Im Brunnen vor dem Tore
Sie wusste, dass es verboten war, vom Dorfältesten. Doch ihre Kinder litten unter Durst.
Sie schlich zum Brunnen und liess ihren Eimer in die Dunkelheit hinabgleiten.
Eine Stimme flüsterte. Was sie sich wünschte.
Die Stimme versuchte sie weiter zu verführen, doch die Frau blieb stark.
Die Stimme machte ihr ein Angebot.
Sie und die Frauen, sowie ihre Liebsten würden niemals mehr Hunger leiden.
Doch sie schüttelte den Kopf und holte den Eimer hoch.
Das Wasser im Eimer roch nach Schwefel, war dunkel wie Blut.
Die Stimme verlangte, dass sie es trank.
Ohne zu zögern, tat sie es. Für das Dorf.
Mathe
Der Meister zog mit Kreide an der Wand einen Strich. Glocken kündigten das nächste Opfer an.
Mit kleinen Schritten, fast wie ein Kleinkind, das Laufen lernt, näherte sich ein weiterer Schüler.
Welchem Geschlecht er angehörte, erkannte man nicht. Die Haare kurzgeschoren, die Augen verbunden.
Der Meister stellte die Fragen. Der Schüler konnte jede beantworten, trotz der Schmerzen, die bei jeder Frage stärker wurden.
Die Glocken blieben stumm, die Kreide unbenutzt.
Er wurde herausgeführt, die Augenbinde abgenommen.
Er war der 111., der die Prüfung bestand. Das Tor zum Himmel konnte nun geöffnet werden, der Kampf gegen die Dämonen konnte begonnen werden.
Honmoon
Die Sterne leuchteten hell.
Die Frauen hielten sich an den Händen. Sie hatten ein gutes Gefühl.
Es würde klappen.
Ihre Stimmen erhoben sich, webten ein magisches Band.
Blut tropfte aus den Wunden einiger der Frauen. Sie sangen weiter, sie dürften keine Schwäche zeigen.
Das Geheule der wütenden Dämonen wurde lauter, sie wehrten sich heftig.
Die Frauen sangen weiter, hielten sich fester an den Händen.
Wenn sie versagten, würde die Welt untergehen. Das wusste jede von ihnen.
Wie eine Decke legte sich ihr Lied über die Dämonen, unterdrückte ihren Zorn.
Die Sterne leuchten hell, das Geheule hörte auf.
Haben sie gewonnen?
Im falschen Körper
Da war es schon wieder. Dieses Gefühl.
Mein Atem ging schneller und schneller.
Meine Augen drehten sich, aber dieses Mal werde ich nicht nachgeben.
Ich kämpfte, trotz der fremden Stimme in meinem Kopf. Die schrie mich an, dass ich aufgeben muss.
Aber dieses Mal nicht. Trotz der höllischen Schmerzen.
Meine Eingeweide brannten, meine Knochen brachen.
Die Stimme bettelte nun, dass ich aufgeben soll.
Sonst werden wir beide leiden.
Aber das war mein Körper! Ich werde nicht aufgeben.
Stille. Die Stimme war nicht da.
Erleichtert atmete ich aus.
Ich hatte meinen Körper zurück.
Mein Körper, der nur noch ein Fleischklumpen war.
Das Monster unterm Bett
Ich liebte die Dunkelheit und Enge. Die Staubflocken und Spinnen. Und sie.
Sie lächelte mir zu, mit ihren spitzen Zähnen und leuchtenden Augen. Mit ihren langen schwarzen Haaren.
Ich schlief am liebsten bei ihr, aber Mama mochte es nicht.
Sie mochte vieles nicht, was ich tat.
Sie mochte mich nicht.
Heute war es schlimm. Sie schrie und schrie.
Ich versteckte mich bei meiner Freundin, die mir zuflüsterte, dass sie sich darum kümmere.
Ich hielt mir die Ohren zu.
Meine Freundin kam zurück unter das Bett. Nahm mich fest in den Arm. Küsste meine Stirn.
