gestanden die wir bis dahin nicht aufklären konnten und uns den Tipp gegeben wo wir eine Bande von Dieben finden können." Jetzt staunten auch Klein und Cecilia, während Leonard aus dem staunen nicht rauskam.
"Aber... warum? Warum hat er so einfach gestanden?"
"Schlechtes Gewissen.", sagte Dunn kurz und knapp, mit der Pfeife im Mund.
"Schlechtes Gewissen?!" Das sagten Leonard, Klein und Cecilia gleichzeitig und jetzt erst bemerkten Dunn und Leonard, dass Cecilia und Klein mit zugehört hatten.
"Klein. Cecilia. Kommt doch ruhig rein und lungert nicht an der Tür rum.", forderte Dunn die beiden auf, die dann eintreten.
"Was meinen sie mit "Schlechtes Gewissen"?", hakte Leonard nach.
"Der Gefangene hatte diese Taten begangen, weil seine Familie in finanzielle Not geraten ist, da sein Vater arbeitslos geworden war."
"Ach so.",sagte Klein mitfühlend und Cecilia war auch ähnlich berührt.
"...und jetzt wo sein Vater wieder eine feste Einstellung hat, muss der Junge nicht befürchten, dass seine Eltern ohne seine Finanzspritze nicht zurecht kommen würde und will nun für seine Taten büßen."
"Das will ich von ihm selber hören.", erwiderte Leonard, immer noch ungläubig, drehte sich um und ging zur Bürotür.
"Mach das ruhig, der Richter wird ihm bald sein Urteil verkünden. Ach ja, Leonard, vergiss nicht, dass du heute Wachdienst am Chanis-Tor hast! Klein, du hast später Patrouille mit Cecilia in der Altstadt." Beide waren überrascht, klein wurde rot.
"O...Ok..."
"In Ordnung, Captain Smith."
Zuvor aber entschieden die beiden Leonard zu folgen der auf den Weg ins Untergeschoss zu den Gefängniszellen war. Ob es Neugier war oder Sorge um den gefangenen, wussten die beiden auch nicht.
"Ähm... Leonard... glaubst du etwa dem Captain nicht?",fragte Cecilia. "Doch... aber ich will nicht glauben, dass der Kerl so einfach ein schlechtes Gewissen hat. Das will ich von ihm selber hören." "Solange er dir nicht schon wieder in den Ausschnitt guckt...",sagte Klein, leise und zynisch, während Cecilia hämisch dabei grinste.
"Hm... zugegeben...", antwortete Leonard nach einer kurzen Weile um die richtigen Worte zu finden. "...jetzt kann ich nachvollziehen wie Frauen sich fühlen, wenn sie so angestarrt werden und der Konfrontierte nichts einsehen möchte. Dennoch obliegt es nicht meiner Verantwortung wo er seine Augen hat. Er ist alt und reif genug um sich selbst im Griff zu haben."
"Ja, da muss ich dir ausnahmsweise Recht geben. ", sagte Cecilia. Im Untergeschoss des Hauptquartiers der Nighthawks angekommen, fragte Leonard zuerst in welcher Zelle ihr Neuzugang untergebracht war.
"Zelle 39, Mister Mitchell."
"Danke..." Und die drei Nighthawks gingen zu besagter Zelle 39. Auf Höhe des Gesichts war in der schweren eisernen Tür eine kleine Klappe, um in die Zelle rein zu schauen, und auf Höhe des Bauches eine größere Klappe, um entweder ein Tablett mit Essen rein zu reichen oder dem Insassen Handschellen anzulegen ohne die Tür auf zu machen. Beide Klappen konnte man nur von außen öffnen. Zuerst klopfte Leonard kräftig gegen die Tür, weil die so dick war, bevor er die kleine Klappe auf Gesichtshöhe öffnete. Finley lag auf seiner Pritsche auf dem Rücken, die Hände hinter seinem Kopf verschränkt und hatte bis grad eben zur Decke gestarrt, bis er das klopfen hörte und sah dass die Klappe geöffnet wurde. Aber er war nicht froh, als er seinen Besucher erkannte.
"Boah, Mann! Was willst du? Hast du mir nicht schon genug Ärger gemacht?" Und er drehte sich mit dem Gesicht zur Wand.
"Wer hier dir Ärger gemacht hat, bist du selbst.",antwortete Leonard ebenso gereizt. "Ich habe nur meine Arbeit getan."
""Ich habe nur meine Arbeit getan."",äffte Finley Leonard nach, immer noch mit dem Rücken Richtung Tür gewandt. "Und bist mir ordentlich auf den Sack gegangen!"
"Die beiden haben sich echt gefressen...",flüsterte Klein frustriert während Cecilia sich die Hand an die Stirn legte und den Kopf fassungslos schüttelte. Leonard knurrte, bevor er fragte:"Captain Smith sagte du hättest alles gestanden, ist das wahr?" Finley rollte genervt mit den Augen und drehte sich wieder auf den Rücken und schaute zur Tür.
"Ja, das habe ich. Hat dein Chef dir nichts gesagt oder warst du zu sehr beschäftigt dein hübsches Gesicht im Spiegel zu betrachten?" Dabei grinste er hohnvoll bevor Cecilia Leonard kurz zur Seite schob und durch das kleine Fensterchen in der Tür zu Finley sagte:"Er ist weder dumm noch eingebildet und wenn er seine Nase irgendwo reinsteckt, dann in ein Buch und nicht in einen Spiegel, dennoch hört er alles um sich herum."
