Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung
Sie hatte schon so lange darauf gewartet. Andere Mütter freuten sich auf die ersten zarten Gehversuche. Die ersten Worte.
Das erste Bild, welches mit ungeschickten Händchen gemalt worden. Der erste Schultag. Vielleicht die erste Aufführung?
Sie freute sich auf etwas anderes. Seitdem ihre beiden Töchter das Teenageralter erreichten. In einem Alter, voller eigener Meinungen und Entscheidungen. Zum Beispiel, was in den Koffer eingepackt gehörte.
Diesen Satz hat sie bisher noch nicht gesagt. Doch heute, hier und jetzt, war es so weit.
„Tja, ihr habt es selbst verbockt. Wie sagt man so schön? Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung.“
Tornadowarnung
Du willst was?“
Ungläubig blickte Timi zu seinem Vater. „Die Fahne hissen“, antwortete er mit aller Seelenruhe.
„Das Wetter schlägt um! Wir müssen in den Schutzraum!“
Timi wedelte mit den Armen, zeigte auf das Handy. Die App blinkte auf, die Frauenstimme ertönte.
„Du kannst schon vorgehen. Ich komme später nach.“
Timi seufzte.
Er würde warten und danach mit ihm die Stadt fahren.
Wie konnte Timi wissen, dass es was Persönliches war?
Dass es nicht um die Landesflagge ging, die sein Vater hissen wollte. Er tat es für seinen geliebten Sohn.
Der Regenbogen sollte dem Tornado trotzen und ein Zeichen setzen.
Donnergrollen
Die Laune war bei beidem im Keller. Die Geschwister sahen sich böse an und streckten sich die Zunge heraus.
Jetzt durften sie nicht im tollen grossen Bett schlafen, das lustig Hin und Her wabbelte. Ein Wasserbett, wie grossartig das wäre.
Jetzt mussten sie auf einem provisorischen Lager auf dem Boden schlafen.
„Du bist doof!“
„Und du stinkst!“
Die beiden stritten sich, aber so leise, dass die Erwachsenen es unten nicht hörten.
Plötzlich donnerte es. Laut und unheimlich.
Die Geschwister hörten sofort auf, sich zu krabbeln. Sie umarmten sich und kuschelten sich unter einer Decke.
Der Streit war auf einmal vergessen.
Hundstage
Ich mochte den Sommer. Je wärmer, desto besser!
Aber natürlich mussten die Leute jammern.
Bis sich meine liebste Arbeitskollegin auch zu Wort meldete.
„Bei den Hundstagen leide ich wie ein Hund.“
Ich war die einzige, die es nicht verstand. Was waren Hundstage?
Noch nie davon gehört.
Ausserdem, warum litt sie?
Ich fragte sie direkt, als wir alleine waren.
Hundstage waren schnell erklärt. Irgendetwas mit den Sternen.
Bei der zweiten Frage wich sie aus.
„Wegen meiner Gesundheit. Aber ich möchte ja nicht jammern.“
Daran habe ich nie gedacht. Dachte, nur alte, kranke Leute haben damit Probleme.
Sie war doch so jung.
Staubteufel
Was ist das?
Unsicher blinzelte die Jugendliche und blickte aus dem Fenster. Zückte das Handy, wollte mit ihrem Smartphone nachschauen. Sie war am Überlegen, ob sie mit dem Fotomodus oder der Sprachassistenz suchen sollte, deswegen bemerkte sie nicht, wie ihr Grossvater ins Zimmer kam.
„Das ich dies nochmals erlebe! Ein Staubwirbel.“
Seine Enkelin drehte sich ganz langsam um.
Sie musste nicht fragen, ihr Grossvater sah es ihr direkt an, was sie fragen wollte.
„Als ich damals mit meinen Brüdern und der Kleinen, meiner Schwester, in den USA war. Die Leute nannten das dort Dust-Devil.“
Das Smartphone war in Nu vergessen.
