Ein Wochenende im November
FeenjaWesker Und schon wieder eine Woche rum.
Meine Therapeutin würde mir vermutlich zustimmen, aber ich denke dass es mir ganz gut tun würde, wenn ich diesen Blog einfach weiter mache. Tagebücher sind eigentlich nicht so mein Ding. Aber ich bin kürzlich über eine Fototagebuch App gestolpert, mit der ich überaus zufrieden bin. Denn sie tut genau das, was sie tun soll. Ohne Online-Zwang, ohne Anmeldung (optional), ohne irgendwelchen SchnickSchnack. Einfach ganz privat für mich, was ich übrigens als tolle Übung nutze, um mein Japanisch zu verbessern :) In einer Onlinewelt, in welcher man gefühlt permanent sichtbar ist und es nur noch darum geht sich bewerten zu lassen; sei es freiwillig oder unfreiwillig; ist es erstaunlich angenehm, mal etwas nur für sich selbst zu machen, ohne unangenehme Kommentare fürchten zu müssen. Oder noch schlimmer: Verbesserungsvorschläge.
Wenn ich ehrlich bin, finde ich die immer am unangenehmsten, was einen sehr seltsamen Hintergrund hat, den ich aber weiter unten schon mehrfach und ausführlich erklärt habe.
Eigentlich ist der Spätherbst schön 🍁
Wie es dem Spätherbst zu eigen ist, gehen mir im Augenblick sehr viele Dinge durch den Kopf. Da wäre zum einen meine berufliche Situation. Nein keine Sorge, eigentlich ist alles gut und die Probleme die wir haben, scheinen sich allmälich zu lösen. Trotzdem waren die letzten 14 Monate wirklich zu viel; und das obwohl ich mit derlei Stress sehr gut umzugehen weiß.
Was mir im Moment das meiste Kopfzerbrechen bereitet, ist der Fakt, dass ich gemerkt habe, dass mir die Arbeit im Team einfach nicht gut tut. Soziale Interaktion ist für Menschen wie mich (ASS) ein generelles Problem und das beständige Dauerfeuer aus Telefonaten, technische Beratung und dem Ausbilden meiner Kollegin, führt zu einem starken Verschleiß meines inneren Akkus.
Letzte Woche war ich 4 Tage lang komplett alleine in meiner Abteilung und dabei habe ich zum wiederholten Mal deutlich gespürt, was für einen gewaltigen Unterschied das macht!
Das ständige Interagieren mit anderen und vor allem das tagtägliche, stundenlange Masking, fressen mich immer mehr auf. Weswegen ich es kaum noch abwarten kann, den Kundenbetreuer-Posten abgeben zu können! Dann kann ich mich wieder nur noch auf meine Arbeit als Operator konzentrieren und muss nur noch im Krankheits- oder Urlaubsfall die Vertretung übernehmen.
Aber abgesehen von meiner beruflichen Situation, beschäftigt mich zudem auch unser Familienleben. Natürlich kann ich hier nicht zu viel davon in die Öffentlichkeit zerren. Aber so langsam macht sich die Zeit bemerkbar, was sich in erster Linie daran zeigt, dass Anfang des Jahres erst der ältere Bruder meiner Oma und dann der ältere Bruder meines Opas verstorben sind.
Zusätzlich dazu wird mein Vater dieses Jahr 60; was irgendwie ein merkwürdiger Gedankengang ist. Denn wer meinen Vater kennt, der wird mir das definitiv nicht glauben!
Ganz im Gegensatz zu seinem besten Freund. Wer die beiden nebeneinander sieht wird denken, dass zwischen ihnen ein Altersunterschied von gut und gern 10 Jahren besteht. Dabei ist es genau umgekehrt. Was Alkoholmissbrauch und die permanente Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben so anrichten kann, ist wirklich erschreckend.
Dieses Bewusstwerden über die Endlichkeit des Lebens, verstärkt sich ins besondere im Spätherbst enorm. Dabei mag ich diese Jahreszeit gern und das ohne jede Form von Spiritualität, mit der ich nicht viel anzufangen weiß. Der Spätherbst strahlt diese spezielle Form der Ruhe aus und wenn mal wieder einer dieser Tage ist, an denen sich eine dichte Nebeldecke über alles legt, hat das einen merkwürdig beruhigenden Effekt auf die eigene Stimmung. Die Welt bekommt sichtbare Grenzen, die einem manchmal ganz gut tun. Zudem mag ich es, dass die Natur ihre vielfältigen Strukturen preis gibt, welche im Frühjahr und im Sommer hinter einer Wand aus Gras und Blättern verschwindet. Die Äste der Bäume, Wolken die durch die Gewalt von Herbststürmen phantastische Formen annehmen und freiliegende Felsen, unterschiedlichster Erdzeitalter. Anstatt also den November als kalt, düster und hässlich zu verurteilen, sollte man vielleicht einfach nur genauer hinschauen.
Ein Fisch aus Bernstein 🐟
Eine Freundin meiner Mutter hat das Bernsteinschleifen für sich entdeckt und will in Zukunft Kurse in kleiner Runde dafür geben. Wir waren gestern also die Versuchskaninchen.
Ich habe als Kind schon gern getöpfert, geschnitzt und später auch gern Körbe geflochten. War also wirklich mal wieder schön, etwas mit den Händen zu fertigen. Auch wenn ich zunächst einen ganz anderen Rohstein im Blick hatte.
