Baumhaus
Rina lebte im Dorf Vael, wo nur Frauen geboren wurden – ein Ort voller Fluch und Schweigen. Ihr Vater, ein Holzfäller, war längst tot, doch sie erbte seine Axt und den Willen, zu bauen. Nachts schlug sie Holz, heimlich, Sprosse um Sprosse – nicht für ein Baumhaus wie früher, sondern für eine Leiter, die bis zum Turm reichen sollte. Der Wald verschlang sie, während sie das knarrende Ungetüm hinter sich herzog. Nebel, Dornen und Stimmen. Sie stellte die Leiter an, begann zu klettern. Doch auf halber Höhe lachte etwas neben ihr. Der Turm atmete. Dann fiel sie – und zwei Augen blickten herab.
Geräuchert auf dem Beichtstuhl
Rina kam zu sich – gefesselt an einen alten Beichtstuhl. Dunkelheit umhüllte sie, nur das Knarzen des Holzes und eine zischende Stimme: „Wer bist du?“
Zwei Gestalten tauchten auf – Kwaji und Tofu wirkten wie Mutter und Tochter, mit Augen, die glühten wie Sünde selbst.
„Ich… wollte nur den Prinzen sehen“, flüsterte Rina ängstlich.
Tofu lachte, zündete eine Fackel, warf sie in die Schatten. Der Beichtstuhl fing Feuer und Rauch stieg auf wie Weihrauch.
„Geräuchertes Geständnis“, hauchte Kwaji.
Rina riss an den Seilen, bis sie bar der Luft entkam – doch kaum trat sie hinaus, legte sich wieder eine Hand auf ihre Schulter.
Tunnel
Etwas Kaltes berührte Rinas Schulter. Rauch, flüsternde Hände aus Nebel. „Bleib bei uns“, wisperten Stimmen, ehe der Boden aufbrach. Unsichtbare Arme zogen sie hinab in einen Tunnel, schwarz und feucht. Schnee fiel leise – weiß, doch schmeckte nach Eisen. Knochenstaub. Rina kroch weiter, Schritt für Schritt, bis sich der Gang zu einem Verlies öffnete. Schwarzer Stein und fahles Licht, Zellen. Zwei Mädchen hockten dort, blass wie Schatten. „Bist du hier, um uns zu retten?“ – „Nein... ich weiß nicht, wo ich bin.“ Das andere kicherte tonlos. „Dann bist du wie wir. Die Puppen der Monster. Und du – du bist ihr neues Spielzeug.“
Am Ende des Regenbogens
Rina, Alison und Haku hausten im Verlies aus Knochenstaub. Hunger ließ sie halluzinieren – Hasen, Feste, ein bunter Regenbögen. „Am Ende des Regenbogens liegt ein Schatz!“, rief Rina und begann zu graben. Die anderen kicherten, streiten über erfundene Händler und Ehre, während Rina tiefer wühlte. Zwischen Knochen glomm plötzlich Licht. „Hier! Ein Ausgang!“ Sie kroch durch ein Loch, Dornen rissen ihre Haut auf, Blut tropfte. Dann stand sie auf einer spiralförmigen Treppe, überwuchert von schwarzen Rosen, alt und schweigend. Der Regenbogen hinter ihr erlosch, als wäre er nie da gewesen – und vor ihr begann der Aufstieg in ein neues Dunkles Abenteuer.
Sonnenblumenfeld
Rina stieg die dornenumwundene Treppe hinauf die mit Rosen geschmückt ist. Jeder Schritt schnitt, doch sie schloss die Augen und träumte sich fort – in ein Sonnenblumenfeld, endlos, golden, warm. Der Wind tanzte durch die Blüten, sie lachte, barfuß, frei, vergaß das Blut an ihren Händen. Die Dornen rochen nach Eisen, doch in ihrem Kopf summten Bienen, flüsterte Sommer. Als sie die Augen öffnete, war das Feld fort. Nur graue Steine, kalter Wind, Blut und Staub. Vor ihr ein Himmelbett, ein Schleier, der atmete. Sie trat näher, sah den Prinzen – still, schön, lebendig. Dann bebte der Turm, und der Traum zerriss.