Sturmfront
Dieses Wetter war schrecklich. Die Wolken türmten sich, der Wind peitschte durch die Bäume. Ab und zu donnerte es.
Dieses Wetter war schrecklich. Tiere flüchteten und Menschen zuckten zusammen. Es war, als würde der Weltuntergang eintreten.
Dieses Wetter war schrecklich. Warum trat das am Wochenende auf? Das letzte dieses Sommers.
Dieses Wetter war super. Man konnte sich zuhause einkuscheln. Sich es gemütlich machen und einfach sein.
Dieses Wetter war super. Einfach ein Wochenende ohne Stress und Menschen. Mit seinen liebsten Reden, Lachen und Sein.
Dieses Wetter war super. Endlich einmal ein Wochenende nur für mich und was ich gerne tue.
Petrichor
Lars öffnete das Fenster, darauf achtend, dass er die Katzenfiguren nicht hinunterwarf, die auf der Fensterbank platziert waren.
„Gehen wir spazieren?“, fragte er die Frau im Rollstuhl. Er wartete geduldig, bis sie ein Zeichen gab.
Pfützen haben sich gebildet auf dem gepflasterten Weg. Geschickt wich Lars ihnen aus.
„Schauen Sie. Ein Regenbogen.“
Die Frau nickte und sagte leise: „Es riecht, wie früher. Wie bei meiner lieben Omama.“
Lars lächelte zufrieden. Er wusste, wie er Frau Müller eine Freude machen konnte.
Sie liebte den Geruch und das Geräusch von sanftem Regen. Es war für sie eine Erinnerung an ihre glückliche Kindheit.
Pfützenspiegel
Glucksend sprang Anna in die Pfütze. Ihr Vater liess sie spielen, hatte jedoch stets ein Auge auf sie.
Einige Mütter, die es beobachteten, zogen die Augenbrauen hoch.
Wie konnte er es erlauben, dass seine Tochter sich schmutzig machte? Lieber sollte er Fotos von ihr machen. Erinnerungen, die er im Internet teilen könnte.
„Schau Papa! Ich spiegle mich!“
Anna pikste mit ihrem Finger in das Wasser und freute sich, dass es kleine Wellen gab.
Sie kicherte und gluckste vor Freude.
„Käferchen, darf ich auch?“, fragte ihr Vater.
Zusammen spielten sie mit der Pfütze und ignorierten die Blicke, die ihnen zugeworfen wurden.
Aprilwetter
Entspannt lehnte sich der junge Mann zurück und genoss den Tee und das Eis.
Mit kurzen Hosen, Sonnenhut, Gummistiefel und einer Regenjacke sass er als einziger Gast vor dem Café.
Leute schüttelten den Kopf, die an ihm vorbeiliefen. Sie konnten nicht verstehen, dass er dieses Wetter genoss und so fröhlich war.
Sanft rechnete es, die Sonne kämpfte sich durch die Wolken und gewann.
Er schrieb seiner Mutter, dass er lecker was ass und danach ins Kino oder schwimmen gehen würde mit seinem Freund.
Sie schrieb besorgt zurück, dass die beiden auf sich achten sollten. Nicht, dass sie krank werden würden.
Zuwarmi
Mausi, ich schwör’. Heute ist es Zuwarmi.“
„Mausi. Ich schick dir viel Herzis. Mir ist es auch Zuwarmi.“
Garniert mit vielen Emotes schickten die zwei Mädchen sich Nachrichten über WhatsApp.
Sie ärgerten sich, dass es zu warm war, dass sie nicht einmal für kurz hinausgehen konnten, ohne dass sie nass von Schweiss waren.
„Kommst du bitti Schwimmen?“
„Mausi, muss Referat machen.“
„Oh, Mausi. Voll doffi. Lass dich drücki.“
Wieder mit einem Haufen Emotes gespickt.
Zu Hause, gingen sie duschen und jammerten weiterhin über das Wetter.
Beide wollten es nicht zugeben, sie hassten es so zu schreiben. Sie fanden es kindisch.
wolkenlos
Jana blickte zum Himmel. Keine Wolke zu sehen.
