Zum Inhalt der Seite

To heir is human

(Erben ist menschlich)
von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

The story of a friendship aka Wie alles begann

Diese Geschichte ist der Abschluss meiner Trilogie, die mit "Storm of Oblivion" (Sturm des Vergessens) begann und in "Absence makes the heart go yonder" (Abwesenheit macht das Herz verrückt) fortgeführt wurde. Aber keine Angst, man kann diese Geschichte, wie auch die beiden anderen, auch ohne Vorkenntnisse lesen. Selbst detaillierte Kenntnisse der Zelda-Reihe sind nicht unbedingt von Nöten. Meine Geschichte lässt einige Details vom Ende des Spieles, nämlich Links Rückkehr in seine Kindheit, aus, schließt aber ansonsten an den noch bis heute besten Teil der Reihe, Ocarina of Time, an.
 

In "Storm of Oblivion" kehrte Ganondorf mit einer Armee aus Dämonen zwei Jahre nach seiner Niederlage nach Hyrule zurück. Link musste erneut den Kampf gegen ihn aufnehmen In Mitten dieses erneuten Kriegs um Hyrule erkannte er seine Liebe zu Prinzessin Zelda und die beiden wurden ein Paar. Malon machte derweil die Bekanntschaft des Dämonen Ker'aool, der die Seiten wechselte und den Guten im Kampf gegen seinen ehemaligen Herrn half. Dies kostete ihn beinahe das Leben. Doch durch Malons Liebe wurde aus dem Biest ein Mann, der fortan auf den Namen Kaylen hörte. Kaylen war hochgewachsen und gutaussehend, sein Äußeres erinnerte aber eher an das eines Gerudo als an das eines Hylianers.
 

In "Absence makes the heart go yonder" war es dann endlich soweit. Links Hochzeit mit der Prinzessin stand unmittelbar bevor, die letzten Vorbereitungen wurden getroffen. Auch Malon und Kaylen, mittlerweile Links bester Freund, hatten ihre Liebe füreinander entdeckt und verlobten sich, doch kurz darauf verschwand Malon spurlos. Auch die Hochzeit geriet zum Debakel als Zelda entführt wurde. Link und Kaylen machten sich in ein fernes Reich auf, um gegen die finsteren Pläne der dortigen Königin anzugehen, die mit den entführten Mädchen schreckliches vorhatte. Sie wurden getrennt und während Link beinahe hingerichtet wurde, geriet Kaylen in die Sklaverei. Dort traf er Malon wieder, die sich für die Pläne der Königin als unbrauchbar erwiesen hatte. Auf der Flucht wurde Kaylen vergiftet und starb kurz darauf in Malons Armen. Auch Link war kein besseres Schicksal vergönnt, er fiel Morgana, der Herrin der Schatten, in die Hände und Zelda musste ihren Geliebten töten, um die Welt zu retten. Voller Schmach nahm auch sie sich das Leben. Doch die Göttinnen hatten andere Plänen mit ihnen. Sie gaben Link eine zweite Chance, sein Leben zu leben. Daraufhin wurde die Uhr zurückgedreht und alles war, als wäre nie etwas geschehen. Link und Zelda heirateten, ohne zu wissen, welcher Katastrophe sie nur knapp entronnen waren. Doch einige Monate später hatte Kaylen einen sehr beunruhigenden Traum, eine Gestalt, ein Mann mit goldenen Augen sagte ihm, dass er sein Sohn sei. Auf Kaylens Brust flammte ein Pentagramm und als er aus dem Traum hoch schreckte und sich das Hemd vom Leib riss, entdeckte er genau dieses Pentagramm aus seinem Traum...
 

"To heir is human" (Erben ist menschlich) führt nun diese Ereignisse fort und rückt Kaylen endgültig in den Mittelpunkt des Geschehens. Er ist so beliebt wie kein anderer eigener Chara von mir, daher ist es nur gerecht. Es gibt sogar Zeichner (u.a. LinkyBaby, hiermit seien ihre genialen Bilder wärmstens empfohlen! *g*) und Autoren (K-Beasty (das K steht für Kaylen *g*) die Fan-Arts malen bzw. Fan-Fics über Kaylen schreiben. Bildmaterial über ihn findet man in meiner Galerie, inklusive einiger Shonen-ai Bilder mit Link, die aus einer alten Fassung dieser Geschichte stammen und nichts mehr mit der vorliegenden Fassung zu tun haben *lol* Von ihm werde ich auch einen Steckbrief zu dieser Geschichte hoch laden, nach und nach auch für die anderen Charaktere.
 

Damit nun genug der langen Vorreden, viel Spaß bei meiner in meinen Augen bisher besten Geschichte (Kunststück, die anderen beiden sind auch schon viel älter als diese) in der ich endlich so intensiv auf Kaylen und seine Freundschaft zu Link eingehen kann, wie ich es immer wollte. Am Ende dieser Geschichte wird nichts mehr so sein wie es mal war, neue Charaktere, dunkle Geheimnisse, eine tragische Liebe (wie man beim Genre schon sieht, Shonen-ai ahead!), Mord, finstere Mächte und viele Intrigen werfen ihre Schatten voraus! ^_^ Im Gegensatz zu den anderen beiden Geschichten die ich jeweils in über einem Jahr Arbeit komplett beendet und dann auch komplett veröffentlicht habe, wird die Geschichte diesmal Stück für Stück fortgesetzt, wie lange es jeweils dauert kann ich aufgrund meines Studiums leider nicht genau sagen, aber ich halte mich ran *g* Durch dieses System habe ich die Möglichkeit ein paar schöne Cliffhanger einzubauen, die das Warten auf die Fortsetzung herrlich schwer machen *evilgrin*
 

Viel Spaß und lasst mir einen Kommentar da, wenn ihr mögt, ich freue mich sehr darüber!

Euer Kawo ^^

If not now, when? (Wenn nicht jetzt, wann dann?)

Krachend zerbarst die Rakete am Nachthimmel. Ein Schauer aus funkelnden roten Sternen senkte sich über die Häuser der Stadt. Eine weitere Rakete, goldene Sterne regneten herab. Die nächtlichen Straßen von Hyrules Hauptstadt waren voller Menschen. Wie in einem Bienenstock summte es. Überall wurde gelacht, getanzt, getrunken und gefeiert. Bunte Fahnen wehten schwach im lauen Abendwind. An zahllosen Ständen wurden Getränke ausgeschenkt und Essen verkauft. Die Blätter der Bäume in den Gassen waren in prächtigen Rot- und Gelbtönen gefärbt. Heute war der Höhepunkt des goldenen Herbstes, das Erntefestival, während dem sich Castletown in eine einzige große Feier verwandelte.

"Was schaust du so geknickt?"

"Hm?" Kaylen wandte sein Gesicht Link zu. Der Hylianer saß lässig auf der Bank, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und sah dem funkelnden Feuerwerk zu, das bunten Schein auf sein Gesicht warf. In seinen einfachen Kleidern ließ nichts darauf schließen, dass hier der Prinzgemahl von Hyrule saß, Link, der große Held, der Herr der Zeiten und Ehemann von Hyrules Regentin, Prinzessin Zelda. Link hasste es, wenn man ihn deswegen anders behandelte und genoss nichts mehr, als manchmal einfach dem Palastleben zu entkommen und sich unter das Volk zu mischen. Er strich sich mit der Hand durch sein blondes Haar und blickte Kaylen dann mit seinen tiefblauen Augen an.

"Du scheinst ganz woanders zu sein, gefällt dir das Fest nicht?"

Sein rothaariger Freund kratzte sich am Hinterkopf. Kaylen war in vielerlei Hinsicht einzigartig. Seine Haut war dunkel, fast bronzefarben, harmonierte dadurch aber wunderbar mit seinem feuerroten Haar. In seinen grünen Augen blitze oftmals ein Feuer auf, wie man es nur selten fand. Er war kein Hylianer, sondern zur Hälfte ein Gerudo, selten genug, da die Gerudos fast immer weiblich waren. Wer aber nun seine Eltern waren, vermochte Kaylen nicht zu sagen. Er war schon als Kind zu einem Dämon geworden und erst Malon, die Tochter des Besitzers der Lon Lon-Farm, hatte ihn von diesem Dasein erlöst. Doch obwohl nur wenige von seinem Schicksal wussten, begegneten viele Leute in der Stadt dem gutaussehenden Mann mit Misstrauen, aufgrund seiner Haar- und Hautfarbe. Zu frisch waren die Erinnerungen an den letzten Gerudomann, an Ganondorf, den Großmeister des Bösen.

"Doch, mir gefällt das Fest..." antworte Kaylen schließlich, doch schon am Klang seiner tiefen, angenehmen Stimme erkannte man, dass er den Satz nur halbherzig sagte.

Link boxte ihn spielerisch auf den Bizeps. "Hey, jetzt sag schon. Wir sind hier unter uns, oder nicht? Dich bedrückt doch irgendetwas. Ist etwas mit dir und Malon?"

Kaylen und die junge, hübsche Frau von der Lon Lon-Farm waren seit ungefähr einem halben Jahr verlobt, Talon, Malons Vater, erzählte allen die es hören wollten und natürlich auch allen anderen, wie stolz er auf seinen Schwiegersohn in spe war.

Kaylen seufzte. "Mit Malon... ja, gewissermaßen..."

"Nun sag endlich was los ist, lass dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen!"

Kaylen stemmte sich von der Bank unter den Kastanienbäumen hoch, auf die sich die beiden gesetzt hatten um nach ihrer Runde über das Fest ein wenig zu verschnaufen. Dabei fielen ihm einige Strähnen seines störrischen Haares in die Stirn, die er mit einer fahrigen Bewegung weg schob.

"Link," er drehte sich um und sah auf seinen Freund herab. "Hast du schon mal das Gefühl gehabt, dass dein Leben einfach beschissen läuft? Das dein Leben eigentlich gar nicht das ist, was du davon erwartet hast?"

Ein verdutzter Blick war die Antwort.

Kaylen lachte kurz auf. "Entschuldige... vielleicht spricht auch der Alkohol aus mir, aber ich bin einfach mit allem unzufrieden..."

Link hatte sich gefasst und stand ebenfalls auf. "Aber womit denn? Du bist bald Besitzer der größten Farm des Landes, hast gute Freunde und nicht zuletzt eine wunderschöne Frau an deiner Seite mit der du glücklich bist."

"Das ist typisch für dich..." lachte Kaylen leise. "Du lebst in deiner Welt aus Glück und wahrer Liebe..." erklärte er, beim Anblick von Links verständnislosen Gesicht. "Du hast eine Menge mitgemacht, aber du hast trotzdem nie aufgehört, an das Glück und die ewige Liebe zu glauben." Er kickte mit dem Fuß einen Stein gegen den Kastanienbaum. "Aber soll ich dir was sagen? Ich bin nicht glücklich, weder mit der Farm, noch mit Malon. Das einzig positive in meinem Leben in die Freundschaft zu dir..."

"Kaylen, ich..."

"Weißt du?" sprudelte es aus Kaylen heraus, er hatte sich in Fahrt geredet, enthemmt vom Alkohol. "Sie ist doch einfach langweilig! Sowie mein ganzes Leben! Kühe, Pferdemist, Hühner! Farmarbeit, Talons lahme Witze, Basils Faulheit und Sticheleien, weil er mir den Hof nicht gönnt! Und Malon ist glücklich mit all dem, sie lebt in ihrer langweiligen kleinen Welt aus Hühnern und Pferden... ich ertrage das langsam nicht mehr! Ich will mehr, verstehst du?! Ich will einfach mehr vom Leben als das! Mal etwas erleben, etwas außergewöhnliches... ich will, dass mir mal etwas tolles passiert, etwas tolleres als Milch abliefern oder Pferde striegeln! Ich will, dass sich mein Leben verändert, wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn ich Malon heirate, ist es eh zu spät!"

"Aber liebst du sie denn nicht mehr?" unterbrach Link den Redeschwall seines Freundes.

"Ich weiß nicht..." war Kaylens kurze Antwort.

Link sog hörbar die Luft ein und stieß sie wieder aus. "Ich brauche erst einmal was zu Trinken, willst du auch was?"

Kaylen lächelte. Wieder eine typische Reaktion von Link. Er brauchte Zeit, wollte nichts falsches sagen, deswegen schob er den Durst vor, um sich eine Antwort auf seine Rede zu überlegen, die so gar nicht zum Weltbild seines Freundes passen wollte. "Ja, danke, gern."

Link entfernte sich eiligen Schrittes und verschwand in der vorbeifließenden Menschenmenge. Kaylen sah ihm nach und drehte sich dann wieder zur Bank um. Gerade wollte er darauf zugehen, als plötzlich jemand in vollem Lauf gegen ihn stieß, den er nicht hatte kommen sehen. Durch den Alkohol beeinträchtigt, verlor Kaylen das Gleichgewicht und setzte sich ziemlich unsanft auf das Kopfsteinpflaster.

"Passt doch auf!" schnappte er und rieb sich seinen schmerzenden Hintern, bevor er aufschaute. Vor ihm stand ein junger Mann in seinem Alter. Er trug einfache, ein wenig zerschlissene Kleidung. Sein langes rotbraunes Haar hatte er zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden, nur eine lange Strähne verdeckte sein rechtes Auge. Aus dem freien, blauen Auge, sah er ein wenig amüsiert auf Kaylen hinab. Er war groß und muskulös, in seiner linken Hand, so bemerkte Kaylen, fanden die zwei großen roten Äpfel, die er bei sich hatte, locker Platz.

"Verzeiht, ich habe Euch nicht gesehen." Er streckte Kaylen die rechte Hand entgegen, die dieser ergriff. Mühelos zog der Mann ihn nach oben, obwohl Kaylen auch sicher nicht schmächtig war. Etwas verlegen klopfte der junge Gerudo sich den Staub von der Hose.

"Kein Problem, ich hab ja auch nicht aufgepasst."

Er blickte auf und traf den Blick seines Gegenübers. Der andere sagte nichts, doch etwas an seinem Blick verunsicherte Kaylen. Er konnte den Blick nicht deuten. Das war es wohl.

"Hier, als Entschädigung!"

Mit diesen Worten warf ihm der Fremde einen der Äpfel zu. Kaylen fing ihn auf und musterte ihn einen Moment, bis er selbst bemerkte, dass er das Obst betrachtete, als hätte er noch nie so etwas gesehen. "Danke..."

Obwohl er nicht wusste warum, sah er dem Fremden wieder ins Gesicht und entdeckte darin ein für ihn undeutbares Lächeln. Dieser Moment schien eine Ewigkeit, bevor der Fremde sich mit ausgestreckten Mittel- und Zeigefinger an die Schläfe stieß.

"Also dann, auf Wiedersehen."

"Wiedersehen..."

Damit ging er einfach weiter. Kaylen sah ihm nach. Der Mann ging ein Stück die Straße entlang bis zu einer jungen Frau mit langen rotbraunen Haaren. Er gab ihr den anderen Apfel und sie fasste ihn lachend an der Hand. Kaylen drehte sich um. Er konnte sich nicht erklären wieso, aber in ihm pochte der Gedanken, dass es gerade dieser Anblick war, den er nicht hatte sehen wollen.

"Was ist denn los? Wo hast du plötzlich den Apfel her?"

Kaylen zuckte zusammen als er Links Stimme hörte.

"Ich... nein, ist schon alles okay... mich hat jemand angerempelt und den Apfel hab ich als Entschädigung... ist ja egal..." Er kam sich ziemlich dämlich vor, so wie er sich das ganze zurecht stammelte.

Link reichte ihm einen Krug mit Bier und die beiden ließen sich wieder auf der Bank nieder. Das Feuerwerk war mittlerweile vorbei. Link begann, die Diskussion wieder aufzugreifen, doch Kaylen war die ganze Zeit so abwesend, dass sie es schließlich aufgaben und sich für den übernächsten Tag zum Reiten verabredeten. Es war bereits weit nach Mitternacht, als Kaylen auf sein Pferd stieg und zur Farm zurück ritt.

And baby makes three! (Und ein Baby macht drei!)

Der Mond stand leuchtend am klaren Nachthimmel, als Kaylen auf die Lon Lon-Farm zurückkehrte, bald würde Vollmond sein. Die hölzernen Gebäude der Farm lagen still und dunkel vor ihm, als er die sanfte Anhöhe hinauf ritt, die auf den Hügel führte, auf dem die Farm lag. Das Tor war bereits geschlossen, um die nachts umherstreifenden Tiere aus der Steppe fernzuhalten, Kaylen stieg ab, um es zu öffnen, führte Charon dann hindurch und versperrte es wieder. Man gelangte nur auf diesem einen Weg in den von hohen Zäunen gesäumten Bereich der Farm. Kaylen passierte das Haupthaus und ritt zu den gegenüberliegenden Stallungen für Vieh und Pferde hinüber. Hinter diesen erstreckte sich die weite, runde Koppel an deren anderen Ende ein steinerner alter Turm in den Nachthimmel ragte, der als Lager benutzt wurde. Selbst im Hühnerstall neben dem Haupthaus war es still. Kaylen brachte Charon in seine Box, gab ihm Futter und machte sich dann auf den Weg ins Haupthaus. So leise er konnte entriegelte er die Haustür und verschloss sie wieder hinter sich. Auf Zehenspitzen durchquerte er das Wohnzimmer und stieg die Treppe zum oberen Bereich des Hauses hinauf. Die obere Etage bestand aus einem langen Flur, an dessen rechter Seite die Zimmer von Talon und Malon (und somit auch Kaylen, Malon hatte lange mit ihrem Vater gestritten, bis dieser erlaubt hatte, dass die beiden auch unverheiratet ein Zimmer teilten) waren. Gegenüber von Talons Zimmer befand sich Basils Raum, der Knecht bewohnte das kleinste Zimmer des Hauses. Aus Talons Schlafzimmer drang regelmäßiges, lautstarkes Schnarchen. Kaylen schlich auf sein Schlafzimmer zu, als plötzlich die Tür neben ihm geöffnet wurde. Basil streckte seinen Kopf heraus. Der hagere Knecht sah mit seinen kleinen dunklen Augen und dem struppigen Schnurbart nicht gerade wunderschön aus, dieser Umstand und sein Dasein als Bediensteter hatten ihn zynisch und boshaft werden lassen, besonders nachdem ihm Dank Link zu Zeiten von Ganondorf die Vorherrschaft über die Farm wieder verloren gegangen war und er sogar noch die damals beste Stute, Epona, an den blonden Störenfried hatte übergeben müssen. Talon hatte in seiner unendlichen Güte dem treulosen Basil vergeben, eine Tatsache, die Kaylen bis heute nicht verstand. Zwischen ihm und dem Knecht bestand eine unausgesprochene Feindschaft.

"Weißt du eigentlich, wie spät es ist?" schnappte der Knecht und rieb sich mit dem Finger über den vollkommen zerzausten Bart.

"Halt's Maul, Basil! Ich bin dir sicherlich keine Rechenschaft schuldig!"

"Sind wir heute wieder gut gelaunt..." Im Flüsterton fügte er ein "Rumtreiber!" hinzu.

"Das hab ich gehört!"

Die Antwort war ein Schulterzucken und eine wieder geschlossene Tür. Kaylen schnaubte verächtlich, bevor er die Tür zu seinem Schlafzimmer vorsichtig öffnete. Das Zimmer lag nicht wie erwartet in Dunkelheit, sondern wurde von einigen Kerzen erleuchtet. In ihrem flackernden Schein konnte man das breite Bett des Paares und einige Möbel erkennen, alles aus einfachem Holz gearbeitet, aber schön geschnitzt und verziert. Neben dem Bett befand sich Malons Ankleidetisch mit dem großen Spiegel und auf der anderen Seite, dem Bett gegenüber, der große Kleiderschrank. Eine Tür führte an der Nordseite in ein kleines Badezimmer.

"Da bist du ja."

Kaylen zuckte zusammen, noch ehe er die Tür ganz geschlossen hatte. Malon saß auf dem Stuhl vor dem Spiegel und lächelte ihn an. Sie war wirklich ausgesprochen schön. Haselnussbraunes, rückenlanges Haar umrahmte ihr schmales Gesicht mit den vollen Lippen und den blauen Augen. Das einfache Nachthemd umspielte ihre schlanke Figur und wenn sie sprach, hörte man sofort heraus, dass sie auch eine bezaubernde Sängerin war, ihre Stimme war anmutig und sanft. Sie erinnerte Kaylen immer an ein scheues, aber elegantes Reh.

"Du bist noch wach?" Es erschreckte ihn beinahe, mit was für einer Gleichgültigkeit er das dahin sagte, aber Malon schien es gar nicht registrieren.

"Ja, ich konnte ohne dich nicht einschlafen, deswegen habe ich auf dich gewartet, auch wenn es wirklich lange gedauert hat."

Kaylen ging zum Kleiderschrank und öffnete ihn. "Es hat ja keiner verlangt, dass du wartest. Du wolltest ja nicht mit auf das Fest."

"Du weißt doch warum," in ihrer Stimme schwang ein wenig Vorhaltung mit, "Schließlich fahren Vater, Basil und ich morgen auf das Familientreffen und werden zwei Wochen lang nicht da sein. Und wir werden morgen sicherlich nicht viel Zeit haben, weil wir schon so früh fahren. Bist du dir wirklich sicher, dass du nicht mit willst?"

Kaylen schüttelte den Kopf, ohne sie dabei anzusehen. Er zog sein Hemd aus und hängte es weg. "Ich bin mir sicher. Es muss sich schließlich jemand um die Farm kümmern und ich werde einen Teufel tun und diese treulose Tomate Basil hier allein lassen oder willst du wieder vor verschlossenem Tor stehen, wie damals." Er stieg aus seinen Stiefeln und der Hose. "Deinem Vater ist eh nicht zu helfen, dass er diesen faulen Sack hier behält." Während er sich mit einer lockeren, weißen Hose für die Nacht bekleidete, hörte er, wie sich der Stoff von Malons Nachthemd bewegte, als sie sich erhob. Auf nackten Füßen kam sie zu ihm.

"Du hast ja recht... aber ich wollte doch zumindest ein bisschen Zeit mit dir verbringen, bevor wir uns so lange nicht mehr sehen." Sie stand hinter ihm und legte ihre Hände um seine Hüften. Ihre zarten Finger erforschten beiläufig die Höhen und Tiefen seines muskulösen Bauches. Kaylen spürte ihre Brüste, die sich unter dem dünnen Hemd gegen seinen nackten Oberkörper drückten. Ihr Atem strich über seine Schultern.

"Ich habe es kaum noch erwarten können, dass mein Held endlich zu mir nach Hause kommt und mich vor der Einsamkeit rettet..." Ihre rechte Hand wanderte hinauf zu seiner Brust, während die Linke sich seiner Körpermitte näherte. Bevor sie sich in den Bund seiner Hose schieben konnte, griff er danach und hielt sie fest.

"Lass das bitte. Ich bin vollkommen erschöpft und außerdem habe ich einiges getrunken..." Er schob sie von sich und ging ohne auf eine Reaktion zu warten ins Badezimmer. Er warf sich eine Handvoll kaltes Wasser aus der Waschschüssel ins Gesicht und begann, seine Zähne zu putzen.

"Du hörst dich aber gar nicht betrunken an!" hörte er Malons Stimme von nebenan. Kaylen verdrehte die Augen. Ihm stand nicht der Sinn nach Diskussionen und schon gar nicht nach Sex. Ihm kam der Gedanke in den Sinn, dass er eigentlich gar nicht genau sagen konnte, warum er keine Lust hatte... es war einfach so. Er wollte nicht und fertig. Schließlich kehrte er ins Schlafzimmer zurück. Er hoffte, das Malon nun im Bett liegen würde, doch diese Hoffnung wurde jäh zerstört. Die schöne Bauerntochter stand in der Mitte des Raumes - vollkommen nackt. Das Licht der Kerzen tanzte auf ihrem wohlgeformten Busen, sie hielt ihre Hände verführerisch vor ihre Scham. Kaylen sah sie an. Sie lächelte, doch das Lächeln erstarb, als er, ohne ein Wort, an ihr vorbei ging und sich aufs Bett setzte. Sie stemmte die Hände in die Hüften. "Was soll das? Was soll ich noch tun, damit du mit mir schläfst?"

Kaylen stöhnte genervt auf. "Ich habe dir gerade gesagt, dass ich keine Lust habe, oder? Akzeptier das bitte!"

"Was ist denn los mit dir? Du hast schon seit Tagen, was sage ich, seit Wochen keine Lust mehr, kann das sein?!" Ihre Stimme war merklich härter geworden, ihre Lust verwandelte sich in Wut über Kaylens Gleichgültigkeit. "Ich dachte, du liebst mich?!"

"Das tue ich doch auch!" schnappte Kaylen. Zumindest glaube ich das... fügte er in Gedanken hinzu.

"Aber warum willst du mir dann nicht mehr nah sein? Hast du eine andere?! Sei ehrlich!"

"Nein, ich habe keine andere! Ich hab einfach nur keine Lust, ist das so schwer zu verstehen?!"

Sie seufzte und kam zum Bett herüber. Ihr Busen wippte leicht, als sie sich neben ihn setzt und sich an seine Schulter lehnte.

"Es tut mir leid..." begann sie, "Ich wollte dir das nicht unterstellen, ich weiß ja, dass du mich liebst und mir treu bist... aber ich sehne mich nach deinen Berührungen, nach deiner Zärtlichkeit, verstehst du das denn nicht?"

Jetzt war es an Kaylen, zu seufzen, er kam sich mit einem Mal einfach schäbig vor. Malon war ein wundervoller Mensch und liebte ihn abgöttisch, welches Recht hatte er, sie so zu behandeln, nur wegen einer Depression, die ihn erfasst hatte. Er legte den Arm um sie.

"Es tut mir auch leid, aber bitte hab Verständnis. Ich weiß auch nicht genau, was mit mir los ist, aber ich möchte wirklich nicht mit dir schlafen, auf jeden Fall nicht jetzt, das wäre erzwungen und keiner von uns beiden hätte etwas davon... lass uns doch in wenig kuscheln und den letzten Abend zusammen genießen, hm?"

Das Lächeln kehrte in Malons Gesicht zurück. "Ja, gern!" Sie schmiegte sich an ihn. "Ich wollte dir eh noch etwas erzählen und das wäre wirklich nicht gut, wenn wir das auf der Basis eines Streits besprechen."

Kaylen sah sie etwas verwundert an. "Was wolltest du denn besprechen?"

Sie sah ihm tief in die Augen und schien ein wenig zu zögern, bevor sie antwortete. "Kaylen, ich bin so glücklich und ich muss das unbedingt mit dir teilen." Sie stand auf und beugte sich zu ihm herab um seine Hände zu nehmen. Ihre Stimme quoll über vor Glück. "Ich bin... ich meine wir sind... Ich bekomme ein Baby, Schatz, ich bin guter Hoffnung! Ist das nicht wundervoll?"

Stille trat ein. Kaylen starrte seine brünette Freundin einfach nur an. Er hatte das Gefühl, dass es im Raum kälter geworden war. Seine ganze Welt schien mit einem Mal zu zerspringen, jeglicher Gedanke entwich seinen Kopf, machte Platz für vollkommene Leere. Er war wie betäubt. "Das ist ein Scherz, oder?" hörte er sich selbst ganz weit entfernt sagen.

"Nein, natürlich nicht." War die Antwort, wieder so unendlich weit weg. "Ich weiß es seit ungefähr zwei Monaten, aber ich wollte erst ganz sicher sein. Ich meine, das ist ja eine große Veränderung, die da auf uns zu kommt. Ich wollte unbedingt noch vor dem Treffen mit dir darüber reden, damit wir, sobald wir wieder da sind, Vater alles sagen und die Hochzeit arrangieren können, das Kind soll ja schließlich ehelich zur Welt kommen, dass siehst du doch auch so, oder?"

Kaylen antwortete nicht. In seinem Kopf kreisten die Worte Schwanger, Hochzeit und Ehe in einem wilden Sog durcheinander. Und etwas anderes war da. Etwas flammte in ihm auf. Ärger, Zorn, blinde Wut. Er stieß Malon von sich, die erschrocken aufkeuchte.

"Das darf doch nicht wahr sein! Sag mir, dass das nicht wahr ist!"

Malon sah ihn vollkommen erschrocken an, Tränen bildeten sich in ihren Augen und rannen über ihre Wangen. "Aber ich... ich dachte... ich dachte, du freust dich..."

"Du dachtest, ich freue mich?! Du dachtest, ich freue mich?!" Kaylens Stimme überschlug sich fast, so wütend war er. Er stürmte zum Kleiderschrank und riss ihn auf. Wie von Sinnen zerrte er ein Hemd und eine Hose hervor, befreite sich aus der Schlafhose, die er in die Ecke warf und begann, sich anzuziehen.

"Schatz, bitte!" Malon lief zu ihm und fasste ihn an den Arm.

"Lass mich bloß los!" Er zog seinen Arm so heftig aus ihrer Berührung, dass sie beinahe stürzte. Kaylen stieg in seine Stiefel, ohne darauf zu achten.

"Wo willst du hin?! Kaylen! Bitte!" Malon weinte immer heftiger, wagte jedoch nicht, Kaylen wieder zu berühren.

"Was ist da drinnen los?!" Das war Basils ärgerliche Stimme an der Tür, Talon schien selbst bei diesem heftigen Geschrei nicht aufzuwachen.

"Kaylen!" schrie Malon wieder, verstummte jedoch erschrocken, als sie den Blick ihres rothaarigen Verlobten sah.

"Lass mich in Ruhe! Lass mich einfach in Ruhe! Ich muss hier raus! Ich muss einfach hier raus sonst wird mir schlecht! Warte nicht auf mich, ich wünsche dir eine gute Reise!" Tatsächlich stieg eine immer stärker werdende Übelkeit in ihm auf.

Er zerrte die Zimmertür auf. Basil setzte zu einem Satz an, doch Kaylen stieß ihn grob aus dem Weg. "Kaylen! Bitte warte!"

Doch nur Sekunden später knallte die Haustür eine Etage tiefer ins Schloss. Malon sank wimmernd auf dem Boden des Schlafzimmers zusammen. Kaylen warf Charon den Halfter über, zerrte ihn aus seiner Box und stieg auf, ohne den Hengst zu satteln. Im Galopp verließ er die Ranch und erst als er sie weit hinter sich gelassen hatte, brachte er Charon zum Stehen, sprang herab und musste sich am Wegesrand übergeben...
 

Ein leises Klopfen ließ Link hochschrecken. Die vielen Abenteuer seines Lebens hatten ihn wachsam werden lassen, selbst im Schlaf ließ er seine Wachsamkeit nicht vollkommen sinken. Er blickte sich um. Im Zimmer war es dunkel, die Vorhänge waren zugezogen. Seine Augen gewöhnten sich für gewöhnlich schnell an die Finsternis. Sein Blick streifte Zelda, die neben ihm lag. Sie hatte ihr langes, blondes Haar zu einem Zopf geflochten und atmete ruhig und gleichmäßig. Ihre Augen bewegten sich unter den Lidern, sie träumte wohl, doch das angedeutete Lächeln auf ihren sinnlichen Lippen zeigte deutlich, dass es ein sehr schöner Traum sein musste. Wieder klopfte es leise. Link schwang die Beine aus dem Bett und stand vorsichtig auf. Er konnte sich recht gut lautlos bewegen. Auf Zehenspitzen ging er zur Tür, öffnete sie und schlüpfte hinaus. Auf der anderen Seite stand eine Dienerin mit einer Kerze. Obwohl Link sich bemühte, das Personal des Schlosses stets freundschaftlich zu behandeln, konnte er sich doch beim besten Willen nicht alle Namen merken. Den der jungen, etwas pummeligen Frau mit den ängstlichen blassblauen Augen und dem wirren blonden Haar hatte er entweder vergessen oder noch nie gehört. Sie schien sich zu fürchten und der Anblick des Schlossherrn, nur bekleidet in einer kurzen grünen Hose, mit freiem Oberkörper beruhigte sie augenscheinlich nicht sonderlich.