7 Kreis der Hölle
Rina sah den Prinzen – schön, still, mit schwarzen Haaren und roten Hörnern die sie ignorierte. Ihr Herz bebte und verliebte sich sofort. Er lebt.
„Weg von ihm!“ dröhnten die Mauern, der Turm erzitterte. Alison stürmte herauf, Staub rieselte, alles bebte.
„Wir müssen raus!“
Doch Rina rührte sich nicht – bis Tofu erschien, Haare wie Schlangen, wütend, fauchend.
„PFOTEN WEG!“
Alison packte Rina, stieß sie aus dem Fenster. Dornen, Fall, Schmerz – doch sie überlebten.
Tofus Haare blieben am Rand gefangen.
„Sie kann nicht raus“, hauchte Haku.
Rina blickte zurück.
„Er war echt.“
Oben schlief der Prinz weiter – und der Turm wurde still.
Dreißig Jahre später.
Rina lebt als Gärtnerin im Herzogtum von Alison, ihr erstes Enkelkind ist unterwegs – doch ihr Herz hängt noch am Prinzen im Turm.
Man erzählt von ihm: so schön, dass jede, die ihn sieht, ihr Herz verliert.
Nur wer ihn weckt, wird Königin.
Sieben Reisende, der „Siebte Kreis der Hölle“, machen sich auf den Weg: Lady Ai, Idealistin mit Pech; Jack Frost, ehrgeiziger Magier und dazu Mönch, Ritter, Hexe, Barde und Koch.
Sie meinen es gut, doch alles geht schief – besonders seit sie eine unsterbliche, göttlich riechende Bregenwurst tragen, die dazu Monster anzieht.
Und der Prinz schläft weiter.
Zimmer
Im Turm regte sich etwas. Staub fiel von der Decke, legte sich über das Bett wie Regen. Der Raum atmete, flüsterte. Tofu trat näher, ihre Augen glühten. „Er bewegt sich“, hauchte Kwaji. Das Licht im Zimmer wurde grünlich, krank. Die Rosen öffneten sich, Asche fiel aus ihren Blüten. Tofu lächelte scharf. „Wenn er erwacht, fällt alles.“ Risse durchzogen die Wände, der Staub sang wie Regen. Zwischen den Schatten hob sich eine Hand – bleich, schön. Der Prinz atmete, ein Hauch Nebel entwich seinen Lippen. Seine Augen öffneten sich – golden, hell. „Sie hat mich gefunden“, flüsterte er. „Jetzt beginnt der zweite Traum.“
Terrasse
Auf der Terrasse von Terranerra stand Katopres Waldemar Zo’Chryr, das Glas Wein in der Hand. Der Himmel über ihm flackerte schwarz. „Er ist also erwacht…“, murmelte er. Hinter ihm rauschte das Bankett, Diener eilten, Kerzen flackerten. „Lucky, bereite alles vor. Der Sturm kommt.“ Unten glomm das Reich wie flüssiger Schatten. Überall bebte die Luft – als atme sie. In der Ferne, im Turm, öffnete Belith die Goldenen Augen, und schwarze Wolken sammelten sich über den Dächern. Sein Lächeln schnitt durch den Wind. Donner hallte, Glas zerbrach, und Waldemar sah hinaus in die Dunkelheit. „Willkommen zurück, zukünftiger Prinz der Dämonen“, flüsterte er.
Höhle
In der Höhle schläft Ai tief und fest ein. Der Regen draußen rauscht gleichmäßig, der Atem der anderen wiegt sie in die Dunkelheit. Ihr letzter Gedanke: endlich Frieden. Dann beginnt der Traum. Eine Tür im Nichts. Kälte. Eine Stimme flüstert ihren Namen. „Ai …“ Nebel steigt auf, formt Wände aus Dornen, ihr Blut tropft in den Boden. Dann sieht sie ihn – goldene Augen im Schatten. Belith. „Ich suche dich schon lange.“ Er hebt die Hand – der Traum zerreißt. Ai erwacht keuchend. Das Feuer ist erloschen, alles still. Draußen fällt feiner Staub. Kein Regen. Nur das Echo seines Traums – und seines Atems.