„Papa, du hast es versprochen!“
Ihr Vater nickte langsam und versuchte zu lächeln.
„Ich mache alles bereit und dann gehen wir in den Park.“
Jana zog sich alleine an. Auch wenn der rechte Schuh nicht zum linken passte und sie an einem Fuss keine Socken trug.
„Papa, du darfst meine Häschenkrone tragen.“
Ihr Vater lächelte. Müde sah er aus, versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.
Er versprach, dass sie ein grosses Eis bekommen würde.
Ihr war es egal, dass ihr Vater verzaust und ungewaschen aus dem Haus ging.
Jana liebte ihren Vater.
Vom Regen in die Traufe
Ich blicke auf mein Smartphone und hätte es am liebsten an die Wand geworfen.
Die Stimme in meinem Kopf tadelte mich. Flüsterte, dass ich selbst Schuld daran wäre.
Natürlich wollte ich das nicht wahrhaben.
Ich verschickte eine WhatsApp nach der anderen, wollte die Aufgabe abgeben.
Natürlich hatte niemand Zeit dafür oder wurde schon anders eingeteilt.
Warum habe ich einmal krankgemacht und bin früher heimgegangen?
Dass es so einen Rattenschwanz nach sich zog, hätte ich nie gedacht.
Ich gab es auf und fügte mich meinem Schicksal.
Ich komme früher und übernehme noch Dienst S.
Die Stimme in meinem Kopf nickte zufrieden.
Nebelhorn
Sarah blickte auf die Nachricht, die ihre Liebste ihr geschickt hatte. Wie sollte sie das Nebelhorn gekauft haben?
Eine Nachbildung des Berges? Ein Stein vom Fusse des Berges? Ein Bild?
Sie war so tief am Grübeln, dass ihr Bruder unbemerkt auf den Computer sah. Er nickte und sagte laut: „Das passt zu Fränzi.“
Sarah, die ihr Erschrecken nicht versteckte und ihrem Bruder einen Schlag in die Seite gab, schüttelte den Kopf.
„Seit wann liebt sie Berge?“
Statt zu antworten, tippte er auf seinem Smartphone.
Das Bild eines Siegelhorns liess Sarah erkennen, dass sie manche Lücken in ihrer Allgemeinbildung stopfen sollte.
Durch den Monsun
Ich sagte nichts. Ich amüsierte mich und hörte den Lehrlingen zu, die über Musik sprachen. Als sie über ein bestimmtes Lied diskutierten, konnte ich mich nicht an mich halten. Sie glaubten mir nicht, dass dieses Lied über 10 Jahre alt war. Sagten, dass dies nicht sein könnte, da dieses Lied sehr modern auf TikTok wäre.
Ich musste aufs Klo und liess die jungen Leute im Pausenraum zurück.
Als ich zurückkam, sahen sie sich etwas auf dem Handy an. Eines der Mädchen fragte mich schüchtern, wie alt ich sei.
„Als dieses Lied modern war, war ich ungefähr so alt wie ihr.“
Herbstsonne
Sanft streichelte Joni die Hand seines Bruders. Er sprach und spielte mit ihm.
„Schau, die Blätter! Welches soll ich dir holen?“
Schwach zeigte sein Bruder auf ein rotes Blatt, das an einem niedrigen Ast hing.
Joni rieb sich die Hände und sagte voller Übermut: „Hol ich dir!“
Die Eltern blickten aus dem Fenster. Sie warteten auf die Ärztin und den Bericht.
Sie hatten keine Tränen mehr und auch Joni war tapfer.
„Wir werden im nächsten Herbst zusammen in den Urlaub fahren“, flüsterte die Mutter.
Joni zeigte in den Himmel und lachte.
„Morgen komme ich wieder und dann essen wir Maroni.“
Verhagelt
Mürrisch sah der Mann aus dem Fenster, knirschte mit den Zähnen. Seine Frau trank in Ruhe ihren Kaffee. Beide schwiegen.