"...Danke... aber ich spreche mit ihm.",sagte Leonard und schob Cecilia wieder zur Seite. "...also, du hast alles gestanden, gut. Hast du das getan um hundertprozentig eine Strafmilderung zu bekommen? Der Captain sagte du hättest ein schlechtes Gewissen bekommen." Finley schnaubte allerdings verärgert und nuschelte leise vor sich hin. "Was? Ich hab dich nicht gehört.", sagte Leonard fordernd und Finley richtet sich wütend auf und saß nun auf der Pritsche.
"Glaubst du etwa, dass es keine Verbrecher gibt, die ihre Taten bereuen?! Hätte es einen anderen Weg gegeben, hätte ich den gerne genommen! Aber ich musste was tun, sonst wären meine Eltern verhungert!!"
"Es ist also wahr? Dass du das für deine Eltern getan hast?"
"NATÜRLICH!" Jetzt war Finley aufgestanden und ging auf die Tür zu. Mit festen und entschlossenen Blick seiner roten Augen blickte er in die grünen Leonards, während er antwortete:"...Ich würde alles tun damit es meinen Eltern gut geht! Du würdest dasselbe auch für deine Eltern tun, oder?!" Leonard schwieg und wirkte urplötzlich seltsam verunsichert, was Klein und Cecilia nicht von ihm kannten.
"Oder?",hakte Finley nach, auch mit wachsender Verunsicherung.
"Ich... Ich weiß es nicht...",antwortete Leonard zögerlich.
"Wieso weißt du das nicht? Haben dich deine Eltern etwa schlecht behandelt?", fragte Finley, mitleidsvoll, bevor Leonard schlagartig beteuerte:"Nein!", Nur um mit erneuter Verunsicherung fortzufahren:"...obwohl... Ich weiß es wirklich nicht..." Kurz war alles still bevor Finley vorsichtig fragte:"Hast du etwa keine Eltern?"
"Ich...Ich...Ich bin in einem Waisenhaus aufgewachsen... also... ja...",antwortete Leonard mit gesenktem Blick und Trauer in der Stimme, was Finley, Klein und Cecilia sehr betrübte.
"Oh je...",kam es von Cecilia.
"Das tut mir leid...",von Klein, aber eh dieser sagen konnte, dass er und seine Geschwister auch Waisen sind, brach es voll Schrecken aus Finley heraus:"Du bist ein...? Oh!! Tut mir leid! Tut mir leid! Tut mir echt leid!!!" Dabei hatte er sich hastig verbeugt während er sich panisch entschuldigte, während die anderen ihn erstaunt anstarren.
"Tut mir leid!!! Ich wollte dir nicht zu nahe treten!" Unwillkürlich musste Leonard schmunzeln über Finleys Reaktion.
"Alles gut... du wusstest das nicht.",antwortete Leonard beruhigend. "Meist denke ich auch nicht dran... aber der Captain hat dich richtig eingeschätzt. Offenbar bist du wohl doch einsichtig und im Grunde ganz in Ordnung."
"Und du bist nicht ein eingebildeter, selbstverliebter Schnösel.",sagte Finley beschämt, bevor er kurz genervt schnaubte. "Tut mir leid was ich gesagt habe..."
"Was?" Leonard verschränkte seine Arme und hob die Augenbraue. Finley ballte seine Fäuste bevor er kleinlaut sagte:"...Naja... du weißt schon... was ich gesagt habe... auf der Brücke..."
"Du nimmst deine Beleidigung zurück?"
"JA, MANN! Ich hätte das nicht sagen sollen..." Leonard war noch mehr überrascht und gluckste. "Na gut... Ich nehme deine Entschuldigung an und lasse die Anklage wegen Beamtenbeleidigung fallen." Alle anwesenden seufzten erleichtert. "Ich sag dem Captain Bescheid, dass ich meine Anklage fallen lassen, damit der Richter das berücksichtigt."
"Danke...",sagte Finley rot im Gesicht und starrte auf seine Füße. Letztendlich verabschieden sich die ehemaligen Streithähne und Leonard schloss die Klappe wieder. Klein und Cecilia waren froh, dass zumindest diese Geschichte ein gutes Ende gefunden hatte und die drei gingen sorgenfrei ihren Aufgaben nach, klein und Cecilia ihren Patrouillendienst und Leonard seinem Wachdienst am Chanis-Tor. Wie von Dunn angekündigt, wurde Finley am Nachmittag den Richter vorgeführt und das Urteil lautete 1 Jahr Gefängnis, im offenen Vollzug, was bedeutete, dass er tagsüber einer Arbeit nachgehen konnte. Dunn sorgte dafür, dass Finley im Hound Pub als eine Art Hausmeister arbeitet um nah genug am Hauptquartier der Nighthawks zu bleiben. Abends, wenn seine Kräfte wieder wachsen würden, musste Finley zurück in seine Zelle gehen. Der Richter forderte auch, dass Finley seine Beyonder-Kräfte trainiert, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Dunn meinte, Finley würde ein gutes Training bekommen.