"Sir... ich... ich meine... Verzeihung... verzeiht die späte Störung..." sie verhaspelte sich und suchte nach Worten.

"Was ist denn nun?" Links Geduld war mitten in der Nacht und dazu noch todmüde nicht die ausgeprägteste.

"Die Wachen... ich meine... man hat uns verständigt... dass... ich meine... Ihr Freund.... ich meine... ich kenne den Namen des hohen Herrn nicht..."

Link musste schmunzeln. Der Namen des hohen Herrn war wohl Kaylen, einen anderen Freund hatte er nicht. Allerdings machte es ihn schon stutzig, was die Dienerin da sagte. "Was ist mit ihm?"

Die junge Frau schien am liebsten fortlaufen zu wollen. "Nun... er ist...ich meine er war... ich meine... ist am Tor und.... und er hat verlangt... ich meine er wollte... er wollte zu Euch... ich glaube er ist betrunken... ich meine... ich wusste nicht... ich meine, was ich tun sollte... also habe ich ihn erst einmal in einem der Gästezimmer... ich meine das war doch korrekt, oder? Ich meine... Ihr habt einmal gesagt, dass... er.... ich meine... nicht abgewiesen werden solle... ich meine egal wann..." Sie blickte zu Boden.

Die Angelegenheit wurde immer konfuser. Aus ihrem mit eindeutig zu vielen "ich meine" angereicherten Redeschwall rekapitulierte Link, dass Kaylen wohl im Schloss war, dazu noch vollkommen betrunken und ihn sehen wollte. Er seufzte. "Gut, wartet einen Moment, ich ziehe mir etwas über und dann bringt mich zu ihm."

Die Dienerin nickte nur, unendlich dankbar, nichts mehr sagen zu müssen.
 

Link hatte kaum die Tür zu dem geräumigen Gästezimmer geschlossen, als ihm Kaylen auch schon um den Hals fiel.

"Link, mein Freund... Kumpel, endlich bis... bissu daaa!"

"Ist ja gut!" Link spürte, wie Kaylens stürmische Begrüßung ihm langsam aber sicher die Luftzufuhr abschnitt, außerdem wurde sein eilig übergeworfener Bademantel am Rücken plötzlich eiskalt und nass, also stemmte er rasch seine Hände gegen die Brust des Halbgerudo und schob ihn von sich. Kaylen ließ das widerstandslos über sich ergehen. Er sah schrecklich aus, Link fragte sich, wie er in den wenigen Stunden seit dem Fest so herunter kommen konnte. Sein Haar war vollkommen zerzaust, seine Augen blickten glasig aus seinem vom Alkohol geröteten Gesicht. Er hatte sichtlich Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Sein Hemd war schief geknöpft und halb geöffnet und auf seiner Hose hatte sich ein großer Weinfleck ausgebreitet. Er hatte eine Flasche in der Hand, die er wohl im Schrank des Gästezimmers gefunden hatte, sie standen dort bereit, wenn es einem Gast nach einem Glas Wein zumute war. Damit löste sich auch das Geheimnis seines nassen Rückens. Kaylen hatte ihn mit der Weinflasche in der Hand umarmt, mit dem Ergebnis, dass sich der restliche Inhalt der Flasche über Links Rücken ergossen hatte. Die Feuchtigkeit des Weins drang mittlerweile unangenehm durch den Stoff des Mantels. Link befreite sich so schnell er konnte aus dem völlig ruinierten weißen Kleidungsstück (er konnte sich jetzt schon Zeldas Reaktion ausmalen, der Mantel war ein Geschenk gewesen) und wandte sich dann wieder Kaylen zu.

"Kay, um Himmels Willen, was ist mit dir los?"

"Ich wolle meinen... b'sten Freund be... be...suchen! Ist das ver... ver... verboten?" lallte Kaylen und setzte die Weinflasche an. Nun dämmerte auch ihm die Tatsache, dass sie leer war, obwohl er sicher nicht realisierte, dass die Reste des erhofften Getränks munter dabei waren, Links Bademantel von Weiß auf Rot umzufärben. Mit einem enttäuschten Grunzen setzte er die Flasche ab und holte aus, um sie wegzuwerfen. Im letzten Moment schnellte Link vor und entrang sie ihm.

"Warum hab ich eigentlich eine vernünftige Antwort erwartet?" fragte er sich selbst, während er das zerbrechliche Behältnis in Sicherheit brachte.

"Keine A...A....Ahnuuuung!" gab Kaylen zur Antwort und fand sich selbst in diesem Moment wohl rasend witzig. Er begann, grölend zu lachen und trat hinter Link, der gerade die Flasche wieder in den Schrank verstaute, um ihm auf die Schulter zu klopfen. Dass er dabei statt der Schulter Links Wirbelsäule traf und der Schlag dermaßen heftig war, dass dieser das Gesicht verzog, störte ihn kein bisschen. Link schloss die Augen und atmete tief ein. "Es ist mitten in der Nacht und er ist besoffen einfach unerträglich, aber er ist mein bester Freund und ich bin für ihn da!" Dieses Mantra wiederholte er einige Male im Kopf, dann ging es ihm schon besser, obwohl das Brennen auf seinem Rücken in ihm den dringenden Verdacht aufkommen ließ, dass man sicher Kaylens Handabdruck deutlich erkennen konnte. Er drehte sich wieder zu Kaylen um, der ihn, albern grinsend, ansah. Er war nah genug, dass Link befürchtete, allein von der Fahne seines Freundes ebenfalls betrunken zu werden. Er legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm.

"Ich glaube, du solltest dich ausruhen. Was machst du überhaupt hier? Mitten in der Nacht. Warum bist du nicht auf der Farm?"

Kaylen schien einen Moment über die Worte nachdenken zu müssen, doch offenbar begriff er sie. Er ging einige Schritte in den Raum hinein und machte eine theatralische Handbewegung, die scheinbar sein Haar wieder richten sollte, doch eher den gegenteiligen Effekt hatte.

"Ich hab... hab g'feiert, weiß'u? Ich ha... hab... gefeiert, dass mein b'schissenes Schei... schei... Scheißleben noch besch... beschissner g'worden is!" Er torkelte leicht, fing sich aber schnell wieder. "Weißt du... i...ich... werd Va...Vater. Malon is schwa... wanger..."

Link sog die Luft ein. Diese Nachricht war wohl eigentlich eine gute, aber nach allem, was Kaylen am Abend zuvor über sich und sein Leben gesagt hatte, bezweifelte er stark, dass sein Freund das ebenso sah. Dieser war mittlerweile ans Fenster gegangen und hatte es aufgerissen. Er blickte Link über die Schulter hinweg an.

"Aber es... es war eh... ne Schnapsidee... ich mein... ich... du kanns mir doch au nich... hel... helfen... ich weiß... ich weiß...was'ich machen muss..."

Sprach es und schwang ein Bein auf den Fenstersims. Link blieb beinahe das Herz stehen. "Kaylen!" Er stürmte nach vorn und packte den rothaarigen Mann an den Hüften. Mit aller Kraft zerrte er ihn nach hinten. Beide stürzten zu Boden, Kaylen begrub ihn unter sich und Link bekam im Fallen Kaylens Ellenbogen in den Bauch gerammt. Für einen Moment wurde ihm schwarz vor Augen. Benommen wand er sich unter dem wimmernden Halbgerudo hervor und stemmte sich hoch.

"Bist du verrückt?! Was hast du dir denn dabei gedacht?! Du spinnst ja wohl!" Er war außer sich, doch alle Wut verrauchte, als er Kaylen ansah. Der junge Mann lag immer noch auf dem Rücken und weinte. Er schluchzte heftig, Tränen quollen aus seinen geröteten Augen und rannen über seine Wangen.

"Kaylen... hey, Kay, komm schon... ich wollte nicht laut werden..."

"Entschuldige..." wimmerte Kaylen.

"Komm, ich helfe dir."

Er beugte sich herunter und half Kaylen auf. Der Halbgerudo ließ sich vollkommen hängen, so dass Link sein ganzes Gewicht stemmen musste. Mühsam führte er ihn zum Bett und schlug mit der freien Hand die Decke weg. Mit der anderen hinderte er Kaylen am Umfallen. Schließlich schaffte er es, den schluchzenden Mann ins Bett zu bugsieren und ihn von seinen Klamotten zu befreien. Kaylen rollte sich nackt zur Fötusstellung zusammen, bevor Link die Decke über ihn zog. Kaylen so zu sehen rief in ihm einen Beschützerinstinkt wach. Er stand ihm nach Zelda am nächsten, Link fühlte sich regelrecht verantwortlich für den jungen Mann. Sanft strich er ihm über die Stirn und schob Kaylen das wirre feuerrote Haar aus dem Gesicht.

"Schlaf jetzt, morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus..."

Kaylen beruhigte sich langsam und schien tatsächlich müde zu werden.

"Link..."

"Hm?"

"Ich... i... ich hab dich... lieb..."

Link war perplex, das hatte er nicht erwartet. Natürlich hatte er Kaylen gern, aber so deutlich sagte man sich das unter Männern ja eigentlich nicht. Er führte es auf den Alkohol zurück. Und warum eigentlich nicht? Was war denn schon dabei? Er lächelte. Eigentlich war das ja sogar schon ein Kompliment, Kaylen schien ihm vollkommen zu vertrauen.

"Ich hab dich auch lieb..." antwortete er und wunderte sich, wie leicht die Worte über seine Lippen kamen. Allerdings blieben sie ohne Reaktion, Kaylen war bereits eingeschlafen.

Devil on my shoulder (Teufel auf meiner Schulter)

Der nächste Morgen kam mit strahlendem Sonnenschein. Es war ein wirklich unglaublicher Herbsttag, der sich Hyrule da bot. Im Licht der Sonne leuchteten die bunten Blätter der Bäume um die Wette, keine Wolke versperrte die Sicht auf den tiefblauen Himmel, der sofort Erinnerungen an die längst vergangenen Sommertage weckte.

Kaylen bekam von all dem nicht viel mit. Er saß mit Link am Frühstückstisch im Wintergarten des Schlosses und vergrub das Gesicht in den Händen. Beide trugen einfache Hosen aus lockerem Stoff und gemütliche Hemden, alles aus Links Kleiderschrank, da Kaylen bei seiner überstürzten Flucht von der Farm natürlich nicht an Ersatzwäsche gedacht hatte. Link liebte es, hier in den kälteren Jahreszeiten zu frühstücken. Selbst im Winter grünte und blühte es hier, sogar ein kleiner künstlicher See mit bunten Fischen lud dazu ein, an seinem Rand ein wenig auszuruhen. Über ihnen erstreckte sich die gläserne Kuppel, die gleichsam die Kälte draußen und die Wärme drinnen hielt. Geschickt platzierte Öfen taten ihr übriges zu wohligen Sommeratmosphäre. Kaylen schien das Frühstück im Sonnenschein allerdings gar nicht zu gefallen.

"Warum müssen wir hier frühstücken...?"

"Weil ich nicht zulassen werde, dass du im Dunkeln versauerst, komm schon, du hast diesen Ort doch immer gemocht!"

"Mir tun die Haare weh..." stöhnte Kaylen und ließ den Kopf auf den zum Glück leeren Teller sinken. Link fing an zu lachen.

"Das ist leider deine eigene Schuld, es hat dich ja niemand gezwungen, dich so voll laufen zu lassen, vor allem ist es beachtlich, in wie kurzer Zeit du es geschafft hast, dich an den Rand des Zusammenbruchs zu saufen."

"Das war gar nicht so schwer..." nuschelte Kaylen unter seinen roten Haaren hervor, die bis auf den Tisch hingen. Link wartete, bis die Diener, die das reichliche Frühstück aufgetragen hatten, sich entfernten.

"Jetzt erklär mir bitte noch mal ganz in Ruhe, was gestern los war." begann er, während er eine dicke Schicht Erdbeermarmelade auf eine Scheibe Weißbrot verteilte. Kaylen hob langsam den Kopf und tastete nach seiner Tasse mit schwarzem Kaffee. Obwohl das Getränk noch ziemlich heiß war, stürzte er gierig einen großen Schluck hinunter.

"Hab ich mich gestern schlimm benommen?" wollte er wissen, ohne auf Links Frage einzugehen. Sein blonder Freund konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

"Schlimm... nun ja... es ist immer die Frage wie man "schlimm" definiert. Wenn du darunter verstehst, dass du die Wachen am Tor zusammen gepöbelt und die halbe Dienerschaft in Aufruhr versetzt hast, meinen besten Bademantel mit Rotwein vollkommen durchtränkt und mir fast das Rückrad gebrochen hast und als Krönung des Ganzen noch aus dem Fenster springen wolltest, dann war es schlimm, ja!" Absichtlich erwähnte er das Ende des Abends nicht, er wollte Kaylen die Scham über die heftige Zuneigungsbekundung ersparen, davon ausgehend, dass sie eh nur vom Alkohol herrührte.

"Nein..." Kaylens Kopf fiel wieder auf den Teller. "Ich möchte im Boden versinken vor Scham..."

"Bevor du das allerdings tust, klär mich bitte auf, was es mit dir und Malon auf sich hat. Hab ich recht verstanden, dass sie schwanger ist?"

Kaylen blickte wieder auf und wandte dann seine Aufmerksamkeit einem Rosenbusch neben dem Tisch zu, bevor er antwortete.

"Du hast schon recht verstanden... sie hat mir gestern voller Freude verkündet, dass sie schwanger ist." Er machte eine Pause, aber nicht lange genug, um Link Gelegenheit zum Erwidern zu geben, da dieser gerade an seinem Marmeladenbrot kaute. "Ich weiß, ich weiß, ich müsste froh sein, aber ich habe dir ja gestern schon mal was zum Thema Leben in einer Sackgasse gesagt... und was passiert? Ich werde noch tiefer hinein geritten. Als Malon plötzlich mit Hochzeit anfing, ist mir schlecht geworden... ich musste einfach da weg, egal ob Malon heute verreist oder nicht, ich musste da weg! Also bin ich einfach los, ich hab mich auf dem Weg übergeben und dann zwei Flaschen Wein organisiert und sie runter geschüttet, danach weiß ich kaum noch was..."

Link hatte mittlerweile seinen Bissen vom Brot herunter geschluckt und seufzte. "Du warst echt vollkommen fertig... Kay, ich will dir nicht zu nahe treten, aber freust du dich wirklich kein bisschen über das Kind?"

Kaylen schien einen Moment zu überlegen, dann schüttelte er heftig den Kopf und bereute dies nur Sekunden später mit schmerzverzerrtem Gesicht. "Nein..." presste er trotzdem hervor. "Nein, absolut nicht... Weißt du, ich fühle mich vollkommen in der Zwickmühle. Ich meine, was ich für Malon empfinde ist schon gar nicht mehr als Liebe zu bezeichnen. Sie ist wunderschön und lieb ja, aber sie langweilt mich und ich fühle mich nicht einmal mehr körperlich von ihr angezogen... ich hab sogar, wenn ich ehrlich zu mir bin, mehr als einmal mit dem Gedanken gespielt, mich von ihr zu trennen, aber den Mut hab ich nicht dazu gefunden. Und dann das! Wenn dieses Balg... verzeih... wenn das Kind zur Welt kommt ist doch alles vorbei. Dann zerrt mich Malon vor den Altar und ich verbringe mein Leben damit, diese stinklangweilige Farm mit meiner stinklangweiligen Frau zu führen und als einzige Abwechslung mal den Stall auszumisten und davon zu träumen, was ich alles verpasst habe..." Link wollte etwas sagen, doch Kaylen war zu sehr in Fahrt, er redete gleich weiter, "Weißt du, es ist, als hätte ich da einen kleinen Engel und einen kleinen Teufel auf meiner Schulter. Der eine sagt mir "Kaylen, du bist verantwortlich für das Kind! Handle, wie es sich gehört!" und der Teufel sagt "Komm schon, vergiss das Landei und ihren Nachwuchs, die kommt schon klar, die braucht dich dafür nicht! Du siehst gut aus, bist jung, geh raus und erlebe was!" Und so unvernünftig das auch klingen mag, ich würde am liebsten auf den Teufel hören!" Er stand auf und ging ans Fenster, den Blick die ganze Zeit starr auf den Todesberg am Horizont gerichtet. Auch jetzt war der Gipfel in gräuliche Wolken gehüllt, die sich stark gegen den blauen Himmel abhoben. Link trat hinter ihn und legte ihm die Hand auf die Schulter.

"Kaylen, ich würde dir gern helfen, aber ich weiß um ehrlich zu sein nicht, wie ich das könnte. Ich hab immer gedacht, dass es dir so gehen würde wie mir. Das du Malon so sehr liebst wie ich Zelda und dass ihr für immer zusammen bleiben würdet... ich hab selbst so wenig Lebenserfahrung was die Liebe angeht, das weißt du ja, und ich habe seit gestern Abend überlegt, was ich dir raten könnte... aber ich weiß es einfach nicht... ich fühle mich schrecklich, weil ich für meinen besten Freund nicht da sein kann..."

Kaylen wandte sich um und lächelte. "Du bist doch für mich da. Du hast mich davon abgehalten, Dummheiten zu machen und du hast immer ein offenes Ohr für mich, wenn ich dich brauche. Ich kann zu dir kommen, wenn ich es will, jederzeit, sogar mitten in der Nacht. Was kann man sich mehr von einem Freund wünschen?" Dann zog er Link an sich und umarmte ihn. Link erwiderte die Umarmung und klopfte seinem Freund dabei kameradschaftlich auf die Schulter.

"Danke..." sagte Kaylen leise.

"Für was?"

"Für alles..."

"Störe ich die Herren gerade?" Beide drehten sich beim Klang der hellen, freundlichen Stimme dem Eingang zu. Königin Zelda (sie fühlte sich immer noch unbehaglich, wenn man sie so nannte) hatte den Raum betreten. Die junge Regentin sah wie immer bezaubernd aus. Das mit Rubinen geschmückte Diadem funkelte in ihrem wallenden blonden Haar, das ihr ebenes Gesicht mit den tiefblauen Augen umrahmte. Sie trug einen bordeauxroten Wappenrock mit goldenen Applikationen. Besonders das große Triforce war ein wahrer Blickfang, wenn man die Augen von ihrer schlanken Figur lösen konnte. Link dankte jeden Tag den Göttinnen, dass sie ihm diese Frau beschert hatten, ihm, einem einfach Mann aus dem Volk, ohne Familie.

"Du störst doch niemals, meine Liebste." Er ging zu seiner Frau hinüber und küsste sie sanft auf die Wange. Kaylen verbeugte sich.

"Hoheit..."

"Kaylen, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du das lassen sollst!" Sie verschränkte gespielt beleidigt die Arme vor der Brust. "Ich hasse es, wenn du mich Hoheit nennst, wir sind schließlich auch befreundet."

"Ist das ein königlicher Befehl?"

"Und ob und wenn du ihn nicht befolgst, lasse ich dich in den Kerker werfen!" grinste sie und entblößte dabei ihre makellosen weißen Zähne.

"Dann werde ich mich dem Befehl meiner Königin wohl beugen müssen."

"Schön dich zu sehen."

"Ja, freut mich auch." Zelda kam zu ihm hinüber und umarmte ihn. Eine Dienerin, die ihre Königin begleitet hatte, wurde bleich. Link konnte sich ausmalen, was sie dachte. Sie war eindeutig schon alt genug um noch unter Zeldas Vater gedient zu haben und sicherlich war die Hofetikette unter ihm strenger eingehalten worden.

"Ähm, werter Freund, würdest du bitte meine Frau jetzt wieder los lassen, bevor ich dich noch zum Duell fordern muss?"

Kaylen trat eilig und dabei hämisch grinsend einen Schritt zurück und hob entschuldigend die Hände. "Besser nicht, ich glaube nicht, dass ich eine Chance gegen dich haben würde. Außerdem bin ich von gestern noch etwas verspannt..."

Als er das sagte, kam Link eine Idee. Er nahm Zelda in den Arm und küsste sie sanft auf den Hals. "Oh je, du willst doch was, wenn du dich so ranschmeißt..." stichelte sie.

Link lachte. "Brauchst du mich heute für die königlichen Pflichten? Ich würde nämlich gern den Tag mit Kaylen verbringen und ihn ein wenig ablenken."

Zelda knuffte ihn in die Seite. "Haut schon ab, ich kann das auch ganz gut allein."

"Tausend Dank!" Er zog sie an sich und küsste sie stürmisch. Kaylen sah aus den Augenwinkeln, dass die Dienerin beinahe in Ohnmacht fiel.

"Schatz!" Sie schob ihn lachend von sich und rückte ihr Diadem gerade. "Denk daran, dass ich noch manierlich aussehen muss."

"Du siehst immer toll aus, Liebste."

"Jetzt verschwinde endlich, du Charmeur, und nimm deinen grinsenden Freund mit, bevor ich mir das mit dem Kerker noch mal überlege." Mit diesen Worten verließ sie kichernd mit der Dienerin im Schlepptau den Raum. Kaylen trat neben seinen Freund.

"Glückspilz..."

"Danke..." grinste Link. Sein Grinsen wurde noch breiter, als er Kaylens immer noch recht gequälten Gesichtsausdruck bemerkte. "Wart es ab, was ich vor habe, wird dich schon entspannen..."

"Hoffentlich..." stöhnte Kaylen.
 

"Du bist genial!"

"Ich weiß!" lachte Link.

Die beiden standen auf einem Hochplateau an den Hängen des Todesberges. Über die Hänge des Vulkans, den man von fast jedem Ort Hyrules sehen konnte, fegten zu dieser Jahreszeit heftige Winde. Hier jedoch merkte man kaum etwas davon. Link und Kaylen hatten die Pferde am Eingang nach Goronia, der Stadt der Goronen, zurückgelassen und waren die restliche Strecke zu Fuß den Hang hinauf geklettert. Vor ihnen erstreckte sich eine Schlucht in den Klippen des Berges. An drei Seiten umschlossen hohe, fast senkrecht aufragende Felswände den Ort und hielten die kalten Winde des Herbstes ab. Link hatte diese Schlucht bei einer Wanderung über den Berg entdeckt und Kaylen in sein Geheimnis eingeweiht. Aus den Wänden der Schlucht plätscherten mehrere kleine Wasserfälle herab, die sich in einen See ergossen, an dessen tiefster Stelle das Wasser Kaylen bis zu den Schultern reichte. Irgendwo an seinem Grund strömte das Wasser durch Ritzen wieder ins Erdinnere. Das schönste war aber, dass die Nähe zum Magma des Vulkans das Wasser erhitzte. Dampfschwaden zogen über die heißen Quellen hinweg. Die Schlucht war nicht vollkommen gerade, sondern hatte eine Vielzahl von Ausbuchtungen und hervorstehenden Kanten, die kleine Buchten in dem weitläufigen Gewässer bildeten. So oft die beiden Freunde auch hier gewesen waren, sie hatten nie jemand anderen getroffen. Scheinbar war dieser wunderschöne Ort fast vollkommen unbekannt.

Link setzte seinen Rucksack ab und begann, sich auszuziehen. Badekleidung hatten die beiden nicht mitgenommen, das war hier eh unnötig. Kaylen tat es ihm nach und gemeinsam wateten sie in den See hinein. Kaylen ließ sich, als es tief genug war, nach hinten sinken und schwamm ein paar Züge auf dem Rücken, den Blick zum oberen Teil der Schlucht gewandt.

"Das hab ich wirklich gebraucht... Mann, ich weiß echt schon nicht mehr, wie lange ich nicht mehr hier war... ich hatte ganz vergessen, wie herrlich es ist."

Link saß an einer flacheren Stelle und blickte zu ihm hinüber. Er warf kleine, glatte Steinchen ins Wasser und beobachtete, wie sich die Wellen kreisförmig ausbreiteten und sich mit denen anderer Steine vereinten. "Wir waren seit Monaten nicht mehr hier, wenn du es genau wissen willst seit mindestens drei Monaten. Ich weiß gar nicht, warum."

Kaylen tauchte kurz unter, kam wieder an die Oberfläche und warf den Kopf in den Nacken, so dass seine roten Haare nach hinten liegen blieben. Er kam zu Link hinüber.

"Ich auch nicht, es hat sich wohl nie ergeben... Dabei ist das einfach toll..." Er streckte sich, die Arme weit nach oben gehoben und zuckte im selben Augenblick zusammen.

"Meine Güte, du bist ja vollkommen verspannt!" stellte Link fest. "Komm mal her." Er rutschte ein Stück weiter ins Wasser hinein bis es ihm bis knapp unter die Brust reichte und deutete Kaylen, sich vor ihn zu setzen.

"Was hast du vor?"

"Lass dich einfach überraschen und komm her."

Kaylen tat, wie ihm geheißen und ließ sich mit dem Rücken zu Link vor ihm nieder. Link schob sich ein Stück näher an ihn heran, so dass Kaylen zwischen seinen Beinen saß und fing dann an, die Schultern seines Freundes zu massieren. Kaylen erschrak kurz, als er Links Hände spürte und wollte etwas sagen, doch bevor er dazu kam, atmete er schon genüsslich aus.

"Hey... das tut ja wirklich gut... hmmm... wo hast du das denn gelernt?"

"Berufsgeheimnis, mein Freund..." grinste Link. "Zeldas Job ist verdammt hart, da ist sie mehr als einmal Abends verspannt und dann trete ich in Aktion. Allerdings kannst du es dir abschminken, falls du jetzt das ganze Programm erwartest, das bleibt meiner Frau vorbehalten."

"Das kann ich mir denken!" Kaylen musste lachen.

"Du bist echt nicht gut in Form, weißt du das? Wir sollten wieder öfter zusammen trainieren, wir haben unser Kampftraining schon viel zu lange schleifen lassen."

Kaylen nickte nur, ohne darauf zu antworten. Eine Zeit lang herrschte Stille, nur von Kaylens wohligen Lauten der Erleichterung unterbrochen.

"Du?" beendete Kaylen das Schweigen.

"Hm?"

"Ich wollte mich entschuldigen."

"Wofür denn?"

"Für gestern Abend... ich meine, ich hab mich ziemlich daneben benommen. Ich wollte erst gar nichts sagen und so tun, als könne ich mich an nichts mehr erinnern, aber ich habe ein schlechtes Gefühl dabei, dich anzulügen. Ich kann mich an alles erinnern, was ich gestern getan habe und ich kann mich auch erinnern..." Er machte eine kurze Pause, "was ich gesagt habe..."

Jetzt dämmerte es Link, worauf Kaylen hinaus wollte. "Kaylen..."

"Nein, lass mich zuerst, Link, okay? Ich habe mir lange überlegt wie ich es sage und ich weiß es eigentlich immer noch nicht so genau. Ich wollte dir nur sagen, dass ich das was ich gesagt habe ernst gemeint habe. Ich wollte dich keines Falls beschämen oder so, aber ich... ich meine... ich hab dich wirklich gern und ich wüsste echt nicht, was ich ohne dich tun sollte. Du bist das einzige in meinem Leben, was mir noch was bedeutet. Ich wollte nur, dass du das weißt und beende damit meinen blamablen Monolog..."

Link lächelte. "Ich hab dich auch gern, Kaylen. Das kannst du mir glauben. Und du musst dich deswegen nicht schämen, schließlich hab ich dir doch auch gesagt, dass ich dich lieb habe, oder nicht?"

"Stimmt."

"Na siehst du! Also besteht da doch überhaupt kein Problem!" Mit diesen Worten griff er nach vorn und warf mit beiden Händen Wasser in Kaylens Gesicht.

"Na warte!"

Beide sprangen auf. Link sprintete lachend in den See hinein, Kaylen sofort hinterher. Er warf sich nach vorn, bekam Links Hüften zu fassen und beide stürzten ins Wasser. Die Wellen schlugen über ihnen zusammen und in dem Vorhang aus aufschäumenden Blasen verlor Kaylen den Kontakt zu Link. Prustend tauchte er wieder auf.

"Ich krieg dich schon, du wirst... Link?" Kaylen sah sich um. Er war allein. Das Wasser war ruhig und glatt. Wo war Link? Das Spielchen kenne ich... er ist weiter getaucht und versteckt sich irgendwo, um sich auf mich zu stürzen... aber warte Freundchen, so leicht mache ich es dir nicht, dachte Kaylen und rieb sich die Hände. Er ließ seinen Blick über den See schweifen. Da! Hinter einem hervorspringenden Felsen warf das Wasser sanfte Wellen. Dort stand jemand, eindeutig, denn an der Stelle war sicher kein Wasserfall. Wie ungeschickt. Und da sagte Link ihm, er sei außer Form. Langsam und vorsichtig näherte er sich der Stelle und drängte sich dann mit dem Rücken an den Felsen. Gleich hab ich ihn, grinste er innerlich. Er holte tief Luft, warf sich dann mit einem Kampfschrei um die Ecke und stürzte sich auf Link. Oder besser auf den Mann, der dort stand. Kaylen realisierte im letzten Moment braunes Haar und stoppte, leider ein wenig zu spät. Seine Hände hatten sich schon um die Hüften des Mannes geschlossen, bereit, ihn umzuwerfen. Wie erstarrt blieb Kaylen stehen. Er war zu perplex um sich zu rühren, die Hände immer noch an den Hüften des anderen strich sein Blick über den muskulösen Bauch um den sich seine Finger gelegt hatten (der Rest ließ sich wegen den aufgewühlten Wassers unter der Oberfläche nur erahnen), weiter über eine kräftige, glatte Brust, auf der Wasser herab perlte, bis zu einem markanten, aber sehr hübschen Gesicht, dessen rechte Hälfte von einer Strähne braunen Haares verdeckt wurde. Kaylens Blick musste wohl sehr amüsant sein, dem Grinsen auf den Lippen des Mannes nach zu urteilen, auch in seinem freien blauen Auge blitzte der Spott.

"Das ist schon mal nicht schlecht, aber die juckende Stelle ist etwas höher!" lachte er.

Kaylen sprang erschrocken einen Schritt nach hinten und stieß sich dabei die Schulter an dem Felsen, den er eben umrundet hatte.

"Es tut mir leid... ich wollte nicht... ich meine... es war eine Verwechslung..."

Der Fremde grinste weiterhin und allmählich dämmerte es Kaylen, dass er den Mann kannte. Es war der Gleiche, mit dem er auf dem Fest zusammengestoßen war. Bevor er was sagen konnte, stand plötzlich Link hinter ihm.

"Ich hab schon gedacht, du hättest mich einfach gefunden, als ich deinen Schrei gehört habe, aber scheinbar habe ich mich geirrt. Ich hätte nicht erwartete, dass hier noch jemand ist."

"Da muss ich Euch zustimmen." grinste der Fremde.

Kaylen sagte immer noch kein Wort, er starrte den Mann einfach nur an. Link stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Hüften. "Kay, steh da nicht rum wie eingefroren! Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen."