Das Wetter veränderte sich im Minutentakt. Sonnenschein. Regen. Ab und zu Hagel.
Die Frau wusste, wie gerne ihr Mann den Ausflug gemacht hätte. Er wollte ihr seinen Lieblingsort zeigen, den er als Kind besucht hat.
Leise verschwand die Frau in den Estrich, ihr Mann bemerkte nichts.
Er schlürfte zu ihr, als sie ihn zu sich rief. Immer noch mürrisch.
Doch seine Laune besserte sich auf einen Schlag, als er sah, was sie für ihn vorbereitete.
Sie würden den Ausflug verschieben.
Gummistiefel
Er wollte diese Gummistiefel. Ganz gleich, was die anderen sagen würden.
Er nahm sie in die Hand, untersuchte sie. Prüfte die Sohlen und das Innenfutter.
Der Mann nahm sie und ging zu der Kasse, da er noch ein paar wichtige Fragen hatte.
Die Frau untersuchte die Stiefel nach dem Qualitätssiegel. Sie fand sie nicht, aber sie ging nach hinten. Der Mann hörte, wie sie telefonierte.
Als sie zurückkam, sah der Mann sofort, dass alles in Ordnung war.
Glücklich nahm er nun seine glitzernden Gummistiefel in die Arme. Die alle Sicherheitsmerkmale besassen.
Jetzt würde niemand auf der Arbeit seine Stiefel verwechseln.
Nebelschwaden
Dieses Wetter war ein Traum. Oder eher ein Albtraum.
Düster und nebelig. Das Sonnenlicht kämpfte sich durch die Wolken und den Nebel.
Ich atmete ein und aus.
Genoss die Atmosphäre.
Die Stille.
Ab und zu erblickte ich einen Waldbewohner.
Schattenhaft verschwanden sie zurück in den Wald. Vogelgezwitscher erklang. Trotz des Nebels eröffneten sie ihr Konzert.
Kündigten den Tag an.
Ich atmete ein und aus.
Genoss die Atmosphäre.
Das ich hier sein durfte.
Der Nebel löste sich langsam auf. Die schaurige Atmosphäre verschwand.
Die Sonne eroberte den Himmel für sich zurück.
Ich atmete ein und aus.
Genoss die Atmosphäre.
Ich lebe.
Laubwirbel
Freudig rannten die Kinder. Warfen einander in die Laubhaufen, spielten Blätterfangen und Verstecken.
Plötzlich hörten sie auf. Sie sahen zu einem Kind, das neben seiner Mutter auf der Parkbank sass.
Das zu ihnen blickte. Doch es wirkte anders.
Die Kinder flüsterten miteinander.
Eines sagte, dass seine Mutter gesagt habe, es dürfe nicht mit ihm spielen. Ein anderes ergänzte, dass seine Eltern sagten, dieses Kind sei merkwürdig.
Das Älteste runzelte die Stirn. Zum Glück musste er die anderen nicht überzeugen.
Sanft führte ein Kind ihren neuen Spielkameraden zum Laubhaufen. Schubste es vorsichtig hinein.
Die anderen freuten sich, als es laut lachte.
Eisheilige
Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.“
Verwirrt blickte Luis von seinem Galaxy auf. Sah zu seiner Urgrossmutter. Luis mochte sie sehr, auch wenn sie nicht mehr so agil war.
Als er nachfragte, erzählte sie.
In Luis wuchs eine Idee.
Im Gartencenter kaufte er alles ein. Saatgut, Töpfe und anderen Kleinkram.
Auf den fragenden Blick des Verkäufers antworte Luis: „Ist für Urgossmutter. Wenn die Eisheiligen vorbei sind, werde ich mit ihr gärtnern.“
Der Azubi rief von der anderen Kasse: „Diggah, das du bist King!“
Auch die anderen Leute im Gartencenter lächelten Luis zu.
(kein) Regenschirm
Ich sagte nichts. Warum sollte ich was sagen?