Im Beet
Der Sturm tobt, der Boden ist Schlamm. Als die Gruppe ein Wildschwein jagt, rutscht Jack aus und landet mitten in einem matschigen Beet. Ai lacht laut, während Regen und Dreck über sie prasseln. „Held des Tages!“ spottet sie. Jack blinzelt, völlig durchnässt. „Strategische Positionierung“, murmelt er trotzig. Boo und Ice johlen, der Rest lacht müde. Ai reicht ihm die Hand, will ihn hochziehen – da zieht Jack sie mit in den Matsch. Für einen Moment liegen sie nebeneinander, keuchend, lachend, nass. Der Sturm tobt weiter, doch in diesem Chaos wirkt alles seltsam friedlich. Nur zwei Atemzüge Ruhe – bevor der Weg weitergeht.
Gewächshaus
Der Regen hatte aufgehört, doch das Gewächshaus roch seltsam süß.
Ai trat hinein, die Lampe in der Hand flackerte.
Zwischen den Tomatenreihen glitzerten Tropfen, still, zu still.
Dann Bewegte sich etwas. Ein dunkler Schleier glitt zwischen den Pflanzen hindurch.
„Wer ist da?“ flüsterte sie. Keine Antwort.
Das Licht erlosch.
Schwärze, so dicht, dass sie den Atem verlor.
Etwas Kaltes legte sich um ihre Arme, brannte wie Eis.
Der Boden bebte.
Zwischen den Wurzeln blühten schwarze Rosen, glühend, lebendig.
Ai wich zurück – zu spät.
Das Nichts zog sie hinab, in Dunkelheit, Erde, Staub.
Und eine Stimme flüsterte:
„Jetzt hab ich dich.“
Bibliothek
Die Bibliothek wirkte wie ein Grab: staubig, dunkel, verlassen. Kein Strom, keine Geräusche. Als Jack eine Kerze anzünden wollte, erlosch das Feuer sofort. Auch Ice und Atty scheiterten. Dann flüsterte etwas aus der Finsternis: „Kein Feuer…“
Ein eisiger Wind fegte durch die Regale, und eine durchscheinende alte Frau trat hervor – eine Bibliothekarin, streng wie ein Albtraum.
„Kein Feuer, kein Lärm, kein Essen in meiner Bibliothek!“ fauchte sie. „Und Dreck! Überall Dreck! Raus mit euch!“
Die Bücher bebten, Staub stob auf, der ganze Raum vibrierte – und die Gruppe begriff:
Sie waren nicht allein, denn die Bibliothek wird von einem Geist Beschützt.
Beet
Die Gruppe durchsuchte die Bibliothek, bis Jack ein moosiges Buch fand: ein Werk über Portale, die in Beeten entstehen, dort, wo Leben und Verfall sich berühren. Zwischen Zeichnungen von Dornen und Spiralen stand: „Beete, in denen wurzellose Schwarzen Rosen wachsen, öffnen Wege für reine Seelen.“
Boo schnaubte. „Rein? Ai?“ Lacht die Gruppe kurz
Doch Jack blätterte weiter: „Wer verschwindet, wird an die Wurzel des Turms getragen.“
Ein süßer Rosenduft strich durch den Raum. Boo schluckte.
„Also… was heißt das?“
Jack schloss das Buch.
„Ai wurde durch ein Beet verschleppt. Und der Turm wartet.“ Die Gruppe bereitet sich vor zur Abreise.
Marktplatz
Der Marktplatz lag verlassen vor ihnen – ein toter leerer Ort. Zerbrochene Stände knarrten im Wind, Stofffetzen flatterten wie fahle Gespenster. Der Boden war von Rissen durchzogen und alten Moos, als hätte niemand ihn seit Jahrzehnten betreten. Atty saß bereits in der Mitte, umgeben von Staub und Stille, als Jack sich zu ihm setzte. Nach und nach traf die Gruppe ein: Boo mit runzligen Äpfeln, Ice mit dem Packesel, der stumme Diener mit vollen Wasserkrügen. Doch je mehr sich versammelten, desto unnatürlicher wirkte der Platz – als würde er sie beobachten. Etwas war hier falsch. Und der Marktplatz schien es zu wissen.