Kaylen schien in diesem Moment aus seiner Starre zu erwachen. "Äh ja... tut mir leid, ich wollte dich nicht anfassen... ich meine, ich... wollte Euch nicht..."

"Hat der Apfel geschmeckt?"

"Was?" fragten Link und Kaylen wie aus einem Mund.

"Ob der Apfel geschmeckt hat, den ich Euch geschenkt habe?"

"Äh... ja... hat er...Danke..."

Der Fremde nickte nur. Link gab es auf, der Unterhaltung noch folgen zu wollen.

"Würden die Herren denn jetzt bitte gehen?"

"Warum sollten wir?" fragte Link verdutzt. Der Mann nickte mit dem Kopf nach hinten und die beiden folgten der Bewegung. Ein Stück entfernt stand ein Mädchen im flacheren Wasser und sah zu ihnen hinüber. Sie verdeckte mit ihrem linken Arm ihren nackten Busen, hielt die rechte vor ihren Scham und lächelte etwas verschmitzt. Link und Kaylen blickten beide schnell wieder dem Mann ins Gesicht.

"Das ist ein Argument!" gab Link noch recht schlagfertig als Antwort.

"Danke. Lebt wohl." Der Fremde nickte und wandte sich dann einfach um und ging zu dem Mädchen zurück.

"Komm, Kaylen, lassen wir die beiden allein..." Link fasste Kaylen am Arm, der sich aber nicht rührte. "Kay? Hallo?" Keine Reaktion. "Kaylen! Hör gefälligst auf, dieses Mädel anzustarren, sonst verpasst dir der Typ noch einen. Der sieht recht kräftig aus." Kaylen lief rot an.

"Entschuldige..."

"Komm schon!" Link verhärtete seinen Griff um Kaylens Oberarm und zog seinen Freund weg. Kaylen ging mit, er spürte immer noch, dass seine Wangen erhitzt waren. Warum schämte er sich so? Wegen dem Fauxpas? Wegen der etwas prekären Situation? Oder weil ihn Link nicht dabei ertappt hatte, wie er das Mädchen angestarrt hatte, sondern vielmehr dabei, dass er die Augen nicht von dem Rücken und dem Hintern dieses Mannes hatte wenden können...?

Stranger in the night (Fremder in der Nacht)

Die Stille der Dunkelheit in Kaylen und Malons Schlafzimmer wurde von leisem Stöhnen durchbrochen. Kaylens Bettdecke lag auf dem Boden. Er wälzte sich im Bett hin und her. Seine Haut glänzte feucht, seine Augen zuckten unter den Lidern hin und her.
 

Finsternis... alles umfassende Finsternis... Kaylens Schritte machten keinen Laut... er rannte... immer weiter... Finsternis... er war allein... vollkommen allein... er wollte rufen... Hilfe... doch er bekam keinen Ton hervor... wo war er...? Es blitzte... Links Gesicht erschien... riesig... bedrohlich... trotz seines Lächelns... "Link!" ... der Gesichtsausdruck seines Freundes veränderte sich... das Lächeln verschwand... seine blauen Augen wurden kalt... dann verschmolz sein Gesicht wieder mit der Finsternis... "Link?!"... wieder allein... Kaylen sah sich um... "Ist hier jemand?!" ... Wo war er?... Plötzlich teilte sich die Dunkelheit... zwei große goldene Augen starrten ihn an... "Komm zu mir!" ... Die Stimme klang seltsam... Kaylen spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte... Angst stieg in ihm auf... grauenvolle Angst... dieses Etwas war böse, das spürte er... "Komm zu mir!" ... Er warf sich auf dem Fuß herum und rannte los... einfach hinein in die Finsternis... "Komm zu mir!" ... "Nein!" ... seine Stimme hallte in seinen Ohren wieder... "Glaubst du, dass du eine Wahl hast?!"... "Lass mich in Ruhe!"... Er rannte weiter in die Dunkelheit hinein... Panik stieg in ihm auf... "Bitte nicht!"... Er stolperte... die Finsternis war hart... sein Sturz raubte ihm fast das Bewusstsein... das Etwas kam näher... er wollte schreien, doch wieder versagte seine Stimme... das war das Ende... in diesem Moment wurde es hell... Kaylen hob den Kopf... jemand stand vor ihm... eine Hand streckte sich ihm entgegen... er ergriff sie... er wurde hinauf gezogen, auf die Beine... ein lächelndes Gesicht... blaue Augen... braunes Haar, dass von einem nicht spürbaren Wind durcheinander geweht wurde... "Ist dir was passiert?"... Er wollte antworten, doch wieder konnte er es nicht... der Fremde zog ihn an sich... warme, starke Arme... dieses Lächeln... die Lippen des Fremden näherten sich den seinen... näher... näher... Kaylen fiel nach hinten... Wieder Dunkelheit... Schmerz...
 

Kaylen erwachte. Er rieb sich den schmerzenden Hinterkopf und blickte sich um. Der Traum hatte ihn in einem benommenen Dämmerzustand zurück gelassen. Was hatte er zu bedeuten? Und wo war er? Langsam begriff er. Er war gerade zum ersten Mal in seinem Leben aus dem Bett gefallen...
 

Knarrend zog die Pumpe das kalte Wasser aus dem Boden empor. Sekunden später schoss die eiskalte Flüssigkeit aus der Öffnung des Rohrs hervor. Es ergoss sich über Kaylens roten Haarschopf. Er zog den Kopf wieder nach oben und schüttelte ihn. Die nassen Strähnen klatschten gegen seine Stirn. Das kalte Wasser schien ihn endgültig in die Wirklichkeit zurückzuziehen. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie kalt die Nacht war, besonders mit klatschnassen Haaren. Er eilte wieder ins Haus und warf die Tür hinter sich ins Schloss. Er schob sich mit der Hand die Haarsträhnen aus dem Gesicht, Wassertropfen perlten über seinen Rücken herab. Er ging in die Küche des Hauses und goss sich Milch in einen Becher, die er mit einigen gierigen Schlucken herunter spülte. Den Milchbart über den Oberlippe wischte er mit der rechten Handfläche weg. Er fühlte sich wie gerädert. Der Albtraum hatte seine Spuren hinterlassen. Unwillkürlich wurden Erinnerungen an den Traum vor einigen Wochen wach. Dieser Traum mit der seltsamen Gestalt. Der Traum in dem er sich verwandelt hatte. Kaylen lief beim Gedanken daran eine Gänsehaut über den Rücken. Er hatte damals direkt nach dem Aufwachen ein Pentagramm auf seiner Brust entdeckt, direkt über dem Herzen. Danach konnte er sich an nichts mehr erinnern. Nur dass er am nächsten Morgen erwacht war und alles wie immer gewesen war. Kein Pentagramm auf seiner Brust, nicht mal eine Narbe, gar nichts. Er war also gar nicht aufgewacht, sondern hatte auch das Erwachen nur geträumt, zumindest hoffte er das. Kaylen schob den Gedanken beiseite. Langsam ging er wieder zu seinem Schlafzimmer hinauf. Er rieb sich mit einem Handtuch die Haare möglichst trocken, dann legte er sich wieder hin und schlief bald darauf ein. Diesmal träumte er nichts...
 

"Was ist los mit dir?"

"Hm?" Link blickte sich um. Er stand auf dem Balkon seines Zimmers und sah in den Nachthimmel hinauf. Die Nacht war kühl und klar. Er hatte den Fellkragen seiner Jacke aufgestellt. Sanft bewegten sich die Fasern wenn der Wind darüber strich. Zelda war neben ihn getreten. Sie hatte sich in einen Mantel gehüllt und schmiegte sich nun an ihn. "Du siehst so nachdenklich aus."

"Bin ich auch..." antwortete Link und lächelte ihr dabei schwach ins vom Licht des Mondes erhellte Gesicht.

"Einen Rubin für deine Gedanken."

"Nur einen? Aber dann bitte zumindest einen blauen!"

"Sind wir etwas gierig?" grinste sie.

" Ich bin gierig und du bist neugierig! Das gleicht sich wieder aus."

"Punkt für dich!"

"Aber ich will mal nicht so sein... ich denke über Kaylen nach..." Er machte eine Pause, doch als Zelda nichts sagte, ergriff er wieder das Wort, "Ich mache mir Sorgen um ihn... und ich befürchte, ich kann ihm nicht helfen..."

"Ist denn etwas schlimmes? Ist er krank?"

"Nein, nein, den Göttinnen sei Dank nicht. Es ist etwas anderes. Er ist unzufrieden mit sich und der Welt. Weißt du... ich glaube, ich bin ein wenig naiv..." Er gestikulierte etwas hilflos, "Ich bin der Meinung, dass man, wenn man die Frau fürs Leben findet, man auf ewig bei ihr bleibt, ist das so falsch?"

Seine Frau lächelte ihn warmherzig an. "Nein, daran ist nichts falsch. Du bist ein wunderbarer Romantiker, Link, das ist das bezaubernde an dir. Du bist ein Mann der alten Schule. Ich liebe gerade das an dir."

"Danke, mein Schatz... aber das ist gerade der Grund, warum ich Kaylen wohl nicht helfen kann... was sage ich meinem besten Freund, wenn er mich um Rat fragt, was er tun soll, weil er seine Verlobte nicht mehr liebt...?"

Zelda sog leise die Luft ein. Das schien sie nicht erwartet zu haben. Zwar war sie aufgrund ihrer vielen Pflichten weder mit Malon noch mit Kaylen so eng befreundet wie Link es mit dem Halbgerudo war, aber sie hatte ebenso wie er das Kennen- und Liebenlernen der beiden stets mitverfolgt.

"Und was noch viel schlimmer ist... ich weiß gar nicht, ob Kaylen das recht ist, dass ich mit dir darüber rede, aber ich muss da mal drüber sprechen... ist, dass sie ein Kind von ihm erwartet."

"Oh je..."

"Du sagst es... und jetzt steh ich da! Was sag ich ihm? Was rate ich ihm? Was soll ich tun? Ich ertrage es kaum, ihn unglücklich zu sehen... sein Unglück liegt in seinem Leben mit Malon begründet. Also sollte er sie verlassen. Aber kann er das überhaupt noch? Sollte ich ihm nicht eher sagen, dass er bei ihr bleiben muss? Weil er verantwortlich für das Kind ist... ich weiß wirklich nicht mehr, was ich tun soll..." Er sah Zelda an, die ihren Blick gen Himmel gerichtet hatte. Er hoffte, dass sie ihm eine Antwort geben würde. Irgendeinen guten Rat. Doch seine Frau schwieg. Offenbar war auch sie ratlos.

"Wie wäre es, wenn du ihn zu dem Maskenball einlädst, den wir übermorgen geben. Vielleicht lenkt ihn das etwas ab. Er kann ja allein kommen, da Malon doch eh nicht da ist, wie du gesagt hast, oder?" meinte sie schließlich.

"Hm, ob ihm das gefällt, also allein auf einem Ball zu sein. Aber ich kann es ja mal versuchen."

"Vertrau deiner Frau mal, wenn es ums Kämpfen geht, weißt du besser bescheid, aber den Reiz eines gesellschaftlichen Ereignisses kann wohl ich besser einschätzen, so ein richtig exotischer Maskenball heitert jeden auf!"
 

"Das verzeihe ich dir nie!" Kaylen stand in einer Ecke der großen Festhalle des Schlosses. Er trug eine festliche Tunika in dunklen Blautönen, die er sich von Link geliehen hatte. Hinter seiner schwarzen Maske fixierte er Link kampflustig. "Du solltest mich kennen und wissen, dass mir so ein Aufmarsch von Eitelkeit keinen Spaß macht..."

"Das war Zeldas Idee, wenn dich jemand fragt!" konterte Link. "Sie meinte, so etwas würde jeden aufheitern."

"Jeden? Jeden? Ich bitte dich! Würde dich so eine Affenparty aufheitern?" Kaylen machte eine Geste über den ganzen Raum, so dass der Champagner in seinem Glas schwappte. Die Halle war prachtvoll geschmückt und überall tummelten sich Adlige und Reiche. Die Frauen in prunkvollen Roben mit schillernden Masken, geschmückt mit Federn und Pailletten, die Herren in feierlichen Tuniken mit einfachen schwarzen Masken. Man unterhielt sich und tanzte zum Musik des Orchesters.

"Meckere mich jetzt bitte nicht an, ich hasse solche Anlässe auch, aber meine Frau geht in so etwas eben vollkommen auf."

Zelda saß auf der großen Empore an der Stirnseite des Raumes auf ihrem Thron und lächelte in die Runde. Hinter ihrer rot funkelnden Maske sah sie sowohl geheimnisvoll als auch bezaubernd aus.

"Ich ertrage diesen Jahrmarkt der Eitelkeiten wirklich nicht... vor allem, weil mich alle hier anschauen, als sei ich der böse Wolf im Schafspelz."

"Meinst du nicht, dass du dir das einbildest?"

"Link, ich bitte dich!" Kaylen nippte an seinem Champagner. "Selbst jetzt schauen Leute zu uns her. Die Masken kaschieren das nur etwas. Und wenn du nicht da wärst, würde mich sicher keiner ansprechen. Die behandeln mich wie einen Aussätzigen und das habe ich nicht nötig. Ist dir mal aufgefallen, dass ich der einzige hier bin, der alleine da ist. Hier sind nur Ehepaare oder Grafen mit ihren Gespielinnen oder was weiß ich."

"Ich verstehe, was du meinst, aber ich kann es doch auch nicht ändern. Sie hat es doch nur gut gemeint."

Kaylen fuhr sich mit der Hand durch die Haare. "Ich weiß, ich will ja auch nicht undankbar sein, aber sei bitte nicht böse, wenn ich einen Moment frische Luft schnappen gehe, oder?"

"Schon klar." Link klopfte ihm auf die Schulter. "Geh ruhig, ich schaue mal, was Zelda so treibt." Damit verschwand er in der Menge.

Kaylen wandte sich um und trat durch die großen Glasflügeltüren auf die breite Terrasse der Festhalle hinaus. Von dort führte eine breite Freitreppe in die weitläufigen Gärten des Palastes herunter. Die Terrasse war mit Fackeln geschmückt und in Glas gehüllte Windlichter säumten die Wege durch die Beete und Wiesen des Gartens. Ein wunderschönes Bild, dass die Gärtner für den Ball kreiert hatten, allerdings wusste es wohl keiner zu schätzen. Es war ziemlich kalt und deswegen verließ niemand die Halle. Kaylen bekam eine Gänsehaut in seiner dünnen Tunika, doch zum ersten Mal an diesem Abend hatte er das Gefühl frei atmen zu können. Er ging zur Brüstung der Terrasse und lehnte sich darauf. Gelangweilt nippte er wieder an seinem Glas. Die Nacht war sternenklar. Kaylen ließ seinen Blick über die Dunkelheit der Gärten schweifen. Etwas stimmte hier nicht. Er hatte das Gefühl beobachtet zu werden. Es wurde ihn bewusst, dass ihn dieses Gefühl schon beschlichen hatte, als er auf die Terrasse heraus getreten war und jetzt war es noch stärker. Er hatte mittlerweile ein Gespür dafür, wenn man ihn ansah, obwohl er sich bemühte, es zu ignorieren. Er blickte sich um. In diesem Moment entdeckte er den Mann, der ein Stück von der Treppe entfernt auf einem Weg stand. Er schaute Kaylen direkt an und selbst aus dieser Entfernung wirkte der Blick durchdringend. Nach wenigen Sekunden drehte der Mann sich einfach um und ging in die Gärten hinein.

"Hey!"

Kaylen wusste selbst nicht warum er es tat, aber er stellte so schnell er konnte das Glas auf die Brüstung und sprintete die Treppe hinunter. Er hatte den Mann erkannt, es war der gleiche wie damals auf der Straße und auch bei den heißen Quellen. Jetzt wollte er endlich wissen, mit wem er es zu tun hatte. Der Mann schien es nicht sonderlich eilig zu haben, es kostete Kaylen wenig Mühe ihn einzuholen. Zum Glück waren die Wege beleuchtet. An einem kleinen Teich mit schwimmenden Lichtern erreichte er ihn schließlich und fasste ihn ohne lange nachzudenken an den Arm.

"Sag mal, warum läufst du mir hinterher?"

Der Mann wandte sich um und lächelte belustigt. Kaylen meinte sein freies Auge unter der Maske die er trug spöttisch blitzen zu sehen. "Wie meinen?"

Kaylen stemmte die Arme in die Hüften. Er war in Kampfstimmung, jetzt oder nie wollte er endlich wissen, was hier gespielt wurde. "Ich finde es nur langsam etwas seltsam, dass wir uns andauernd über den Weg laufen."

"Ich würde sagen, das ist reiner Zufall!" entgegnete der Mann mit einem Lachen. Kaylen musste sich eingestehen, dass ihm dieses Lachen gefiel, es hatte etwas herzliches und vor allem entwaffnendes.

"Das glaubst du doch selber nicht!" Ich duze ihn, Himmel, ich duze ihn einfach, schoss es Kaylen durch den Kopf. Verstohlen musterte er sein Gegenüber. Er trug wieder leicht zerschlissene Kleidung, sah darin aber wiederum gut aus. Sein Haar war zu einem Zopf nach hinten gebunden, sein rechtes Auge wurde aber immer noch von einer Strähne verdeckt. "Wie bist du eigentlich hier rein gekommen?" hörte Kaylen sich sagen.

"Bitte?" lachte er wieder.

"Ich meine... du siehst... versteh mich nicht falsch... nicht ganz so aus wie der Rest von der Gesellschaft hier."

"Gefalle ich dir nicht?"

Kaylen blieb die Antwort im Hals stecken. Diese Frage warf ihn vollkommen aus der Bahn, weil er nicht wusste, wie er darauf antworten wollte. Denn eigentlich gefiel er ihm. Aber so etwas konnte er doch nicht sagen. In diesem Moment rettete ihn der Zufall.

"Kaylen?" erklang Links Stimme von der Richtung der Terrasse aus.

"Mein Stichwort! Ich gehe dann mal."

"Nein!" Hab ich das eben wirklich gesagt? "Ich meine... ich möchte endlich wissen, wer du bist. Du kannst doch jetzt nicht gehen, ohne mir zumindest mal zu sagen, wie du heißt, das wäre das Mindeste."

Der Fremde lächelte. "Na gut. Lucien, mein Name ist Lucien."

"Lucien..." wiederholte Kaylen, "Ich heiße Kaylen!" fügte er schnell hinzu.

"Ich weiß!" grinste Lucien.

Bevor Kaylen sich darüber wundern konnte, rief Link wieder nach ihm. Er drehte sich in Richtung der Terrasse. "Moment!" rief er, bevor er sich wieder umwandte. Doch Lucien war weg, einfach verschwunden, als wäre er nie da gewesen.

Yesterday, it rained (Gestern hat es geregnet)

Drei Tage waren seit dem Maskenball vergangen. Kaylen hatte seitdem Lucien nicht mehr gesehen und er musste sich eingestehen, dass ihm dies auf eine seltsame Weise nicht gefiel. Er stand im Wohnzimmer der Lon Lon-Farm. Im Kamin knackte das Holz, als die Flammen es langsam fraßen. Die wohlige Wärme im Raum täuschte fast über den Sturm hinweg, der vor den Fenstern tobte. Der Nachthimmel war pechschwarz und Regen ging wie aus Eimern nieder. Blitze zuckten und Donner grollte. Er musste zugeben, dass es ihm irgendwie unheimlich war, bei so einem Wetter vollkommen allein auf der Farm zu sein. Sei nicht kindisch, ermahnte er sich selbst in Gedanken. Es war doch dumm so etwas zu denken. Er war ein erwachsener Mann und Hyrule war schon lange ein vollkommen friedliches Land. Die dunklen Tage unter Ganondorf waren Vergangenheit, selbst sein zweiter Auftritt schien schon lange her zu sein, unter Zeldas Regentschaft war das Land zu neuem Ruhm erblüht. Kaylen nahm einen Schluck aus seinem Weinglas. In diesem Moment klopfte es so laut und heftig an der Tür, dass er zusammenzuckte. Wer konnte das um diese Zeit sein? Ein mulmiges Gefühl beschlich ihn. Langsam näherte er sich dem Fenster neben der Haustür und spähte hinaus. Das Klopfen an der Tür hielt unvermittelt an. Draußen war nichts zu erkennen, bis ein Blitz für Sekunden die Nacht erhellte. Gerade genug dass Kaylen erkannte, wer da klopfte. Er erkannte sich selbst kaum wieder, als er die Haustür geradezu aufriss.

"Hallo!"

"Hallo." erwiderte Lucien, der die Hand noch zum Klopfen erhoben hatte. Sein langes Haar klebte auf seinem Rücken und seinem Gesicht und sein Hemd war vollkommen durchtränkt. Darunter schimmerte sein muskulöser Oberkörper durch. Hinter ihm stand das Mädchen, dass Kaylen schon öfter gesehen hatte. Ihr langes Haar klebte ebenfalls wie ein Schleier an ihrem zarten Körper.

"Was kann ich... was kann ich für euch tun?"

"Wäre es sehr vermessen, um eine Unterkunft für heute Nacht zu bitten? Es ist etwas kühl und nass draußen."

"Oh, aber natürlich!" sagte Kaylen, ohne groß darüber nachzudenken. Er trat zur Seite und machte eine einladende Geste in den Raum hinein. Die beiden gingen an ihm vorbei.

"Danke!" lachte das Mädchen.

Kaylen drückte die Tür wieder ins Schloss und wandte sich dann um. Lucien und das Mädchen standen nahe am Kamin. Ihre Kleidung tropfte.

"Danke, dass du uns herein gelassen hast, so etwas macht nicht jeder. Das ist übrigens Melina." Lucien deutete auf das Mädchen. Sie verbeugte sich leicht.

"Schön dich kennen zu lernen."

"Ebenso..." Kaylen trat etwas unsicher von einem Fuß auf den anderen. "Ich... ich glaube, ihr beiden könntet was warmes zu trinken gebrauchen. Ich komme gleich wieder... okay?" Er floh fast zur Küchentür. "Bin gleich wieder da." Damit verschwand er aus dem Zimmer und schob die Tür schnell hinter sich zu. In der Küche lehnte er sich mit dem Rücken an die Tür und atmete aus. Sein Herz raste und seine Wangen brannten wie Feuer, sie mussten knallrot sein. Meine Güte, ich wette ich habe geguckt wie die Kuh wenn es blitzt...dachte er und schämte sich. Warum geriet er immer so außer Fassung, wenn er diesen Mann sah. Und warum empfand er den Anblick des klatschnassen Hemdes auf Luciens Oberkörper als so... ja, was eigentlich...?
 

"Er ist ganz schön unvorsichtig."

"Findest du?" Lucien hielt seine Hände in Richtung des Kaminfeuers um sie zu wärmen.

"Du nicht? Er lässt einfach zwei vollkommen fremde Leute in sein Haus, obwohl er hier vollkommen allein lebt und dann geht er auch noch aus dem Zimmer. Wir könnten schließlich Verbrecher sein!" Sie lachte leise und setzte dabei ein unschuldiges Gesicht auf.

"Er ist nur nett, das ist alles. Und er sieht wohl nicht in allem erst einmal das Schlechte."

Melina sah sich um. "Was wollen wir eigentlich hier? Sieht nicht so aus, als gäbe es hier großartig was zu holen?"

"Du irrst dich gewaltig, hier gibt es was zu holen!" grinste Lucien und nickte in Richtung der Küchentür.

"Ihn?"

"Ja, genau ihn!"

"Und du glaubst, dass er...?"

"Oh ja!" nickte Lucien und tippte sich an die Nase.

"Und du bist dir sicher, dass das nicht an mir liegt?" Sie schob kokett ihr nasses Haar nach hinten. "Ich meine, ich bin ja nicht gerade abstoßend."

"Vergiss es, Schwesterchen!" Lucien kam zu ihr und strich ihr über die Wange. "Du weißt, ich liebe dich sehr, aber schlag ihn dir aus dem Kopf."

"Wir werden ja sehen, Bruderherz. Ich sehe noch nicht, dass er so einer ist. Du bist deiner Sache anscheinend sehr sicher."

"Ich habe ihn lange genug beobachtet, um mir sicher zu sein. Außerdem spricht seine Reaktion auf mich Bände."

"So? Tut sie das?"

"Oh ja, meine Liebe, oh ja." Beim Klang der Tür hielt Lucien schnell den Zeigerfinger vor seine Lippen und drehte sich dann um. Kaylen stand mit zwei Tassen mit dampfenden Tee in der Küchentür und lächelte ein wenig schüchtern. Er kam näher und reichte den beiden die Tassen.

"Das ist nur Kamillentee, aber ich denke er wird euch etwas aufwärmen."

"Danke."

Einen Moment lang herrschte Schweigen, während die beiden von ihrem Tee tranken. Kaylen spürte, wie ihm Schweiß den Rücken entlang lief. Er hoffte nur, dass er nicht zu rot war oder man es seine Nervosität zu sehr anmerkte. Lucien ergriff als erster wieder das Wort.

"Vielen Dank noch mal, wir sind dir echt dankbar, dass du uns rein gelassen hast. Ist eine verdammt kalte Nacht heute und wir hätten sonst noch im Freien schlafen müssen."

"Fühlt euch wie zuhause, wir haben hier eine Menge Platz."

"Wir? Wohnt hier noch jemand?"

"Momentan nicht, ich bin hier allein. Deswegen ist ja soviel Platz. Oh Mann, ihr seid ja klatschnass. Kommt mit hoch, dort hab ich was frisches anzuziehen. Meine Sachen müsste dir passen, Lucien, und Malons Kleidung wäre das richtige für Melina."

"Malon?" fragte Lucien.

"Die Tochter des Besitzers. Ich arbeite für ihren Vater." Und lüge mich gerade um Kopf und Kragen...fügte er in Gedanken hinzu.

"Ach, dann bist du gar nicht der Besitzer hier?" wollte Melina wissen.

"Nein, leider nicht, aber ich kann hier momentan machen, was ich will, also ist es auch egal, wenn ich euch Kleidung von Malon gebe."

"Natürlich. Vielen Dank." Lucien lächelte ihn an und entblößte dabei seine blendend weißen Zähne. Kaylen spürte, wie seine Knie weich wurden bei diesem Anblick. Und er wusste immer noch nicht, was er hier eigentlich machte und vor allem warum.

"Wollen wir dann hochgehen? Ihr solltet aus den Sachen raus." überspielte er seine Unsicherheit.

"Nichts lieber als das!" entgegnete Lucien, quittiert von einem Grinsen seiner Schwester, dass Kaylen allerdings nicht sah.
 

"Ein schönes Zimmer." Lucien sah sich um. Sie befanden sich in Kaylens und Malons Schlafzimmer. Die Vorhänge waren vor die Fenster gezogen und die Geräusche des Sturms waren nur gedämpft zu hören. Kaylen hatte einige Kerzen angezündet, bevor er Melina ein Kleid und ein Nachthemd von Malon gegeben hatte. Er bot ihr Talons Zimmer an, ein Angebot, dass sie dankend annahm. Sie sei müde und lege sich schlafen, hatte sie noch gesagt, bevor sie Lucien einen Kuss auf die Wange gegeben und sich zurück gezogen hatte. Jetzt waren die beiden Männer allein und die Situation hätte für Kaylen nicht unangenehmer sein können. Er hoffte, dass man sein Herz nicht bis zum Hals klopfen hörte. Lucien räusperte sich hörbar und riss Kaylen aus seinen Überlegungen.

"Oh, entschuldige..."

"Schon gut, es ist nur: Mir ist etwas kalt!" grinste Lucien und zog sein klammes Hemd ein Stück von seinem Oberkörper weg.

Kaylen schlug sich mit der Hand gegen die Stirn und versuchte zu ignorieren, dass seine Wangen schon wieder heiß wurden. "Natürlich, warte kurz!" Er riss die Türen des Kleiderschranks auf zerrte eines seiner Hemden hervor, um es Lucien zu reichen. Dieser konnte sich wiederum ein Grinsen nicht verkneifen.

"Danke. Ist auch kein Problem, ich laufe zwar nicht so oft ohne Hose rum, aber wir sind ja unter uns." Kaylen brauchte einige Sekunden, bis er den Scherz begriff, dann wandte er sich um, zog eine Hose aus dem Schrank und reichte sie Lucien. Dieser bedankte sich und zog dann sein nasses Hemd über den Kopf. Kaylens Herz schien für einen Moment stehen zu bleiben, dann schlug es schneller als jemals in seinem Leben zuvor. Unter dem nassen Hemd kam Luciens schon unglaublich perfekt definierter Oberkörper zum Vorschein. Der kühle Stoff hatte seine Brustwarzen verhärtet. Im Licht der Kerzen schimmerte der silberne Ring in der linken Brustwarze. Kaylen spürte, wie das Blut in seinen Wangen pulsierte, ihm war fürchterlich heiß. Und noch an anderer Stelle pulsierte das Blut, der Druck gegen die Innenseite seiner Hose war unerträglich. Reiß dich zusammen! Das ist doch nicht normal! Er ist ein Kerl! Ein Kerl wie du!Der Gedanke war logisch, aber er reduzierte den Druck keineswegs. In diesem Moment öffnete Lucien den Gürtel seiner Hose und Kaylen erfasste endgültig die Panik. Wenn er jetzt auch noch die Hose auszieht, werde ich ohnmächtig!

"Ich hole uns was zu trinken! Wie wäre es mit einem Glas Wein?"

Lucien hörte zu Kaylens Erleichterung auf, seine Hose zu öffnen. "Nein, ich trinke keinen Alkohol, ein Glas Milch wäre aber sicher nett."

"Gut! Kommt sofort!" Mit diesen Worten verließ Kaylen fluchtartig das Zimmer. Wenige Minuten später kam er mit einer Karaffe voll Rotwein, einem Weinglas und einem Glas Milch wieder zurück. Lucien hatte sich inzwischen umgezogen und lag auf dem Bett, lässig auf den Ellenbogen aufgestützt, ein Bein angewinkelt. Den Göttinnen sei Dank war er komplett umgezogen und hatte sogar sein Hemd zugeknöpft, wenn auch nicht weit, wie Kaylen bemerkte.

"Hier, bitte." Er reichte ihm das Milchglas und goss sich dann selbst aus der Karaffe etwas ein, bevor er sie auf dem Tisch abstellte. Lucien nahm einen Schluck und fuhr sich dann mit der Zunge über die Oberlippe um den Milchbart zu entfernen. Währenddessen ließ er Kaylen keine Sekunde aus den Augen, die ganze Zeit mit einem Lächeln auf den Lippen. Der Gerudo stürzte seinen Wein in einem Zug runter und schenkte sich sofort nach.

"Trinkst du immer soviel oder mache ich dich einfach nur nervös?"

Kaylen stockte, mitten in einem großen Schluck Wein. "Was?"

"Ob ich dich nervös mache?"

"Nein!... Nein, keineswegs, ich meine, nein!" Grandios! Jetzt hält er mich endgültig für einen Trottel!

"Dann ist ja gut, das will ich auch sicher nicht." Lucien setzte sich, immer noch lächelnd, auf und nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas. "Diese Milch schmeckt wirklich großartig, so etwas gutes habe ich schon lange nicht mehr getrunken."

"Danke... Ich mache die Milch selbst... ich meine natürlich die Kühe! Sie ist aus eigener Produktion, meine ich! Lon Lon-Milch ist in Hyrule sehr begehrt..." ...und ich der größte Idiot auf dieser Erde!