Musste ich auch nicht, da ihre Freundin es in poetischer Sprache ausdrückte: „Ihh, werd voll nass. Schwör, hätte ich doch Schirm mitgenommen von Mum. Ihhh, meine Haare!“
Die junge Frau verzog das Gesicht und ihre Freundin sah böse zu mir.
Jetzt konnte ich meinen Mund nicht länger halten.
„Lieber hässlicher Schirm, als nass zu werden und herumzuheulen.“
Auf die bösen Blicke der zwei ergänzte ich: „Statt auf TikTok zu scrollen, Wetterbericht lesen. Keine Sorge, da gibt es auch bunte Bildchen.“
Ich stieg mit meinem geflickten Schirm aus der Bahn, genoss den Regenschauer.
Sintflut
Sunny legte den Kopf schief. Tat so, als würde er überlegen.
„Nö, ich gehe nach Hause. Habe eh schön Überstunden. Kannst es alleine tun.“
Sein Kollege schnaubte und murmelte was vor sich hin. Sunny hat es gehört.
„Ich arbeite sicher nicht für dich. Nicht schon wieder. Vergiss es“, brüllte Sunny und lief zur Tür.
Ihm war es egal, dass ihn alle hörten.
Sunny ging zur Garderobe und holte sein Zeug. Langsam ging er zum Personalausgang.
Ein älterer Kollege zwinkerte ihm zu und sagte: „Nach mir die Sintflut, 'ne?“
Sunny grinste und sagte: „Er muss es lernen. Ich bin nicht sein Hund.“
Staubtrocken
Sie wollte ihn nicht beleidigen. Er hatte sich solche Mühe gegeben und die Kekse könnte man als Untersetzer für Gläser verwenden. Oder vielleicht für Topfpflanzen, zum überflüssigen Wasser aufsaugen.
Ihr Bruder wollte seine Freundin überraschen. Die Form und die Farben waren wunderschön. Der Geschmack war auch gut. Jedoch waren sie trocken.
Jeder Biss setzte Krümel frei, die im Hals kratzten. Sie überlegte, wie sie es diplomatisch sagen könnte.
Doch die älteste Schwester der zwei kam in den Raum. Nahm sich einen Keks, biss hinein.
„Boah, was ist das? Schmeckt wie der Inhalt eines Staubsaugers!“, rief sie und meckerte laut herum.
Falsche Jahreszeit
Das darfst du nicht anziehen.“
Dies hallte immer noch in ihrem Kopf. Carmen sah auf das Kleid. Ein verspielter Schnitt mit Rüschen. Sie liebte dieses Kleid abgöttisch.
Auch jetzt im Winter.
Carmen seufzte und dachte daran, auf ihre Freundin zu hören. Jedoch erinnerte sie sich an die Worte ihrer jüngeren Cousine. Das Carmen in diesem Kleid aus sähe wie eine Elfe.
„Du hast es wirklich angezogen?“
Ihre Freundin zog die Augenbrauen hoch, schnalzte mit der Zunge. Carmen ignorierte sie.
Mit den dunkelgrünen Leggings und dem dünnen weissen Pullover fand Carmen es toll.
Statt zu antworten, lächelte Carmen einfach.
Ruhe vor dem Sturm
Die Frau sah zum Himmel, schloss die Augen. Sie spürte den Wind auf ihrer Haut.
Sie horchte.
Die Leute vom Markt beobachteten die alte Frau. Als sie kopfschüttelnd den Strand verliess, kam Hektik auf. Die Marktleute packten hastig ihre Sachen ein und die Menschen verliessen den Platz.
Die anwesenden Touristen sahen sich verwirrt an. Einige tuschelten, andere schüttelten den Kopf.
Eine Gruppe Touristen sah ihren Reiseführer an, der die Gruppe zum Gehen aufforderte.
Auf die Frage, warum, antwortete er: „Wenn sie sagt, der Sturm kommt, kommt der Sturm.“
Ein Kind sagte, es sei doch noch schön.