Schrein
Der Schrein auf dem Hügel wirkte wie ein dunkler Riss in der Welt. Das schwere Holz mit der verwitterten Statuen und der Rauch, der aus dem Inneren quoll, machten jeden Schritt dorthin schwerer. Der Geruch wurde dichter, stärker, faulig und metallisch. Im Eingang stand ein riesiger Mann in blutiger Schürze, ein Beil in der einen, eine Schöpfkelle in der anderen. Sein Kessel brodelte fettig, das Ganze roch nach Verfall und Verwesung. „Willkommen im Schrein des Aufbruchs“, murmelte er und seine ungleichen Augen blitzten auf. „Der Fluch frisst Zeit und Menschen gleichermaßen.“ Der Schrein seufzte im Wind, als würde er zuhören.
Spielwarenabteilung
Ai kämpfte sich weiter durch die Dornen, bis sie in einen Raum stolperte, der wie eine groteske Spielwarenabteilung wirkte. Überall lagen zerbrochene Puppen – manche ohne Augen, manche mit zu vielen. Holzpferde mit blutigen Kratzspuren standen schief, ein Karussell aus Knochen drehte sich langsam im Luftzug. Zwischen den Regalen hingen Weihnachtskugeln und zerschnittene Stofftiere, deren Watte wie Schnee wirkte. Ein Puppenhaus war geöffnet, darin winzige Figuren, die aussahen wie… Menschen. „Was ist das für ein kranker Ort…?“ flüsterte Ai. Dann hörte sie Schritte. Stimmen, eine tiefe wunderschöne Stimme. Sie duckte sich hinter ein Regal – und sah ihn. Den Prinzen mit Hörner.
Haus der Schwiegereltern
Ai fühlte sich wie in einem Albtraum, als Kwaji ihr erklärte, wo sie war. „Im Haus deiner Schwiegereltern.“ Der Satz traf wie ein Schlag. Die schiefen Treppen, die zu vielen Türen, die stickigen Räume voller staubiger Erinnerungen – alles wirkte plötzlich wie das schlimmste Familienhaus der Welt. Belith sah sie mit dieser bedrückenden, vertrauten Traurigkeit an. „Wir waren schon oft hier.“ Ai starrte fassungslos. Ein Turm, der sich wie ein Elternhaus gab. Eine Schwiegerfamilie, die sie nie wollte und nun doch hat. Und ein Prinz, der behauptete, sie gehöre zu ihm. Es war das unangenehmste „Besuch bei den Schwiegereltern“ ihres Lebens.
Turm
Tofu presste ihr Ohr an die Wand; der Turm war ihr Körper, seine Schatten ihre Augen die Wände ihre Ohren. Sie belauschte Belith und Ai, spürte die vibrierende Nähe – und Eifersucht. Mit totem „Essen“ drang sie in Ais Zimmer ein, verspottete sie, während Kwaji scherzte. Dann zerrte Tofu Ai ins höchste Turmzimmer, warf sie auf das dornenumschlungene Rosenbett und verlangte ihren wahren Namen. Ai nannte ihn zitternd. Etwas Altes regte sich in Tofu. „Wir wollen spielen“, höhnte sie und musterte Ai hungrig, neugierig, besitzergreifend. Die Ranken bewegten sich bedrohlich, die Tür war versperrt – und Tofu blieb wie ein Albtraum zurück.
hinten links
Tofu stand noch immer an der Tür, während Ai spürte, wie die Dornen an ihren Knöcheln zitterten. Hinten links im Zimmer lauerte Dunkelheit, schwer und wachsam, als würde etwas Unsichtbares jede Bewegung verfolgen. Tofus giftgrüne Augen glänzten vor Hunger, als sie näherkam, den säuerlichen Geruch von Gefahr verströmend. „Du riechst so sauber“, hauchte sie, viel zu freundlich und doch bedrohlich. Ai presste sich gegen das Rosenbett, unfähig zu schreien. Erst Beliths Stimme durchschnitt die Spannung. Er trat zwischen sie und Die Dornen zogen sich zurück, doch hinten links blieb das Gefühl, beobachtet zu werden, wie ein stilles Versprechen kommenden Schmerzes.