Doch Lucien schien sämtliche Fettnäpfchen Kaylens entweder überhaupt nicht zu registrieren oder er überspielte sie nur sehr gut. Er trank den Rest der Milch und stellte das Glas dann auf dem Nachttisch neben dem Bett ab. "Ich muss dir noch einmal dafür danken, dass du uns so freundlich aufgenommen hast, hätte selbst in so einer Nacht sicher nicht jeder gemacht."

"Oh, keine große Sache! Ihr könnt so lange bleiben wie ihr wollt!" Kaylen winkte ab und lächelte etwas verlegen.

"Nein, so einfach nicht. Ich möchte mich schon irgendwie erkenntlich zeigen. Wer weiß, vielleicht gibt es ja hier was zu reparieren, wobei ich dir helfen kann oder du möchtest ein bisschen reden oder vielleicht mit mir vögeln." Er hatte bei dem ganzen Satz keine Pause gemacht und die Stimmlage kaum verändert, als hätte er gerade etwas vollkommen normales gesagt. Kaylen verschluckte sich jedoch so heftig an seinem Wein, dass er sich bemühen musste, nicht alles durchs Zimmer zu spucken. Mühsam würgte er den Schluck herunter, bevor ihn ein Hustenreiz schüttelte. Schnell goss er sich das Glas wieder voll und trank gierig.

"Was hast du eben gesagt?!"

"Was meinst du? Ob du reden magst?" Luciens dreistes Grinsen verriet, dass er genau wusste, was Kaylen meinte.

"Nein! Du hast gesagt, dass... du hast..."

"Oh, du meinst, dass ich gefragt habe, ob du mit mir vögeln willst! Ist das ein Problem für dich? Ich hatte das Gefühl, dass ich dir ziemlich gut gefalle, oder nicht?"

Kaylen spürte erneut, wie ihm heftig das Blut in die Wangen schoss. Das konnte nicht wahr sein! Da saß dieser Kerl, der ihn so faszinierte, seelenruhig da und bot ihm an, mit ihm ins Bett zu gehen! Das konnte doch nur ein Scherz sein! Oder nicht? "Meinst du ...das... ernst?"

"Klar, warum nicht?" Er stand auf und Kaylen wich automatisch einen Schritt zurück.

"Aber... aber wir sind Männer!"

"Das ist ein Grund, aber kein Hindernis!" lachte Lucien.

"Und ich bin... verlobt..." Zumindest noch... warum wehre ich mich eigentlich?

"Wieder ein Grund, aber kein Hindernis! Hör zu: Ich will dich nicht bedrängen oder so. Ich hatte nur einfach das Gefühl, dass ich dir gefalle, das ist alles. Ich meine, wenn ich mich da geirrt haben sollte, dann ist das kein Problem."

"Nein! Nein!" Kaylen hob abwehrend die Hände. "Du gefällst mir!" Was sag ich da?! "Aber ich meine... was würde denn deine Freundin dazu sagen?!"

Ein verdutzter Blick war die Antwort. "Freundin?"

"Ja doch! Melina meine ich!"

Lucien fing an zu lachen. "Ach so! Himmel, nein, sie ist nicht meine Freundin, sie ist meine Schwester! Ich finde Frauen langweilig, weißt du? Männer sind doch viel interessanter!"

Kaylen wollte etwas sagen, doch seine Stimme versagte. Er leerte den neu eingeschenkten Wein auf einen Schlag und merkte, dass ihm langsam schwindelig wurde. Er schwankte und verlor das Gleichgewicht, doch in diesem Moment war Lucien schon bei ihm und fing ihn auf. Kaylen sank in die kräftigen Arme des anderen Mannes und plötzlich wurden Erinnerungen an seinen Traum vor einigen Tagen wach. Widerstandslos ließ er sich von Lucien zum Bett führen und legte sich darauf.

"Geht es wieder? Man sollte auch nicht so schnell trinken."

Kaylen öffnete die Augen und sah nach oben. Lucien hatte sich über ihn gebeugt, sein langes Haar hing über seine rechte Schulter herab.

"Du hast mich vielleicht erschreckt!"

"Tut mir leid..." flüsterte Kaylen.

Eine Pause folgte.

"Darf ich dich küssen?" fragte Lucien plötzlich zärtlich.

"Ja..." hörte Kaylen sich zu seiner eigenen Überraschung selbst sagen.

Lucien lehnte sich zu ihm herab und berührte mit seinen Lippen die des Gerudos. Kaylen öffnete wie von selbst den Mund und gewährte Luciens Zunge Einlass. Die Lippen der beiden verschmolzen zu einem langen, liebevoll Kuss, einem Kuss der so wundervoll war, wie Kaylen es noch nie im Leben erfahren hatte. Seine Hände fanden Luciens Nacken und zogen den noch immer fremden Mann näher an sich. Er wollte ihn am liebsten gar nicht mehr loslassen. Schließlich war es Lucien, der sich sanft aber bestimmt aus der Umarmung befreite.

"Nicht so stürmisch, ich muss noch atmen!" lächelte er.

Kaylen sank in die Kissen zurück. Ihm war wieder schwindelig, diesmal aber eindeutig nicht wegen dem Alkohol den er in sich hinein geschüttet hatte. In seinem Kopf drehte sich alles, er konnte nicht fassen, was er eben getan hatte. Er hatte einen Mann geküsst. Und nicht nur das! Es hatte ihm auch noch gefallen! Lucien schien von seiner Reaktion nicht wirklich überrascht. Er stand auf, nahm sein Glas vom Nachttisch und verschwand damit im Badezimmer, um nur Augenblicke später wieder zu kommen. Er reichte das mit Wasser gefüllte Glas an Kaylen weiter.

"Hier, trink einen Schluck davon, das wird dir sicher gut tun."

Kaylen setzte sich vorsichtig auf und nippte an seinem Glas. Das kalte Wasser tat wirklich gut. Aber sein Kopf wurde immer noch nicht klarer. Er holte aus und schüttete sich das restliche Wasser einfach ins Gesicht. Die kalte Flüssigkeit perlte über seine Wangen und durchnässte sein Hemd. Lucien konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Und wieder kam Kaylen nicht gegen den Eindruck an, wie wunderbar sein Lachen klang.

"Geht es dir jetzt besser?"

Kaylen fuhr sich mit den Fingern durch die Augen bevor er antwortete. "Ja, danke..." Tatsächlich fühlte sich sein Kopf jetzt klarer an. Und die Erkenntnis, was gerade passiert war, war ebenfalls klarer als zuvor. Er stemmte sich hoch und sprang aus dem Bett um so einigen Abstand zwischen sich und Lucien zu bringen, der ihn verdutzt ansah.

"Was ist los?"

"Du hast..." Er deutete mit dem Zeigefinger auf ihn. "Du... du hast... mich..."

Lucien stand auf. "Ich habe dich geküsst, genau wie du mich." Er kam auf Kaylen zu und nahm liebevoll die Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger. "Übrigens ist es unhöflich, mit dem nackten Finger auf jemanden zu zeigen."

"Entschuldige... aber ich..."

"Was ist? Ich habe dich zu nichts gezwungen, oder? Ich habe dich gefragt und du hast es mir erlaubt. Und wenn ich dich nicht dazu gebracht hätte, hättest du mich nicht einmal los gelassen."

"Aber ich..." Kaylen war zurück gewichen, bis er mit dem Rücken an die Wand gestoßen war und sank nun daran zusammen. Lucien ging vor ihm in die Knie und schob sanft mit dem Zeigerfinger Kaylens auf die Brust gesunkenes Kinn nach oben, damit er ihm in die Augen sehen musste.

"Aber was?"

"Wir sind Männer!" Kaylen war der Verzweiflung nahe.

"Ja und?" Luciens Stimme war gefühlvoll und beschwichtigend, er strich Kaylen übers die Wange, dieser zuckte beinahe zusammen.

"Das ist doch nicht normal! Ich meine... so geht das doch nicht... aber..." Er schien auf eine Aufforderung Luciens zum Sprechen zu warten, als dieser jedoch schwieg, redete er weiter. "Aber es hat mir gefallen... ich begreife das nicht... wie kann es mir gefallen einen Mann zu küssen? Ich... mir ist klar geworden, dass ich darauf gewartet habe, seit wir damals auf dem Fest zusammengestoßen sind."

"Na, dann ist es doch wunderbar!"

"Nein! Nein, ist es nicht! Ist das nicht pervers?!"

"Aber nein. Hör zu. Wäre ich jetzt ein sechsjähriges Kind oder eine Kuh, dann wäre das pervers!"

Kaylen blickte ihn mit großen Augen an, dann fing er schallend an zu lachen. Lucien stimmte ein. Augenblicklich schien das Eis zu brechen. Die Zweifel die ihre Finger nach Kaylen ausgestreckt hatten, wichen vor dem Gelächter zurück und verschwanden.

"Du bist nicht pervers..." sagte Lucien schließlich, als sie sich langsam wieder beruhigten. "Willst du wissen, was ich sehe, wenn ich dich betrachte?"

Kaylen nickte leicht.

"Ich sehe einen attraktiven, umwerfenden Mann. Einen liebenswerten, freundlichen Mann, der sogar fremde Leute in sein Haus aufnimmt, wenn sie in Not sind. Einen wunderschönen Mann, dem ich nahe kommen wollte, seit das Schicksal ihn das erste Mal mit mir zusammengeführt hat. Das sehe ich in dir, nichts anderes."

Kaylen war für einen Moment sprachlos, er wusste nicht, was er erwidern sollte. Er beugte sich einfach vor und umarmte Lucien. Er riecht wunderbar... Beinahe gierig sog er den Duft des brünetten Mannes in sich ein. Sein Herz begann wieder schneller zu schlagen. Und wieder spürte er den heftigen Druck gegen die Innenseite seiner Hose. Doch diesmal kämpfte er nicht dagegen an, er presste sich fester an den anderen Mann und fühlte plötzlich, dass es diesem wohl nicht anders erging. Luciens Hände wanderte unter Kaylens klammes Hemd, erforschten zärtlichen seinen Bauch. Eine Gänsehaut fuhr über den Rücken des rothaarigen Mannes und er ertappte sich dabei, wie ihm ein Stöhnen über die Lippen kam, nur durch die sanften Berührungen an seinem Oberkörper.

"Komm mit..." Lucien nahm Kaylens Hand und zog ihn mit sich in Richtung des Bettes. Mit sanftem Druck brachte er Kaylen dazu, sich hinzulegen und beugte sich dann über ihn um seinen Hals mit Küssen zu bedecken. Sein Haar strich dabei über Kaylens Haut und sorgte für weitere wohlige Schauer. Beiläufige knöpft Lucien das Hemd des rothaarigen Mannes auf und dehnte seine Liebkosungen auf dessen Brust aus. Kaylen bog im Affekt den Rücken durch und drückte seinen Bauch nach oben, als Luciens Zunge über die Höhen und Tiefen seiner Muskulatur glitt, als wolle er jeden Winkel von Kaylens Körper damit ergründen. In kreisenden Bewegungen näherte er sich dem Bauchnabel des Gerudos und schob schließlich seine Zunge hinein. Kaylen keuchte auf, ihm war furchtbar heiß und er spürte, wie Schweiß über seine Stirn lief. Der Druck in seiner Hose war mittlerweile unerträglich, schon beinahe schmerzhaft. Und genau in diesem Moment machte sich Lucien bereit, ihn davon zu erlösen. Seine Finger fuhren spielerisch die dünne Linie aus rötlichen Haaren entlang, die verheißungsvoll in Richtung von Kaylens Schritt führte. Als er den Hosenbund erreichte, öffnete er mit einem Ruck Kaylens Gürtel und befreite ihn mit geschickten Händen aus der Hose. Kaylen schloss die Augen und atmete auf, als das beengende Gefühl endlich nachließ. Als er die Lider wieder hob blickte er direkt in Luciens grinsendes Gesicht.

"Ich glaube, dass wird ein sehr schöner Abend!" meinte er, mit einem anzüglichen Zwinkern zu Kaylens Körpermitte. Bevor dieser etwas antworten konnte, verschloss Lucien seine Lippen mit einem innigen Kuss. Er ließ sich einfach fallen und genoss das zärtliche Zungenspiel und die aufregenden Berührungen des jetzt nicht mehr ganz so fremden Mannes. Lucien löste sich wieder von ihm und sein Kopf wanderte in Richtung von Kaylens Lenden.

"Was hast du vor... bei den Göttinnen!"
 

Wenig später lag Kaylen erschöpft in Luciens Armen. Er blickte dem brünetten Mann in die Augen und dieser lächelte ihn an. Ein Lächeln, das Kaylen sämtliche Ängste nahm. Er wollte jetzt bei ihm sein, vollkommen, so nah wie es ging.

"Schlaf mit mir!" verlangte er zärtlich.

Lucien, der immer noch vollkommen bekleidet war, streichelte zärtlich Kaylens vom Schweiß glänzende bronzefarbene Haut.

"Bist du dir sicher? Ich will dich zu nichts drängen."

Kaylen nickte. "Ich war mir noch nie im Leben einer Sache so sicher!"

"Also gut." lächelte Lucien. Er stand auf und trat ein Stück vom Bett zurück. Kaylen stemmte sich hoch. Langsam, Stück für Stück, begann Lucien, sein Hemd aufzuknöpfen. Kaylen konnte die Augen nicht von ihm abwenden. Unter dem Hemd kam wieder sein wundervoller Oberkörper zum Vorschein. Kräftig, aber dabei elegant, glatt und perfekt wie der Körper der Statue eines jungen Gottes. Sein langes Haar fiel wie Seide um seine Schultern und glänzte im Licht der Kerzen. Er spürte einen erneuten Anflug von Unsicherheit, als Luciens Hände an seine Hose wanderten und sie langsam öffneten. Seine Hände zitterten. Sein Gegenüber stieg aus seiner Hose und beugte sich dann über Kaylen. "Hast du jetzt doch Angst? Du stehst hier unter keinerlei Verpflichtungen." lächelte er.

"Ich weiß," gab Kaylen zurück, "und ich habe Angst, aber ich glaube, in deinen Armen kann ich sie vergessen. Ich bin jetzt schon zu weit gegangen, als das ich noch aufhören wollte." Mit diesen Worten zog er Lucien an sich und küsste ihn. Seine Hände wanderten über Luciens Schultern, seinen Hals, umfassten sanft seine Wangen. Zärtlich schob er die Strähnen vor Luciens rechtem Auge weg. In diesem Moment zuckte der andere Mann zusammen und sprang auf.

"Lass das!" herrschte er in einem Ton, der Kaylen zusammenfahren ließ.

"Was... was hab ich denn getan? Ist etwas mit deinem Auge? Hab ich dir weh getan?"

Lucien schüttelte den Kopf und sah zu Boden. "Nein, tut mir leid, ich wollte nicht so heftig reagieren... es ist nur..."

"Was?"

"Hör zu, diese Strähne ist dort nicht ohne Grund. Ich hab Angst, dass du, wenn du siehst was darunter ist, dich vor mir ekelst... glaube mir, das ist schon oft genug passiert..."

Kaylen erhob sich und trat vor Lucien. "Nichts könnte mich dazu bringen, mich vor dir zu ekeln, wirklich nicht." Er streckte sanft die Hand nach Luciens Gesicht aus, doch dieser hielt sie fest.

"Bitte..." sagte Kaylen leise.

"Na gut..." Lucien ließ seine Hand sinken. Kaylen strich vorsichtig die Haare aus Luciens Gesicht, während dieser die Augen geschlossen hielt. Als sein rechtes Auge frei lag, öffnete er sie langsam wieder.

"Ein Geburtsfehler, okay? Zufrieden?"

Luciens Pupille war auf dieser Seite nicht blau, sondern schimmerte golden, auch die Form war etwas anders, weniger menschlich. Kaylen konnte sein Spiegelbild auf der goldenen Oberfläche erkennen. Plötzlich riss Lucien sich los, drehte sich weg und entfernte sich ein paar Schritte von Kaylen.

"Bist du jetzt zufrieden? Ich denke mal, die Stimmung ist dahin und ich kann gehen, hm?" Seine Stimme klang trotzig, wie die eines Kindes, das eine Standpauke erwartet. Kaylen kam zu ihm und fasste ihn sanft an der Schulter, um ihn zu sich herum zu ziehen. Lucien sah ihn nicht an, er blickte stur zu Boden.

"Hey..." Kaylen schob seinen Zeigerfinger und Luciens Kinn, genau wie dieser es vor einiger Zeit mit ihm gemacht hatte und zwang ihn zärtlich, ihm in die Augen zu blicken. "Willst du die Wahrheit, was ich darüber denke?" Ein Nicken war die Antwort. "Ich finde es wunderschön." Lucien stieß entnervt die Luft aus und blickte zur Seite. "Das meine ich ernst!" Kaylen umfasste Luciens Wangen und drehte dessen Kopf wieder zu sich.

"Das kann nicht dein Ernst sein!"

"Sieh mir in die Augen," forderte Kaylen, "sieh mir in die Augen. Ich meine es ernst. Es ist geheimnisvoll, wie alles an dir. Es passt zu dir." Er näherte sich mit seinem Gesicht immer weiter dem von Lucien. Schließlich standen die beiden Wange an Wange da und Kaylen hauchte die Worte in Luciens Ohr. "Es gefällt mir wirklich. alles an dir ist wunderschön." Seine rechte Hand glitt beinahe beiläufig über Luciens Brust hinab zu seiner Körpermitte. Ein leises Stöhnen kam über Luciens Lippen, begleitet von einem warmen Hauch, der Kaylens Wange streifte.

"Du bist aber mutig."

"Ich weiß, ich erkenne mich selbst nicht wieder." Auch Kaylens Erregung wuchs wieder an.

"Und?"

"Es fühlt sich gut an..." grinste Kaylen.

Lucien schob ihn sanft aber bestimmt zum Bett...

Yesterday, it rained (Adult Fassung)

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Fools rush in? (aka Herz über Kopf?)

Der Sturm war langsam abgeflaut und die Stille der Nacht hatte sich endgültig über die Farm gelegt. Luciens Schritte waren kaum hörbar, er bewegte sich geschickt den dunklen Flur entlang und vermied mit nahezu katzenhafter Sicherheit die knarrenden Dielenbretter. Unter der Tür zur Treppe ins Wohnzimmer schimmerte Licht durch. Leise öffnete er die Tür und stieg die Treppe herunter. Er trug die Hose die Kaylen ihm gegeben hatte, der Oberkörper war frei. Das Wohnzimmer wurde von einigen Kerzen erleuchtet. Eine davon trug Melina in ihrer Hand. Malons Kleidung stand ihr, auch wenn die Bluse über ihrem üppigen Busen ein wenig spannte. Sie ging mit der Kerze an den Regalen im Wohnzimmer entlang, zog etwas hervor, schob es wieder zurück.

"Was tust du da?"

Sie zuckte zusammen und fuhr herum. Als sie ihren Bruder erkannte erschien ein Lächeln auf ihren Lippen. Sie stellte die Kerze ab und eilte ihrem Bruder entgegen, um ihn zu umarmen. Als sie ihre Arme um seinen Oberkörper schlang, spürte Lucien wie sich ihre Brüste gegen seinen Bauch drückten. Er strich ihr übers Haar. In diesem Moment löste seine Schwester sich von ihm und trat einen Schritt zurück. Sie rümpfte gespielt pikiert die Nase.

"War eine wilde Nacht, was? Du riechst nach Schweiß, Bruderherz!"

Lucien lachte und zog sie blitzschnell an der Nase. "Ich wüsste nicht, was dich das angehen würde, Schwesterchen!"

"Wenn ihr ein Geheimnis daraus hättet machen wollen, hättet ihr nicht so laut sein sollen! Meine Güte, da haben ja fast die Wände gewackelt! War ja klar, dass dieser Volltreffer von einem Mann dir verfällt und nicht mir!"

Lucien verschränkte die Arme hinter dem Kopf und drückte seinen Bauch durch. "Gelernt ist gelernt, mein Schatz. Aber jetzt beantworte meine Frage: Was treibst du hier, mitten in der Nacht?"

Melina zuckte mit den Schultern. "Na was schon? Ich suche nach Dingen, die es lohnen mitgenommen zu werden. Schließlich soll unser kleiner Ausflug hierher doch auch etwas einbringen... ich meine uns beiden und nicht zu dir und deiner Geilheit!" Sie fing an zu lachen, verstummte aber, als sie Luciens Gesicht sah. "Warum lachst du nicht? Ist etwas? Sag schon!"

Lucien wandte sich um und sah aus dem Fenster in die Dunkelheit hinaus, bevor er die Vorhänge zu zog. "Darf ich dich was fragen, Schwesterlein?"

"Aber immer, Lucien, jetzt mach es nicht so spannend!"

Lucien atmete hörbar aus, als fielen ihm seine Worte sehr schwer. "Was würdest du davon halten, wenn das Leben als Vagabund ein Ende haben würde? Ich meine, hättest du etwas dagegen, sesshaft zu werden?"

"Was sollte ich denn dagegen haben? Wenn wir beide einen Ort finden an dem wir es toll finden, wollte wir doch eh versuchen, dort Fuß zu fassen."

"Was wenn ich diesen Ort gefunden habe?"

"Wenn du... was? Wo soll dieser Ort sein?" Der Groschen fiel, Melinas Gesicht verdüsterte sich. "Sag bitte, dass das jetzt nicht wahr ist!" Sie deutete auf die Tür am Ende der Treppe. "Doch nicht etwa er?!"

Lucien drehte sich um und blickte ihr fest in die Augen. "Warum nicht er? Du kennst ihn nicht!"

"Du auch nicht! Bruderherz, du hast mit ihm gevögelt! Glaubst du, dass er dich jetzt plötzlich hier wohnen lässt? Hast du seine Hand gesehen?! Er trägt einen Verlobungsring! Das bedeutet, zu ihm gehört eine Frau. Und glaubst du, er verlässt sie, nur wegen eines Vagabunden, der ihn flach gelegt hat?!"

In diesem Moment sprang Lucien vor und packte sie an den Oberarmen. Melina verzog das Gesicht, der Griff ihres Bruder war hart und schmerzhaft. "Rede nicht so über ihn, hast du verstanden?!" In diesem Moment schien Lucien zu begreifen, was er da tat und ließ seine Schwester los. "Tut mir leid..." flüsterte er, den Blick auf seine nackten Füße gerichtet.

Melinas Wut verrauchte. Sie strich Lucien sanft über den Bizeps. "Meine Güte, du bist wirklich verliebt, oder?" fragte sie sanft.

Lucien hob den Blick und sah sie an. "Ja... Himmel, ja! Ich bin in ihn verliebt. Als ich ihn vorhin in meinen Armen hielt, hab ich es begriffen. Ich will nicht weg von ihm! Verstehst du? Ich ertrage den Gedanken nicht, von hier fort zu gehen und ihn nicht mehr zu sehen! Er ist das wundervollste, das mir je passiert ist. Nicht nur, dass er phantastisch aussieht, dieser Mann ist schon fast zu gut um wahr zu sein! Er ist zärtlich, liebevoll und er..." Luciens Hand wanderte an sein rechtes Auge. "...Er hat sogar gesagt, dass er mein Auge schön findet..."

Melina sog erschrocken die Luft ein. "Hast du ihm etwa gesagt, dass du...?"

"Nein!" unterbrach sie Lucien, "Natürlich hab ich das nicht... dafür ist die Zeit sicher noch nicht reif, ich will ihn nicht gleich wieder verlieren!"

"Aber du weißt schon, dass es bald wieder soweit ist, oder?"

Lucien winkte ab. "Dafür finde ich eine Lösung, wenn es soweit ist! Das ist doch jetzt vollkommen unwichtig! Er ist der Richtige, das weiß ich! Auf jemanden wie ihn warte ich schon mein ganzes Leben! Versteh mich doch..."

Melina umarmte ihren Bruder und lächelte. "Ich verstehe dich ja... du bist unverbesserlich. Manchmal könnte man glatt denken, du seiest der Jüngere von uns beiden. Du suchst dir immer problematische Männer aus... Ich sag es ja nicht gern, aber was ist wenn da wirklich noch eine Verlobte dran hängt?"

Lucien drückte sie an sich und lächelte ebenfalls. "Er hat mir gesagt, dass er verlobt ist, aber auch darum mache ich mir Gedanken, wenn die Zeit reif ist. Ich werde ihn auf jeden Fall für mich gewinnen!"

In diesem Augenblick wurde die Flurtür an der Treppe aufgerissen und Kaylen stürmte die Stufen hinab - vollkommen nackt. "Lucien?!" Als er unten angekommen war, erblickte er den brünetten Mann und seine Schwester. Beide starrten ihn verdutzt an. Melina fing sich als erste und pfiff anerkennend. Grinsend blickte sie ihren Bruder an. "Jetzt verstehe ich, warum du soll laut warst! Aller Achtung!"

"Melina!" lachte Lucien. "Benimm dich!" Schnell trat er zu Kaylen und stellte sich vor ihn, um Melina den Blick auf den kostbarsten Besitz des Gerudo zu verwehren.

"Bei den Göttinnen... ist mir das peinlich!" Kaylens Gesicht hatte fast die Farbe seiner Haare erreicht und das bei seiner dunklen Haut.

"Ich denke, wir sollten hoch gehen." Lucien wandte sich an Melina. "Und du gehst schlafen!"

Seine Schwester nickte und verkniff sich offenbar nur mit Mühe schallendes Gelächter. Lucien schob Kaylen die Treppe hinauf, dieser hielt beide Hände in den Schritt gepresst.

Kurz bevor sie verschwanden winkte Melina ihnen nach und kicherte. "Süßer Hintern, Kaylen, wirklich süß!"

Statt zu antworten streckte Lucien ihr die Zunge raus und drängte den vollkommen verdutzten Kaylen in den Flur im Obergeschoss. Als sich die Tür hinter ihnen schloss ließ sich Melina auf einen Sessel sinken und blickte die Treppe hinauf.

"Hoffentlich geht das gut... ich hoffe es so sehr..." sagte sie leise.
 

Als die beiden Kaylens Zimmer erreichten ließ dieser sich bäuchlings auf das zerwühlte Bett fallen und vergrub sein Gesicht in den Kissen. "Warum ist hier kein Loch, in das ich mich verkriechen kann?" nuschelte er gedämpft in die Federn.

Lucien lachte und setzte sich an die Bettkante. Er widerstand dem Verlangen, Kaylens Hintern zu berühren, den dieser ja nun einladend nach oben streckte. "Jetzt beruhig dich! Was war denn das eigentlich für ein Auftritt?"

"Ich bin ja so peinlich!" murmelte Kaylen. "Wie soll ich deiner Schwester jetzt noch in die Augen sehen, nachdem sie mich..."

"Keine Angst!" grinste Lucien, "Melina hat schon mehr als einen nackten Mann gesehen und sicher war nicht jeder so hübsch wie du!"

Kaylen drehte den Kopf und blickte ihn über den Rand des Kissens an. "Das macht es auch nicht besser, wenn du das meinst!"

"Och, mein armer kleiner Kaylen! Komm mal her." Lucien schwang die Beine aufs Bett, drapierte ein Kissen gegen das Kopfende des Bettes, lehnte sich dagegen und öffnete auffordernd die Arme in Kaylens Richtung. Dieser schaute ihn etwas unschlüssig an.

"Was soll ich denn machen? Soll ich mich in deinen Arm legen?"

"Ja was denn sonst? Willst du sagen, du schläfst mit mir, aber hast ein Problem damit, mit mir zu kuscheln?"

"Äh... nein..." Kaylen stemmte sich hoch und kratzte sich am Hinterkopf. Wie ein kleiner Junge! Er ist ja so niedlich und unschuldig! Lucien spürte bei diesem Gedanken ein wohliges Gefühl der Wärme und ein Kribbeln in seinem Bauch wie er es noch nie erlebt hatte. Ganz klar, es gab keinen Zweifel, er war hoffnungslos verliebt. "Ich... es ist nur... ich hab noch nie mit einem Mann gekuschelt... kannst du dir ja sicher denken und ... ich... ich rede mal wieder nur Müll..." riss ihn Kaylen aus seinen Gedanken.

"Jetzt hör für eine Minute auf zu denken und komm her, Versuch macht klug!"

Kaylen schob sich an Lucien heran und lehnte sich mit der Wange an dessen nackte Brust. Der andere Mann legte seine Arme um ihn und hielt Kaylen so fest. Vorsichtig und schüchtern erlaubte Kaylen es sich, seine Hand auf Luciens Bauch zu legen. Er wäre beinahe zusammengezuckt, als Lucien den Kopf senkte und ihm einen zärtlichen Kuss auf die Stirn gab. Mit einem mal fühlte Kaylen sich wunderbar geborgen, vollkommen sicher. Erinnerungen an das Ende seines Traumes wurden wach. Doch diesmal war es kein Traum. Er lag wirklich in den Armen dieses Mannes, er würde nicht fallen und aufwachen. Er hörte Luciens Herz schlagen und fühlte wie sich die kräftige Brust des anderen Mannes hob und senkte. Plötzlich störte es ihn auch nicht mehr, dass er nackt war oder das Melina ihn so gesehen hatte. Eine solche Geborgenheit hatte er noch nie empfunden.

"Geht es besser?"

"Ja..." flüsterte Kaylen.

"Jetzt sag mal, was das eben war?"

"Weiß deine Schwester, dass wir miteinander geschlafen haben?" stellte Kaylen eine Gegenfrage.

Lucien zuckte mit den Schultern. "Natürlich weiß sie das. Warum auch nicht? Weißt du, wenn man sein ganzes Leben lang miteinander herumzieht, kennt man den anderen. Ich habe keinen Grund meine Vorliebe für Männer vor ihr zu verstecken und sie hat auch kein Problem damit. Außer vielleicht mit der Tatsache, dass sie Männer wie dich lieber für sich haben würde. Aber wirklich eifersüchtig ist sie nicht."

"Du hast wohl schon mit einigen Männern geschlafen, oder?"

"Ja, da gab es schon den einen oder anderen, warum?"

"Ach... nur so... nicht wichtig..." Kaylen versuchte den schmerzhaften Stich in seiner Brust zu ignorieren, doch es gelang ihm nicht. Lucien schien zu spüren, dass ihn etwas bedrückte und zog sofort den richtigen Schluss.

"Aber du bist etwas besonderes, Kaylen, ganz ehrlich. Und das nicht nur, weil ich dein erster sein durfte. Du bist der erste Mann, bei dem ich nicht das Gefühl habe, mich verstellen zu müssen und bei dem ich noch nicht einmal Angst haben muss, dass er mein Auge sieht."

"Das hast du schön gesagt..." lächelte Kaylen.

"Danke. Aber nun sag bitte endlich, was das eben für ein Auftritt war."

"Das ist mir peinlich!"

"Muss es aber nicht sein. Nun sag schon, bleibt auch unter uns."

Kaylens Gesicht wurde heiß, als er antwortete. "Nun... ich bin wach geworden... und du warst nicht da... da dachte ich... nun ja... du seiest..."

"Weg?" beendete Lucien den Satz. "Du hast gedacht, ich sei fort gegangen, ohne mich zu verabschieden. Sex und weg sozusagen?"

Kaylen stemmte sich hoch und sah ihm in die Augen. "Ja genau! Sei mir bitte nicht böse deswegen! Ich wollte nicht schlecht von dir denken oder so! Aber als du nicht mehr da warst habe ich einfach Panik gekriegt. Und da bin ich eben los gerannt. Ich hab gehofft, ich würde dich noch erwischen... weil ich...weil ich..."