Beim Wühlen in der Kiste fiel mir dann aber dieser hier ins Auge und ich dachte mir: "Moment, wenn ich den so drehe, sieht der aus wie ein Fisch."
Tja und jetzt habe ich einen kleinen Fisch aus Bernstein. Aus Zeitgründen kam ich nicht mehr dazu, weitere Details einzubauen. Aber das hole ich nach, wenn ich wieder zurück in Leipzig bin :) Hab ein paar nette kleine Ideen und das Loch für die Öse ist ebenfalls schon gebohrt.
Bernstein ist ein wirklich schöner Werkstoff, vor allem wenn man ihn schön glatt geschliffen hat. Dann fühlt er sich in den Fingern an wie Kunststoff.
Übrigens auch eine gute Methode, wenn man einen Stein am Strand findet und sich nicht ganz sicher ist, ob es sich dabei um Bernstein handelt. Einfach gegen die Schneidezähne klopfen und wenn es sich anfühlt wie Kunst. Aber vorsicht vor Phosphor. Also beim Sammeln nicht einfach in die Hosentasche stecken. Phosphor geht schnell in Flammen auf. Also lieber ein passendes Behältnis mitnehmen, dann sollte nichts passieren.
Schwere Brandwunden bei Verwechslung mit Phosphor
Gefährlich kann es allerdings werden, wenn Sammler Phosphor mit Bernstein verwechseln: Phosphor kann sich bei Temperaturen ab 20 Grad entzünden und schwere Brandwunden verursachen. Allerdings sind die Funde glücklicherweise immer noch sehr selten. Da Phosphor und Bernstein zunächst nur schwer voneinander zu unterscheiden sind, empfiehlt es sich, den vermeintlichen Bernstein zunächst in einer Blechdose oder einem Einmachglas zu sammeln und nicht in die Hosen- oder Jackentasche zu stecken. (NDR)
Die Feloidea Evolution
Was mich diese Woche ganz froh gemacht hat, war dass ich es endlich geschafft habe, die Evolution meines Feloidea-Virus zu vervollständigen. Und das nach fast 11 Jahren! Ich hatte mir das schon etwas länger vorgenommen, aber irgendwie nie Zeit und Muse gefunden, um die Übersichten zu erneuern. Was vielleicht aber auch ganz gut war.
Denn im Rahmen des Prequels, habe ich die Chance genutzt und mich mal um die ganzen Logikfehler gekümmert, so dass es nun ein halbwegs stimmiges Bild abgibt, mit dem ich mehr als zufrieden bin und irgendwie auch ein bisschen stolz.
🐾Die Feloidea Erkrankung - Feloidea Website
Wobei es immer noch merkwürdig ist, wenn ich mir vorstelle, dass dies hier mal als Fanfiction über Youtuber angefangen hat! Zuerst als normale Werkatzengeschichte, die gerade einmal 10 Kapitel lang werden sollte. Dass das Worldbuilding irgendwann aber derart außer Kontrolle gerät, hätte ich im November 2014 definitiv nicht erwartet. Wobei der Erfolg und die Leserschaft, welche die Geschichte damals hatte, sehr stark dazu beigetragen hat.
Ohne treue Leser wie Flauschi und Kesuna, die wirklich alles kommentiert haben und, in Kesunas Fall, sogar Fanarts zeichneten, hätte ich Feloidea 2015 bereits beendet. Dann hätte es den Stammbaum, Johann, Erik, Christine, Satoshi und Stjørdal niemals gegeben. Ganz zu Schweigen von allem was sonst noch damit zu tun hat. Das ist es, was mir an dem Hobby mittlerweile am meisten fehlt und von dem ich sicher bin, dass es auch nie wieder zurückkehren wird, in Zeiten von Social Media, 30 Sekunden Aufmerksamkeit und AI-Content.
Ich für meinen Teil weiß aber, dass ich lieber meinen Internetvertrag kündigen würde, als jemals AI generierte Artworks oder Fanfictions auf das Netz los zu lassen. Das bedeutet, dass alles was ihr von mir lesen und sehen werdet, von mir selbst erschaffen wurde! Dass es trotzdem irgendwie im Schlund der AI-Monsten landen, von diesen gefressen und später in missgestalteter Form wieder ausgegeben werden kann, ist mir dabei durchaus bewusst. Mit dieser Gefahr lebe ich und ich müste lügen wenn ich behaupte, dass es mir keine Angst macht. Ins besondere wenn es um das Wohl meiner Kätzchen geht.
Feloidea begleitet mich nun schon seit ganzen 11 Jahren, mehr oder weniger aktiv und in gewisser Weise könnte man sogar sagen, dass meine Katzen seitdem eine interessante Evolution durchgemacht haben. Nicht nur innerhalb der Story, sondern auch im übertragenen Sinne. Wenn ich könnte, dann würde ich sie gern komplett von der Youtuber-Fanfiction entkoppeln, weil die mir wirklich ausgesprochen peinlich ist. Aber natürlich geht das nicht, aus mehreren Gründen.
Ist halt wie im richtigen Leben. Man muss lernen mit der eigenen Vergangenheit umzugehen.
Wie dem auch sei. Ende November habe ich zwei Wochen Urlaub, die mir auf jeden Fall gut tun werden.
Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag und kommt gut in die nächste Woche.
Feenja Wesker