Dunkel
Beim Schrein senkte sich die Nacht unnatürlich schnell. Unruhe ergriff den Siebenkreis, und sie brachen zum Turm auf. Je näher sie kamen, desto stiller wurde die Welt – kein Tier, kein Duft, nur kalte Leere. Vor ihnen lag der Burggraben, erstickt von lebenden Ranken, dicht verwoben, gespickt mit schwarzen Dornen, die wie atmende Stacheln pulsierten. Klingen prallten ab, Magie versickerte wirkungslos im Gewirr. Die Dornen lachten stumm über ihre Mühen. Plötzlich Auf der anderen Seite hob eine dunkle Gestalt die Hand – gehorsam wichen die Ranken, öffneten einen schmalen Pfad, nur für ihn. Dann schloss sich der Graben wieder: undurchdringlich, wachsam, lebendig.
Burggraben
Der Turm bebte; tief darunter erwachte der Burggraben. Kein gewöhnlicher Abgrund, sondern ein schwarzes Becken aus siedendem Öl, schwer und gierig, das in der Dunkelheit glitzerte. Dornenranken hingen wie lebendige Klingen darüber, bereit, alles zu zerreißen. Hitze schlug in die Gänge, der Geruch von verbranntem Fett kroch wie Warnung durch die Steine. Bei jedem Schlag der Angreifer stieg das Öl, zischte und wallte höher, als würde der Graben nach Leben schnappen. Alte Mechanik ächzte; der Turm ernährte sich. Wer zu nahe kam, wurde vor dem Mauerwerk verschlungen, lautlos, schnell, endgültig. Niemand entkam dem Hunger des Grabens je lebend zurück. Nie.
Feenkreis
Waldis Ankunft erschüttert den Turm wie ein Fluch aus dem Feenreich. Im Zentrum seiner Pläne steht der verschwundene Wächter, ein gewaltiger Feen-Igel, einst im Feenkreis erschaffen, mit Dornen wie Klingen und Rosenhaut, geformt durch Dämonenblut. Sein Opfer sollte den magischen Kreis schützen, doch der Turm verschlang ihn gierig. Waldi verurteilt diese Verschwendung heiliger Feenmagie, denn der Feenkreis war Bindeglied zwischen Leben, Tod und Totengott. Während Ranken zittern, spürt Ai das alte Ziehen des Kreises. Sie ist zurückgekehrt, verbunden mit uralter Feenmacht, Schlüssel eines Rituals, das Heil oder Verderben bringt. Seine leise Resonanz flüstert Warnungen, Versprechen, Sehnsucht und unausweichliches Schicksal.
Ritualkreis
Im Raum herrschte eine drückende Stille, als Kwaji und Tofu den letzten Gegenstand für das Ritual vorbereiteten: Beliths Milchzahn aus seiner Kindheit den er immer dabei hat. Versteckt unter seinem Gewand, sorgfältig eingewickelt, legten sie ihn in die Schale des Ritualkreises. Ein dumpfer, schwerer Klang erfüllte den Raum, obwohl der Zahn so klein war. Die Luft verdichtete sich, finstere Energie griff nach Belith, als würde etwas Unsichtbares ihn erkennen und beanspruchen. Ai spürte die unheilvolle Macht, die sich an ihn klammerte. Kwaji lächelte ehrfürchtig. Tofu hob den Zahn, funkelnd im flackernden Licht, und kündigte an: „Jetzt kann das Ritual beginnen.“
Auf dem Thron
Im Ritualraum verdichtete sich die Luft, während aus dem Kreis schwarzer Nebel quoll. Aus ihm trat Aid, ein kleines Mädchen mit schwarzen Rosen im Haar und leeren, weißen Augen, und nahm den Thron des Totengottes ein. Alle verneigten sich vor ihr, doch Ai stand starr. Aid offenbarte sich als Herrscherin über das Reich der Toten und Beliths Verlobte. Mit ausgebreiteten Händen pulsierte dunkle Energie zwischen ihren Fingern, ein Geschenk aus reiner Finsternis, das Ai stärker machen sollte. Trotz der kindlichen Erscheinung war ihre Präsenz erdrückend, bedrohlich. Der Thron, der ihr Reich symbolisierte, machte sie zur unangefochtenen Herrscherin in diesem Moment.