"Weil du was?"

"Weil ich dich bitten wollte, nicht zu gehen. Ich wollte... dass du bei mir bleibst weil ich..." Er senkte den Blick. "Weil ich... ich glaube... ich... Himmel... ich weiß nicht wie ich es sagen soll... denn schließlich bist du ein Mann, genau wie ich... aber ich..." Er blickte wieder auf, seine Augen flackerten vor Unsicherheit. "Ich liebe dich... und ich will dich nicht verlieren."

Luciens Augen wurden feucht, als er diese Worte hörte. Übermütig packte er Kaylen und zog ihn an sich. Ihre Lippen trafen sich und verschmolzen zu einem zärtlichen Kuss. "Wie sehr habe ich gehofft, dass du das sagst!" rief Lucien aus, während seine Stimme zwischen Freude und Rührung schwankte. "Ich habe so sehr darauf gehofft, dass du genauso empfindest wie ich!"

Kaylen drückte seine Hände gegen Luciens Brust und schob ihn ein Stück von sich. "Soll das heißen dass du auch...?"

Lucien nickte. "Ja, ich auch. Ich liebe dich, Kaylen! Ich liebe dich! Das ist mir in der kurzen Zeit die wir zusammen waren klar geworden! Ich glaube an Liebe auf den ersten Blick und an Schicksal und das beides trifft auf uns zu. Das wir uns begegnet sind, kann nur Schicksal gewesen sein!"

"Für dich ist es also mehr als pure Körperlichkeit?"

"Ja, auf jeden Fall!" Lucien lächelte, wurde nun aber wieder ernst. "Trotzdem... du musst dir ganz genau überlegen, was du da tust, ist dir das klar?"

"Was meinst du damit?"

"Du darfst dich da nicht in etwas hinein stürzen, ohne darüber nachzudenken... Du hast deinen Verlobungsring abgenommen, stimmt's?"

Kaylen senkte den Blick. Er stand auf, ging zum Schrank um sich eine Hose hervor zu holen und stieg hinein. Als er die Tür des Schranks wieder schloss, seufzte er. "Ich hatte gehofft, dass du vergessen hättest, dass ich das vorhin erwähnt habe... aber das war dumm von mir..."

Lucien stand ebenfalls auf. "Hör zu, ich..."

"Nein!" fiel ihm Kaylen ins Wort, "Versteh doch! Der Ring bedeutet nichts! Ja, ich bin verlobt, aber ich liebe sie nicht mehr! Seit ich dich kenne ist mir das klar geworden! Ich liebe sie nicht und ich werde sie auch nie wieder lieben! Wenn sie wieder da ist, werde ich die Verlobung auflösen! Ich will bei dir sein! Bitte!"

"Immer mit der Ruhe." Lucien hob beschwichtigend die Hände. "Ich will dir doch gar nicht unterstellen, dass deine Gefühle für mich nicht echt sind! Im Gegenteil! Ich hoffe, dass sie echt sind und das sie stark genug sind. Denn du musst dir darüber klar werden, dass du nicht einfach die Freundin wechselst. Ich bin ein Mann. Wenn du mich wirklich liebst und mit mir zusammen bleiben möchtest, musst du auch damit leben können, schief angesehen oder gar beschimpft zu werden. Liebe unter Männern ist nichts, was in der Gesellschaft hoch angesehen wird, ich weiß wovon ich spreche. Und ich hab dich zu gern, um egoistisch zu sein und dich ins kalte Wasser fallen zu lassen... ich will nicht, dass du verletzt wirst. Ich will nicht, dass du eines Tages mir die Schuld daran gibst, weil dein geordnetes Leben vollkommen Kopf steht..."

Kaylen lächelte ihn an. "Du bist wirklich lieb, dass du dir so Sorgen um mich machst. Aber so naiv und unbeholfen ich auch wirken mag, ich kann sehr willensstark sein. Mir ist klar, dass unsere Liebe etwas sehr ungewöhnliches ist und das mein Leben durch sie vollkommen auf den Kopf gestellt wird, aber das ist ja gerade das wunderbare daran! Weißt du, was ich zu meinem besten Freund sagte, kurz bevor wir zusammenstießen? Ich habe ihm gesagt, dass ich wünschte, dass sich mein Leben endlich verändern würde. Dass ich es mit Malon nicht mehr aushalten würde und endlich etwas aufregendes erleben wolle, etwas völlig neues. Und was ist aufregender als eine neue Liebe?"

"Beunruhigt es dich denn nicht, überhaupt nichts über mich zu wissen?" fragte Lucien.

Kaylen zuckte mit den Schultern. "Du weißt ebenso wenig über mich. So etwas kommt mit der Zeit. Und du wirst ja sicher kein Mörder oder so etwas sein!" lachte er.

"Nein, natürlich nicht!" grinste Lucien. "Aber ein Engel bin ich auch nicht."

"Ich am allerwenigsten!" konterte Kaylen. Er ging zu Lucien hinüber und fasste seine Hand. "Ich weiß dass ich dich liebe und ich wünsche mir so sehr bei dir zu sein. Hilf mir, mich in deiner Welt zurecht zu finden, der Rest kommt von ganz allein, da bin ich mir sicher!"

"Du bist einfach wunderbar!" lächelte Lucien, bevor er Kaylen an sich zog und ihn küsste.

In dieser Nacht schlief Kaylen in Luciens Arm ein. Für ihn war die Welt da draußen weit entfernt, all die Ängste und Sorgen verschwunden. Bevor er einschlief lauschte er eine Zeit lang dem regelmäßigen Atmen des Mannes hinter ihm, genoss die Wärme seiner starken Arme und die Nähe ihrer nackten Körper. In dieser Nacht fühlte er sich einfach frei. So sollte es immer bleiben. "Dafür werde ich sorgen..." flüsterte er, schloss dann die Augen und glitt hinüber in den Schlaf. Kein Alptraum behelligte ihn in dieser Nacht.

True Friends? (Wahre Freunde?)

Der nächste Morgen kam mit verhaltenem Sonnenschein. Immer mal wieder lugte die Sonne hinter den dicken, allerdings weißen Wolken hervor und erwärmte schwach die vom Sturm vollkommen aufgeweichte Erde. Charons Hufe wirbelten den Morast auf, als er in vollem Galopp den Weg um die runde Pferdekoppel herum preschte. Kaylen trieb ihn mit übermütigen Rufen zu immer höherem Tempo an. Der Hengst und der rothaarige Mann schienen eins zu sein. Kaylen lachte, ließ die Zügel los und breitete die Arme aus. Der Wind fegte um seinen Kopf, wirbelte seine Haare durcheinander und ließ sein Hemd wehen, das er trotz des kühlen Wetters offen über dem nackten Oberkörper trug. Er fühlte sich völlig frei. Um das Gefühl noch zu verstärken schloss er für einen Moment die Augen. Noch nie in seinem ganzen Leben hatte er sich so gut gefühlt, daran änderten auch die leichten Schmerzen beim Sitzen nichts, die er der letzten Nacht zu verdanken hatte. Er war einfach nur glücklich. Als er die riesige Koppel umrundet hatte und sich wieder den Farmgebäuden näherte, erkannte er Lucien, der lässig mit verschränkten Armen auf dem Zaun der Koppel lehnte. Sein langes Haar hatte er zu einem ordentlichen geflochtenen Zopf gebändigt, der über seine Schulter hing. Er trug eines von Kaylens Hemden, ein dunkelblaues, darüber eine Wildlederweste und eine Hose, ebenfalls aus Wildleder in der gleichen Farbe. Er sieht einfach toll aus! war der erste Gedanke, der Kaylen bei seinem Anblick in den Sinn kam. Er brachte Charon neben ihm zu stehen und stieg ab.

"Morgen!"

"Morgen!" antwortete Lucien und zog Kaylen ohne Vorwarnung an sich, um ihm einen Kuss auf die Lippen zu drücken. "Hast du gut geschlafen?"

"Wie ein Baby!" lächelte Kaylen, "Und du?"

"Auch so gut wie schon lange nicht mehr, aber das liegt sicher daran, dass ich zum ersten Mal seit langer Zeit nicht allein geschlafen habe."

Kaylen stemmte sich am Zaun hoch und setzte sich darauf, nur um es Sekunden später zu bereuen. "Autsch..." Er sprang wieder zu Boden und rieb sich über den Hintern. Lucien konnte ein Lachen nicht ganz unterdrücken.

"Das tut mir leid! Ehrlich. Aber ich glaube, so geht es fast jedem nach dem ersten Mal."

"Ist schon okay... wirklich. Ein echter Mann kennt keinen Schmerz."

"Und wohl auch keine Kälte, was? Ist dir mit deinem offenem Hemd nicht kalt? Oder willst du mich mit dem Anblick deines Oberkörpers antörnen?" Er ließ seinen Finger über Kaylens Bauch gleiten und grinste anzüglich. In diesem Moment stieß Charon hörbar die Luft aus den Nüstern aus und stupste Lucien mit der Schnauze an. Lucien zuckte zusammen und ging abrupt einen Schritt zurück.

"Was ist?" fragte Kaylen verwundert. "Charon wollte nur Aufmerksamkeit." Er streichelte dem großen pechschwarzen Hengst liebevoll über die Seite. Charon wieherte freudig.

"Diese Viecher sind mir unheimlich! Sie sind so groß und sie schauen einen immer so komisch an!"

Kaylen lachte. "Komisch? Pferde haben die treusten Augen die man sich vorstellen kann, treuer noch als Hunde. Und Charon würde dir niemals etwas tun, er ist ein sehr liebes Pferd. Heißt das du bist noch nie geritten?"

"Zumindest nicht auf Pferden!" grinste Lucien etwas verlegen.

"Jetzt mal ohne Flaks, Reiten ist das Schönste was man sich vorstellen kann, ein intensiveres Gefühl der Freiheit wirst du nie erleben. Würdest du einmal mit mir reiten?"

Lucien kratzte sich am Hinterkopf und betrachtete etwas unsicher seine Füße. "Ich weiß nicht..."

"Gib dir einen Ruck! Vertrau mir einfach. Dir wird nichts passieren. Komm." Er nahm Lucien bei der Hand und führte ihn ohne auf Widerspruch zu warten zu Charon, der ein paar Meter entfernt graste. "Dir kann nichts passieren. Ich halte die Zügel und dich auch dabei."

Lucien wusste nichts mehr, womit er hätte widersprechen können. Er sah zu wie Kaylen den Sattelgurt von Charon löste und das Pferd vom Sattel befreite.

"Verzeih die Frage, aber sitzt man nicht normalerweise auf diesem Ding, wenn man reitet?"

"Ja, eigentlich schon, aber wenn wir zusammen reiten wollen und du nicht gerade vor hast das Pferd selbst zu kontrollieren, sollte ich so nah wie möglich bei dir sitzen."

"Ich?! Das Pferd kontrollieren?! Wenn es sein muss setze ich mich sogar auf deinen Schoß!"

"Das wird nicht nötig sein, auch wenn mir der Gedanke gefällt!" lachte Kaylen. Er führte Charon näher an den Weidezaun heran. "Komm, ich mach dir eine Räuberleiter."

"Du bist dir ganz sicher?"

"Ich bin mir sicher, also komm schon!"

Kaylen setzte Lucien aufs Pferd, indem er ihm zuerst per Räuberleiter hoch half und ihn dann noch ein wenig anschob, bis er etwas unsicher auf Charons Rücken saß.

"Gib es zu, du hast nur nach einer Möglichkeit gesucht, mir an den Hintern zu fassen!" lachte Lucien.

"Wenn du noch scherzen kannst, kannst du ja auch nicht soviel Angst haben!" grinste Kaylen, während er sich behände mit dem Zaun als Kletterhilfe hinter Lucien aufs Pferd schwang. Er spürte deutlich, wie verkrampft sein Freund war. "Vergiss nicht zu atmen, Charon wirft dich nicht ab, glaube mir!"

"Du hast leicht reden! Du hast ja keine Angst vor diesen Tieren. Ich kann es nicht leiden, wenn ich mich anderen ausliefern muss, schon gar nicht einem unberechenbaren Tier!" Charon wieherte wie aus Protest. "Tut mir leid, tut mir leid..." stöhnte Lucien.

Kaylen kicherte. "Ganz ruhig." Er rückte eng an Lucien heran und griff an ihm vorbei nach den Zügeln. Er riecht so gut... schnell schob Kaylen den Gedanken zur Seite und konzentrierte sich auf die Situation. "Sei jetzt ganz ruhig. Du nimmst jetzt die Zügel in die Hand und ich halte deine Hände. Dir kann nichts passieren. Wenn wir gleich reiten, versuch dich Charons Bewegungen anzupassen. Du darfst nicht gegen die Bewegung des Pferdes drängen. Mit einem Sattel geht das leichter, aber man kann sich auch so den Bewegungen anpassen. Alles klar?"

"Klar...ich darf nicht zufällig jetzt schon wieder runter?"

Statt zu antworten gab Kaylen Charon durch sanften Druck mit den Schenkeln das Kommando, sich in Bewegung zu setzen, nach einigen langsamen Schritten, brachte er ihn dazu, in Trapp zu verfallen. Er fühlte wie sich Luciens Hände um die Zügel krampften und zu schwitzen begannen. "Nicht so verkrampft, so wird das nichts. Ich bin bei dir und es gibt nur wenige Leute in Hyrule die es mit meinen Reitkünsten aufnehmen können, als hab keine Angst. Ich hab Charon unter Kontrolle, ich kann ihn jederzeit zum Stehen bringen."

"Wenn du das sagst!"

"Immer mit der Bewegung des Pferdes, die Zügel nicht so krampfhaft halten." erklärte Kaylen, "Ja, genau so!" setzte er hinzu, als Lucien sich tatsächlich langsam lockerte und sich immer mehr entspannte und den Bewegungen des Pferdes anpasste.

"Ich muss zugeben, dass das irgendwie schön ist!" lachte Lucien.

"Siehst du!" Kaylen küsste ihn spontan auf den Nacken. "Wie wäre es mit einem Galopp. Nur kurz. Dir kann überhaupt nichts passieren."

"Na gut... aber nur kurz!"

"Heyaaa, Charon!" rief Kaylen und gab dem Hengst zu verstehen, was er erwartete. Sofort gewann das Pferd an Geschwindigkeit.

"Das ist unglaublich!" Lucien schien den Ritt mittlerweile richtig zu genießen, er lachte.

"Ich wusste, dass es dir gefallen würde! Ist dieses Gefühl nicht einfach unbeschreiblich schön? Ist es nicht... oh, verdammt!"

"Was?" fragte Lucien erschrocken.

Kaylen verstärkte kurz den Druck seiner Schenkel und zog an den Zügeln. Augenblicklich wurde Charon langsamer. Sie hatten die Koppel fast umrundet und die Gebäude wieder erreicht. "Hör zu!" flüsterte Kaylen. "Ich lasse jetzt gleich deine Hände los. Sobald wir auf der Höhe der Gebäude sind, ziehst du sanft daran, den Rest mache ich, okay?"

"Äh, ja!" antwortete Lucien verwirrt. "Aber was ist los?"

Doch sie hatten die Gebäude schon erreicht und Kaylen ließ seine Hände los. Tatsächlich gelang es Lucien, Charon zum Stehen zu bringen, auch wenn das wohl mehr Kaylens Verdienst war. "Benutz den Zaun, um abzusteigen!" zischte Kaylen. Lucien begriff immer noch nicht, was eigentlich los war, doch dann entdeckte er den blonden Mann mit dem braunen Pferd, der auf sie zukam.

"Wer ist das?"

"Link, mein bester Freund! Tu mir einen Gefallen und lass mich reden, ja?"

"Wie du meinst!" antwortete Lucien verdutzt. Link war nun schon nah heran gekommen und Kaylen stieg vom Pferd herab.

"Welch unerwarteter Besuch am frühen Morgen!" lachte er, bevor er Link umarmte und ihm kumpelhaft auf die Schulter klopfte. Lucien beobachtete die Szene aus ein paar Schritten Entfernung.

"Ich dachte, ich komme dich mal besuchen, damit es dir hier allein nicht langweilig wird, aber offensichtlich bist du das gar nicht. Wer ist das?" Link nickte mit dem Kopf in Luciens Richtung.

Kaylen spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte und seine Kehle sich zuschnürte. "Nun... das ist... also das ist..."

"Mein Name ist Lucien." Er war heran gekommen und lächelte Link freundlich an. "Und ich bin..."

"Unser neuer Zureiter!" fiel ihm Kaylen ins Wort, "Ich habe ihn eingestellt, weil wir die Farm bald vergrößern wollen und dann wird es auch mehr Pferde geben, die erst zugeritten werden müssen! Wir sind gerade mal eine Runde geritten, damit er mir zeigen konnte, wie gut er es kann. Ich hatte keine Lust ein zweites Pferd zu holen, daher sind wir zusammen auf Charon geritten." Er blickte Link dabei ins Gesicht, fühlte aber deutlich Luciens Blick auf sich ruhen. Obwohl sich sein Gewissen in diesem Moment regte, normalisierte sich sein Puls, als er merkte, dass Link offensichtlich mit der Erklärung zufrieden war. Er musterte Lucien interessiert.

"Kann es sein, dass wir uns kennen?"

Lucien zuckte mit den Schultern, ohne aber sein Lächeln zu verlieren. "Das kann sein, Ihr kommt mir auch bekannt vor, aber ich weiß nicht genau. Vielleicht haben wir uns zufällig mal gesehen."

"Wie auch immer," er wandte sich Kaylen zu, "Hast du Lust auf einen Ausritt? Ich hab endlich mal Zeit dafür."

"Nun ja..." stammelte Kaylen.

"Dann wünsche ich viel Spaß, ich habe noch zu tun. Entschuldigt mich bitte." lächelte Lucien und drehte sich einfach um, nach Charon ohne zu zögern an zu den Zügeln und führte den Hengst in Richtung Stall, was das gutmütige Tier zum Glück ohne weiteres mit sich machen ließ. Kaylen lief eine Gänsehaut über den Rücken.

"Also, wollen wir?"

"Was?"

"Ausreiten! Sag mal bist du nicht ausgeschlafen? Außerdem hat dein Zureiter eben Charon mitgenommen, den brauchst du dafür. Wohl auch nicht ganz ausgeschlafen, der Gute." grinste Link.

"Ach so... ja... ja klar... warte am Haus, ja? Ich muss Lucien noch eben was erklären, er ist ja schließlich neu."

"Geht klar, aber lass mich nicht zu lange warten." Mit diesen Worten führte Link Epona in Richtung Haupthaus davon. Kaylen biss sich nervös auf die Lippe, atmete tief durch und machte sich dann auf den Weg zum Stall.
 

Als der junge Gerudo das Zwielicht des Stalls betrat, war Lucien gerade dabei, Charon in seine Box zu führen, zumindest versuchte er das. Charon war ein geduldiges Tier, doch Lucien stellte sich doch zu ungeschickt an.

"Lass mich..." sagte Kaylen. Er nahm ihm die Zügel aus der Hand, führte den Hengst in die Box und nahm ihm das Geschirr ab. Erst jetzt fiel ihm ein, dass er ja ausreiten wollte, aber er schob den Gedanken beiseite. Lucien hatte sich auf einem Heuballen niedergelassen und kaute an einem Halm, seine Augen starr auf Kaylen gerichtet.

"Du solltest Schriftsteller werden!"

"Was?"

"Du hast dir in absoluter Rekordzeit eine bühnenreife Lüge einfallen lassen, um Blondie nicht sagen zu müssen, wer ich wirklich bin. Aber "Das ist mein neuer Zureiter" klingt ja auch viel besser als "Das ist mein neuer Liebhaber". Da muss ich dir schon recht geben!"

Kaylen streckte die Hand nach Lucien aus, doch dieser schlug sie weg, stand auf und drehte ihm den Rücken zu. "Lucien, bitte, ich..."

"Das war es, was ich meinte!" unterbrach ihn sein Gegenüber. "Das meinte ich damit, dass so eine Beziehung schwierig ist. Und du wolltest es so, du wolltest dazu stehen, erinnerst du dich?! Und bei der ersten Gelegenheit ziehst du den Schwanz ein!"

"Lucien, es tut mir leid..."

"Und was kann ich mir dafür kaufen? Verrat mir das! Weißt du, was das für ein Gefühl ist, wenn man merkt, dass der Mann den man liebt sich für einen schämt?!"

Kaylen traten die Tränen in die Augen, er konnte nicht dagegen an, sein Gewissen war furchtbar schlecht. "Bitte... lass mich wenigstes erklären... ich schäme mich nicht für dich, wirklich nicht! Aber ich... Link ist mein bester Freund... weißt du... und er ist... wir haben beide nicht wirklich viel Erfahrung, er ist mit seiner ersten Liebe verheiratet, weißt du? Und er ist... ein wenig naiv... was das angeht... ich weiß nicht, wie er damit umgehen würde... ich will ihn langsam darauf vorbereiten. Verstehst du? Ich will ihn doch nicht verlieren!" schluchzte er.

Lucien seufzte und zog ihn an sich. "Ist ja gut... Tut mir leid, dass ich so ausgerastet bin. Ich gehe immer von mir aus und habe mir keine Gedanken darüber gemacht, wie schwer es für dich sein muss. Verzeihst du mir?"

Kaylen nickte leicht. "Mir tut es aber auch leid... wir sind ja toll, noch nicht einmal einen Tag zusammen und schon die erste Krise."

"Hey," Lucien strich ihm über den Hinterkopf. "Mein Süßer, mach dir nicht so viele Gedanken. Ist doch alles wieder okay." Er beugte sich zu ihm und küsste ihn zärtlich. In diesem Moment wurde die Stalltür beinahe aus den Angeln gerissen...
 

Link stand zur gleichen Zeit vor der Tür des Haupthauses und wartete auf Kaylen, als sich plötzlich die Haustür öffnete. Verwundert drehte er sich um und erblickte im Türrahmen eine junge Frau in einem Kleid, dass er von Malon kannte. Ihr langes braunes Haar umspielte sanft ihre Figur, täuschten aber nicht über die Tatsache hinweg, dass ihre beachtliche Oberweite die Bluse spannte, wie Link bemerkte. Im Gegensatz zu Lucien erkannte er dieses Mädchen sofort, er hoffte, dass seine Wangen sich nicht röteten, als ihm der Gedanke an ihre Begegnung in der heißen Quelle in den Sinn kam.

"Aber hallo!" kicherte sie.

"Ähm... guten Morgen."

"Dieser Morgen ist auf jeden Fall gut. Was kann man sich schöneres vorstellen, als direkt nach dem Aufstehen einen so knackigen Anblick geboten zu bekommen." Sie kam näher und musterte Link interessiert, während sie ihn umrundete. "Kommst du öfter hierher. Bist du vielleicht der Stallbursche?"

Link wusste nicht was er erwidern sollte. Sie stellte sich direkt vor ihn und strich mit ihren Händen über seine Brust. "Mann, hart wie ein Felsen, was für Muskeln! Darf ich die mal ohne Stoff anfassen?"

Link wich angesichts dieser doch sehr dreisten Anmache im Reflex einen Schritt zurück. "Eher nicht, das ist dann wohl doch eher Sache meiner Frau!" grinste er und hob seine rechte Hand mit dem Ring daran.

Das Mädchen stemmte die Hände in die Hüften und tippte mit dem Fuß auf. "Oh nein, sagt bitte nicht, dass Ihr nicht nur toll ausseht, schlagfertig seid und auch noch treu! Einen solche Mann gibt es doch eigentlich nicht! Kaylen hat es auch nicht gestört, dass er verlobt ist!"

Link riss die Augen auf. Das hatte er nicht erwartet, vor allem hätte er Kaylen nicht für so eiskalt gehalten, Malon in ihrem eigenen Haus mit einer anderen zu betrügen, auch wenn dieses freche Mädel wirklich ein Augenschmaus war.

"Er hat mit Euch...?"

Sie sah ihn verdutzt an, doch dann winkte sie lachend ab. "Nein, mit mir doch nicht! Wäre ja auch zu schön gewesen um wahr zu sein. Wisst Ihr, ich habe immer Pech. Entweder Männer sind Idioten mit einem Intellekt knapp über dem Brot und knapp unter dem eines Schimpansen oder sie sind so toll wie Ihr, aber verheiratet! Und dann gibt es noch die Variante wie im Falle von Kaylen, die sich nicht für mich interessieren, sondern lieber mit meinem Bruder ins Bett gehen!" Sie kicherte kokett und lächelte Link mit blitzend weißen Zähnen an, ihr Lächeln erstarb jedoch, als sie bemerkte, dass Link sie vollkommen verständnislos ansah. "Hab ich was falsches gesagt?"

Link antwortete nicht, er drückte dem vollkommen perplexen Mädchen Eponas Zügel in die Hand, machte auf dem Fuß kehrt, rannte zum Stall und riss die Tür auf...
 

Kaylen und Lucien flogen regelrecht auseinander. Beide blickten erschrocken Link an, der in der Tür stand. Sämtliche Farbe war aus seinem Gesicht gewichen, er starrte die beiden vollkommen fassungslos an.

"Link... ich..." Kaylen hob hilflos die Hände.

"Was war das... sag nicht... das kann nicht wahr sein..."

"Link, bitte!" Kaylen ging auf seinen Freund zu. "Es ist nicht... ich meine, es ist so, aber lass mich erklären!" Als er ihn erreichte, löste sich Link aus seiner Erstarrung und stolperte ein paar Schritte nach hinten um Platz zwischen sich und ihn zu bringen. Kaylen griff im Reflex nach seinem Arm, doch Link schüttelte ihn so heftig ab, dass Kaylen das Gleichgewicht verlor und auf den matschigen Boden fiel. Link wandte sich um und lief los.

"Bleib bitte stehen! Link!" Kaylen rappelte sich auf und sprintete ebenfalls los, seinem Freund hinterher. Lucien erschien in der Stalltür und lehnte sich an den Rahmen, er sah sich die ganze Szene mit stummem Entsetzen an.

Link rannte auf Melina zu, riss ihr regelrecht die Zügel aus der Hand und schwang sich auf Epona. Noch bevor Kaylen ihn erreichte hatte er das Pferd gewendet. Kaylen stellte sich der Stute in den Weg.

"Link, bitte! Lass mich erklären!"

"Aus dem Weg! Geh mir aus dem Weg oder ich reite dich nieder, du Schwein!"

Kaylens Augen füllten sich mit Tränen. "Bitte! Link, ich flehe dich an! Lass mich erklären! Beruhige dich, du meinst das doch nicht so!"

"Und ob ich das so meine! Geh mir verdammt noch mal aus dem Weg!" Er presste seine Hacken so fest in die Seite der Stute, dass Epona erschrocken wieherte und stieg. Kaylen sprang erschrocken aus dem Weg um nicht von den Hufen getroffen zu werden und bevor er wieder auf die Beine kam sprengte die Fuchs-Stute in Richtung der Steppe davon. Ihre Hufe wirbelten Lehm auf, der auf Kaylen niederprasselte. Er kniete im Dreck und weinte, während Melina und Lucien zu ihm eilten. Lucien musste ihn auf dem Weg ins Haupthaus stützen, damit er nicht in sich zusammenbrach.

Counter Attack aka Reunion Part 1

Krachend zerbarst ein Holzscheit im Kamin als Lucien die Tür am oberen Ende der Treppe ins Schloss zog und ins Wohnzimmer hinabstieg. Draußen hämmerte mal wieder der Regen gegen die Scheiben. Über dem ganzen Haus lag eine unheilvolle Stille, nur durchbrochen vom Rhythmus der Regentropfen. Melina saß in Gedanken versunken vor dem Kamin auf dem Teppich und starrte in die tanzenden Flammen. Die Flüssigkeit in der Tasse die sie neben sich abgestellt hatte dampfte noch leicht und glitzerte im Licht des Feuers. Als sie ihren Bruder die Treppe herunterkommen hörte, blickte sie zu ihm hinüber.

"Wie geht es ihm?

Lucien seufzte und ließ sich in einen Sessel fallen. Er fuhr sich mit dem Daumen durch das rechte und mit dem Zeigefinger durch das linke Auge, als würden sie brennen. "Wie soll es ihm schon gehen? Er ist jetzt endlich eingeschlafen. Ganz ehrlich, ich hab schon gedacht er hört nie auf zu heulen..."

Melina stand auf, kam zu ihrem Bruder hinüber und kniete sich zu dessen Füssen. Sie lehnte den Kopf an seinen rechten Oberschenkel und schloss die Augen, als er begann, ihr sanft übers Haar zu streicheln. "Ach Bruderherz, ich hab dir ja gesagt, das gibt nur Ärger..."

"Ich sehe das aber einfach nicht ein! Dieser blöde Blondschopf führt sich hier auf wie die Axt im Walde und statt ihn in den Wind zu schießen, weint Kaylen sich wegen diesem Sack die Augen aus!"

"Ein bisschen ist es ja auch meine Schuld. Schließlich hab ich mich verplappert."

"Du kannst nichts dafür, woher solltest du wissen, dass Kaylen ihn anlügt. Und woher solltest du wissen, dass er so reagieren würde. Ich meine, Kaylen hatte mir gesagt, dass er etwas naiv sei, aber so eine Reaktion habe ich diesem Blondchen nicht zugetraut. Eigentlich wirkte er sogar ganz sympathisch."

"Und er sieht so süß aus!" setzte Melina nach.

"Vergiss es, selbst wenn er nicht verheiratet wäre, würde ich nie zulassen, dass du dich mit so einem Deppen abgibst, dafür bist du zu gut!"

"Vielleicht ist er ja gar nicht so schlimm..."

"Nicht so schlimm? Darf ich dich an seinen Auftritt erinnern?!" Lucien verdrehte die Augen.

"Ja, aber du musst das auch mal von seiner Seite aus sehen."

"Bitte?!"

"Lass mich ausreden!" Melina erhob sich und begann, im Raum auf und ab zu gehen. "Stell es dir doch mal so vor: Er und Kaylen sind die besten Freunde, erzählen sich vielleicht auch alles, wie es beste Freunde nun mal tun. Er schien zu wissen, dass Kaylen in seiner Beziehung unglücklich ist, denn er hat offenbar vermutet, dass Kaylen etwas mit mir angefangen hätte. Und dann kriegt er aus heiterem Himmel gesagt, dass sein Freund plötzlich die Seiten gewechselt hat und jetzt eher auf Hengste als auf Stuten steht!"

"Also bitte!" Lucien verschränkte gespielt beleidigt die Arme.

"Schon gut, nimm mich ernst! Du weißt wie ich es meine! Das muss ein Schock für dieses Unschuldslämmchen gewesen sein. Denn so süß er auch sein mag und auch nicht unbedingt auf den Mund gefallen, allzu viel Ahnung von Sex außerhalb des Ehebetts hat er sicher nicht. Und dann muss er auch noch sehen, wie du seinem besten Freund die Zunge in den Mund steckst. Etwas zuviel Aufklärung für einen Tag, findest du nicht?" sie kicherte und verbeugte sich in Luciens Richtung. "Ende meiner Analyse!"

Lucien klatschte in die Hände. "Wie schaffst du es nur, immer die passenden Worte zu finden? Besonders der Teil mit der Zunge im Mund gefiel mir! So kenne ich meine Schwester, die Unschuld in Person und hat es dabei faustdick hinter den Ohren!"