Mama würde mich nie mehr anschreien.
Geisterstadt
<em>[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Ein Foto voller Fremder
Ali kickte eine Dose weg. Diese rollte durch die Strasse des Industriegebiets. Warum hatte er die Arschkarte gezogen und musste mit einer Sofortbildkamera die Fotos für das Projekt schiessen? Er boxte in einen Müllcontainer, der bedrohlich hin und herrollte.
„Und? Hast du ein Bild?"
Die Lehrerin sah zu Ali, der nickte. Stolz erklärte er, dass er ein paar tolle Schnappschüsse geschossen hatte, angesehen hatte er sie nicht.
Beide sahen sich an.
Ali erbleichte und sagte immer wieder, er habe nichts damit zu tun.
Auf einem Foto waren Männer in alter Fabrikkleidung zu sehen, die in der Halle herumliefen und arbeiteten.
Vom Meer verschwunden
Der Fremde lief wieder zum Strand. Seine Augen grau, seine Haut fahl.
Wieder starrte er ins Meer und murmelte vor sich hin.
Die Touristenschar, die vom Kreuzfahrtschiff Halt auf der Insel machte, belächelte ihn. Die Crew beschimpfte ihn.
Die Bewohner der Insel halfen dem Fremden, der dankbar lächelte. Leise flüsterte er warnende Worte, die Bewohner nahmen diese ernst.
Polizisten kamen. Gingen. Befragten die Leute.
Wie das Kreuzfahrtschiff einfach verschwand, konnte niemand sagen.
Es gab keinen Sturm und das riesige Schiff hatte hier zum letzten Mal Funkkontakt.
Der Fremde war ebenfalls in jener Nacht verschwunden, niemand konnte sich an ihn erinnern.
Insektenplage
Summend kamen sie näher. Krabbelten in die Ritzen der Villa.
Verzweifelt versuchte die Frau, sie zu vertreiben. Kreischte hysterisch.
Das Summen wurde lauter, die ersten Fliegen hatten die Frau gefunden. Umkreisten sie, versuchten, sich auf sie zu setzen.
Panisch rannte die Frau im Kreis. Jeder hat sie verlassen oder wurde von dem Fliegenschwarm getötet.
Schreiend rannte sie zum Poolbereich, die Fliegen verfolgten sie.
Die Fliegen bildeten einen Teppich auf dem Wasser. Der Frau liessen sie ein kleines Luftloch, das sie verzweifelt benutzte.
Sie hörte das Summen, während sie verzweifelt im Pool um ihr Leben strampelte.
Ihr wurde schwarz vor Augen.
Tentakel aus der Tiefe
Freundlich grüsste die Blinde die Leute des Cafés.
„Heute ist wieder Vollmond“, sagte sie und kicherte vergnügt. Das Servicepersonal hörte ihr zu. Sie kannten die Blinde und ihre tragische Geschichte.
Ihr Liebster kam nach einem Fischerausflug nicht mehr zurück. Doch sie glaubte daran, dass er noch lebte.
Der Mond spiegelte sich auf der Wasseroberfläche. Die Blinde paddelte weit hinaus in das Meer. Sie hatte keine Angst, sie wusste, dass ihr nichts passieren würde.
Tentakel schossen aus dem Wasser und umklammerten das Boot. Die Blinde lachte glücklich. Sanft umschloss ein Tentakel sie.
Sie liebte ihn immer, egal welche Form er hatte.
Voodoo-Puppen
Verzweiflung konnte die Menschen zu den verrücktesten Sachen treiben.
Stefan glaubte nicht daran, aber er hatte nichts zu verlieren. Er setzte alles auf schwarze Magie.
Die Haarsträhne holte ihn eine Freundin, da sein Arzt ein Frauenheld wie aus einer schlechten TV-Serie war.
Stefan hustete, die Schmerzen wurden stärker. Doch er musste es durchziehen.
Nadel für Nadel stach er in die Puppe und murmelte Verwünschungen.