Der Reiseführer lachte nur.
Pfützenmosaik
Die Kinder hüpften draussen fröhlich herum. Sie freuten sich, endlich an der frischen Luft zu sein. Ausser Britney, die traurig hinausschaute.
Ihre Mama hatte verboten, sich schmutzig zu machen. Nach dem Kindergarten wollte Mama Fotos von ihr machen für Instagram.
Milan kam von draussen herein.
„Kommst du spielen?“
Britney schüttelte den Kopf.
Milan überlegte.
„Du kannst meine Regenhosen haben.“
Das Gesicht der Mutter platzte fast vor Wut. Die Erzieher und Erzieherinnen sagten nichts.
Britney hüpfte freudig in den Pfützen und spielte mit den anderen Kindern fangen.
Die geliehene Kleidung war mehr als eine nette Geste.
Es war eine unbeschwerte Kindheit.
Wüstenstaub
Tiere waren etwas Besonderes. Sie waren einfach da.
Natürlich gab es auch im Tierreich brutale Dinge und Tiere, die bewusst anderen Leid zufügten.
Vivi lehnte sich an den Rücken einer Stute. Das seidige, rotbraune Fell schimmerte im Licht. Vivis Haare hatten die gleiche Farbe. Der Besitzer des Reitstalles lachte, als er dies zum ersten Mal sah.
Vivi liebte die Stute Wüstenstaub.
„Ich muss nur noch ein paar Formulare ausfüllen. Dann bin ich endlich ich“, sprach Vivi und streichelte das Pferd sanft.
Wüstenstaub wieherte, als würde sie es verstehen.
„Dank die habe ich es durchgestanden. Du bist meine Lebensretterin.“
Der letzte Tropfen
Alvin tanzte in der Küche herum, unter dem wachsamen Auge seines Grossvaters.
Das Kind wusste, dass dieser Sirup erst im nächsten Jahr getrunken werden konnte.
„Gut machst du das“, sprach sein Grossvater und überreichte ihm das Sieb, um den Rest alleine zu machen.
Er vertraute Alvin, liess ihn alleine in der Küche.
„Was? Er ist doch erst sieben!“
Die Mutter war entsetzt. Am liebsten wäre sie durch das Telefon gekrochen und hätte es beendet.
Alvin bemerkte nichts. Konzentriert füllte er Flasche für Flasche.
Sein Grossvater beendete das Telefon.
Alvin musste nicht in Watte gepackt werden.
Umschwung
Langsam erhob sich der Mann von seinem Bett. Er hasste es, dass er so wetterfühlig war.
Seine Freunde konnten das warme Wetter geniessen und er war ans Bett gefesselt.
Er seufzte und trank ein Glas Wasser.
Plötzlich klingelte es an seiner Türe. Er schlurfte zur Türe, öffnete diese.
Seine Freunde standen davor. Sie haben Knabbereien und einen guten Film mitgebracht.
„Ohne dich macht es keinen Spass“, sagte sein bester Freund und dessen Freundin ergänzte: „Deswegen wollen wir was mit dir machen.“
Am Abend ging der Mann mit einem Lächeln ins Bett.
Er war so froh, solche gute Freunde zu haben.
Regenbogen
Die beiden Männer sassen auf der Parkbank. Ernst sahen sie auf ihre Laptops.
Die Leute musterten sie mit Respekt. Waren wohl Geschäftsleute oder so was in der Art.
Als es volle Stunde schlug, hörten sie auf zu arbeiten. Sahen auf die Armbanduhr.
Auf wen sie wohl warteten?
„Da seid ihr ja!“
Die Leute staunten, wer dazu kam.
In den Farben des Regenbogens gekleidet, sprach die Person die beiden an. Sie umarmten und herzten sich.
„Bereit?“
„Wir? Immer!“
Lachen erfüllte den Park und Hand in Hand liefen sie weiter.
Ihnen war egal, was die Leute über sie dachten.
Sie waren glücklich.