"Aber hab ich nicht recht, du Scherzkeks?" Sie stemmte die Hände in die Hüften.

"Ja, du hast ja recht... ich hatte Kaylen ja auch gerade zugestimmt, dass er es Blondie schonend beibringen kann..."

"Und du bist dir immer noch sicher, dass er der Richtige für dich ist?"

"Hundertprozentig!" ereiferte sich Lucien.

"Aber ob er damit klar kommt, seinen besten Freund wegen dieser Beziehung zu verlieren?"

Lucien rieb sich nachdenklich übers Kinn. "Vielleicht muss er damit gar nicht klarkommen! Was glaubst du? Schaffen wir es zusammen, ein Pferd vor diesen Wagen zu spannen, der im Stall steht. Ich traue mir gerade noch zu, einen Wagen zu lenken, solange ich mich nicht selbst auf den Gaul setzen muss."

"Ich dachte ihr seid heute geritten?"

"Ja, sind wir..." Lucien verzog etwas verschämt das Gesicht. "Aber ganz ehrlich... allein traue ich mich wirklich nicht..."

Melina kicherte und kniff Lucien in den Bizeps. "Schon klar, starker Mann!" Sie quietschte auf, als ihr Bruder sie packte, an sich zog und sie kitzelte. "Ist ja gut! Ist ja gut! Ich helfe dir!"

"Brav!" grinste er und tätschelte ihren Kopf, bevor sie sich befreite.

"Aber was hast du denn vor?"

Lucien wandte seinen Blick den Flammen zu und während sie sich auf der Pupille seines blauen Auges spiegelten, umspielte ein Grinsen seine Mundwinkel. "Das wirst du dann ja sehen, Schwesterherz, das wirst du sehen..."
 

Am nächsten Tag bedeckten dicke graue Wolken den herbstlichen Himmel über Hyrule. Sie schienen fast so tief zu hängen, dass sie die obersten Türme des Schlosses berührten. Die Spitze des Todesberges war vollkommen verschwunden, wie in gräuliche Watte verpackt. Ein leichter Nieselregen ging über den Gärten des Schlosses nieder und verwandelte die von den Bäumen gefallenen Blätter von einer wunderschönen, goldenen Schicht, die bei jedem Schritt eines romantischen Spaziergangs aufgewirbelt wurde, langsam in eine bräunlich matschige Pampe auf der man im besten Fall noch ausrutschen konnte. Zelda hatte an diesem Morgen Bittstelleraudienz, etwas, was Link abgrundtief hasste. Er war nicht etwa dagegen, die Meinung des Volkes zu hören, dem er sich nach wie vor mehr zugehörig fühlte als der Aristokratie, sondern vielmehr nervten ihn die vielen niedrigen Adligen, die zu diesen Anlässen ins Schloss strömten und auf seine Frau einredeten, immer in der Hoffnung auf einen Ritterschlag oder ähnliches. Umso verwunderter war er, als ihm mitgeteilt wurde, dass auch auf ihn jemand warte. Fast hoffte er, dass dieser jemand Kaylen war, die Sache vom Vortag lag ihm schwer im Magen, aber er würde auf keinen Fall den ersten Schritt tun, er hatte nichts falsch gemacht! Zumindest sagte er sich das immer wieder. Missmutig stieß er die Tür zum kleinen Sitzungsraum auf, in den man seinen Besuch geleitet hatte. Der überschaubare Raum vermittelte Link eh ein besseres Gefühl als der mächtige Thronsaal von dessen schierer Größe er immer das Gefühl bekam, erdrückt zu werden. Er blieb wie angewurzelt stehen, als er sah, wer dort am Fenster stand und auf die Gärten hinab schaute und sich nun zu ihm umdrehte. Schon an dem langen, locker gebundenen Pferdeschwanz hatte er ihn erkannt.

"Ah, der beste Freund!" begrüßte ihn Lucien mit einem ätzenden Unterton.

"Ah, der neue Zureiter!" konterte Link indem er den Ton nachäffte.

Lucien nickte anerkennend. "Touché, würde ich sagen!"

"Was wollt Ihr?" fragte Link, seine Stimme war eiskalt.

"Mit dir reden, was sonst?"

Link trat weiter in den Raum hinein. "Ich kann mich nicht erinnern, Euch das "Du" angeboten zu haben!"

Lucien zuckte mit den Schultern. "Na und? Ich sieze nur Leute vor denen ich Respekt habe, damit scheidest du von vornherein aus, Blondie!"

Link riss die Augen auf, mahnte sich aber in diesem Moment selbst, Haltung zu bewahren. Er würde sich nicht die Blöße geben selbst bei soviel Unverschämtheit vor diesem Mann die Contenance zu verlieren. "Ich denke, damit können wir das Gespräch beenden und Ihr könnt Euch wieder verabschieden!"

"Das glaube ich nicht, nicht bevor ich gesagt habe, was ich sagen will!"

Link tippte genervt mit dem Fuß auf. "Dann raus damit und danach verschwindest du!" Ohne es zu registrieren ließ auch er die Förmlichkeiten weg.

Lucien schnaubte verächtlich. "Du hältst dich wohl für ganz was tolles, was? Du bist wahrscheinlich noch stolz auf deinen glänzenden Auftritt gestern!"

"Und wenn es so wäre?!" Link hob ungewollt die Stimme.

"Aha! Schon mal gehört, dass getretene Hunde bellen? Wenn du es nötig hast, mich hier anzuschreien, dann muss ich wohl einen Nerv in dir getroffen haben, was?!"

"Wie kannst du es wagen, so mit mir zu reden! Du... Du kennst mich nicht, genauso wenig wie du hierher gehörst, du... du perverses..." Link unterbrach sich selbst, plötzlich fühlte er sich furchtbar mies.

Lucien schien erst richtig in Fahrt zu kommen. Er machte eine aufmunternde Geste. "Ja! Los, lass es raus! Lass deinen ganzen Hass auf mich raus! Sag mir, was du von mir hältst! Zeig mir, dass ich mich nicht in dir getäuscht habe und du wirklich so ein widerlicher, intoleranter Kerl bist, wie ich es denke!"

"Du bist doch der Widerliche von uns beiden!" schrie Link, "Du drängst dich in eine Beziehung und zerstörst sie!" Er kam immer näher auf Lucien zu, sein Gesicht rötete sich vor Zorn. "Du scheinst wirklich überhaupt kein Gewissen zu haben! Weißt du eigentlich was du anrichtest? Du zerstörst mit deinen kranken Spielchen nicht nur Kaylens Leben, der ja anscheinend dumm genug ist, auf dich hereinzufallen! Nein! Du zerstörst auch das Leben von Malon und ihrem Kind, dass sie von Kaylen erwartet!"

Für einen Moment geriet Lucien außer Fassung, Link bemerkte das sofort und lachte triumphierend. "Siehst du! Das hast du nicht gewusst, nicht wahr!"

Lucien befand sich plötzlich in der Defensive. "Ich kenne Kaylen erst seit gestern, er hätte es mir schon noch gesagt!"

"Ja, das hätte er sicher, wenn er dir nicht gerade die Zunge in den Rachen schiebt! Ihr seid doch beide gleich krank!"

Krachend landete Luciens Hand auf seiner Wange. "So redest du nicht über Kaylen!"

Für einen Moment starrte Link ihn einfach nur hasserfüllt an und hielt sich die Wange, dann stürzte er sich mit einem Schrei auf sein Gegenüber. Seine Faust flog regelrecht in Luciens Gesicht und schleuderte diesen zu Boden, wobei er Link mit sich riss. Stühle fielen um, während die beiden sich am Boden wälzten und wie wild aufeinander einschlugen. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Wachen stürmten hinein. Sie drängten sich zwischen die Kämpfenden und zerrten Lucien brutal nach oben. Zu dritt mussten sie den tobenden Mann festhalten. Link rappelte sich ebenfalls auf.

"Feigling!" Luciens Lippe blutete stark. "Du feiger Hund versteckst dich hinter deinen Wachen!"

"Mylord, wir..." begann einer der Männer.

"Raus!" unterbrach ihn Link schroff. "Raus und kommt nicht wieder herein, egal was passiert! Das ist ein Befehl, verstanden?!"

"Aber, Hoheit, wir..."

"Raus, verdammt noch mal!" brüllte Link. Sein Auge schwoll inzwischen an und verfärbte sich, aus seiner Nase rann Blut. "Raus mit euch!"

Eilig zogen die Wachen ab. Als die Tür ins Schloss fiel, fixierten sich die beiden Kontrahenten. Beide konnten sich kaum noch aufrecht halten und keuchten mehr, als das sie atmeten. Lucien stützte sich am Tisch ab.

"Willst du Nachschlag?!"

"Nein, mein Bedarf ist absolut gedeckt!" ächzte Link.

"Dem Himmel sei Dank..." stöhnte Lucien, ließ sich an der Wand unter dem Fenster zu Boden gleiten und blieb daran gelehnt sitzen. Link wankte leicht, als er zu ihm hinüber kam und sich ebenfalls niederließ. Er wischte sich mit dem Ärmel das Blut von der Nase.

"Du hast eine verdammt starke Rechte!"

"Ich kann nicht gerade sagen, dass du weniger heftig austeilst!" grinste Lucien und verzog im selben Moment das Gesicht, weil seine Lippe durch die Spannung wieder stärker zu bluten begann. "Können wir jetzt reden?"

"Ja..." seufzte Link, "Hauptsache nicht mehr prügeln, davon hab ich genug!"

"Ja, das kann ich nur bestätigen... Mann, so hatte ich mir das nicht gedacht..."

"Was denn?"

"Nun, ich hab gedacht, dass es gut wäre, dich dazu zu bringen, deine ganzen angestauten Aggressionen mal rauszulassen. Dass du gleich auf mich einprügeln würdest, hätte ich aber nicht gedacht." Er wischte sich mit dem Handrücken über den Mund.

"Du hast doch angefangen!"

"Du nimmst eine Ohrfeige als Anlass für eine Prügelei?"

"Du etwa nicht?" lachte Link.

"Meine Güte, du lachst? Ich wusste gar nicht, dass du das kannst!"

"Da siehst du mal!"

Wie sie so da saßen und ihre Wunden leckten, schien etwas zwischen den beiden Männern zu passieren. Offenbar hatte auch die Mauer zwischen ihnen bei der Prügelei einen Knacks bekommen und fing an zu zerbrechen. Lucien streckte Link die Hand entgegen. Dieser sah sie ein paar Sekunden lang verdutzt an, dann blickte er Lucien ins Gesicht. Dieser lächelte leicht trotz seiner anschwellenden Unterlippe. "Hm?"

Link griff zu und schüttelte seine Hand. "Frieden?" Nun brach die Mauer in sich zusammen, auf wirklich wundersame Weise.

"Von mir aus gern, aber eigentlich kommt es auf dich an."

"Wie meinst du das?"

"Nun, ich kenne da jemanden, der sich wegen dir seit gestern die Augen ausheult. Und ich kann das langsam nicht mehr ertragen, weißt du? Allerdings kannst nur du etwas daran ändern."

Link sah zur Decke hinauf und seufzte. "Ich hab mich benommen wie ein Arsch, was?"

"Wenn man es nett ausdrücken will kann man das so sagen!" lachte Lucien.

"Aber du musst auch mich verstehen. Weißt du... ich kenne Kaylen schon so lange... und er hat mir immer alles gesagt... und ausgerechnet das... ich weiß nicht, warum hat er mir davon nichts erzählt?"

"Vielleicht weil er es selbst nicht wusste bis zu dem Abend als ich bei ihm auftauchte?"

"Kann sein... aber ich kann das einfach nicht begreifen, ich meine, er ist verlobt und seine Verlobte erwartet ein Kind für das er verantwortlich ist. Das geht so ganz gegen meine sämtlichen Prinzipien, verstehst du?"

Lucien nickte. "Ist es denn nicht viel eher so, dass es dich stört, dass er Malon für mich verlassen will? Will sagen für einen Mann? Ich glaube, das bestürzt dich viel eher."

Link stand auf und sah aus dem Fenster. "Ja, verdammt! Ja! Das bestürzt mich! Ich wusste ja, dass es so etwas gibt, aber Kaylen... er war doch immer so..."

"Normal?" beendete Lucien den Satz.

"Ja, genau! Bin ich jetzt ein schlechter Mensch, weil ich so denke?"

Lucien erhob sich ebenfalls. "Wenn du mich jetzt unter anderen Umständen kennen gelernt hättest und nicht wüsstest, dass ich Männer liebe, käme ich dir dann abnormal vor?"

Link schien einen Moment nachzudenken, dann schüttelte er den Kopf. "Nein, eigentlich bist du ein ganz normaler Kerl!"

"Na siehst du! Ich bin kein Monster, verstehst du? Kann Liebe denn etwas schlimmes sein? Etwas verwerfliches? Ist es nicht egal, wen man liebt? Kommt es nicht auf das Gefühl an? Ich kann nichts dafür, dass ich mich in Kaylen verliebt habe und glaube mir, ich liebe ihn wirklich sehr, das ist mir selbst in der kurzen Zeit die wir uns kennen klar geworden. Ich hab ihn zu nichts gezwungen. Alles was geschehen ist, geschah aus seinem freien Willen heraus. Und willst du deinem besten Freund zum Vorwurf machen, wen er liebt?"

Link schüttelte den Kopf. "Nein, natürlich nicht, aber versteh doch, ich mag auch Malon und ich weiß, dass ihr weh getan wird!"

"Eines sage ich dir, Link, Malon wäre auf jeden Fall die Verliererin, auch wenn es mich nicht gäbe. Glaubst du denn, Kaylen könnte sich verlieben, wenn er Malon noch lieben würde? Wäre ich nicht gekommen, wäre es eine andere oder auch ein anderer gewesen, vielleicht erst wenn das Baby auf der Welt ist, vielleicht auch erst später, aber irgendwann hätte Kaylen es nicht mehr ausgehalten, dieses Leben zu leben, dass er nicht leben will!"

"Aber ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll!"

Lucien schüttelte den Kopf. "Wer steht dir näher? Malon oder Kaylen?"

"Kaylen!" antwortete Link ohne zu zögern. "Ich vertraue auf dieser Welt sonst nur meiner Frau so sehr wie ihm!"

"Na bitte! Und er ist immer noch der Mann den du kennst. Er hat sich nicht verändert, ist jetzt ein schlechterer Mensch oder deines Vertrauens nicht wert. Er ist nur glücklich und sollte dir das nicht am Wichtigsten sein? Das dein bester Freund glücklich ist?"

Link verschränkte die Arme vor der Brust. "Wann sind dir all diese Argumente eingefallen auf die ich absolut nichts erwidern kann?"

"Tja!" lachte Lucien. "So bin ich eben!"

Link senkte den Blick. "Aber ist es nicht eigentlich schon zu spät? Will Kaylen mich überhaupt noch als Freund? Nach all dem, was ich gestern abgezogen habe?"

Lucien klopfte ihm auf die Schulter. "Das musst du schon selbst herausfinden. Du weißt ja, wo du ihn findest. Ich bin nur hier, um dir mal Kaylens Seite klarzumachen, mehr nicht. Der Rest liegt bei dir. Also beweis mir, dass du Mumm in den Knochen hast und Kaylen Grund hat, um dich zu weinen!" Er tippte sich an die Schläfe. Link sah ihm nach, wie er die Tür aufmachte, an den vollkommen perplexen Wachen vorbeischritt und ihnen ein "Steht bequem, Jungs!" zurief, bevor er den Flur hinunter verschwand. Die Wachen schauten verdutzt in den Saal hinein, als Link sich gerade auf einen Stuhl fallen ließ.

"Was gibt es denn da zu glotzen?"

Schnell nahmen sie wieder ihre Positionen ein. Link sah aus dem Fenster auf die grauen Wolken am Horizont. Er musste sich selbst eingestehen, dass er sich in Lucien getäuscht hatte. Und jetzt wusste er, was zu tun war...

Starting over aka Reunion Part 2

Am selben Abend auf der Ranch. Draußen war es zum ersten Mal an diesem Tag trocken. Die Sonne stand bereits tief am Horizont und die wenigen kahlen Bäume der Steppe warfen lange Schatten. Bald würde die Nacht über Hyrule hereinbrechen und die Zugbrücke von Castletown hochgezogen werden. Lucien saß auf der Schaukel, die an einem dicken Ast der großen Eiche neben dem Farmhaus befestigt war und spielte auf der Gitarre, die er im Haus entdeckt hatte. Seine Lippe war immer noch geschwollen und auf seiner Wange zeichnete sich ein Bluterguss ab. Während er beobachtete, wie der Himmel sich immer stärker verfärbte und schließlich fast so rot wie Blut war, begann er zu singen. Ein Lied, das er schon kannte, seit er ein Kind gewesen war und von dem er nicht wusste, warum er es gelernt hatte geschweige denn wer es ihm beigebracht hatte.
 

"In der Ferne,

wo gleich der Mond erscheint.

Hat mich jemand gerne,

der vielleicht um mich weint.
 

In der Ferne

spricht jemand leis ein Gebet.

Das wir uns wiederfinden

und er bald schon vor mir steht."
 

Die Sonne versank hinter den Bergen. Der Himmel wurde dunkler, die ersten Sterne langsam sichtbar. Der Nachtwind streifte über die Koppel und ließ Luciens offene Haare sanft wehen. Ohne das er es bemerkte kam Kaylen aus der Richtung des Haupthauses heran und blieb ein paar Schritte entfernt stehen, um dem Lied zu lauschen.
 

"Auch wenn ich weiß es trennt

uns fast die ganze weite Welt.

Haben wir die selben Wünsche

wenn ein Stern hernieder fällt.
 

Und wenn der sanfte Nachtwind

mir ein Wiegenlied dann singt,

hab ich die Hoffnung dass er dir

auch Trost und Schlummer bringt.
 

In der Ferne,

dass wünsch ich mir so sehr.

Sollst du auf mich warten,

in der Ferne, wo ich gerne, bei dir wär."
 

"Du singst wunderschön..." Kaylen trat hinter ihn und umarmte ihn. Lucien ließ die Gitarre zu Boden gleiten und schmiegte sich in die Arme des rothaarigen Mannes der ihn zärtlich auf die Schulter küsste.

"Es war nicht gedacht, dass mir jemand zuhört."

"Warum denn nicht, das war doch einfach wundervoll. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Mann so herrlich singen kann!"

"Danke, du Schmeichler!"

"Das war ein sehr trauriges Lied. Hast du es denn noch nötig, darauf zu hoffen, dass irgendwo jemand auf dich wartet?"

Lucien schüttelte lächelnd den Kopf. "Nein, aber ich mag dieses Lied. Ich weiß nicht woher ich es kenne oder wer es mir beigebracht hat, aber es fasziniert mich. Auch wenn ich den jemand schon längst gefunden habe und ihn sicher nicht mehr gehen lasse!" Er strich sanft über Kaylens Hände, die auf seiner Brust ruhten.

Kaylen löste sich von ihm und ging ein paar Schritte in Richtung der Koppel bevor er sich umdrehte. "Willst du mir nicht doch sagen, was dir passiert ist? Mit wem hast du dich geprügelt, dass du danach so aussiehst?"

Lucien stand auf und klemmte sich die Gitarre unter den Arm. "Tut mir leid, mein Schatz, aber das bleibt mein Geheimnis. Und ist es nicht viel interessanter, wenn man ein paar Geheimnisse hat? Alles von seinem Partner zu wissen ist doch langweilig!" Er zwinkerte Kaylen zu, was dieser im Licht des aufgehenden, beinahe vollen Mondes gut erkennen konnte. Das milchigweiße Licht erhellte die Koppel immer mehr, während weiterhin Sterne am Himmel erschienen.

"Malon und ich wussten alles voneinander."

"Na bitte!" Lucien kam zu ihm und zog ihn an sich. "Deswegen hat sie dich doch auch gelangweilt, oder nicht?" Bevor Kaylen antworten konnte, versiegelt Lucien seine Lippen mit einem zärtlichen Kuss.

"Ich hab noch nie jemanden im Mondlicht geküsst..." lächelte Kaylen, als sich ihre Lippen lösten.

"Es gibt für alles ein erstes Mal!" grinste Lucien.

"Tut das nicht weh, deine Lippe ist doch lädiert."

Lucien schüttelte den Kopf. "Das macht mir nichts aus. Sag mal?" Seine Hand fuhr zärtlich über Kaylens Brust und er öffnete geschickt die obersten Knöpfe von dessen Hemd. "Hast du denn schon mal im Mondlicht geliebt?" Er hauchte Küsse auf Kaylens Hals.

"Nein... nicht dass ich wüsste..." antwortete dieser mit einem leichten Stöhnen. Luciens Hände erforschten seinen Rücken und zogen sein Hemd aus der Hose, während er weiter seinen Hals und die Brust küsste.

"Darf ich mal stören?"

Die beiden fuhren wie von der Tarantel gestochen auseinander. Unbemerkt war Melina hinter ihnen aufgetaucht und grinste sie so breit an, dass man genau erkannte, dass es ihr bewusst war, in was für eine Situation sie da hineingeplatzt war. Kaylen spürte, wie sich seine Wangen röteten, eilig bemühte er sich, sein Hemd wieder zu schließen und notdürftig in die Hose zu stopfen.

"Ich hoffe für dich, dass es wichtig ist, Schwesterherz!"

"Und ob es wichtig ist!" kicherte sie. "Kaylen, du hast Besuch. Der hübsche Blonde von gestern ist wieder da und er hat was zu trinken mitgebracht, ein ganz feiner Tropfen! Und wenn ihr nicht kommt, trink ich das eben mit ihm allein aus!"

"Link...!" stammelte Kaylen und merkte, wie seine Hände zu zittern anfingen. "Was... was... macht... was will er wohl..."

Zu seinem Erstaunen blickte er in ein lächelndes Gesicht als er Lucien ansah. Dieser schob ihn sanft in Richtung Farmgebäude. "Das wirst du ja sehen, geh doch zu ihm! Melina und ich versorgen noch eben die Tiere und schließen dann die Tore. Wir kommen dann später nach, nicht war, Schwesterherz?"

"Aber ich..." setzte Melina an.

"Nicht wahr, Schwesterherz?!" fragte Lucien erneut, diesmal in einem Ton der keinen Widerspruch zu dulden schien.

"Na gut..."

"Bestens! Und jetzt geh endlich, Kaylen, oder willst du hier Wurzeln schlagen?"

"Ist ja gut..." Mit gemischten Gefühlen machte Kaylen sich auf den Weg zum Haupthaus. Sein Herz klopfte wie wild und der Schweiß rann über seinen Rücken. Er hatte schreckliche Angst vor dem, was ihn erwarten würde.

Mit wackligen Beinen betrat Kaylen das Wohnzimmer des Haupthauses. Der Raum wurde von einigen Kerzen und dem Kamin erhellt, in dem Kaylen ein Feuer entfacht hatte, bevor er zu Lucien nach draußen gegangen war. Vor dem Kamin, mit dem Rücken zur Tür, stand Link, sein kräftiger Körper hob sich als dunkle Silhouette gegen den Schein des Feuers ab. Beim Geräusch der Tür drehte er sich um und blickte Kaylen an.

"Ähm... hallo..." durchbrach Link den Moment peinlichen Schweigens, der entstanden war.

"Hallo..." antwortete Kaylen leise.

Wieder folgte Schweigen. Kaylen biss sich auf die Lippe bis es weh tat. Sollte er den Anfang machen oder würde Link?

"Also ich..." platzte es aus beiden gleichzeitig heraus. Sie sahen sich verdutzt an. "Also gut, du zuerst!" Wieder beide wie aus einem Mund. "Nein, mach du ruhig zuerst!" Zum dritten mal nahezu perfekt synchron. Damit war es um die beiden geschehen, egal wie vertrackt die Situation auch sein mochte, beide fingen lauthals an zu lachen. Die gesamte Anspannung schien aus dem Raum zu weichen. Als Kaylen sich langsam beruhigte und Link ebenfalls wieder zu Atem kam, trafen sich ihre Blicke erneut. Kaylen konnte nicht anders, er musste Link anlächeln. Dieser hielt einen Moment inne, dann stürmte er plötzlich auf den Gerudo los, zog ihn an sich und umarmte ihn. Kaylen wusste nicht, wie er reagieren sollte, er stand da, seine Arme hingen schlaff herunter, während Link ihn festhielt. Schließlich erwiderte auch er die Umarmung.

"Es tut mir leid..." flüsterte Link. "So furchtbar leid..."

"Mir auch... Mir tut es auch leid..."

Damit war alles gesagt. Kaylen drückte Link an sich und spürte, wie ihm die Tränen in die Augen schossen. Es war als hätte er seinen besten Freund jahrelang nicht gesehen und sie hätten sich soeben endlich wieder getroffen. Alles war wieder in Ordnung. Als wäre dieser Streit zwischen ihnen niemals geschehen. Ohne viele Worte verstand jeder die Reue und die Schuldgefühle des anderen. Und ohne viele Worte verziehen sie einander auch. Als sie sich schließlich von einander lösten, konnte Kaylen zum ersten Mal Links Gesicht richtig erkennen. Ihm klappte die Kinnlade herunter.

"Meine Güte, wie siehst du denn aus?"

Bei näherer Betrachtung säumte ein großer Bluterguss Links leicht geschwollenes rechtes Auge, seine Wange war ebenfalls bläulich. Kaylen dämmerte es.

"Du hast dich mit Lucien geschlagen, oder? Hat er dich dazu überredet hierher zu kommen?" Sein Tonfall verriet Misstrauen.

"Ja... und nein!" erklärte Link und wurde dabei ein wenig rot. "Ja, ich hab mich mit deinem..." er schien ein wenig zu brauchen, um das Wort über die Lippen zu bringen, "Freund geprügelt, aber nein, er hat mich nicht überredet hierher zu kommen. Nachdem wir uns gestritten und ein wenig aufeinander eingedroschen haben, haben wir uns eigentlich recht nett unterhalten." Er kratzte sich etwas verlegen am Hinterkopf. "Und Lucien hat mir geholfen, mich selbst zu verstehen... zu begreifen, wie sehr ich dich mit meinem völlig unnötigen Auftritt verletzt habe und er hat mir geholfen zu erkennen, was für mich wirklich zählt und das ist die Freundschaft zu dir. Eine Freundschaft die so tief ist, wie ich sie noch nie hatte und auch wohl nie wieder haben werde. Ich wollte diese Freundschaft niemals verlieren, hätte sie aber beinahe aus falschem Stolz und Vorurteilen kaputt gemacht. Das zu erkennen, hat Lucien mir geholfen, allerdings hat er gesagt, es läge bei mir, was ich tue, ich wüsste was richtig ist. Und ich glaube, ich hab nun doch das Richtige getan!"

"Link, ich..." Kaylen blickte zu Boden. "Es tut mir wirklich leid, dass ich dich angelogen habe, aber ich hatte Angst, du würdest nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, wenn du die Wahrheit so plötzlich erfährst..."

"Und ich Esel hab deine Befürchtungen auch noch bestätigt..."

"Nein, ich verstehe deine Reaktion ja irgendwie... ich meine das ist ja auch nichts alltägliches... ich..."

"Kay?"

Der Gerudo blickte verwundert auf. "Hm?"

"Lassen wir es einfach gut sein und fangen noch einmal von vorn an. Ohne Lügen und ohne Vorurteile." lächelte Link. "Heute ist im Schloss zwar noch eine Konferenz auf der ich eigentlich anwesend sein müsste, aber Zelda war so "begeistert" davon, dass sich ihr Eheman prügelt, dass sie mich entschuldigt. Ich glaube es wäre ihr bei aller Ungezwungenheit die sie versucht in die Regierung zu bringen doch etwas peinlich, wenn ihr Mann mit einem blauen Auge neben ihr säße. Und daher habe ich massig Zeit, sowie," er ging zum Tisch hinüber und hob drei Flaschen hoch, "was Gutes zu Trinken. Ich glaube, wir haben viel zu bereden, was denkst du?"

"Ja!" antwortete Kaylen, unendlich erleichtert.

Die Haustür öffnete sich und Lucien schob den Kopf ins Zimmer. "Kein Geschrei? Kein Mord und Totschlag? Sieht doch schon mal ganz gut aus, ihr seid gut erzogene Jungs!" Er stieß die Tür ganz auf und betrat mit Melina das Zimmer. Seine Schwester starrte Link unverblümt mit glänzenden Augen an, was dieser zum Glück nicht bemerkte.

"Schön zu sehen, dass auch du noch ein Andenken an unser Gespräch hast!" feixte er.

"Auf dein blaues Auge kann man ja regelrecht neidisch werden!" konterte Lucien und lachte.

Kaylen blickte verdutzt zwischen den beiden hin und her. "Sagt mal, seit wann versteht ihr euch so gut?"

Link kam zu ihm hinüber und legte ihm den Arm um die Schulter. "Ich sagte dir ja, wir haben viel zu erzählen!" grinste er und boxte Kaylen in die Seite. "Also her mit den Gläsern!"
 

Wenig später saßen alle vier zusammen am Esstisch, tranken, aßen und unterhielten sich. Link hatte beschlossen, die Nacht auf der Farm zu verbringen, er hatte Zelda bereits als er aufgebrochen war gesagt, dass es vielleicht zu spät werden könne, um noch zum Schloss zurückzukehren und sie war damit einverstanden gewesen, da es ja um seine Freundschaft zu Kaylen ging. Kaylen hatte mit allem was er in der Küche gefunden hatte ein leckeres Abendessen zubereitet, während Link die erste Weinflasche geöffnet hatte, die er aus dem sehr gut bestückten Weinkeller des Schlosses mitgebracht hatte. Kaylen und Lucien hatten Link alles darüber erzählt, wie sie sich getroffen und verliebt hatten. Link schien immer besser mit der Situation klarzukommen, auch wenn ihm der Gedanke, dass Kaylen und Lucien bereits eine Nacht miteinander verbracht hatten (Kaylen war dieses doch recht intime Detail aus Versehen herausgerutscht) etwas unbehaglich zu sein schien. Aber trotzdem merkte man ihm von Minute zu Minute mehr an, wie sehr er sich freute, dass Kaylen so glücklich war, während ihm dieser teilweise so verliebt von Lucien vorschwärmte, dass Lucien beinahe rot wurde.

"Also, auf euer Wohl!" verkündete Link schließlich und hob sein Glas.

"Auf euer Wohl!" wiederholte Melina, die sich den ganzen Abend bemühte, Link nicht verzückt anzustarren. Lucien und Kaylen erhoben ebenfalls ihre Gläser und die vier stießen miteinander an.

"Ich danke dir." Kaylen nahm einen kleinen Schluck Wein und lächelte Link dankbar an, der ihm gegenüber saß.

"Nichts zu danken. Schmeckt der Wein?"

"Ausgezeichnet!" bestätigte Melina eifrigst und schenkte Link ihr bezauberndstes Lächeln. "Schließlich hast du ihn ja auch mitgebracht, da kann er ja nur herrlich schmecken, aua!"

Lucien hatte ihr unterm Tisch vors Schienenbein getreten. Er lächelte seine Schwester unverblümt an.

"Ist etwas?" fragte Link erschrocken.

"Nein, nein, nur ein Wadenkrampf!" wiegelte sie ab, nicht jedoch ohne ihren Bruder mit einem bösen Blick zu bedenken.

"Melina hat das manchmal, sie treibt einfach zu wenig Sport, mein Schwesterherz, nicht wahr?"