Der Arzt zuckte zusammen. Sein Herz raste, sein Atem setzte aus.
Alarmiert sah seine neueste Begleiterin zu ihm. Er hörte nichts mehr, ausser Stefans Stimme.
Die ihn verwünschte. Verspottete.
Stefan schloss die Augen, sein Gesichtsausdruck friedlich.
Willkommen im Rudel
Sie hatte Angst, aber sie würde zum Treffpunkt gehen.
Sie hatte doch nur einen Anfall und wachte im Krankenhaus auf.
Werwölfe? Das muss ein schlechter Witz sein.
Die Älteste sah sie mütterlich an und legte eine Hand auf ihre Schulter.
„Keine Furcht, wir begleiten deinen Weg“, sprach die Älteste, wischte ihr eine Träne vom Gesicht.
Die Jüngere seufzte, aber hat es akzeptiert.
Sie war ein Werwolf.
Die Frau zog sich die hellgraue Robe an, liess sich bemalen.
Die Älteste war vorsichtig. Geduldig.
„Wir sind eine Familie“, sprach die Älteste nochmals. Die Frau wiederholte es.
Leise. Schüchtern.
Sie war ein Werwolf.
Mit Nadel, Garn und Körperteilen
Mein Mentor sagte stets, manchmal muss man schockieren. Manchmal müssen die Leute sich übergeben und Albträume bekommen, um sich zu verändern.
Mein Ausstellungsstück war beinahe fertig. Das rechte Auge und die linke zusammengenähte Hand müssen noch angenäht werden.
Das würde ich tun, wenn ich auf der Bühne wäre.
Seelenruhig erkläre ich, dass sexuelle Gewalt nicht alleine Frauen betrifft. Dass es keinen Unterschied zwischen den Ethnien gibt. Auch das Alter spielt keine Rolle. Menschen waren zu Menschen grausam.
Ich hörte, wie jemand sich übergab.
Meine menschliche Puppe war nun fertig. Der Babykopf blickte anklagend ins Publikum, ein Auge viel zu gross.
Interview mit einem Vampir
Die Frau kicherte. Das war zu lustig.
Sie sass neben einer echten Vampirin und sprach mit ihr über ihr Leben.
„Du bist wirklich 'ne Bombe. Sexy, gebildet und unabhängig“, murmelte die angetrunkene Frau.
„Mein Leben ist nicht glamourös. Ich bin stets alleine. Muss vor mir selbst fliehen.“
Die freiberufliche Journalistin lachte wieder, kniff der Vampirin in die Wange.
„Ewig jung und sexy. Braucht sich nicht anzupassen. Das ist perfekt!“
„Ihr Menschen …“, weiter kam sie nicht. Die Frau lachte wieder, brabbelte vor sich hin.
Die Vampirin bemerkte, dass Reden nichts nützte.
Sie musste die Lektion auf die harte Tour lernen.
Eine kalte Hand in meiner
Die Sterne leuchteten hell. Er trug seine Braut zum Altar.
Alleine die Glühwürmchen waren die Brautjungfern. Das Käuzchen der Priester.
Die Kirchenuhr schlug Mitternacht. Die Trauung konnte beginnen.
Seine Braut trug ein Kleid aus Seide, ihre Haare geschmückt mit weissen und roten Rosen.
Ihr Brautstrauss in ihren zierlichen Händen aus Lilien.
Er küsste sie zärtlich auf ihren Lippen und sprach den Schwur.
Der Ring an ihrem Finger rutschte ihr von der steifen Hand, rollte über den Kirchenboden.
Er küsste sie zärtlich, drückte den kalten Körper an sich.
Sie war sein.
Niemand würde sich zwischen sie stellen.
Nicht einmal den Tod.
Necromancy gone wrong
Was für ein Blödsinn, schoss es Roman durch den Kopf. Aber er fuhr seinen Bruder zum alten Friedhof, der unbedingt ein Ritual durchführen wollte. Er sagte, er würde ihn morgen abholen, und fuhr nach Hause.