der Ritualraum
Im Ritualraum verdichtet sich die Luft, als Aid Ai ein Geschenk aus dunkler Essenz bietet. Der Raum wirkt wie verschlossen, als hätte er selbst Hunger nach Seelen. Umgeben von Belith, Kwaji und Tofu kämpft Ai gegen den unheilvoll ziehenden Sog der Finsternis, doch der Ritualraum drängt sie erbarmungslos tiefer hinein. Die Leere verschlingt ihre Gefühle, bis sie verwandelt erwacht: kalt, klar, verändert, Eiskalt. Der Ort pulsiert mit neuer Macht, schimmernd und neu entfacht, als Ai Beliths Verlobte und zukünftige Dämonenkönigin akzeptiert. Die Siebenkreis-Magier brechen in den Ritualraum ein – und Ai, nun furchtlos, will dort ihren ersten blutigen Geburtstag beginnen.
das Baumhaus im Traum
Jack erwacht in einer Illusion, die ihn in einen vergangenen Sommer zurückwirft. Vor ihm steht Ai als Kind, fröhlich und vertraut, und gemeinsam gehen sie zu ihrem Baumhaus, dem Mittelpunkt ihrer Erinnerungen. Dort arbeiten sie, lachen, spielen, während Jack versucht zu begreifen, warum alles so real wirkt. Am Baumhaus erzählt er von einem Traum, in dem Ai entführt wurde. Sie fordert ein Versprechen: dass er sie immer retten wird. Sie haken die kleinen Finger ein. Doch als das Baumhaus beginnt zu verblassen, fragt Ai flüsternd, warum er nicht bei ihr ist – und fordert ihn auf, hinaufzuklettern und sie zu retten.
Kleiderschrank
Ice der Speerkämpfer erwacht in einem unheimlich perfekten Kinderzimmer und spürt sofort, dass es eine Illusion ist. Sein Blick fällt auf den alten Kleiderschrank, dessen dunkles Holz und Rosenornamente bedrohlich wirken. Kein Spiegelbild zeigt sich darin, kein eigener Schatten. Das vibrierende Schrankholz kratzt, flüstert mit Ais nachgeahmter Stimme und lockt ihn näher. Ice öffnet die Tür und sieht nur unnatürliche Tiefe und bewegte Schwärze. Als er sich vorsichtig vorbeugt, schießt plötzlich ein schwarzer Speer aus dem Inneren hervor und durchbohrt ihn grausam. Der Schrank schließt sich leise, als hätte er gefressen, was ihm zustand, und wartete hungrig auf verlorene Beute.
Im Bett
Tofu warf Jack achtlos aufs Bett, als wäre sie kein Mensch, sondern bloß ein Gegenstand ein Spielzeug. Der Raum war kalt, still, und Jacks regloser Körper wirkte fehl am Platz zwischen den flackernden, unheilvollen Schatten. Belith befahl, sie dort ruhen zu lassen, während er und Ai am Fenster warteten, schweigend, unheilvoll vereint. Kwaji und Tofu wurden unruhig, überlegten sogar, Jack zu töten, doch Ais kalter, durchdringender Blick verbot jede Berührung sofort. So blieb Jack auf dem einzigen Bett des Turmzimmers liegen, tief bewusstlos, weit entfernt von dem, was um sie geschah – ein stiller, verlassener, namenloser Mittelpunkt im Herzen des Unheils.
Zelle
In der tiefsten Zelle des Turms hing Haku ein Mädchen gefesselt, erschöpft und halb bewusstlos. Das Dröhnen im Gemäuer ließ ersten Staub fallen, doch nur hier unten zeigte sich, dass etwas entsetzlich schiefging. Durch Risse im Boden drang heißes, schwarzes Öl ein, stieg unaufhaltsam und verbrannte ihre Haut, während die Ketten sie gnadenlos festhielten. Jede Bewegung war nutzlos, jeder Schrei hallte nur gegen kalten, feuchten Stein. Schließlich entzündeten sich die Dornen, Flammen fraßen sich die Wände hinauf, und die brennende Hitze sprengte die Zelle endgültig auf. Haku versank im kochenden Öl, und der sterbende Turm begann sich selbst zu zerstören.