"Ja..." knurrte Melina und im nächsten Moment zuckte Lucien zusammen und rieb sich verstohlen sein Bein, unter den hämischen Blicken seiner Schwester. Kaylen konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

"Und du willst wirklich keinen Wein?" wechselte Link an Lucien gewandt das Thema.

Dieser schüttelte den Kopf. "Nein, der Saft reicht mir vollkommen."

"Wenn du Sorgen hast, er könnte dir vielleicht zu trocken oder so sein, ich habe noch zwei andere Weine mitgebracht, wir finden sicher was für dich."

"Nein, lieber nicht..."

"Oder verträgst du zu wenig und hast Angst, dich schlecht zu benehmen?" grinste Link.

Lucien atmete schwer aus und schob seinen Teller ein Stück von sich weg. "Hör zu, Link, ich will dich nicht vor den Kopf stoßen, versteh das bitte, ich bin mir sicher, der Wein ist wirklich vorzüglich, vor allem da er aus dem Weinkeller eines waschechten Schlosses kommt, aber es wäre absolut keine gute Idee, wenn ich davon trinken würde. Du würdest eine Seite an mir kennen lernen, die dir sicher nicht gefallen würde."

"Lucien..." Melina streckte ihre Hand über den Tisch aus und legte sie auf die ihres Bruders. "Bist du sicher?"

"Ja, Melina, warum auch nicht? Schließlich liebe ich Kaylen und zu viele Geheimnisse sollte man auch nicht haben, oder?" Dabei lächelte er Kaylen an, der ihn verwirrt und etwas besorgt anblickte. Lucien lehnte sich im Stuhl zurück. "Um die Wahrheit zu sagen: Ich trinke keinen Wein oder sonstigen Alkohol weil ich von dem Zeug mal abhängig war." Ein betretenes Schweigen folgte. Kaylen und Link sahen Lucien etwas unsicher an. "Hey! Jetzt macht nicht so ein Gesicht, ich bin darüber hinweg, okay? Kein Problem! Ich hab seit vielen Jahren keinen Tropfen mehr angerührt und habe auch nicht vor das wieder zu tun."

"Es... es tut mir leid..." stotterte Link, "Ich hab ja nicht gewusst... das..."

Lucien zuckte mit den Schultern. "Woher hättest du es auch wissen sollen?"

Kaylen griff nach Luciens Hand. "Ich hab dir doch auch schon Alkohol angeboten, ich hätte nie... Oh Mann, warum hast du das denn nie gesagt?"

Lucien lächelte. "Kaylen, wir kennen uns seit zwei Tagen, weiß ich denn alles von dir? Es ist sicherlich nicht etwas womit man beim ersten Rendezvous hausieren geht, dass ich früher an die zehn solcher Flaschen am Tag versoffen habe, obwohl ich später eher Schnaps als Wein getrunken habe, weil es damit schneller ging betrunken zu werden. War keine tolle Zeit damals. Melina war noch zu jung um etwas davon mitzubekommen, aber ich hab es ihr später erzählt."

"Wie alt warst du da?"

"Ich war gerade mal fünfzehn als ich angefangen habe zu trinken. Melina war zu der Zeit sieben Jahre alt."

"Und was haben deine Eltern gesagt?" wollte Link wissen.

"Noch so ein Thema!" grinste Lucien. "Zu der Zeit hatte ich noch nicht einmal mehr Eltern. Sie waren beide schon lange tot zu der Zeit, ich bin mit meiner Schwester auf mich allein gestellt seit ich zwölf war. Ich habe aber eh nie richtige Eltern gehabt, weil ich für meine Eltern eher eine Last als ein Kind war. Aber ich weiß nicht, ob ihr zwei es verstehen könnt, wie es ist, keine Eltern zu haben."

"Oh doch!" nickte Link. Er sah Kaylen an. "Darf ich?" Sein rothaariger Freund nickte nur. "Ich bin bei den Kokiri aufgewachsen, einem Waldvolk, das vollkommen abgeschieden lebt, ohne Eltern. Mit zehn hab ich dann den Wald verlassen und erfahren, dass meine Eltern, meine wahren Eltern schon lange tot waren. Ich traf Zelda, meine Frau, die meine Hilfe benötigte. Auf der Reise, die ich daraufhin antrat, wurde ich sieben Jahre lang im Vakuum der Zeit gebannt. Erst als Siebzehnjähriger kam ich nach Hyrule zurück. Eine richtige Kindheit hatte ich also auch nicht. Kaylen traf ich ein paar Jahre später er ist..."

"Lass mich bitte..." unterbrach ihn Kaylen. "Ich kam als Dämon hierher. Im Gefolge von Links und Zeldas ärgstem Feind. Am Ende wurde ich zu einem Menschen und konnte mich daran erinnern, wer ich war und das ich nur in einen Dämon verwandelt wurde. Wann das aber geschehen ist, wer meine Eltern sind und warum dies alles passiert ist weiß ich aber bis heute nicht."

Als er seine Ausführung beendet hatte, herrschte Schweigen am Tisch. Jeder blickte auf seinen Teller, die Stimmung war plötzlich unangenehm gedrückt.

"Hey, genug Trübsal geblasen!" durchbrach Lucien sie schließlich. "Wir haben alle einiges durchgemacht, ganz offensichtlich. Da ihr jetzt so gut lebt, hatte ich sofort angenommen, dass es schon immer so war. Aber hey, was soll's? Kommt es nicht darauf an, dass wir jetzt glücklich sind? Die schweren Zeiten sind vorbei und ich denke, es ist besser frohen Mutes in die Zukunft zu schauen als immer betrübt auf die Vergangenheit!"

Kaylen lachte, beugte sich zu Lucien herüber und gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Kannst du jetzt verstehen, warum ich mich in ihn verliebt habe?"
 

Einige Zeit später. Link schob die Haustür hinter sich zu und trat auf die Wiese vor dem Farmgebäude hinaus. Der Mond stand mittlerweile hoch am Himmel, er hatte sein Zenit schon beinahe überschritten und tauchte die Farm in weißes Licht. Schnell entdeckte er Kaylen, der in einiger Entfernung an der Hauswand lehnte auf die verlassene Koppel hinausblickte. Der Wind ließ die Schaukel am Baum neben der Koppel leicht schwingen und flüsterte in den wenigen Blättern, die noch an den Ästen hingen. Die Nacht war beinahe sternenklar und ziemlich kalt. Link verschränkte die Arme vor dem Oberkörper, ihm fröstelte. Langsam ging er zu Kaylen hinüber.

"Was ist los?"

"Hm?" Der Gerudo wandte sich um und lächelte, als er Link sah. "Ach nichts... ich brauchte etwas frische Luft."

"Hat dich das was Lucien uns da erzählt hat schockiert?"

"Das er mal alkoholsüchtig war? Nein..." Kaylen schüttelte den Kopf, "Nein, wirklich nicht. Ich meine, er hat mir schon gesagt, dass er kein Engel sei und warum sollte ich ihm etwas vorwerfen, was längst hinter ihm liegt. Ich liebe ihn und nur das zählt."

"Da hast du recht!" seufzte Link. "Mann oh Mann, es ist immer noch ein verdammt komisches Gefühl, dich so über einen Mann reden zu hören. Lass uns doch ein paar Schritte gehen, wenn wir hier so rumstehen friere ich."

"Wie du möchtest." Eine Zeitlang gingen die beiden schweigend an der Koppel entlang.

"Sag mal, wie soll es eigentlich weitergehen?" fragte Link schließlich.

"Wie meinst du das?"

"Na, wie schon? Ich meine, es ist wunderbar dass du ihn sehr liebst und mit ihm glücklich bist, aber was wenn Malon wieder da ist? Wo wollt ihr wohnen? Denn wenn ich dich erinnern darf, das alles hier gehört nicht dir, nicht einmal ein Teil davon. Und ich will ja nicht unken, aber ich glaube wenn Malon die Wahrheit erfährt wirft sie dich hochkant raus."

"Du hast schon recht." Kaylen blieb stehen und lehnte sich an den Weidezaun. "Und ich kann es ihr noch nicht einmal verdenken... Aber ich kann nicht anders..."

Link lehnte sich neben ihn und blickte zu den Sternen hinauf. "Hör zu... du weißt gar nichts davon, weil ich schon im Schloss wohnte als du hierher kamst, aber ich besitze ein Haus in Castletown. Keine Villa, aber ich konnte mich auch nie davon trennen, ist sehr gemütlich in guter Lage... es wäre genug Platz für drei Leute dort..."

Kaylen sah ihn verdutzt an. "Du meinst du würdest...?"

Link nickte lächelnd. "Ja, wenn du willst gehört es dir. Ich schenke es dir!"

"Das kann ich nicht annehmen!"

"Rede keinen Unsinn, klar kannst du!"

"Aber ich..."

"Keine Widerrede! Sieh es als verfrühtes Geburtstagsgeschenk für meinen besten Freund. Wenn du es nicht nimmst, steht es eh leer! Also hör auf dich zu zieren!"

"Danke!" Kaylen umarmte Link stürmisch und überschwänglich. "Du bist der Beste!"

"Hey, Vorsicht!" lachte Link und klopfte Kaylen auf die Schulter. "Du erwürgst mich ja! Nicht das Lucien noch eifersüchtig wird!" Kaylen löste lachend sich von ihm.

"Das ist so toll von dir!"

"Jetzt mach keine große Sache daraus! Ist doch selbstverständlich dass ich einem Freund helfe. Allerdings kann ich dir nicht helfen, wenn es um die anderen Probleme geht."

"Ich weiß schon, was du meinst..." seufzte Kaylen und seine Stimmung sank wieder. "Das Baby..."

"Ja genau, das Baby... was willst du deswegen tun?"

"Ich weiß noch nicht..." Kaylen blickte zu Boden, dann sah er Link auf einmal grinsend an. "Aber ich werd mir noch was überlegen, wenn es soweit ist! Los komm, ein Wettrennen zurück zum Haus, wer zuletzt da ist muss morgen Frühstück machen!" Mit diesen Worten rannte er los.

"Hey!" Link schüttelte den Kopf, bevor er ebenfalls losrannte. So kannte er Kaylen. Immer schob er seine Sorgen gern ein Stück weg. In diesem Moment schwor sich Link, Kaylen immer zur Seite zu stehen und schickte ein Gebet zu den Göttinnen, dass sein Freund mit heiler Haut aus der ganzen Situation herauskommen würde.
 

Zur gleichen Zeit räumten Melina und Lucien im Haus den Tisch ab.

"Wo ist Kaylen? Und mein süßer Link?" wollte Melina wissen, während sie die Teller in die Küche trug.

Lucien nickte mit dem Kopf nach draußen. "Kaylen wollte etwas frische Luft schnappen und Link ist ihn suchen gegangen. Die beiden sollen sich ruhig mal etwas allein unterhalten. Und nenn ihn nicht deinen süßen Link, der Mann ist verheiratet, mach mir ja keine Schande!" grinste er.

"Ich doch nicht!" lachte Melina und brachte den Brotkorb in die Küche. "Meinst du, es war richtig ihnen von der Sache mit dem Alkohol zu erzählen?" fragte sie, als sie bei ihrem Bruder ankam, der die leeren Weinflaschen wegräumte.

"Warum nicht? Ich meine, wenn Kaylen das stören würde, müsste ich mich schon sehr arg in ihm täuschen und Link scheint auch damit umgehen zu können. Eine einfache Kindheit hatten ja schließlich auch beide nicht."

"Auch wieder wahr." Lucien wollte die Gläser in die Küche bringen, als Melina ihn am Arm fasste. "Aber dir ist schon klar, dass es morgen soweit ist, oder? Wie willst du ihm das erklären?"

Lucien seufzte. "Mal sehen, vielleicht muss ich das ja gar nicht, wenn ich es hinbekomme, dass er nichts merkt. Am anderen Ende der Koppel ist ein alter Steinturm, der wäre ideal."

"Wenn du meinst..." ächzte Melina, "Deine Zuversicht möchte ich haben... aber ich helfe dir natürlich..."

In diesem Moment wurde die Tür aufgestoßen und Link rannte hinein. "Erster!" lachte er, vollkommen außer Atem. Kaylen folgte ihm in diesem Moment.

"Das gibt es doch nicht! Dabei hatte ich extra geschummelt!"

"Tja, ohne Pferd unterm Hintern bist du einfach zu langsam! Damit wäre die Frage nach dem Frühstück geklärt!"

"Ihr beiden habt wohl Spaß, was? Während wir hier schuften!" lachte Lucien.

"Oh, du armer Mann!" feixte Link.

Melina gähnte. "Ich glaube, ich gehe dann mal schlafen."

"Ja, eine gute Idee!" grinste Lucien und zog Kaylen an sich. "Lass uns ins Bett gehen, Schatz!"

Kaylen wurde rot und versuchte sich aus der Umarmung zu befreien. "Lucien, Link schläft im Nebenzimmer, also beherrsch dich!"

"Och, solange ihr nicht zu laut seid, ist das schon in Ordnung!" grinste Link, wobei er sich selbst nicht wiedererkannte.

"Oh, oh!" kicherte Melina, "Dann wohl besser nicht, bei den beiden wackeln die Wände, so laut wie die rumstöhnen!" Sie warf sich auf dem Fuß herum und rannte lachend die Treppe hinauf.

"Melina!" stieß Kaylen erschrocken hervor.

"Warte, wenn ich dich in die Finger kriege!" grinste Lucien und setzte seiner Schwester nach. Link und Kaylen bliebe im Wohnzimmer zurück.

"Tut mir leid..." sagte Kaylen etwas verschämt.

"Vergiss es, ich finde die beiden sehr amüsant, ich glaube, ich kann die beiden wirklich ins Herz schließen. Selbst wenn ich nicht weiß warum, du hast zumindest Geschmack, was Männer angeht!" scherzte er und klopfte Kaylen auf die Schulter, bevor er die Treppe hinauf stieg. Kaylen folgte ihm und bald senkte sich die Stille der Nachtruhe über die Farm.

Beast

Am nächsten Morgen stand Link trotz Kaylens Niederlage als erster auf. Er suchte seine Sachen zusammen, schlich sich aus dem Haus und reckte sich erst einmal genüsslich im Schein der Morgensonne. Er trug hatte seine Hose bereits angezogen, sein Oberkörper war trotz der morgendlichen Frische frei. Dünne weiße Wolken zogen am Himmel entlang und ein schwacher Wind wehte über die langsam erwachende Farm. Die erste Geräusche von Kühen und Pferden waren aus dem Stall zu hören, bei den Hühner herrschte hingegen schon Hochbetrieb. Link legte sein Hemd auf dem Baumstumpf an dem sonst das Feuerholz gehackt wurde, ging zur Pumpe neben dem Haupthaus und hielt den Kopf darunter. Er begann zu pumpen und nur ein paar Sekunden später kündigte das Knarren den eiskalten Wasserschwall an, der sich daraufhin über seinen Kopf ergoss und den Schlaf endgültig von ihm absprengte. Link warf den Kopf in den Nacken, Wasser perlte von seinen Haaren und lief über seinen nackten Oberkörper und seinen Rücken. Er rieb sich durch die Augen, öffnete sie und blickte in diesem Moment genau in Luciens grinsendes Gesicht, der ein Stück entfernt an der Hauswand lehnte. Link erstarrte in der Bewegung.

"Guten Morgen!" grinste Lucien und warf Link sein Hemd zu. Dieser fing es auf, und zog es so schnell er konnte an.

"Ähm... Morgen..." antwortete er schließlich. Luciens Blick und das ständige Grinsen machten ihn mehr als nervös.

"Hast du Angst?"

"Nein... Nein! Warum sollte ich?!"

Lucien lachte. "Meine Güte, dich kann ja vielleicht schnell aus der Fassung bringen! Hey, ich bin kein böses Monster, erinnerst du dich? Und notgeil bin ich auch nicht. Nur weil du mir hier deinen zugegebenermaßen sehr sexy Oberkörper präsentierst falle ich nicht über dich her und vergehe mich an dir!"

Link spürte wie sich seine Wangen erhitzten. "Ich stelle mich wohl ziemlich dumm an...."

"Nein, tust du nicht, du bist nur etwas nervös wegen der neuen Situation, aber glaube mir, weder von Kaylen noch von mir droht dir Gefahr!" kicherte Lucien, "Aber vor meiner Schwester solltest du dich in Acht nehmen, der solltest du vielleicht nicht so eine Vorstellung bieten!"

"Ich kann mich gerade noch beherrschen!"

Lucien lachte leise, dann kam er plötzlich auf Link zu und strich ihm mit dem Zeigefinger über den Halsausschnitt seines Hemdes, von den Schlüsselbeinen bis zum Adamsapfel. "Allerdings muss ich zugeben, ich hätte nichts dagegen, wenn du Kaylen und mir mal Gesellschaft leisten würdest, ich würde schon dafür sorgen, dass du deinen Spaß hast!" hauchte er.

Link schlug seine Hand weg. "Sag mal, spinnst du? Ist das dein Pendant zu Vielweiberei, oder was?"

Lucien blickte ihn an und langsam, ganz langsam, verzog sich sein eben noch lasziv geschürzter Mund zu einem immer breiteren Grinsen. "Ich glaube, ich werde noch viel Spaß mit dir haben, dich kann man ja herrlich leicht aufs Glatteis führen, Blondie!" lachte er.

Link begriff, dass er schon wieder hereingefallen war. "Das zahl ich dir noch heim, wart es nur ab!"

"Ich kann es kaum erwarten!" grinste Lucien hämisch und zwinkerte Link zu. Doch dann wurde er wieder ernst. "Darf ich mal mit dir reden, Link? Ich meine ganz im Ernst, ohne Witze."

"Du darfst, aber ich bin mir nicht so sicher, ob du das auch kannst!" lachte Link.

"Hey, du kannst ja schlagfertig sein! Also, was ich sagen wollte..." Lucien lehnte sich an die Hauswand und blickte zum Himmel. "Es tut mir verdammt leid... ich meine die ganzen Sachen, die ich dir an den Kopf geworfen habe... und besonders, das ich dich geschlagen habe..."

"Hab ich doch schon längst vergessen und vor allem war ich nicht viel netter zu dir..."

"Ich will nur, dass du weißt, dass es mir leid tut und das ich mittlerweile eine ganz andere Meinung von dir habe. Das du hierher gekommen bist, dass du soviel Größe gezeigt hast und Verständnis für Kaylen aufgebracht hast, das rechne ich dir verdammt hoch an. Du bist wirklich in Ordnung, Link."

"Das aus deinem Mund zu hören, bedeutet mir viel, Lucien. Meine Meinung von dir hat sich auch sehr verändert. Aber eigentlich ist das was ich hier gemacht habe, das einzig richtige gewesen, was ich tun konnte. Weißt du, auf meine Art liebe ich Kaylen auch. Er bedeutet mir sehr viel. Ich glaube nur meine Frau ist mir wichtiger im Leben. Kaylen ist der Bruder, den ich niemals hatte, meine Familie, die ich niemals hatte. Ihn nur deswegen zu verlieren, weil er einen Mann liebt, das wäre unvorstellbar, ich hab nur Zeit gebraucht, um das zu begreifen."

Lucien wandte den Blick von den am Himmel vorbeiziehenden Wolken ab und sah Link an. Er lächelte. "Ich bin froh, dass Kaylen dich hat. Ich wäre glücklich gewesen, wenn ich in meinem Leben je einen so guten Freund gehabt hätte."

Link nickte und ging dann an Lucien vorbei zur Haustür. "Wer weiß, vielleicht hast du ihn gerade gefunden, das wird die Zeit zeigen!" Er zwinkerte Lucien zu. "Und jetzt lass uns nachsehen, wie weit Kaylen mit dem Frühstück ist!" Damit betrat er das Haus.

Lucien blieb einen Moment vollkommen verdutzt stehen, dann schmunzelte er und folgte Link.
 

Link hatte sich gegen Mittag auf den Heimweg gemacht und der Rest des Tages war ereignislos gewesen, Kaylen hatte jedoch die ganze Zeit das Gefühl gehabt, dass Lucien irgendwie nervös wurde, je näher der Abend kam. Als es Zeit wurde, ins Bett zu gehen, entschuldigte Lucien sich mit der Begründung noch nicht müde zu sein und versprach, bald nachzukommen, Also ging Kaylen allein schlafen.
 

Die Dunkelheit der Nacht lag über den Lon Lon-Farm. Kaylen hatte seine Bettdecke nahezu von sich herunter geschoben und bewegte sich unruhig im Schlaf. Seine Augen zuckten unter seinen Lidern hin und her und Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn.
 

Er ging einen langen, dunklen Gang entlang, auf einen Lichtschein in der Ferne zu. Seine Schritte machten kein Geräusch auf dem nicht sichtbaren Boden. Die Finsternis um ihn herum verschluckte alles, er sah nicht einmal die Hand vor Augen. Seine Kleidung war vollkommen schwarz und verschmolz mit der Umgebung.

Plötzlich flammte neben ihm ein Licht auf. Ein greller Kegel aus Helligkeit, der direkt aus der Schwärze über ihm zu kommen schien. In dieser Insel aus Licht stand Link, gehüllt in ein Gewand aus weißer Seide. Kaylen stolperte seinem Freund entgegen, froh endlich ein vertrautes Gesicht zu sehen.

"Link! Was ist das hier?" Seine Stimme hallte unwirklich verzerrte aus allen Richtungen wieder. Der blonde Hylianer antwortete nicht, sondern starrte ihn nur an.

"Link! Was ist los?!"

"Du hast mich sehr enttäuscht..." sagte Link plötzlich mit eiskalter Stimme.

"Was? Warum? Was hab ich denn getan?"

Ein weiterer Lichtkegel flammte auf. In einem blütenweißen Kleid, das ihr in dem grellen Licht ein nahezu unwirkliches Strahlen gab, stand dort Zelda. Sie hob den Finger und deutete auf Kaylen. "Er ist es!"

Kaylen verstand überhaupt nichts mehr. "Was soll ich sein? Was ist denn bloß los, um Himmels Willen? Link!"

In diesem Moment erschienen noch mehr Lichter um Kaylen herum. Sie verdeckten vollkommen den Weg zum Ende des Ganges und ließen Kaylen nur noch die Möglichkeit, wieder in die Finsternis zurückzukehren. Malon tauchte in einem der Lichtkreise auf, ebenso Salia, die kleine Kokiri, Impa, die Amme der Prinzessin aus dem Volk der Shiekah, Darunia, der massige König der Goronen, Prinzessin Ruto vom Volk der Zora und auch die Gerudoherrscherin Naboru, alle in blendendem Weiß gekleidet. Die Sieben Weisen, Link und Malon schauten mit unbewegten Gesichtern und kühlem Blick auf Kaylen, der ängstlich einen Schritt zurückwich.

"Was wollt ihr von mir?!"

"Hochverrat!" donnerte Darunia mit seiner durchdringenden Stimme.

"Jetzt wird er sehen, was er davon hat!" fügte Salia hinzu und ihr kindliches Gesicht verzerrte sich zu einer Fratze des Hasses.

"Eine Schade!" rief Impa.

"Verrat!" empörte sich Ruto.

"Ein Skandal!" ließ sich nun auch Naboru vernehmen.

Kaylen bekam es mit der Angst zu tun. Flehend blickte er Link an, der ihn weiterhin unbewegt musterte. "Link, bitte! Was soll das alles?"

"Jetzt wird er sehen, was er davon hat!" lautete Links Antwort und er zog sein Schwert.

"Nein!" Kaylen warf sich herum und rannte. Er taumelte in die Finsternis hinein, immer weiter, in wilder Panik. Um ihn herum kreisten plötzlich die Köpfe der Weisen und beschimpften ihn.

"Verrat!"

"Ein Skandal!"

"Die Schande!"

Plötzlich war Malon neben ihm, sie hielt mühelos mit seinem Lauftempo mit, obwohl sie noch nicht einmal die Füße bewegte, sie schien einfach neben ihm zu schweben. "Er ist verlogen, eiskalt und brutal!"

"Lasst ihn nicht entkommen!" hörte er Links Stimme.

"Dieses Verbrechen vergessen wir nie!" setzte Zelda hinzu.

"Aber ich hab doch gar nichts getan!" flehte Kaylen verzweifelt. Seine Lungen brannten wie Feuer, während er in blanker Angst immer weiter rannte.

In diesem Moment erblickte er Lucien, er ihm die Hand entgegenstreckte. Mit aller Kraft versuchte Kaylen ihn zu erreichen, doch egal wie schnell er rannte, die Entfernung wurde nicht kleiner. Auf einmal packte ihn jemand und er geriet ins Straucheln. Bevor er das Gleichgewicht wieder finden konnte, fiel er. Seine Hände klatschten in eine Wasserlache und von einer Sekunde auf die nächste war es hell um ihn. Allerdings nur, weil seine Verfolger mit ihren Lichtkegeln ihn umringt hatten, Lucien war verschwunden.

"Er gehört nicht zu uns!" stellte Zelda fest.

"Er hat nie zu uns gehört!" bestätigte Impa.

"Er war nie ein Teil von uns!" sagte Salia in einem Ton, der Kaylen das Blut in den Adern gefrieren ließ.

"Einmal betrog man uns, glaubt ihm ja kein Wort!" . schrie Malon.

"Die Bestie kennt keine Moral!" kam es von Ruto.

"Und auch deshalb gehört er nicht zu uns!" endete Daruni

Kaylens Blick fiel plötzlich auf die Wasserlache vor ihm und sein Spiegelbild. Rote Haare, graugrüne Haut, goldene Augen, ein aufwendiger Kopfschmuck mit einem roten Stein, ein verschlagenes Grinsen, er kannte diesen Mann, er wusste wer es war. Aber das war doch nicht er! "Nein! Das bin ich nicht!" rief Kaylen und seine Stimme überschlug sich vor Angst. Wie von Sinnen schlug er mit den Händen auf die Lache ein um das Spiegelbild zu verwischen, als sich eine Hand beruhigend auf seine Schulter legte. Er blickte sich um und Link stand hinter ihm. Er lächelte auf ihn herab und streckte ihm die Hand entgegen. Kaylen ergriff sie und Link zog ihn hoch. Die beiden Freunde standen sich gegenüber, während die anderen, die sie umringten, plötzlich verstummten. Link lächelte Kaylen an und breitete die Arme aus.

"Link... danke..." schluchzte Kaylen und warf sich seinem Freund in die geöffneten Arme. Link umarmte ihn, klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter, wie früher. Kaylen klammerte sich an ihn, selbst als sein Freund die Arme wieder sinken ließ.

"Danke... ich wusste, dass du zu mir halten würdest, Link..."

In diesem Moment riss er die Augen auf. Schmerz zuckte durch seinen Körper. Er blickte erschrocken an sich herunter. Link hielt einen langen Dolch in seiner Hand, den er bis zum Heft in Kaylens Bauch gerammt hatte. Blutspritzer hatten die weißen Kleider des Hylianers besudelt. Kaylen hob den Blick und schaute Link in die Augen.

"Er gehört nicht zu uns..." lächelte Link und drehte den Dolch mit einem widerlichen Geräusch in Kaylens Eingeweiden, bevor er ihn wieder aus seinem Körper zog.

Die Beine des Gerudo versagten ihren Dienst, er brach zusammen und fiel in die Wasserlache. Das Wasser färbte sich rot von seinem Blut. Der Kreis aus Personen zog sich immer mehr um ihn zusammen, während alle im Chor immer wieder "Jetzt sieht er, was er davon hat!" riefen.

Kaylen streckte hilfesuchend seine Hand nach oben, doch niemand ergriff sie. Link ging in die Knie und hob den Dolch. Alles verschwamm vor Kaylens Augen, der Schmerz wurde immer schlimmer. "Ich... hab... doch... nichts getan..." brachte er noch hervor, dann rammte Link ihm die Waffe mit voller Wucht in die Brust, direkt über dem Herzen und Kaylen wurde schwarz vor Augen... Seine Hand fiel zur Seite...
 

"Nein! Ich hab nichts getan!" brüllte Kaylen und fuhr aus dem Schlaf hoch. Er war schweißgebadet. Einen Moment lang blickte er in die Dunkelheit seines Schlafzimmers, dann fing er an zu weinen. Die Tränen liefen unaufhaltsam, er konnte einfach nicht anders. Der Anblick von Links Augen, als er den Dolch in seinen Körper rammte, hatte sich in Kaylens Gedächtnis eingebrannt. Er schluchzte heftig und presste sein Gesicht in die Hände. Warum geschah das mit ihm? Warum hatte er so furchtbare Träume? Endlich beruhigte er sich langsam. Seine Augen brannten wie Feuer und seine Nase war vollkommen zu. Er tastete in seinem Nachttisch nach einem Taschentuch und putzte sie sich. Es war kühl im Zimmer, stellte er fest, das Fenster war ein Stück offen und die Frische der Nacht zog herein. Er fröstelte.