Drei Wochen waren vergangen.
John massierte sich die Stirn. Er akzeptierte, was mit seinem Bruder passierte. Er wollte ihre Cousine aus dem Totenreich holen. Jetzt wohnte in seinem Bruder ihre Seele, die ab und zu den Körper übernahm. Deswegen verfaulte immer wieder ein Teil des Körpers.
Er hatte eine Reise nach Indien gebucht. Vielleicht konnte dort jemand helfen.
Ob Mensch oder Gottheit, war ihm egal.
Niemand lacht
Anna warf ihren Freundinnen einen fragenden Blick zu. Sie verstand nicht, warum sie es nicht lustig fanden. Das war doch ein netter, kleiner Streich.
Die dreckige Ratte war da, wo sie sein sollte. In einem Erdloch.
Anna sah auf ihre Hände. Sie waren braun, voller Erdklumpen.
Ein unheimliches Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. Anna war nie schuld, das sagten immer ihre Eltern. Sie lachte und sagte mit süsser Stimme: „Es war nur ein kleiner, harmloser Streich.“
Den blutigen Ast steckte wie ein Kreuz in der umgegrabenen Erde.
Sie merkte nicht, dass alle ihre Freundinnen weggingen.
Das niemand mit ihr lachte.
Waldi ist wieder da
<em>[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Augen auf dem Kopfkissen
Die Augen sind die Spiegel der Seele. Trotzdem waren viele nicht glücklich und wünschten sich eine andere Farbe.
Die Frau ging einen Deal ein. Sie war sich der Gefahr bewusst, aber wollte grüne Augen.
Der Doktor sass neben ihr auf dem Bett, streichelte ihren Kopf.
Sie wand sich, ihre Augen brannten. Der Doktor sprach mit väterlicher Stimme: „Ich habe dich gewarnt. Die geliehenen Augen passen nicht zu deiner Seele.“
Sie bat ihm, ihre alten Augen wieder einzusetzen.
„Du hast meine Warnungen ignoriert. Es ist zu spät. Mein Kindchen.“
Die grünen Augen krochen aus ihren Augenhöhlen, platzierten sich auf ihr Kissen.
Knochensammler
Die Frau sass auf dem Waldboden, neben sich die Tiere des Waldes.
Sie wirkte wie eine Fee und dies war nicht so unwahr.
Plötzlich sprang sie auf. Der Wald rief nach Hilfe.
Mit Zorn betrachtete sie die Gruppe von Influencern. Sie zerstörten die Natur und quälten Tiere für Spass und Ruhm.
Als die Frau sie zur Rede stellte, lachten sie.
Die Kinder rannten zu der Frau. Sie liebten ihren magischen Marktstand.
Die Frau bot Salben, Flöten und Schmuck an.
„Hast du wieder die Salbe? Die, die meine Oma gesund macht?“
Die Frau nickte und flüsterte: „Sie ist mit Liebe gemacht.“
Stimmen in der Wand
Sie sei verrückt, so sagte man sich.
Lag es am Alter? An ihrer Einsamkeit? Nahm sie was Illegales?
Die Nachbarn ignorierten die Frau.
Sie war sauber und belästigte niemand. Ausserdem, wollte niemand mit ihr zu tun haben.
Sanft strich die Frau die Wand im Keller. Lächelte, küsste sie.
„Unsere Liebe kann niemand verstehen.“
„In der Tat. Du bist die schönste Frau der Welt.“
Die Stimmen war dunkel.
„Bald hole ich dich zu mir. Hab Geduld, Geliebte.“
Die Frau zitterte, ihr Körper sehnte sich nach ihm.
„Wann?“, hauchte sie.
Unheimliche Schatten klammerten sich an sie, sog einen Teil ihrer Lebensenergie ab.
Hexenstunde
Der Onkel nahm seine Nichte in die Arme. Sofort wurde sie schläfrig und schloss die Augen. Sie schlief in Sekunden ein. Die Mutter staunte, doch der Vater lächelte wissend.
„Die Hexenstunde ist wohl wirklich nur ein Mythos von Hebammen“, sprach die Mutter und verliess das Kinderzimmer.
„Sie ist ein prächtiges Oktobermädchen“, wisperte der Onkel und ein breites, unnatürliches Grinsen zierte sein Gesicht.
Er biss sich in den Finger, bis das Blut floss. Murmelt verzierte er die Wangen des Mädchens mit unheimlichen Runen, die unsichtbar wurden.
„Ich werde mit Freude ihre Ausbildung überwachen. Sie wird eine mächtige Hexe werden, geliebter Bruder.“
Der Raum, den es nicht gibt
Das Kind liebte es, hier zu sein. Hier gab es alles, was es mochte.
Süssigkeiten. Spielzeug. Spielkameraden.
Es würde so gerne ewig hier in diesem Raum bleiben. Seine Freunde baten ihn, artig zu sein und früh zu gehen, damit der Meister ihn nicht sehe. Als seine Mutter merkwürdiger wurde, wollten sie ihm helfen.
Sie sagten dem Kind, dass es seine Mutter in das Zimmer einsperren sollte und seinem Vater nichts erzählen durfte. Das Kind durfte sie nie mehr besuchen.
Die Jahre vergingen. Das Kind wurde älter. Zog in die weite Welt.
Der Raum war eine ferne Erinnerung aus seiner Kindheit.
Die Metamorphose
Sie würde schön werden.
Die Doktorin hat es versprochen. Dafür opferte sie gerne alles.
Es wurde dunkel und ihr Körper schlaff. Ihr Schrei wurde verschluckt von dem Kokon, der sich um sie bildete.
Langsam platzte der Kokon auf, schleimartiges tropfte zu Boden.
Die Doktorin betrachtete ihr Werk. Sie war perfekt. Eine Schönheit wie aus einer Legende. Jeder Mensch würde sie schön finden, egal was genau.
„Dein Name ist ab heute Lilith. Dank mir wirst du nie älter und lebst ewig.“
Ein bösartiger Ausdruck zierte das Gesicht der Doktorin. „Schmerzen? Die wirst du jedes Mal fühlen, während und nach der Behandlung.“
Unangekündigter Besuch
Genervt öffnete sie die Tür. Da war ihre Cousine, dieses merkwürdige Stück ihrer Familie.
War laut, unangepasst und in einer verrückten Beziehung mit einem Mann und einer Frau.
„Was willst du?“, fauchte sie. Ihre Cousine lächelte bloss.
Ihr Handy klingelte, also drehte sie ihr den Rücken zu.
Es war ihre Tante. Der Videocall startete und plötzlich entwickelte sich alles zu einem Albtraum.
„Du wirst mich nie wieder los. Du bist auch daran schuld.“
Die Cousine streckte ihre verbannte Hand nach ihr aus, die Würgemale am Hals pulsierten.
„Du hast deine Follower auf uns gehetzt. Jetzt bleibe ich stets bei dir.“
Herzlichen Glückwunsch! Es wird ein ... Alien.
Er hätte nie gedacht, in so einer Situation zu landen.
Jedes verdammte Meme kam ihm in den Sinn, jedes verdammte Trope.
Er wurde Mutter. Vater. Wie man es auch nennen möchte.
„Bald hast du es geschafft“, krächzte der Ausserirdische. Ridley stöhnte. Wie konnten die Frauen dies nur aushalten?
„Glückwunsch. Zwillinge! Wie heissen sie?“
Ridley war zu erschöpft, um nachzudenken, wie er sie gebar. „Mädchen oder Junge?“, fragte er.
„Zwei hübsche Jungs!“, krächzte der Ausserirdische und wickelte die Babys in flauschige Bademäntel.
Obwohl Ridley einfach komplett erschöpft war, lachte er.
„Ich habe die perfekten Namen: Hans und Ruedi. Ruedi, nicht Rudolf.“
Blutige Fußspuren
Das Kind tapste in das Kinderzimmer. Basteln und Spielen machten ihr am meisten Spass. Und ihr neues Spielzeug war so lustig.