"Lucien, schläfst du?" Er wandte sich zur anderen Seite des Bettes, um sich in Luciens Arm zu kuscheln, der offensichtlich einen festen Schlaf hatte. Er war allein. Verwundert tastete Kaylen über die verlassene Nachbarseite des Bettes. Das Bettzeug war unbenutzt, die Matratze kalt, hier hatte heute Nacht definitiv noch niemand geschlafen. Eine seltsame Angst streckte ihre Finger nach Kaylen aus, die Angst, dass Lucien ihn verlassen haben könnte. Nein! Sei kein Idiot! Das hat er nicht, auf keinen Fall! Trotzdem stand er auf und holte sich ein Hemd und eine Hose aus dem Schrank um sich anzuziehen. Leise öffnete er schließlich die Tür zum Flur und schlüpfte hinaus. Er schlich zu Melinas Zimmer und schob vorsichtig die Tür auf, um hineinzuspähen. Luciens Schwester lag in ihrem Bett und schlief, offenbar tief und fest. Eine Welle der Erleichterung erfasste Kaylen, wenn Melina noch da war, war es Lucien definitiv auch! Aber wo ist er, das ist hier die Frage! Kaylen wollte Melina nicht wecken, also zog er die Tür wieder ins Schloss und begab sich nach unten. Schnell hatte er die restlichen Räume des Hauses durchsucht, aber Lucien blieb wie vom Erdboden verschluckt. Treibt der sich etwa bei der Kälte draußen herum? Kaylen trat ins Freie hinaus und bekam auf der Stelle eine Gänsehaut. Die Nacht war furchtbar kalt, aber sternenklar. Keine Wolke verdeckte den riesigen Vollmond am Nachthimmel, der die gesamte Farm in weißes Licht tauchte. Kaylen war froh, seine Arbeitsschuhe zu tragen, allerdings waren seine Füße wohl seine einzigen warmen Körperteile. Er blickte sich um. Nirgendwo war ein Zeichen von Lucien zu erkennen. Die Schaukel war verwaist, die Stallungen vollkommen ruhig, niemand lehnte am Zaun der Koppel. Kaum war er ein paar Schritt gegangen, zeriss plötzlich ein Heulen die Stille der Nacht. Kaylen fuhr zusammen. Das Geheul schwoll an, hallte durch die Dunkelheit. Es erinnerte an einen Wolf, hatte aber etwas unwirkliches... unheimliches. Kaylen spürte, wie seine Hände feucht wurden, Angstschweiß rann über seinen Rücken. Das Geheul kam eindeutig von der Farm! Das bedeutete, dass Wesen, dass diesen furchtbaren Laut verursachte, musste sich hier, innerhalb der Mauern der Lon Lon-Farm aufhalten, in unmittelbarer Nähe zu ihm. So schnell er konnte riss Kaylen die Axt aus dem Hackblock auf dem das Feuerholz gespalten wurde und hielt sie fest umklammert. Vielleicht hatte Lucien das Geräusch auch gehört und befand sich nun in Lebensgefahr! Warum hat der Idiot mich nicht geweckt und ist allein losgezogen?! schoss es Kaylen durch den Kopf. Da schallte das Geheul wieder über die Farm. Es kam eindeutig vom anderen Ende des Geländes, von dem alten Lagerturm. Ich kann sie einfach nicht mehr alle haben, ich bin bekloppt! schollt sich Kaylen selbst, als er sich auf den Weg zum Turm machte. Aber er konnte Lucien, sollte er dort sein, doch nicht im Stich lassen. Und ihn morgen vielleicht von einem wilden Tier zerfleischt vorzufinden, den Gedanken wollte Kaylen lieber gar nicht zu Ende denken. Er bemühte sich, keinen Laut von sich zu geben und auch möglichst leise zu gehen, auf diese Art dauerte es allerdings einige Zeit, den Turm zu erreichen. Währenddessen erklang noch mehrmals dieses furchtbare Wolfsgeheul. Kaylen spürte, wie seine Hände zitterten und die Kälte der Nacht kroch unangenehm durch seine vom Schweiß durchnässte Kleidung. Ganz ruhig... du bist ein Mann und kein Feigling! Du bist ein Mann! Und du wirst doch wohl noch mit einem Tier fertig! Der Gedanke war logisch, beruhigte ihn aber keineswegs. Endlich erreichte er die Tür des Turms. Mehrere Holzscheite blockierten sie. Was um alles in der Welt? Kaylen stemmte die Scheite zur Seite und öffnete die Tür. Sie quietschte fürchterlich, das Geräusch schien so laut, dass es in Kaylens Kopf hämmerte. Langsam und vorsichtig schlich er in den Raum hinein, die Axt bereit vor sich. Der alte Lagerraum war vollgestellt mit Kisten, Heuballen und Unrat. Das fahle Mondlicht fiel durch ein vergittertes Fenster hoch oben in der Wand ein und erhellte den Raum mehr schlecht als recht. Kaylen hatte den Raum fast zur Hälfte durchquert, als plötzlich die Tür ins Schloss fiel. Er zuckte so heftig zusammen, dass er vor Schreck die Axt fallen ließ, die beinahe auf deinem Fuß landete. Glanzleistung, ich höre schon, wie sich die Leute darüber unterhalten. Farmer sucht eingedrungenes Tier und hackt sich selbst den Fuß dabei ab! Kaylen kehrte zur Tür zurück und drückte die Klinge herunter. Nichts geschah. In diesem Moment dämmerte es ihm, Talon hatte ihm gesagt, dass die Tür des Lagerraumes von innen nicht geschlossen werden durfte. Sie klemmte! Man konnte sie nur von draußen öffnen, deswegen lagen dort immer Holzscheite, um sie offen zu halten. Talon hatte sogar ein Schild zur Warnung neben der Tür angebracht, dass Kaylen im Dunkeln vergessen hatte. Wird ja immer besser! Jetzt häng ich hier drin fest! Aber nicht mit mir! Meinetwegen schlag ich die Tür ein! Kaylen drehte sich herum, um die Axt aufzuheben und erstarrte mitten in der Bewegung. Er war nicht mehr allein!
 

Mitten im Raum saß die Quelle des Geräuschs, dass Kaylen gehört hatte. Ein Wesen, wie Kaylen es noch gesehen hatte und am liebsten wohl auch nie gesehen hätte. Das Tier war mindestens zwei Meter groß, ging aber auf vier Beinen. Der Körper war drahtig und über und über mit struppigem dunkelbraunen Fell bedeckt. Aus der länglichen, wolfsähnlichen Schnauze des Tiers ragten lange Fangzähne und Geifer tropfte von den Lefzen, als es Kaylen anknurrte. Stechende gelbe Augen fixierten den Gerudo und nahmen jede noch so kleine Bewegung sofort wahr. Während das Tier näher kam, es befand sich bereits zwischen Kaylen und der Axt, klackerten seine langen Krallen bei jedem Schritt auf dem Steinboden des Turmes. Kaylen schnappte nach Luft, seine Kehle war wie zugeschnürt. Das war's dann! der Gedanke, hier in diesem Turm von dieser Bestie zerfleischt zu werden, hämmerte in seinem Kopf. Er wollte noch nicht sterben, nicht hier, nicht jetzt und schon gar nicht so. Langsam, Schritt für Schritt, stets bemüht, keine hastigen Bewegungen zu machen, bewegte sich Kaylen von der Tür weg an der Wand entlang. Er musste das Tier umrunden, um an die Axt zu kommen, seine einzige Chance! Seine Finger tasteten über die unregelmäßigen Steine der Wand hinter ihm, sein Atem ging stoßweise, während er seine Auge keine Sekunde von dem Wesen wendete, er wagte noch nicht einmal zu blinzeln. Er hatte das Tier halb umrundet, als es passierte. Der Wolf oder was auch immer es sein mochte, spannte seinen Körper und sprang nach vorn. Kaylen reagierte innerhalb von Sekunden, mit einer Präzision, die nur von den Unmengen an Adrenalin stammen konnte, die sein Körper ausschüttete. Er tauchte zur Seite weg und warf sich in Richtung der Axt. Der Wolf rammte gegen die Wand. Leider war Kaylens Sprung nicht weit genug gewesen. Er konnte die Axt nicht erreichen. So schnell er konnte, versuchte er wieder auf die Beine zu kommen, doch die Bestie war schneller. Kaylen hörte sie knurren, wirbelte herum, doch es war schon zu spät. Sämtliche Luft wurde aus einen Lungen gepresst und für Sekunden wurde es ihm schwarz vor Augen, als das Wesen mit seinem vollen Gewicht gegen ihn flog, dann holte ihn der unsanfte Aufprall und der Schmerz, der durch seinen rechten Fuß raste, wieder in die Realität zurück. Er lag auf den Rücken, unfähig sich zu rühren, der Wolf stand mit seinen Vorderpfoten auf seinem Brustkorb und sein Gewicht drückte Kaylen beinahe die Luft ab. Die Schnauze des Tieres befand sich direkt über seinem Gesicht, er konnte den heißen Atem aus Nüstern und Maul auf seiner Haut spüren. Geifer tropfte auf seinen Hals und sein Gesicht. Nicht durchdrehen, nicht durchdrehen!Er war weit genug nach hinten geworfen worden, um die Axt zu erreichen. Seine Hand tastete zur Seite und fand den Griff des Werkzeugs. Seine Finger schlossen sich um den Griff, er spannte die Muskeln seines Armes, bereit, das Werkzeug in die Seite des Tieres zu rammen. In diesem Moment krachte die eine Pfote des Wolfes auf seinen Arm nieder, so heftig und schmerzhaft, dass er den Griff der Axt wieder los ließ.

"Ist ja gut!" presste Kaylen hervor, "Ich lasse sie ja liegen! Ist gut!" Konnte es sein, dass dieses Ding verstanden hatte, was er vor hatte und das er jetzt aufgegeben hatte? Kaylen schloss die Augen und erwartete den Schmerz, wenn das Ding ihn in die Kehle biss. Er hatte es zumindest versucht. Als nichts geschah, öffnete er die Augen und sah nach oben. Der Wolf starrte ihn an, seine gelben Augen schienen direkt in Kaylen hinein zu sehen. Seine gelben Augen... gelb war vielleicht die falsche Beschreibung, sie waren eher golden. Kaylen konnte sein Spiegelbild auf der großen goldenen Pupille erkennen. Goldene Augen... In ihm keimte ein geradezu unglaublicher Gedanke auf.

"Lucien...?" fragte er leise. Natürlich antwortete der Wolf nicht, aber er tat auch sonst nichts. Besser als nichts... dachte sich Kaylen. In diesem Moment zog der Wolf sich zurück. Er nahm die Pfoten von Kaylens Brust und Arm und setzte sich neben ihn auf die Hinterpfoten. Kaylen versuchte sich zu erheben, doch auf einmal zuckten Schmerzen durch seinen Fuß. Mit einem Stöhnen auf den Lippen fasste Kaylen sich an sein Fußgelenk. Er spürte eine Schwellung. Ohne Vorwarnung stellte sich der Wolf auf alle vier Pfoten und drückte seine Schnauze gegen Kaylens Hand, welche dieser erschrocken zurückzog. Doch der Wolf tat etwas, womit Kaylen am allerwenigsten gerechnet hätte. Er begann, über Kaylens Knöchel zu lecken! In was bin ich denn hier bloß hinein geraten?! Kaylen verstand die Welt nicht mehr. Offenbar wollte das Biest ihm jetzt plötzlich nichts mehr tun, viel mehr schien es dafür sorgen zu wollen, dass seine Schmerzen nachließen. Konnte das wirklich Lucien sein? Das war doch einfach unmöglich! Aber nach diesem Erlebnis hielt Kaylen eigentlich gar nichts mehr für unmöglich.

"Da... danke..." stammelte er und erschrak gleich wieder, als der Wolf ihn in diesem Moment den Kopf zuwandte. Er kam wieder näher. Kaylen rutschte im Reflex ein Stück nach hinten, bis sein Rücken gegen eine Kiste stieß. Der Wolf näherte sich seine Gesicht und bevor er sich versah, glitt die lange, raue Zunge des Tieres über seine Wange. So unheimlich er auch aussehen mochte, so grotesk diese Situation auch war, Kaylen konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dies irgendwie niedlich war. Zitternd hob er seine Hand und tastete vorsichtig nach dem Nacken des Tieres. Das Fell war drahtig und hart, aber die Haut darunter warm. Erst jetzt wurde Kaylen bewusst, wie kalt es im Raum war. Jetzt da sich das Adrenalin langsam reduzierte, spürte er die Kälte, die durch seine viel zu dünne, vollkommen durchnässte Kleidung drang. Außerdem war sein Hemd teilweise zerfetzt von den Klauen des Tieres. Er begann zu zittern. Der Wolf hob den Kopf und hielt ihn leicht schräg, während er Kaylen musterte.

"Mir ist nur etwas kalt..." sagte Kaylen. Bin ich eigentlich vollkommen meschugge? Ich rede mit einem Wolf und bilde mir auch noch ein, dass er mich versteht!

Der Wolf schnaubte, dann ging er plötzlich dreimal im Kreis und drückte sich dann eng an Kaylen heran. Der junge Mann schrak zusammen, als der Wolf sich so eng an ihn presste, dass er sogar den Herzschlag des Tieres fühlen konnte. Der Wolf blickte ihn kurz an und schloss dann die Augen. Er hält mich warm... ich fasse es nicht, er hält mich warm... Tatsächlich übertrug sich die Wärme des Tierkörpers sehr schnell auf Kaylens Körper. Der Gerudo schaute auf den Wolf herunter. Dieser hatte die Augen geschlossen und atmete nun gleichmäßig. Er war eingeschlafen. Kaylen wandte den Blick zur Axt hinüber, die immer noch in Reichweite auf dem Boden lag, die Klinge glänzte im Mondlicht. Wenn ich schnell genug wäre, könnte ich ihn vielleicht erschlagen... aber will ich das? Kaylen konnte seine eigenen Gedanken kaum fassen. Aber was wenn dieses Tier wirklich Lucien war? Die Augen... sie sahen genauso aus wie Luciens rechtes Auge... konnte das ein Zufall sein? Er würde einfach abwarten müssen, bis der Morgen kam. Er hatte entweder die Möglichkeit, sich zu fügen und das beste aus der Sache zu machen oder doch zu versuchen, den Wolf zu töten. Er entschied sich für die erste Möglichkeit.

"Na dann gute Nacht..." flüsterte Kaylen. Der Wolf gab ein Geräusch von sich, dass einem Schnarchen ähnelte.
 

"Hey, wach auf!"

Die Stimme klang aus weiter Ferne in seine Träume. Dieses mal waren es keine Albträume, sondern Visionen von Wölfen, die eigentlich kuscheln wollten. Groteske Traumbilder. Und jetzt kam auch noch ein hübsches Mädchen dazu, dass sich über ihn beugte.

"Schläfst du immer so fest?"

Das hübsche Mädchen kam noch näher. War das nicht Melina? Was tat sie. Als sie Kaylen heftig in den Oberarm kniff wurde aus dem Traum schlagartig Wirklichkeit. Kaylen fuhr hoch. Melina stand tatsächlich vor ihm und sah ihn etwas verdutzt an.

"Wer? Was? Wo bin ich? Wo ist der Wolf?! Hat er dich angegriffen?"

"Welcher Wolf?" Doch die Frage schien etwas gezwungen und nicht ganz der Wahrheit zu entsprechen.

"Natürlich der Wolf der gestern Nacht hier in der Scheune war! Versuch jetzt ja nicht mir einzureden, ich hätte ihn mir eingebildet! Er hat sich genau hier hingelegt, genau hier..." Kaylens ausgestreckter Zeigefinger deutete auf Lucien, der nackt und zusammengerollt zu seinen Füssen lag und tief und fest schlief. Kaylens Augen wurden groß. Ungläubig blickte er erst den nackten Mann, dann Melina und schließlich wieder Lucien an.

"Was geht hier vor?"

Melina zuckte mit den Schultern und ließ sie dann sinken. "Leugnen ist wohl zwecklos, aber lass es dir lieber von meinem Herrn Bruder selbst erklären, wenn er wieder zu sich kommt, ich halte mich da raus..."

"Er wird mir einiges zu erklären haben..." grummelte Kaylen.



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu dieser Fanfic (36)
[1] [2] [3] [4]
/ 4

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von: abgemeldet
2005-08-14T18:43:53+00:00 14.08.2005 20:43
kannst du mir büdde die ff an ryffabian@hotmail.com und per ens
Von: abgemeldet
2005-04-02T14:09:16+00:00 02.04.2005 16:09
Das Lied, dass Lucien singt gefällt mir, ich kenne es zwar nicht, aber der Text ist wunderschön!
Ich kann es nur immer wieder sagen, dass ich Lucien und Kaylen total gern hab! Ich mag einfach verliebte Pärchen!^^
Arg, aber Melina muss auch mal an ihrem Timing arbeiten...sie hatte zwar einen guten Grund zu stören, aber trotzdem *grummel*
Ach und die Versöhnung von Link und Kaylen war auch so schön! (ich glaub ich muss mir ein paar neue adjektive überlegen, ich wiederhol mich ja ständig! das is ja schlimm!)
Jetzt hab ich Link wieder lieb! *Link tätschel*
Und der Spitzname Kay gefällt mir!^^
Hihi und Humor war auch zur Genüge in dem Teil! Das war einfach genial!^^
Ich liebe es einfach! Du kannst immer so tolle Unterhaltungen schreiben!^^ Ich beneide dich darum so!^^

Aber das mit der Vergangenheit von Lucien hat mich ein wenig überrascht! ich muss zugeben, dass es mir komisch vorgekommen ist, dass er keinen Alkohol trinken wollte, aber ich hätt nicht gedacht, dass es ihm so ähnlich, wie Sly gegangen ist! Puh! Du hast es mit düsteren Vergangenheiten!^^
Aber irgendwie finde ich es gut, dass jeder von deinen Charas keine so schöne Vergangenheit hat, das schweißt auch zusammen! *gg*
Bin ich froh, dass ich schon weiß, warum Lucien den Steinturm aufgesucht hat und warum seine Schwester immer wieder davon so geheimnisvoll geredet haben!^^ Sonst würde ich dich jetzt wahrscheinlich nerven mit irgendwelchen Theorien!^^ Lala, obwohl ich eh schon vermutet hab, dass er sich in einen Wehrwolf verwandeln würde!^^

So... nun hab ich es endlich geschafft alles zu kommentieren und meinen Senf dazu zu geben!^^

Schönen Tag noch!
Und ich warte auf die Fortsetzung!^^

baba
Kathi
Von: abgemeldet
2005-04-02T13:51:00+00:00 02.04.2005 15:51
hehe, nach Links Auftritt fand ich es soooo befriedigend *hust*, dass Lucien so über ihn hergezogen ist!^^ Er hat sich auch wie ein Arsch aufgeführt!
Ich meine sein bester Freund hat gerade eine schwierige Zeit zu durchstehen und er führt sich wie ein Elefant in einem Porzellanladen auf!^^
Ach...beide Seiten sind irgendwie verständlich, obwohl ich trotzdem auf Luciens und Kaylens Seite stehe! basta!
So was is einfach schwierig...aber ich finde du hast es gut gelöst!^^

Auch wenn ich mir gedacht habe Lucien soll Link eine so richtig schöne verpassen!^^ *gggggg* Du weißt gar nicht wie ich gegrinst habe, als die beiden aufeinander losgegangen sind und jedes Mal, wenn Link ihm eine gescheuert hat, mit dem Zähnen geknirscht habe!
Aber...so eine Schlägerei schweißt doch irgendwie zusammen! *ggg*
Die Wachen haben einfach gestört und ich hab danach Lucien noch mehr ins Herz geschlossen!^^ *tröt*
Zuerst hab ich ja schon gedacht, du machst es so, dass sich die beiden auch gut verstehen und gute Freunde werden...das hat mich verwirrt, denn ihm Stecki steht ja, dass Lucien Link mit "Blondie" so gerne ärgert und darauf hab ich nur noch gewartet! *gggggggggg*
Bin ich froh, dass es Lucien geschafft hat Link dazu zu bringen mit Kaylen zu reden!^^ Zwar auf eine ungewöhnliche Weise, aber Jupiii!^^

Dada
Kathi
Von: abgemeldet
2005-04-02T13:35:33+00:00 02.04.2005 15:35
*gg* ich finde es witzig, dass sich Lucien vor Pferden fürchtet!^^
Mir sind diese Tiere auch nicht geheuer...wenn ich ehrlich bin! Aus der Ferne sind sie alle schön und gut und wenn andere Leute damit gerne reiten, bitte!^^ Ich kann darauf verzichten!^^
Vielleicht trau ich mich auf ein Pferd, wenn ich nicht alleine bin! Aber sonst...wären diese Tiere mir zu unsicher! Wenn ich da allein oben sitzen würde...ich glaub dann würde ich vor Angst sterben und Angst davor haben,dass das Tier durchgehen könnte!
Aber wenn ich mit Kaylen reiten könnte...mh!^^ Ja dann setz ich mich auch darauf!^^

ich hab mich erschreckt, als Link da so einfach in der schönen Zweisamkeit von Lucien und Kaylen aufgetaucht ist! Das war nicht nur ein Schrecken für Kaylen!
Aber ich sag dir was, ich hätte Kaylen dafür schlagen können, dass er Link in Bezug auf Lucien angelogen hat! Okay, Link hatte auch schlechtes Timing, das geb ich zu...aber Lügen? Ich kann Lügen nicht ausstehen! Schon gar nicht unter besten Freunden...naja in meinen Geschichten ist es auch nicht anders...aber da hat mich das irgendwie mitgenommen und ich hab inständig gehofft, dass Link nicht allzu böse sein wird deswegen!
Ich weiß nicht, was ich an Kaylens Stelle getan hätte, aber das mit dem Ausreiten und dass Lucien einfach mit dem Pferd abhaut, war schon etwas merkwürdig!^^ Jaja, die Nervosität, davon kann ich nur Lieder singen! ich mach da auch immer total peinliche, blöde sachen....

Ich kann Lucien nur allzugut verstehen! Ich an seiner Stelle wäre ebenfalls total sauer auf Kaylen, aber muss das auch verstehen...er kann ja Link nicht einfach ins Gesicht schmeißen, dass er zu einem Homo mutiert ist und bereits eine heiße Liebesnacht hinter sich hat! Das wäre zu heftig gewesen...einfach eine schwierige, unpassende Situation! Link, du solltest an deinem Timing arbeiten!
Gott sei Dank hatte Lucien eh dafür Verständnis!^^ Er wäre in meiner Lieblingsscala sonst nach unten gerutscht!^^

Tja...dieses kleine Plappermaul von kleiner Schwester!^^ Naja so richtig geplappert hat sie ja nicht, eher hat sie es nur nebenbei erwähnt!
*gg* Die Arme tut mir ja auch irgendwie leid! Muss sie ausgerechnet ein Auge auf Link werfen, der schon vergeben ist! Pech...davon gib't auch so viel auf der Welt! (merkt man, dass ich gerade nicht gut drauf bin? Oo)

Ich hab schon mal gesagt, dass Link echt schlechtes Timing hat! Okay, er war wütend, aber dass die beiden in einer eindeutigen zweideutigen Pose dastehen müssen? tz...das war ja klar!^^
Aber die Reaktion von Link fand ich ziemlich heftig! Mir hat das Herz weh getan, als ich das gelesen hab!
Gott Kaylen hat mir sooo leid getan und ich hab ne Stinkwut auf Link gehabt, das glaubst du gar nicht!
ich an seiner stelle, hätte mich gefreut, wenn mein bester freund gesagt hätte er sei schwul, ok...ich wäre stinksauer gewesen, wenn er mir das nicht sofort gesagt hätte, aber diese Reaktion war echt heftig!
puh...kein wunder, dass ich keine zeit für kommis hatte! Diese Cliffhanger sind auch zu gemein!^^ *lied davon singen kann* lala

Bussi,
Kathi
Von: abgemeldet
2005-04-02T10:56:48+00:00 02.04.2005 12:56
*hust* *Lucien knuddel*
Er ist ja sooo megasüß, wenn du mich fragst!^^
Gott, ich weiß ja schon gar nimmer was ich alles schreiben soll!^^

Egal, ich fang mal an!^^
So...als Lucien seine Schwester beim mopsen erwischt hat, hab ich mal schmunzeln müssen (ich meine Kaylen war wirklich unvorsichtig, dass er sie reingelassen hat...aber egal!^^)!^^ Ich mag Melina, sie hat irgendwas sympathisches an sich, was ich nicht beschreiben kann!^^ Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass sie die Schwester meines Schnuffis ist? *gg* Keine Ahnung! XP
*schmelz* Ich war einfach nur platt, wie Lucien gemeint hat, er möchte sich hier niederlassen und er hat seinen Richtigen gefunden!^^ Sooo schön! Du weißt gar nicht, wie ich die Geschichte verschlungen hab!^^ ...vielleicht doch, weil die Kommis erst jetzt kommen *hust*
*räusper*
Die Tatsache, dass Lucien die Beziehung von Kaylen und Malon kaputt macht, ist schon traurig...und mir tut Malon auch wirklich leid...sie ist bis jetzt die einzige Person, mit der ich Mitleid hab, dass der Freund schwul geworden ist! Sont war mir das bei anderen Geschichten total wurscht und da hab ich mir immer nur dacht, na endlich hat er schluss gemacht!
Aber Malon...für sie tut es mir leid...büdde mach sie wieder glücklich! Ich meine, sie und Kaylen haben soooo viel durchgemacht, was ihre Liebe sicher noch mehr zusammengeschweißt hat und deswegen finde ich es auch etwas komisch, dasa sich Kaylen von ihr abgewandt hat!
Aber andererseits versteh ich es auch vollkommen! Ich meine, er ist jung und ihm ist einfach auf der Farm langweilig, mit anderen Worten, er hat einfach alles überstürzt und war noch nicht bereit für eine feste Beziehung mit Kind unf Hochzeit und allem drum und dran!^^
*Malon knuddel* *tröst* Keine Angst, Raffi findet schon eine Lösung dich wieder glücklich zu machen! Schon allein wegen dem BABY!!! *hust*
Öhm...was ich eigentlich sagen wollte, ich finde es einfach toll, dass Kaylen und Lucien so schnell zueinander gefunden haben, aber ... naja ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es wirklich so schnell gehen kann...kann schon sein, es war fast Liebe auf den ersten Blick.... ich kann mich da nicht so hineinversetzen, weil mir das noch nie passiert ist, aber ich findes es schön, dass sich die beiden haben!^^

So noch zu der Szene, wo Kaylen so Angst ghabt hat, dass Lucien verschwunden ist! *ggggggggggg* Soooo toll!^^ Das war ja einfach nur lieb!^^
*seufz* *sowas total schön findest* *träum*
und die beiden zusammen sind sooo unbeschreiblich lieb!^^ Ich kann es immer wieder sagen, ich hab die beiden total ins Herz geschlossen!^^

dada
Kathi
Von: abgemeldet
2005-04-02T09:46:17+00:00 02.04.2005 11:46
*gg* Wie ich schon mal gesagt hab, deine Adultteile sind ein Wahnsinn!^^
Toll!^^ Ich liebe diese Story!^^
*Lucien knuddel und nimmer loslass*
Kaylen: He!
Kathi: Schon gut, schon gut! Er gehört eh dir!^^ *durch die schönen langen Haare von Lucien streichel*

XD Ich mag seine Haare!^^
*Kaylen tätschel* und du bist der niedlichere von euch beiden!^^

ICH LIEBE DIESES PAIRING!!! *kreisch*
Von: abgemeldet
2005-04-02T09:37:02+00:00 02.04.2005 11:37
Ach du kannst dir ja gar nicht vorstellen, wie happy ich war, als Lucien und Melina bei Kaylen daheim aufgetaucht sind!^^
ich hab schon immer wieder nur daraufhin gelesen, dass Lucien wieder auftaucht!^^ *gggggggggg*
Jup, er hat's mir angetan!^^ Vor allem in diesem Teil ist es um mich geschehen!^^ Höhö!^^ Jaaaa, Kathi hat ihren Oberliebling gefunden!^^
Es ist schwer zu beschreiben warum, aber seine offene direkte Art ist einfach herrlich!^^ Ich musste einfach immer wieder schmunzeln, wie er mit Kaylen umging!^^ Gut finde ich passt auch sein starkes Selbstbewusstsein zu ihm!^^ Das erinnert mich ziemlich an David, meinst du nicht? *gg* Ja, ich glaube mir haben es solche Typen angetan! *ggggggggg*
Aber Kaylen is ja auch ein besonderes Sahnehäupchen, das muss ich zugeben!^^ Sooo süß und gutaussehend!^^ Und meiner Meinung passt er auch hervorragend zu Lucien!^^
*kreisch* Der ganze Teil war voll mit Kaylen und Lucien! *Kapitel drück* ich liiiieeebe das Kapitel!^^
Kaylen war ja sooo süß schüchtern und Lucien so toll bestimmend! Jeah! *fg*
Was mir noch soooo gefallen hat, war, dass Kaylen ja irgendwie 'abhängig' von Lucien war!^^ *ggggggggg*
Also, das Kapitel war einsame spitze, geil und hat mal wieder Witz, Humor, Romantik und Spannung drinnen gehabt!^^
Wie schaffst du das nur?!?!
Großartig!^^ *Lucien knuddel*
Tut leid, er hat's mir angetan!^^
*ggggggggggggggggggggggggggggggggggggggggg*

Dada,
Kathi
Von: abgemeldet
2005-04-01T22:18:31+00:00 02.04.2005 00:18
*kreisch* Jupiii!
Dieses Kapitel war toll!

Und jetzt weiß ich endlich, was hinter dem Geheimnis von Lucien steckt!^^ Mehr oder weniger, mein ich!^^ Bin mal gespannt, wie er und warum er zu einem Wolf wird!^^
Ich hab mir aber schon so was gedacht, dass das dahinter steckt! Schon als Kaylen das Auge endteckt hat!^^

Ganz ruhig... du bist ein Mann und kein Feigling! Du bist ein Mann! Und du wirst doch wohl noch mit einem Tier fertig!

*gggggggggggg* denkst du dir das auch immer, wenn du eine Spinne erledigen musst? *kicher*
Sry, hab ich mir nur beim Lesen gedacht!^^

Aja...was ich auch komisch fand, war der Traum! Ich meine nicht komisch, verdammt ich hab's heute auch mit dem Ausdrücken *seufz*...ich meine, kann es sein...ist nur eine Vermutung und ich denke, dass das sonst ein GANZ RIESIGER Zufall wäre, wenn es nicht so wär, aber du hast da nicht zufällig mein Lieblingslied von Der König der Löwen 2 eingebaut? *ggggggggg*
Am Anfang hab ich mir ja noch gedacht, dass das Zufall ist, aber, da sich das den ganzen Traum gezogen hat...*ggggggggggggggg* ich fand's spitze! Vor allem weil die Charas bei mir gesungen und nicht geredet haben! *gg*

Nya, sonst fand ich es total spannend, wie Kaylen in den Turm gegangen ist und die 'Bestie' gefunden hat!
Ich hab schon schlimmstes befürchtet, weil er mit ner Axt bewaffnet war! Bin ich froh, dass das so gut ausgegangen ist! Puh! Hab mitgefiebert, obwohl ich total müde war/bin!

Sodala, ich wollte mir das erst noch auf die noch fehlenden Kommis aufsparen, aber ich kann es nicht mehr zurückhalten!^^
ICH LIIIIEEEEBE LUCIEN!!!!
*ggggggggggggggggggggggggggg*

Er ist einfach göttlich!^^
Und mir gefällt es total gut, dass er Link neckt!^^ Das find ich einfach spitze!
Überhaupt ist er ein toller Charakter!^^
Ich hab ihn echt gerne!^^
Kaylen ist auch schnuckelig, aber momentan hab ich Lucien am Liebsten!^^

Ich hab mich ja wieder mal weggeschmissen, als Lucien Link vorgeschlagen hat ihm und Kaylen Gesellschaft zu leisten!^^ *ggg*

*Link knuddel und tätschel*
*Kaylen und Lucien zu Lieblingspairing krön*

So, die fehlenden Kommis folgen morgen! bin schon total müde und penn gleich ein!^^

*abschmus*
dada ^^ ^^ ^^

Kaddi
Von: abgemeldet
2005-03-30T17:10:15+00:00 30.03.2005 19:10
HA! Na endlich!^^
ich hab schon gedacht, ich werde noch verrückt, wenn ich nicht bald den Namen dieses Unbekannten erfahre!^^
Höhö, ich glaub ich guck mal zu den Steckis, die du da bei der Geschichte hast!^^ (hab mich bis jetzt geweigert, weil ich nicht irgendwas vorher erfahren wollte! *gg*) Aber ich kann mich nimmer zurückhalten!^^
Lucien!^^ Klingt schön!^^
Ich hab aber soooo grinsen müssen, als Kaylen nicht von der Idee begeistert war!^^ Das hab ich mir ja schon dacht, als Zelda das vorgeschlagen hat!^^ *lach*
Ich bin schon auf die nächste Begegnung gespannt!^^

*knuddel*
Kathi

P.S.: Ich glaub ich hab's noch nicht erwähnt, aber dein Schreibstil ist wieder mal umwerfend!^^
Von: abgemeldet
2005-03-30T15:32:11+00:00 30.03.2005 17:32
Jaaaaaaaaaaaaaa!!!!!!!!!!
Es ist passiert!^^ *freu*
Jupiii! *herumhüpf*
Ich freu mich so! Muahahahaha! Kaylen!^^ Er wird mir sympathisch, das muss ich zugeben!^^
Lala, ich lese später weiter, jetzt muss ich ja was tun!^^

Aber die Unterhaltung mit Link und Kaylen war total lieb, wo er das mit dem lieb haben erwähnt!^^ *gg*

*ggg* hehe!^^ Ich liebe diese Geschichte!^^

*knuddel*
Kathi


Zurück