„Toll machst du das“, sprach der Vater und zeigte ihr, wie man mit einem Schnitt die Finger sauber von der Hand trennte. Wie man daraus Ketten und Girlanden machten. Wie man mit dem Blut spezielle Bilder zauberte.
Es schaute aus dem Fenster. Die Polizei war da. Ihr Vater bewegte sich nicht mehr, lag auf dem Boden. Das Spiel war endlich vorbei. Sie mochte das Spiel eh nicht.
Es öffnete die Tür, schlüpfte hinaus. Das Kind hinterliess eine blutige Fussspur.
Spiegelbild
Der Mann überlegte, wie er es seiner Frau sagen sollte. Dieser Spiegel machte ihm Angst.
„Liebling, findest du nicht …“, fing er an. Ihr Nein war mehr gefaucht, als gesprochen.
Sie fuhr zärtlich mit den Fingern über ihr Spiegelbild. Seid sie diesen Spiegel besass, wirkte sie jünger.
Die Leute lobten ihre Ausstrahlung. Ihre Schönheit.
Ich habe einen tollen Mann. Einen tollen Job. Bin ich glücklich?
Eine Stimme flüsterte, dass sie mehr brauchte. Mehr wollte.
„Liebling, endlich hast du es begriffen. Der Spiegel kommt weg.“
Die Frau lächelte, umarmte ihren Liebsten.
Das panische Klopfen aus dem Spiegel hörte der Mann nicht.
Schrumpfköpfe
Rolf besprach alles mit der Schamanin und verliess die schmierige Gasse.
Als einige Tage später ein komisches Paket auf seinem Bett lag, schauderte er. Rolf schrie panisch, als er den Kopf seines Chefs geschrumpft vorfand. Er warf es aus dem Fenster.
Ab da lief alles in seinem Leben schief. Rolf wurde seines kurzen Lebens nicht mehr froh.
Die Schamanin knirschte mit den Zähnen. Wieder jemand, der sich nicht an die Regeln hielt, deswegen muss er bezahlen. Sie erschien in seinen Träumen und trieb Rolf in den Wahnsinn. Bis er nur noch einen Ausweg sah.
Seinen Kopf behielt sie als Warnung.
Unglücksbringer
Armes Ding.“
Die Familie stellte dem schwarzen Kater eine Schale Wasser hin. Die Kinder holten ein paar kalte Fischstäbchen, die der Kater verschlang.
„Kein Tier bringt weder Unglück noch dürfen wir sie quälen.“
Die Kinder nickten, die Mutter ergänzte:"Jedes Tier verdient unseren Respekt.“
Die Nackenhaare stäubten sich, fauchend starrte er den Todesdämonen an. Der Kater würde ihn nicht in das Haus der Familie lassen.
Der Kater schnurrte, strich um die Beine des Vaters.
„Ihm geht es besser. Und zutraulich ist das Kerlchen auch.“
Die Kinder sahen zu Mutter.
„Papa und ich gehen zum Tierarzt. Vielleicht kommen wir zu dritt zurück.“
Schwarze Flecken auf der Haut
Dieses Kribbeln. Das kalte Gefühl in meinem Kopf. Angst stieg in mir hoch.
Es war wie bei meiner Schwester. Jetzt holte es mich.
Hoffentlich konnte ich es verstecken. Solange es mir möglich war.
Die ersten Flecken erschienen an meinem Rücken. Ich atmete tief ein.
Vielleicht war der Fluch nett und ich konnte den Winter überleben.
Ich betrachtete meinen gebrandmarkten Rücken im Spiegel. Konnte ich sie als Sommersprossen oder Muttermal den Leuten verkaufen?
Ich dachte an meine Schwester, die sich versteckte und wahnsinnig wurde.
Das wollte ich nicht. Das Leben würde ich geniessen und nicht mehr an den alten Fluch denken.
